Hans Beyer: Antikommunismus und Massenpsychologie

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Antikommunistisches Propagandaplakat der USA

Gegenwärtig ist erkennbar, daß über die Staatsmedien der BRD sowie diverse Zeitungen und Zeitschriften wider besseres Wissen massenhaft Lügen, Unterstellungen und Verleumdungen über die DDR verbreitet werden, nach dem Motto: Wenn es nur oft genug wiederholt wird, am Ende wird es doch geglaubt! Besonders tun sich dabei auch einige Journalisten hervor, die es ebenfalls besser wissen müßten, aber nicht schreiben, wohl auch, weil DDR-feindliche Hetze gut honoriert wird und weil sie vielleicht befürchten, sonst ihren Job zu verlieren. Sie verschließen sich jeglichem sachlichen Argument und wiederholen gebetsmühlenartig die immer gleichen Anschuldigungen gegen ein Land, das es nun schon seit über 30 Jahren nicht mehr gibt. Und wer das alles anzweifelt oder hinterfragt, der wird am Ende noch beschimpft. Das beinhaltet auch die Beleidigung von Millionen DDR-Bürgern. In der Alt-BRD wurde, schon 8 Jahre nach deren Gründung, die KPD verboten. Sie war die einzige Partei, die es damals gewagt hat, den dort wiedererstandenen oder heute immer noch bestehenden Nazismus anzuprangern. Der Antikommunis­mus ist eine Ideologie des Hasses und der Vergiftung. Im folgenden Beitrag beschreibt Hans Beyer einige Hintergründe dieser hysterischen Propaganda-Kampagne.

Bitte zu beachten: Dieser Beitrag wurde im Jahre 1968 geschrieben! In diesen Jahren lebten wir in der DDR unter gesicherten Verhältnissen, in sozialer Geborgenheit. Das Land war von Trümmern beseitigt. Unter dem Schutz unserer eigenen Nationalen Volkarmee und der siegreichen Sowjetarmee hatten wir begonnen, den Sozialismus aufzubauen.  Zu unserem Glück waren 1961 die Staatsgrenzen zur feindlichen westdeutschen „BRD“ geschlossen worden. Damit wurde ein Atomkrieg der USA gegen die DDR verhindert und die ständigen Sabotageakte westdeutscher Diversanten in Fabriken und Betrieben der DDR konnten eingedämmt werden. 40 Jahre lebten wir in Glück und Frieden…

Die antikommunistische Manipulierung

Das Monopolkapital verausgabt bedeutende Mittel und nutzt den riesigen Apparat der modernen Massenkommunikation, um die öffentliche Meinung antikommunistisch zu manipulieren. Alle vom Monopolkapital beherrschten Erziehungs- und meinungsbildenden Institutionen sind in den Dienst des Antikom­munismus gestellt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß sehr viele Menschen in den imperialistischen Ländern den Kommunismus nur in der verzerrten und abstoßenden Form kennen, in der er von der antikommunistischen Propaganda dargestellt wird.

Die „jahrzehntelange antikommunistische Pro­paganda“ hat auch „in der westdeutschen Arbeiterbewegung tiefe Spuren hinterlassen. Die ständige Verleumdung der DDR und ihres sozialistischen Aufbaus führte zu schwer zu beseiti­genden Vorbehalten bei vielen westdeutschen Arbeitern.“ (1)

Das verzerrte Weltbild der Bundesbürger

Der Antikommunismus nimmt im System der bürgerlichen Ideologie eine besondere Stellung ein. Den Hauptinhalt der bürgerlichen Ideologie bildet die Verschleierung der gesell­schaftlichen Situation, der Ausbeuter- und Klassenherrschaft und die Darstellung der kapitalistischen Gesellschaft als natür­liche Ordnung. Die verschiedenen Strömungen und Spielarten der bürgerlichen Ideologie und die ihnen entsprechenden In­stitutionen haben die Aufgabe, Ideen und Leitbilder zu er­zeugen und zu verbreiten, mit deren Hilfe die Menschen für die bürgerliche Gesellschaft gewonnen und für die Ziele des Monopolkapitals aktiviert werden sollen.

Ideologische Barrieren gegen den Sozialismus

Die kapitalistischen Apologeten sind deshalb bestrebt, ständig neue Theorien und Leitbilder zu entwickeln, um das Wesen der imperialistischen Ordnung zu tarnen und zu beschönigen. Es ist jedoch nicht die spezifische Funktion des Antikommu­nismus, ,,positive“ Ideen zu schaffen und zu verbreiten, sondern seine Aufgabe besteht darin, den Sozialismus, die kommunistische Weltbewegung, die Arbeiterbewegung und die antiimperialisti­sehen, demokratischen und friedliebenden Kräfte zu bekämp­fen. Der Antikommunismus hat in den kapitalistischen Ländern vor allem die Funktion, ideologische Barrieren gegen den Vor­marsch der Ideen des Marxismus-Leninismus zu errichten.

Fakten werden entstellt und gefälscht              

Mit Hilfe des Antikommunismus soll die Arbeiterklasse sowohl von der sozialistischen Bewegung im eigenen Land als auch von der internationalen kommunistischen Bewegung und von den Ländern des sozialistischen Weltsystems isoliert werden. Der Antikommunismus ist eine Ideologie, die verneint, die die Fakten entstellt und zur Lüge greift. Sein Hauptinhalt ist es, die marxistisch-leninistische Lehre zu entstellen, die sozialisti­sche Gesellschaftsordnung zu verleumden, die Politik und die Ziele der Kommunisten zu verfälschen und gegen die demokra­tischen und friedliebenden Kräfte und Organisationen zu hetzen.*

Das Feindbild der Monopolbourgeoisie

Die Monopolbourgeoisie und ihre Ideologen wissen natür­lich, daß die Menschen mit einer nur verneinenden Ideologie, nur durch die Bekämpfung des Kommunismus niemals gewon­nen werden können, schon gar nicht zu begeistern sind. Dazu bedarf es „positiver“ Leitideen. Der Antikommunismus exi­stiert deshalb immer im Wechselverhältnis mit den verschie­denen politischen, philosophischen, religiösen u.a. Strömungen der bürgerlichen Ideologie. Er ist keine selbständige Strömung oder Spielart der bürgerlichen Ideologie, wie etwa der Neothomismus oder Existentialismus. Die verschiedenen Strömun­gen der bürgerlichen Ideologie haben die Aufgabe, „positive“ Leitideen zu schaffen. Das dazugehörige „Negativbild“ zu er­zeugen ist Aufgabe des Antikommunismus.

Warum braucht die Bourgeoisie den Antikommunismus?

Der Antikommunismus ist die wichtigste ideologisch-politi­sche Waffe der Imperialisten gegen die Arbeiterbewegung und gegen den Fortschritt. Die Vertreter der kommunistischen und Arbeiterparteien trafen deshalb auf ihrer Beratung im No­vember 1960 die Feststellung:

„Will man die Interessen der Werktätigen erfolgreich vertreten, den Frieden erhalten und die sozialistischen Ideale der Arbeiterklasse verwirklichen, so muß man den Antikommunismus entschieden bekämpfen, diese vergiftete Waffe, deren sich die Bourgeoisie bedient, um die Massen dem Sozialismus fernzuhalten.“ (2)

Mittel und Methoden des Antikommunismus

Die Wirksamkeit unseres Kampfes gegen den Antikommu­nismus wird erhöht, wenn wir die Mittel und die Methoden kennen und berücksichtigen, die von den Antikommunisten an­gewandt werden. Eine bedeutende Rolle spielen in diesem Zu­sammenhang die Ausnutzung und der Mißbrauch psychologi­scher Mittel. Dabei müssen zwei Momente berücksichtigt werden: Die antikommunistische Massenpropaganda stützt sich sowohl auf die ihrem Wesen nach unwissenschaftliche imperialistische Massenpsychologie als auch auf wissenschaft­liche Ergebnisse der Psychologie. Der Mißbrauch psychologi­scher Mittel ist jedoch kein Spezifikum der antikommunisti­schen Ideologie, sondern ein Grundzug der imperialistischen Massenbeeinflussung überhaupt.

Die Massenpsychologie des Gustave Le Bon

Begründer und Stammvater der imperialistischen Massen­psychologie ist der Franzose Gustave Le Bon. Die Auffas­sungen über die Psychologie der Massen, die Le Bon Ende des vergangenen Jahrhunderts entwickelte, sind der unmittel­bare ideologische Reflex auf die revolutionären Ereignisse in Frankreich, besonders auf das selbständige Auftreten der Arbeiterklasse in der Revolution von 1848 und in der Pariser Kommune 1871. Le Bons Schriften, die bereits eine Reihe antikommunistischer Züge enthalten, sind ein Ausdruck des bürgerlichen Krisenbewußtseins, der Furcht vor dem selbstän­dig auftretenden Proletariat und der Versuch, die Volksmassen ideologisch zu unterdrücken und den Niedergangsprozeß der kapitalistischen Gesellschaft aufzuhalten. Nach Le Bon ist „die Kenntnis der Psychologie der Massen . . . heute das letzte Hilfsmittel für den Staatsmann“. (3)

Der „Rheinische Merkur“ – Sprachrohr des Imperialismus

In den imperialistischen Staaten hat diese Behauptung Le Bons tatsächlich eine weitgehende Bestätigung erfahren. Sehr drastisch wurde das durch die führenden Politiker des Bonner Staates während des Wahlkampfes im Herbst 1965 demon­striert. Der Herausgeber des „Rheinischen Merkur“, Prof. Dr. Otto Roegele, schrieb in einem Artikel unter der Überschrift „Wahlkampf der Werbetechniker“ folgendes:

„Die große Poli­tik, ihre Themen und ihre Probleme treten aus den Wahlreden und Manifesten immer mehr zurück. Sie machen solchen Fragen Platz, die der Befriedigung und des Interesses der Zuhörer von vornherein sicher sein können. Es ist müßig zu fragen, ob hierin mehr eine Folge des zunehmenden Einflusses der profes­sionellen Werbetechniker zu erblicken ist oder ob die Wahl­redner auf Grund eigener Erlebnisse im Umgang mit dem Publikum dazu gelangt sind, diese mit den schwierigen und komplizierten Fragen der großen bösen Welt zu verscho­nen.“ (4)

Le Bon: Die Masse ist „triebhaft und wandelbar“

Grundlage der imperialistischen Massenpsychologie sind die Furcht der bürgerlichen Ideologen vor der sich erhebenden und ihrer Kraft bewußt werdenden Arbeiterklasse und die sich daraus ergebende Feindschaft, die in der Verachtung, Her­absetzung und Beleidigung der Volksmassen zum Ausdruck kommt.

Nach Le Bon „steigt der Mensch“, wenn er „Glied einer Masse“ ist, „mehrere Stufen von der Leiter der Kultur herab. Als einzelner war er vielleicht ein gebildetes Individuum, in der Masse ist er ein Triebwesen, also ein Barbar.“ (5)

Der sogenannte Massenmensch wird als eine Art emotionales, un­vernünftiges Reflexwesen dargestellt, das suggestiven Ein­flüssen keinen Widerstand entgegensetzen kann.

Eine reaktionäre und unwissenschaftliche Theorie

Der Charakter der von Le Bon entwickelten imperialisti­schen Massenpsychologie wird durch den Mißbrauch psycholo­gischer Mittel und die Entgegensetzung von Emotionalem und Rationalem, besonders aber durch die einseitige Überbetonung des Emotionalen, bestimmt. Die antikommunistische Massen­propaganda der Gegenwart stützt sich auf den Inhalt und die Methoden der unwissenschaftlichen Massenpsychologie, auf die reaktionärsten Abarten des Freudismus, des Behaviorismus und der Gestaltspsychologie, gleichzeitig aber nützt sie die wissen­schaftlichen Ergebnisse der Psychologie aus und mißbraucht sie.

Die imperialistische Massenpropaganda geht „von der For­derung aus, nicht auf den Verstand, sondern auf die Gefühle des Menschen einzuwirken: Damit wird die ideologische Be­einflussung immer mehr durch die psychologische (im Sinne Freuds) ersetzt.“ (6)

Der Mißbrauch der Psychologie

Mit der Psychologie verhält es sich ähnlich wie mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen; ihre Ergebnisse können sowohl im Interesse der Menschheit und des Fortschritts als auch für die Vorbereitung und Führung des Krieges (psychologische Kriegführung) und besonders für den Antikommunismus ver­wandt werden. Weil sich die Psychologen bei der Erforschung der psychischen Tätigkeit des Menschen auch mit den Methoden beschäftigen, mittels derer in einer gewählten Richtung auf die menschliche Psyche eingewirkt werden kann, wird sie von den Antikommunisten als ein wichtiges Instrument ausgenutzt und mißbraucht.

Die geheimen Methoden der Infiltration

In einigen imperialistischen Staaten wurde eine spe­zielle „politische Psychologie“ geschaffen. Als aktuelle Pro­bleme der „politischen Psychologie“ nennt W. Jacobsen u.a.: werbepsychologische Probleme in der politischen Propa­ganda (rationale und irrationale, direkte und indirekte Beein­flussungspraktiken); das Problem der Demagogie (Arten und Wirkungen politischer Verführungstechniken, Bereitschaft, Un­glaubwürdiges zu glauben); Untersuchung politisch-ideologischer Infiltrationsmethoden und ihrer Wirkungen. (7)

Werbefachleute als politische Demagogen

Mit Hilfe der Psychologie wird festgestellt, welche Me­thoden und Argumente bei den Massen wirken, welche Leit­bilder und Wunschträume sich für die antikommunistische Be­einflussung besonders eignen. Die imperialistische Massenpro­paganda stützt sich hierbei auch auf Erfahrungen der kapitalistischen Reklame, die beim Verkauf von Autos, Staub­saugern u.a. gesammelt wurden. Darauf beruht die Differen­ziertheit der antikommunistischen Propaganda, die sowohl in der Form als auch in der Wahl der Mittel auf die jeweilige Bevölkerungsschicht abgestimmt ist. Die Argumentation des Antikommunismus ist äußerst anpassungsfähig, und je nach den Erfordernissen und der Stoßrichtung werden abweichende und sogar entgegengesetzte, sich widersprechende Argumente benutzt.

Der Marxismus-Leninismus ist nicht widerlegbar!

Die einseitige Orientierung auf die emotionale Seite der menschlichen Persönlichkeit und der Mißbrauch psychologi­scher Mittel ergeben sich aus der Tatsache, daß der Antikommunismus nicht in der Lage ist, sich auf sachlicher, wissen­schaftlicher Ebene mit dem Sozialismus zu messen, und es unmöglich ist, den Marxismus-Leninismus zu widerlegen sowie die ökonomischen, politischen und kulturellen Erfolge der sozialistischen Staaten zu leugnen.


Welches Ziel verfolgt die antikommunistische Massenpropa­ganda mit der emotionalen Orientierung?

Der Antikommunis­mus ist eine Ideologie des Hasses und der Vergiftung. Sein Ziel ist es, ein Vorurteil, eine unvernünftige, emotional negative Abneigung gegen den Kommunismus zu erzeugen, um die Menschen den sachlichen, verstandesmäßigen und wissenschaft­lichen Argumenten gegenüber unzugänglich zu machen. Der Mißbrauch menschlicher Gefühle ist ein Grundzug der imperia­listischen Massenpsychologie.

In seiner Schrift „Psychologie der Massen“ erklärt Le Bon:
„Bei der Aufzählung der Faktoren, die imstande sind, die Menschenseele zu erregen, könnten wir uns die Erwähnung der Vernunft ersparen, wenn man nicht den negativen Wert ihres Einflusses aufzeigen müßte.“ (8)

Die Nazipropaganda in der BRD

Die Nazis wandten die imperialistische Massenpsychologie in allen Bereichen der Massenarbeit und Propaganda an; es gelang ihnen, die Mehrheit der deutschen Jugend emotional dermaßen zu verseuchen, daß diese einer verstandesmäßigen Argumentation weitestgehend verschlossen war. Heute stützen sich die antikommunistischen Ideologen in Westdeutschland auf die imperialistische Massenpsychologie und die Erfahrun­gen aus der Nazizeit.

Warum reden wir so oft aneinander vorbei?

Wir reden bei Diskussionen mit west­deutschen Bürgern oft an ihnen „vorbei“, weil sie häufig starke Vorurteile gegen unsere Gesellschaftsordnung, unsere Politik und gegen den Kommunismus überhaupt haben. Eine emotio­nal negative Einstellung zum Kommunismus hindert an der rationalen Erkenntnis. Diese Feststellung wird durch eine so­ziologische Untersuchung, die im Auftrage des „Arbeitskreises für politische Psychologie und Soziologie“ in verschiedenen Orten des Rhein-Ruhr-Gebietes über die „Kommunistische Infiltration“ durchgeführt wurde, bestätigt.(9) Als Ergebnis der Befragung wird festgestellt, daß die Zahl derjenigen Personen, „die über eine mindestens zureichende Kenntnis des kommu­nistischen Systems“ verfügt, „verhältnismäßig gering ist“. (10)

Vorurteile des „Wessis“ über den Kommunismus

Am Beispiel der Antworten einiger über „Vorstellungen von möglichen Abwehr- und Gegenmaßnahmen“ Befragter wird verdeutlicht, wie die emotional negative antikommunistische Einstellung vieler Bundesbürger zustande kommt. Ein höherer Beamter erklärte:

„Die Leute sind dumm, man muß ihnen mit einfachen Beispielen kommen, die selbst so ein Arbeiter ver­steht … Wir werden alles Schlechte als kommunistisch be­zeichnen, dann begreifen die, was Kommunismus ist.“ (11)

„Es ist unsere Aufgabe“, so äußerte ein Kulturpolitiker (!), „die Jugend und die breite Masse zu immunisieren, sie also über den Kommunismus aufzuklären. Das bedeutet, daß wir sorgsam abschirmen müssen, so daß sie nicht mit Kommunisten und mit kommunistischen Parolen in Berührung kommt.“ (12)

Ähnlich äußerte sich ein Studienrat: „Vor allem die Jugend müssen wir immunisieren; das müssen wir rechtzeitig tun, denn die Jugend ist anfällig für radikale Tendenzen. Das beste wäre eine streng abgeschlossene Erziehung und daß die Jugendlichen von allen kommunistischen Einflüssen weggehalten werden … Man muß ihnen einhämmern, daß der Kommunismus gefährlich und kein Umgang für einen wohlerzogenen und gebildeten Menschen sein kann. Und daß man sich vor jeder Berührung mit kommu­nistischen Gedanken schützen muß.“ (13)

Symptomatisch ist auch die Antwort eines CDU-Funktionärs: „Ihre Frage nach der Objektivität ist irreführend … Wer Objektivität zu suchen vorgibt, der führt etwas Schlechtes im Schilde. Mit solchen Phrasen will man das gesunde Volksempfinden zersetzen. Wir dürfen, um Himmels willen, doch nicht mit den Kommunisten ,objektiv‘ diskutieren, so arbeiten wir doch dem Kommunis­mus in die Hände. Die dumme Masse versteht doch das nicht. Die läuft hinter jedem Dummkopf her, wenn der von Objektivi­tät redet. Der Kommunismus versucht doch über die Hintertür der sogenannten Objektivität einzubrechen, sich einzuschleichen, das war schon immer so.“ (14)

Damit muß man rechnen…

Diese Äußerungen verraten nicht nur ein erschreckend nied­riges geistiges Niveau von Leuten, die sich höchstwahrscheinlich zur „geistigen Elite“ der Bundesrepublik zählen, sie offen­baren vor allem, daß es ihnen nicht um eine sachliche Ausein­andersetzung mit den Kommunisten oder um eine Widerlegung des Marxismus- Leninismus geht. „Aufklärung“ ist für sie identisch mit „Abschirmung“ und „Immunisierung“. Es geht ihnen um die Erzeugung einer emotional negativen Grund­haltung gegenüber der marxistisch-leninistischen Weltanschau­ung und der kommunistischen Bewegung. Das Vorhandensein einer solchen Haltung bei weiten Kreisen der westdeutschen Bevölkerung muß in den Diskussionen mit Bundesbürgern unbedingt berücksichtigt werden.

DDR: Förderung des politischen Bewußtseins

Unsere Propagandatätigkeit ist im Gegensatz dazu auf die Förderung des politischen Denkvermögens der Bürger unserer Republik gerichtet. Das heißt jedoch nicht, daß wir die emotio­nale Seite des Erziehungsprozesses nicht beachten, Lenin er­klärte, „daß es ohne ,menschliche Emotionen‘ niemals ein Suchen der Menschen nach der Wahrheit gegeben hat, gibt und geben kann“ (15). Das Denken der Menschen ist immer – unterschied­lich stark – durch das Gefühl gefärbt. In den Gefühlen spie­gelt der Mensch seine Beziehungen zur Wirklichkeit in der Form des Erlebens wider, und diese können positiv oder nega­tiv sein. Eine emotional positive Einstellung wirkt sich auf die rationale Erkenntnis vorteilhaft aus, während die emotional negative Einstellung die rationale Erkenntnis hemmt.

Über die Dauerhaftigkeit politischer Vorurteile

Ferner müssen wir berücksichtigen, daß die emotional negative Ein­stellung mehr oder weniger stark erhalten bleiben kann, auch wenn der Betreffende die Richtigkeit des Marxismus-Leninis­mus und unsere gesamte Politik verstandesmäßig anerkennt, aber auf Grund der noch nicht restlos überwundenen emotio­nal negativen Einstellung noch Zweifel in sich trägt. Daraus wird deutlich, wie notwendig es ist, die emotionale Einstellung der Menschen in der politisch-ideologischen Arbeit zu berück­sichtigen. Dieses Problem ist für alle Propagandisten von gro­ßer Bedeutung.

Die wankelmütige Haltung des Kleinbürgertums

Auch in der sozialistischen Gesellschaft existieren nach der Errichtung der politischen Herrschaft der Arbeiterklasse für einen längeren Zeitraum kleinbürgerliche Schichten, und noch länger bleiben kleinbürgerliche Anschauungen und Denkweisen bestehen. (16)
Vorurteile und alte Anschauungen sind äußerst zählebig, be­sonders, da die Gegner des Sozialismus versuchen, sie wachzu­halten und noch zu fördern. Das erschwert den Menschen, sich vom alten zu lösen und sich den Sozialismus im Denken und Fühlen anzueignen.

Das ideologische Gift des Antikommunismus

Der Antikommunismus war stets bestrebt, sein ideologisches Gift auf psychologisch geschickte Weise in unsere Republik (die DDR) einzu­schleusen. Das hat die SED in vielen Analysen nachgewiesen. Der Kampf hat besonders auf ideologischem Gebiet an Schärfe zugenommen. Die Imperialisten und ihre Massenmedien führen auch heute noch eine wütende Offensive gegen den Marxismus-Leninismus und verstärken die antikommunistische Hetze. Sie richten ihr be­sonderes Augenmerk darauf, mit ihrer Ideologie in die Hirne der Menschen einzudringen, die Entwicklung des sozialis­tischen Bewußtseins zu hemmen und Stützpunkte für konterrevolutionäre Ak­tionen zu schaffen.

Antikommunistische Leitideen der BRD

Die psychologische Kriegführung ist die gegenwärtige Hauptmethode des imperialistischen Kampfes ge­gen den Sozialismus. Der Funktion des Antikommunismus, ideologische Barrieren gegen den Marxismus-Leninismus zu errichten, dient ein gan­zes System imperialistischer und antikommunistischer Leitideen. Zu den wichtigsten in Westdeutschland gehörten über einen langen Zeitraum (und teilweise sogar bis heute):

  •  die Irrlehre von der modernen Industriegesellschaft und die Konvergenztheorie;
  • die Demagogie von Freiheit und Demokratie;
  • die Totalita­rismus-Doktrin;
  • die Abendland- und Europaideologie;
  • der Revanchismus.

Welche Bedeutung haben diese antikommunistischen Ideen?

Die ideologisch-politische Funktion dieser Leitideen ist es, breite Teile der Bevölkerung zu veranlassen, den Schein für die Wirklichkeit zu nehmen, um sie auf diese Weise für die Ziele des westdeutschen Monopolkapitals zu aktivieren. Mit Hilfe dieser Leitideen soll zugleich eine scheinoptimistische Haltung erzeugt werden. Der imperialistischen Politik, wie sie das in­ternationale Monopolkapital in der Vergangenheit betrieb und wie sie die Ultras noch heute betreiben, die auf die direkte militärische Vernichtung der sozialistischen Länder gerichtet ist, entspricht eine militant-antikommunistische Argumentation, die der beabsichtigten Aggression den Glorienschein einer „Befreiungsmission“ verleihen soll.

Der militante Antikommunismus ist gescheitert

„Hunger, Elend, Chaos, Not und brutaler Terror herrschen in den von den Kommunisten beherrschten Ländern“, so lautete die Hauptargumentation des Antikommunismus in der Vergangenheit. Die ökonomische, so­ziale, kulturelle und militärische Entwicklung des sozialisti­schen Weltsystems haben dazu geführt, daß die Politik der militanten Antikommunisten gescheitert ist; damit hat auch zugleich die militante antikommunistische Argumentation bank­rott gemacht. Viele Vertreter, insbesondere die des flexiblen Antikommunismus, haben begriffen, daß sie die bisherige anti­kommunistische Argumentation nicht mehr verwenden können. Sie brauchen zur Irreführung der Massen in den kapitalistischen Ländern und für die ideologische Diversion gegen die sozia­listischen Staaten neue Argumente und Methoden.

(1) Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd.8, Dietz Verlag Berlin, 1966, S.186.
(2) Erklärung der Beratung von Vertretern der kommunistischen und Arbeiterparteien, November 1960, Referat Walter Ulbrichts und Entschließung der 11. Tagung des ZK der SED 15.-17. Dezember, Berlin,S.58.
(3) G. Le Bon: Psychologie der Massen. Stuttgart, 1953, S.7.
(4) Rheinischer Merkur (Köln), 10. September 1965.
(5) G. Le Bon: Psychologie der Massen, S.19.
(6) J. Arbatow: Die manipulierte öffentliche Meinung. In: Psychologie in unserem Leben. Dietz Verlag Berlin, 1969, S.439.
(7) W. Jacobsen: Was ist „politische Psychologie“? In: Politische Psychologie als Aufgabe unserer Zeit. Schriftenreihe: „Politische Psychologie“, Bd.1, Frankfurt a.M., 1963, S.16.
(8) G. Le Bon: Psychologie der Massen, S.93.
(9) H. Wolf: Vorstellungen über den Kommunismus. In: Politische Psychologie als Aufgabe unserer Zeit. S.63ff.
(10) ebd, S.83.
(11) ebd. S.74.
(12) ebd. S. 78
(13) ebd. S.78f.
(14) ebd. S.79.
(15) W.I. Lenin: Rezension zu N.A. Rubakin, Unter Büchern. In: W.I. Lenin, Werke Bd.20, S.257.
(16) Denken und Fühlen in unserer Zeit (Thesen). In: Psychologie in unserem Leben. Dietz Verlag Berlin, 1969, S.496.
Quelle:
Hans Beyer Antikommunismus und Massenpsychologie. In: Psychologie in unserem Leben, Dietz Verlag Berlin 1969, S.458-467. (leicht bearbeitet, Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)
(*Ein typisches Beispiel für einen solchen antikommunistischen Hetzartikel finden Sie hier.)

Und hier der gesamte Text von Hans Beyer im Original:

pdfimage Hans Beyer – Antikommunismus

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4 Antworten zu Hans Beyer: Antikommunismus und Massenpsychologie

  1. … und bei all dem kommt hinzu, daß Menschen eingesetzt werden, die dem Anschein nach „sozialistisch/kommunistisch“ sind, sich aber dann so verhalten und schreiben, daß es geradezu abstoßend für einen nach Wahrheit suchenden Menschen ist: „Da geht dann die Klappe zu“: „Nein damit (dem Kommunismus) will ich nichts zu tun haben!“

    Ich will, daß jeder das RECHT hat, mit 50 Jahren in Rente gehen zu dürfen und jeder Mensch, der hier lebt aus dem Nationaleinkommen 2.600,- Euro monatlich netto erhält. Darauf wurde mir von einem angeblichen „Linken“ vorgeworfen, ich wolle, daß alle Flüchtlinge zu uns kommen, damit die sich hier 2.600,- abgreifen können. Nachdem ich ihm geantwortet hatte, daß er „Argumente“ der AfD verwendet, kam als nächstes, daß 2.600,- UNSINN wären und ich in einer anderen irrealen Welt leben würde. Meine Frage, warum es denn kein Wahn sei, daß aus der Lohnsumme von 1.700-Milliarden Euro 800 Milliarden Euro Steuern an die BRD gehen und weitere 730 Milliarden an die „Sozialversicherung“ — den 45 Millionen Arbeitern also von den 1.700-Milliarden nur 170 Milliarden bleiben, und wie er den Vorwurf des Unsinns begründe, ließ er freilich unbeantwortet.

    • sascha313 schreibt:

      Man muß schon sehr genau hinschauen, um zu erkennen, auf welcher Seite derjenige steht, mit dem man diskutiert. Nicht selten verstecken sich hinter solchen „Kommunisten“ die Trotzkisten. Wobei es wohl wenig Zweck hat, Argumente gegen immer neue Argumente „aufzufahren“. Vorurteile und alte Anschauungen sind eben doch äußerst zählebig…

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