Ein fanatischer SS-Mann an der Humboldt-Universität zu Berlin (1991-2004)

Marxzitat-HUBIm Eingangsbereich der Humboldt-Universität Berlin war bislang immer noch die in Marmor gehauene, vergoldete Inschrift von Karl Marx zu lesen: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ [1] Doch in welchem Sinne? Von Marx jedenfalls (und von der „kommunistischen Ideologie“) wollten die neuen Herrschaften nach 1990 nichts mehr wissen. Alles wurde verändert, und in die altehrwürdige DDR-Universität zog von nun an auch der braune Geist der Vergangenheit wieder ein. Entfernt wurden nicht nur hier, sondern auch an sämtlichen staatlichen Universitäten, Hoch- und Fachschulen der DDR diejenigen Wissenschaftler, die sich nicht dem pro-faschistischen, antikommunistischen Leitbild der westdeutschen „Eliten“ unterwerfen wollten. Viele der besten und fähigsten DDR-Wissenschaftler wurden auf diese Weise „ausgemerzt“, einige von ihnen wählten auf Grund des massiven Psychoterrors, dem sie nunmehr ausgesetzt waren, sogar den Freitod. Einer der Täter war der SS-Mann Prof. Dr. Krelle aus Bonn.

[1] Karl Marx: Thesen über Feuerbach“. In: Marx-Engels Werke, Dietz Verlag Berlin, 1969, Bd.3, S.533 ff.

In diesem Sinne wurden ab 1990 auch die Studenten erzogen!

Prof. Wilhelm Krelle – eine Auskunft

Der westdeutsche Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Drs. h.c. Wilhelm Krelle war nach 1990 Gründungsdekan des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin und zugleich Vorsitzender der Struktur- und Berufungskommission Wirtschaftswissenschaften dieser Universität. Er war damit verantwortlich für die Eliminierung dort ehemals tätiger Wissenschaftler der DDR. Seine entsprechenden Verdienste wurden mit der Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität Berlin geehrt. Diese Ehrung wurde vom Akademischen Senat ausdrücklich bestätigt, obwohl Vorwürfe gegen Prof. Krelle im Zusammenhang mit dessen früherer Zugehörigkeit zur Waffen-SS erhoben worden waren.

In einem im Internet veröffentlichten Protokoll der 51. Sitzung des Akademischen Senats der Humboldt-Universität vom 04.06.1996 ist wörtlich nachzulesen:

„TOP 9: Bericht über die Arbeit des Ausschusses gem. § 20 der GO AS zur sachdienlichen Klärung der Vorwürfe gegen Herrn Prof. Dr. Drs. h.c. Wilhelm Krelle
(Ausschluß der Öffentlichkeit)
Prof. Krauß faßt zusammen: Gegen den früheren Vorsitzenden der Struktur und Berufungskommission Wirtschaftswissenschaften, Herrn Prof. Dr. Krelle, waren in der Öffentlichkeit Vorwürfe hinsichtlich einer Tätigkeit in der Waffen-SS erhoben worden. Zur sachdienlichen Klärung dieser Vorwürfe hat der Akademische Senat der Humboldt-Universität einen Ausschuß eingesetzt.
Der Vorsitzende des Ausschusses, Prof. Schlink, erläutert die Ergebnisse der Arbeit des Ausschusses. Dem Ausschuß lagen alle verfügbaren Unterlagen vor; er stützte sich im übrigen auf ein Gutachten von Herrn Dr. Wegner von der Universität der Bundeswehr Hamburg, das diese Unterlagen ausgewertet hat. Der Ausschuß schließt sich der Auffassung des Gutachters an und stellt fest, daß Herr Prof. Krelle im August 1944 zu einem Generalkommando der Waffen-SS versetzt worden ist, ohne aus der Wehrmacht ausgeschieden zu sein, und daß er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Mitglied der SS gewesen ist. Die Überstellung zur Waffen-SS erfolgte ohne Zutun von Prof. Krelle. Angebote, aus dem Heer auszuscheiden und zur SS überzutreten, wurden von ihm abgelehnt.
Der Akademische Senat nimmt den Abschlußbericht des Ausschusses einstimmig zur Kenntnis.“

Wer war dieser Prof. Wilhelm Krelle?

Krelle war ab 1935 Wehrmachtsoffizier und wurde 1944 als Generalstabsoffizier zur Waffen-SS kommandiert, wo er als SS-Sturmbannführer im Stab der SS-Division „Götz von Berlichingen“ eingesetzt war. Diese Division hat  Kriegsverbrechen begangen. Wilhelm Krelle wurde mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und verstarb in seiner Bonner Villa am 23. Juni 2004 wohlpensioniert im Alter von 88 Jahren. Er hat sich offenbar niemals in seinem Leben unangenehmen Fragen nach seiner möglichen Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit stellen müssen.


Andere, denen lediglich ihre Staatsnähe zur DDR vorgeworfen werden konnte, hatten ein solches Glück in ihrem Leben nicht.

Dr. sc. Hans Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Hochschuldozent der Humboldt-Universität wurde 1991 – wie anderen zahlreichen DDR-Wissenschaftlern auch – „wegen mangelnden Bedarfs und mangelnder fachlicher Qualifikation“ ordentlich gekündigt, obwohl ihm ein Gutachten der Freien Universität außerordentliches Engagement, solide theoretische Grundkenntnisse und den Anschluß an den wissenschaftlichen Standard westlicher Universitäten bescheinigt hatte.

Prof. Krelle hatte erklärt, daß kein Marxist jemals wieder die Humboldt-Universität betreten werde und er Dr. Schmidt unter allen Umständen von der Humboldt-Universität entfernen wollte. Nach vierjährigen demütigenden Arbeitsrechts-Streitigkeiten gab Dr. Schmidt auf und wählte am 08.05.1996 den Freitod.

(Vgl. auch „Icarus“ Nr. 3/4 2006)
Wolfgang Schmidt
26.01.1007


Am 17.02.2007 veröffentlichte die „junge Welt“ einen Offenen Brief an Marcel Reich-Ranicki, in dem dieser anläßlich seiner Würdigung als Ehrendoktor der Humboldt-Universität Berlin auf die skandalöse Verleihung der Ehrendoktorwürde für Wilhem Krelle durch die gleiche Universität aufmerksam gemacht wurde. Die Autoren des Offenen Briefes beabsichtigten, auch beim Bundespräsidenten anzufragen, inwieweit er die Verleihung des Bundesverdienstkreutzes an Wilhelm Krelle für legitim hält. Hier nun der Wortlaut des Offenen Briefes an den Literaturkritiker Reich-Ranicki:

„junge Welt“ vom 17.02.2007 / Abgeschrieben / Seite 8

Offener Brief an Marcel Reich-Ranicki

Zur Verleihung der Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität Berlin an Marcel Reich-Ranicki am Freitag erreichte uns ein offener Brief an den Literaturkritiker, den der Berliner Mario Arndt im Namen einer Recherchegruppe unterzeichnete. Darin heißt es u. a.:

Sollten Sie diese Ehrung annehmen, dann würden Sie sich von einer Einrichtung dekorieren lassen, die es bald nach der gesellschaftlichen Wende in Deutschland für opportun hielt, einem ehemaligen hohen Offizier der SS eben dieselbe Würde zu verleihen, weil er » …als Mensch Vorbild für alle heranwachsenden Wissenschaftler ist…«, wie es in der Laudatio dazu hieß. Seine Vergangenheit hatte dieser »ehrenhafte Mann« und Träger des Bundesverdienstkreuzes tunlichst verschwiegen.
Die Rede ist von dem inzwischen verstorbenen Nationalökonomen Professor Wilhelm Krelle. Dieser war- nach langer Zugehörigkeit zur faschistischen Wehrmacht und einer raschen Karriere dort – von Anfang Januar 1945 bis Kriegsende als SS-Sturmbannführer Angehöriger der Waffen-SS sowie 1. Generalstabsoffizier der berüchtigten 17. SS-Panzergrenadier-Division »Götz von Berlichingen«. Anhand zahlreicher Dokumente aus dieser Zeit kann belegt werden, daß er ein glühender Verfechter des faschistischen Gedankengutes gewesen ist, der seinem »Führer« bis fünf Minuten nach zwölf die absolute Treue gehalten hat. Aus von ihm erarbeiteten Befehlen ist das eindeutig ersichtlich. So heißt es z. B. in einem Befehl vom 4. Februar 1945 u.a.: »Der Grundsatz: Fanatischer Kampf um jeden Meter unseres Heimatbodens, der dem Feind Ströme von Blut kostet, … muß für uns heiligste Verpflichtung sein …« Am 9. Februar 1945 weist er an: » … Alle übrigen Soldaten, die die HKL vorwärts überschreiten, werden erschossen …« (…) Noch »in letzter Minute« wurden durch diese Division, deren »l A« Krelle gewesen ist, zahlreiche Verbrechen begangen, die er in seiner Funktion mit zu verantworten hatte. Einige davon waren nach dem Ende des Krieges Gegenstand gerichtlicher Untersuchungen, z. B.:
7. April 1945, Dalkingen/Deutschland: Erschießung von acht erschöpften KZ-Häftlingen, die bei einem Häftlingstransport auf dem Bahnhof Ellwangen zurückgeblieben waren. Verhandelt vor Landgericht Ellwangen, Oktober 1950
5. April 1945, Ebrantshausen/Deutschland: Erschießung eines Zivilisten, der eine weiße Fahne hatte bereitstellen lassen, um sie bei Ankunft der Amerikaner auf der Kirche zu hissen. Verhandelt vor Landgericht Landshut, September 1950
17. April 1945, Burgthann/Deutschland: Erschießung des Bürgermeisters von Burgthann, der auf Aufforderung der Amerikaner eine weiße Fahne hatte hissen lassen. Verhandelt vor Landgericht Nürnberg, Oktober 1958
25. April 1945, Dietfurt (Mittelfranken)/Deutschland: Erschießung eines jüdischen Dentisten. Verhandelt vor Landgericht Regensburg, Mai 1952
(…)
Wir sind eine Gruppe, bestehend aus Historikern, Rechercheuren u.a. Interessierten, die über viele Jahre die Geschichte des SS-Sturmbannführers Krelle aufgearbeitet haben. Unsere Rechercheergebnisse stellen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

…ein Verbrechen der SS-Division „Götz von Berlichingen“:

Verfahren Lfd.Nr.466
Tatkomplex: Verbrechen der Endphase
Angeklagte:
M., Heinz Verfahren eingestellt
Gerichtsentscheidungen:
LG Nürnberg-Fürth 581001
BGH 571022
Tatland: Deutschland
Tatort: Burgthann
Tatzeit: 450417
Opfer: Zivilisten
Nationalität: Deutsche
Dienststelle: Waffen-SS 17.SS-Panzergrenadier-Division ‚Götz von Berlichingen‘
Verfahrensgegenstand: Erschießung des Bürgermeisters von Burgthann, der, aufgefordert von amerikanischen Truppen, weisse Fahnen hatte hissen lassen

Veröffentlicht in Justiz und NS-Verbrechen Band XV


Auszug aus den Dokumenten des Nürnberger Prozesses:

Nürnberg-SS1

Nürnberg-SS2

Quelle: Der Nürnberger Prozeß. Aus den Protokollen, Dokumenten und Materialien des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Verlag Rütten & Loening, Berlin 1957, (2 Bde.), Bd.I, S.222f.
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7 Antworten zu Ein fanatischer SS-Mann an der Humboldt-Universität zu Berlin (1991-2004)

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  2. franz witti schreibt:

    Ich finde immer wenn ich solche Artikel lese, was sagen eigentlich die Opfer der sozialistischen Diktatur dazu? Das ist nichts anderes als die Altnazis zur Adenauerzeit, die hatten auch kein Unrechtsbewusstsein. Der Sozialismus hat weltweit ebensoviel Opfer gefordert wie der Faschismus und unterscheidet sich in seiner Konsequenz nicht im geringsten vom Hitlerfaschismus. Es wird Zeit dass diese Zeit der sozialistischen Diktatur ebenso aufgearbeitet wird wie der Nationalsozialismus.

    • Verflucht ist der Mensch, der das Böse gut und das Gute böse nennt. Jesaja, vor 2.700 Jahren

      „was sagen eigentlich die Opfer der sozialistischen Diktatur dazu?“

      Es gibt solche Opfer nicht: und folglich können sie dazu nichts sagen, denn es gab keine „sozialistische“ Diktatur.

      Sie verwechseln den Faschismus in Deutschland von 1933 bis 1945, der unter dem ‚Sozialismus‘, ‚deutsch‘ und ‚Arbeiter‘ firmierte (National „sozialistische“ deutsche Arbeiter Partei) mit Sozialismus! und können deshalb zwischen Gut und Böse nicht unterscheiden, sondern müssen – wie ein im Denken schizophren gemachter Mensch – ‚gut‘ und ‚böse‘ gleichsetzen.

      „Gehen Sie in die Klinik. Begeben Sie sich sofort dort hin. Gehen Sie nicht über ‚Los‘ und ziehen Sie keine 4.000,- Euro ein.“

      • sascha313 schreibt:

        )))) …kürzlich sprach im Radio eine Dame von der sog. „Stasiunterlagenbehörde“. Sie erzählte in weinerlichem Ton, eine Frau habe ihr ihre „Geschichte“ erzählt – sie sei mit ihrem Kind „bei einem Fluchtversuch erwischt“ worden und dafür ins Gefängnis gekommen. Das Kind habe man in eine fremde Familie gegeben….na, usw. Was sind das nur für Menschen! – Bringen sich und ihre Kinder in höchste Gefahr und stellen sich heute als „Opfer“ dar. Eine Staatsgrenze ist nunmal kein Gartenzaun und ins Gefängnis kam man auch in der DDR nur nach einer Straftat…

  3. sascha313 schreibt:

    Herr Witti, wenn Sie so etwas behaupten, dann sollten Sie es auch beweisen können. Was ich hier von Ihnen lese, ist nichts anderes als antikommunistische Propaganda. Das haben wir uns nun schon über 30 Jahre lang anhören müssen. Mag sein, Sie sind in Westdeutschland aufgewachsen, haben möglicherweise außer diesen westdeutschen DDR-feindlichen Haßtiraden keine andere Kenntnis, dann reden Sie doch mal mit einem Kommunisten, wie er die Sache sieht! Ohne die Bereitschaft, auch zuhören zu können, werden Sie Ihr antikommunistisches Feindbild nicht ablegen können.

    • tommmm schreibt:

      Das ist wirklich traurig. Manche sind ihr ganzes Leben fanatischer Antikommunist. Sie bekämpfen geistig ihre eigene Zukunft und ohne eine sachliche Information. Sie haben keine eigene Vision von einem anderen Leben. Von einem Leben, in dem Kultur, Solidarität, zwischenmenschliche Beziehungen und vor allem das Gedeihen ihrer Kinder im Mittelpunkt stehen.

      Weil sie keine Vision haben, können sie auch nicht nach deren Verwirklichung suchen. Daher bleibt ihnen die schöne Seite des Lebens verwehrt und sie leben 70 Jahre im Haß. Und dabei gibt es so viel zu lesen und zu entdecken.

      Sie sehen in abweichenden Meinungen sofort nur Propaganda. Eigentlich seltsam, dass sie die eigene Propaganda nicht erkennen können. Das liegt wohl daran, dass sie sich nicht umfassend informieren wollen, und so können sie auch nicht abwägen.

    • Harry56 schreibt:

      Hallo Sascha, solche Leute wie obiger Herr brauchen nichts mehr zu beweisen, brauchen keine Beweise. Jahrzehntelange „Dokus“ des öffentlich-rechtlichen Göbbels- TV der BRD, dazu Schwarten wie „Schwarzbuch des Kommunismus“, „Achipel Gulag“ und ähnliche Machwerke reichen mindestens für die nächsten 1000 Jahre aus, um die „Millionenopfer des Kommunismus“ zu „beweisen“.

      Ganz anschaulich gibt es auch noch Reste der „Mauer“ in Berlin zum wohligen Gruseln, dazu passend auch gleich noch das „Stasi“-Museum, den Herrn Knabe, die Bohleys und ähnliche, heute vom BRD-Staat gut bestallte „Opfer der SED-Diktatur“ als „Zeitzeugen“

      Viele Millionen Bürger der DDR, die in den 28 Jahren der gesicherten Staatsgrenze, mit ordentlichen Reisepapieren ausgestattet, in den „Westen“ reisen „durften“, die vielen ganz für immer aus der DDR ganz legal Ausgereisten in diesen Jahren „beweisen“ auch in diesem Fall, wie „eingesperrt“ die Bürger in der DDR „Opfer des Kommunismus“ waren bis — zum „Mauerfalll etc, etc…

      Es ist manchmal schon wirklich ermüdend, langweilig, sich mit diesem ganzen üblichen völlig unwissend oder auch nur böswillig nachgeplapperten Propaganda-Müll auseinanderzusetzen, und doch immer wieder auch nötig unter den heutigen Machtverhältnissen.
      Soz.Grüße!

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