BRD: Der Bonner Oberstaatsanwalt Erwin Schüle – ein verurteilter Kriegsverbrecher

MassenmoerderSchuele

Schüle, Erwin (geb. 2.7. 1913 – gest. 5.9.1993)
f r ü h e r:  Ordonnanzoffizier IC der ID 215; Führer der Sonderstrafkompanie ID 253; in der Sowjetunion zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
h e u t e (1965):  Oberstaatsanwalt; Leiter der Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen.

Aufgrund der internationalen politischen Lage sah sich der westdeutsche Bundeskanzler Adenauer immer stärker unter Druck gesetzt, die Nazi- und Kriegsverbrecher in der BRD verfolgen und vor Gericht zu stellen. Deshalb gründete er 1958 die Zentralstelle in Ludwigsburg. In dieser Zentrale war der Höchststand an Beschäftigten 115 Personen. Der erste Leiter dieser Zentralstelle war der Nazi und Kriegsverbrecher Erwin Schüle.

„Im Jahre 1933 trat ich der SA bei und bin seit 1935 Parteigenosse“, das schrieb Erwin Schüle eigenhändig in seinem Lebenslauf am 3. September 1943 „im Felde“.
Welche Rolle er dort spielte, geht daraus hervor, daß er in der Sowjetunion als Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Schüle ge­hörte seit März 1943 als Ordonnanzoffizier der Abteilung IC des Divisions­stabes der 215. Infanteriedivision an, die vor Leningrad die „Politik der ver­brannten Erde“ und der Aushungerung der Zivilbevölkerung praktizierte. Un­mittelbar vor Kriegsende befehligte er noch eine der berüchtigten Sonderstraf­kompanien, und zwar die der 253. Infanteriedivision.

Ein Nazi-Kriegsverbrecher als Nazi-„Jäger“ in der BRD

Die Vergangenheit des damaligen BRD-Oberstaatsanwalts diente Bonn als Empfeh­lung, ihn als Verantwortlichen für die mit großem Propagandaaufwand gebil­dete Zentralstelle zur Aufklärung der Naziverbrechen einzusetzen. Ihm war von vornherein die Rolle zugedacht, die von Bonn seit Bestehen der Bundesrepublik systematisch betriebene Politik des Schutzes der Nazi- und Kriegsverbrecher unter dem Deckmantel der Zentralstelle fortzusetzen. In der Tat wurde auch seit Bestehen der Zentralstelle z.B. nicht einer der Schreibtischmörder vor Ge­richt gestellt, deren Federstrich mitunter den Tod Tausender und Zehntausender Menschen bedeutete.

Unerträgliches!

Nachdem die Bonner Regierung am 5. November 1964 im Widerspruch zum Willen der Völker und zum Völkerrecht beschlossen hatte, die Nazi- und Kriegs­verbrechen im Mai 1965 verjähren zu lassen, sprach sich auch Schüle für die Verjährung aus. Das „Spandauer Volksblatt“, Westberlin, vom 16. Februar 1965 schrieb zum Fall Schüle:

„Nun wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn Herr Schüle als Sachbearbeiter eines Grundbuchamtes, auch in gehobener Amtsstellung, der Bundesrepublik seine wertvollen Dienste widmete. Auch als Eisenbahn- oder Postreferent würde niemand seiner Karriere Hindernisse in den Weg legen. Aber daß die Bundes­regierunq ausgerechnet den früheren SA-Mann und NSDAP-Kämpen Schüle zur Aufklärung von Naziverbrechen nach Warschau entsendet, ist einfach mehr als eine unerträgliche Mißachtung der Gefühle aller von den Nazis barbarisch versklavten Völker. Ist denn wirklich niemand mehr an verantwor­tungsvoller Stelle fähig, Geschmacklosigkeit von Unerträglichkeit zu distan­zieren?“

Lebenslauf des Kriegsverbrechers Erwin Schüle

Schuele_Lebenslauf

Quelle: Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik. Berlin 1965, S.141 u. 178.

Am 23. Februar 1965 erschien in der „Berliner Zeitung“ ein ausführlicher Artikel über die Kriegsverbrechen des Erwin Schüle. Gegenüber der Presseagentur Associated Press mußte Schüle zugeben, daß er „wie viele andere wegen Teilnahme an den Greueltaten der 215. Infanterie-Division zu 25 Jahren Zwangsarbeit“ verurteilt worden sei.

650223 BZ Staatsanwalt Schuele Kriegsverbrecher

650213 ND Schüle Spiessgesellen


Die Adenauer-Regierung schützte Kriegsverbrecher

Nicht nur, daß in der BRD ein Kriegsverbrecher zur „Aufklärung von NS-Verbrechen“ eingesetzt wurde. Der Verbrecher Schüle sorgte auch dafür, daß seine Mordkumpane ihrer gerechten Strafe entgehen konnten. Vom Stuttgarter Generalstaatsanwalt wurde er dafür damit belohnt, daß dieser das Verfahren gegen ihn einstellte. Aufgrund umfangreicher belastender Dokumente, aufgrund von Fotos und Zeugenaussagen, die von den sowjetischen Ermittlern vorgelegt wurden, sahen sich die deutschen Behörden schließlich  gezwungen, den Kriegsverbrecher Schüle aus seinem Amt zu entfernen.

660407 NZ Verf eingestellt Schuele

Das deutsche Kommando betrachtete das Leningrader Gebiet als eine depressive Region, in der es nach dem Plan „Oldenburg“ nicht vorgesehen war, die Industrie zu entwickeln und eine aktive wirtschaftliche Tätigkeit durchzuführen. Infolgedessen nahmen die Nazis in den besetzten Gebieten Massenhinrichtungen friedlicher Einwohner vor. Die Bevölkerung des Gebiets Leningrad wurde um zwei Drittel dezimiert (in den meisten Fällen wurden ältere Menschen, Frauen und Kinder umgebracht). Нach unvollständigen Angaben der Außerordentlichen Staatlichen Kommission fanden in den Kriegsgefangenenlagern 668.470 Angehörige der Roten Armee den Tode – sie wurden entweder ermordet oder man ließ sie einfach verhungern (davon kamen in den Nowgoroder Lagern 186.700 ums Leben).

Siehe auch (russ.):
https://veliky-novgorod.sm-news.ru/bez-sroka-davnosti-latvijskix-karatelej-zhdet-novgorodskij-process-2-9913/
https://rvio.histrf.ru/soobshestvo/post-853
https://rvio.histrf.ru/soobshestvo/post-1553

Und hier die Fortsetzung aus der Berliner Zeitung mit weiteren Beweisen gegen den Nazi und Kriegsverbrecher Erwin Schüle:

650223 BZ Weitere Beweise Schuele


Der deutsche Nazistaat

Und so sah es in der Bundesrepublik Deutschland aus:650311 BZ freie Kriegsverbrecher


Die Relativierung des Nazismus in der BRD

Die Finanzierung dieser Zentralstelle in Ludwigsburg zur (angeblichen) „Verfolgung von Naziverbrechen“ ließ sich die Adenauer-Regierung etwas kosten. Sie gab einen Betrag von über 60 Millionen DM aus. (Quelle: Bayer. Staatsarchiv in München).

Zum Vergleich: Die „Stasi-Unterlagen-Behörde“ (BStU) hingegen kostete den Steuerzahler ein Vielfaches! Sie wurde nicht nur mit ein paar Millionen, sondern mit fast 3 Milliarden Euro an Steuergelder gefördert, und ein Ende ist nicht absehbar. Sieht man zudem die Anzahl aller Beschäftigen dieser „Behörde“, so hatte sie in ihren „besten“ Zeiten über 3.000 Beschäftige, aktuell sind es noch noch ca. 1.500 Beschäftigte. (Diese Zahlen sind den Jahresberichten dieser „Behörde“ zu entnehmen.)

Siehe auch:
Der verbrecherische Kurs der Adenauer Regierung und die Freilassung von unzähligen Nazi- und Kriegsverbrechern in der westdeutschen Bundesrepublik
BRD (1959): Alte Nazis – neue Uniformen

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Geschichte, Kapitalistische Wirklichkeit, Kriminelle Gewalt, Verbrechen des Kapitalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu BRD: Der Bonner Oberstaatsanwalt Erwin Schüle – ein verurteilter Kriegsverbrecher

  1. Johann Weber schreibt:

    Zu dieser Zentralen Stelle in Ludwigsburg noch einige wichtige Informationen. Sie beweisen, dass die Adenauer-, Erhard- und Kiesinger-Brandt-Regierungen wesentlich mehr Interesse daran hatten friedliebende Menschen (Stichwort Kommunisten) durch staatliche Sicherheitsorgane zu verfolgen und in Gefängnisse zu werfen, als die Naziverbrecher ihrer gerechten Strafe zu zuführen.

    Die Österreichische Zeitung „Der Neue Mahnruf“ Heft Nr. 3 von 2004 berichtet:
    „Vernachlässigt und behindert
    Um die 95.000 Ermittlungsverfahren haben die Ludwigsburger Beamten in den zurückliegenden 45 Jahren eingeleitet. Dass trotz dieser gewaltigen Anstrengungen nur 6.500 rechtskräftige Urteile übrig geblieben sind, sollte nicht Ludwigsburg angelastet werden.
    Die Bundesländer haben die Zentralstelle technisch nie so ausgestattet, wie es in den modernen
    Behörden selbstverständlich war.
    Die Bundesregierung hat den Mitarbeitern bis 1964 verboten, Archive in Osteuropa zu benutzten.
    Dort würden hieß es, Dokumente gefälscht.
    Tatsächlich hatte Bonn Angst vor Akten über Leute, die es in der BRD wieder zu etwas gebracht hatten.“

    In der Ausgabe vom 12.8.1966 der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“, eine Zeitung der Christen in der DDR, ist festgehalten wie viele Ermittlungsverfahren gegen Menschen in der Alt-BRD eingeleitet wurden:
    „Neue Zeit kommentiert
    Die KPD lebt
    Obwohl seit 1951 in Westdeutschland rund 650 000 Demokraten und Antifaschisten von polizeilichen Ermittlungsverfahren betroffen wurden, obwohl selbst das Bundesinnenministerium in seinen frisierten Berichten pro Jahr etwa 10 000 Verfahren gegen Atomrüstunqs- und Notstandsgegner zugegeben hat, obwohl also von Bonn aus alles unternommen wird, um die fortschrittlichen Kräfte im westdeutschen Staat zu unterdrücken und zu terrorisieren, ist die Opposition gegen das Regime ungebrochen, hält der Kampf gegen den systematischen Abbau der Grundrechte in der Bundesrepublik unvermindert an.“

    Der NRW Justiz- und Finanzminister Diether Posser (SPD) sprach von über 200.000 Ermittlungsverfahren, von denen über 500.000 Menschen betroffen waren.
    Es gibt ja keine offizielle Zahlen, wie viele von diesen Verfolgten Menschen zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Schätzungen gehen bis über 10.000 Menschen. Alles politische Urteile, keiner hatte je einem anderen Menschen Leid zugefügt.

    Diese Quellen belegen eindeutig. Alle Alt-BRD-Regierungen sahen in den Menschen, die sich für eine Wiedervereinigung, einen Friedensvertrag, gegen Atomtod, gegen die Remilitarisierung, für eine gerechtere Arbeitswelt einsetzten, ihre Hauptfeinde.
    Nicht die Verfolgung der Nazi-Verbrechen. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

  2. Pingback: Die Nazis und die bürgerliche Klassenjustiz der BRD | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s