Er wurde ermordet…

gorkii

Maxim Gorki (1868-1936)

Jedes Schulkind in der DDR kannte den Namen des großen russisch-sowjetischen Dichters Maxim Gorki. Unvergessen sind seine Werke „Das Nachtasyl“ (1902), „Die Mutter“ (1907) oder „Meine Universitäten“ (1923), in denen er offen Partei ergreift für die Kommunistische Partei der Bolschewiki. Das Studium des Marxismus und die Teilnahme am revolutionären Kampf an der Seite Lenins und Stalins ließen ihn in der Arbeiterklasse die führende Kraft seiner Zeit erkennen. Gorkis literarische Antwort auf die Niederlage der Revolution von 1905 war sein Roman „Die Mutter“. In ihm hatte er nicht nur die Lehren aus dem gescheiterten Aufstand gezogen, mit diesem Buch legte er auch das erste große Werk des sozialistischen Realismus vor. Er leitete damit eine neue Epoche in der Weltliteratur ein. Mit der Niederschrift des Romans begann Gorki, während seines Aufenthaltes in den USA im Sommer 1906 und beendete sie im Herbst des gleichen Jahres in Italien.

Kurz zuvor hatte Lenin in dem Aufsatz „Ein neuer Aufschwung“ (Mai 1906) die Schlußfolgerungen aus der Revolution des Jahres 1905 gezogen. Er sagte unter anderem:

„Vor der Partei der Arbeiterklasse erhebt sich eine sehr ernste, unaufschiebbare und grundlegende Aufgabe. Alle unsere Gedanken, alle Anstrengungen, unsere ganze propagandistische, agitatorische, organisatorische und unmittelbar praktische Arbeit müssen wir darauf richten, daß das Proletariat und die Bauernschaft zu dem neuen Entscheidunga­kampf besser gerüstet sind.“ [1]

Ein Buch zur rechten Zeit

Deshalb be­zeichnete Lenin in einer Unterhaltung mit dem Dichter während des illegalen Parteitages der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands im Jahre 1907 in London den Roman „Die Mutter“ als „ein Buch sehr zur rechten Zeit“. Er hatte es bereits im Manuskript gelesen und hielt es für die Arbeiter von besonderem Nutzen, weil vielen beim Lesen des Romans ihre anfangs mehr spontane Teilnahme am revolutionären Kampf nun besser bewußt werden könnte. [2]

Die Siegeszuversicht Gorkis

Dieses Urteil Lenins hat bis auf den heutigen Tag unveränderte Gültigkeit behalten. In den ver­gangenen Jahrzehnten sind viele Generationen proletarischer Kämpfer und Revolutionäre durch dieses Buch ermutigt und gefestigt worden. Die Siegeszuversicht Gorkis, die ein Jahrzehnt nach dem Erscheinen des Romans durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution bestätigt wurde, übte auch auf Bertolt Brecht einen tiefen Eindruck aus. Er wurde angeregt, den Roman ,,Die Mutter“ als Grundlage einer freien dra­matischen Bearbeitung zu wählen.


Alexander Roskin

Maxim Gorki

Im März 1938 sollte vom ganzen Lande der siebzigste Geburtstag des großen Schriftstellers gefeiert werden. Gorki erlebte diesen Tag nicht mehr … Am 18. Juni 1936 hörten die Rundfunkhörer in den entferntesten Winkeln der Welt die getragenen Klänge des Trauermarsches von Beethoven. Und der Sprecher teilte in einer für sie unbekannten Sprache irgend etwas mit. Ein einziges Wort in dieser Mitteilung war den Hörern einer beliebigen Nationalität und eines beliebigen Landes ver­ständlich, wie die Klänge des Beethovenschen Marsches einem jeden verständlich waren.
Dieses Wort war – Gorki…

Ein großer Verlust für die Menschheit

Der Moskauer Sender teilte den Tod des großen Schrift­stellers des Sowjetlandes mit. Zwei Tage später wurde die· Urne mit den sterblichen Überresten Gorkis auf einem hohen Postament vor dem Lenin-Mausoleum aufgestellt, und W. M. Molotow hielt seine denkwürdige Rede: .

„Indem wir uns heute von Alexej Maximowitsch Gorki verabschieden, wir, seine Freunde und unzähligen Leser und Verehrer, haben wir das Empfinden, als versinke ein strahlendes Teilchen unseres eigenen Lebens für immer in die Vergangenheit. Millionen von Menschen durchdringt in diesem Augenblick dieses Gefühl. So tief in unse­rer Seele verwurzelt und unmittelbar nah waruns Gorki, den Menschen unserer Epoche …
… Die Arbeiter und alle Werktätigen sehen in Gorki sich selbst, ihren Mann, ihr Leben – ihr eigenes Schicksal, ihre Zukunft. Daher haben die Werktätigen unseres Lan­des und anderer Länder Gorki so geliebt, daher lieben sie ihn und werden ihn immer lieben.
… Die Größe Gorkis liegt darin, daß sein heller Ver­stand, seine Nähe zum Volk und seine gigantische, selbst­lose Arbeit für die Erringung der Kulturwerte der Mensch­heit ihn zum uneingeschränkten Freund der Werktätigen und zum großen Inspirator im Kampf um die Sache des Kommunismus gemacht haben.
Bis zu seinem letzten Atemzug hat Gorki in seinen Ge­fühlen und seinen Gedanken mit denen zusammengelebt, die jetzt mit so viel Begeisterung die neue sozialistische Gesellschaftsordnung unter der Führung der Partei Lenins und Stalins aufbauen. Seine Augen haben bis zum Ende seiner Tage im Feuer des Kampfes und der Unversöhn­lichkeit gegenüber den Feinden der Werktätigen, gegen­über den Faschisten und allen andern Ausbeutern, gegen­über den Unterdrückern der Kultur und den Kriegs­brandstiftern gefunkelt.“

Maxim Gorki – ein Kämpfer für das arbeitende Volk

Das Leben Gorkis war das Leben eines Kämpfers um die Befreiung des Volkes. Schon vor langer Zeit, in den vorrevolutionären Jahren, hatte Gorki wunderbare Worte darüber geschrieben, daß der Schriftsteller das „matte Silber“ seines Talentes an­spitzen, ihm die Festigkeit von Stahl verleihen müsse, um den Feind damit zu treffen. Er war ein großer Künstler des Wortes von Weltruf, der den Weg für die proletarische Revolution ebnete.

Vom russischen Zarismus verfolgt

Es ist kein Zufall, daß die ersten Schritte Gorkis auf dem Gebiete der Literatur zeitlich zusammenfallen mit den er­bitterten Verfolgungen des jungen Schriftstellers von Sei­ten der zaristischen Regierung. In der Zeit, da die Erzäh­lungen Gorkis von einer Redaktion in die andere hinüber­wechselten, wechselte ihr Autor aus der Strafanstalt von Nishnij nach dem Schloß von Metech hinüber, von dort wieder zurück in die Strafanstalt, aus der Strafanstalt von Nishnij in die Arsamasser Verbannung und von da in die Peter-Pauls-Festung.

Unermüdliches Wirken für eine neue Welt

In den sowjetischen Jahren schrieb Gorki Romane und Stücke, Erzählungen und Artikel, er hielt Reden, redigierte Zeitschriften und Bücher, unterhielt sich mit einer Reihe von einfachen sowjetischen Menschen, sorgte sich um wissenschaftliche Institutionen, korrespondierte mit Freun­den der Sowjetunion im Westen, und der Sinn dieser un­geheuren, unermüdlichen Arbeit von Gorki war schließ­lich einzig und allein: eine neue Welt aufzubauen. Doch Gorki wußte genau, daß neben der neuen Welt noch die alte Welt existiert, die Welt der Gewalt, der Hab­sucht und des Blutes.

Eindringliche Warnungen vor dem Faschismus

Und Gorki erinnerte unermüdlich an die Feinde, die Sowjetrußland von allen Seiten umgeben, an die Faschisten, an die Anstifter einer neuen Menschenschlächterei und an die, die nichts als Helfershelfer der Faschisten sind. Er führte treffsichere, schonungslose Schläge gegen sie. Er schrieb schlichte, wahre Worte, und sie fanden ihren Weg zu den Herzen einzelner Menschen und ganzer Völker.

Ein „Krebsgeschwür“ an der faulenden bürgerlichen Kultur

Gorki bezeichnete den Faschismus als „das Krebsge­schwür an der faulenden bürgerlichen Kultur“, er schrieb über ihn, er sei ein System zur Vernichtung des Proleta­riats durch die Kapitalisten.Mit dem großen Zorn eines Schriftstellers und Revo­lutionärs kennzeichnete Gorki den Faschismus als „Ausleseorganisation der gemeinsten Schufte und Schurken“. Er erklärte den Menschen der Wissenschaft und der Kunst im Westen, der gesamten Intelligenz der Welt, daß der Kampf gegen den Faschismus entschlossen und scho­nungslos sein müsse. „Raubtiere kann man nicht mit schönen Reden von ihrem Wahnsinn heilen, Tiger und Hyänen fressen keinen Ku­chen“ – so bemerkte Gorki in einem seiner Artikel.

Gorki warnte vor dem faschistischen Überfall

Gorki sah genau voraus, daß der Faschismus den Ver­such nicht unterlassen würde, die Sowjetunion zu über­fallen. Und er wollte, daß jedes von einem sowjetischen Schriftsteller geschriebene Buch zu einer Waffe im kom­menden Kampfe würde. Kurze Zeit vor seinem Tode schrieb Gorki an die Re­daktion der „Prawda“:

„Die Entlarvung der faschistischen Brandstifter – ich brauche Ihnen nichts darüber zu schreiben – ist im Augen­blick äußerst wichtig. Ich billige voll und ganz Ihren Vorschlag zur allgemei­nen Verbreitung des Buches ,Feldzüge in der Taiga‘. Sol­che Erzählungen mobilisieren das Volk … Das Sowjetvolk muß wissen, daß schlecht bewaffnete, doch von heißer Liebe zur Heimat erfüllte Partisanen die japanischen Interventen geschlagen haben. Man muß die Herausgabe der Sammlungen über die deutsche und die polnische Okkupation beschleunigen. Ein Bild des Kampfes um Perekop muß herausgegeben werden … Man muß sich beeilen, es bleibt nur noch wenig Zeit.“

Faschisten, Landesverräter und Trotzkisten haßten Gorki

Landesverräter, Agenten des Faschismus, Organisatoren der konterrevolutionären trotzkistischen Verschwörung gegen die Völker des Sowjetlandes sahen in Maxim Gorki einen ihrer gefährlichsten Feinde. Sie wußten, daß, solange Gorki lebte, seine Stimme zum Schutze. des Volkes, zum Schutze seines Rechtes, ein neues Leben aufzubauen, zum Schutze der Sowjetheimat er­tönen würde. Aus diesem Grunde beschlossen die Verschwörer und Verräter des Volkes, die Organisatoren des antisowjeti­schen „trotzkistischen Blocks“, Gorki „wegzuräumen“, so, wie sie beschlossen hatten, die besten Menschen des Sowjet­landes, die großen Kämpfer um die Befreiung der Mensch­heit, „wegzuräumen“. Mit Hilfe gemeiner Giftmischer­ärzte töteten sie Gorki.

Millionen Menschen auf der Welt trauerten um Gorki

Der siebzigste Geburtstag des großen russischen Schrift­stellers wurde schon nicht mehr mit Gorki zusammen, sondern vor dem Schild gefeiert, das die in die alte Kreml­mauer eingelassene Urne birgt. Auf dem Schild sind zwei Daten eingeschnitten – das Geburts- und das Todesdatum Gorkis. Doch bei großen Männern wie Lenin und Gorki gibt es, wie Alexej Tolstoj bei der Trauerversammlung auf dem Roten Platz sagte, nur ein Datum: das der Geburt.

Die revolutionäre Sache wird siegen!

Man kann dem russischen Volk weder Alexander Pusch­kin noch Wladimir Lenin noch Maxim Gorki nehmen, wie man niemals dem russischen Volk seine Ströme, seine Steppen, seine Wälder, seine Lieder und seine Freiheit nehmen kann. Und so, wie in ihm die Poesie Puschkins lebt, so lebt auch die revolutionäre Sache Lenins, und so lebt und wird unter ihm der Traum und der Zorn Gorkis leben. Diesen Zorn, den Zorn eines Volkes, das seiner Zukunft sicher ist, das aber alles das zu hassen versteht, was auf diesem Wege in seine Zukunft entgegensteht, hat Gorki sehr gut ausgedrückt, indem er schrieb: „Wenn der Feind sich nicht ergibt – wird er vernichtet.“ Und alle Völker der Sowjetunion haben diese Worte ausgesprochen als Todesurteil für die, die Gorki getötet haben.

Ende

Quelle:
Alexander Josefowitsch Roskin (1891-1941): Maxim Gorkij. SWA-Verlag Berlin, 1948, S.149-154.

[1] W.I. Lenin: Ein neuer Aufschwung. In: Werke, Dietz Verlag Berlin, 1958, Bd.19, S.395
[2] Vgl. Maxim Gorki: Wladimir Iljitsch Lenin. In: Literarische Porträts. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1966, S.7/8

Woroschilow-Gorki-Stalin

Drei Freunde: Woroschilow, Gorki und Stalin

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4 Antworten zu Er wurde ermordet…

  1. giskoe schreibt:

    Erste Pflichtliteratur in der 11. Klasse der EOS: „Die Mutter“. Diesen Wälzer hatte ich in den Sommerferien 1974 verschlungen.

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