Ein Tag im September. Geheime Planungen für den „Tag X“

rollbackEs liest sich heute wie eine Weissagung aus dem Buch der Propheten. Diese Schrift befaßt sich mit einem Teil der Geschichte unseres Landes, der DDR, der nur wenig Erfreuliches bot, viele bittere und traurige Stunden mit sich brachte. Tausende Nachrichten wurden von den Autoren gesichtet, Hunderte ausgewählt, die nun das Bild einer ununterbrochenen antikommunistischen Aggression wiedergeben. Die Umwelt, in der diese Aggression stattfand, hatte sich in den drei Jahrzehnten der Existenz der DDR noch einmal beträchtlich verändert. Die kontinuierlich auf Friedenserhaltung und Friedenssicherung gerichtete Politik der SED und der DDR konnte lange Zeit das Schlimmste verhindern. Die DDR blieb existent… bis dann für viele DDR-Bürger völlig überraschend eine Wende eintrat, deren Urheber in den USA, der BRD und nicht zuletzt auch in Moskau saßen: Die offene Konterrevolution (getarnt nunmehr als „friedliche Revolution“) und die Beseitigung des Sozialismus auf deutschem Boden – mithin die größte Katastrophe in der bisherigen Geschichte!

Hier nun ein bemerkenswerter Ausschnitt aus dem Buch „Befehdet seit dem ersten Tag“ von Eberhard Heinrich und Klaus Ullrich:

Man schrieb den 24. März 1952. Der Tag hatte wenig Frühlingshaftes zu bieten, unter grauem Himmel wehte kühler Wind. In der Hauptstadt der DDR ließ man morgens eine kleine Lokomotive zur Probefahrt mit vollgeschütteten Loren Trümmer abfahren. Bautzener hatten sie auf einem Tieflader als Geschenk mitgebracht, zu jenem Sonntag, an dem sich Metallarbeiter aus der ganzen DDR auf den Baustellen der ersten neuen Straße, die man projektiert hatte, getroffen hatten. Am Montag war Bilanz gezogen worden: Das Geschaffte und die Geschenke wurden re­gistriert. Tausende Ziegelsteine waren abgeputzt und wieder verwendbar gemacht worden, Arbeiter aus Nord­hausen waren mit zwei Traktoren gekommen, die sie in Berlin ließen, aus Wismar hatten sie 1.500 Kilogramm Nägel mitgebracht und aus Bautzen eine Trümmerlok.

Am Mittag des 24. März besuchte Präsident Wilhelm Pieck in Berlin die Ausstellung „Beethoven und seine Zeit“. Der in Kairo noch residierende König Faruk löste das Par­lament auf. In Most (ČSR) wurde der erste sowjetische Schreitbagger ausprobiert. Unweit des Rhein-Main-­Flughafens raste ein „Globemaster“ in ein Waldstück und ging in Flammen auf, von 47 Passagieren überlebten nur drei. In Rheinland-Pfalz teilte man auf einer Pressekon­ferenz die offizielle Zahl der Arbeitslosen mit: 97.428.

Der „Tag X“

Am frühen Nachmittag meldeten Rundfunksender der BRD, daß man einen „Forschungsbeirat für die Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands“ gegründet habe. In einem Kommentar wurde angemerkt, daß dieses Gre­mium für den „Tag X“ von enormer Bedeutung sei. Der Buchstabe X steht in der Mathematik gemeinhin für eine unbekannte Größe. Wie mit solchen unbekannten Größen. zu rechnen ist, bestimmen Gesetze der Mathe­matik, der „Tag X“ aber wurde zu einem unmißverständ­lichen Begriff im „verdeckten Krieg“ gegen die DDR. Zwar blieb das X in diesem Begriff für lange Zeit eine nicht nur unbekannte, sondern absolut irreale Größe, aber was an diesem von so vielen vergeblich ersehnten Tag geschehen sollte, wurde stets mit Akribie geplant, lauthals verkündet und in umfangreichen Dokumenten niedergelegt.

Die geplante Okkupation der DDR

Das Stabsquartier für den „Tag X“ war im Bonner „Ministerium für gesamtdeutsche Fragen“ etabliert, des­sen erster Minister, Jakob Kaiser, bereits am 5. Juli 1949 vor den Mikrofonen des Senders NWDR verkündet hatte:

„In nicht allzulanger Zeit wird auch die Ostzone wieder im gesamtdeutschen Staat sein. Für diesen Tag wird dieses Amt vorzusorgen haben.“

Am Montag, dem 24. März 1952, war – nach offizieller Ansicht in der BRD – solch besondere Vorsorge gründlich getroffen worden durch die Gründung des „Forschungs­beirats“. Und Jakob Kaiser ließ keine Zweifel aufkommen: Dieser Rat habe die „Vorbereitung auf den Tag X“ zu treffen.

Die Ratsmitglieder:

  •  alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der KPD,
  • die Arbeitgeberver­bände, der DGB, die Revanchistenverbände; dazu:
  • „Inter­essengemeinschaft der in der Ostzone enteigneten Be­triebe“,
  • „Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unterneh­mer“,
  • „Vereinigung der aus der Sowjetzone verdrängten Lehrer und Erzieher e.V.“,
  • „Verband mittel- und ost­deutscher Zeitungsverleger (Herausgeber der deutschen Tageszeitungen) sowie der Inhaber graphischer und ver­wandter Betriebe aus Mittel- und Ostdeutschland e. V.“,
  • „Grüne Farbe – Hilfsgemeinschaft zur Wahrung der Inter­essen und Zusammenführung der Waldbesitzer, Forstmänner und Berufsjäger aus der Sowjetzone und den deutschen Ostgebieten, e.V.“.

Der „Forschungsbeirat“ galt juristisch als nachgeord­netes Organ des Ministeriums. Er gab sogenannte Tätig­keitsberichte heraus, die im Grunde nichts anderes waren als Marschbefehle für den „Tag X“.


Der erste Bericht

Im ersten Bericht – erarbeitet 1953 – wurden die beiden vorrangigen Aufgaben folgendermaßen umrissen:

„1. Eine Klärung der Lage in den einzelnen Wirtschaftszwei­gen, ihrer Entwicklung, ihrer Kapazitäten sowie ihrer ge­genwärtigen Organisation und der für sie geltenden Prin­zipien der Wirtschaftsordnung. 2. Die Erstellung eines Sofortprogramms, d.h. die Vorbereitung aller derjenigen Maßnahmen, die im Falle einer Wiedervereinigung alsbald … notwendig sein würden.“

„Es verdient in diesem Zusammenhang hervorgeho­ben zu werden, daß zur Zeit der Auslösung des konter­revolutionären Umsturzversuches am 17. Juni 1953 in der DDR das erste ,Sofortprogramm‘ bereits zur Verfügung stand“, konstatierte Hans Teller in seinem Buch „Der kalte Krieg gegen die DDR“.

1. Sofortprogramm der Besatzungsstrategen

Bis hin zu Details war in dem „Programm“ festgelegt, was bei einem erfolgreichen Verlauf des „Tages X“ zu tun war. So sollten zum Beispiel das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der DDR, das Ministerium für Handel und Versorgung der DDR, das Ministerium für Lebensmittel­industrie der DDR, das Staatssekretariat für Erfassung und Aufkauf der DDR, die Deutsche Bauernbank, die Vereini­gung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) sowie alle Handelszentralen, die Deutsche Akademie der Landwirt­schaftswissenschaften und die landwirtschaftlichen Fach­schulen dem Bundesministerium für Ernährung, Land­wirtschaft und Forsten unterstellt werden.

2. Restaurierung des Kapitalismus

Nach diesem ersten administrativen Schritt sollten die alten Verhält­nisse wiederhergestellt, sollte der Kapitalismus restauriert werden: Auflösung aller landwirtschaftlichen Produk­tionsgenossenschaften – wörtliche Formulierung: „so schnell wie möglich“ –, Rückgabe des enteigneten Bodens an die früheren Besitzer, „Änderung der Stellung des Staates in der Wirtschaft“, womit die Rekapitalisierung der Industrie umschrieben wurde, und die Ausarbeitung eines Planes zur „Überführung“ der volkseigenen Industrie in Privateigentum.

3. Die einkalkulierten Krisenerscheinungen

Die Strategen des „Tages X“ waren sich sehr wohl im klaren darüber, daß mit der Rückkehr des Kapitalismus auch die Rückkehr kapitalistischer Krisenerscheinungen unausbleiblich waren. So sprach der Vorsitzende des „Forschungsbeirates“, ein gewisser Thalheim, unumwun­den darüber, daß „nach der Wiedervereinigung mit Ar­beitslosigkeit in der sowjetischen Besatzungszone gerech­net werden muß“. Es wurde sogar eine „Dauerarbeits­losigkeit“ einkalkuliert.

4. Geplante Ausplünderung der DDR

Der Bericht enthielt ferner den Hinweis, „daß … erhebliche Beträge von jetzt geleisteten Ausgaben der verschiedensten Art zwangsläufig in Fortfall kommen (z.B. derjenigen, die sich allein aus dem derzei­tigen politischen System der SBZ ergeben)“, womit für jedermann begreifbar die bereits damals erreichten so­zialen Errungenschaften gemeint waren. Eine andere der vielen geplanten „Maßnahmen“ sah die Auflösung der staatlichen Versicherung vor.

Der gescheiterte Putsch von 1953

Das Scheitern des Putschversuches vom 17. Juni 1953 veranlaßte die Projektanten des „Tages X“ keineswegs zum Überdenken der Lage. Der damalige Kanzler der BRD, Konrad Adenauer, erklärte bereits am 1. Juli 1953 mit neuem Optimismus:

„Unsere Pläne für die Zeit nach der Wiedervereinigung sind fertiggestellt. Besondere Arbeits­ausschüsse haben Sofortmaßnahmen für den Tag der Wiedervereinigung vorbereitet.“


Der zweite Bericht

5. Enteignungen in der Landwirtschaft

Drei Jahre später präsentierte der „Forschungsbeirat“ einen neuen Bericht, der allerdings erkennen ließ, daß einige Realitäten zu neuen Formulierungen und auch zu veränderten Plänen geführt hatten. Über die Bodenreform oder gar eine geplante „Rückgängigmachung“ wurde kein Wort mehr verloren, und auch die volkseigenen Betriebe sollten nur mehr so umgewandelt werden, daß sle „zu marktwirtschaftlichem Handeln“ imstande wären. Auch die Maschinen- und Traktorenstationen auf dem Lande – damals bekanntlich die entscheidende Hilfe für die Bauern zur Modernisierung der Landwirtschaft – sollten nach dem neuen „Plan“ immerhin so lange bestehen bleiben, bis eine „Privatinitiative der Bauern“ zu neuen Lösungen führen könnte. Mit einem Wort: Man hatte wenigstens erkannt, daß die DDR nicht an einem Tag zu überrollen und „anzuschließen“ war.


Der dritte Bericht

6. Enteignung und Plünderung des Volkseigentums

1961 wurde der nächste Bericht veröffentlicht. Das Ziel war unverändert, die Methoden hatten sich erneut ge­wandelt – allerdings nur auf Grund der unübersehbar gewachsenen Stärke der DDR. Die volkseigenen Betriebe sollten nun nicht mehr sofort „reprivatisiert“ werden, sondern in drei Stufen. Zunächst wollte man ihnen als „modifizierte VEB“ den Status „rechtlich und wirtschaftlich selbständiger Unternehmen“ verleihen. Für die zweite Etappe war die Vergabe dieser Betriebe an Konzernunternehmen der BRD geplant, wobei „Betriebsnutzungsverträge mit zeitnahem Status“ vorgesehen waren. Hinter dieser Formulierung versteckte sich die Absicht, den Abbau sozialer Leistungen der volks­eigenen Betriebe stufenweise nach einem „zeitnahen“ Verfahren vorzunehmen. Die Auflösung der LPG – so befand der „Forschungsbeirat“ – sei „aus verschiedenen Gründen in der Regel nicht sofort und abrupt möglich“. („zeitnah“ – kommt Ihnen das bekannt vor?


Der vierte Bericht

1965 erschien der nächste Bericht:

„Es ist bei der zweifachen Aufgabe geblieben…, die Wirtschaft und Gesell­schaft Mitteldeutschlands freiheitlich zu formen, um sie so mit Westdeutschland zu einem einheitlichen deutschen Wirtschafts- und Sozialkörper zu integrieren…, vorberei­tende wirtschafts- und sozialpolitische Überlegungen der Wiedervereinigung entsprechend den Grundsätzen der Markt- und Wettbewerbswirtschaft zu öffnen.“

7. Die totale Vernichtung der Volksbildung der DDR

Das damals bereits internationales Ansehen genießende Bildungs­wesen der DDR sollte ebenfalls „eingegliedert“ werden: „Die Lehrlingskombinate … sind aufzulösen. Das land­wirtschaftliche Berufsschulwesen ist den durch die Wie­dervereinigung entstehenden Verhältnissen anzupassen.“ Die eigenen Leistungen preisend, konstatierte der „Forschungsbeirat“ abschließend:

„Im ganzen aber läßt sich jetzt schon feststellen, daß im Bereich des Wirtschaft­lichen und Sozialen für den reibungslosen Gesamtablauf der Wiedervereinigung gedanklich und planend vorgesorgt ist.“


Walter Ulbricht entlarvt die militärischen Pläne
der USA und der NATO

Natürlich beschränkte man sich nicht darauf, dem „Tag X“ mit solchen Plänen entgegenzustreben. Auf einer Pressekonferenz am 19. Juli 1960 in Berlin sprach Walter Ulbricht zum damaligen militärischen Aspekt des „Tages X“.

„Der Plan für die Anfangsphase der Aggression sieht folgendermaßen aus: Mit faschistischen Provokationen in der DDR soll begonnen werden, indem in die Reihen der Übersiedler, Rückwanderer oder Be­sucher Faschisten aus Westdeutschland in die DDR ein­geschleust werden. Diese Faschisten sollen zur gegebenen Zeit Provokationen durchführen, während gleichzeitig durch Provokationen an der Grenze Vorwände für das Eindringen westdeutscher Spezialtruppen der Bundes­wehr geschaffen werden. Das soll alles blitzartig durch­geführt werden. Dabei wollen die Herren möglichst die Berührung mit sowjetischen Truppen vermeiden und die Dinge so darstellen, als ob das eine innere Angelegenheit der Deutschen sei.“

Im Verlauf dieser Pressekonferenz konnten die Journalisten vieler Länder auch eine Reihe überzeugender Belege für diese Pläne in Augenschein nehmen. Kurz zuvor waren in westdeutschen Zeitungen Nach­richten über „Begegnungen“ zwischen USA-Offizieren und Angehörigen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR erschienen.

Die Pressekonferenz enthüllte, daß es sich um eine „Begegnung“ in Karl-Marx-Stadt handelte, wo USA-Offiziere Bürgerkriegs- und damit auch Kriegs­vorbereitungen getroffen hatten. Dabei war ihnen wichti­ges Kartenmaterial abgenommen worden. Insgesamt wurden von der unter dem Kommando eines Majors Ramundo operierenden USA-Gruppe 79 Landkarten „übernommen“.

Zuvor waren einer Gruppe britischer Offiziere mit dem Chef der britischen Mission, Brigadege­neral Packard, 122 Meßtischkarten des Gebiets der DDR, darunter 50 Karten amerikanischer Herkunft aus dem Jahre 1959, abgenommen worden. In den Karten waren wichtige Objekte eingezeichnet: Kraftwerke, Umspann­werke, Hochspannungsleitungen, Versorgungsanlagen, Silos, Drainage- und Kanalisationssysteme. In den Kar­tenabschnitten Magdeburg, Halle und Cottbus waren Absprungstellen für Fallschirmjäger und auch Landeplätze für Flugzeuge vermerkt.


»lch möchte darauf hinweisen«, erklärte Walter Ulbricht, »daß uns der Leiter der amerikanischen Gruppe nicht nur das Material übergeben hat, sondern auch den Wortlaut des Befehls, den er von seinem Chef bekommen hat, und zwar das Original in englischer Sprache. Das heißt, alles, vom Befehl bis zum Material, ist exakt in unserem Besitz, und Sie verstehen sehr gut, daß wir solche Fragen, wenn wir sie einmal bearbeiten, auch gründlich bearbeiten.«


Kartenmaterial und Beweise

Den Journalisten wurde ein von Major Ramundo ge­fertigtes Foto übergeben, das einen Bereitstellungsraum im Kreis Bitterfeld zeigte. Der betreffende Platz war in den Karten der Amerikaner eingezeichnet. In General Packards Besitz war das Foto einer Kanalisationsröhre gewesen, die als Versteck für bestimmte Apparate vorgesehen war. Enthüllt wurde bereits schon vorher auch der Angriffsplan „DECO II“, der als Anweisung 126 im März 1955 in Bonn bereitgelegt worden war:

„Die Operation DECO II sieht ein schlagartiges Zusammenwirken von.Land-, Luft­und Seeverbänden, Propagandaeinheiten und den vor Anlaufen der militärischen Operation nach Ostberlin und strategisch wichtigen Punkten der SBZ zu infiltrierenden militärischen Einheiten vor.

Operation DECO II ,Berlin‘: Die nach Ostberlin eingeschleusten Verbände der 3. LSKG in Zivil besetzen zum Zeitpunkt ,E‘ schlagartig sämtliche sowjetzonalen staat­lichen und militärischen Dienst- und Kommandostellen, Telegrafen- und Fernsprechämter, Reichsbahn- und Stadt­bahnhöfe, Rundfunksender, Großverlage, Staatsreser­velager, Industrie- und Hafenanlagen, Ausfallstraßen und Grenzkontrollpunkte.

Zum Zeitpunkt ,E‘ sind seitwärts Berlin starke Luftlandeverbände der 3. LSKG abzusetzen, die nach dem Westen vordringen und jede aufkommende feindliche Handlung niederkämpfen. Sie vereinigen sich mit von den Westsektoren nach Ostberlin vordringenden Truppen des AKII.

Nach Besetzen der Rundfunk- und Presseinstitutionen durch Propagandaeinheiten ist die Bevölkerung der SBZ unverzüglich vom Anlaufen der Operation DECO II zu unterrichten und aufzufordern, zur Selbsthilfe zu schreiten, Gegenmaßnahmen ihre Unterstützung zu verweigern, die Betriebe zu besetzen und zusammen mit den infiltrierten Truppen staatliche, kommunale und politische Dienststellen zu säubern. Die Angehörigen der sowjetzonalen Nationalarmee, der Polizei und sonstigen waffentragen­den Verbände sind aufzufordern, jeden Widerstand auf­zugeben, die Waffen niederzulegen und sich bis zum Ein­treffen der Streitkräfte der Bundesrepublik in ihren Unter­künften aufzuhalten.

Die westlich Berlins abzusetzenden Luftlandeverbände der 3. LSKG besetzen Potsdam und die Flughafenanlagen Werder, stellen die Verbindung mit den Truppen des AK II im Stadtgebiet Berlin her und stoßen in nordwestlicher bis südöstlicher Richtung vor.“


Der Mordplan der USA und der NATO

Diesem minutiösen Überfallplan lag eine NATO­-Empfehlung zugrunde, veröffentlicht in „General Military Review“, Oktoberheft 1957, Seite 339, verfaßt von dem kanadischen Capitain D. J. Goodspeed:

„Man kann bei dem Vorgang drei Phasen unterscheiden: Die vorberei­tende Phase vom ersten Komplott bis zu den ersten Schüs­sen, dann die Phase des Angriffs … Und schließlich die Phase der Konsolidierung. Die Vorbereitung: Diese Phase ist gewiß die gefährlichste und auch schwierigste. Sie kennt kaum feste Regeln, doch weist sie einige all­gemeingültige Regeln auf … Man führt ein oder zwei Ermordungen durch. Hinderliche Persönlichkeiten sind auszuschalten, am besten durch den Tod … Der Angriff hat zum Ziel, in kürzester Frist eine vollkommene Desorgani­sierung herbeizuführen. Die beiden ersten Stunden sind ausschlaggebend.“

Damals noch ein geheimer Plan…

Fügen wir dem noch die Worte des Autors des Buches „Die Strategie des Kalten Krieges“, des Amerikaners James Burnharn, hinzu:

„Wir müssen immer daran den­ken, daß der Krieg, den es zu planen gilt, nicht eine künftige Möglichkeit darstellt, sondern hier und heute stattfindet.“

…so wie bei Hitler!

Es sei an dieser Stelle wenigstens darauf verwiesen, daß ähnliche Pläne schon von Hitler gefaßt und später auch verwirklicht worden waren. In dem 1939 in London er­schienenen Buch von H. Rauschning „Gespräche mit Hit­ler“ wird eine Unterhaltung Hitlers mit dem damaligen Danziger Gauleiter Forster wiedergegeben:

„Wenn ich Krieg führe, Forster, dann werde ich eines Tages mitten im Frieden Truppen in Paris auftreten lassen. Sie werden französische Uniformen anhaben. Sie werden am hellen Tage durch die Straßen marschieren. Alles ist bis aufs kleinste vorbereitet. Sie marschieren zum Generalstabs­gebäude. Sie besetzen die Ministerien, das Parlament … Wir werden Freiwillige genug haben, Männer wie unsere SA, verschwiegen und opferbereit.“

…doch damals noch ohne sonderlichen Erfolg!

Wie man sich erinnert, wurde mancher aus der Schar dieser »opferbereiten Freiwilligen« im »verdeckten Krieg« gegen die DDR ein Jahrzehnt nach Erscheinen dieses Buches reaktiviert. Ohne sonderlichen Erfolg allerdings. Offener operierte man an der diplomatischen Front. Am 22. September 1955 hatte Bundeskanzler Adenauer kund­getan, daß die BRD gegen jeden Staat, der die DDR di­plomatisch anzuerkennen gedenke, mit „abgestuften Maßnahmen“ vorgehen würde.

Außenminister von Bren­tano begründete diese als Hallstein-Doktrin bekannt ge­wordene Erpresserformel damit, daß eine Anerkennung der DDR die „völkerrechtliche Anerkennung der Teilung Deutschlands in zwei Staaten“ bedeute. Die „Wiederver­einigung“ sei dann „nicht mehr die Beseitigung einer vorübergehenden Störung im Organismus unseres ge­samtdeutschen Staates“, sondern „die unendlich viel schwierigere Aufgabe, zwei verschiedene deutsche Staa­ten zu vereinen“.

Die offene deutsche Frage

Mit der Hallstein-Doktrin war ein außen­politisches Instrument geschaffen worden, das dazu bei­tragen sollte, „die deutsche Frage offenzuhalten“, damit der „Tag X“ für das Ausland wie eine „innerdeutsche An­gelegenheit“ wirke. Bei diesen Bemühungen wurden auch die Möglichkeiten ausgeschöpft, die die NATO bot. Immer wieder wurden die Verbündeten ermahnt, aufgefordert und notfalls auch verpflichtet, die Fahne der DDR nicht zu zeigen, die Hymne der DDR nicht zu spielen, Wissenschaft­ler und Sportler der DDR nicht an Konferenzen und inter­nationalen Treffen teilnehmen zu lassen. Allein mit den Aktionen an dieser Front ließe sich ein Buch füllen.

Quelle: Eberhard Heinrich/Klaus Ullrich „Befehdet seit dem ersten Tag“, Dietz Verlag Berlin 1981, S.225-233.

Eine Nachbetrachtung

Was danach geschah, darüber wurde hier schon mehrfach geschrieben: Über 30 Jahre lang hatte die Partei- und Staatsführung der DDR erfolgreich die militärische Okkupation der DDR verhindert. Mit der Sicherung des Staatsgrenzen zur imperialistischen BRD konnte der Atomkrieg verhindert werden. In der sozialen Sicherheit und Geborgenheit unseres sozialistischen Vaterlandes konnten zwei Generationen in Frieden aufwachsen und gedeihen. Trotz aller äußerer und selbstverursachter Hindernisse erzielte die DDR hervorragende Erfolge beim Aufbau des Sozialismus. Das Beispiel der DDR wird für immer unvergänglich sein. Eines Tages wird erneut die Frage aufgeworfen werden: Wie kann der Kapitalismus beseitigt werden? Und wie kann man den Sozialismus für allezeit dauerhaft schützen?

pdfimage  Ein Tag im September – Geheime Planungen

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11 Antworten zu Ein Tag im September. Geheime Planungen für den „Tag X“

  1. Rolf schreibt:

    Passend zur sogenannten „Wende“ ein aktuelles Interview mit E. Krenz auf Bayern 2:
    https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/egon-krenz-es-hat-keine-vereinigung-auf-augenhoehe-gegeben,Rh1Dajo

    Rolf

    • S. Erfurt schreibt:

      In der Nacht des 9. Novembers sei es ihm gelungen, eine Eskalation an der Grenze zu verhindern, betonte Krenz. Schon Tage vorher habe er ein absolutes Schießverbot erlassen.

      Ach das ist ja interessant. Und zwar deswegen, weil neuerliche Propagandawerke versuchen, die Lage in den Grenztruppen als chaotisch darzustellen und sich einige besonders korrupte NVA-Offiziere so darzustellen versuchen, als hätte es in ihrem eigenen Ermessen gelegen, daß keine Schüsse fielen; was natürlich Käse ist. Denn in Wirklichkeit ging es in den Grenzeinheiten nämlich alles Andere als chaotisch zu sondern außerordentlich diszipliniert!

      Letztendlich jedoch war Krenz bei seinem Regierungsantritt im Oktober ’89 auch nur noch ein Stoffhund, denn der Führungswechsel fand nicht im Staatsrat, sondern schon viel früher und auf der Ebene der Ministerien statt. Genau das bestätigt der hier vorliegende Artikel, nämlich daß 1989 gar nichts Chaotisches passierte, sondern alles nach Plan wie am Schnürchen lief. Jeder der etwas anderes behauptet, will sich entweder nur wichtig machen oder die Geschichte fälschen.

      Schönen Sonntag!

  2. Ines schreibt:

    Und nun leben wir wieder in der Barbarei, getarnt als Neoliberalismus, aber wir erleben den Imperialismus der die Menschheit schon in zwei Weltkriege geführt hat und nun wieder eine Neuaufteilung der Welt durch Erpressung (Sanktionen, Wirtschaftskriege, Farbrevolutionen) und früher oder später zu einem erneuten Krieg führt, da die Krise dieses System weder im 20. noch im 21. Jahrhundert gelöst werden konnte und wird, auch die ständige Propaganda wird diese Probleme nicht ewig verdecken.

    Der Sozialismus war der Weg aus der Barbarei, das eine Minderheit nicht mehr über die Mehrheit herrscht und die Weiterentwicklung der Menschheit in eine friedliche Welt verhindert. Seit 1000 von Jahren versucht die Menschheit dieses Joch zu beseitigen (Sklavenaufstände, Bauernaufstände, Französische und Russische Revolution), aber die Menschheit gibt sich immer noch mit Tand und einer hierarchischen Gesellschaft zufrieden und könnte Hunger und Unterwerfung schon längst abgeschafft haben.

    Der Sozialismus war die einzige Schranke diese Barbarei aufzuhalten, deswegen wird soviel Schmutz über den Sozialismus verbreitet und Milliarden für Gehirnwäsche und Spaltung ausgegeben, werden die Völker als das einzige dargestellt, um diese wieder gegeneinander aufzuwiegeln und die Kriegskassen klingeln zu lassen, niemand sollte vergessen das dies ein Atomkrieg sein wird und die Menschheit keine Überlebenschance haben wird.

    Ines

    • „aber die Menschheit gibt sich immer noch mit Tand und einer hierarchischen Gesellschaft zufrieden und könnte Hunger und Unterwerfung schon längst abgeschafft haben.“

      Nun liegt aber eines der Probleme daran, daß es die Menschheit als solches so nicht gibt, denn sie besteht nun einmal aus vielen verschiedenen Gesellschaften, die historisch, philosophisch und religiös unterschiedlich geprägt wurden und sich dementsprechend entwickelt haben.

      Freilich hast du vollkommen recht, daß Hunger und Not, der Krieg, die Unterwerfung und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen schön längst hätten abgeschafft werden können, doch ‚leider‘ ist eine solche Erkenntnis bisher nur bei wenigen Menschen angekommen und diese Menschen werden von den überkommenen, noch bestehenden Gesellschaften bekämpft.

      Es braucht halt — aus menschlicher Perspektive betrachtet — unendlich viel Zeit bis sich bestimmte Wahrheiten als allgemein gültig durchgesetzt und gefestigt haben. Wie viele Tausende von Jahren hat es alleine bis zur erkenntnistheoretischen Philosophie des Materialismus [nach Demokrit (materialistische Weltanschauung)] gedauert und wie viele Jahrhunderte danach, bis die ersten Menschen erkannt haben, daß es sich bei uns um biologische Lebewesen handelt, die zur einzig überlebenden Art Mensch der Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen, aus der Unterordnung der Trockennasenaffen, aus der Ordnung der Primaten oder Herrentiere, die zu der Überordnung der Euarchontoglires (Supraprimates) gehörigen Ordnung innerhalb der Unterklasse der höheren Säugetiere (Säuger, Mammalia) oder Plazentatiere (Eutheria. Placentalia) gehören?

      Ein Karl Marx, Friedrich Engels oder Wladimir Lenin „fallen halt nicht jeden Tag vom Himmel“ … und bei den Menschen weiblichen Geschlechts ist es ja noch schlimmer bestellt, wurden sie doch Jahrtausende von den Religionen und Philosophien als Wesen zweiter Klasse behandelt und übler ausgebeutet und unterdrückt als jeder Sklave. [Wenn ich also schon ein Affen-Wesen, also ein Säugetier bin, WILL ich nicht auch noch von irgendwelchen anderen Trockennasenaffen an meiner Nase herumgeführt werden, denn ICH BIN und das heißt und bedeutet, weder ein Eber noch ein Hund, sondern ein MENSCH.]

      Der Sozialismus war die einzige Schranke diese Barbarei aufzuhalten, deswegen wird soviel Schmutz über den Sozialismus verbreitet und Milliarden für Gehirnwäsche und Spaltung ausgegeben, werden die Völker als das einzige dargestellt, um diese wieder gegeneinander aufzuwiegeln und die Kriegskassen klingeln zu lassen, niemand sollte vergessen das dies ein Atomkrieg sein wird und die Menschheit keine Überlebenschance haben wird.

      Tja, das Wesen des Kapitalismus ist nun einmal die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und das lässt sich kein Mensch freiwillig antun: Dazu ist Gewaltanwendung bis hin zum Krieg erforderlich.

      Ja, alle Zeichen stehen mal wieder auf einen Weltkrieg — den letzten „Großen Krieg“ (?) — gegen China und Russland, deren Gebiete sich die Kapitalisten bisher nicht unter sich aufteilen konnten. Ja, es ist davon auszugehen, daß dieser Krieg unweigerlich in einen atomaren Weltkrieg münden wird – mit all dem Elend und den Leiden, Seuchen, Krankheiten, Hungersnöten und den Tod für Milliarden unserer Spezies. Doch damit geht nur eine falsche und verkehrte Welt unter, bei der es überall auf der Erde Überlebende geben wird, die es dann in einem dritten Anlauf in den kommenden zehntausend Jahren möglicherweise besser hinkriegen das Leben der Menschen zu gestalten.

      Aber — und das ist eine begründete Annahme — weil durch Marx, Engels, Lenin uva. die Wahrheit nun mal „aus der Büchse der Pandora“, „der Geist aus Aladins Wunderlampe“ entschlüpft ist, kann es auch durchaus sein, daß sich die Menschen überall auf der Welt erheben und das Spiel der Religionen, den Wahn der Kapitalisten nicht weiter mitmachen und das Joch der Verblödung und Unterdrückung von sich abwerfen.

      • sascha313 schreibt:

        Nicht umsonst zitierte Stalin warnend einen Ausspruch Lenins, im dem derselbe schrieb: „Die Diktatur des Proletariats ist der aufopferungsvollste und schonungsloseste Krieg der neuen Klasse gegen den mächtigeren Feind, gegen die Bourgeoisie, deren Widerstand durch ihren Sturz verzehnfacht worden ist.“ (s. Lenin: „Der linke Radikalismus…“, in: LW Bd.31, S.8; zit. nach J.Stalin „Fragen des Leninismus“, Berlin 1951, S.41)

        Und man kann diese Gewohnheiten (diesen Widerstand der kleinen Warenproduzenten) „nur durch eine sehr langwierige, langsame, vorsichtige organisatorische Arbeit ummodeln und umerziehen.“ (Lenin, ebd. S.29)

  3. sascha313 schreibt:

    Danke, Ines. Du hast völlig recht. Doch wie sehr die Lügenpropaganda auf die Deutschen in beiden Teilen des Landes wirkt, merkt man auch daran, daß in Thüringen, wider besseres Wissens um die Geschichte, eine Partei zur Zweitstärksten gewählt wird, die offen nazistische Positionen vertritt. Dem pflichtet auch Herr Krenz noch bei: „Es gibt keine Kränkung der Ostdeutschen, die groß genug wäre, um AfD zu wählen“, wo nun seine Partei, „Die Linke“ offenbar jegliches Vertrauen verloren hat, das eine linke Partei bräuchte.

    Sie kam schon mit den Muttermalen der Lüge zur Welt. Denn Krenz, Modrow und die anderen mit dem Westen kollaborierenden Pfaffen hatten längst die bis dahin vorgetäuschte „Hoffnung“ aufgegeben, eine „bessere DDR“ errichten zu können. Schon seit Anfang der 80er Jahre dürfte klargewesen sein, daß Gorbatschow, Jakowlew und das ganze konterrevolutionäre Moskauer Gesindel alles andere wollten, als den Sozialismus. Doch wir wiegten uns derweil in Sicherheit.

    Ich habe vor ein paar Jahren sämtliche Sputnik-Hefte aus dieser Zeit weggeworfen. Wer damals aufmerksam darin gelesen hätte, wäre längst im Bilde gewesen – das ist die Konterrevolution in buntschillernden Gewand!
    Und wir haben es ja schon 1977 auf Baustellen in Minsk und anderswo gesehen, mit welchen Mitteln dort ganz offen Sabotage betrieben wurde!

    Kurt Gossweiler schrieb 1976 in sein privates Tagebuch: „Im Kampf um die Beseitigung der Chruschtschow-Clique von der Macht arbeiteten alle echten Kommunisten aller Parteien – vor allem Togliatti, Thorez, Ulbricht – unter der geistigen Führung Maos zusammen.“ – Und: „Man muß natürlich auch damit rechnen, daß Maos Tod – genau wie 1953 Stalins Tod – von den revisionistischen Kräften dazu benutzt wird, die Macht an sich zu reißen.“ (!) (Quelle: Taubenfußchronik – 2 Bde., Bd.II, S.491/492) – Übrigens: Es wäre höchst gefährlich gewesen, dies zu jener Zeit öffentlich zu bekunden. Vor allem deshalb erschien das Tagebuch des Genossen Kurt Gossweiler auch erst fast drei Jahrzehnte später!

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