Wieder eine neue Lüge aus der Giftküche der Geschichtsfälscher … und eine wahre Geschichte aus der DDR

horrormeldungIn einer BRD-Zeitung wurde wieder mal ein Artikel veröffentlicht, an Hand dessen man sich leicht davon überzeugen kann, mit welchen dummdreisten Methoden die Fälscher in den Redaktionen arbeiten, um – nunmehr dreißig Jahre nach dem Ende der DDR – unseren sozialistischen Staat auf widerlichste Weise anzuschwärzen. Die Methode ist denkbar einfach: Erst wird eine Behauptung in die Welt gesetzt, für die es keinen Beweis gibt, dann wird die „ratlose“ Frage aufgeworfen: Wie konnte das geschehen? Und schließlich wird erklärt, es hätten sich bereits einige „Zeugen“ gemeldet, die eine gewisse „Vermutung“ hätten. Das ist doch sehr überzeugend, nicht wahr? Nichts von dem ist nachprüfbar! Worum geht es? Es geht um die Behauptung, in der DDR seien Kinder nicht gestorben, sondern „möglicherweise regimetreuen Genossen zur Adoption gegeben“ worden. Kein Wunder, das es immer wieder solche lächerlich verlogenen Artikel gibt, ist doch der Fond der Steuermittel, die jährlich für die „Delegitimierung der DDR“ ausgegeben werden, für diese Art von Zeitungsschreiberlingen eine schier unerschöpfliche Quelle!

In ihrer Machart gleichen sich die Texte oft wie ein Ei dem anderen. Die Frage ist doch: Welche (beweisbaren) Quellen können angeführt werden? Der Zeitungsleser steht vor einem Rätsel! Keine Antwort, kein Beweis! …Oder wollte man nur wieder mal ein neues verleumderisches „Thema“ ins Gerede bringen? Hier nochmal zur Veranschaulichung die folgende Vermutung:

Verdacht1

Doch nun ist die Katze aus dem Sack! Es gibt keinen Beleg. Es war eine Lüge!Verdacht2


Doch befassen wir und hier nicht mit solchen Kinkerlitzchen. Denn mittlerweile haben aufmerksame Zeitungsleser längst gelernt, daß man nicht alles glauben kann, was diese Schmierfinken täglich so produzieren. Stattdessen wollen wir hier über eine wahre Begebenheit berichten. Sie wurde aufgeschrieben von Anita Zentgraff und veröffentlicht in der Zeitung der Christlich-Demokratischen Union der DDR „Neue Zeit“ vom 20.8.1960:

 

Brief
Wir waren, eine übermütige Klasse von 24 Mädchen, von unseren Wan­dertagen zurückgekommen, die wir an der Ostsee bei bester Laune ver­bracht hatten. Die Klassenlehrerin hatte uns an der Pforte „abgeliefert“, und mit lautem Hallo begrüßten wir den alten Pförtner, der uns die Schlüssel zu unseren Zimmern aus­händigte. Im Internatsgebäude waren nur noch wenige Fenster erhellt, die der Erzieherinnen und dort, wo sich der Schüler vom Dienst aufhielt. Wir hörten, als wir plaudernd und lachend durch die Pforte zogen, das vertraute Geplätscher des Brunnens, der in der Mitte des ausgedehnten Hofes lag. Wir sahen die Schwalben, die kreischend in der dunklen Däm­merung des Sommerabends um den Brunnen kreisten und ihren Nestern zuflogen, die wir im Zugang des Wirtschaftsgebäudes wußten. Wir tapsten mit unseren lauten Wanderschuhen über das unebene Pflaster des Hofes auf den Eingang C zu, in dem unsere Zimmer lagen. Jemand sagte beim Treppenaufstieg mit einem tiefen Seufzer: „Kinder, mor­gen beginnt die Prüfung!“ Es war nicht so laut gerufen, daß alle es hörten, und es störte die wenigsten in ihrer anhaltenden Fröhlichkeit.

In unserem Zimmer, in dem wir zu Sechsen wohnten, schlug uns die dumpfwarme Luft des geschlossenen Raumes entgegen; und zwei Mädchen stießen die Fenster auf, um die kühle Abendluft hereinzulassen. Eine träl­lerte noch ein Wanderlied, aber als der weiße Schein des elektrischen Lichtes unsere sechs Betten, die Schränke und, was sonst noch im Raum war, gnadenlos zeigte, brach das Lied ab, und das letzte Lachen verebbte.
„Morgen beginnt die Prü­fung“, sagte jemand leise, doch diesmnal hatten es alle vernommen. Die Wanderbeutel wurden ausgeleert, und mit dem Verstauen der in den Ferientagen gebrauchten Gegen­stände war auch der Alltag wieder eingezogen.

Ein Mädchen aus dem Nebenzim­mer hatte beim Schüler vom Dienst die Post geholt. Sie stellte sich auf einen Stuhl am Korridor und rief die Namen der Empfänger auf. Die Briefe lagen alphabetisch überein­ander. Ich erwartete keine Post, und doch wurde mein Name aufgerufen, als die Schülerin den letzten Brief in der Hand hielt. „Zimmering, Uta“, rief sie laut über die Köpfe der Mäd­chen hinweg, die mit den schon ge­öffneten Briefen im Scheine der Korridorlampen standen. „Ich?“ fragte ich ungläubig. „Ja, du, Ab­sender Charlotte Zimmering, Wies­baden“. „Mein Gott“, entfuhr es mir und zögernd faßte ich den hin­gebaltenen Brief. Die Verteilerin sprang vom Stuhl, nahm ihre eigene Post, die sie unter den linken Arm geklemmt hielt, und ging mit schlur­rendem Schritt in ihr Zimmer. Die anderen Mädchen schwatzten untergehakt über den Inhalt ihrer Briefe, riefen sich gähnend gute Nacht zu und verschwanden.

Ich stand allein in der beschatteten Fensternische des langen Flurs mit meinem ungeöff­neten Brief, dessen Absender ich nicht kannte und doch wußte, daß er von meiner Mutter war, die mich vor 17 Jahren geboren und dann bei Hin­richs gelassen hatte, die nun meine Eltern sind. Ein Brief von einer Mutter, die man nicht kennt und die im Westen wohnt… Ich sagte es kopfschüttelnd vor mich hin. Wie oft, nachdem ich wußte, Hinrichs sind meine Pflegeeltern, hatte ich ver­sucht, mir ein Bild von meiner Mutter zu machen. Hinrichs besaßen sogar ein Foto von ihr, es wurde mir gezeigt, als mich die Lehrerin in der Schule mit Uta Zimmering aufrief, ich heulend nach Hause lief, ins Zimmer stürzte und ausstieß: Ich heiße Hinrichs und nicht Zimmering. Dann wurde mir ein frommes Märchen über meine Mutter erzählt, das ich glaubte, bis ich nachdenken lernte: Kann eine Mutter einfach ihr Kind fremden Menschen überlassen, auch wenn sie in Not gerät? Zu­mindest einmal müßte sie doch nach­fragen, was aus diesem Kind geworden ist. –

Vater Hinrichs ist bereits fünf Jahre tot, er war ein einfacher Mensch, ein Arbeiter in der Platten­fabrik. Mutter Hinrichs arbeitet noch immer trotz ihrer 65 Jahre acht Stunden in der Küche der Platten­fabrik. Ich bin ihr Kind, für das sie arbeiteten und sorgten, das sie so einfach erzogen, wie sie selber waren.

Ich halte einen Brief in der Hand von einer fremden Frau, die im Westen wohnt. Was kann sie von mir wollen? Die Dämmerung der Fensternische ist wohltuend, und das Plätschern des Brunnens wirkt beruhigend. Wenn doch einer du grelle Licht im Korridor ausdrehen würde – ich mag mich nicht von der Stelle rüh­ren. Durch die Tür unseres Zimmers dringt Lachen, sie sind laut und fröhlich und müßten still sein, es ist bereits Schlafenszeit. Ich habe den Schritt überhört, der den Korridor entlangkommt, und schrecke bei dem Anruf Fräulein Kerniges, der Er­zieherin, zusammen. Eiligst geht sie weiter, um in den Zimmern für Ruhe zu sorgen. Meine Gedanken kreisen wie Mühlenflügel um die Prüfung, die morgen beginnt, und um den Brief.

Als ich ins Zimmer komme, be­stürmt mich Elke, die neben mir schläft: „Nun sag‘ mal, Uta, wo kommst du jetzt her?“ „Ich wollte noch dem Brunnen zuhören.“ Ist es nicht die Wahrheit? Elke ist nicht zufrieden. „Seit wann bist du senti­mental, Uta? Hängt es mit deinem Briet zusammen?“ Auf einmal sind sie alle hellwach, sitzen in ihren Betten und starren mich neugierig an. „Du hast noch eine richtige Mutter? Und das hast du uns ver­heimlicht?“ – „In Wiesbaden, be­suchst du sie bald?“ – „Uta – die schönen Kleider, die es drüben gibt, deine Mutter wird sicher auch ganz schick angezogen sein.“ „Was macht denn deine Mutter, verdient sie viel Geld?“ Ich drehe das Licht aus, so können sie wenigstens mein Gesicht nicht sehen. „Morgen könnt ihr alles erfahren“, sage ich, aber meine Stimme kommt mir fremd vor.

Ich kann nicht schlafen, der ver­schlossene Briet liegt unter meinem Kopfskiseen. Rings um mich das tiefe Atmen der fünf Mädchen. Ich hole meine Taschenlampe aus dem Nachttisch, reiße den Umschlag auf und lese die wenigen Sätze. Es steht darin, was ich erwartet habe. Ich soll verzeihen, daß sie sich nicht um mich gekümmert hat, besuchen soll ich sie, ich könnte auch dort bleiben, denn es geht ihr gut in Wiesbaden. Und wieder ist es dunkel im Zimmer und mir fällt Bert Brecht ein mit seiner Entscheidung im Kreidekreis. Sollte ich aber doch nicht hinfahren und sie kennenlernen?

Muß ich das ganz allein entscheiden? Kann ich meine Zu­kunftspläne umstoßen, weil ich heute diesen Brief bekam? Die Nacht ist lang, aber ich werde nicht fertig mit meinen Gedanken. Plötzlich höre ich wieder die Frauenstimme im Rund­funk, die einen Bericht gab über das Kinderheim, in dem von ihren Eltern verlassene Kinder aufgenommen und erzogen werden. Mütter, die nach Westdeutschland gegangen sind.

So eindringlich höre ich diese Stimme in der Dunkelheit, daß sie mich nicht mehr losläßt.
Als der Gong ertönt, bestürmen mich die Wachgeworden gleich wieder mit ihren Fragen. Ich hole den Brief unter meinem Kopfkissen hervor und reiße ihn mitten durch. „Uta, was machst du“, ruft Elke, „der Brief ist von deiner Mutter.“ „Meine Mutter ist Frau Hinrichs“, sage ich und sehe sie alle nacheinander an. „Heute beginnt die Prüfung, und wenn ich mein Examen bestanden habe, will ich in dem Heim als Er­zieherin arbeiten, das die Kinder aufnimmt, die von gewissenlosen Müttern verlassen wurden, weil Westdeutschland sie lockte.“

(Im Literarischen Wettbewerb der CDU mit einer Buchprämie ausgezeichnet)

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