Flüchtlinge aus Westdeutschland: Sie kamen „von drüben“ zu uns in die DDR…

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1959 kam auch die Filmschauspielerin Christina Laszar aus München in die DDR

Da stehen sie auf dem Bahnsteig, schwere Gepäckstücke in der Hand, neben sich sorg­sam verschnürte Bündel und prall gefüllte Koffer – ganze Familien, ältere Leute, aber auch Ehepaare mit kleinen Kindern, sehr kleinen Kindern mitunter, die noch auf dem Arm getragen werden. Ein ähnlicher Anblick bot sich den Reisenden schon im Zuge, wo die Gepäcknetze bis an die Decke beladen waren und auch auf den Gängen noch Koffer standen. Weder Erholungsreisende noch Besucher, die auf ein paar Wochen zu ihren Verwandten fahren, noch Geschäftsreisende führen so viel Gepäck mit sich. Aber diese Menschen schleppen einen großen Teil ihres Hausrats über die Grenze – freilich, auch da nur das Nötigste; doch dieses „Nötigste“ bedeutet bei einer Familie, auf längere Zeit gesehen, daß man Koffer über Koffer, Handtaschen, Pakete, Rucksäcke mitschlep­pen muß und daß auch die letzte Rock- und Manteltasche zum Bersten vollgestopft ist.

„Wir haben es satt…“

Dabei immer die Sorge, nur ja nicht aufzufallen, sonst wird man vielleicht vor der Grenze von den westdeutschen Kontrollbeamten gestellt und zurückgeschickt, und man will doch fort! Warum? „Wir haben es satt, es geht einfach nicht mehr so weiter!“ Aber das wagt man noch nicht laut zu sagen. Wer weiß, wer einem im Abteil gegen­übersitzt, ehe die Grenze erreicht ist ? Auch als man dann in Wartha oder in Marienborn ins Aufnahmelager geht, ist man noch ein wenig aufgeregt: Es ist doch schließlich kein leichter Entschluß, alle Brücken hinter sich abzubrechen und wieder von vorn anzufangen. Aber allmählich gewinnt man Vertrauen und Zuversicht.

360.000 Rückkehrer in die DDR

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Ein großer Teil der Übersiedler sind Jugendliche im wehrpflichtigen Alter

Immer mehr Menschen kommen von „drüben“ zu uns; solche, die einmal den ent­gegengesetzten Weg gingen und enttäuscht, ihrer Illusionen beraubt, in unsere Repu­blik zurückkehren, aber auch immer mehr westdeutsche Bürger, die ihre Heimat ver­lassen und in der Deutschen Demokratischen Republik eine neue Heimat suchen. und finden. Mehr als dreiundsechzigtausend waren es im Jahre 1959. Unter diesen Umsiedlern und Rückkehrern befinden sich Angehörige der verschiedensten Berufsgruppen, sozialen Schichten und Altersklassen: Arbeiter, Bauern, Techniker, Wissenschaftler und Künstler; aber auch Menschen, die schuldlos in Not gerieten. alte Leute, kinderreiche Familien – und besonders viel Jugendliche in wehrdienstpflich­tigem Alter.

Gewissenhafte Prüfung

Nun wird die Aufnahme der Umsiedler bei uns nicht so gehandhabt wie bei den west­deutschen Behörden, die wahllos jeden Republikflüchtigen hereinlassen, um die „Flücht­lings“ziffern in die Höhe zu treiben, und sich dann herzlich wenig um sein weiteres Schicksal kümmern, die weder danach fragen, ob er hier vielleicht eine Familie im Stich läßt, noch ob er „drüben“ sein Auskommen findet, ob er in Baracken und Bunkern hausen und sich von dunklen Geschäften oder kümmerlich bezahlten Gelegenheits­arbeiten ernähren muß. Er ist für sie nur ein Objekt, dessen Kurswert von seiner Rentabilität abhängig ist.

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Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot sind meist die Beweggründe, die besonders große Familien dazu veranlassen, in die DDR überzusiedeln. Nach einem Aufenthalt von 10-12 Tagen in einem Aufnahmeheim erhalten sie in unserer Republik Wohnsitz und Arbeitsplatz 

Unser Staat hat kein Interesse an der Zuwanderung fragwürdiger Elemente; aber die­jenigen, die nach gewissenhafter Prüfung ihrer Person und kurzem Aufenthalt in sau­beren und freundlichen Umsiedlerheimen bei uns Aufnahme finden, haben die Gewiß­heit, daß sie menschenwürdige Unterkunft und einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsplatz erhalten, daß ihre und ihrer Familie Existenz gesichert ist.

Das Für und Wider der Rückkehr in die DDR

Der Verfasser dieses Berichts hatte Gelegenheit, mir einer großen Anzahl dieser Um­siedler Gespräche zu führen. Viele von ihnen haben auch von sich aus Stellung genom­men und die Motive ihres Übertritts mündlich oder schriftlich fixiert. Dabei ist fest­zustellen, daß in der überwiegenden Zahl der Fälle ihr Schritt nicht einem spontanen, eilig gefaßten Entschluß entsprang, sondern das Ergebnis reiflicher Überlegungen darstellte, dem oft ein vorsichtiges Abwägen des Für und Wider vorausging, indem man unsere amtlichen Stellen befragte oder sich durch persönliche Inaugenscheinnahme an Ort und Stelle informierte, bevor man sich zur Übersiedlung entschloß.

Warum kamen Menschen in die DDR?

Die Gründe der Umsiedler sind selbstverständlich verschiedenartig. In einem Fall über­wogen wirtschaftliche Erwägungen, im anderen Fall waren politische Beweggründe maßgebend; der eine konnte seine Familie im Lande des Wirtschaftswunders nicht mehr ernähren, der andere war persönlichen Schikanen oder Verfolgungen seitens der west­deutschen Behörden ausgesetzt, ein dritter – und das ist eine zahlenmäßig sehr stark vertretene Kategorie – wollte sich nicht in die westdeutsche Nato-Armee hineinpressen lassen, ein vierter war vom Gespenst der Ar­beitslosigkeit bedroht, ein anderer hatte nicht mehr die Mittel, sein Studium fortzusetzen.

Kein Vertrauen in den westdeutschen Staat

Aber für alle diese Fälle, die sich durch unzählige Einzelbeispiele belegen lassen, läßt sich ein ge­meinsamer Nenner fin­den, der besagt, daß die allgemein treibende Kraft, der eigentliche Mo­tor des Handelns dieser Menschen, dem einzelnen mitunter unbewußt, nicht individueller Natur, sondern ein eminent politischer Faktor war: der aus der Entwicklung der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Westdeutschland resultierende Vertrauensschwund gegenüber dem westdeutschen Staat und auf der anderen Seite die positive Beurteilung unserer Gesell­schaft, unseres Staates und seiner Zukunftsaussichten, wobei eine wesentliche Rolle die Erkenntnis spielt, daß das Wohl und die Zukunft des einzelnen eingebettet ist in die Zukunft des Staates.

Was geschah mit den Einwanderern?

Siekamen4Daß das Bemühen um den Menschen und die Sorge für ihn ein Hauptanliegen unserer Gesellschaft und unseres Staates ist, haben vor allem die Umsiedler mit kinderreichen Familien erfahren. So kam der Rangierer Erhard Dahms, der früher in Düsseldorf-Neurath wohnte, mit seiner Frau und vier kleinen Kindern nach Leipzig, aus Nieder­sachsen der Schlosser Stölting mit ebenfalls vier Kindern und seiner Frau, die wieder einer Niederkunft entgegensah. Als bald darauf das fünfte Kind ankam, wurden ihm – von der kostenlosen Entbindung ganz abgesehen – tausend Mark Geburtenhilfe aus­gezahlt.

Kinder von Übersiedlern und Rückkehrern aus Westdeutschland bei angeregtem Spiel im Sandkasten des Ausnahmeheims Berlin-Blankenfeld (Bild links)

Andere Fälle, andere Motive.

  • Der Ingenieur Konrad Justi, der bei der Dortmunder Union-Brückenbau-AG beschäftigt war, erklärte: ,,In Westdeutschland war ich bei der Ausarbeitung meines Konstruktionsplans völlig auf mich allein gestellt. Hier entwerfe ich zwar meine Konstruktionspläne selbständig; aber vor der Ausführung werden sie auf breitester Grundlage diskutiert, so daß die gesamten Erkenntnisse des Betriebs­kollektivs eingearbeitet werden können.“
  • Die Filmschauspielerin Christine Laszar nennt als Grund dafür, daß sie in die DDR kam ,,…Lebensangst, die in Westdeutschland jeder Mensch hat; denn die Leute wissen nicht, was morgen geschieht und was noch alles passieren kann.“
  • Dr. Weidner, der jetzt als Landarzt in Mecklenburg praktiziert, berichtet von den Schwierigkeiten, die er in Westdeutschland mit der Krankenkasse hatte, weil er Medikamente verschrieb, die zu teuer waren.
  • Der Maurer Pehl stellt fest: ,,Drüben bauen die Kumpels Häuser für Leute, die das Geld haben, den hohen Baukostenzuschuß zu zahlen. Hier aber weiß ich:  ,,In die Häuser, die wir bauen, werden wir selbst einmal einziehen können.“
  • Der aus dem Ruhrpott kommende Bergmann Erich Vollmer erzählt, wie ihm hier der Betrieb die Möglichkeit bot, sich kostenlos zum Erzieher ausbilden zu lassen. Er erklärt – und das ist ein Argument, das in den Gesprächen mit Umsiedlern ständig wiederkehrt –: „In Westdeutschland steht das Profitinreresse einer kleinen Clique im Vordergrund; hier aber deckt sich das Interesse des einzelnen mit dem des Staates und der Gesellschaft.“
  • Der bekannte Schriftsteller Werner Steinberg resümiert: „In der gegenwärtigen Atmo­sphäre habe ich für mich kaum noch eine Wirkungsmöglichkeit in Westdeutschland gesehen. Bedeutendere Männer haben es vorgezogen, ihren Wohnsitz außerhalb der Bundesrepublik zu behalten: Thomas Mann, Hermann Hesse, Ulrich Becher. Sie haben das Klima nicht mehr vertragen, so war’s auch mit mir…“

BRD –  eine seelenlose Gesellschaft, ein ungesundes Klima…

Ja, die meisten, die zu uns kamen, haben das westdeutsche Klima nicht mehr vertragen, jene Atmosphäre der seelenlosen Hast, des skrupellosen Existenzkampfes, des Wieders auflebens des Faschismus, der Angst vor der Zukunft, der inneren Unwahrhaftigkeit, die von Christentum spricht und Geschäft und Atombombe meint. Jeder von ihnen hatte seine besonderen Gründe, aber die Widerwärtigkeiten, mit denen sie kämpfen, die Übel, unter denen sie leiden mußten, lagen wie die Bakterien. in der Luft, die sich nur entwickeln konnten, weil das Klima un­gesund war. Sie kamen zu uns, weil sie Ver­trauen in unsere und damit auch wieder in ihre eigene Zukunft haben.

Quelle: URANIA-Universum, Urania-Verlag Leipzig/Jena, 1961, S.92-95.

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11 Antworten zu Flüchtlinge aus Westdeutschland: Sie kamen „von drüben“ zu uns in die DDR…

  1. prkreuznach schreibt:

    Leider war es später nahezu unmöglich für Menschen aus der BRD, bzw. Westberlin in die DDR überzusiedeln. Nähere Ausführungen siehe http://www.aufnahmeheimroentgental.net

  2. Reinhard Unger schreibt:

    Es gab da „Flüchtlinge“ verschiedenster Art. Echte Flüchtlinge vor der Systemmacht, sogenannte Helfer und Aufbauhelfer- denke da an Pfarrer der evangelischen Synode zur Zurückdrängung des Einflusses des Kommunismus in der DDR-Kirche in den 50- igern in DDR geschickt.

    • sascha313 schreibt:

      Es war bekannt, daß es westdeutsche Pfarrer gab, die den Auftrag hatten, subversiv in der DDR tätig zu werden. Sie gaben sich dann 1990 zu erkennen, als sie zu den ersten gehörten, die sich unter dem Vorwand „Keine Gewalt!“ Zugang zu den Gebäuden des MfS verschafften und die Übergabe der Waffen an die „Beauftragten“ des „Runden Tisches“ forderten. Sie waren nicht als Flüchtlinge in die DDR grkommrn, sondern über ein Romeo-Verhältnis..

  3. tommmm schreibt:

    Ich habe zu diesem Thema vor kurzem folgendes Buch gelesen:
    Manfred von Brauchitsch: „Ohne Kampf keinen Sieg“

  4. tommmm schreibt:

    Schön das es diesmal auch ein paar Zahlen gibt. Es wird ja heute so dargestellt als wenn die Wanderung der deutschen Bevölkerung nur eine Richtung kannte.

    • sascha313 schreibt:

      Ich finde auch – schon wie der dumme Conquest, der aus Wichtigtuerei und und im Auftrag seiner Strippenzieher, die von ihm selbst erfundenen „Opferzahlen“ von 1939 (angeblich 5-6 Millionen) 15 Jahre später beweislos auf 25 bis 30 Millionen korrigierte, nahmen es auch Adenauer und sein Komplizen nicht allzu genau mit der Wahrheit. Adenauer sprach von „Heimkehr der 10.000“ – in Wirklichkeit waren ein paar Hundert Kriegsgefangene, die größtenteils wegen Kriegsverbrechen in der UdSSR festgehalten worden waren. Der gleiche Zahlenschwindel geschieht heute mit den „Mauertoten“ und mit den „Opfern“ des angeblichen „Zwangsdopings“ in der DDR. Es ist immer wieder der gleiche Betrug! So werden überhöhte, immer wieder überhöhte, fiktive Zahlen benutzt, um der Sowjetunion bzw. der DDR „staatlich verordnetes Unrecht“ anzuhängen.

  5. Johann Weber schreibt:

    Lieber sascha, wie mit Zahlen manipuliert wurde kann an den Toten an der Berliner Mauer festgestellt werden. Hier eine Quelle, die alles was bisher über die Mauertoten geschrieben und gesagt wurde, in Frage stellt. Der Regierende Oberbürgermeister von West-Berlin Momper wurde in der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 13. August 1990 wie folgt zitiert:

    „Westlich der Mauer dachte man über den 13. August in Übereinstimmung mit weiten Teilen der DDR-Bevölkerung natürlich anders. Zahlreiche Politiker, unter ihnen der Regierende Westberliner Bürgermeister Momper, forderten den Abriß „dieses Symbols der Teilung“ sowie wirksame Reformen in der DDR. Die Bundesministerin für innerdeutsche Beziehungen, Dorothee Wilms, äußerte, es sei Sache der Verantwortlichen in der DDR, „die von den Deutschen nicht mehr akzeptierte Politik des Einmauerns abzulösen durch eine Politik der Öffnung und der Verwirklichung der Menschenrechte und der Freizügigkeit, der Meinungsfreiheit und der Demokratie“.

    Momper bezeichnete das Fortbestehen der Mauer als ein „Armutszeugnis für die DDR“, die die Menschenrechtskonvention unterschrieben habe. Er bringt in Erinnerung: Elfmal hätten Grenzpolizisten an der Mauer geschossen, zwei Menschen seien bei einem Fluchtversuch gestorben, 45 Fluchtversuche seien gescheitert. Walter Momper forderte wirksame Reformen, die die anhaltende Unsicherheit und Unzufriedenheit beseitigen.“

    Wer konnte es besser wissen, als ein Regierender Oberbürgermeister von Westberlin. Dort wurde akribisch festgehalten, was sich so alles an der Mauer ereignete. Momper dürfte der best vorbereiteste Redner bei dieser Veranstaltung gewesen sein.

  6. Johann Weber schreibt:

    Und wie reagierte Adenauer auf Besuche, die Menschen aus der Alt-BRD in die DDR führten?
    Hier ein Beispiel aus der Zeitung „Neues Deutschland“ vom 29.8.1961:

    Gefängnis für Besuche in der DDR
    Acht Frankfurter Straßenbahner wegen DDR-Kontakten vor Gericht
    Zu neun Monaten Gefängnis verurteilte am Wochenende die 1. Große Politische Strafkammer des Dortmunder Landgerichts einen 68 Jahre alten Bergarbeiterinvaliden aus Gelsenkirchen. Der Kumpel hatte in den letzten Jahren mehrfach die DDR besucht sowie Arbeitskollegen und Mitglieder von Sportverbänden aufgefordert, sich durch persönlichen Augenschein von den Verhältnissen in der DDR zu überzeugen. Die Politische Strafkammer Dortmunds sah durch den gesamtdeutschen Reiseverkehr die Bundesrepublik „gefährdet“. Als „staatsgefährdenden Nachrichtendienst“ sah die Politische Strafkammer dabei die Entgegennahme von Aufenthaltsgenehmigungen für die DDR an.

    Frankfurt (Main) (ADN/ND). Weil sie sich bemühten, die wahren Verhältnisse in der DDR kennenzulernen und Kontakte mit Bürgern der DDR pflegten, stehen seit Montag acht junge Frankfurter Straßenbahner vor Gericht. Die Anklage wirft ihnen „Staatsgefährdung“ vor. Die Straßenbahner, alle im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, hatten sich zu einem Zirkel zusammengefunden, in dem sie Tagesereignisse diskutierten. Hierbei war der Wunsch laut geworden, sich über die Verhältnisse in der DDR an Ort und Stelle zu informieren. Sie knüpften Kontakte mit Gewerkschaftern und FDJ-Mitgliedern in Frankfurt (Oder) und in Erfurt an, fuhren zu Aussprachen in die DDR und luden Kollegen nach Frankfurt ein. Im Sommer 1960 wurden mehrere dieser Straßenbahner verhaftet
    Die Angeklagten bekannten sich vor Gericht mutig zu ihrer politischen Haltung. So erklärte der 30jährige Willi Kerscher aus Bad Vilbel. Betriebsvertrauensmann der Gewerkschaft ÖTV er halte heute wie damals für richtig, was er getan habe. Er sei ein Freund der Verständigung und des Friedens, und sein Bestreben sei darauf gerichtet gewesen. Freundschaft mit den Menschen in der DDR zu finden.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, lieber Johann, beides zwei außerordentlich wichtige Beiträge, die zeigen, wie unredlich man im Umgang mit der DDR war. „Unredlich“ ist noch viel zu milde für diese Lügen und die Gewalt – es ist schon Nazimanier, was die westdeutschen Machthaber sich da so geleistet haben…

  7. Johann Weber schreibt:

    Genauso ist es mit den Toten an der Staatsgrenze der DDR.
    Um an die Steuergelder zu kommen, überschlugen sich die Zahlen der Toten im atemberaubendem Tempo nach oben. Höchststand waren 2000 Tote, dann folgten 1360 und 1150.
    Ich habe jedoch eine Quelle gefunden, die für mich authentischer ist. Hier ein Auszug aus dieser Quelle, ein Büchlein, dass in Westberlin erstellt wurde.

    Entnommen aus der Informationsbroschüre „Ost-Berlin“ Informationszentrum Berlin, Ernst Luuk, Auflage 1988
    „In dem Vierteljahrhundert des Beste­hens der Berliner Mauer kamen dort mindestens 77 Menschen ums Leben; 59 von ihnen sind erschossen worden, einige ertranken in den Grenzgewäs­sern, andere starben beim Sprung aus den Häusern. Weit über hundert Men­schen wurden allein an der Berliner Grenze durch Schüsse verletzt. An der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR gab es bis 1987 mindestens weitere 111 Tote.“

    Warum authentisch? Dieses Büchlein wurde 1988 erstellt. Da gab es die DDR noch. Wären diese Autoren mit Zahlen dahergekommen, die Hetzzahlen gewesen wären, die DDR-Regierung hätte heftigsten Protest eingelegt. Dieses Büchlein wurde in Westberlin an die Ostbesucher verteilt.

    Hier noch ein Beweis für mich, dass dieses Büchlein mit glaubhaften Zahlen ihre Leser informierte. Wer kennt nicht den Spruch, den Ulricht vor dem Bau der Berliner Mauer gesagt haben soll. „Wir haben keine Absicht eine Mauer zu bauen…“
    Jeder, der dies überprüfen will, wird feststellen, Ulbrichts Worte wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Was er genau sagte, steht in diesem Büchlein:
    Das Wort „Mauer“ stammt übri­gens vom damaligen SED-Vorsit­zenden Walter Ulbricht. Als er im Juni 1961 die Absicht ankündigte, West-Berlin zur Freien Stadt um­zuwandeln, wurde er in einer Pres­sekonferenz befragt, ob dies sei­ner Meinung nach bedeutet, daß die Staatsgrenze am Brandenbur­ger Tor errichtet wird. Ulbricht antwortete:
    ,,Ich verstehe Ihre Frage so, daß es Menschen in Westdeutschland gibt, die wün­schen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Mir ist nicht bekannt, daß solche Absicht besteht, da sich die Bauar­beiter in der Hauptstadt haupt­sächlich mit Wohnungsbau be­schäftigen und ihre Arbeitskraft dafür voll ausgenutzt, voll einge­setzt wird. Niemand hat die Ab­sicht, eine Mauer zu errichten!“

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