Peter Schreier (1935-2019)

Hier ist eine Aufzeichnung von Schuberts „Winterreise“ aus dem Puschkin-Museum in Moskau mit dem kongenialen sowjetischen Pianisten Swjatoslaw Richter. Niemals habe ich etwas Besseres, Berührenderes gehört!

Kammersänger Peter Schreier, war eine hervorragende Künstlerpersönlichkeit, und nicht nur in seinem Heimatland, der DDR, sondern im Musikleben der ganzen Welt bekannt. Und er war auch nicht ein „Opernstar“ und schon gar nicht „der Fischer-Dieskau der DDR“ (wer ist das überhaupt?), wie Boulevarzeitungen ihn beschreiben. Nein – Peter Schreier war einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre des vergangenen Jahrhunderts.

Er war ein Ausnahmetalent. Unter hundert Sängern konnte man ihn heraushören. Nicht nur als Oratoriensänger, als einfühlsamer Liedinterpret, sondern auch als glänzender Operntenor und nicht zuletzt als Dirigent und Hochschullehrer machte Peter Schreier von sich reden. Aber nicht in einer Weise wie viele andere „Berühmtheiten“ der Musikgeschichte, sondern allein durch sein Können. Peter Schreier war Nationalpreisträger der DDR und Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Gold.

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Peter Schreier wurde in Meißen  als Sohn eines Kantors und Lehrers geboren. Bereits als Sängerknabe im Dresdner Kreuzchor wurden ihm solistische Aufgaben übertragen, u.a. die Altpartie in den Bachschen Oratorien. Nach dem Abitur studierte er Gesang an der Dresdner Musikhochschule bei Herbert Winkler und Johannes Kemter, Dirigieren bei  Ernst Hintze und Chorleitung bei Martin Flämig. 1959  gab Schreier sein Bühnendebüt als „1. Gefangener“ in Beethovens Fidelio.  Zwei Jahre später wurde er als Ensemblemitglied in die Dresdner Staatsoper aufgenommen und brillierte als Belmonte in Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“.

Es folgten ein Gastvertrag an der Berliner Staatsoper, und 1966 kam schließlich auch der internationale Durchbruch mit der Partie des jungen Seemanns in Wagners „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen.

Peter Schreier hatte sich seit Beginn seiner Laufbahn als hervorragender Mozart-Tenor und Bach-Interpret einen Namen gemacht. Er betrachtete die Mozart-Partien zwar als Kernstück seiner Arbeit, war daneben aber immer wieder durch hervorrganede Interpretationen des romantischen Liedschaffens hervorgetreten. Nach 1979 engagierte sich Peter Schreier auch als Dirigent. Berühmt waren seine Aufführungen der Bachpassionen, in denen er die Rolle des Dirigenten ebenso übernahm wie die des Evangelisten. Konzerte mit der Dresdner Staatskapelle, den Wiener Symphonikern, dem Mozarteum-Orchester Salzburg und vielen anderen bedeutenden Klangkörpern machten ihn zu einem vielbeschäftigten Dirigenten.

Dem Förderverein Musikaktiv Greiz war es nach längeren Vorverhandlungen gelungen, Peter Schreier für das Konzert gemeinsam mit dem Pianisten Alexander Schmalcz zu gewinnen. Das Konzert wurde zu einem unvergeßlichen Erlebnis.


Die Kulturstadt Dresden

Dresden, die Heimatstadt von Peter Schreier, ist reizvoll im Elbtalkessel gelegen. Sie war, als Bezirksstadt der DDR, nicht nur ein bedeutendes Zentrum der Arbeiterklasse und der Intelligenz, der Industrie und Wissenschaft, sondern auch der Kunst  und Kultur und des Tourismus. Am 13. Februar 1945 – Peter Schreier war damals fast 10 Jahre alt – erfuhr die Stadt den verheerendsten Einschnitt in ihrer Geschichte. In einem verbrecherischen Luftangriff warfen anglo-amerikanische Bomber fast eine Million  Spreng- und Brandbomben auf die Stadt und zerstörten die Innenstadt völlig.

Es starben 35.000 Männer, Frauen und Kinder, von den vorhandenen 220.000 Wohnungen wurden  75.000 völlig  zerstört und weitere 100.000 beschädigt. 114 öffentliche Gebäude, 40 Krankenhäuser und Kliniken. 68 Kulturstätten wurden vernichtet. Bekannte kulturhistorische Bauten, wie das Dresdner Schloß und das Taschenbergpalais, 20 Kirchen und 8 Kapellen sanken in Schutt und Asche. Der Zwinger und die Hofkirche wurden schwer beschädigt, 70 Prozent der Industrieanlagen zerstört.

Jahrhundertealt ist die Tradition Dresdens als Kunst- und Musikstadt, als Heimstätte weltberühmter Klangkörper: der Staatskapelle, die 1988 ihr 450jähriges Bestehen beging, der 1980 gegründeten Philhamonie sowie des über 780 Jahre alten Kreuzchores. Ein Höhepunkt in der an Traditionen reichen Musikgeschichte Dresdens war die Wiedereröffnung der Semperoper am 13. Februar 1985, 40 Jahre nach der barbarischen Zerstörung der Stadt. Dieses im alten Glanz neu erstandene Opernhaus dokumentiert den hohen Rang  der Denkmalpflege in der DDR und die bedeutsame Förderung der Kunst durch den sozialistischen Staat. In der DDR erfuhr die Pflege der kulturellen und künstlerischen Traditionen stets eine hohe Wertschätzung. So war und blieb zeitlebens  die DDR und insbesondere Dresden die geliebte Heimat von Peter Schreier…


Übrigens und ganz nebenbei – auch das ist Dresden: Rote Bergsteiger wurden Kommunisten und Arbeitersportler genannt, die in der Zeit des Faschismus gefährdete Antifaschisten in die ČSR schleusten und in einer Berghöhle der Sächsischen Schweiz antifaschistische Flugblätter herstellten. (in Erinnerung an Herrn Lippmann, unseren Erzieher im Wohnheim!)

Quelle: Die DDR im Spiegel ihrer Bezirke, Dietz verlag Berlin , 1989, S.68-89 (Auszüge).

Siehe auch:
Dresden: Wie die DDR die Schätze der Weltkultur pflegte
Warum wurde Dresden zerstört?

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11 Antworten zu Peter Schreier (1935-2019)

  1. giskoe schreibt:

    Danke für diesen Nachruf.

    • sascha313 schreibt:

      Ich hab’s mal noch ein bißchen ergänzt. Irgendwo habe ich wohl auch noch sein 1983 erschienenes Büchlein „Aus meiner Sicht – Gedanken und Erinnerungen“…

      • giskoe schreibt:

        Eigentlich gab es in fast jedem DDR-Haushalt eine Peter-Schreier-Schallplatte, und wenn es die „Peter-Schreier-singt Weihnachtslieder“ war.

  2. karovier schreibt:

    Auch von mir ein herzliches Dankeschön!

  3. karovier schreibt:

    Hat dies auf karovier blog rebloggt und kommentierte:
    Nachruf von Sascha’s Welt für den Kammersänger, Nationalpreisträger der DDR und Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Gold, Peter Schreier, der am ersten Weihnachtsfeiertag in seiner Heimatstadt Dresden nach langer Krankheit verstarb.

  4. prkreuznach schreibt:

    Hat dies auf Was war die DDR ? rebloggt und kommentierte:
    Ein Nachruf auf den bekannten Opernsänger Peter Schreier. Dessen Heimat war die DDR.

  5. Danke für den Nachruf. Mögen die, die ihn kannten, nicht allzu traurig sein. Und mögen die, die ihn nur als Kommunisten und Künstler kannten, ihn in guter Erinnerung behalten. (Seht es mir nach, wenn es unpassend war: Ich habe das Kondolieren nie erlernt und mich möglichst von Beerdigungen ferngehalten.)

  6. sascha313 schreibt:

    Danke für’s „Rebloggen“ – vielleicht ist es aber besser, immer den gesamten Beitrag zu übernehmen… (man weiß ja nie!)

  7. Pingback: Aus der Geschichte Dresdens (1919 – 1956) | Sascha's Welt

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