Wider den Geschichtsrevisionismus der polnischen Regierung

Oder-NeisseSchon seit geraumer Zeit versucht die derzeitige reaktionäre Regierung in Polen gemeinsam mit den ukrainischen Faschisten auf Initiative und unter Rückendeckung durch die USA die Geschichte umzuschreiben, um die Rolle der Sowjetunion als Befreier Polens vom Faschismus zu leugnen und die europäische Nachkriegsordnung in Frage zu stellen. Diese betrügerische Haltung zog sich bis ins EU-Parlament, wo am 19. September 2019 eine Erklärung veröffentlicht wurde, die an Schamlosigkeit und Unverfrorenheit gegenüber den Befreiern vom Faschismus kaum zu überbieten ist. Hier nun eine Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse während der Besatzung Polen durch die faschistisch-deutschen Okkupanten bis zum gescheiterten Warschauer Aufstand und zur Befreiung Polens durch die sozialistische Sowjetunion.

1. Eine Bilanz des Grauens

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[1]

Diese Bilanz des Grauens soll nicht abgeschlossen werden ohne eine Fest­stellung, die den abgrundtiefen Unterschied zwischen der Haltung der faschi­stischen Unterdrücker und der der polnischen Freiheitskämpfer offenbart. Auf ihren Fahnen führte die polnische Volksarmee die Losung: ,,Für Eure und unsere Freiheit“. Daß diese Losung kein Lippenbekenntnis war, wissen die deutschen Antifaschisten, die in den Reihen der polnischen Partisanen für das neue demokratische Deutschland kämpften.


2. Der deutsche Überfall auf Polen

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Eine im „Völkischen Beobachter“ vom 25. September 1939 veröffentlichte Karte, die den deutschen militärischen Überfall auf Polen veranschaulicht.

Man braucht wirklich kein großer Stratege zu sein, um zu erkennen, wie der von den Nazis so gefeierte „Blitzsieg“ über Polen zustande kam. Die neben­stehende Karte macht deutlich, in welcher aussichtslosen Lage sich die polnischen Armeen trotz heldenmütigen Widerstandes von vornherein be­fanden. Wie kaum ein anderes Dokument beweist sie, was gemeint ist, wenn von der Notwendigkeit einer leicht zu verteidigenden Westgrenze ge­sprochen wurde. Gleichzeitig aber zeigt sie, in welcher bedrohten Lage sich die Sowjetunion befand, als die deutschen Armeen im Norden bis zur sowjetischen Grenze vorgestoßen waren.


3. Gegenmaßnahmen der Sowjetunion

Die Sowjetregierung sah sich zu Gegenmaßnahmen gezwungen, und so be­setzten Einheiten der Roten Armee das westbelorussische und westukrainische Gebiet Polens bis etwa zur Curzon-Linie. Dadurch nahm die Sowjetunion das im Zwangsfrieden von Riga (18. März 1921) abgetretene russische Gebiet, in dem 11 Millionen Belorussen, Ukrainer und Juden wohnten, wieder in Besitz. Außerdem stoppte sie den deutschen Vormarsch und bewahrte so die dortige Bevölkerung vor dem Schicksal der Polen im späteren „General­-Gouvernement“.

a) Die Lüge von der „vierten Teilung Polens“

Das sind die Tatsachen, die die völlige Haltlosigkeit der Behauptung er­kennen lassen, Stalin habe mit Hitler eine „vierte Teilung Polens“ vorge­nommen. Daß es sich bei einer solchen Darstellung um eine glatte Verdre­hung handelt, mußte halb wider Willen sogar der damalige britische Außen­minister Lord Halifax zugeben, als er am 26. Oktober 1939 vor dem Ober­haus unter anderem erklärte:

Es lohnt vielleicht, aus historischem Interesse daran zu erinnern, daß das Vorgehen der Sowjetregierung darin bestanden hat, die russische Grenze bis an eine Linie vorzuschieben, die im wesentlichen die Grenze darstellte, die zur Zeit der Konferenz von Versailles von dem lang­jährigen Leiter dieses Hauses und dem damaligen Außenminister Lord Curzon empfohlen worden war. [2]

b) Die Lüge von der sowjetischen Okkupation

Diese Erklärung des Außenministers ist aber auch deshalb wichtig, weil sie die später vorgetragene britische These entkräftet, Polen müsse an seiner Westgrenze für die „verlorenen Gebiete“ im Osten entschädigt werden. Die Sowjetunion hat den Friedensvertrag von Riga stets als Diktat betrachtet und daher diese englische Behauptung als falsch zurückgewiesen. Sie sah in der Übergabe der deutschen Ostgebiete an Polen keine Kompensation, sondern die materielle Wiedergutmachung und eine Garantie für die künf­tige Sicherheit des polnischen Staates, sowie die Befriedigung historischer Ansprüche.


4. Die polnische Exilregierung

Die polnische Regierung hatte nach dem deutschen Oberfall ihr Land ver­lassen und versuchte nun von London aus, die Geschicke Polens zu beein­flussen und die künftige Gestaltung des Staates vorzubereiten. An die Spitze der Regierung trat General Władysław Sikorski, der mit der britischen Regierung über den nach dem Kriege neu zu gründenden polnischen Staat verhandelte.

Antikommunistische Vorurteile

Sikorski berichtete, England und Frankreich hätten zugestimmt, daß Polen ein mächtiger Staat werden müsse. Es benötige in erster Linie eine längere Meeresküste, als ihm im Versailler Vertrag zugestanden worden sei. [3] Trotzdem verzichtete die Exilregierung lange darauf, mit ihrem natürlichen Bundesgenossen im Kampfe gegen den Hitler-Faschismus, mit der Sowjet­union, die Verbindung aufzunehmen. Erst nach fast zwei Jahren, nachdem Hitler ganz Europa überrannt und zuletzt auch die Sowjetunion überfallen hatte, schlossen die beiden Regierungen am 30. Juli 1941 ein Abkommen über gegenseitige militärische Hilfeleistung.

a) Die Goebbelsschen Lügen über Katyn

Nach der Verschlechterung der militärischen und politischen Lage Deutsch­lands, nach der Wende von Stalingrad, trafen die Nazis eine Reihe von Maßnahmen, um zwischen die Sowjetunion und die anderen Staaten der Anti-Hitler-Koalition einen Keil zu treiben. Eines der Mittel war, die Sowjetunion verbrecherischer Handlungen zu bezichtigen. Deshalb verbrei­tete das Goebbels-Ministerium im April 1943, deutsche Truppen wären bei Smolensk, im Walde von Katyn, auf Massengräber polnischer Offiziere ge­stoßen, die 1940 von sowjetischen Behörden „durch Genickschuß liquidiert“ worden seien.

b) Aufklärung der Wahrheit über Katyn

Nach der Befreiung von Smolensk untersuchte eine sowjetische Kommission die Vorgänge von Katyn und gab am 26. Januar 1944 das Ergebnis bekannt. Die wichtigsten Punkte dieser Erklärung lauten:

  • Die Massenerschießungen polnischer Kriegsgefangener im Wald von Katyn erfolgten durch eine deutsche Militärbehörde, die sich hinter dem fiktiven Namen „Stab des 537. Baubataillons“ verbarg, an deren Spitze Oberstleutnant Arnes und seine Mitarbeiter Oberleutnant Rext und Leutnant Hott standen …
  • Die deutschen Besatzungsbehörden holten im Frühjahr 1943 von anderen Orten Leichen der von ihnen erschos­senen polnischen Kriegsgefangenen zusammen und legten sie in die geöffneten Gräber im Wald von Katyn, wobei sie darauf rechneten, daß es ihnen gelingen werde, die Spuren ihrer eigenen Missetaten zu verwischen und die Zahl der „Opfer der bolschewistischen Greuel“ im Wald von Katyn zu erhöhen.
  • Bei den Vorbereitungen zu ihrer Provo­kation benutzten die deutschen Besatzungsbehörden für die Arbeiten zur Öffnung der Gräber im Wald von Katyn, zur Entfernung der Dokumente und Beweisstücke, die sie überführen könnten, etwa 500 russische Kriegsgefangene, die nach Ausführung dieser Arbeiten von den Deutschen erschossen wurden.

c) Die Ergebnisse der Untersuchung

Durch die Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchung wurde einwandfrei festgestellt:

a) der Zeitpunkt der Erschießung: Herbst 1941,
b) die deutschen Henker wandten bei der Erschießung der polnischen Kriegsgefangenen die gleichen Pistolenschüsse ins Genick an, wie bei dem Massenmord an Sowjetbürgern in anderen Städten, insbesondere in- Orel, Woronesch, Krassnodar und Smolensk selbst.

Die Schlußfolgerungen, die sich aus den Zeugenaussagen und dem ge­richtsmedizinischen Sachverständigengutachten über die Erschießung kriegsgefangener Polen im Herbst 1941 ergeben, werden durch die Be­weisstücke und Dokumente, die aus den Katyner Gräbern ausgegraben wurden, restlos bestätigt. [4]


4. Hetzkampagne gegen die UdSSR

In der gleichen Weise wurde der Fall Katyn auch später während des Nürn­berger Kriegsverbrecher-Prozesses eindeutig geklärt. Das hielt aber weder Mikołajczyk noch die Regierung der USA davon ab, acht Jahre später Katyn zum Gegenstand einer neuen Hetzkampagne gegen die Sowjetunion zu machen.

a) Die USA übernehmen die Goebbels-Lüge

Im Herbst 1951 wurde im amerikanischen Repräsentantenhaus ein Ausschuß gebildet, der den Fall Katyn noch einmal „klären“ sollte. Bezeichnenderweise erschien auch Mikołajczyk vor dem Ausschuß und er­klärte, seine Regierung habe schon vor den deutschen Bekanntmachungen ge­wußt, daß etwa 15.000 polnische Offiziere in sowjetischer Kriegsgefan­genschaft vermißt wurden. Es habe niemals ein Zweifel bestanden, daß die Schuld an dem Massenmord allein auf sowjetische Rechnung gehe.[5] Das Kabinett Sikorski griff 1943 die Propaganda-Lüge um Katyn sofort auf und leistete dadurch den Nazis direkte Hilfe.

b) Exilregierung unterstützt die Nazis

Während also die polnischen Freiheitskämpfer gegen die deutschen Eindring­linge kämpften, betrieb die polnische Exilregierung schon damals eine Politik, die den gemeinsamen Anstrengungen der Alliierten an der Front gröblich zuwiderlief. Dieses Verhalten zwang die Sowjetregierung, die diplomatischen Beziehungen zur polnischen Regierung abzubrechen. Am 4. Mai 1943 ver­öffentlichte TASS eine Erklärung der Sowjetregierung, in der die Bildung einer neuen polnischen Regierung gefordert wurde. Wenig später trat das Kabinett Sikorski zurück, und am 10. Juli 1943 folgte ein ebenso reaktionäres Kabinett unter Mikołajczyk.

c) Die Konferenz von Teheran

Vom 28. November bis zum 1. Dezember 1943 fand die Konferenz von Teheran statt, auf der Stalin und Molotow, Roosevelt und Hopkins, Churchill und Eden über die Zusammenarbeit der Großmächte während des Krieges berieten und Beschlüsse für die Regelung internationaler Nachkriegs­probleme faßten. Dabei wurde auch die Frage der zukünftigen polnischen Staatsgrenzen ausführlich erörtert und eine Übereinstimmung aller Beteilig­ten erzielt.

d) Churchills Vorschläge

Churchill bemühte sich kurz nach seiner Rückkehr von Teheran, Mikolajczyk und Romer, den polnischen Außenminister, zur Annahme eines Vorschlages zu bewegen, der folgende Punkte umfaßte:

  1. Die Polnische Regierung erkläre sich einverstanden, die sogenannte Curzon-Linie (mit der Verlängerung durch Ostgalizien) als Grund­lage für die Verhandlungen mit der Sowjetregierung anzunehmen.
  2. Die endgültige Regelung der Ostgrenze sollte mir der Überlassung Ostpreußens, Danzigs und Oberschlesiens bis zur Oder an Polen verbunden werden.
  3. Alle auf der Sowjetseite der polnischen Ostgrenze zurückgebliebenen Polen sollten das Recht erhalten, nach Polen zurückzukehren.
  4. Die gesamte deutsche Bevölkerung innerhalb der neuen Grenze Polens sollte aus Polen ausgesiedelt werden.
  5. Die Lösung entsprechend dieser Aufzählung würde die Zustimmung und Garantie der drei wichtigsten Alliierten erhalten. [6]

Im Falle eines Einverständnisses der polnischen Regierung mit den Vor­schlägen wollte Churchill mit Stalin verhandeln. um eine Verbesserung der polnisch-sowjetischen Beziehungen zu erreichen. Aber Mikołajczyk lehnte die Vorschläge ab.

e) Die antisowjetische Haltung der Exilregierung

Da auch das neue Exil-Kabinett nun ganz offen eine sowjetfeindliche Haltung zeigte, sah sich die Sowjetregierung zu folgender Erklärung veranlaßt:

  • Grenzfestlegungen: Am 5. Januar wurde in London eine Erklärung der Emigrantenregie­rung Polens über die Frage der sowjetisch-polnischen Beziehungen ver­öffentlicht, in der eine Anzahl falscher Behauptungen enthalten sind, darunter die falsche Behauptung über die sowjetisch-polnische Grenze. Wie bekannt, wurde in der Verfassung der UdSSR die sowjetisch-pol­nische Grenze in Übereinstimmung mit dem Willen der Bevölkerung der West-Ukraine und West-Belorußlands festgelegt; dieses erfolgte durch einen Volksentscheid, der auf breiter demokratischer Grundlage im Jahre 1939 durchgeführt wurde. Hierbei ging das Territorium der West-Ukraine, das in der überwiegenden Mehrheit mit Ukrainern be­völkert ist, an die Sowjet-Ukraine über, während das Territorium West­Belorußlands, das in der überwiegenden Mehrheit mit Belorussen be­völkert ist, an Sowjet-Belorußland überging.
  • Nationale Zugehörigkeiten: Die Ungerechtigkeit des Rigaer Vertrages, der im Jahre 1921 der Sowjetunion aufgezwungen wurde, hinsichtlich der Ukrainer, welche die West-Ukraine und der Belorussen, welche die Westgebiete Belo­rußlands bewohnten, wurde auf diese Weise korrigiert. Der Übergang der West-Ukraine und West-Belorußlands an die Sowjetunion hat die Interessen Polens nicht verletzt, sondern im Gegenteil, es wurde eine sichere Grundlage für eine feste und dauerhafte Freundschaft zwischen dem polnischen Volk und den benachbarten ukrainischen, belorussischen und russischen Völkern geschaffen.

5. Ein Freundschaftsangebot an Polen

Die Sowjetregierung hat wiederholt erklärt, daß sie für die Wieder­herstellung eines starken und unabhängigen Polen und für die Freund­schaft zwischen der Sowjetunion und Polen eintritt. Die Sowjetregierung erklärt erneut, daß sie bestrebt ist, auf der Grundlage dauerhafter gut­nachbarlicher Beziehungen und der gegenseitigen Achtung die Freund­schaft zwischen der UdSSR und Polen zu errichten und – wenn das polnische Volk es wünscht – auf der Grundlage eines Bündnisses der gegenseitigen Hilfe gegen die Deutschen, die Hauptfeinde der Sowjet­union und Polens. Der Beitritt Polens zum Sowjetisch-Tschechoslowa­kischen Vertrag über die Freundschaft, die gegenseitige Hilfe und die Zusammenarbeit in der Nachkriegszeit könnte der Verwirklichung dieser Aufgaben dienen.

a) Sowjetisch-polnische Waffenbrüderschaft

Die Erfolge der sowjetischen Streitkräfte an der sowjetisch-deutschen Front beschleunigen tagtäglich die Befreiung des besetzten Terri­toriums der Sowjetunion von den deutschen Eindringlingen. Der auf­opferungsvolle Kampf der Roten Armee und die sich entfaltenden Kampfhandlungen unserer Verbündeten bringen den Tag der Zerschla­gung der hitlerschen Kriegsmaschine· immer näher und damit die Befreiung Polens und der anderen Völker vom Joch der deutschen Okku­panten. In diesem Befreiungskampf erfüllen bereits der „Bund pol­nischer Patrioten in der UdSSR“ und das von ihm geschaffene polnische Armeekorps, das an der Front Schulter an Schulter mit der Roten Armee gegen die Deutschen kämpft, ihre ruhmreichen Aufgaben.

b) Sowjetisch-polnische Grenzabsprachen

Es ergibt sich jetzt die Möglichkeit der Wiederherstellung Polens als ein starker und unabhängiger Staat. Aber Polen darf nicht auf dem Wege der Eroberung der ukrainischen und belorussischen Gebiete wieder­erstehen, sondern .auf dem Wege der Rückgabe der durch die Deutschen weggenommenen uralten Gebiete an Polen. Nur auf diese Weise würde es möglich sein, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen den pol­nischen, ukrainischen, belorussischen und russischen Völkern wieder­herzustellen.

  • Die östlichen Grenzen Polens können nach einem Über­einkommen mit der Sowjetunion festgelegt werden. Die Sowjetregierung betrachtet die Grenzen von 1939 nicht als unabänderlich. An diesen Grenzen können Korrekturen zugunsten Polens in der Richtung vor­genommen werden, daß Gebiete, in denen die polnische Bevölkerung überwiegt, an Polen übergeben werden. In diesem Falle könnte die sowjetisch-polnische Grenze annähernd an der sogenannten Curzon­Linie verlaufen, die im Jahre 1919 vom Obersten Rat der Alliierten Mächte angenommen wurde und welche die Eingliederung der West-­Ukraine und West-Belorußlands in die Sowjetunion vorsieht.
  • Die Westgrenzen Polens müssen durch die Angliederung uralter pol­nischer Gebiete an Polen, die früher durch Deutschland weggenommen wurden, erweitert werden, da es sonst nicht möglich ist, das gesamte polnische Volk in seinem Staat zu vereinigen, der damit auch den not­wendigen Zugang zur Ostsee erhält. Das gerechte Bestreben des pol­nischen Volkes zu seiner vollständigen Vereinigung in einem starken und unabhängigen Staate muß Anerkennung und Unterstützung er­halten.

c) Gemeinsamer antifaschistischer Kampf

Die von dem Volke losgelöste Polnische Emigrantenregierung erwies sich unfähig, mit der Sowjetunion freundschaftliche Beziehungen herzu­stellen. Weiterhin erwies sie sich unfähig, den aktiven Kampf gegen die deutschen Eindringlinge in Polen selbst zu organisieren. Mehr noch, durch ihre falsche Politik hilft sie den deutschen Okkupanten nicht selten. Dagegen bestehen die Interessen Polens und der Sowjetunion darin, daß sich zwischen unseren Staaten feste freundschaftliche Beziehungen bilden und daß sich die Völker Polens und der Sowjet­union im Kampf gegen den gemeinsamen äußeren Feind vereinigen, wie es die gemeinsame Sache aller Verbündeter verlangt. [7]

d) Die Konferenzen von Jalta und Potsdam

Die Vertreter der Großmächte haben sich später auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam mit den fünf Punkten einverstanden erklärt. Daraus geht hervor, daß die Grundlagen für die Regelung der polnischen Grenzen in Teheran geschaffen wurden. Churchill vertrat trotz der Ablehnung Mikołajczyks seinen Standpunkt auch vor dem Unterhaus (22. Februar 1944) und wurde dabei von Eden unterstützt.

Auf einer späteren Besprechung zwischen Stalin, Churchill, Eden, Harriman und Mikołajczyk, die am 13. Ok­tober 1944 in Moskau stattfand, äußerte sich Churchill in der gleichen Weise und sagte, was die Grenzfrage angehe, so müsse er im Namen der britischen Regierung sagen, daß in Anbetracht der schweren Verluste, die die Sowjetunion erlitten habe, und angesichts der sowjetischen Hilfe bei der Befreiung Polens die Curzon-Linie als heue polnische Ostgrenze anerkannt werden müßte. Für das im Osten verlorene Gebiet solle Polen mit Ost­preußen und einem Teile Schlesiens entschädigt werden. Ähnlich äußerte sich Churchill, als er acht Wochen später vor dem Unterhaus ausführlich Stellung nahm. Diese Erklärungen sind insofern bemerkenswert, als in ihnen die britische Kompensationsthese erstmalig offiziell vorgetragen wird.

e) Warum war Churchills Erklärung falsch?

Wie eingangs schon erwähnt?, hat die Sowjetregierung diese Verquickung der beiden Grenzfragen von vornherein abgelehnt. Die Curzon-Linie war nicht – wie Churchill sagte – „Polens neue Ostgrenze“, sondern sie war die im Friedensvertrag von Versailles festgelegte alte ethnographische Ost­grenze. Es war also falsch, wenn Churchill von den „verlorenen Ostgebie­ten“ Polens sprach und damit die Gebiete meinte, die Polen dem jungen Sowjetstaat geraubt hatte.


6. Der polnische Freiheitskampf

Am 21. Juli 1944 überschritten polnische Streitkräfte Schulter an Schulter mit der Roten Armee den Bug und betraten den Boden ihrer Heimat. Schon am 22. Juli konstituierte sich das „Polnische Komitee der Nationalen Befreiung“, das dann von Lublin aus die staatliche Verwaltung in den befrei­ten Gebieten Polens ausübte. Es veröffentlichte am selben Tage ein Manifest, das als Richtschnur für den Wiederaufbau in den befreiten Gebieten dienen sollte. Die wesentlich­sten Punkte dieser Erklärung lauteten (gekürzt) [8]:

  • Die Stunde der Befreiung hat geschlagen.
  • Die „Regierung “ hemmte den Kampf gegen die Hitlerschen Okkupanten.
  • Der Nationale Rat sowie das Polnische Komitee der Nationalen Befreiung (PKNB) bestehen auf Grund der Verfassung vom 17. März 1921.
  • Das PKNB: Hauptaufgabe – Teilnahme des polnischen Volkes an der befreiung Polens und Zerschlagung des Faschismus.
  • Die polnische Außenpolitik wird demokratisch sein.
  • Unverzügliche Durchführung einer Bodenreform.
  • Sicherung des Existenzminimums.
  • Aufbau einer Sozialversicherung.
  • Aufbau des Genossenschaftwesens.
  • Wiederaufbau der Schulen und Spitäler

Die polnische Exilregierung verfolgte mit wachsender Beunruhigung den Gang der Ereignisse in Polen. Sie beobachtete das rasche Vordringen der Roten Armee und der ihr angeschlossenen polnischen Verbände und sah, wie sich in den befreiten Gebieten die Volksmacht festigte, ohne selbst die Möglichkeit zu haben, die Entwicklung in ihrem Sinne zu steuern. Deshalb entschloß sie sich zu Gegenmaßnahmen, bei denen sie sich auf die im Lande verbliebenen reaktionären Teile des polnischen Offizierskorps stützte, die das Kabinett Mikołajczyk als alleinige rechtmäßige Regierung anerkannten und die Zusammenarbeit mit demokratischen Körperschaften ablehnten.

Warum scheiterte der Warschauer Aufstand?

Der Plan der Exilregierung sah vor, in Warschau einen Aufstand auszulösen und die deutschen Besatzungstruppen zu vertreiben, noch ehe die Rote Armee die Weichsel überschritten hatte. Danach sollte die befreite Hauptstadt zum militärischen, politische und administrativen Zentrum derjenigen Kräfte werden, die sich für die Wiederherstellung der alten politischen und wirtschaftlichen Zustände in Polen einsetzten. Bezeichnend für das Doppelspiel der Westmächet war es, daß sie der Exilregierung die volle Unterstützung dieses reaktionären Unternemens zusagten.

Die Offensive der Roten Armee rollt vor Warschau aus

In den letzten Tagen des Juli 1944 näherten sich sowjetische Panzerspitzen der Weichsel. Aber durch den raschen Vorstoß hatten sich die Versorgungs­linien mehrere hundert Kilometer auseinandergezogen, so daß der Nach­schub ausblieb. Eine Überquerung der Weichsel war allerdings zu diesem Zeitpunkt auch aus taktischen Gründen gar nicht möglich, weil die vorge­stoßenen Kräfte dazu nicht ausgereicht hätten. So rollte die große Julioffen­sive der Roten Armee etwa 30 Kilometer vor Warschau aus.

Geplanter Mißerfolg einer militärischen Provokation

Als die ersten Sowjetpanzer gemeldet wurden, hielt der polnische General Bor-Komorowski den Zeitpunkt für gekommen, und am 1. August begann unter seinem Oberbefehl der Aufstand. Die Warschauer Bevölkerung, die den provokatorischen· Charakter dieses Unternehmens nicht durchschauen konnte, eilte mit Begeisterung zu den Waffen, um die verhaßten deuschen Faschisten zu vertreiben. Trotz der schwierigen militärischen Lage bemühte sich ein sowjetisches Panzerkorps, nach Warschau vorzustoßen und die Ver­bindung mit der kämpfenden Warschauer Bevölkerung herzustellen. Der Versuch mißlang, das Panzerkorps wurde eingekesselt und am 5. August aufgerieben.

Der sinnlose Tod von über 200.000 Aufständischen

Da außerdem die von den Westmächten zugesicherte Luftver­sorgung der unzureichend ausgerüsteten polnischen Aufständischen völlig versagte und Bor-Komorowski auch im Verlauf des Aufstandes eine Zu­sammenarbeit mit der Roten Armee ablehnte, brach der Aufstand nach achtwöchigem erbittertem Ringen zusammen. Er kostete über 200.000 pol­nischen Patrioten das Leben. [9]

[1] a.a.O. Heft 11/1952. („Jenseits der Oder“, Düsseldorf). Die erste illustrierte Zeitschrift erschien 1950 unter dem Titel „Jenseits der Oder“. 
[2] Parliamentary Debates, House of Lords, Official Report, Bd.114. Sp.1563.
[3] Vgl. dazu Holborn: War and Peace Aims of the Unitcd Nations, S.450.
[4] „Neue Zeit“, Moskau 1952. Beilage zu Nr.10.
[5] „Die Neue Zeitung“, Berlin, 15.November 1952.
[6] Vgl. Arthur Bliss Lane: I saw Poland betrayed.
[7] TASS, 11.Januar 1944, zitiert nach: Die Außenpolitik der Sowjetunion in der Periode des Vaterländischen Krieges (russ.).
[8] Kestings Archiv der Gegenwart, Essen, 1945, S.4.
[9] Wir empfehlen in diesem Zusammenhange den Roman „Unternehmen Thunderstorm“ von Wolfgang Schreyer, Verlag Das Neue Berlin. 1954.

Quelle:
„Oder-Neiße. Eine Dokumentation“, Kongreß Verlag Berlin, 1955, S.58-69.

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Weitere Kapitel des Buches:

V. Bonn setzt Hitlers „Ostpolitik“ fort

Die Nazis tauchen wieder auf
Ökonomische Hintergründe
Die These vom „historischen Unrecht“
„Lebensraum“ und Osthilfeskandal
Die These von der Ostmission
Die polnischen Westgebiete heute
Stimmen der Vernunft

VI. Die Politik der Deutschen Demokratischen Republik – eine Politik der Freundschaft

Die Neubürger
Deutsche Bekenntnisse zur Solidarität
Die Warschauer Deklaration – ein Markstein
Polnische Beweise der Freundschaft
Bündnispolitik
Der Warschauer Vertrag

Die Russische Föderation veröffentliche erstmals Dokumente über den Warschauer Aufstand, über die deutschen Konzentrationslager und über die Befreiung Warschaus und Polens im Jahre 1944:

Информация о Варшавском восстании
Донесение от 18 сентября 1944 года, подписанное офицером Армии Людовой – поручиком Г.Моравской.

Informationen über den Warschauer Aufstand
Bericht vom 18. September 1944, unterschrieben vom Offizier der Armija Ljudowa –  Oberleutnant G.Morawski. (Übersetzung aus dem Polnischen)

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Der Bericht des Oberleutnants der Polnischen Volksarmee, G.Morawski, gibt dem sowjetischen Oberkommando ein erschütterndes Zeugnis der Niederlage des Warschauer Aufstands. Darin heißt es: „…es wurde nicht ein einziger Bahnhof besetzt, nicht eine Bahnlinie blockiert. Das gab den Deutschen die Möglichkeit, sie während des gesamten Aufstands frei zu benutzen. Das Kościuszko-Ufer und die Autostraße blieben in deutschen Händen. Kurzum, es wurde nicht ein einziger strategisch wichtiger Punkt besetzt…“

Quelle: http://warsaw75.mil.ru/


Siehe auch:

Noch ist Polen nicht verloren
Rechtsradikale Regierung in Polen zollt Nazi-Kollaborateuren ihr Gedenken
Was geschah während der Befreiung Polens im Jahre 1944?
Von der Befreiung Polens bis zum Untergang des Sozialismus
Der Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen
Die neuen Nazis und Geschichtsfälscher in Polen

Der Auftragsmörder Witold Pilezki

Sputnik-News:

Wie „polnische Heimatarmee“ Ukrainer und Juden mordete – Neue historische Dokumente veröffentlicht

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2 Antworten zu Wider den Geschichtsrevisionismus der polnischen Regierung

  1. Ronny schreibt:

    Vielleicht noch als Ergänzung zu Katyn ist zu sagen, dass die Erschießungen durch deutsche 7,65 Munition erfolgte. Ich erinnere mich, dass vor ein paar Jahren die polnischen Geschichtsrevisionisten auf diesen Umstrand erwiderten, dass die „Russen“ diese Munition (statt Makarow 9mm) verwendeten, um ihre „Untat“ zu verschleiern !!
    Buch: Als ich Anfang der Sechziger Jahre zu Besuch in DDR war, bekam ich den polnischen Bildband „Wir haben es nicht vergessen“ von 1962 geschenkt. Nichts, aber auch gar nichts wurde darüber in den westdeutschen Schulen gesagt oder gelehrt. Man kann sich vorstellen, dass man mit diesem Wissen in den westdeutschen Schulen bei den teils noch alten Nazilehrern gemombbt wurde.
    Das Buch ist übrigens herausgegen worden vom Verband der Kämpfer für Freiheit und Demokratie und ist dreisprachig. Es gibt es antiquarisch u.a. bei zvab.
    Noch ein spannendes Buch von der Widerstandskämpferin Lea Große „Eine Inventur“.
    Dort schildert sie u.a. nach dem Überfall auf Polen ihre Flucht in die Sowjetunion über die Curzon Linie.
    …Und zu guter Letzt von Grover Furr „STALIN WAITING FOR….THE TRUTH“

    Ronny

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