War der Rosenzüchter von Rhöndorf ein Faschist?

ParolenDieser Mann hatte im Jahr 1920 in München im Hofbräuhaus, im Bürgerbräukeller, im Sterneckerbräu und anderswo mit sorgfältig vor dem Spiegel einstudierten Gesten Dutzende von Reden gehalten. Ein Augenzeuge berichtete: „Ferner brachte Hitler eine starke Judenhetze zum Ausdruck, die der dicht gefüllte Saal mit großen Beifall erwiderte.“ – Nachdem Adolf Hitler am 20. Juli 1921 zum Vorsitzenden der NSDAP mit unumschränkter Vollmacht gewählt worden war, wurde sie zu einer extrem-nationalistischen Partei. Für eine solche Partei fanden sich sehr bald Geldgeber. Finanzielle Zuwendungen kamen in dieser Zeit vom Vorsitzenden des Bayrischen Industriellenverbandes, dem Geheimen Kommerzienrat Hermann Aust, der sein Vermögen als Leiter der Kathreinerschen Malzkaffeefabrik angesammelt hatte, vom Fabrikanten Grandl aus Augsburg, vom Klavierfabrikanten Karl Bechstein aus Berlin…

…und vom Münchner Verleger und Königlich Bayerischen Kommerzienrat Hugo Bruckmann, der Houston Stewart Chamberlains Werke herausgegeben hatte und Geschäftsführer der nationalistisch-konservativen „Süddeutschen Monatshefte“ war. [1]

Wie wir heute wissen, war dieser Herr Hitler ein Faschist. Und das nicht erst seit 1933! Das kommt daher, daß Hitler ein Bewunderer des italienischen Duce war, der 1922 in Italien eine faschistische Militärdiktatur errichtet hatte. In gleicher Weise handelte 1933 nun auch Hitler, mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung der Großbourgeoisie.  Gibt es dazu eventuell historische Parallelen? Es gibt sie!

In einem Brief an den Herrn Preußischen Minister des Innern vom 10. August 1934, den Naziminster Frick schreibt beispielsweise ein gewisser K.Adenauer: „So habe ich Jahre lang, entgegen der damaligen Verfügung des Preußischen Innenministers, der NSDAP die städtischen Sportplätze zur Verfügung gestellt und ihr bei ihren Veranstaltungen auf diesen das Hissen ihrer Hakenkreuzfahnen an den städtischen Flaggenmasten gestattet.“ – Eine ganze Kleinigkeit, so mag man sagen, doch der Schreiber dieser Zeilen erhielt nach 1933 ein jährliches Ruhegehalt von 12.000 Reichsmark, wie eine Kartei der SS ausweist. [2]

RosenzüchterDaß aber letzterer auch die Absicht hatte, eine „Militärdiktatur gegen das Volk“ ganz nach Mussolinischem Vorbild zu errichten, erfuhr der Leser eher zufällig aus der Österreichischen Monatszeitung „Der neue Mahnruf“ auf der ersten Seite. Dort nämlich war – gerichtlich bestätigt – zu lesen: „Adenauer will Militärdiktatur – eine Tatsache“. Und dieser „Rosenzüchter von Rhöndorf“ war kein anderer als Konrad Adenauer selbst. Auch er hatte keine geringeren Sponsoren als die Vertreter der deutschen Wirtschaft, die Konzernbosse von Flick und Thyssen, von IG Farben, Krupp und Deutscher Bank sowie die unmittelbare Unterstützung der USA-Militärregierung und ihres Hochkommisars McCloy, hinter dem der Rockefeller-Konzern, die Ford Foundation und die Chase-Manhatten-Bank standen. Direkt verwandtschaftliche Beziehungen waren das – sozusagen. [3}

Und hier der Zeitungsausschnitt aus der österreichischen Monatszeitung „Der neue Mahnruf“ von Juli/August 1953:

Mahnruf - Adenauer 1953.jpg

Aber was versteht man dann eigentlich unter einer Diktatur? Im Fremdwörterbuch wird erklärt: „Eine Diktatur ist die unumschränkte Herrschaft eines Einzelnen oder einer Klasse“. Und ergänzend dazu: „Die Diktatur des Proletariats ist ein Begriff zur Bezeichnung des Klasseninhalts der in der sozialistischen Revolution zu errichtenden Staatsmacht, die den breiten Massen ein Maximum an Demokratie sichert.“ Damit ist auch gesagt, daß es in der DDR keine „Diktatur der SED“ gab, sondern ausschließlich die Macht der Arbeiterklasse.

Doch – wer war nun Adenauer, der Rosenzüchter aus dem kleinen Städtchen Rhöndorf am Rhein? War er ein Faschist? Nein, das nicht. Man nannte ihn einen Machiavellisten. [4] In einer Schweizer Zeitschrift bezeichnete man einen Machiavellisten als soziales Chamäleon: Um ihre Ziele zu erreichen, seien den Machiavellisten alle Mittel recht, auch gesellschaftlich nicht akzeptierte. Gleichzeitig seien sie gut in der Lage, das Vertrauen anderer Menschen zu gewinnen. [5]


Wer war Konrad Adenauer?

Adenauer (1876-1967), der als Oberbürgermeister der Stadt Köln und Präsident des Preußischen Staatsrates mit einem Jahreseinkommen von 107.000 Reichsmark zum sog. „Kölner Klüngel“ gehörte, hatte durch seine desaströse Finanzpolitik der Stadt über 370 Millionen Mark Schulden hinterlassen, selbst aber ein ansehnliches Vermögen zusammengerafft, war formell 1933 entlassen worden. Von den Besatzungsbehörden wurde er kurzzeitig wieder als Oberbürgermeister der Stadt Köln eingesetzt, alsbald aber seines Amtes enthoben. Daraufhin arbeitete Adenauer nun in seiner Rhöndorfer Villa gemeinsam mit Herrn Abs, unter Hitler Leiter der Auslandsabteilung der Deutschen Bank, und dem Kölner Bankier Dr. Robert Pferdmenges die taktische Linie für die Gründung einer neuen Partei zur Erhaltung des alten Systems aus.

Dieser Linie entsprach das am 3. Februar 1947 in Ahlen beschlossene Programm der westdeutschen CDU, dem – wie einst dem Programm der Nazipartei – durch eine Reihe von demagogischen Formulierungen ein sozialistischer Anstrich gegeben wurde. Es war ein Programm für den wiederzuerrichtenden deutschen Imperialismus.

Im Interesse der deutschen Monopolherren und führender Monopolkreise der USA sollte der deutsche Imperialismus wiedererrichtet werden. Angesichts der demokratischen Entwicklung im Osten Deutschlands war dies nur möglich, wenn Deutschland gespalten wurde. Der erste Schritt hierzu war die separate Währungsreform. Der nächste Schritt war der von den westlichen Besatzungsmächten angeordnete Zusammentritt eines Parlamentarischen Rates zur Ausarbeitung  eines Grundgesetzes für diesen Separatstaat. Mitglied des Parlamentarischen Rates wurde auch Robert Pferdmeneges. Präsident wurde, obwohl die SPD die meisten Sitze in ihm hatte, der Exponenet der CDU, Dr. h.c. Konrad Adenauer. Gegen die Stimmen der beiden kommunistischen Mitglieder, Max Reimann und Heinz Renner, nahm der Parlamentarische Rat das Grundgesetz an.

Nachdem die westlichen Besatzungsmächte das Grundgesetz bestätigt hatten, konnten Wahlen ausgeschrieben werden, um Adenauer den „legalen Weg “ zur Kanzlerschaft zu eröffnen. Die Wahlen mußten, sollten sie das gewünschte Ergebnis haben, finanziert werden. Der Sammler war dieses Mal Herr Robert Pferdmenges. Der Parteivorstand der SPD, der damals noch mit solchen Enthüllungen arbeitete, übergab der Öffentlichkeit hierzu aufschlußreiches Material.

Unternehmermillionen

Die von Pferdmenges propagierte Methode hatte Erfolg. Das gewünschte Ziel wurde erreicht. Bei den Wahlen am 14. August 1949 erhielt die CDU die meisten Stimmen und stellte deshalb den Bundeskanzler. Er wurde mit einer Mehrheit von einer Stimme gewählt, wie er später selbst bekannte:

„Die ausschlaggebende Stimme war meine eigene. Da ich entschlossen war, die Wahl anzunehmen, hätte ich es für Heuchelei gehalten, wenn ich mich nicht selbst gewählt hätte.“

Quelle:
Joachim Hellwig/Wolfgang Weiß: „So macht man Kanzler“. Verlag der Nation Berlin, 1962, S.259-299 (gekürzt)


Wer war Nicolò Machiavelli?

Machiavelli (1469-1527) war ein italienische Staatstheoretiker, Politiker, Militärschriftsteller der Renaissance, der mit seiner gegen die theologische Begründung des Staats gerichteten Auffassung, politische Prinzipien nicht aus der Moral und Religion abzuleiten, sondern sie aus dem Studium der Geschichte und den staatspolitischen Verhältnissen heraus zu entwickeln, in eine neue Etappe im staatstheoretischen Denken begründete. Allerdings gab es zu allen Zeiten Bestrebungen, unter „Machiavellismus“ skrupellose, reaktionäre politische Auffassungen und Handlungen zu verstehen und auf diese Weise die epochale Bedeutung Machiavellis als Staatsthoretiker zu verkennen. Die epochemachende Bedeutung Machiavellis haben die Klassiker des Marxismus gewürdigt, indem sie u.a. schrieben, daß bei Machiavelli „die Macht als Grundlage des Rechtes dargestellt worden ist; womit die theoretische Anschauung der Politik von der Moral emanzipiert und weiter nichts als das Postulat einer selbständigen Behandlung der Politik gegeben war“ [6]. Machiavelli hat auch als „der erste nennenswerte Militärschriftsteller der neueren Zeit“ [7] – er entwickelte den Gedanken des Volksheeres im Gegensatz zum Söldnerheer – und als Dichter Bedeutung erlangt.

Quelle:
Susanne Grjasnow: Niccolò Machiavelli. In: E.Lange/D.Alexander (Hrsg.) „Philosophenlexikon“, Dietz Verlag Berlin, 1982, S.617-617.

Weitere Quellenangaben:
[1] Joachim Hellwig/Wolfgang Weiß: „So macht man Kanzler“. Verlag der Nation, 1962, S.22ff.
[2] ebd. S.272ff.
[3] ebd. S.303ff.
[4] Machiavellismus – siehe: Becker, J., & O’Hair, H. D. (2007). Machiavellians’ motives in organizational citizenship behavior. Journal of Applied Communication Research, 35, 246–267.
[5] Benedikt Hell/Nadine Schneider: „Der Machiavellist: Soziales Chamäleon“. In: HR Today Know-how for tomorrow vom 27.09.2016
[6] Karl Marx/Friedrich Engels: „Die deutsche Ideologie“. In MEW, Bd.3, S.304.
[7] Friedrich Engels: „Dialektik der Natur“. In: MEW Bd.20, S.312.

Siehe auch:
Deutsche Terrorjustiz unter Adenauer
Die Diktatur des Proletariats und ihre Kritiker

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