Helmut Stolz: Autorität und die Erziehung der Jugend

StolzAutorität bewirkt nach Engels „Überordnung eines fremden Willens über den unseren: Autorität setzt auf der anderen Seite Unterordnung voraus“ [1] Dieses Verhältnis der Menschen zueinander hat seine Ursachen in der gesellschaftlichen Produktion materieller Güter. Bedingt durch den hochentwickelten Stand der Arbeitsteilung gilt das Prinzip für alle Bereiche des menschlichen Lebens, für die materielle Produktion, die Politik, für das kulturelle und geistige Leben, auch für die Bildung und Erziehung der heranwachsenden Generation. Die Autorität einer Persönlichkeit oder einer gesellschaftlichen Institution ist notwendig für die Organisierung des gesellschaftlichen Lebens (ohne die Chaos und Anarchie herrschen würden). In seinem Beitrag über Autorität schreibt der Pädagoge Prof. Dr. Helmut Stolz die Bedeutung der Autorität im Kapitalismus und im Sozialismus und für die Erziehung der jungen Generation.

1. Was ist Autorität?

Das Wort „Autorität“ kommt aus dem Lateinischen. Es be­deutet soviel wie Ansehen, Würde, Einfluß – kurzum: an­erkannte Persönlichkeit. Steht ein Mensch zu dem, was er sagt, hilft er seinen Mitbürgern und setzt sich stets für die als gerecht erkannte Sache ein, ist er gesellschaftlich aktiv und vermag er mit Sachkenntnis zu raten und selbst zu handeln, gilt er bei seinen Nachbarn, bei Bekannten und Freunden als Autorität. Zu einem · solchen Menschen hat man Vertrauen, man hört auf seinen Rat. Er genießt allgemeine Autorität.

Woher kommt die Autorität?

Die Autorität ist kein Gottesgeschenk oder irgendwie von der Natur gegeben. Sie ist keine Eigenschaft, die „man nun einmal hat oder nicht hat“, sondern das Ergebnis eigener Anstrengungen. Wer sich selbst erzieht, an sich selbst hohe Forderungen in seiner beruflichen Arbeit, politischen Tätigkeit und als Mitglied der Familie stellt, erwirbt sich ein hohes Ansehen. Das Verhältnis zum Ehepartner, zu seinen Kindern, die Wahrnehmung der erziehe­rischen Aufgaben als Vater oder Mutter tragen wesentlich zu der charakterisierten allgemeinen Autorität eines erwachsenen Menschen bei.

Gibt es den perfekten Menschen?

Der Mensch, der eine hohe Autorität besitzt, ist also keineswegs ein Superman oder eine überdurchschnittliche Frau, die ein asketisches Leben führt und frei ist von jedem Tadel. Auch sie werden in ihrem Leben mitunter so komplizierten Situationen gegenüberstehen, daß sie sich selbst Rat holen müssen, daß sie sich manchmal falsch verhalten, daß sie berechtigter Kritik ausgesetzt sind. Entscheidend für ihre Autorität wird sein, wie sie mit ihren Schwierigkeiten und Mängeln fertig werden.

Die Autorität des sozialistischen Menschen

Gewiß, selbst wenn man gegen seine Mängel angeht, wird man manchmal nach dem Wort handeln müssen, das Karl Marx für sich zu Recht in Anspruch nahm: ,,Geh deinen Weg und laß die Leute reden!“ Auch offenbaren wir schließlich unsere „inneren Kämpfe“, unsere Auseinandersetzungen und Probleme nicht stets einer breiten Öffentlichkeit. Wichtig bleibt: Derjenige hat wirkliche Autorität, genießt echtes Ansehen und Vertrauen, der sich als sozialistischer Mensch erweist, bei dem Wort und Tat eine Einheit bilden.

Die spezielle Autorität

Obwohl mancher keine allgemeine Autorität besitzt – weil er es beispielsweise für „unter seiner Würde“ hält, an den Problemen Anteil zu nehmen, die seine Nachbarn interessieren –, so kann er durchaus auf einem speziellen Gebiet eine Autorität darstellen, als sie anerkannt sein. Der Fachmann in seinem Beruf, ob als Maurer, Arzt oder Wissenschaftler, der Laienmusiker oder der Sportler, von deren Erfolgen man in der Zeitung liest, der stille und wenigen persönlich bekannte Briefmarkensammler, die nichtberufstätige Mutter, die zwar nicht in der Öffentlichkeit her­vortritt, aber ihre Kinder gut erzieht – sie alle brauchen nicht unbedingt allgemeine Autorität zu besitzen. Für einen engeren Kreis von Mitmenschen, für die Berufskollegen, für andere Musiker oder Sportler und Sportliebhaber, für Philatelisten oder auch für die Nachbarn sind sie aber die Menschen mit hervorrstechenden, anerkannten Eigenschaften.

Die Autorität von Kollektiven, Regierungen, Staaten…

Ähnlich wie beim einzelnen Menschen ist es auch mit Kollektiven, Menschengruppen, Regierungen, Staaten. In einem Wohngebiet kann eine ganze Hausgemeinschaft Ansehen genießen, weil sie stets den Vorgarten pflegt, das Haus einen sauberen Eindruck macht, als Gemeinschaft in der Öffentlichkeit in Erscheinung tritt. Eine Brigade der sozialistischen Arbeit, die anderen Brigaden des Betriebes hilft, wird anerkannt, auf die Ansichten ihrer Mitglieder wird gehört, man versucht, ihr nachzueifern. Wenn eine Regierung die Interessen des werktätigen Volkes vertritt und ihren Bürgern ermöglicht, über die Geschicke des Staates mit­zubestimmen, wird sie geachtet, besitzt sie Autorität. Selbst wenn noch nicht sofort alle Bürger begreifen, daß ein anspruchsvoller Staat, nämlich der, der seine Bürger für das Mitdenken und Mithandeln zu gewinnen trachtet, ein guter Staat ist, wird seine Autorität wachsen. …


2. Autoritäten im Erziehungsprozeß

Im Erziehungsprozeß spielt die Autorität eine große Rolle. Wenn jeder Erzieher allgemeine Autorität besäße, so wäre das eine gute Voraussetzung dafür, daß sich zwischen pädagogischer Führung und Selbsttätigkeit ein rechtes Verhältnis entwickelte. Aber im Leben ist es manchmal nicht so. Auch Erzieherpersönlichkeiten werden nicht geboren. Ma­kárenko – der bekannte sowjetische Pädagoge – sagte einmal, daß es nur recht wenige „pädagogische Naturtalente“ gäbe, auf ihr Vorhandensein könne man sich nicht verlassen. Aber jeder könne pädagogische Meisterschaft erwerben, wenn er es wirklich will, das heißt an sich arbeitet.


3. Die fragwürdige Autorität des Kapitalismus

Die bürgerliche Jugend empört sich zwar häufig gegen die Eltern und ihre Moralauffassungen, aber sie wird rasch gezähmt. Es sollte dabei nicht vergessen werden, daß die Kriege es den herrschenden Klassen ermöglichten, noch drakonischere Maßnahmen als in Friedenszeiten anzuwenden, um das Aufbegehren der gesamten Jugend gegen veraltete, verkitschte Ideale auf den „äußeren Feind“ zu lenken, die mit Orden und Erschießungen zu disziplinieren. Die revolutionäre Arbeiterbewegung, die eine moralisch saubere Welt ohne Krieg und Ausbeutung erstrebt, wurde dagegen als Verbündete des äußeren Feindes verketzert und verfolgt.

a) Die soziale Protestbewegung der Jugend

Die proletarische Jugendbewegung als Teil der revolutionaren Arbeiterklasse richtete den Protest der Jugend auf wirklich ver­änderbare Zustände. Nicht der Kaiser, die Monopole, der Staat galten als anerkennenswerte Autoritäten, obwohl sie mächtig waren, sondern die Arbeiterklasse selbst, ihre revolutionäre Vorhut und deren Führer, die den Weg aus der Not in eine bessere Zukunft zeigten. Dieser Kampf begeisterte einen großen Teil der Jugend. Sie richteten ihre Kräfte auf Ziele, die im Interesse der ganzen Menschheit liegen. So verschmolz der Kampf um die sozialistische Gesellschaft mit dem Kampf für Humanismus.

Die jungen Arbeiter standen zumeist an der Seite ihrer Väter und nicht gegen sie. Für den jungen Arbeiter, für den Jugendlichen und auch das Kind lag in diesem Klassenkampf, der die „Lokomotive der Weltgeschichte“ darstellt und viele Opfer forderte, natürlich auch ein Stück Romantik. Gewiß wurden ausschließlich ro­mantisierende, abenteuerlustige Menschen bald enttäuscht. Abenteurer gefährdeten diesen Kampf und seine Erfolge. Es galt, harte Disziplin, Ruhe und Sachlichkeit zu üben und zu beweisen. Wer Großes leisten wollte und geleistet hat, brauchte Kühnheit und Kämpfertum.

b) Klassenkampf – als die DDR noch existierte

Unter den Bedingungen der entwickelten sozialisti­schen Gesellschaft hatte der Klassenkampf völlig andere Formen. Der Klassenfeind hatte in der DDR nichts mehr zu sagen. Die Ausbeuterklasse hatte sich ihren eigenen, den anderen deutschen Staat geschaffen – die BRD. Damit mußten wir in der DDR uns ständig auseinandersetzen. In der BRD gab es wie eh und je Klassengegensätze, aber solange die DDR noch existierte, mußte der Kapitalist im Westen sich menschlich geben, mußte soziale Zugeständnisse machen, nicht zuletzt, weil unser Staat, die DDR, als reales Vorbild sozusagen mit am Tisch saß, wenn es im Westen galt, Forderungen der Arbeiterklasse durchzusetzen. Offene Formen der Ausbeutung wurden durch verstecktere Formen ersetzt. Auch im monopolkapitalistischen Staat suchte die Jugend nach neuen Autoritäten, doch sie fand wiederum nur die alten.

c) Klassenkampf – nach der Konterrevolution von 1990

Die von den Werktätigen der BRD erkämpften Lebensbedin­gungen, die von den Monopolisten auch unter dem Druck der Errungenschaften der sozialistischen Staaten gewährt werden mußten, benutzte die Monopolbourgeoisie lange Zeit zu einer „Wohlstandspropaganda“. Doch angesichts der erneuten Krisen­erscheinungen hat sie heute ihren Glanz stark eingebüßt. Es gibt ein Millionenheer ständiger Arbeitsloser (die Kurzarbeiter nicht mitgerechnet), eine riesige Lazarusschicht der ins gesellschaftliche Abseits gedrängten Sozialhilfe- und Hartz4-Empfänger, Geldentwertung, wachsende Altersarmut, Kriminalität und Drogensucht, insbesondere bei Jugendlichen und sogar schon bei Kindern, und es gibt ständige neue Kriege, an denen sich auch deutsche Rüstungsproduzenten wiedermal erheblich bereichern. Das alles bleibt nicht verborgen, auch wenn der äußere Schein die wahren Verhältnisse vernebelt, auch wenn schöne Fassaden, saubere Straßen und vielfältige Veranstaltungen den Anschein erwecken, dieses imperialistische Deutschland sei ein Hort der Zufriedenheit und der Demokratie.

d) Klassenkampf in der Gegenwart

Umso mehr hat sich in den letzten 30 Jahren der ideologische Klassenkampf verschärft. Es vergeht kein Tag, an dem die Massenmedien nicht auf die eine oder andere Weise ihre Hetze, ihre Lügen und Verleumdungen über die DDR verbreiten. Die fast krankhafte antikommunistische Propaganda hat nun auch die Europäische Union erfaßt. Mit schamlosen Lügen versucht man die Geschichte umzuschreiben, um die Völker Europas vergessen zu machen, wer von 1939 an fremde Länder annektiert hat, wer Österreich, die Tschechoslowakei, Frankreich und Polen besetzt und ausgeplündert hat, wer am 22. Juni heimtückisch und vertragsbrüchig die Sowjetunion überfiel. Es war der deutsche Imperialismus! Und wer hat 1945 Europa vom deutschen Faschismus befreit? Es waren nicht „die Amerikaner“, sondern es war die Sowjetunion, die den deutschen Faschismus besiegte!

e) Der deutsche Revanchismus

55 Millionen Tote hatte dieser grausamste und zerstörerischste zweite Weltkrieg zur Folge. Und nicht die Juden waren die ersten Opfer des Faschismus, sondern diejenigen, die schon immer gegen Kapitalismus, gegen Imperialismus und gegen den Faschismus gekämpft hatten: die Kommunisten! Und nur ein kleiner Teil dieser faschistischen Verbrecherbande wurde vom Nürnberger Gericht zur Verantwortung gezogen: Einige wurden erhängt, einige nahmen sich selbst das Leben. Ein großer Teil derer hatte jedoch die Flucht ergriffen und in Westdeutschland einen neuen Staat errichtet – einen Staat, in dem die Nazis wieder alle möglichen  Ämter und Posten besetzten: als Richter, Anwälte, Lehrer und Verwaltungsbeamte des Bonner Staates. Und alle  Konzernherren und  Kriegsprofiteure blieben ungeschoren und unbestraft. Im Gegenteil es begann die Remilitarisierung der BRD und der Ruf nach Revanche für einen verlorenen deutschen Aggressionskrieg.


4. Die Autorität des Sozialismus und der DDR

In unserer Schule, im Fernsehen und Rundfunk, in Zeitschriften , und Zeitungen unserer Republik wurden diese Bestrebungen der Monopolbourgeoisie entlarvt, wobei gewiß manches noch an­schaulicher und damit überzeugender hätte formuliert werden können. Doch auch die Eltern hatten hier eine bedeutsame pädagogische Arbeit zu leisten. Der Unterricht vermittelte den jungen Menschen bedeutende Erkenntnisse, die sie in die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung eindringen ließen. Sie konnten täglich in Theorie und Praxis erfahren, daß der Sozialismus zutiefst menschliche Beziehungen schafft.

a) Erkenntnisse, Einsichten und lösbare Widersprüche

Da aber noch mancher Widerspruch zwi­schen Theorie und Praxis gelöst werden mußte, und da noch nicht alle Jugendlichen genügend Möglichkeiten erhielten, an ihrer Lösung mitzuwirken, glaubten manche von ihnen, die gesellschaftswissen­schaftlichen Erkenntnisse seien nicht voll gültig. Sie unterschät­zten auch die Gefährlichkeit des deutschen Imperialismus und Militarismus.

Natürlich wußten sie, daß wir viel ungünstigere Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung hatten als die BRD, daß die DDR ein rohstoffarmes Land war und viele Führungskräfte für· Staat, Wirtschaft und Kultur erst ausbilden mußten. Sie hatten auch davon gehört, daß die Gegner und Feinde der DDR bis 1961 die offenen Grenzen ausgenutzt und den sozialistischen Aufbau gestört hatten, wo irgend sie nur konnten.

Sie lernten, sahen und erlebten, daß die DDR trotzdem zu den ersten zehn In­dustriestaaten in der Welt gehörte, und daß sich hier ein wahres Wirt­schaftswunder vollzogen hatte. Sie registrieren und nutzten erfreut jeden Schritt vorwärts, doch manches blieb für sie noch Theorie. Hier ge­nügten nicht Erklärungen; wir mußten sie mit Aktivitäten der Her­anwachsenden in den Klassen- und Schulkollektiven, in Arbeits­gemeinschaften und im Wohngebiet, nicht zuletzt in der Familie verbinden.

b) Opportunisten und heimliche Kritiker

Auch mancher Erwachsene verhielt sich selbst noch widersprüch­lich. Die notwendige Revolution in den Köpfen war innerhalb von drei Jahrzehnten nicht bei allen Menschen zu erreichen. So wirkten noch nicht alle Erwachsenen im Sinne der sozialistischen Erzie­hungsziele. Ja, Eltern, die sich von traditionellen oder gar reaktio­nären Auffassungen nicht frei machen konnten, verloren das Vertrauen der vom Sozialismus überzeugten Kinder; sie setzten ihre Autorität aufs Spiel.

Schon Dreizehnjährige antworten auf ent­sprechende Befragungen:
„Ich kann mich mit meinen Eltern über Staatsbürgerkunde gar nicht unterhalten. Darin haben sie keine Ahnung.“
„Es ist traurig, aber wahr, von Politik versteht mein Vati gar nichts. Es ist zum Davonlaufen. Sonst will er immer ein so moderner Mensch sein, aber da redet er wie die Großmutter, die noch glaubt, wir denken, die Kinder bringt der Storch.“

c) Die Autorität sozialistischer Persönlichkeiten

Wie glücklich lebten da die Kinder, die antworten konnten:
„Ich bin stolz auf meine Mutti. Früher interessierte sie sich ja für Politik nicht. Aber seitdem sie wieder im Betrieb ist, kann ich mit allem zu ihr kommen. Wenn sie etwas nicht beantworten kann, dann suchen wir beide, bis wir die Antwort gefunden haben. Das betrifft besonders auch die Politik.“
„Wir haben es dufte. Meine Eltern haben nicht viel Zeit, aber am Sonntag da reden wir über alles mögliche. Meine Eltern diskutieren so richtig politisch mit mir, und schon manchmal gaben sie mir zu, daß ich recht hatte. Unser Stabü-Lehrer (Lehrer für Staatsbürgerkunde) ist nämlich knorke, der weiß alles und kann es gut erklären. Meine Eltern sagen dann: ,So einen Lehrer hätten wir früher haben müssen.‘ „

Die Autorität der Eltern wurde außerordentlich gestärkt, wenn ein solches Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und ihren Kindern auch in politischen Fragen bestand und das Kind sich in einer mit ihm gleichgesinnten Umwelt geborgen fühlte. Einen Gegensatz oder gar eine Feindschaft zwischen den Generationen konnte es unter unseren gesellschaftlichen Verhältnissen in der DDR nicht geben.

d) War die Jugend in der DDR besser als früher?

In einer Aussprache mit leitenden Funktionären, Eltern von Lehrlingen und Jugendfunktionären eines Kalibergwerkes fragte ein alter Genosse, der sein Leben lang für den Sozialismus ge­kämpft hat:

,,Warum ist denn bloß die heutige Jugend so? Warum zieht sie nicht mit der Klampfe, meinetwegen mit Schlagzeug und Gitarre am Wochenende über die Dörfer, lädt dort die Jugend zu Tanz und zum politischen Gespräch ein, hilft sonntags, wenn in der Ernte Hochbetrieb ist? Warum gelingt es uns nicht, die paar Schreihälse von der Straße wegzuholen, die sich weder um Politik, noch um anständige Kleidung, noch um ihre Arbeit kümmern?“

Lenin sagte einmal, daß sich die Jugend „zwangsläufig auf anderen Wegen dem Sozialismus nähert, nicht auf dem Wege, nicht in der Form, nicht in der Situation wie ihre Väter“. Die Jugend findet aber nicht von selbst zum Sozialismus. Wenn in der Familie darauf geachtet wird, daß schon der zehnjährige Pionier beginnt, seine Zeitung „Die Trommel“* zu lesen, dann wird er als Fünfzehnjähriger gewiß eher zur „Jungen Welt“*  und als Erwachsener zum „Neuen Deutschland“* greifen, als wenn die Eltern selbst nichtregelmäßig Zeitung lesen und sich für politische Dinge interessieren.

*Anmerkung: sozialistische Zeitungen

5. Autorität und Erziehung in der Gegenwart

Wir leben heute im Kapitalismus. Für Jugendliche ist es heute kaum noch vorstellbar, wie das Leben in der DDR war. Zu viele Lügen und Verleumdungen werden von den sog. „DDR-Aufarbeitern“ gezielt und vorsätzlich über die DDR und den Sozialismus verbreitet, damit nur ja kein Gedanke daran aufkommt, es könnte eine bessere Gesellschaft als die gegenwärtige, eine bessere Zukunft überhaupt möglich sein. Manche Eltern und Großeltern haben allerdings den Sozialismus noch erlebt und können wahrheitsgemäß darüber berichten. Der Jugendliche muß wissen und fühlen, daß er den Eltern gegenüber wirklich offen sein kann, daß sich diese aber auch nicht aufdrängen oder ihn gängeln wollen.

a) Das offene Gespräch

Ein Jugendlicher erwartet keineswegs, daß allen seinen Auf­fassungen zugestimmt wird. Manche von ihm zur Schau getragene Sicherheit oder gar Frechheit ist tatsächlich der Ausdruck von Minderwertigkeitskomplexen, manche fest geäußerte Meinung eine noch längst nicht durchdachte Frage. Deshalb muß man sich auf Diskussionen einlassen, die eigenen Forderungen .sachlich begründen, die Auffassungen belegen. und nicht aufdrängen. Nicht Gewährenlassen ist hier angebracht, sondern pädagogische Führung. Sie wird dazu beitragen, daß das Pubertätsalter keine so komplizierte und von tausend Stacheln gekennzeichnete Zeit ist, sondern eine. besonders bedeutsame Phase der Persönlich­keitsbildung des Heranwachsenden. …

b) Persönliche Konflikte und ihre Lösungen

Trotz richtiger Erziehung der Eltern kann es aber zu starken Konflikten kommen. Wenn wirklich „etwas passiert ist“, damit müssen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern überlegen, wie man das Problem löst. Sie dürfen gerade dann ihre nun großgewordenen Kinder nicht allein lassen. Vieles läßt sich doch noch einrenken, da die Eltern größere Lebenserfahrung besitzen. Das stärkt zweifelsohne ihre Autorität, hier erweist sich auch die Elternliebe. Erst recht ist dann pädagogische Führung nötig. Freundschaft und Liebe sind bedeutsame Faktoren, die den Menschen in höchstem Maße beeinflussen. Sie können zu großen Taten beflügeln oder – nach anfänglich vielleicht schönen Erlebnissen – den Menschen hemmen und an seiner vollen Entfaltung hindern. Beziehen wir sie in unsere Erziehungsarbeit mit ein, so tragen wir zum Glück unserer Kinder bei.

Quelle:
Helmut Stolz: Autorität und Elternliebe“. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin1981, S.4-6, 39-43 und S.105-107 (bearbeitet und aktualisisert).

[1] Marx/Engels: Ausgewählte Schriften, Bd.I, Berlin 1952, S.603.

Literatur:
Lenin, W.I.: Werke, Bd.29, S.465.
Kalinin: Über die Erziehung zu kommunistischem Bewußtsein
Kurt Gossweiler: Die Fehler der KPD im Umgang mit dem Proletariat
Hans Eckart: Autorität des Lehrers. In: Pädagogische Enzyklopädie (2 Bde.), VEB Verlag Deutscher Wissenschaften, Berlin, 1963, Bd.1, S.80-82.
Petrów, N.A.: Autorität und persönliches Vorbild des Lehrersund ihre Bedeutung für die kommunistische Erziehung. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1954.
Makárenko, A.S.: Werke. Volk und Wissen Vollkseigener Verlag, Berlin, 1956 bis 1960.
Ehrhardt Gißke: Sozialistisches Bauwesen in der DDR

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2 Antworten zu Helmut Stolz: Autorität und die Erziehung der Jugend

  1. Rolf schreibt:

    Hallo Sascha!

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Beitrag.
    Gerade in der Zeit der heutigen „antiautoritären Erziehung“ – jeder macht was er will – ist es sehr wichtig, diesen Entwicklungsweg aufzuzeigen. Die sozialistischen Zeiten sind zwar erst mal vorbei, aber das Wissen und die Errungenschaften sollte man unbedingt beibehalten und weiterleben.
    Wenn die Alten ihren Weg standhaft beschreiten und diese Dinge mit Vorbild an die Jugend vermitteln, dann können wir voller Optimismus in die Zukunft schauen.

    Rolf

    • sascha313 schreibt:

      …eine Lehrerin hat mir mal erklärt: es gibt auroritäre Erziehung, demokratische Erziehung und laissez-faire-Erziehung! Klar, daß die heute sowas in den Schulen und an den Universitäten erzählen. Das ist schwarz-weiß-Malerei. Da spielt nämlich die sozialistische Erziehung keine Rolle mehr.

      Und was können wir eigentlich „weitergeben“? Einen Haufen „verstaubte Bücher“ zu lesen, wo man nicht weiß, womit man beginnen soll, das wird von den jungen Leuten wohl keinen vom Hocker reißen. Gut – wir können Anregungen geben, können zum Lesen ermutigen. Aber wer nicht von sich aus lernen will, der bleibt immer Knecht…

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