Die staatsmonopolistische „Marktwirtschaft“ der BRD nach 1945 als Triebwerk neuer imperialistischer Machtkonzentration.

WestdeutschlandKarteWenn man sich die wirtschaftliche Entwicklung der westdeutschen Bundesrepublik nach 1945 anschaut, so fällt auf, wie schnell sich doch der Kapitalismus von den Folgen des Krieges wieder „erholt“ hat. Im nachfolgenden Beitrag sind einmal  einige wesentliche Wirkfaktoren und Hintergründe erklärt, wie es den Kapitalisten gelang, schon nach wenigen Jahren wieder Anschluß wieder an die entwickelten kapitalistischen Länder der Welt zu finden. Dabei wird sichtbar, wie breite Schichten des Volkes, vor allem die Arbeiterklasse dieses kapitalistischen Landes, in den Nachkriegsjahren ausgeplündert und betrogen wurden. (Und dabei ist noch nicht einmal die Annexion der DDR berücksichtigt!) Dr. Lutz Meier ist der Autor dieses (gekürzten) Beitrags…

Nachdem die Grundlagen des deutschen Imperialismus mit Hilfe des USA-Imperialismus und der anderen Besatzungsmächte durch die Spaltung der deutschen Nation gerettet wurden und die deutschen Monopole mit der Gründung der westdeutschen Bundesrepublik im Jahre 1949 wieder über einen eigenen Staatsapparat von unten bis oben verfügten, gingen die deutschen Imperialisten daran, ihre Positionen nach innen und außen zu festigen und auszubauen. Sie hatten das Ziel, als Verbündete der USA und durch Anerkennung deren führender Rolle in der westlichen Welt wieder zu einer imperialistischen Großmacht zu werden, um auf diesem Wege die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges rückgängig zu machen.

Die Verschmelzung der Monopole mit dem Staat

Die als Ausdruck der zweiten Etappe der allgemeinen Krise des Kapi­talismus im Vergleich zu früheren Perioden quantitativ und qualitativ ge­schwächte Stellung des deutschen Imperialismus, die Schärfe seiner inneren Widersprüche und die Kompliziertheit seiner innen- und außenpolitischen Situation führten dazu, daß diese Entwicklung sich von Anfang an mit einem höheren Grad der Verschmelzung von Monopolen und Staat vollzog als früher.

Der staatsmonopolistische Kapitalismus in der BRD

Im Unterschied zur ersten Nachkriegsperiode entwickelte sich jetzt ein der neuen Gesamtsituation des deutschen Imperialismus und den spezifischen Bedingungen dieser Periode angepaßtes System des staats­monopolistischen Kapitalismus. An Stelle der vorwiegend militärisch-ad­ministrativen Zwangsmaßnahmen von seiten ausländischer Besatzungs­mächte entwickelte sich ein eigenes staatsmonopolistisches Regulierungs­system des deutschen Imperialismus mit vorwiegend ökonomischen Zügen, das heißt, seine Lenkungsmaßnahmen stützten sich nach und nach auf die direkte und indirekte Anwendung vielfältiger ökonomischer „marktwirt­schaftlicher“ Instrumente.

Ein schneller konjunktureller Aufschwung

In erster Linie war die Einbeziehung des Staates in den Reproduktionsprozeß in dieser Periode auf die Ausnutzung be­stimmter relativ günstiger objektiver Bedingungen für einen schnellen kon­junkturellen Aufschwung gerichtet. Dies alles trug von Anfang an einen besonders ausgeprägten politischen Akzent, da die deutsche Monopolbour­geoisie das Ziel verfolgte, ihre schnelle ökonomische Stärkung zu einem Mittel der Bekämpfung der demokratischen Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik zu machen.

Zwei Besonderheiten der Nachkriegsperiode

Allgemein wird die staatsmonopolistische Entwicklung in der Nach­kriegszeit durch zwei Besonderheiten des wiedererstandenen deutschen Im­perialismus wesentlich beeinflußt:

1. Haupthindernis für jegliche Machgelüste, Expansionsbestrebungen und Kriegsabenteuer war die Existenz der DDR
2. Durch das Zusammengehen des westdeutschen Imperialismus mit anderen kapitalistischen Staaten erhoffte sich die BRD, die Ergebnisse des 2. Weltkriegs wieder rückgängig machen zu können

Die Widersprüche und Komplikationen bei der Ingangsetzung der Wirt­schaft und damit des kapitalistischen Ausbeutungsmechanismus in seiner Gesamtheit gehörten zu den Hauptursachen dafür, daß die Wiederbelebung des westdeutschen Imperialismus sofort mit umfassenden staatsmonopoli­stischen Maßnahmen begann.

Eine breite Umverteilung zugunsten der Monopole

Angesichts ihrer labilen Gesamtlage konnte und wollte die Monopolbourgeoisie die Ankurbelung der Wirtschaft nicht dem Selbstlauf überlassen. Sie brauchte eine ungewöhnlich schnelle Kon­zentration von Profiten und Kapital in ihren Händen, die nur durch eine mit der Kraft des Staates erzwungene breite Umverteilung von Vermögen zugunsten der großen Monopole, das heißt auf staatsmonopolistischem Wege, zu erreichen war.

Die separate Währungsreform als Initialzündung

Initialzündung waren die separate Währungsreform im Juni 1948, die wenige Tage danach durch die Aufhebung des Preisstopps unter Beibehaltung des Lohnstopps [1] und das D-Mark-Eröffnungsbilanzgesetz im August 1949. Die Währungsreform, das heißt die radikale Abwertung des Geldes und der Sparguthaben, beraubte die breiten Schichten der Bevölkerung nahezu ihrer gesamten Ersparnisse, während die sachlichen Vorrats- und Anlagevermögen der kapitalistischen Unternehmen davon völlig unberührt blieben. Die ansteigenden Preise er­gänzten diese umverteilende Wirkung, und schließlich wurde den kapita­listischen Unternehmern bei der Aufstellung der D-Mark-Eröffnungsbilan­zen die Möglichkeit zu einer beträchtlichen Auf- und Überbewertung ihres Sachanlagevermögens gegeben. „Der Gesetzgeber wollte den Betrieben mit diesen verhältnismäßig hohen Werten die Möglichkeit höherer steuerlicher Abschreibungen und damit erhöhter Reinvestitionen bieten.“ [2]

Konzentration und Zentralisation des Kapitals

Eine Untersuchung bei 2893 Aktiengesellschaften zeigt die veränderte Vermögensstruktur: 1938 war das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremd­kapital etwa 49,8:45,2; 1948 betrug es 81,8:17,5. [3] Die Bedeutung der „Initialzündungsmaßnahmen“ bestand also einer­seits in einer konzentrierten Umverteilung von Vermögenswerten größten Ausmaßes zugunsten der Monopolbourgeoisie und auf Kosten der Werk­tätigen. Die damit ausgelöste, sich schnell vergrößernde Konzentration und Zentralisation von Kapital war die entscheidende Voraussetzung für die technische Erneuerung des Produktionsapparates und die beschleunigte Entwicklung der wichtigsten Wirtschaftszweige.

Einige Widersprüche der Entwicklung…

Für die westdeutsche Wirtschaftsentwicklung waren in der damaligen Periode eine Reihe weiterer spezifischer Widersprüche charakteristisch. Vor allem war das der Widerspruch zwischen der schnell anwachsenden Nach­frage nach Geldkapital einerseits und dem zerrütteten kapitalistischen Finanzsystem, der Funktionsunfähigkeit des Kapitalmarktes andererseits. „Solange der Wirtschaft ein freier Kapitalmarkt nicht zur Verfügung stand, verblieb der Bundesregierung zur Unterstützung der Finanzierung von In­vestitionen nur der öffentliche oder öffentlich vermittelte Kredit, das heißt fiskalische Zwangs-kapitalbildung.“ [4]

Die fünf wichtigsten Formen der Regulierung

Hier die wichtigsten, den Akkumulationsprozeß beeinflussenden Formen staats-monopolistischer Regulierung:

  1. Als sogenannte Starthilfe dienten umfangreiche amerikanische „Hilfs“­lieferungen und Kredite. Ihre Gesamtsumme betrug bis 1955 rund 3,9 Mil­liarden Dollar. [5] Große Teile davon wurden zur Finanzierung von Investi­tionen verwandt.
  2. Die Staatsbetriebe: Der Anteil der Staatsbetriebe am Aktienkapital der Gesellschaften mit einem Grundkapital von über 100 Millionen D-Mark stieg in den Nachkriegsjahren (bis 1966) auf fast ein Drittel an.
  3. Eine in der Geschichte des deutschen Imperialismus beispiellose staatsmonopolistische Aktion stellte die staatlich erzwungene Umverteilung von Profit (Kapitalwanderung) aller Industriellen zugunsten einiger Zweige der Schwerindustrie und der Energiewirtschaft dar, die von westdeutschen Staatsapparat in den Jahren 1952 und 1953 druchgeführt wurde.
  4. Eine neuartige Maßnahme war die Bildung eines „Soforthilfefonds“. Angeblich sollten die gesammelten Vermögenswertabgaben zum Ausgleich der durch den Kreig erlittenen Lasten und Verluste der Bevölkerung ausgenutzt werden. Über die Hälfte der Mittel wurde jedoch zur Investitionsfinazierung und Deckung von Kapitalverlusten verwendet.(u.a. zur Finanzierung des kalten Krieges gegen die DDR)
  5. Großen Umfang nahmen die Steuerbefreiungen vor allem in Verbindung hoher Abschreibungssätze an. Die Abschreibungssätze in der westdeutschen Industrie betrugen in den Nachkriegsjahren durchschnittlich 15-20 Prozent, zeitweilig und in einzelenen Industriezweigen jedoch bis zu 50 Prozent.

Die verschleierte Steuerreform

Dazu kam die generelle Senkung der Steuersätze, die in den Nachkriegs­jahren systematisch durch wiederholte Steuerreformen vorgenommen wurde. Erzwungen durch das damalige Kräfteverhältnis der Klassen und den Einfluß der sowjetischen Besatzungsmacht auf die Militärregierungs­gesetze, waren anfangs sehr hohe Steuersätze in Kraft. Für Profite von über 1 Million D-Mark betrug zum Beispiel der Steuersatz für die Einkommen­steuer im Jahre 1948 über 92 Prozent und bis 1951 über 80 Prozent, bei der Körperschaftsteuer war bis 1953 ein Höchststeuersatz von 65 Prozent in Kraft. Durch die mehrfachen Steuerreformen sanken diese Sätze immer mehr und betrugen schon 1955 bei der Einkommensteuer nur noch 55 Pro­zent und bei der Körperschaftsteuer noch 45 Prozent. Hier zeigt sich be­reits das Wesen der mit viel sozialer Demagogie verschleierten Steuerrefor­men.

So wurde die Arbeiterklasse ausgeplündert…

Bei der sogenannten Großen Steuerreform im Jahre 1954 betrug das durch die Steuersenkung zustande gekommene zusätzliche Einkommen bei einem Jah­reseinkommen von 3.000 bis 5.000 D-Mark 30 bis 40 D-Mark (1 Prozent), bei einem Jahreseinkommen von über 100.000 D-Mark rund 10.000 D-Mark (10 Prozent) und bei einem Jahreseinkommen von über 1 Million D-Mark 150.000 D-Mark (15 Prozent).150 Hier zeigt sich am Einzelbeispiel das ganze Wesen des staatsmonopolistischen Ausbeutungsmechanismus, der, aus­gehend vom Klasseninteresse der Monopolbourgeoisie, die Ungleichheit der Vermögensverteilung immer mehr vergrößert und die Irreführung der Arbeiter durch einige materielle Mittel untermauert, die in der Regel vom Staat und damit zu einem beträchtlichen Teil von den werktätigen Steuer­zahlern selbst kommen.

Finanzierungsquellen

Der kapitalistische Akkumulationsprozeß als Triebkraft

Gerade die Untersuchung der Quellen des Akkumulationsprözesses ist für die Beurteilung des Entwicklungsgrades des staatsmonopolistischen Ka­pitalismus von besonderer Bedeutung. Schließlich liegt hier letztlich die Triebkraft der gesamten ökonomischen Entwicklung. Unsere bisherigen Darlegungen haben schon gezeigt, wie sich in der Nachkriegsperiode ein vielfältiges System der staatsmonopolistischen Investitionsstimulierung entwickelt hat.

Ständige wachsende Profite

Die staatsmonopolistischen Formen der Akkumulation ermöglichten also sowohl die Mobilisierung des entsprechenden Kapitalaufwandes als auch die Erschließung der sich daraus ergebenden ständig größer werdenden Profitquelle. Damit gelang es dem westdeutschen Imperialismus, den tech­nischen Vorsprung seiner ausländischen Konkurrenten beträchtlich zu ver­ringern und sie auf einigen Gebieten sogar schon zu überflügeln. Vor allem aber schuf er sich, besonders gegenüber England und Frankreich, günsti­gere Voraussetzungen für die Durchführung der in den weiteren Jahren immer stärker einsetzenden technischen Revolution.

„So ist es“, wie Wal­ter Ulbricht rückblickend diese von dort ausgehende Entwicklung ein­schätzte, „den westdeutschen Monopolherren nach ihrer äußerst schweren Niederlage von 1945 unter anderem deshalb gelungen, ihre alten Positio­nen wiederzuerlangen und sich eine ökonomische Vormachtstellung in Westeuropa zu sichern, weil sie die Bedeutung der technischen Revolution frühzeitig erkannt und entsprechend gehandelt haben.“ [6]

Schnelles Wachstum des Nationaleinkommens

In Verbindung mit der wachsenden Zahl der Beschäftigten, der steigenden Intensität der Arbeit und den strukturellen Verschiebungen zugunsten der sogenannten Wachstumsindustrien (vor allem Werkzeugmaschinenbau, Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Chemie und andere) ergaben sich insgesamt jene objektiven Wechselwirkungen, die das westdeutsche Nationaleinkommen schnell vergrößerten und nicht zuletzt auch den Hintergrund des sogenannten Wirt­schaftswunders mit seinen politischen Effekten bilden.

Verstärkte Machtkonzentration

Begleitet war diese vielgepriesene Entwicklung von einer auf Kosten der breiten Schichten des Volkes, vor allem der Arbeiterklasse, vollzogenen Machtkonzentration in den Händen der Monopolbourgeoisie.

Tab1
Tabelle 1 zeigt das Anwachsen der Konzentration der Produktion in der westdeutschen Wirtschaft. Im Jahre 1956 waren in den ausgesproche­nen Großbetrieben mit über 1000 Beschäftigten, die 2 Prozent der Gesamt­zahl der hier erfaßten Unternehmen darstellten, fast 40 Prozent aller Be­schäftigten konzentriert. In untrennbarer Verbindung mit der Konzentra­tion der Produktion entwickelte sich gesetzmäßig die Konzentration des Kapitals.

Erhebliches Wachstum der großen Monopole

Tab2
Abb2

Trotz der Eigenart des kapitalistischen Aktienwesens illustrieran Tabelle 2 und Abbildung 2 augenscheinlich den Prozeß der Konzentration des Kapitals. Am deutlichsten spiegelt er sich darin wider, daß bei den Aktiengesellschaften mit einem Kapital über 100 Millionen D-Mark, die 1938 über 25 Prozent des gesamten Aktienkapitals verfügten, im Jahre 1953 bereits 34,2 Prozent und 1956 über 40 Prozent des gesamten Aktienkapitals konzentriert waren. Bis 1961 wuchs dieser Anteil sogar auf 52,4 Prozent. Wenn man dabei noch berücksichtigt, daß eine solche Statistik nur einen Teil der tatsächlichen Querverbindungen zwischen den großen Konzernen erfaßt, so ist klar, daß der Grad der wirklichen Machtkonzentration noch weitaus höher ist.

Erhebliches Wachstum der Großbanken

Hervorheben muß man noch die besondere Kapitalmacht der Großban­ken, die 1956 ebenfalls den Stand von 1938 bereits weit übertraf und sich bis 1961 im Vergleich zum Vorkriegsstand etwa vervierfachte (vgl. Abb. 3).

Abb3

Die Umsatzentwicklung (1950-1959)

Der Zusammenhang der Konzentration der Produktion einerseits und des Kapitals andererseits spiegelt sich eindeutig in der vom Deutschen Wirt­schaftsinstitut berechneten Umsatzentwicklung nach der sozialökonomi­schen Gliederung der Betriebe wider (vgl. Tabelle 3).
Tab3
Die Umsatzentwicklung der Großbourgeoisie hebt sich deutlich von der der anderen Gruppen ab. Von 1950 bis 1955 wurde ihr Umsatz mehr als verdoppelt und überstieg wesentlich die 50-Prozent-Grenze vom Gesamt­umsatz. Bis 1959 vervierfachte sich der Umsatz der Großbourgeoisie im Vergleich zu 1950, während der Umsatz der kleinen und mittleren Unter­nehmer sich nicht einmal verdoppelte und der Umsatz der kleinen Waren­produzenten etwas mehr als das Doppelte des Standes von 1950 erreichte.

Das angebliche „Wirtschaftswunder“

Die in Westdeutschland vor sich gegangene schnelle Konzentration der Produktion und des Kapitals verkörpert die wiedererstandene Macht der Monopole und damit des deutschen Imperialismus. Hinter den angeführten Zahlen verbirgt sich die maßlose Bereicherung der großen Konzerne, wie der Nachfolgegesellschaften der IG-Farben (Badische Anilin- & Soda­Fabrik AG, Farbenfabriken Bayer AG, Farbwerke Hoechst AG), des Thyssen-, Mannesmann-, Hoesch-, Klöckner- und Krupp-Konzerns, der AEG und des Siemens-Konzerns, der Wintershall-Quandt-Gruppe, der Metallgesellschaft Degussa, der Großbanken und anderer Privatmonopole. Sie vollbrachten das „Wunder“, die Anstrengungen der Millionen Arbei­ter in Millionen Profite zu verwandeln, so daß ihre Kapitalmacht trotz der Kriegsfolgen und der „Vermögensverluste“ in der Deutschen Demo­kratischen Republik sowie in den ehemals okkupierten Gebieten anderer sozialistischer Staaten den in der Kriegszeit erreichten Höhepunkt der wirt­schaftlichen Machtkonzentration bereits Mitte der fünfziger Jahre beträcht­lich übertraf. [12]

Eine qualitativ neue Stufe der Monopolherrschaft

Zugleich umfaßt der Konzentrationsprozeß auch die Entwicklung der Staatskonzerne, Staatsbanken, das Anwachsen des Haushalts und anderer staatlicher Institutionen, deren wirtschaftliche Potenzen in der oben dar­gestellten Weise für die Restauration des imperialistischen Systems eingesetzt wurden. Überhaupt ist das Konzentrationsproblem in den Nachkriegs­jahren noch mehr als früher nur dann zu verstehen, wenn man es als Zu­sammenwirken der Kraft der privaten Monopole mit der des Staates auf­faßt, das heißt als die Konzentration und Zentralisation eines immer grö­ßeren Teils der ökonomischen Potenzen der gesamten Gesellschaft sowohl in den Händen der privaten Großunternehmen als auch in den Händen des Staates. Je mehr diese beiden Kräfte zu einem Ganzen, zu einem einheit­lichen Apparat zusammenwuchsen, desto mehr wurde die Macht der ein­zelnen Monopolgruppen über ihr eigenes, privates Monopoleigentum hin­aus um die gewaltige ökonomische Macht des Staates erweitert. Damit bildete sich in Westdeutschland eine qualitativ neue Stufe der Monopol­herrschaft heraus.

Unverminderter Expansiondrang…

Zwangsläufig ergaben sich daraus von neuem der Expan­sionsdrang und die Aggressivität des deutschen Imperialismus, die durch seine spezifische Nachkriegslage besonders verstärkt wurden. Bekanntlich hatten die deutschen Monopole ihre Positionen auf den in­ternationalen Rohstoff- und Absatzmärkten sowie Kapitalanlagesphären im Ergebnis des Krieges völlig eingebüßt. Durch die Entstehung des sozia­listischen Weltsystems waren dem deutschen Imperialismus traditionelle Expansionsgebiete endgültig versperrt.

Durch die noch stärker ausgeprägte historisch gewachsene Industriestruktur war die Exportabhängigkeit der westdeutschen Industrie aber noch größer geworden. Die daraus erwach­senden Widersprüche drängten zu einer schnellen neuerlichen „Erschlie­ßung“ des kapitalistischen Weltmarktes durch das westdeutsche Monopol­kapital, das zu diesem Zweck den bedeutenden Vorsprung seiner Konkur­renten wettmachen mußte. So wurde die staatliche Exportförderung eine der Hauptseiten der staatlichen Eingriffe in den Reproduktionsprozeß. Natürlich stimulierten die bereits dargestellten Investitionsförderungsmaß­nahmen bereits wesentlich die Konkurrenzfähigkeit der westdeutschen Indu­strie. Sie wurden aber durch eine ganze Reihe spezieller staatlicher Export­förderungsmaßnahmen ergänzt, die ihrerseits auch auf den Konzentrations­prozeß des Kapitals zurückwirkten.

Anmerkungen und Quellenangaben:
[1] Erst im Dezember 1948, nach einem 24stündigen Streik von 5 Millionen Arbeitern, wurde der bis dahin noch aufrechterhaltene Lohnstopp aufgehoben. Erhard schrieb dazu lakonisch: „Zwar mögen diese Preisberichtigungen zum Teil über das notwendige Maß einer Anpassrmg an ein verändertes Kostengefüge hinausgegangen sein, woraus naturgemäß beträchtliche Unternehrnergewinne erwuchsen. Diese selbst lösten Ärgernis aus und führten zu einer un­erfreulichen sozialen Optik. Man mag diese Art der Kapitalbildung kritisieren, aber seinerzeit bildete sie die Grundlage für den Wiederaufbau der verlorengegangenen bzw. vernichteten Kapazitäten.“ (Ludwig Erhard: Wohlstand für alle, Düsseldorf 1957, S. 29.)
[2] Erich Kosiol: Anlagenrechnung. Theorie und Praxis der Abschreibungen, Wiesbaden 1955, S. 229.
[3] Ottomar Kratsch: Die Wirkung der Amortisationen auf die Akkumulation des Kapitals im staatsmonopolistischen Kapitalismus, Dietz Verlag, Berlin 1962, S. 78.
[4] Deutschland-Jahrbuch 1953, Essen, S. 154.
[5] J. Chmelnizkaja: Der westdeutsche Monopolkapitalismus, Berlin 1962, S. 30,
[6] Walter Ulbricht: Antwort auf aktuelle politische und ökonomische Fragen. 7. Tagung des ZK der SED, Dietz Verlag, Berlin 1964, S. 18.
[7] Berechnet nach: Die Industrie der Bundesrepublik Deutschland, Teil 1 (Stuttgart, Köln), 1951, Nr.7, S.42/43. – Ebenda, 1957, Sonderheft 14, S.27/28. – Industrie nnd Handwerk (Stuttgart, Mainz), 1961, Reihe 4, S.6/7 u. 10/11.
[8] DWI-Berichte, 1963, Heft 15/16, S.5.
[9] Wirtschaft und Statistik, 1955, Heft 3, S.142.
[10] ebd. 1957, Heft 3, S.161.
[11] DWI-Berichte, 1963, Heft 15/16, S.5.
[12] vgl. DWI-Berichte, 1956, Heft 13, S.4ff.

Quelle:
Imperialismus heute. Dietz Verlag Berlin, 1966, S.85-104 (gekürzt).

pdfimage  Die Marktwirtschaft der BRD nach 1945


Und so wurde die kapitalistische BRD 1981 in einem DDR-Lexikon beschrieben:

Die Bundesrepublik Deutschland (BRD)

Die BRD ist ein kapitalistischer Staat in Mitteleuropa. Sie umfaßt eine Fläche von 248.118 km², auf der etwa 60 Millionen Menschen leben. Die Hauptstadt ist Bonn.

Die Oberfläche der BRD gliedert sich in drei große Landschaften: Das Tiefland mit der Nordseeküste im Norden, das Mittel­gebirgsland mit den Mittelgebirgen (zum Beispiel das Rheinische Schiefergebirge, der Schwarzwald, der Bayerische Wald) und im Süden _ das Hochgebirge der Alpen. Schiffbare Flüsse auf dem Gebiet der BRD sind der Rhein, die Donau, die Elbe und die Weser. Die Flüsse sind durch Kanäle miteinander verbunden.

An Bodenschätzen verfügt die BRD über reiche Steinkohlenlagerstätten im Ruhr­gebiet und im Saarland. Von Bedeutung sind auch die Braunkohlenlagerstätten westlich des Hhems bei Köln, die Kalisalz­lagerstätten sowie die Vorkommen von Erdöl und Erdgas im Tiefland der BRD. Industrie, Verkehr und Landwirtschaft der BRD sind hochentwickelt.

Monopolunter­nehmen und Großbanken beherrschen die Wirtschaft. Ihre Vertreter sitzen auch im Bundestag und Bundesrat und bestimmen die Politik der BRD. Die BRD ist der be­deutendste Mitgliedstaat der Europäi­schen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Die Monopole der BRD versuchen, über die EWG die Wirtschaft der kapitalistischen Staaten Europas zu beherrschen. In der BRD gibt es heute nur eine Partei, die für eine gerechte Ordnung im Interesse der werktätigen Menschen kämpft. Das ist die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Ihre Anhänger werden von den imperiali­stischen Machthabern verfolgt. Man ent­läßt sie aus ihren Ämtern oder verweigert ihnen die Ausübung ihres Berufs.

Das wichtigste Industriegebiet der BRD ist das Nordrheinisch-Westfälische Industrie­gebiet mit dem Ruhrgebiet als Zentrum. Auf der Grundlage reicher Steinkohlen­lager und guter Verkehrsbedingungen haben sich im Ruhrgebiet vor allem die Eisen- und Stahlindustrie, der Maschinen­bau und die chemische Industrie entwik­kelt. Dort liegen die Industriestädte Köln, Düsseldorf und Essen.

Weitere bedeu­tende Industriezentren sind die Ha­fenstädte Hamburg und Bremen, das Rhein-Main-Industriegebiet um Frankfurt und die Industriegebiete um Stuttgart, München und Nürnberg. Die wichtigsten Industriezweige in diesen Gebieten sind der Maschinenbau, die elektronische und elektrotechnische Industrie, die chemische Industrie und der Gerätebau.

Quelle: Von Anton bis Zylinder – Lexikon für Kinder. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1981, S.75f.
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