Wo sind wir nur hingeraten – und wie können wir das ändern?

DenkerMan braucht sich heute nicht mehr darüber zu wundern, wenn einstige Moralnormen innerhalb der Gesellschaft immer mehr in Zügellosigkeit, Gesetzlosigkeit und Unmoral abgleiten, da blondgelockte Kriminelle und Mörder in hohen und höchsten Ämtern von Staat und Wirtschaft ungestraft jederlei Schandtaten begehen dürfen, ohne dafür auch nur ansatzweise zur Verantwortung gezogen zu werden. In der Gewißheit, das „Höchste Gericht“ werde nie oder auch erst im Jenseits stattfinden, wird weiter gnadenlos ausgebeutet, schikaniert, betrogen und gemordet, und nicht nur Konzernbosse, Firmeninhaber, Präsidenten und Politiker, sondern mittlerweile auch das „gemeine Volk“ übernimmt nach und nach deren sämtliche Unarten, kriminelle Vorgehensweisen und verbrecherischen Handlungen…

Gibt es denn keinen Ausweg?

Wo kein Kläger, da kein Richter – sagt man. Und wer nicht erwischt wird, der macht ungestraft so weiter wie bisher, wenn nicht noch schlimmer. Auffällig daran ist, daß die übelsten Ganoven immer „die anderen“ beschuldigen, um selbst in „weißer Weste“ vor den Spiegel treten zu können. Zieht man das Fazit aus der Situation, so gelangt man unweigerlich zu der Erkenntnis, daß letztlich und ursächlich das Privateigentum an Produktionsmitteln diesen fatalen Prozeß in Gang gesetzt hat und bestimmt – doch dazu später mehr! Ist die Herrschaft kriminell, so folgt alsbald auch das Gesinde. Der Kapitalismus dringt mit seinen Gesetzmäßigkeiten bis in den letzten Winkel der Gesellschaft.

Doch!

Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, daß es so nicht weitergehen kann. Das ungute Gefühl, mißbraucht zu werden, beschleicht nicht nur die bewußtesten Teile der Bevölkerung, sondern mehr und mehr auch die ausgebeuteten Klassen und Schichten. Auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen: das Proletariat sieht sich mit wachsendem Klassenbewußtsein immer mehr in der revolutionären Rolle des Veränderers der Gesellschaft. Unzufriedenheit, Unmut, Wut und zunehmend auch der Haß der Werktätigen richtet sich nicht nur gegen unerträgliche Verhältnisse, sondern nunmehr auch gegen deren Verursacher: die Kapitalisten!

Warner und Mahner

…gab es ja zu allen Zeiten. Doch blieb ihre Stimme oft ungehört, oder sie verhallte im Kriegsgeschrei der gehirnamputierten und fanatisierten Söldlinge, die ihr eignes Leben oft nicht höher zu schätzen vermochten wie einen schmutzigen Lappen. Doch nun kommt es darauf an, die Stimme zu erheben und die Proteste in die richtige Richtung zu lenken. Es ist eine revolutionäre Zeit! Anführer und Häuptlinge, Ratgeber und Beschwichtiger treten aus dem Schatten hervor und versuchen von den eignen Privilegien und vom Kapitalismus zu retten, was noch zu retten ist.

Eine wissenschaftliche Weltanschauung

Allein durch Klugheit und eine weise Führung läßt sich auch „der letzte Mohikaner“ davon überzeugen, daß nur eine wissenschaftliche Weltanschauung imstande ist, die Wirkungsweise und den Mechanismus der Gesellschaft zu begreifen und die Entwicklung wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Hätte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht einen Lenin und nicht die Bolschewiki gegeben, wäre die Große Sozialistische Oktoberrevolution vermutlich gescheitert. Und hätte es 1945 nicht den Sieg der Sowjetunion über den Faschismus gegeben, wäre ganz sicher auch die DDR nicht entstanden, hätte es keinen Arbeiter-und-Bauern-Staat gegeben, keine Hoffnung und nicht die Zuversicht, die Brandwunden des Krieges noch einmal zu überwinden und das Gift des Faschismus wenigstens in einem Teil Deutschlands aus den Köpfen der Menschen auszutreiben zu können.

Was tun?

Karl Marx schrieb im Jahre 1852 in einem Brief an Ferdinand Lasalle: „Daß die Parteikämpfe gerade einer Partei Kraft und Leben geben, daß der größte Beweis der Schwäche einer Partei das Verschwimmen derselben und die Abstumpfung der markierten Differenzen ist, daß sich eine Partei stärkt, in dem sie sich purifiziert, davon weiß und befürchtet die Behördenlogik wenig!“ – das nahm Lenin zum einführenden Gedanken seiner 1902 in Stuttgart erstmals veröffentlichten Schrift „Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung“ (der revolutionären Arbeiterbewegung).

Und er bezog sich damit auch auf eine 1899 entstandene Niederschrift, derart, daß er schrieb:

Die russische Arbeiterbewegung befindet sich gegenwärtig in einer Übergangsperiode… Wir sind uns darin einig, daß es unsere Aufgabe ist, den Klassenkampf des Proletariats zu organisieren. Was aber ist Klassenkampf? Wenn die Arbeiter einer einzelnen Fabrik, eines Berufs den Kampf gegen ihren Unternehmer oder gegen ihre Unternehmer aufnehmen, ist das Klassenkampf? Nein, das sind erst schwache Ansätze dazu. Der Kampf der Arbeiter wird erst dann zum Klassenkampf, wenn alle fortschrittlichen Vertreter der gesamten Arbeiterklasse des ganzen Landes sich bewußt werden, eine einheitliche Arbeiterklasse zu sein und den Kampf nicht gegen einzelne Unternehmer, sondern gegen die ganze Klasse der Kapitalisten und gegen die diese Klasse unterstützende Regierung aufnehmen.

und weiter:

Die Aufgabe … besteht eben darin, durch Organisierung der Arbeiter, durch Propaganda und Agitation unter ihnen ihren spontanen Kampf gegen die Unterdrücker in einen Kampf der ganzen Klasse, in den Kampf einer bestimmten politischen Partei für bestimmte politische Ideale zu verwandeln. Durch lokale Arbeit allein kann eine solche Aufgabe nicht gelöst werden.

und schließlich:

An Verschwörungen glauben wir nicht, vereinzelte revolutionäre Aktionen zum Sturze der Regierung lehnen wir ab; als praktische Lösung unserer Arbeit dienen uns die Worte eines Veteranen der deutschen Sozialdemokratie, Liebknechts: „Studieren, propagandieren, organisieren“, und der Mittelpunkt dieser Tätigkeit kann und muß allein das Parteiorgan sein.

Quelle: W.I. Lenin „Unsere nächste Aufgabe“. In: W.I. Lenin, Werke, Bd.4, S.204-214.

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Leninzitat - Unsere nächste Aufgabe

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9 Antworten zu Wo sind wir nur hingeraten – und wie können wir das ändern?

  1. Und wer meint oder glaubt, daß es einen anderen Weg gibt, wird unweigerlich auf diesem falschen Weg scheitern.

    • sascha313 schreibt:

      Davon bin ich auch überzeugt. Wer allerdings glaubt, solche „Protestwählerei“ à la pro-AfD könne eine weitere Verschärfung der Widersprüche verhindern, der hat letztlich auch dem Faschismus nichts mehr entgegenzusetzen.

      • herbert1952 schreibt:

        Protestwähler pro AfD, das sind keine Protestwähler mehr, das sind aufkommende Faschisten. Wer den Reden des Faschisten Höcke zuhört, das gleiche gilt für Brandtner, muss wissen, dass er Faschisten wählt!

  2. dunja schreibt:

    Ich habe da ein besonderes Anliegen :

    Die Vanguard der kommunistischen Parteien und Organisationen muss lernen, die Sprache der jungen Leute zu sprechen, und sie zu verstehen.

    Das ist eine schwere Herausforderung. Wir können unseren Kindern den Kommunismus nicht vermitteln mit einer Sprache, die vor 50, 100 oder 150 gesprochen wurde.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Dunja!
      Das ist eine äußerst wichtige Sache! Ich denke aber nicht, daß sich die Sprache so sehr geändert hat. Was sich geändert hat, das sind die Kommunikationsmöglichkeiten. Und geändert (genauer gesagt: verschlechtert!) hat sich auch der Bildungsstand. Es fehlen 90% der Grundkenntnisse über den Marxismus. Stattdessen wurde den Jugendlichen ein völlig falsches, verzerrtes, unwissenschaftliches Weltbild vermittelt. Noch heute werden Lügen über die DDR, die UdSSR und den Sozialismus (insbesondere auch über Stalin) verbreitet. Die Totalitarismus-Doktrin beherrscht die Propaganda. Um nur einiges zu nennen! Wir versuchen in kleinen Schritten auf all diese Fragen einzugehen.

    • Harry56 schreibt:

      Sehr gut gesagt, Dunja, meine absolute Zustimmung! Ich selbst habe das hier auch schon oft versucht zu vermitteln.

    • Also, ich kann nicht erkennen, daß „wir “ eine Sprache, wie vor 50, 100 oder 150 Jahren sprechen. Ich sehe das Problem an anderer Stelle: Die meisten, die sich hier für „Linke“ halten, aber auch eine ganze Reihe vom Sozialisten und Kommunisten lesen überhaupt nicht die Werke von Marx, Engels und Lenin – von Stalin ganz zu schweigen.

      Was ich aber selber nicht lese, kann ich auch nicht meinen Kindern vermitteln. Und wenn ich das was ich lese, nicht praktisch anwende, kann ich auch kein Vorbild für meine Kinder sein.

      Unseren noch fünf minderjährigen Kindern empfehle ich ständig Bücher zu lesen, obwohl außer unserer Jüngsten (7), die anderen nicht gerade ‚begeistert‘ sind, überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen. Nun hatte ich unserem 17-jährigen vor ein paar Monat Lohn, Preis und Profit von Marx zum Lesen gegeben und obwohl die Sprache ja schon etwas „veraltet“ ist, hat er sich „überwunden“ es zu lesen … und … war begeistert! Ach! so läuft das … jetzt weiß ich endlich, wie man reich wird!“

    • Eleonore Kraus schreibt:

      Mir erschließt sich kein bisschen, wie man mit Jugendlichen sprechen soll, deiner Meinung nach, die nicht mal den blassesten Schimmer von dem haben von dem haben, was ihre Lebenswirklichkeit erschwert und ihnen immer wieder, so wörtlich von einem Schüler, ihnen „Steine in den Weg gelegt werden.“
      Da ich einige Jahre in der Schulsozialarbeit mit Beratung, Einzelgesprächen, Elternarbeit, Kontakte zu Behörden, Gerichten, Drogenberatungen, sowie Gruppenarbeit zur Berufsfindung und therapeutische Unterstützung bei Bedarf als Pädagogin/Psychologin tätig war mit sehr vielen Jugendlichen in Kontakt stand erlaube ich mir eine Bewertung:
      Befindlichkeiten, Unwohlsein, dass irgendetwas nicht stimmt in diesem Land kam von den meisten der Jugendlichen, die zwischen 14 und 17 Jahren waren. Als Mutter einer Tochter ist es ein einfaches, diese durchaus schwierige und meist komplizierte Entwicklungsphase einordnen zu können.
      Viele Gespräche waren nötig, ehe sie verstehen konnten, dass da jemand ist, dem sie von ihren Ängsten, ihren Nöten erzählen konnten, ohne dass es weiter gesprochen wurde. Das musste ich erst ihnen beweisen.
      Sie erzählten von ihren Müttern und Vätern, die im täglichen Leben mit meist mehreren Jobs völlig überfordert waren und für sie nicht mehr viel an Zeit übrig war. Auf sich alleine gestellt schwänzten sie die Schule, nahmen Drogen usw. und „antworteten“ so auf die Verhältnisse die eine traurige Lebensperspektive aufzeigten.
      Man kann immer nur von dem ausgehen was ist. Alles andere sind „Wolkenkuckusheime.“
      Der Kampf um Türen zu öffnen im richtigen Moment, manchmal waren es Sekunden, bevor diese sich wieder für eine lange Zeit schlossen erforderte ein kompromissloses Einstehen für die Jugendlichen. Und selbstverständlich gehört zu einer marxistisch/leninistischen Pädagogik/Psychologie ,Humanität, Zuneigung und Sensibilität sowie ein grundlegendes Wissen um die menschliche Entwicklung. Menschliche Entwicklung bedeutet eine Zeit lebenslangen Lernens und die Jugendlichen waren teils so verstört, dass es viel Zeit und Geduld brauchte, dass sie sich einer ihnen fremden Person anvertrauten. Also, so einfach ist das nicht. Die Widersprüche, in der sich auch die soziale Arbeit befindet darf nicht aus dem Auge verloren werden. Letztendlich ist es die Konsequenz, die Wahrhaftig- und Aufrichtigkeit, für die Menschen, für die man einsteht.
      Das ermöglicht Nähe und Gespräche, die Bewusstsein verändern können. Langsam , aber stetig. Und natürlich muss man davon ausgehen, dass das alles in einem kapitalistischen System ist, in dem grundsätzlich von der Verwertbarkeit des Menschen im Kapitalismus ausgegangen wird, insbesondere in der Pädagogik/ Psychologie, weil da vieles stattfindet, dass den jungen Menschen in die „richtige Richtung.“ bringen soll.

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