Eduardo Galeano, Lateinamerika, die USA und der faschistische Militärputsch in Bolivien

GaleanoDie Ideen der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917 hatten auch auf die nationale Befreiungsbewegung Lateinamerikas einen tiefen Einfluß ausgeübt. Die Arbeiterklasse trat mit wachsender Aktivität hervor. Vor allem in Argentinien, Brasilien, Chile, Kuba und Peru brachen machtvolle Massenstreiks und revolutionäre Erhebungen der Werktätigen aus. In den Hauptstädten Argentiniens und Brasiliens kam es zu Straßen- und Barrikadenkämpfen. Allein in der „Blutwoche von Buenos Aires“, im Januar 1919, wurden 800 Arbeiter getötet und etwa 4.000 verwundet. In fast allen Ländern Lateinamerikas erhoben sich auch die Bauern, die vor allem in Mexiko, zu Partisaneneinheiten zusammengeschlossen, jahrelange revolutionäre Kämpfe führten. Immer mehr begannen nun auch der US-amerikanische Imperialismus und die einheimische Bourgeoisie mit Hilfe ihrer Militärdiktaturen diese lateinamerikanischen Länder auszuplündern. Darüber berichtete auch der uruguayische Journalist und Schriftsteller Eduardo Galeano.

1973 wurde Galeano in Uruguay verhaftet, mußte emigrieren und kehrte erst im Jahre 1985 in seine Heimat zurück. In seinem 1972 auch auf Deutsch erschienen Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ schrieb er, den USA-Imperialismus anklagend:

„Das ist Lateinamerika, die Region der offenen Adern. Von seiner Entdeckung bis in die heutige Zeit wurde alles stets in nordamerikanisches Kapital verwandelt und als solches wurde und wird es in den fernen Zentren der Macht angehäuft. Alles.“ (Eduardo Galeano)


Bolivien

Bolivien ist ein wenig entwickeltes kapitalistisches Agarar-Industrie-Land mit bedeutendem Bergbau. Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse haben sich weitgehend durchgesetzt, doch in den Indianergemeinden ist noch Naturalwirtschaft verbreitet. Bolivien ist das am schwächsten entwickelte Land Südamerikas. Das Bruttoinlandsprodukt  betrug 1982 nur 334 US-Dollar, gerechnet nach dem Dollarkurs von 1970.

Die Abhängigkeit vom Auslandskapital ist seit dem reaktionären Staatsstreich im August 1971 stark gewachsen.  Ein Drittel der Bevölkerung ist erwerbstätig, darunter ca. 40% in der Landwirtschaft, 10% in der Industrie, 5% im Bergbau und 20% in der öffentlichen Verwaltung. Die bedeutenden Bodenschätze sind die Hauptdevisenquelle. Sie werden jedoch unenügend für die nationale Entwicklung genutzt. Bolivien besitzt 14% der Antimon-Vorkommen der Welt und 8% der Zinnvorräte. Darüberhinaus verfügt Bolivien über reiche Vorkommen an Blei, Kupfer, Zink und Eisenerz. Das ist auch der Grund für die Begehrlichkeiten der USA und anderer imperialistischer Länder. (vgl. Länder der Erde, Politisch-ökonomisches Handbuch, DDR, 1985).


Evo Morales und die „Bewegung zum Sozialismus“

EvoMorales

Volveremos = Wir werden umkehren!

Juan Evo Morales Ayma, geb. am 26. Oktober 1959 in Orinoka, ist ein bolivianischer Staatsmann und Politiker. Vom 22. Januar 2006 bis zum 10. November 2019 war er Präsident Boliviens. Nach Massendemonstrationen, die nach seiner Wiederwahl von seinen Gegnern provoziert worden waren, wurde er am 10. November 2019 zum Rücktritt gezwungen. Seiner Nationalität nach ist Morales ein Vertreter der amerikanischen Ureinwohner, der Aymaranakaja, einer Bevölkerungsschicht, die seit mehr als 400 Jahren, d.h. seit Beginn der spanischen Kolonisation unterdrückt waren. Er ist der erste einer fast vier Millionen zählenden ethnischen Minderheit, der nunmehr bereits zum vierten Mal zum Staatsoberhaupt Boliviens gewählt wurde.

Die „Sozialismuspartei“

1995 gründete Morales als „politisches Instrument der Volkssouveränität“ die Partei „Bewegung zum Sozialismus“ („Movimiento al Socialismo“). Bei den Parlamentswahlen 2005 erhielt diese sozialistische Partei erstmals 72 der 130 Sitze im Abgeordnetenhaus. Die ursprüngliche Basis dieser Partei waren die Gewerkschaften und die indianischen Bewegungen. Sie vertritt bolivarische und antikapitalistische, antiimperialistische Positionen, setzt sich für Gleichheit und für das Recht der indianischen Minderheiten ein, führte Bodenreformen durch, setzte Verfassungsreformen in Kraft und begann mit der Verstaatlichung der Schlüsselindustriezweige.

Der „bolivarische Sozialismus“ 

Zwar wäre es für die Gegner der 13-jährigen Regierungzeit von Morales bequemer, wenn sie behaupten könnten, seine Partei habe die Wirtschaft Boliviens nun endgültig in den Abgrund gestürzt und zur Unzufriedenheit der Bürger geführt, doch das Gegenteil ist der Fall. In Wirklichkeit hat Bolivien, im Unterschied zu Venezuela, den von ihr vertretenen „bolivarischen Sozialismus“ zum Erfolg geführt. Und dabei hat es nicht wenige Versuche von Morales gegeben, die Koka-Blätter zu entkriminalisieren, die in Bolivien zum nationalen Kulturgut erklärt wurden.

Eine progressive Entwicklung

In der Regierungszeit des Aymará-Indianers wurden nicht nur viele progressive Schritte zur Erweiterung der Rechte der alteingesessenen Bevölkerung des Landes unternommen, auch die Wirtschaft des Landes, das über das Erdgas und über die weltweit größten Vorräte an Lithium verfügt, demonstrierte ihre Stärke. Als Morales 2005 zum Präsidenten gewählt wurde, betrug der Anteil Armut 38 %, er konnte in diesem Jahr verringert werden auf 15 %. Das Bruttosozialprodukt (BSP) pro Kopf der Bevölkerung ist in diesem Zeitraum (laut Angaben Inter-American Development Bank) um das Vierfache gewachsen.

Antisozialistische Ausschreitungen

Doch in letzter Zeit spitzten sich die Konflikte um die Wirtschaft des Landes immer mehr zu. Regierungskritiker warfen dem Präsidenten und seiner Umgebung Korruption und Unterdrückung der Demokratie vor. Auch wurden viele Bolivianer aufgehetzt, mit einem Referendum zu verhindern, daß Evo Morales für eine vierte Amtszeit kandidiert. „Das ist nicht Kuba, nicht Venezuela“, riefen die Teilnehmer einer Protestaktion im Sprechchor. „Es ist Bolivien, und Bolivien muß man respektieren!“

Der erzwungene Rücktritt von Morales

Der politische Gegner von Morales, Expräsident Carlos Mesa (2003-2005), beeilte sich, nach den Wahlen, den Rücktritt des Präsidenten als ein „Ende der Tyrannei“ zu bezeichnen. Um jedoch zu verhindern, daß die Situation ins Chaos führt und im Blutbad endet, faßte Morales den Entschluß zurückzutreten, was auch etwas darüber sagt, daß es eine solche Tyrannei in Bolivien nicht gegeben hat (wenngleich es auch leider nicht ohne Opfer ausging: es wird im Verlauf der Unruhen nach der Wahl von drei Toten berichtet).

Militärputsch gegen den sozialistischen Präsidenten Boliviens

Natürlich ist es sehr wahrscheinlich, daß sich der Präsident für den Machterhalt eingesetzt hätte. wenn er sich der Unterstützung durch das Militärs hätte sicher sein können. Aber eine solche Unterstützung gab es nicht (obwohl das Militärkommando den Armeen befohlen hatte, keine Luft- und Landeoperation gegen gewisse bewaffnete Gruppen durchzuführen, dafür aber weigerte sich die Polizei, den Präsidentenpalast zu schützen) – Morales mußte also pragmatisch handeln, zurücktreten und von Bord gehen. Später teilte er über Twitter mit, daß die Polizei ungesetzlich versucht habe, ihn zu verhaften, und daß gewisse Gruppierungen sein Haus gestürmt hätten.

Die Emigration des Präsidenten

Der Außenminister Mexikos Marcelo Ebrard teilte jedoch, daß sein Land notfalls bereit sei, dem ehemaligen bolivianischen Führer Zuflucht zu gewähren. Auch der kubanischer Präsident Miguel Díaz-Canel bekundete über Twitter die Solidarität seines Landes mit Evo Morales und rief dazu auf, die Welt für das Leben und für die Freiheit von Evo zu mobilisieren… Inzwischen wurde Evo Morales mit einer mexikanischen Militärmaschine nach Mexiko ausgeflogen.


Zusammengestellt nach Informationen aus dem Internet. Abschließend, um Klarheit zu haben:

Gegner von Morales

Der Sieg der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg hat letztlich gezeigt, daß die Sowjetunion trotz aller Angriffe von außen, trotz des heimtückischen Überfalls Hitlerdeutschlands im 2. Weltkrieg, und im Kampf gegen die Konterrevolution im eigenen Land diese Aufgabe, wenngleich unter erheblichen Verlusten, so doch mit großem Erfolg gemeistert hat. DER SIEG DES SOZIALISMUS WAR DER GRÖSSTE ERFOLG IN DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution hat gezeigt, daß eine andere als die kapitalistische Gesellschaftsordnung möglich ist. Doch eine Revolution ist nur dann etwas wert, wenn sie sich zu verteidigen versteht…


Die „junge Welt“ berichtet am 14.11.2019:

„Die USA und Brasilien haben am Mittwoch Jeanine Añez als »Übergangspräsidentin« von Bolivien anerkannt. Auch der Oberkommandierende der bolivianischen Armee, Williams Kaliman, stellte sich öffentlich hinter sie. … Der Widerstand gegen den Staatsstreich hat derweil weiter an Kraft gewonnen. So verbreitete die Gewerkschaft der Landarbeiter CSUTCB ein Statement des »Paktes der Einheit«, in dem sich zahlreiche Arbeiterorganisationen zusammengeschlossen haben. Man erkenne den Rücktritt von Evo Morales nicht an und behalte sich das Recht vor, »alle demokratischen Widerstandsmethoden« anzuwenden, um die erkämpften Errungenschaften zu verteidigen.“

jW 20191114 Putsch

Die Faschisten haben die selbsternannte faschistische Junta „anerkannt“ und sie applaudieren den Putschisten….

Siehe auch:

„junge Welt“: Bolivien – Putsch mit Bibel

Der Weg der Sowjetmacht zum Sieg des Sozialismus

Resignation of Bolivia’s Evo Morales was no victory for democracy, but a US-sponsored coup

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7 Antworten zu Eduardo Galeano, Lateinamerika, die USA und der faschistische Militärputsch in Bolivien

  1. HCS schreibt:

    Die Parallelen zur Situation in der Ulraine 2014 und in Bolivien heute liegen darin, daß damals wie heute der deutsche Imperialismus mit von der Partei ist, wenn es um einen faschistischen Putsch geht, in beiden Fällen die Grünen besonders schnell und laut HURRA rufen und damals wie heute praktisch nichts von der „Mosaiklinken“, den „Linksradikalen“ usw. zu hören ist. Was das für die antifaschistische Bewegung in der BRD bedeutet, muß dringend thematisiert werden:
    https://wurfbude.wordpress.com/2019/11/12/ukraine-2014-bolivien-2019/

  2. olivia2010kroth schreibt:

    Bolivien besitzt die grössten Lithium-Reserven der Welt. Lithium wird für Batterien benötigt. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass dieser Putsch in Bolivien stattfand. Feindliche Mächte wollen sich das Lithium aneignen. Bodenschätze waren schon immer ein Anreiz für koloniale und imperialistische Kriege.

    • sascha313 schreibt:

      Sicher – und nicht der einzige Grund! Bolivien beabsichtigte übrigens diese Lithiumvorräte gemeinsam mit China (!) zu erschließen…

      Eva Bartlett schreibt: Poverty, unemployment and illiteracy all decreased significantly under Morales. In fact, according to a report by the Center for Economic and Policy Research (CEPR), Bolivia’s was the “fastest-growing” economy in South America, having “basically been stagnant for a quarter century prior to Morales becoming president in 2006.” To do so, however, “the Bolivian government ended 20 years of IMF agreements in 2006,” the same CEPR report notes. Furthermore, expelling US military bases, threatening to close the US embassy in Bolivia, and nationalizing the oil and gas industries haven’t done much to put him in the good graces of ‘democracy-bringers’.

      Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetentum haben unter Morales bedeutend abgenommen. Tatsächlich war Bolivien, gemäß einem Bericht des Zentrums für den Wirtschafts- und Politikforschung (CEPR), die „am schnellsten wachsende“ Wirtschaft in Südamerika, die seit einem Vierteljahrhundert, bevor Morales 2006 Präsident wurde, stagnierte. Um jedoch so zu handeln zu können, „hat die bolivianische Regierung 2006 alle IWF-Abmachungen auf 20 Jahre für beendet erklärt“ melden derselbe CEPR-Report. Außerdem wurden sämtliche US-Militärbasen ausgewiesen, es wurde damit gedroht, die US-Botschaft in Bolivien zu schließen. Die Nationalisierung der Öl- und Gasindustrie hat viel dazu beigetragen, um bei den Demokratiebringern der USA in Ungnade zu fallen.

    • sascha313 schreibt:

      …is schon klar! Doch wahrscheinlich ist das noch nicht das Ende des Krimis!

      • Krimi? Ja, vielleicht sollte es als Krimi angesehen werden, was ich allerdings für relativistisch halte. Außerdem werden Krimis geschrieben und den Autoren solcher Literatur ist das Ende bereits bekannt.

        Nun, es geht um den Rohstoff Lithium. Lithium-„Reserven“ in Tonnen:
        Simbabwe 23.000, USA 28.000, Brasilien 48.000, Portugal 60.000,
        Australien 1,5 Millionen, China 3,2 Millionen, Chile 7,5 Millionen, Bolivien 9 Millionen.

        In 2013 belief sich der Bedarf auf 630 Tonnen/Jahr, die Produktion (Abbau) bereits auf 30.000 Tonnen und der geschätzte Bedarf in 2035 liegt bei 110.000 Tonnen/Jahr. (Quelle: DERA)

        Bolivien mag nun über die größten Reserven an Lithium verfügen, diese sind jedoch technisch nur aufwendigen zu fördern, was mit hohen Kosten verbunden ist. Das bedeutet, trotz dieser Reserven, würde Bolivien keine wirklich bedeutende Rolle bei der Förderung von Lithium einnehmen. (Okäi, vielleicht in 150 Jahren, wenn das Lithium in der übrigen Welt sich dem Ende zuneigt … und China ‚denkt‘ ja sehr strategisch und ein paar hundert Jahre ‚vorausschauend‘ unter den heute gegeben Zuständen.)

        Ich denke daher eher, daß Evo tatsächlich wegen der im Ansatz sozialistischen Wirtschaftsweise ‚weg‘ mußte: Die sozialistischen Erfolge sollen eben einfach keine Schule machen.

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