Der polnische Spion und Antikommunist Witold Pilecki – ein Prüfstein des Charakters?

pilecki

…das höhnische Grinsen eines Mörders

Erst kürzlich wurde auf der Website des Gerhard-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf eine sehr seltsame Biografie veröffentlicht, die von einem polnischen Institut verfaßt worden war. Darin heißt es, ein gewisser Witold Pilecki, der „verheiratete Familienvater und gläubige Katholik“, habe einer geheimen polnischen Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzungsmacht angehört und sei dafür „von den Kommunisten“ verhaftet, schwer gefoltert und nach einem Schauprozeß am 26. Mai 1948 ermordet worden. Doch wer war dieser „gläubige Katholik“, der „Rittmeister Pilecki“ wirklich? War er ein „Mensch von Charakter“? War er ein Held – oder war er ein Verbrecher, ein Herostrat? Bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel!

Was man wissen sollte…

Bevor wir auf die Biografie dieses Witold Pilezki (poln. Schreibweise: Pilecki) zu sprechen kommen, wollen wir zunächst den Beginn des zweiten Weltkriegs beleuchten. Der deutsche Imperialismus und Militarismus wollte seine Vorherrschaft in Europa und in der Welt errichten. Deshalb hatte er sich nicht mit den Ergebnissen des ersten Weltkrieges abgefunden und forderte eine Revision der Grenzen. Im Kampf gegen die UdSSR beabsichtigte er, sowohl sein vorrangiges Klassenziel, den ersten sozialistischen Staat der Weltgeschichte zu vernichten, als auch seine Eroberungspläne durchzusetzen. Doch wie kam es dazu und wer steckte dahinter?

Der seltsame Krieg

„Die britische und die französische Regierung hofften immer noch, daß es ihnen gelingen werde, die faschistischen Aggressoren gegen die UdSSR zu lenken. Aus diesem Grunde provozierten sie im Winter 1939/1940 den Krieg Finnlands gegen die Sowjetunion und unterstützen diesen Verbündeten Deutschlands mit Waffen und Geld… So führten Großbritannien und Frankreich in Westeuropa einen Krieg, der in der ganzen Welt als ’seltsamer Krieg‘ bezeichnet wurde…“

(The Defense of Moscow, Pan/Ballantine, London/New York © 1968 by Geoffrey Jukes ©
1984 deutschen Übersetzung Verlagsunion Erich Pabel-Arthur Moewig KG, Rastatt S.120)

Und hier ist der Beweis:

Die finnische Provokation

Wie das Schwedter Tageblatt vom Dienstag, den 28. November 1939, berichtet, habe es an der finnisch-sowjetischen Grenze „einen ernsten Grenzzwischenfall“ gegeben, bei dem vier russische Soldaten getötet und neun verwundet worden seien. Plötzlich sei von finnischer Seite Artilleriefeuer auf das sowjetische Territorium eröffnet worden, und zwar sieben Kanonenschüsse, wodurch auf sowjetischer Seite drei Rotarmisten und ein Unteroffizier getötet und sieben Rotarmisten, ein Unteroffizier und ein Leutnant verwundet wurden. Hier der betreffende Zeitungsausschnitt:

391128 Finnen schiessen

Und hier noch eine weitere Quelle, die über die finnische Aggression berichtet:

391201 Vorarlberg TB FinnAngriff


Die Vorgeschichte

Bekanntlich begann der zweite Weltkrieg damit, daß die deutsche Wehrmacht im Morgengrauen des 1. September 1939 ohne Kriegserklärung mit rund 1,5 Millionen Mann, mit 3.000 Panzern und rund  1.500 Flugzeugen vom Norden, Westen und Südwesten in Polen einfiel. Die polnische Armee kämpfte sehr tapfer, jedoch war sie kräftemäßig unterlegen. Sie konnte nur 600 Panzer und 350 Flugzeuge aufbieten, die zumeist veraltet waren. Infolge des schnellen faschistischen Angriffs gelang es auch nicht, die gesamte polnische Armee zu mobilisieren.

Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens, die am 3. September 1939 Hitlerdeutschland den Krieg erklärten, hatten ihren polnischen Bundesgenossen versprochen, einen Entlastungsangriff gegen die deutsche Westgrenze zu führen. Im September 1939 unternahmen sie jedoch völlig unbedeutende Vorstöße. Sie ließen, obwohl sie über ausreichende Kräfte verfügten, ihren polnischen Bundesgenossen im Stich und blieben militärisch untätig.


Der „Rittmeister“ Witold Pilezki

Und nun zu dieser Biografie: Die Verfasser dieses polnischen Textes auf der Website des Gerhard-Hauptmann-Hauses hatten ganz im Sinne ihres verzerrten antikommunistischen Weltbilds 40 Jahre Zeit, alle möglichen Details zusammenzuschreiben, die heute kaum noch jemand überprüfen kann. Unterdessen wurden im polnischen Internet fast sämtliche anderslautenden Berichte oder Videos gelöscht, so daß man oft nur noch an Hand der historischen Zusammenhänge, aus Büchern und Archivdokumenten die Wahrheit herausfinden kann. Alexander Stepanow schrieb über diesen Witold Pilezki folgendes:

Ein Denkmal für einen polnischen Spion?

Witold Pilezki, der Enkel eines aufständischen polnischen Adligen, der nach Sibirien verbannt worden war, wurde 1901 in Olonjez, einer Kleinstadt im zaristischen Karelien, in der Familie eines Försters geboren. Doch welche Verdienste hatte dieser Witold Pilezki gegenüber seinem und dem russischen Volk? Seine Verdienste sind, gelinde gesagt, sehr eigenartig.

Zwei Orden von Piłsudski 

Im Jahre 1910 war er mit seiner Mutter nach Wilna [1] gezogen, trat dort als Halbwüchsiger der verbotenen polnischen Pfadfinderorganisation bei. Im Krieg gegen die Sowjetunion 1920 [2], d.h. während der Invasion der polnischen Pans [3], muß er sich derart hervorgetan haben, daß er dafür von Piłsudski [4] zwei Orden erhielt. Später rühmte Pilecki sich seiner „Verdienste“. Wir erinnern daran, daß sich die polnische Armee (die „Armija-Krajowa“-Bande, s. unten) in den besetzten Gebieten der Ukraine und Belorußlands besonders durch Plünderungen und durch Greueltaten hervortat und die Weißpolaken Zehntausende sowjetischer Kriegsgefangener einfach verhungern ließen, wofür bis heute niemand eine Entschuldigung vorgebracht hat.

Mitglied einer antikommunistischen Bande

Im Jahre 1939, nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen wurde auch Leutnant Pilezki in die polnische Armee eingezogen. Aber im Kampf gegen die Feinde seines Landes zeigte er keinen besonderen Ehrgeiz. Er entließ am 17. September 1939 den Zug, den er befehligte, zog Frauenkleider an und tauchte unter. Als dann aber klar war, daß die Faschisten besiegt sind, kroch er wieder hervor und wurde Mitglied der antikommunistischen Geheimorganisation „NIE“ [5], die unter Führung der Armija Krajowa als Widerstandsorganisation gegen die einmarschierende Sowjetarmee gegründet worden war. Nach der Zerschlagung Polens ging er in die Illegalität. 1940 meldete er sich dann unter dem Vorwand in eine Razzia geraten zu sein, freiwillig als Gefangener von Auschwitz, mit dem Auftrag, Informationen über das Lager zu sammeln. Dort gründete er ein illegales Netzwerk, danach „flüchtete“ er aus dem Konzentrationslager… (mit anderen Worten: er hatte seinen Auftrag erfüllt und wurde entlassen!)

Kampf gegen die Sowjetunion

1943 begann dieser Pan Pilezki, gegen die Rote Armee zu kämpfen, die nunmehr die Faschisten auch aus seiner Heimat vertrieb. Er nahm am Warschauer Aufstand teil, kam erneut ins KZ und – überlebte erneut. Im Mai 1945 trat er in Italien dem polnischen Korpus des Generals Anders bei. Nach Beendigung der Spionagetätigkeit für Anders kehrte Pilezki in das neue, vom Faschismus befreite Polen zurück. Im Frühjahr 1946 beschloß die polnische Emigrantenregierung, in der Nachkriegssituation die Hoffnungen auf einen Sieg nicht aufzugeben, und so befahl sie allen ihren Söldnern in Polen, vorläufig zum friedlichen Leben zurückzukehren, oder in den Westen zu flüchten. Pilezki lehnte das ab und war auch nicht bereit, die Waffen abzugeben. Pilezki erfüllte Spionageaufträge der Emigrantenregierung und organisiserte den Aufbau von Terrorbanden gegen die Anhänger der neuen sozialistischen Staatsmacht und gegen die Sowjetunion.

Mit meinen Worten gesagt, es waren Banden, die unter den Anhängern der neuen Macht nicht nur polnische Bürger töteten, sondern auch sowjetische Soldaten aus Einheiten, die dort stationiert waren. Doch schon bald darauf wurde Pan Pilezki zusammen mit den Mitgliedern seiner Terrorgruppe verhaftet und zum Tode verurteilt.

Ein Denkmal für einen Herostraten?

Als 1990 nach der Konterrevolution die Antikommunisten an die Macht kamen, wurde der „Rittmeister Pilecki“ rehabilitiert und postum mit den höchsten Orden des Landes belohnt. Man erklärte ihn offiziell zum Nationalhelden.

Allgemein gesagt, sind die Verdienste des Pan Pilezki gegenüber den den Erbauern einer sozialistischen Gesellschaftsordnung und deren Verteidigern, den heldenhaften Siegern über den Faschismus nicht vertretbar. Weshalb sollte ihm da ein Denkmal gesetzt werden? Aus Dankbarkeit für seinen Kampf gegen die Sowjetmacht und die Sowjetunion? Es gibt keine anderen Erklärungen. Das verdeutlicht sehr gut, welche Präferenzen die heutigen russischen Behörden hegen.

Die Olonjezer Kommunisten haben die Forderung gestellt, daß dem polnischen Spion kein Denkmal gesetzt werden darf. Nach ihrer Meinung ist eine solche Position der Gebietsverwaltung antipatriotisch. Vor allem auch, weil es viele andere bedeutende Persönlichkeiten von Olonjez gibt, die für ihre Heimat gearbeitet und gekämpft haben und deren Namen wirklich eine Verewigung brauchen.

Im Original: „В прошлом году руководители Олонецкого района А. Иванов и О. Терво уже прославились на всю Карелию тем, что вопреки мнению населения хотели закрыть Куйтежскую школу. Не получилось. Но слава Герострата не дает покоя олонецким единороссам. Теперь они готовы увековечить в Олонце имя польского шпиона и террориста.“

Übersetzung: „Im vergangenen Jahr wurden die Leiter des Olonezer Bezirkes A.Iwanow und O.Terwo in ganz Karelien schon dafür gerühmt, daß sie entgegen der Meinung der Bevölkerung die Kujtescher Schule schließen wollten. Das konnte verhindert werden. Aber der Ruhm eines Herostraten läßt die Olonjezer Mitglieder der Partei „Einiges Rußland“ nicht ruhen. Jetzt sind sie bereit, in Olonjez den Namen eines polnischen Spions und Terroristen zu verewigen.“

(Zusammengefaßt und übersetzt aus folgenden Quellen:
http://tr.rkrp-rpk.ru/get.php?4572
https://stepanov-karel.livejournal.com/566242.html
https://stepanov-karel.livejournal.com/572500.html
von Florian Geißler)


[1] Wilna (Vilnius) – heute: Hauptstadt Litauens;
[2] Im Jahre 1920 überfiel das reaktionäre Piłsudski-Regime Sowjetrußland.  Der Zeitpunkt für den Überfall auf Sowjetrußland war für das Land ausgesprochen ungünstig. Es herrschte ein Bürgerkrieg und die Bolschewiki waren gezwungen gleichzeitig an sechs Fronten zu kämpfen: gegen die Truppen Denikins, Koltschaks, Petljuras und andere Armeen und Gruppierungen sowie gegen die Interventen der Entente.
[3] Pan: Anrede bzw. Bezeichnung für den polnischen Adel. Schlachta (poln. szlachta: polnischer Kleinadel, Feudalherren)
[4] Piłsudski, Józef Klemens (1867-1935): poln.Politiker, Marschall; 1892 Mitbegründer der Poln. Sozialist. Partei, Vertreter ihres rechten Flügels; 1914/17 Kommandeur der Poln. Legion; 1918/22 Staatspräsident und Oberbefehlshaber der Armee, hauptverantwortlich für den poln. Überfall auf Sowjetrußland (1920) und den Raub sowjet. Gebiete. Piłsudski errichtete 1926 eine Militärdiktatur (↑ Sanacja-Regime); nach 1933 Annäherung an das faschist. Deutschland. Piłsudski war ein glühender Hitler-Verehrer.
[5] Es gab in Polen, Ungarn und in der Tschechoslowakei mehrere Räuberbanden, die aus Deserteuren deutscher Hilfsarmeen bestanden (siehe unten). Darunter war auch die antikommunistische Geheimorganisation „NIE“ (dt. „nie“)


Die antikommunistische Verbrecherorganisation „NIE“

NIE

Übersetzung: Die Verschwörerorganisation wurde im vierten Quartal 1944 auf Initiative der Führung der „Armija Krajowa“ in Erwartung der Notwendigkeit der Auflösung der „Armija Narodowa“  gegründet. Sie wurde als eine lang andauernde Aktion kalkuliert. Sie sollte Propaganda, Spionage, Gegenspionage, politische Diversion, Eindringen in die von den Kommunisten geschaffenen Machtorgane und Institutionen durchführen, aber den direkten bewaffneten Kampf außer Selbstverteidigung vermeiden. Sie wurde zuerst an den östlichen Grenzen geschaffen. Der Kommandeur war L. Okulicki. Nach dem Warschauer Aufstand, nachem die meisten der dafür vorgesehenen Personen entpflichtet worden waren, wurde die Organisation wieder neu aufgebaut. Nach dem sechzehnten Prozeß wurde beschlossen, sie formell am 7. Mai 1945 aufzulösen.

Und hier berichtet die Steirische Zeitung vom 27. Dezember 1945 über diese Räuberbanden, denen auch der Pan Pilezki angehörte:

451228 NStZ Banden Armija Krajowa

Nun muß man allerdings noch erklären, was ist ein „Herostrat“ ist. Das Kleine Fremdwörterbuch gibt darüber folgende Auskunft:

Herostrat

Damit wäre auch erklärt, wie der Autor Alexander Stepanow den „Rittmeister Pilecki“ charakterisiert – als einen Desperado und Verbrecher aus Ruhmsucht


Ein Prüfstein des Charakters?

Mit dem Wort „Charakter“ bezeichnet man die Gesamtheit der psychischen Haupteigenschaften des Menschen, die allen seinen Handlungen und seinem Verhalten den Stempel aufdrücken, das heißt, Eigenschaften, von denen vor allem abhängt, wie sich der Mensch in den verschiedenen Lebenslagen verhält. … Mut, Ehrgefühl, Initiative, Arbeitsliebe, Gewissenhaftigkeit, Feigheit, Trägheit, Verschlossenheit sind Beispiele von verschiedenen Charakterzügen. … Der Mensch trägt selbst die Verantwortung für seinen Charakter.

Das moralische Verhalten

In einer Klassengеsellschaft, die auf dem Prinzip des Privateigentums beruht, herrscht die Moral des Individualismus. „Das Prinzip“, sagte Lenin in einer Rede auf dem III.Kongreß des Komsomol, „auf dem die alte Gesellschaft beruhte, war: Entweder raube ich den anderen aus, oder er raubt mich aus; entweder arbeite ich für den anderen oder er für mich; entweder bin ich Sklavenhalter, oder ich bin Sklave,“ Und es ist begereiflich, daß sich die in dieser Gesellschaft erzogenen Menschen „mit der Muttermilch“ das Psychische eines Menschen aneignen, „der sich nur um sich selbst kümmert und den der andere nichts angeht.“ [1]

Humanismus und Menschenliebe

Der Kollektivismus der Sowjetmenschen ist untrennbar mit einer humanistischen, menschlichen Einstellung gegenüber den Menschen, der Sorge um die Menschen und der Liebe zu den Kindern verbunden; das macht das Wesen des sozialistischen Humanismus aus. … „Der Mensch“, sagte Kalinin, „soll die Menschen lieben. Liebt er die Menschen, so wird sein Leben besser sein, es wird fröhlicher sein; den in der gnazen Weltgeht es niemandem so schlecht wie dem Misanthropen, dem Menschenfeind. Er lebt am schlechtesten von allen.“ [2]

Quelle: B.M. Teplow „Psychologie“. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1957, S.230-239 (Auszüge)

[1] Lenin/Stalin: Über die Jugend. Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter, Moskau 1937, S.152 und 153.
[2] M.I. Kalinin: Über kommunistische Erziehung, Dietz Verlag, Berlin 1951, S.50.

Fazit: Mit Humanismus und Menschenliebe hat die kriminelle Tätigkeit des  „Rittmeisters Pilecki“ nichts, aber auch gar nichts zu tun. Er war und blieb ein Bandit, ein Antikommunist, der völlig zurecht von einem polnischen Gericht zum Tode verurteilt wurde. Wenn solche Verbrecher durch die EU-Erklärung zu „Helden“ hochstilisiert werden, zeigt das nur die faschistische Verkommenheit dieser Organsiation.

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6 Antworten zu Der polnische Spion und Antikommunist Witold Pilecki – ein Prüfstein des Charakters?

  1. Johann Weber schreibt:

    Zum besseren Lesen:

    Entnommen aus dem Schwedter Tageblatt vom 28.11.1939

    „Finnen schießen auf russisches Gebiet
    Vier russische Soldaten getötet, neun verwundet – scharfer Protest Molotows

    Das sowjetische Nachrichtenbüro TASS verbreitet eine amtliche Meldung vom Stab der Truppen des Leningrader Bezirks, wonach es an der finnisch-sowjetischen Grenze zu einem ernsten Grenzzwischenfall gekommen ist. Nach dem Bericht der TASS sei von finnischer Seite am Sonntagnachmittag um 13.45 Uhr Moskauer Zeit plötzlich Artilleriefeuer auf das sowjetische Territorium eröffnet worden, und zwar seien sieben Kanonenschüsse abgefeuert worden, wodurch auf sowjetischer Seite drei Rotarmisten und ein Unteroffizier getötet und sieben Rotarmisten, ein Unteroffizier und ein Leutnant verwundet wurden.
    Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare und Außenkommissar Molotow hat im Zusammenhang mit diesem Vorfall dem finnischen Gesandten eine Note überreicht, in der es u.a. heißt: Die russische Regierung sieht es für notwendig an, zu unterstreichen, daß bei den kürzlich vor sich gegangenen Verhandlungen mit Herrn Tanner und Paasikivi die russische Regierung auf die Gefahr aufmerksam gemacht hat, welche die Konzentrierung starker aktiver Truppen in unmittelbarer Nähe der Grenze gegenüber Leningrad bedeutet. Aus Anlaß des vom finnischen Gebiete aus eingetretenen provoziernden, gegen die russischen Truppen gerichteten Artilleriefeuers ist die russische Regierung jetzt gezwungen, festzustellen, daß die Konzentrierung finnischer Truppen in der Nähe Leningrads nicht nur eine Bedrohung Leningrads darstellt, sondern tatsächlich eine feindliche Handlung gegen die Sowjetunion bedeutet, welche schon zu Angriffen gegen russische Truppen geführt und Opfer gefordert hat. Es ist nicht die Absicht der Sowjetregierung, diesen verabscheuungswürdigen Angriff zu übertreiben, welchen Abteilungen der finnischen Armee unternommen haben, die dazu vielleicht durch ihre Führung verführt wurden, aber die russische Regierung würde wünschen, daß solche verabscheuungswürdigen Handlungen zukünftig nicht eintreffen.
    Aus diesem Anlaß bringt die russische Regierung einen scharfen Protest vor und schlägt vor, daß die finnische Regierung unverzüglich ihre Truppen von der karelischen Nase 20 bis 25 Kilometer weiter von der Grenze weg verlegt und damit die Möglichkeiten zu neuen Provokationen verhindert.“
    http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/dfg-viewer/?no_cache=1&set%5Bimage%5D=3&set%5Bzoom%5D=default&set%5Bdebug%5D=0&set%5Bdouble%5D=0&set%5Bmets%5D=http%3A%2F%2Fzefys.staatsbibliothek-berlin.de%2Foai%2F%3Ftx_zefysoai_pi1%255Bidentifier%255D%3D7862f245-1b4b-4b98-9f09-a447ad17e682

    • sascha313 schreibt:

      In Polen wird heute die Horrormeldung verbreitet, die Sowjetunion habe Polen „okkupiert“. Wer heute noch die Befreiung Polens vom Faschismus durch die Sowjetunion als „Okkupation“ diffamiert, der wird morgen den Faschisten zujubeln…

  2. Johann Weber schreibt:

    Wichtige Ergänzung. Gebetsmühlenartig verbreiten die Antikommunisten, incl. ein Großteil der EU-Abgeordneten die Mär von dem Überfall der Sowjetunion auf Finnland.

    Das Vorarlberger Tagblatt (Österreich) berichtete am 1.12.1939 von weiteren militärischen Überfällen Finnlands auf die Sowjetunion, mit zahlreichen Toten und Verletzten auf sowjetischer Seite.
    Das Vorarlberger Tagblatt schrieb:

    „[…] Um 0.45 Uhr Moskauer Zeit (22.45 Uhr MEZ) wurde über sämtliche sowjetischen Sender eine amtliche Mitteilung verbreitet, worin nunmehr auch von Sowjetischen Sender der Beginn der Kampfhandlung gegen Finnland bekanntgegeben wird.
    In der Nacht vom 29. auf den 30.September haben sich an der sowjet-finnischen Grenze mehrere neue Zwischenfälle ereignet.
    Um 2 Uhr nachts, so heißt es in der amtlichen Mitteilung, überschritt beim Dorfe Kowalno (nördlich des Ladoga-Sees) eine Gruppe finnischer Soldaten die Grenze und griff die sowjetische Grenzwache an. Die finnischen Abteilungen wurden mit starken Verlusten zurückgeschlagen. Um 3.15 Uhr eröffnete eine weiter starke Abteilung finnischer Truppen beim Dorfe Raasult auf der Karelischen Landenge Maschinengewehrfeuer auf die Sowjet-Truppen. Die Angreifer wurden gleichfalls zurückgeschlagen. Dabei wurden von den Sowjettruppe in der Nähe des Dorfes Kormiankl zehn finnisiche Soldaten und ein Unteroffizier gefangengenommen.
    Um 4 Uhr morgens versuchte eine weitere Abteilung finnischer Truppen auf der Karelischen Landenge beim Dorfe Termolowo einen Angriff, wurde jedoch von Sowjettruppen mit Maschinengewehrfeuer zurückgetrieben.
    In Anbetracht dieser neuen Provokationen mit bewaffneten Überfall seitens der finnischen Truppen, erteilte das Oberkommando der Roten Armee den Truppen den Befehl, am 30. November um 8 Uhr morgens die sowjetische-finnische Grenze zu überschreiten.[…]“
    http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=btb&datum=19391201&seite=1&zoom=33

    • sascha313 schreibt:

      Danke! Und genau diese Lüge (des angeblichen Überfalls der UdSSR auf Finnland) und hundert andere Lügen werden der heutigen Generation über die Massenmedien täglich, stündlich eingehämmert – solange, bis daran kaum noch Zweifel bestehen….

      Junge Menschen kennen nur das heute durch die bürgerlichen Massenmedien verordnete, gefälschte Geschichtsbild. Der Jugend in Rußland wird bspw. (völlig zurecht!) erzählt, wie schlimm es doch in den 1980er Jahren in der Sowjetunion gewesen sei und wie korrupt die russischen Beamten seien. Und das sei eben Sozialismus gewesen – der Kapitalismus sei hundertmal besser! Und sie sagen: „Was interessiert mich die Vergangenheit – Stalin ist ein Verbrecher, wieviele unschuldige Menschen hat er umgebracht!“) – Daß aber der Westen im letzten Jahrhundert und bis heute millionenfach bluttriefender herrscht(e), wollen diese jungen Leute nicht wahrhaben. „Im Westen ist doch der Lebensstandard viel höher und den Menschen geht es gut!“
      Welch ein Irrtum! Was für ein falsches Geschichtsbild!!!

  3. Samy Yildirim schreibt:

    Hier noch ein Beitrag aus der Irish Times vom 13. Mai 2017: https://www.irishtimes.com/news/world/asia-pacific/death-from-below-in-the-world-s-most-bombed-country-1.3078351?fbclid=IwAR2xClH1WB9EzamfaUh5oCQIR6h3G1IFBEjnS2bG_3J78BJ4baE0XrPQ83U.

    Eine sich selbst respektierende Menschheit wuerde einem solchen Land die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen verweigern, und schon gar nicht so ein Land als Gastgeber akzeptieren. Den Ruf des Ausschlusses der USA aus internationaen Organisationen habe ich aber noch nicht vernommen. „Qui tacet consentire videtur.“ [= „Wer schweigt, scheint zuzustiemmen.“]

    Kein Wunder also, dass die Eliten und Fuehrer der USA meinen, sich alles erlauben zu duerfen.

  4. Pingback: Wider den Geschichtsrevisionismus der polnischen Regierung | Sascha's Welt

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