Kulturpalast der Maxhütte Unterwellenborn: Westdeutscher Immobilienspekulant ruiniert letztes DDR-Kulturgut

Kulturhaus UwbEs sieht gerade so aus, als wäre alles das kein Zufall. Den westdeutschen „Eliten“ war das Objekt schon lange ein Dorn im Auge – der Kulturpalast der Maxhütte Unterwellenborn. Erst kürzlich brachte die Ostthüringer Zeitung einen Bericht über einen der wenigen noch verbliebenen, historisch wertvollen Kulturbauten der DDR. Dreißig Jahre lang stand er nun leer, der Kulturpalast. Keine DDR – und folglich keine Kultur! Nur ihren westlichen Müll hatten sie hier abgeladen. Und einige Dumme hatten sich gierig darüber gestürzt: eine neue Kaffeemaschine (nach drei Jahren war sie wieder kaputt) oder ein paar Plastikschindeln aus westdeutscher Produktion an die verwitterte Fassade ihres Häuschens – bald klapperten sie und fielen wieder ab. Genauso ist es mit der westlichen Kultur. Und immer wieder hatte mal jemand von den jüngeren Leuten aus dem Westen sich für den verwaisten Kulturpalast interessiert, so wie man eben in den Zoo fährt, um ein paar längst ausgestorbene Tierarten zu bestaunen…

Der leerstehende Palast und ein „Investor“…

Inzwischen hatte sich ein neuer Eigentümer aus Bayern gefunden, hatte ein paar tausend Kröten auf den Tisch gelegt, die Ortsoberen waren froh, einen „Investor“ gefunden zu haben, und ein Förderverein war gegründet worden. Wohl in der naiven Hoffnung, dieses sozialistische Baudenkmal erhalten zu können. Dann schrieb eine junge Dame, ihres Zeichens „Architekturhistorikerin“, darüber. Nichts ungewöhnliches, doch ein Satzanfang ließ aufhorchen – sie schrieb in ihrem Zeitungsbeitrag „Ein Traumhaus aus der kollektiv gelebten Zeit“:

„Während revanchistisch motivierte Zerstörungsakte an prominenten Bauten längst einem entspannteren Umgang mit der Geschichte der DDR gewichen sind, fehlte es in Thüringen noch längere Zeit an Akzeptanz sowohl für die „Ostmoderne“ wie für die historisierende „Nati-Tradi-Architektur“ der 50er Jahre.“ (OTZ vom 14. Januar 2020)

Wer nun erwartet hätte, daß diesem Satz eine Abrechnung mit der verbrecherischen Ausplünderung und der Zerstörung der DDR folgen würde, der sah sich getäuscht. Ein nett geschriebener, vielleicht sogar gutgemeinter Beitrag.

Motive der Zerstörung

Zwar trifft es durchaus zu, hier von „Revanchismus“ zu sprechen. Doch gab es in der DDR weder eine „Ostmoderne“ noch eine „historisierende „Nati-Tradi-Architektur“ – das sind Begriffe, die heute ebenso in die Müllkiste reaktionärer bürgerlicher Geschichtsschreibung gehören, wie „Zuckerbäckerstil und „Stalinbauten“. Und mit einer sogenannten „Moderne“ hat der sozialistische Kulturpalast nun aber absolut nicht gemein. Ganz gleich, was auch immer man darüber schreibt – die Motive des Verfalls sind auch hier dieselben: Jede Erinnerung an die DDR auslöschen und das wenige, was noch vorhandes ist, möglichst eigennützig zu vergolden. Ein weitergehendes Interesse ist nicht zu erkennen. Doch nun ist die Katze aus dem Sack: Der feine Herr „Investor“ verlangt für die Herausgabe der nun schon seit 20 Jahren immer mehr verfallenden Immobilie einen satten Betrag von 5,5 Millionen Euro (siehe: „junge Welt“ vom 22.01.2020). Das ist glatt das 34-fache der eingesetzten Summe. Monopoly für Spekulanten!

Die Maxhütte Unterwellenborn

Nun darf man allerdings nicht vergessen, daß es ohne die DDR und ohne die Maxhütte Unterwellenborn auch den Kulturpalast nicht gegeben hätte. Zu Ehren gekommen waren der Kreis und die nahegelegene Stadt Saalfeld vor allem durch die Leistungen der Werktätigen in solchen volkswirtschaftlich bedeutsamen volkseigenen Betrieben wie im Zeiss-Betrieb Saalfeld, in der Werkzeugmaschinenfabrik Saalfeld, der Maxhütte Unterwellenborn, in den Thüringer Schokoladenwerken „Rotstern“ Saalfeld, im Pumpspeicherwerk Hohenwarte und anderen. Sie leisteten einen bedeutenden Beitrag zum industriellen Profil des Bezirkes Gera. Über 6.500 Werktätige arbeiteten in der Maxhütte. Und der Kulturpalast war das unbestrittene kulturelle Zentrum des Industriebezirks.

Was soll nun geschehen mit dem Kulturpalast?

Das Kapital geht mit Vandalismus einher, schrieb die „junge Welt“. Das wußten wir ja schon immer! Ein Leserbrief beschreibt es genauer:

„Ich ver­folge die Vielzahl der Artikel zur Er­haltung dieses einstigen sozialisti­schen Prachtbaus und staune über die Blauäugigkeit und darüber, wie immer wieder Konzepte entworfen werden zur Erhaltung des Kupa*, die dann wegen fehlender Grundvo­raussetzung nicht realisierbar sind. Der Verkauf des Kupa an den jetzi­gen Eigentümer für einen Apfel und ein Ei war nicht nur eine Dumm­heit, sondern politisch gewollt, mußte doch damit lokal keine poli­tische Entscheidung zum Abriß wie beim Palast der Republik in Ber­lin getroffen werden. Man konnte darauf vertrauen, daß bei einem er­haltungsunfähigen und -unwilligen Eigentümer dies sich von allein erle­digt.

Wie lange will man sich vom Eigentümer, der nun für die Fast­-Ruine fünf Millionen Euro haben will, noch an der Nase herumfüh­ren lassen? Wenn sogar unsere linksgeführte Landesregierung nicht in der Lage war, zum Beispiels durch eine Zwangsenteignung ret­tend einzugreifen, ist nach 30 Jah­ren Leerstand alles zu spät. Das war gewollt, eines der letzten kulturel­len Häuser der DDR muß ver­schwinden. Hoffentlich bleibt der Eigentümer wenigstens auf den Ab­rißkosten, die auch in die Millio­nen gehen werden, sitzen. Was uns ehemaligen Maxhüttenkumpels außer der Ruine bleibt, und das kann man nicht einfach auslö­schen, sind unvergessene, schöne und erlebnisreiche Stunden im Kul­turpalast Maxhütte Unterwellen­horn.“

(OTZ vom 22.01.2020)
*Kupa – so sagten die Maxhüttenkumpels zu ihrem Kulturpalast.

War das alles nur ein Zufall?

…oder gar eine „Kampagne“ gegen den jetzigen Eigentümer? Ganz und gar nicht! – ein „revanchistisch motivierter Zerstörungsakt“ – das trifft es wohl eher!


 

 

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12 Antworten zu Kulturpalast der Maxhütte Unterwellenborn: Westdeutscher Immobilienspekulant ruiniert letztes DDR-Kulturgut

  1. giskoe schreibt:

    Es war einmal: Kultur auf dem Lande, Kultur- und Bildungspläne, Zirkel schreibender Arbeiter…
    Vielleicht erleben wir ja nach UvdL und AKK in voller Aktion „Auferstanden aus Ruinen“… 😦

  2. Harry56 schreibt:

    Diese Geschichte, wie mit Hinterlassenschaften der DDR von den „Siegern“ umgegangen wird, erinnert 1 : 1 an den Palast der Republik, welcher unbedingt abgerissen werden musste wegen angeblicher Asbest-Gefahr.
    Im Jahre 1990 sagte der Schriftsteller Stefan Heym geradezu prophetisch, von der DDR wird nichts weiter übrig bleiben als eine Note in den Geschichtsbüchern.
    Daran arbeiten die deutschen Eliten mit ihren Propaganda-Schergen aller Institutionen nun schon seit bald 30 Jahren.
    Allerdings sind sie dabei nicht immer konsequent, als negative Hintergrund-Folie wird die DDR dann doch immer wieder mal „aktiviert“, als „Stasi“, „Mauer & Schießbefehl“ etc…
    Auch hier wieder das klare Motiv, die eigene Herrschaft zu beweihräuchern, zu legitimieren.
    Falten wir die Hände: Du sollst keinen Gott neben dir haben neben der „Demokratie“ – Herrschaft der BRD! Halleluja! 🙂

    • sascha313 schreibt:

      Immerhin mußte ja nun auch schon der oberste „BRD-Geldbewahrer“ zugeben: „Die Demokratie ist in der Krise.“ – da hätte er doch gleich sagen können: der Kapitalismus befindet sich (wiedermal) in der Krise. Aber dazu hätte er erst mal seine ideologischen Scheuklappen ablegen müssen… Ich bin allerdings weit davon entfernt, St.Heym einen Dummkopf zu nennen, doch ein Kommunist war er nie, nicht mal ein Sozialist… – also bibelfest bist Du nicht, Harry?! 😉

      • Harry56 schreibt:

        Hallo Sascha, sei gegrüßt, mein Bibel-Studium in meiner schon ziemlich fernen Jugendzeit mit Hilfe von Zeugen Jehovas liegt schon sehr sehr viele Jahre zurück, gewisse Lücken tun sich im Laufe der Jahre auf…. ! 🙂

  3. Thomas Weger schreibt:

    Es gab einmal das vorbildliche Pionierhaus in Thüringen, auch für Jungpioniere aus Westberlin – Bruno Kühn – mit allem, was das Herz begehrt und die Gastfreundschaft zu bieten hat und junge Menschen zum Handeln, Sport treiben und Erfahrungsaustausch anregt, sowie warmherzige Freundschaft anbelangt mit geschichtlich erleuchtendem Thälmann-Gruß! Und jetzt 2020? Eine elende Ruine – in den dunklen Abgrund der verlogenen Geschichte gestoßen. Nicht einmal die ehemaligen Junker und Nazi-Schergen oder deren schnöde Mainstream-Enkel wollen dort noch hausen. Armes zwangsvereinigtes Deutschland – wie viel musst Du noch ertragen?

  4. FHecker schreibt:

    Na, der Kohl versprach ja blühende Landschaften und er meinte Immobilien. Ich war 1963, man begann grad mit der Mauer, in der DDR, Nähe Tüschow, und ich hatte gute Erlebnisse, in der LPG. aber auch mit sowjetischen Soldaten in einer Kneipe. 1990 und 2004 war ich in Erfurt und notierte wie sich Bauhaie und Banken im Wettlauf, Immobilien und freie Flächen unter den Nagel rissen. Aber ich denke, dass die schräge Ideologie der Freiheit im Kapitalismus und die Freiheiten der reaktionären Brut, und ihrer Parteien die dahinter stehen nicht ewig währt. In der Tat, was wird dieses Deutschland wohl noch ertragen müssen.

  5. Steffen Palm schreibt:

    Lieber „Sascha“, danke, dass du dich des Themas annimmst.
    Zitat: „Inzwischen hatte sich ein neuer Eigentümer aus Bayern gefunden, hatte ein paar tausend Kröten auf den Tisch gelegt, die Ortsoberen waren froh, einen „Investor“ gefunden zu haben, und ein Förderverein war gegründet worden. Wohl in der naiven Hoffnung, dieses sozialistische Baudenkmal erhalten zu können. Dann schrieb eine junge Dame, ihres Zeichens ,Architekturhistorikerin‘, darüber.“

    Nicht die Ortsoberen (sprich Gemeinde Unterwellenborn) sondern der Landkreis, der das Objekt von der Treuhand zugeschustert bekommen hat (als Ballast des Stahlwerkes musste es schnell abgekoppelt werden, damit man das Stahlwerk als Rosine auf den Markt werfen konnte), hat das Haus verkauft 1994. Der Förderverein hat sich erst 2013 gegründet, davor war der Investor durchaus noch rührig, hatte auch etwas investiert, lediglich sein Nutzungskonzept passte wohl nicht. Die junge Dame (Das in der OTZ veröffentlichte Bild ist gefühlte hundert Jahre alt.) ist Professorin für Architekturhistorie und Plaungshistorikerin, lehrte 2006-2016 an der TU Graz und hat einen internationalen Ruf (bei wikipedia nachzulesen). Der Förderverein, dem ich angehöre, ist durchaus nicht „naiv“. Ein gut durchdachtes und realisierbares Nutzungskonzept, nicht einfach zu machen für sein so großes Haus in so ländlicher Gegend, liegt seit 2 Jahren vor und wird von einem erfahrenen Kulturmanager und Juristen ständig weiterentwickelt. Die Sanierung hatte bereits begonnen, das Dach des Südflügels wurde 2018 komplett neu gemacht, als der Eigentümer die Zusammenarbeit mit dem Verein abbrach und ihm die Vollmachten entzog, in seinem Namen für die Erhaltung des Hauses zu wirken.

    Bitte gestatte mir diese Ergänzungen. Wenn eine Geschichte erzählt wird, dann bitte nicht nur oberflächlich auf der Grundlage flüchtig überflogener Zeitungsartikel. Mehr dazu hier: http://www.kulturpalast-unterwellenborn.de

    • sascha313 schreibt:

      Lieber Steffen, vielen Dank für die Ergänzungen. Leider fehlen mir detaillierte Kenntnisse zu bisherigen Vorgängen und Entscheidungen um dieses eigentlich wunderschöne Kulturobjekt, vergleichbar etwa mit Bauwerken aus klassizistischer Zeit.

      Der fortschreitende Verfall (insbesondere die Wasserschäden, Schimmelbefall und fehlende Sicherungsmaßnahmen) lassen das fehlende Interesse des derzeitigen Eigentümers erkennen, das Objekt überhaupt zu erhalten. Und man kommt nicht umhin, die vorgeschobenen „Gründe“ seitens des Rechteinhabers auf eine ahistorische, kulturfeindliche Denkweise zurückzuführen. Zumal die aktuelle politische Situation in Thüringen auch nicht gerade für eine Erhaltung wertvoller Baudenkmale aus jener Zeit spricht.

      Ohne ein vielfältiges, den hervorragenden Möglichkeiten angemessenes Nutzungskonzept ist eine Wiederbelebung (oder zumindestens die Erhaltung) des Kulturpalastes wohl kaum vorstellbar… (ähnliche Querelen muß es wohl auch um die Gasmaschinenzentrale der Maxhütte gegeben haben?!) – Dennoch möchte ich Euch ermutigen, Eure Anstrengungen um die Erhaltung des „Kupa“ fortzusetzen!

  6. Pingback: Ein Lehrer aus Kamsdorf (Bezirk Gera/DDR) berichtet… | Sascha's Welt

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