Die anhaltende Revolte in Chile

flaitesSeit Mitte Oktober 2019 wird in Santiago de Chile jeden Freitag demonstriert. Im ganzen Land wurden dutzende Einkaufszentren abgefackelt, hunderte Polizeireviere niedergemacht, ebenso Büros, Hotels, Banken. Neue soziale Akteure, fern der Parteien und Institutionen, haben die chilenischen Eliten in Angst und Schrecken versetzt. Sie fordern ein neues Gesellschaftsmodell. An den Wänden steht: „Chile war die Wiege des Neoliberalismus und wird hier beerdigt werden“.  Es sind die „flaites“ – die an den unteren Rand der Gesellschaft gedrängten Bevölkerungsschichten. Aber sie sind keine „Lumpenproletarier“ wie Karl Marx die Kleinkriminellen, Zuhälter, Gauner, Tagediebe* nannte. Es sind  Protestierende aus allen Landesteilen, Studenten, Lehrer, Arbeiter. Sie alle haben keine Führung, aber sie wollen alle das gleiche: Weg mit dem ungerechten Ausbeutersystem! Und: „Die ,Kommunisten‘ (KP Chile) verhalten sich widersprüchlich“ (!) sagt ein Teilnehmer. Also sind es keine Kommunisten, sondern Opportunisten!

Niemand hatte das vorausgesehen, auch nicht die radikale Linke, die gegen die Diktatur bewaffneten Widerstand geleistet hatte. Diese neuen Akteure werden „flaites“ genannt, ein Schimpfwort, am ehesten zu übersetzen mit: Proleten. Es sind Jugendliche aus den Vorstädten oder vom Land ohne Bildung und ohne Zukunft, ausgeschlossen von Sozialprogrammen und den „Wohltaten“ der Marktwirtschaft. Sie kümmern sich nicht um die politisch korrekte Sprachregelung, sind keine Veganer und haben, auch wenn viele Frauen auf den Barrikaden sind, mit traditionellen Feministinnen wenig zu tun. Obwohl sie die Medien als „Chaoten“ und „Randalierer“ bezeichnen, läßt sich die chilenische Mittelschicht nicht abschrecken. Die jungen Leute kämpfen auch für sie, sprechen sie den Journalisten in die Mikrophone. Im Andenstaat ist die Geduld am Ende.

  • Als Lumpenproletarier bezeichnete Karl Marx „…Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Lazzaroni, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Maquereaus*, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen la bohème nennen;…“
Quelle: Karl Marx: „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“. In Marx/Engels: Werke, Dietz Verlag, Berlin, 1960,  Bd.8, S.161. (Maquereaus = Zuhälter)

Dieser Film entstand ohne Finanzierung von dritter Seite; Spenden über Paypal: gaby.weber@gmx.net

Was gibt es eigentlich für ein „neues Gesellschaftsmodell“? Es gibt kein „Modell“. Es gab noch nie eins! Allerdings gab es bis 1989 den real existierenden Sozialismus – in der DDR und in den anderen Ländern der sozialistischen Staatengemeinschaft. Die einzige Alternative zum Kapitalismus ist also der SOZIALISMUS. Das sollten doch auch in Chile wenigstens  die Kommunisten wissen! Und allen, die es noch nicht wissen, sei hiermit nochmals das Manifest der Kommunistischen Partei empfohlen!

Siehe auch:
1,2 Millionen Menschen in den Straßen von Santiago de Chile!!!
Lateinamerika und die reaktionäre Rolle der USA

Und: Lenin „Anarchismus oder Sozialismus“

 

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Internationale Solidarität veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Die anhaltende Revolte in Chile

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Gabi Weber ist eine journalistische Wucht !
    Kommt viel zu selten in den alternativen Medien in diesem Land vor.
    Mag daran liegen, dass sie schwerpunktmäßig in Lateinamerika aufdeckend und brillant unterwegs ist. Eine sehr gute Idee, dass Video hier zu veröffentlichen.

  2. Eine Kritik.

    Aus „heutiger“ ‚Sicht‘ empfinde ich den Begriff Lumpenproletarier, der so unterschiedliche Menschen gleichsetzt ‚ganz schön hart‘!
    Waren denn nicht viele, die an der bürgerlichen Revolution 1848/49 teilgenommen hatten, nicht auch aus Zuchthäusern entlassen worden? Und wie kann sich angemaßt werden, einen entlaufenen Sklaven derart zu ‚verurteilen‘?

    ZITAT:
    Als Lumpenproletarier bezeichnete Karl Marx:
    „…Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Lazzaroni [A], Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Maquereaus*, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen la bohème nennen;…“
    Quelle: Karl Marx: „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“. In Marx/Engels: Werke, Dietz Verlag, Berlin, 1960, Bd. 8, S. 161. (Maquereaus = Zuhälter)

    [A] Lazzaroni: vom 17. bis 19. Jahrhundert die Bezeichnung der „Unterschicht“ der Menschen, die in und um Neapel ihr Dasein fristeten.

    Ich weiß selbstverständlich nicht, was die Franzosen des 19. Jahrhunderts unter la bohème verstanden haben; aber offensichtlich haben sie darunter doch wohl eher bloß eine Subkultur von intellektuellen Randgruppen gemeint, denn die bürgerlich idealistische Oper von Giacomo Puccini La Bohème (Uraufführung 1. Februar 1896 in Turin, Italien) stellt quasi alle „gescheiterten“ ‚Künstler‘, die irgendwie im „Lumpenproletariat“ überleben, als Bohème dar.

    Mir bleibt es zunächst ein Rätsel, wie Marx dazu gekommen ist:
    „…Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven mit Gauner, Gaukler und Lazzaroni Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Maquereaus*, Bordellhalter, und Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker und Bettler gleichzusetzten, da er doch Selber – Karl Marx – sich oft genug in seinem Leben in den gleichen Situationen befunden hat.

    • sascha313 schreibt:

      Wir hatten an anderer Stelle schon einmal darauf hingewiesen, daß Marx für die verarmten Schichten, die ausgebeuteten und hilflosen Teile der Bevölkerung den Begriff der Lazarusschichte verwendete.
      Siehe: Wolfgang Jantzen „Gemeinsam auf ein humanes Ziel“

    • Harry56 schreibt:

      Wenn wir den Sozialismus, frei nach einer Forderung von Engels, als eine WISSENSCHAFT betreiben wollen, die überlieferten Schriften, ihre wissenschaftlichen Arbeiten nicht wie GLÄUBIGE als „Heilige Schriften“ ansehen, so haben wir auch überhaupt keinen Anlaß, jedes Wort, jede Zeile von Marx und Engels, alle politischen Einschätzungen zur damaligen Zeit als ewige unveränderliche Wahrheiten, zeitlos gültig anzusehen.

      Nur ein schon etwas älteres Beispiel aus dem Jahre 1930 dazu. In jenem Jahr druckte eine sowjetische theoretische Zeitschrift einen Aufsatz von Engels zur auswärtigen Politik des russischen Zarismus ab. J,W.Stalin schrieb daraufhin einen Brief an die Redaktion dieser Zeitschrift und stellte darin klar, dass Engels’s Ausführungen zu diesem Thema unrichtig waren, er einige wichtige Punkte nicht gesehen hat, diese falschen Auffassungen im Jahre 1930 nicht mehr Gegenstand theoretischer Arbeit sein sollten, also überflüssig. (siehe Stalin-Werke) Weshalb sollten wir uns heute Marx seine damalige Definition, Beschreibung des Lumpenproletariats zu 100% zu eigen machen, papageienhaft endlos nachplappern?

      Müssen wir heute z.B. immer noch zur Beschreibung der Lohnabhängigen nur das Wort Proletariat benutzen, zur Beschreibung des wohlhabenden, fast alle ökonomische und politische Macht in den Händen haltenden Bürgertums bzw. Besitzbürgertums, das von Marx und Engels der französischen Sprache entlehnte Wort Bourgeoisie zur Beschreibung, Charakterisierung verwenden? Ist das heute, 2020(!) wirklich zweckdienlich? Selbstverständlich können wir auch heute den Begriff Lumpenproletariat weiterverwenden, müssen dabei aber immer klar definieren, auf welche Schichten der heutigen bürgerlichen Gesellschaft wir diesen Begriff konkret anwenden.
      So sehe ich das!

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Harry! Völlig richtig. Das Kommunistische Manifest ist freilich nicht „die Bibel“ – und wir sollten durchaus vermeiden, jeden Abschnitt Wort für Wort nachzubuchstabieren. Dennoch erweist es sich immer wieder als lehrreich, die Gedankengänge und Überlegungen der Klassiker in ihrem Zusammenhang nachzuvollziehen, Vergleiche anzustellen und auf ihre konkrete Bedeutung für die Gegenwart zu prüfen. Die Wahrheit ist immer konkret. Und auch wenn sich Begriffe und Definitionen im Laufe der Zeit ändern – fast immer verfälschen bürgerliche Bezeichnungen die Realität… Wie soll man nun die besitzende Klasse bezeichnen? …oder wie die lohnabhängige Klasse? Die Reichen und die Armen? Ohne Definitionen werden wir hier schwerlich auskommen.

        Um es noch einmal klar herauszuheben: Stalin sagte z.B. im Rechenschaftsbericht zum XVII. Parteitag 1934 „Nur unsere Partei weiß, welchem Ziel sie zusteuert, und führt ihre Sache erfolgreich vorwärts. Welchem Umstand verdankt unsere Partei diesen ihren Vorzug? Dem Umstand, daß sie eine marxistische Partei, eine leninistische Partei ist. Sie verdankt ihn dem Umstand, daß sie sich in ihrer Arbeit von der Lehre von Marx, Engels, Lenin leiten läßt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir, solange wir dieser Lehre treu bleiben, solange wir diesen Kompaß besitzen, Erfolge in unserer Arbeit haben werden.“ (SW, Bd.13, S.334)

        Ist es etwa falsch, diesen Ausspruch Wort für Wort zu wiederholen (auch wenn es heute in der BRD eine solche Partei nicht gibt)? Ist es etwa falsch, sich an Geist und Buchstaben der Lehre des Marxismus-Leninismus zu orientieren? …wo wir doch wissen, daß heute bei der Mehrheit der Menschen selbst die elementarsten Kenntnisse über den Marxismus-Leninismus abhanden gekommen sind! (P.S. Kannst Du bitte noch einmal nachschauen, wo Stalin dieses Beispiel zitiert hat?)

      • Lieber Genosse Harry56!

        Ich hatte nun einmal keinen anderen Lehrer als die Genossin Sascha313, die mich über ihren Blog in die Grundlagen des Sozialismus und die Marxistisch-Leninistische Philosophie einführte.

        Bevor ich mich das erste Mal in meinem Leben überhaupt mit dem, was ich für ‚Materialismus‘ hielt – vom Dialektischen Materialismus ganz zu schweigen! – beschäftigt habe, bin ich in einer durch und durch kapitalistisch-faschistischen Gesellschaft im Jahr 1962 in Hamburg geboren. …

        … und im Alter kurz nach meinem fünften Geburtstag hatten meine Eltern einen Freund, der in der Armee der BRD das MORDEN erlernte, zu uns eingeladen, der mir und meinen jüngeren Geschwistern was von Jesus QUATSCHTE und uns „Lieber Gott! Ich bin fromm, bis ich in den Himmel komm! und „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein“ *beibrachte“! Ich kenne diese beiden Sätze bis heute — als ob es gerade gestern Abend gewesen ist!
        Das war 1967.
        Zwölf Jahre später zogen meine Eltern wieder nach Hamburg und hatten bei dessen Frau ein paar Wochen Unterkunft!

        Dessen Frau erzählte meiner Mutter und mir, „was dieser Mensch“ in echtem DASEIN wirklich GETAN hat!!!: Er mißbrauchte SEXUELL nicht nur fremde Kinder, sonder VERGEWALTIGTE die Kinder, die ihm diese Frau geboren hatte!!!
        ———————————————————————-
        Im Alter von fünf Jahren wurde ich mit meinen Geschwistern (4) und (3) in Hamburg Altona aus einem Lager in der „Barnerstraße“ (in der Nähe der heutigen ‚Fabrik‘ einem Kultur- und Konzertzentrum) entführt. !!! Und zwar von KINDERN, die jünger als zehn Jahre waren!

        „Drei Kinder verschwunden“!!! Meine Eltern setzten „Himmel und Hölle in Bewegung“! Überall konnten wir Tatütata hören … selbst ein Hubschrauber kreiste über das Lager und über den Bereich des Altonaer Bahnhof.
        Nach FÜR MICH unendlichen STUNDEN brachten uns die kindlichen Entführer in das Lager zurück und die „Chefin“ – ein Mädchen acht bis zehn Jahre alt – mit ihrer „Gang-Begeleitung“ sagte: „Wir fanden die Kinder ganz verstört am Bahngleis der S1 !!!

        ALLES, was ich zu sagen hatte, WURDE vollkommen ausgeblendet!

        Es war dieser <i<JENER TAG, an dem ich jeden Respekt, JEDES VERTRAUEN!!! in meine Eltern, die „Menschen“ und die Polizei VERLOREN HABE!!!

        … und DIESES MIßTRAUEN „wurde mir auf einem menschlich “langen“ Weg ***leider*** stets bestätigt!

        Ich habe ERLEBT und ERFAHREN, was im Sprachgebrauch als WUNDER bezeichnet wird! … mit welchem „Wort“ soll ich denn das EREIGNIS beschreiben?

        Mein Bruder – also der Sohn meiner eigenen Mutter!!! –
        IST mit Anlauf im März 1983 aus seiner Wohnung im zweiten Stock durch das Fenster gesprungen!

        Dabei ist er FRONTAL mit dem Kopf auf den Bürgersteig aufgeschlagen!

        ER IST sofort TOT gewesen!!!

        Wie soll ich das vergessen können???

        Erst zwanzig Minuten später kamen Krankenwagen, Polizei und Notarzt !!!

        Ich WEIß nicht, was das Rettungsteam und der Rettungsarzt ‚gemacht‘ haben!

        Ich weiß nur, DAS HERZ meines Bruders fing wieder zu schlagen an!

        HALLO!!! 30 Minuten NACH seinem TODE!!!

        Schön dachte ich … aber MEIN BRUDER wird trotzt seiner Rettung BEHINDERT sein!
        — und BLEIBEN!!! —
        … und so war es auch!
        FÜR MICH WAR das TOTAL Schrecklich!:
        Mein Bruder hat überlebt! DOCH JETZT IST er ein „ewiger“ Krüppel! den ich in seinem Rollstuhl hin und her geschoben habe … !!!

        Er HAT ALLE seinn VERSUCHE sich Selber auszulöschen ÜBERLEBT!!!

        Weil ich nun einmal SEIN BRUDER BIN —
        WAS soll ICH denn DENKEN können???

        Solange der EINZELNE MENSCH Nicht begreift „Adam! Wo bist Du?“

        Kann das LEBEWESEN Mensch GENANNT SEIN EIGENES LEBEN NIEMALS verstehen!

  3. Harry56 schreibt:

    Kleine Korrektur. Dieser Brief von Stalin wurde 1934 verfasst. Die Erstveröffentlichung war dann aber erst 1941. Zu finden in Stalin-Werke, Band 14.
    Nochmals zur Sprache. Welcher Lohnarbeiter möchte sich heute gern als „Proletarier“ ansprechen lassen? Viele empfinden diese Bezeichnung als eine Herabsetzung ihrer Person, in ihren Augen beinahe der „Unterschicht“ zugeordnet, reagieren daher – psychologisch vollkommen verständlich – sehr schnell ablehnend. Daher bevorzuge ich lieber die Bezeichnung Lohnabhängige, auch nicht ganz schmeichelhaft, aber den Kern der Sache treffend!
    Und warum müssen wir ständig den französischen Begriff „Bourgeoisie“ verwenden, wo dieser doch exakt dem deutschen „Bürgertum“ bzw. Besitzbürgertum entspricht?
    Wollen heute, dank jahrzehntelanger Gehirnwäsche, nicht auch viele Lohnabhängige, Lohnknechte, Proletarier zum Bürgertum bzw. zur ominösen „Mittelschicht“ gehören? 🙂

    Ich denke, wir als „Sender“ müssen unbedingt auch auf die gegenwärtige „Konstruktion“, Verfassung unserer „Empfänger“ achten, so dass alle Botschaften klar und verständlich ankommen.

    Beste soz. Grüße!

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Harry. Ich bin z.B. auch dafür, daß wir es so machen sollten, wie es zum Beispiel in den DDR-Schulbüchern gemacht wurde: …nämlich pädagogisch auf das Erkenntnisniveau unserer Leser und Zuhörer eingehend!

  4. Harry56 schreibt:

    Nochmals für alle hier, nicht der nach 1935 verfälschte Ernst Busch:https://www.youtube.com/watch?v=C8J6vJYFQiI

  5. Eleonore Kraus schreibt:

    Ich sehe kein Problem Begriffe wie °Arbeiterklasse,“ „Bourgeosie“ weiterhin zu benutzen. Sinn ergibt für mich auch nicht, eine solche Anpassung zu vollziehen, weil der Zeitgeist so ist wie er ist. Warum sollte Klassenkampf nicht Klassenkampf genannt werden, wenn es doch Klassenkampf ist ? Und klar gibt es die Arbeiterklasse, denn nur sie hat das revolutionäre Potential auf das es letztlich ankommt.
    „Zu sagen was ist bleibt die revolutionärste Tat.“ Rosa Luxemburg

  6. Rolf schreibt:

    Keiner will den Marxismus modernisieren.
    Aber man sollte den Marxismus auf die heutigen aktuellen Verhältnisse anwenden und anpassen. So wie das Stalin damals auch getan hat. Die Verhältnisse haben sich weiter entwickelt, wir müssen uns auch weiter entwickeln.
    Der Marxismus ist eine Wissenschaft. Die Wissenschaft muss neue Erkenntnisse finden und anwenden, sie darf nicht auf der Stelle stehen bleiben.
    Solche wichtigen Dinge kann man in einem Forum schlecht darlegen. Da braucht es eine Diskussion „Auge in Auge“. Meine Meinung.
    Rolf

    • Eleonore Kraus schreibt:

      Was hat der Marxismus/ Leninismus denn mit einer Änderung der inhaltlichen Bedeutung z. B. „Lumpenproletariat“ zu tun. Er stimmte zu seiner und er stimmt in der heutigen Zeit. Anpassung kann nicht bedeuten, dass der Zeitgeist den Marxismus bestimmt und erklärt.

      Hier wird von zwei unterschiedlichen Bedeutungen ausgegangen. Alles ist immer in Bewegung, und dass neue Erkenntnsse einbezogen werden müssen und werden, dürfte wohl klar sein. Andererseits ist aus meiner Sicht genauso klar, dass das Fundament fest, eindeutig und immer klar erkennbar bleiben muss. Die Versuche mit bürgerlichen Methoden, z. B. in Pädagogik/Psychologie, können niemals den Marxismus erklären, geschweige denn ihn in Frage stellen.

      Und wissenschaftliche Erkenntnisse im Kapitalismus müssen nicht zwangsläufig falsch sein. Sie sind dennoch mit Vorsicht zu genießen, zu hinterfragen. Was man nehmen kann, das nimmt man, und das andere schmeißt man raus.

  7. sascha313 schreibt:

    Klar, Rolf – das beste wäre, man könnte alles persönlich besprechen. Lenin hat z.B. viel korrespondiert (das versuchen wir hier auch). Aber die „Modernisierer“ wird es trotzdem immer wieder geben. Woran es aber wirklich fehlt, das ist das Studium des Vorhandenen; ich nehme mich da nicht aus. Man kann nur immer wieder versuchen, damalige Situationen mit dem Verständnis der heutigen Dinge zu vergleichen, den eigenen Klassenstandpunkt zu überprüfen und daraus die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen..

    Stalin sagte mal 1934 (!): „Wir haben Erfolge errungen, weil wir eine richtige leitende Parteilinie hatten und es verstanden, die Massen zu organisieren, um diese Linie die Tat umzusetzen. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß wir ohne diese Bedingungen nicht jene Erfolge erzielt hätten, die wir jetzt haben und auf die wir zurecht stolz sind. Aber eine richtige Linie haben und sie durchzuführen verstehen – das ist eine große Seltenheit im Leben regierender Parteien.“ (Rechenschaftsbericht an den XVII.Parteitag, SW Bd.13, S.334)

    Die chilenischen Genossen hatten das Glück, mit Margot Honecker darüber zu sprechen, aber um zu lernen, was der Grund für die Katastrophe von 1990 war, muß man auch die späteren Analysen kennen (z.B. Gossweiler).

  8. Eleonore Kraus schreibt:

    Der M/L darf sich niemals anpassen – und überhaupt nicht an das System des Kapitalismus. Er muss die Welt erklären können, Wege aufzeigen. Das notwendige Werkzeug haben wir vor langer Zeit in die Hand bekommen.

Schreibe eine Antwort zu Harry56 Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s