1,2 Millionen Menschen in den Straßen von Santiago de Chile!!!

Chile_2019

Und hier Dr. Salvador Allende:

„Sie sollen wissen, daß sich eher früher als später erneut die großen Straßen auftun werden, auf denen der würdige Mensch dem Aufbau einer besseren Gesellschaft entgegengeht. Es lebe Chile! Es lebe das Volk! Es leben die Werktätigen! Das sind meine letzten Worte! Ich habe die Gewißheit, daß mein Opfer nicht umsonst sein wird.  Ich habe die Gewißheit, daß es zumindest eine moralische Lektion sein wird, die den Treuebruch, die Feigheit und den Verrat strafen wird.“

Protestaktionen in Chile

Die Aktion verlief weitgehend friedlich, jedoch gab es nach Angaben des Radiosenders Bio-Bio eine Gruppe von Protestierenden, die versuchten, den Eingang zur Metrostation auf dem Bakedano-Platz anzuzünden.

Über eine Million Chilenen sind am Freitag, den 18. Oktoebr 2019 zur Protestaktion in das Zentrum von Santiago gezogen, um ihren Protest gegen die Politik der Regierung und der Anwesenheit der Militärs in den Straßen zu äußern. Der Bürgermeister der Landeshauptstadt Karl Rubilar Baraona schrieb auf Twitter:

«Chile erlebt heute einen historischen Tag. In der Hauptstädtischen Region findet eine friedliche Demonstration mit der Teilnahme von etwa 1 Mio. Menschen statt».

Für soziale Gerechtigkeit

Die Chilenen protestieren gegen die soziale Ungerechtigkeiten im Land und fordern Veränderungen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Außerdem fordern die Menschen, die Notstandsmaßnahmen einzustellen und das Militärs zurückzubeordern, das in den Städten zusammengezogen worden war.

Anlaß der Protestaktionen

Die Proteste, die Unruhen und Zusammenstöße mit der Polizei begannen in Santiago am 14. Oktober 2019, nachdem das Fahrgeld für die Metro auf 30 Pesos ($0,04), bis zu Maximum in 850 Pesos ($1,2) durchschnittlich angehoben wurde. Später haben die Unruhen auch andere Städte des Landes erfaßt.

Maßnahmen der Behörden

In Zusammenhang mit der entstandenen Lage rief der Präsident des Landes Sebastian Pinera in der Hauptstadt und in einer Reihe anderer Städte den Notstand aus und beschloß, die Preiserhöhung für Fahrten im öffentlichen Verkehr aufzuheben. Laut Angaben der Behörden, sind im Verlauf der Unruhen 19 Menschen umgekommen. In der Nacht wird in Santiago bereits die siebente Nacht in Folge eine Ausgangssperre gelten.


Wer war Dr. Salvador Allende?

salvador-allende-kim Dr. Salvador Allende Gossens (26.7.1908-11.9.1973) war ein chilenischer Arzt und Politiker. Er war 1933 Mitbegründer der Sozialistischen Partei Chiles, seit 1937 Abgeordneter und ab 1939 Gesundheitsminister der Volksfrontregierung.  1958  und 1964 war er Präsidentschaftskandidat der Front der Volksaktion (FRAP). Als Kandidat der Unidad Popular gewann er 1970  die Wahlen  und bildete eine Mehrparteien-Volksregierung mit einem antiimperialistischen, auf den Sozialismus ausgerichteten Programm. Dr. Allende wurde 1973 durch einen faschistischen Militärputsch gestürzt und ermordet.


Einiges zur wirtschaftlichen Situation in Chile

Chile ist ein relativ entwickelter ka­pitalistischer-Industrie-Agrar-Staat mit einem bedeutenden Anteil des Bergbaus. Die ökonomische Entwicklung wird stark vom Auslandskapital, insbesondere der USA, beein­flußt. Eine noch überwiegend rückständige Agrarstruktur bewirkt eine langsame und ungleichmäßige Entwicklung der Landwirtschaft. Unter dem Ein­fluß von Staat, einheimischer Finanzoligarchie und transnationalen Monopolen nahm Chile immer mehr Züge des staatsmonopolistischen Kapitalismus an. Das Bruttoinlandprodukt kam 1982 zu 33,7 % aus der Industrie, zu 12,5 % aus dem Bergbau, zu ca. 30 % aus Handel und Transportwesen sowie zu 7 % aus der Landwirtschaft.

Der sozialökonomische Aufschwung

Die Regierung der Volkseinheit (Unidad Popular) leitete 1970 einen langfristig angelegten Prozeß tiefgreifender so­zialökonomischer Veränderungen ein, um die Rückständig­keit zu überwinden und die ökonomische Unabhängigkeit Chiles herzustellen. Die wichtigsten Naturreichtümer und Wirtschaftszweige wurden nationalisiert. Dadurch erwei­terte sich der staatliche Sektor, der 1973 über 30 % der In­dustrieproduktion lieferte. Das bereits 1967 beschlossene Agrarreformgesetz wurde konsequent durchgeführt. Unge­achtet des Widerstands der in- und ausländischen Reaktion wurde 1971/72 eine positive Wirtschaftsentwicklung erreicht, die sich sowohl in steigenden Zuwachsraten als auch in strukturellen Veränderungen zugunsten der verar­beitenden Industrie und der Leistungskraft der nationalen Betriebe äußerte.

Rückfall in die Barbarei

Der faschistische Putsch vom September 1973 unter­brach diese Entwicklung zugunsten einer antinationalen Wirtschaftspolitik im Interesse des mit dem Ausland ver­bundenen einheimischen Großkapitals und der transnatio­nalen Konzerne. Der von der Militärjunta 1975 auf Anra­ten des US-amerikanischen Ökonomen Friedman einge­führte „totale Wirtschaftsliberalismus“ lieferte die nationa­len Unternehmen schutzlos der Konkurrenz transnationa­ler Monopole aus. Die Mehrzahl der staatlichen Betriebe wurde reprivatisiert, die nationalisierten ausländischen Un­ternehmen wurden ihren ehemaligen Eigentümern zurück­gegeben und die staatlichen Wirtschaftsinstitutionen in ihren Befugnissen beschnitten. Löhne und Gehälter wur­den eingefroren, die Preise jedoch freigegeben. Chiles Natur­reichtümer (Mineralien, Holz, Agrarprodukte) wurden auf dem Weltmarkt verschleudert, während importierte Waren die nationale Industrie ruinierten.

Erneute Ausplünderung Chiles

Damit erlangte das Aus­landskapital, insbesondere die transnationalen Konzerne der USA, erneut einen dominierenden Einfluß auf die ge­samte Wirtschaft Chiles. Trotz der 1976 langsam einsetzen­den Belebung, besonders in den exportintensiven Zweigen, wurde erst 1978 wertmäßig wieder der Umfang der Produktion von 1970 erreicht. Die wichtigsten Bereiche, be­sonders der verarbeitenden Industrie, befinden sich seit 1982 erneut in einer Krisensituation. In Chile bildet sich bereits eine einheimische Finanzoligar­chie heraus. Die wichtigsten Gruppen (zumeist Familien­clans) sind Edwards, Matte, Javier Vial und Cruzat-Lar­rain.

Die 3,1 Mill. Erwerbstätigen verteilten sich 1983 zu 20 % auf die Industrie, 18 % Landwirtschaft/Forstwirtschaft/Fi­schereiwesen, 3 % Bergbau, 5 % Bauwesen und zu 37 % auf Handel, Banken, Dienstleistungen u. a. Nach offiziellen Angaben betrug 1983 der Anteil der Erwerbslosen 22 %.

Die chilenischen Naturreichtümer und die Industrie

Bodenschätze. Der größte Reichtum Chile ist Kupfer (mehr als ein Drittel der Weltvorräte). Die Lagerstätten ziehen sich in einem etwa 1 500 km langen Streifen von Norden bis zum Bio­Bio-Fluß im Süden hin. Die Lagerstätten mit einem Cu-Gehalt von 25 % sind erschöpft. Die größten Minen (Chuquica­mata, EI Teniente, EI Salvador, Andina) haben nur einen Gehalt von 1-2 %. Vereinzelt finden sich noch Erze mit bis zu 9 % Cu.

Die Erkundung von Eisenerzen ist noch nicht abgeschlossen (Magnetit und Hämatit mit einem Fe-Ge­halt bis zu 65 %), läßt aber auf Vorkommen zwischen 1,3 und 2,1 Mrd. t schließen. Ferner sind Mangan, Platin, As­best, Lithium, Graphit und Kali vorhanden. Bei Antofaga­sta und Taltal wurde Uran entdeckt. Die Salpeter-Vorkom­men entlang dem Westrand der Atacama-Wüste haben durch die Produktion chemischen Düngers an Bedeutung verloren. Die Vorräte betragen etwa 200 Mill. t mit 31 % KNO3.

Auf den Küsten-Inseln im Norden gibt es bedeutende Lagerstätten von Guano. Bei Concepción, Arauco und Val­divia befinden sich in Tiefen von 800 bis 1300 m Vorkom­men an Steinkohle (etwa 200 Mill. t), in Patagonien an Braunkohle. An der Magalhãesstraße befinden sich Erdöl­lagerstätten, bei Feuerland auch Erdgasvorkommen.

Industrie. Bestimmender Zweig ist der Bergbau. Er war 1983 mit fast 12 % am Bruttosozialprodukt beteiligt. Kup­fer allein brachte 47 % der Exporterlöse. Das meiste Erz wird nach Aufbereitung zu Konzentraten von den Kupfer­betrieben weiterverarbeitet. Weitere Betriebe bereiten Manganerz zu Ferro- und Silizium-Mangan auf. Molyb­dänkonzentrate fallen als Nebenprodukte der Kupferge­winnung an. Zunehmende Bedeutung erlangen die Kobalt­-Gewinnung und die Produktion von Molybdän als Nebenprodukt von Kupfer.

Quelle:
Länder der Erde. Politisch-ökonomisches Handbuch. Verlag Die Wirtschaft Berlin (DDR)1985, S.124f.
Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Internationale Solidarität, Kapitalistische Wirklichkeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu 1,2 Millionen Menschen in den Straßen von Santiago de Chile!!!

  1. Renate Elisabeth Schmidt schreibt:

    Viva Chile!

  2. Pingback: Die anhaltende Revolte in Chile | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s