Bill Bland: Stalin – Mythos und Wirklichkeit

JWStalinEs gibt Dutzende Bücher und Zeitungsartikel über J.W. Stalin, und nur wenige, die dieser bedeutendsten Persönlichkeit des vergangenen Jahrhundert gerecht werden. Dieses Manuskript, geschrieben von dem englischen Kommunisten Bill Bland, war ursprünglich dafür vorgesehen, auf der Konferenz „Der internationale Kampf der Marxisten-Leninisten“ im Oktober 1999 in Paris verlesen zu werden. Doch der vorliegende Vortrag wurde nie gehalten, da sich Genosse Bland im allerletzten Moment nicht mehr darum kümmern konnte. Dieser Beitrag ist jedoch eine bedeutsame Zusammenfassung der Erkenntnisse aus mehreren Jahrzehnten Nachdenkens und aus der konkreten, sachlichen und tiefgründigen marxistisch-leninistischen Forschung. Er ist hervorgegangen, aus einem Vortrag, den Genosse Bland 1975 vor der jungen Kommunistischen Liga gehalten hatte. Er wurde verteilt und hat die marxistisch-leninistische Bewegung entscheidend beeinflußt.

Heute akzeptiert fast jeder, der sich einen Marxisten-Leninisten nennt, daß die Kommunistische Partei der Sowjetunion, in ihren letzten Jahren von Revisionisten beherrscht wurde – d.h. von Leuten, die behaupteten, Marxisten-Leninisten zu sein, die in Wirklichkeit aber den Marxismus-Leninismus entstellten, um den Interessen einer wachsenden kapitalistischen Klasse zu dienen. In einer Frage jedoch gibt es noch Unstimmigkeiten, nämlich die:

Wann begannen in der KPdSU die Revisionisten zu dominieren?

Diesen Zeitpunkt datieren die meisten Menschen auf den XX. Parteitag der KPdSU 1956, als Chruschtschow seine falsche marxistisch-leninistische Maske abwarf. Es gibt jedoch guten Grund zu glauben, daß viele Jahre vor dem Tod Stalins 1953 eine Mehrheit in der sowjetischen Führung entweder versteckte oder latente Revisionisten waren.

  • Warum, zum Beispiel, hörte Stalin, der in der internationalen kommunistischen Bewegung in den 1920er Jahren eine so aktive Rolle spielte, nach 1926 damit auf?
  • Warum wurde die Veröffentlichung der Werke Stalins, die mit sechzehn Bänden vorgesehen war, vier Jahre vor seinem Tode 1949 mit dem Band 13 beendet?
  • Warum wurde Stalin nicht gebeten, den Bericht des ZK auf dem XIX. Parteitag 1952 vorzutragen?
  • Warum blieben die letzten Schriften Stalins über Themen wie Linguistik und die Kritik eines vorgeschlagenen Lehrbuches über die Volkswirtschaft auf Themen beschränkt, die von versteckten Revisionisten als harmlos angesehen werden könnten, hatte Stalin sie nicht in Angriffe auf revisionistische Ideen verwandelt?
  • Warum überraschte die sowjetische Regierung 1947 allgemeine Meinung in der Welt, indem sie plötzlich ihre Außenpolitik umwendete, um den amerikanischen Vorschlag für die Teilung Palästinas gutzuheißen, was als so verhängnisvoll für die Nationen des Nahen Ostens erwies?

Des Personenkult um Stalin

All das hat nur Sinn – und ich glaube, nur dann – wenn wir die Tatsache akzeptieren, daß einige Jahre vor seinem Tod Stalin und seine marxistisch-leninistischen Mitstreiter in der Führung der Sowjetunion in der Minderheit waren. Die Tatsache der Existenz einer revisionistischen Mehrheit in der Führung der KPdSU wurde effektiv durch den „Personenkult“ verborgen, der um Stalin aufgebaut worden war. Stalin selbst hat diesen „Kult“ kritisiert und bei zahlreichen Gelegenheiten verspottet. Doch es ging weiter. Daraus folgt, daß Stalin entweder ein völliger Heuchler war, oder unfähig war, diesem „Kult“ ein Ende zu machen. Der Initiator dieses „Personenkults“ um Stalin war tatsächlich Karl Radek, der sich bei seiner öffentlichen Probe 1937 des Verrates für schuldig bekannte.

Der oberste Speichellecker

Ein typisches Beispiel des „Kults“ ist folgendes Zitat von 1936: „Jämmerliche Pygmäen! Sie haben ihre Hände gegen den größten aller lebenden Männer, unserem klugen Führer Genossen Stalin gehoben. Wir versichern Ihnen, Genosse Stalin, daß wir unsere stalinistische Wachsamkeit noch mehr vergrößern und unsere Reihen um das Stalinsche Zentralkomitee und den großen Stalin schließen werden.“ Der Autor dieser Worte war Nikita Chruschtschow, der 1956 den „Kult“ als ein Zeichen des „Hochmuts“ und der „persönlichen Macht“ Stalins verurteilte. Es war auch Chruschtschow, der den Begriff „вождь“ für Stalin – einen Begriff mit der Bedeutung „Anführer“, der gleichwertig zum nazistischen Begriff „Führer“ ist – eingeführt hat.

Aber warum sollten die Revisionisten diesen „Personenkult“ um Stalin aufgebaut haben?

Ich schlage vor, weil es die Tatsache verkleidet hat, daß nicht Stalin und die Marxisten-Leninisten es waren, die die Mehrheit in der Führung hatten, sondern sie – die heimlichen Gegner des Sozialismus. Es hat ihnen ermöglicht, Handlungen – wie die Verhaftung von vielen unschuldigen Personen zwischen 1934 und 1938 (als sie die Sicherheitskräfte kontrollierten) – vorzunehmen, um nachher Stalin für diese „Brüche der sozialistischen Gesetzlichkeit“ verantwortlich zu machen.

Stalin selbst sagt 1936 in einem authentischen Bericht gegenüber dem deutschen Autor Lion Feuchtwanger, daß der „Personenkult“ von seinen politischen Gegnern aufgebaut wurde (Ich zitiere:) „…mit dem Ziel, ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu diskreditieren.“ Klar, war das „pathologische Mißtrauen Stalins“ gegenüber einigen seiner Kollegen, über die sich Chruschtschow in seiner Geheimrede zum XX. Parteitag so bitter beklagt hat, überhaupt nicht pathologisch!

In einem Punkt sind sich sowohl Stalin als auch die Revisionisten einig – daß in der Stalinzeit juristische Fehlurteile vorgekommen sind, in deren Folge von der Justiz unschuldige Menschen ermordet wurden.

Natürlich bestehen die Revisionisten darauf, daß Stalin für diese Fehlurteile der Justiz verantwortlich war. Aber hier gibt es einen Widerspruch. Chruschtschow selbst hat 1956 in seiner Geheimrede gesagt (und ich zitiere):

„Kompliziert wird die Frage durch den Umstand, daß all das, worüber an dieser Stelle gesprochen wurde, zu Zeiten Stalins unter seiner Führung und mit seinem Einverständnis begangen wurde, wobei Stalin überzeugt war, daß dies zur Verteidigung der Interessen der werktätigen Massen gegenüber den Umtrieben der Feinde und den Attacken des imperialistischen Lagers unerläßlich sei. All das betrachtete er von der Position der Verteidigung der Interessen der Arbeiterklasse, der Interessen des arbeitenden Volkes, der Interessen des Sieges des Sozialismus und Kommunismus.“

Aber nur eine Person, die vollkommen wahnsinnig ist, kann sich vielleicht vorstellen, daß die Verhaftung von unschuldigen Leuten dem Sozialismus dienen könnte. Und alle Beweise zeigen, daß Stalin sein volles Denkvermögen ganz bis zu seinem Tod behalten hat. Der Widerspruch löst sich jedoch auf, wenn diese gerichtlichen Morde nicht auf Geheiß Stalins und der Marxisten-Leninisten ausgeführt wurden, sondern auf Geheiß der revisionistischen Gegner des Sozialismus.

Verschwörer in den Sicherheitsorganen

Bei dem öffentlichen Prozeß gegen ihn 1938 bekannte sich der ehemalige Volkskommissar für Innere Angelegenheiten, Genrich Jagoda, für schuldig, den Mord an seinem Vorgänger Wjatscheslaw Menshinski angeordnet zu haben, um seine eigene Beförderung auf einen Posten zu sichern, der ihm Kontrolle über die sowjetischen Sicherheitsorgane gab. Dann nutzte er diese Position, in die er eingesetzt worden war, um die Terroristen zu schützen, die für den Mord an prominenten Marxisten-Leninisten in der Umgebung Stalins verantwortlich waren, darunter auch des Leningrader Parteisekretärs Sergej Kirow, und des berühmten Schriftstellers Maxim Gorki. Um die Sicherheitsorgane nicht untätig erscheinen zu lassen, traf Jagoda Vorkehrungen und ließ viele Menschen verhaften, die keine Verschwörer waren, sondern einfach nur indiskret gewesen waren. Nach der Verhaftung von Jagoda waren die Verschwörer wiederum erfolgreich, indem es ihnen gelang, einen anderen Verschwörer, Nikolai Jeshow, als Nachfolger einzubringen, der diesen Prozeß fortsetzte und intensivierte.

Das Sekretariat Stalins

Weil Stalin und die Marxisten-Leninisten den Verdacht hatten, daß die Sicherheitsorgane nicht korrekt handeln, sondern Schuldige schützten und Unschuldige bestraften, begannen sie, das persönliche Sekretariat Stalins, das von Alexander Poskrjóbyshew geführt wurde, als ihre Privatdetektiv-Agentur zu nutzen. Auf der Grundlage von den Beweisen, die von diesem Sekretariat aufgedeckt und direkt an die Partei übermittelt worden waren, sahen sich die verkappten Revisionisten, um ihre Tarnung aufrechtzuerhalten, dazu gezwungen, die Verhaftung von echten Verschwörern, einschließlich Jagodas und Jeshows, gutzuheißen.

Lawrenti Béria übernimmt die Kontrolle

Auf persönliche Initiative Stalins wurde 1938 sein Freund, der Marxist-Leninist Lawrenti Bérija, vom Kaukasus nach Moskau gebracht, um die Sicherheitsorgane unter Kontrolle zu nehmen. Unter Bérija wurden politische Gefangene, die unter Jagoda und Jeshow verhaftet worden waren, auf ihre Fälle überprüft und, wie Westpressekorrespondenten in jener Zeit berichteten, wurden viele tausend zu ungerecht verurteilte Menschen befreit und rehabilitiert.

Aufrechte Kommunisten in der Minderheit

Es dürfte den Marxisten-Lenininisten in Großbritannien nicht schwerfallen, sich das Bild einer marxistisch-leninistischen Minderheit in der KPdSU vorzustellen. Wieviele Mitglieder der Kommunistischen Partei Großbritanniens stellten sich den Revisionisten des „Britischen Weg zum Sozialismus“ in den Weg, der die absurde These von der „parlamentarischen Straße zum Sozialismus“ predigte, als sie 1951 aufkamen? Ich kenne nur vier. Es entsteht natürlich die Frage: Wenn Revisionisten seit den 1930er Jahren eine Mehrheit in der Führung der KPdSU hatten, warum unternahmen sie bis 1956 keine Schritte, um Sozialismus nach dem Tod von Stalin zu demontieren? Die kurze Antwort ist, daß sie es versucht haben und damit gescheitert sind. Anfang der 1940er Jahre veröffentlichten der Wirtschaftswissenschaftler Eugen Varga und Nikolai Wossnesenski Bücher, die offen für revisionist-Programme warben, doch von Marxisten-Leninisten wurden beide schnell verworfen.

Die „Millionen“ eines britischen Geheimdienstagenten

Natürlich ist es wichtig, das Ausmaß dieser Fehlurteile der Justiz nicht zu übertreiben. In den 1960er Jahren wurde von dem ehemaligen britischen Geheimdienstagenten Robert Conquest die ursprünglich im nazistischen Deutschland veröffentlichte antisowjetische Propaganda unter einem anständigeren Deckmantel der Harvard-Universität neu veröffentlicht. In seinem 1969 erschienenen Buch „Der Große Terror“ legte Conquest die Zahl der „Opfer Stalins“ (in Gänsefüßchen) auf „zwischen 5 und 6 Millionen“ fest. Doch in den 1980er Jahren behauptete Conquest, daß es 1939 insgesamt 25 bis 30 Millionen Gefangene in der Sowjetunion gegeben habe, und daß es 1950 dort 12 Millionen politische Gefangene gegeben habe.

Die Seifenblase des Mr.Conquest ist geplatzt

Doch als unter Gorbatschow die Archive des ZK der KPdSU für Forscher geöffnet wurden, hat man herausgefunden, daß die Zahl der politischen Gefangenen 1939 von 454.000 nicht der durch Conquest geforderten Millionen entsprach. Und wenn wir diejenigen hinzufügen, die wegen unpolitischer Straftaten im Gefängnis saßen, kommen wir auf eine Zahl von 2,5 Millionen, d.h. 2,4 % der erwachsenen Bevölkerung. Im Gegensatz dazu gab es in den Vereinigten Staaten 1996, gemäß amtlichen Zahlenangaben, 5,  5 Millionen Menschen im Gefängnis, d.h. 2.8 % der erwachsenen Bevölkerung. Das heißt, die Zahl der Gefangenen in den USA beträgt heute noch 3 Millionen, das ist weit mehr als die jemals maximal in der Sowjetunion gehaltene Anzahl.

…und passenderweise starb Stalin

Im Januar 1953, also weniger als zwei Monate vor dem Tode Stalins, wurden neun Ärzte, die im Kreml arbeiteten, verhaftet und beschuldigt, 1948 bestimmte sowjetische Führer, darunter auch Andrej Shdanow, ermordet zu haben, indem sie ihnen absichtlich eine falsche ärztliche Behandlung verordnet hätten. Die Anklagen beruhten auf Ermittlungen durch die Ärztin Lydia Timaschuk. Die Ärzte wurden wegen eines Komplotts angeklagt, in Verbindung mit der zionistischen amerikanischen Organisation „Joint“ ermordet zu haben. Westliche Pressekorrespondenten in Moskau bestanden bei den Ermittlungen darauf, daß einige der prominentesten sowjetischen Führer im Zusammenhang mit dem Fall gestanden hätten. Doch bevor der Fall vor Gericht gebracht werden konnte, starb passenderweise Stalin.

Die Verschwörer prahlten mit der Ermordung Stalins

Der albanische Marxist-Leninist Enver Hoxha, ein unermüdlicher Gegner des Revisionismus, und nicht etwa jemand, der Anlaß zu irgendeinem grundlosem Klatsch gegeben hätte, besteht darauf, daß sowjetische revisionistische Führer eingestanden – nein, eher damit geprahlt hätten, daß sie ihn ermordet hätten. Und wir wissen, daß selbst der Sohn Stalin verhaftet und eingesperrt wurde, weil er erklärt hatte, daß sein Vater durch ein Attentat getötet worden sei. Wie dem auch sei, die inhaftierten Ärzte wurden sofort freigelassen und offiziell „rehabilitiert“. Dann wurde Lawrenti Bérija, nach Stalin eine Geißel der Revisionisten, in einem militärischen Staatsstreich insgeheim verhaftet und exekutiert.

Die Maske ist gefallen

Nun war der Weg für die revisionistischen Verschwörer offen, um ihre Masken abzuwerfen und die restlichen Marxisten-Leninisten aus ihren führenden Positionen in der Partei zu vertreiben, und die ersten Schritte zur Wiederherstellung einer kapitalistischen Gesellschaft zu unternehmen.

Schlußfolgerung

Das also ist das Bild von Stalin, wie er nach einer objektiven Überprüfung der Tatsachen erscheint. Es ist das Bild eines bedeutenden Marxisten-Leninisten, der mit seinem ganzen Leben für die Sache des Sozialismus und der Arbeiterklasse gekämpft hat. Es ist das Bild eines hervorragenden Marxisten-Leninisten, der, obwohl er von revisionistischen Verräter umgeben war, der während seiner gesamten Lebenszeit verhinderte, daß diese revisionistische Mehrheit die Arbeiterklasse, die er liebte, bedeutend verraten und das kapitalistische Systems, das er haßte, wiederherstellen konnte. Wir, in allen Ländern, die die Aufgabe übernommen haben, die internationale kommunistische Bewegung wieder aufzubauen, müssen die Verteidigung von Stalin als ein Teil der Verteidigung des Marxismus-Leninismus ansehen. Es kann kein größeres Kompliment für irgendjemanden geben, der danach strebt, ein Marxist-Leninist zu sein, als ein Stalinist genannt zu werden.

https://www.marxists.org/archive/bland/1999/x01/x01.htm

(Übersetzung: Florian Geißler)

Bill Bland

Stalin: The Myth and the Reality

A Paper Originally Scheduled To Be Read By Bill Bland At The Conference Of ‚International Struggle: Marxist-Leninist‘ In October 1999; Paris. This talk was never delivered as Comrade Bland at the very last moment could not attend. The talk is offered however as a useful distillation of several decades of thought and concrete, factual and hard Marxist-Leninist research. The talk itself, originated in one that Comrade Bland gave to the young Communist League in 1975 at a summer school. It was widely distributed and has influenced the Marxist-Leninist movement profoundly.

Today almost everyone who calls himself a Marxist-Leninist accepts that, in its final years, the Communist Party of the Soviet Union was dominated by revisionists — that is, by people who claimed to be Marxist-Leninists but who had in reality distorted Marxism-Leninism to serve the interests of an embryonic capitalist class.

On one question, however, there is still disagreement, namely, when did the domination of the CPSU by revisionists begin?

These days, most people date it from the 20th Congress of the CPSU in 1956, when Khrushchev threw off his false Marxist-Leninist mask. However, there are good grounds for believing that for many years prior to Stalin’s death in 1953, a majority of the Soviet leadership were either concealed or latent revisionists.

  • Why, for example, did Stalin, who played such an active role in the international communist movement in the 1920s, cease to do so after 1926?
  • Why did the publication of Stalin’s works, scheduled for sixteen volumes, cease with Volume 13 in 1949, four years before his death?
  • Why was Stalin not asked to deliver the report of the Central Committee to the 19th Congress in 1952?
  • Why were Stalin’s last writings confined to subjects like linguistics and the critique of a proposed textbook on economics — subjects which might be considered harmless to concealed revisionists had not Stalin turned them into attacks on revisionist ideas?
  • Why did the Soviet government surprise world opinion in 1947 by suddenly reversing its foreign policy in order to endorse the American proposal for the partition of Palestine which has proved so disastrous for the nations of the Middle East?

All this makes sense if — and I believe only if — we accept the fact that for some years before his death, Stalin and his fellow Marxist-Leninists were in a minority in the leadership of the Soviet Union. The fact of the existence of a revisionist majority in the leadership of the CPSU was effectively concealed by the ‘cult of personality’ that was built up around Stalin. Stalin himself criticised and ridiculed this ‘cult’ on numerous occasions. Yet it continued. It follows that Stalin was either an utter hypocrite, or he was unable to put a stop to this ‘cult’. The initiator of the ‘cult of personality’ around Stalin was, in fact, Karl Radek, who pleaded guilty to treason at his public trial in 1937.

A typical example of the ‘cult’ is the following quotation from 1936: “Miserable pygmies! They lifted their hands against the greatest of all living men, our wise leader Comrade Stalin. We assure you, Comrade Stalin, that we will increase our Stalinist vigilance still more and close our ranks around the Stalinist Central Committee and the great Stalin.” The author of these words was one Nikita Khrushchev, who in 1956 denounced the ‘cult’ as an indication of Stalin’s ‘vanity’ and ‘personal power’. It was Khrushchev too who introduced the term ‘vozhd’ [вождь] for Stalin — a term meaning ‘leader’ and equivalent to the Nazi term ‘Fuehrer’.

Why should the revisionists have built up this ‘cult of personality’ around Stalin?

It was, I suggest, because it disguised the fact that not Stalin and the Marxist-Leninists, but they — concealed opponents of socialism — who held a majority in the leadership. It enabled them to take actions — such as the arrest of many innocent persons between 1934 and 1938 (when they controlled the security forces) and subsequently blame these ‘breaches of socialist legality’ upon Stalin. Stalin himself is on record as telling the German author Lion Feuchtwanger in 1936 that the ‘cult of his personality’ was being built up by his political opponents (I quote:) “…with the aim of discrediting him at a later date.” Clearly, Stalin’s ‘pathological suspicion’ of some of his colleagues, of which Khrushchev complained so bitterly in his secret speech to the 20th Congress, was not pathological at all!

On one allegation both Stalin and the revisionists are agreed — that in Stalin’s time miscarriages of justice occurred in which innocent people were judically murdered.

The revisionists, of course, maintain that Stalin was responsible for these miscarriages of justice. But there is a contradiction here. Krushchev himself said in his 1956 secret speech (and I quote):

“The question is complicated here by the fact that all this was done because Stalin was convinced that this was necessary for the defence of the interest of the working class against the plotting of ememies. He saw this from the position of the interests of the working class, of the interest of the victory of socialism.”

But only a person who was completely insane could possibly imagine that the arrest of innocent people could serve socialism. And all the evidence shows that Stalin retained his full mental faculties right to his death. However, the contradiction resolves itself if these judicial murders were carried out, not at the behest of Stalin and the Marxist-Leninists, but at the behest of the revisionist opponents of socialism.

At his public trial in 1938, the former People’s Commissar of Internal Affairs, Genrikh Yagoda, pleaded guilty to having arranged the murder of his predecessor, Vyacheslav Menzhinsky, in order to secure his own promotion to a post which gave him control over the Soviet security services. He then, according to his own admission, used this position to protect the terrorists responsible for the murder of prominent Marxist-Leninists close to Stalin — including the Leningrad Party Secretary, Sergei Kirov, and the famous writer Maksim Gorky. And in order that the security services should not appear idle, Yagoda arranged for the arrest of many people who were not conspirators, but had merely been indiscreet. After Yagoda’s arrest, the conspirators were successful in getting him succeeded by another conspirator, Nikolai Yezhov, who continued and intensified this process.

It was because of the suspicions of Stalin and the Marxist-Leninists that the security services were acting incorrectly — were protecting the guilty and punishing the innocent — that they began to use Stalin’s personal secretariat, headed by Aleksandr Poskrebyshev, as their private detective agency. And it was on the basis of the evidence uncovered by this Secretariat and submitted directly to the Party — that the concealed revisionists, to maintain their cover, were compelled to endorse the arrest of genuine conspirators, including Yagoda and Yezhov. And it was on Stalin’s personal initiative that in 1938, his friend, the Marxist-Leninist Lavrenty Beria, was brought to Moscow from the Caucasus to take harge of the security services. Under Beria, political prisoners arrested under Yagoda and Yezhov had their cases reviewed and, as Western press correspondents reported at the time, many thousands of people unjustly sentenced were released and rehabilitated.

Marxist-Lenininists in Britain, in particular, should have no difficulty in accepting the picture of a Marxist-Leninist minority in the CPSU.

How many members of the Communist Party of Great Britain came out in opposition to the revisionist ‘British Road to Socialism’, which preached the absurd ‘parliamentary road to socialism’ when it was adopted in 1951? I know of only four. The question arises, of course:if revisionists had a majority in the leadership of the CPSU from the 1930s, why did they not take any steps to dismantle socialism until 1956, after Stalin’s death? The short answer is that they tried and failed. In the early 1940s, the economists Eugen Varga and Nikolai Voznsensky both published books openly espousing revisionist programmes, and both were quickly slapped down by the Marxist-Leninists.

Of course, it is important not to exaggerate the extent of these miscarriages of justice.

In the 1960s, anti-Soviet propaganda originally published in Nazi Germany, was republished by a former British secret service agent named Robert Conquest under the more respectable cloak of Harvard University. In his 1969 book ‘The Great Terror’ Conquest puts the number of ‘Stalin’s victims’ (in inverted commas) at ‘between 5 and 6 million’. But by the 1980s, Conquest was alleging that there had been in 1939 a total of 25 to 30 million prisoners in the Soviet Union, that in 1950 there had been 12 million political prisoners. But when, under Gorbachev, the archives of the Central Committee of the CPSU were opened up to researchers, it was found that the number of political prisoners in 1939 had been 454,000, not the millions claimed by Conquest.

If we add those in prison for non-political offences, we get a figure of 2.5 million, that is, 2.4% of the adult population. In contrast, there were in the United States in 1996, according to official figures, 5.5 million people in prison, or 2.8% of the adult population. That is, the number of prisoners in the USA today is 3 million more than the maximum number ever held in the Soviet Union.

In January 1953, less than two months before Stalin’s death, nine doctors working in the Kremlin were arrested on charges of having murdered certain Soviet leaders — including Andrei Zhdanov in 1948 — by administering to them deliberately incorrect medical treatment. The charges arose out of an investigation into allegations by a woman doctor, Lydia Timashuk. The accused doctors were charged with conspiracy to murder in conjunction with the American Zionist organisation ‘JOINT’. Western press correspondents in Moscow insisted that some of the most prominent Soviet leaders were under investigation in connection with the case. But before the case could be brought to trial, Stalin conveniently died.

The Albanian Marxist-Leninist Enver Hoxha, a tireless opponent of revisionism and not a man given to indulging in unfounded gossip — insists that Soviet revisionist leaders admitted — nay, rather boasted — to him that they had murdered him. And we know that Stalin’s son was himself arrested and imprisoned for having declared that his father had been killed as part of a plot. Be that as it may, the arrested doctors were immediately released and officially ‘rehabilitated’. Then Lavrenti Beria — a scourge of the revisionists second only to Stalin — was arrested in a military coup, tried in secret, and executed.

The way was open for the revisionist conspirators to throw off their masks, expel the remaining Marxist-Leninists from leading positions in the Party, and take the first steps towards the restoration of a capitalist society.

Conclusion

This, then, is the picture of Stalin that emerges from an objective examination of the facts. It is the picture of a great Marxist-Leninist who fought all his life for the cause of socialism and the working class. It is the picture of a great Marxist-Leninist who, although surrounded by revisionist traitors, succeeded during his lifetime in preventing this revisionist majority from significantly betraying the working class he loved and restoring the capitalist system he hated. We in all countries who have taken on the task of rebuilding the international communist movement must see the defence of Stalin as a part of the defence of Marxism-Leninism. There can be no greater compliment for anyone who aspires to be a Marxist-Leninist than to be called a Stalinist.

https://www.marxists.org/archive/bland/1999/x01/x01.htm

pdfimage Bill Bland – Stalin Mythos und Wirklichkeit


Nachtrag:

Manchmal ist es ganz interessant, wenn man dann auch noch einige zeitgleiche Zeitungsausschnitte zur Verfügung hat, die von jenen verbrecherischen Machenschaften der Revisionisten berichten, die sich damals in Moskau ereigneten. Da schreibt am 5. April 1937 die „Salzburger Chronik“, daß der „Volkskommisär Jagoda“ abgesetzt wurde, was „auf das Volk wie eine Erlösung“ gewirkt habe und mit Jubel begrüßt worden sei.

370405 Salzburger Chronik Jagoda abgesetzt

Einen Tag später berichtet das „Neue Wiener Journal“ vom 6. April 1937, Jagoda habe angeblich 800.000 Dollar unterschlagen und die „Telefongespräche der Regierung abgehorcht“. Außerdem habe Jogoda „Sabotage geduldet“. Interessant, nicht wahr?

370406 Neues Wiener Journal Jagoda

Und desweiteren wird berichtet, daß nun sogar die Leibwache Stalin ausgewechselt worden sei. Alle diese Nachrichten illustrieren sehr gut, mit welchen Mitteln die revisionistischen Kräfte in der UdSSR schon damals (1937!) versuchten, die Regierung zu stürzen und Stalin zu beseitigen.

370408 Freie Stimmen Leibwache Stalin

(Danke für die Nachforschungen in Österreichischen Zeitungen!)


Hinweis:

Zu den öffentlichen Moskauer Prozessen (speziell zu Karl Radek) siehe hier:
https://sascha313.wordpress.com/2014/11/10/kurt-gossweiler-der-antistalinismus/

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7 Antworten zu Bill Bland: Stalin – Mythos und Wirklichkeit

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  3. Weberknecht schreibt:

    Hallo Sascha, vor einiger Zeit habe ich von Ludo Martens: „Stalin anders betrachtet“ gelesen und habe jetzt von Gerhard Schnehen – „Stalin. Eine marxistische Biografie“ empfohlen bekommen. Hast du das schon gelesen oder weißt du was davon? Lohnt es sich das zu kaufen?
    Grüße aus Krefeld

    • sascha313 schreibt:

      Hallo Weberknecht,
      Ich rate Dir sehr davon ab – G. von Schnehen ist ein gewiefter Geschichtsfälscher. Er hat vor einigen Jahren mehrfach heuchlerisch versucht, bei „Kommunisten-Online“ erfundene bzw. selbstübersetzte, verleumderische und revisionistische Texte einzuschmuggeln. So warb er u.a. für das Buch einer gefälschten Story über einen angeblichen KGB-Agenten in China, er verleumdete Walter Ulbricht als Stalinfeind und berichtete seltsame Details aus dubiosen US-amerikanischen Quellen. Er ist ein verkappter Antikommunist. Unseriös und wahrheitsentstellend!
      Siehe hier: Das Kuckucks-Ei (Beachte besonders Pkt.5)

      • Weberknecht schreibt:

        Gut, ich danke dir. Damit entfällt der Kauf dieses Buches. Wenn man an Wahrheiten interessiert ist, findet man auch andere Quellen. Bei dir z.B. werde ich immer fündig.
        Bis dann…

    • Eleonore Kraus schreibt:

      Hallo Weberknecht,
      Grüße nach Krefeld. Oedt/Grefrath war mein Zuhause und der Niederrhein ist Heimat geblieben.
      Leider sind die Städte, Dörfer und Gemeinden am Niederrhein vernachlässigt und lieblos behandelt, bis auf einige wenige. Immer die alte Leier, dass das Geld den Kommunen, Städten und Gemeinden fehlt.
      Grüße aus dem Norden der Republik

      • Weberknecht schreibt:

        Danke. Wegen meiner Internetliebe bin ich 2002 zufällig am Niederrhein gelandet.Wegen der Arbeitsmarktlage in MV auch nicht ganz freiwillig.
        Irgendwann wollte ich zurück nach Greifswald: Haus meiner Eltern in Lubmin, Erbe usw.
        Jetzt gibt es diesen berkannten Geschwisterstreit um den Nachlass und meine Rückkehr ist in etwas weitere Ferne gerückt. Das war die Kurzfassung. 😉
        Liebe Grüße

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