Ist das Abendland denn noch zu retten?

SpenglerAls der Philosoph Oswald Spengler nach dem ersten Weltkrieg seine „kopernikanische Wende“ in der Geschichtsschreibung proklamierte und gegen den Marxismus und die materialistische Geschichtsauffassung zu Felde zog, fand er in Kreisen des deutschen Bildungsbürgertums und bei philosophischen Dilettanten eine beträchtliche Anhängerschaft. Vor allem seine rassistischen und antidemokratischen Ansichten, seine Interpretation des Preußentums als spezifisch deutscher „Sozialismus“ machten Spengler zu einem der wichtigen geistigen Wegbereiter des deutschen Faschismus, wenngleich er selber diesem nach 1933 auch skeptisch gegenüberstand. Die deutsche Monopolbourgeoisie jedoch nahm die Idee eines „christlichen Abendlandes“ jederzeit gerne zu Hilfe, um ihre Macht- und Weltherrschaftsansprüche zu bemänteln.

Auch die rechtsextremistische AfD will „unsere abendländische und christliche Kultur… bewahren“, wie es in deren Grundsatzprogramm heißt. Sie befürchtet eine „asiatische Überflutung“ durch artfremde islamische Flüchtlinge und eine Bedrohung der deutschen Kultur. Ähnlich äußert sich auch die sog. Pegida. Eine Rechtfertigung heutiger „Kreuzzüge“? Wer oder was auch immer damit gemeint sein mag – dahinter steckt ein militanter Antikommunismus…

Worin besteht die Abendland-Ideologie?

Diese undemokratische und fremdenfeindliche Ideologie besteht aus einem ganzen System historisch, soziologisch, politisch, kulturell, geogra­phisch, philosophisch und religiös begrün­deter reaktionärer Anschauungen, die vor allem vom westdeutschen Imperialismus zur Recht­fertigung und zur Verschleierung seiner vor allem auf die Vorherrschaft in Europa ge­richteten Macht- und Expansionspolitik benutzt werden.

Ein pseudohistorischer Ost-West-Gegensatz

In diesem Sinne wird versucht, die gesamte geschichtliche Vergangenheit Europas in den Dienst der Abendland-Ideologie zu stellen. Im Mittelpunkt steht dabei ein pseudohistorisch abgeleiteter Ost-West-Gegensatz, bei dem schlechthin alles „Westliche“ mit Freiheit, Kultur, Humanismus u.a. positiven Wer­ten identifiziert, alles „Östliche“ dagegen in Antithesis dazu gesetzt wird (→ Totalitaris­mus).

Der missionarische Drang nach dem Osten

Von den Zentralbegriffen des ptole­mäischen Weltbildes Orient und Okzident ausgehend, wird die Verbreitung des Chri­stentums, die Entstehung des Weströmischen Reiches und die spätere Vermischung des Weströmischen mit dem Germanischen als eigentlicher Ursprung des „Abendländischen“ dargestellt. Die machtpolitische Ausein­andersetzung Roms mit Byzanz wie auch der spätere Kampf der europäischen Völker gegen die Hunnen, Awaren, Magyaren und Mongolen wird in ebenso apologetischer Ab­sicht dem Ost-West-Gegensatz zugeordnet wie die Kreuzzüge der katholischen Kirche oder die Ostexpansion der deutschen Ordensrit­ter.

Die „großen Deutschen“ – eine Umwertung der Geschichte

Mit fortschreitendem Geschichtsverlauf wurde der Begriff „Abendland“ mit dem Begriff „Europa“ in Verbindung gebracht und schließlich identifiziert. Alle bedeut­samen Geister der europäischen Geschichte aus Kunst, Philosophie, Politik und Wissen­schaft wurden als historische Persönlichkei­ten des Abendlandes gefeiert. Dementspre­chend wurden in den letzten Jahren in der reaktionären westdeutschen Historiographie einige hervorragende Persönlichkeiten der deutschen Ge­schichte – darunter Martin Luther und Otto von Bismarck – aus „großen Deutschen“ zu „großen Europäern“ umgewertet.

Ein christlich verbrämtes Europa

Mit dem Streben des deutschen Imperialismus nach „Neuaufteilung der Welt“ entstand um die Jahrhundertwende die Idee der „Vereinig­ten Staaten von Europa“, die ihren Nieder­schlag vornehmlich in dem von Friedrich Naumann entworfenen „Mittcl-Europa­Plan“ fand. Nach diesem Plan sollte eine vom imperialistischen Deutschland beherrschte, christlich-sozial verbrämte „vernünftige Großraumordnung“ geschaffen werden. Einige opportunistische sozialdemokratische Führer, darunter Karl Kautsky, unterstützten die Idee der „Vereinigtcn Staaten von Europa“. W.I. Lenin bekämpfte diese Hal­tung und hob hervor, daß „die Vereinigten Staaten von Europa unter kapitalistischen Verhältnissen unmöglich oder reaktionär“ sind.

Antikommunistische Ideologen…

1923 begründete Richard Graf Cou­denbove-Kalergi im Zeichen des → Anti­kommunismus die sog. Paneuropa-Bewegung, eine neue, nunmehr antisowjetisch ausgerich­tete Aktion der Europa-Ideologen. Unter der Flagge der Paneuropa-Bewegung ver­folgten namentlich Gustav Stresemann in Deutschland, Aristide Briand in Frankreich und James Ramsay MacDonald in England die machtpolitischen Interessen der herrschen­den Klassen ihrer Länder.

Die Wegbereiter des deutschen Faschismus

Auch der Hitler­faschismus (→ Faschismus) bediente sich bei der Verfolgung seiner Aggressionsziele der Abendland-Europa-Idee. Die revanchistischen und antikommunistischen Losungen von der „Neuordnung Europas“ und der „Rettung der abendländischen Kultur“ waren Hauptbestandteile der Naziideologie. An die Paneuropa-Bewcgung vor 1933 an­knüpfend, entstanden nach 1945 die ver­schiedensten Vereinigungen, die erneut der reaktionären Europa-Idee huldigten.

Britische und US-amerikanische Demagogen…

Anhän­ger der unter anglo-amerikanischem Einfluß restaurierten Paneuropa-Bewegung waren u.a. John Foster Dulles und Winston Leo­nard Spencer Churchill. Zu den aktivsten Verfechtern der Abendland-Europa-Idee wurden jedoch die in der westdeutschen Bundes­republik wieder zur Macht gelangten deutschen Imperialisten und Militaristen. Unter der Losung der „Integration Europas“ und der „Abendländisch-atlantischen Gemeinschaft“ werden die alten Ziele des deutschen Imperialismus unter gewandelten Bedingungen im Zeichen des Nordatlantikpaktes (NATO), der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG/EU), der Euro­päischen Atomgemeinschaft, der Westeuropäischen Union u.a. imperialistischer Organe und Vereinigungen heute weiter ver­folgt. (s.a. „Atlantikbrücke“)

Quelle: Sachwörterbuch der Geschichte (2 Bde.), Dietz Verlag Berlin, 1969, S.5f.

Wer förderte diese reaktionäre Propaganda?

Dafür gab es eine „Abendländische Akademie“. Sie wurde 1955 von Friedrich August Freiherr von der Heydte gegründet. Die Mitglieder kamen zum großen Teil aus der 1951 gegründeten Abendländischen Aktion, einer Tarnorganisation des Bundesnachrichtendienstes. Nach öffentlichen Protesten zog sich die Akademie nach Spanien zurück, wo beste Beziehungen zum Europäischen Informations- und Dokumentations-Zentrum (CEDI) des Otto von Habsburg bestanden.

Abendländische Akademie: ultrareaktio­näre Bewegung in der westdeutschen Bundesrepu­blik, die offen den Zusammenschluß eines katho­lischen „Abendlandes“ unter der Führung einer starken katholischen „Elite“ propagiert. Sie verfolgte einen extremen Antikommunismus und Antidemokratismus. So waren deren Ziele u.a. die Wiedererrichtung der Monarchie und die Außerkraftsetzung demokratischer Grundrechte. Sie ging im Juli 1953 aus der sog. Abendländischen Aktion hervor, die am 25. Aug.1951 in München gegründet worden war.

AbendlandZentrum dieser Bewegung war die Zeitschrift „Neues Abendland“, Augs­burg, deren Herausgeber, Gerhard Kroll, ihr Vorsitzender wurde. Zu den Gründungsmitgliedern der Abendländischen Aktion gehörten weiter der Besitzer des Verlages „Neues Abend­land“, Erich Fürst von Waldburg zu Zeil, Friedrich August Freiherr von der Heydte und Georg Stadtmüller. Obwohl das Wirken der Abendländischen Akademie gegen das Grundgesetz verstieß, gehörten ihr führende westdeutsche Politiker an, so die langjährigen Bundesminister Hein­rich von Brentano und Hans Joachim von Merkatz sowie der ehemalige Vizepräsident des Bundestages Richard Jaeger, daneben Vertreter des hohen Klerus, der Landsmannschaf­ten u.a.

Sie trat mit Jahresversammlun­gen an die Öffentlichkeit. Bei Bundestags­wahlen unterstützte sie die CDU/CSU. Seit die Zeitschrift „Neues Abendland“ im Jan. 1956 ihr Er­scheinen einstellte, vertreten solche Zeitun­gen wie „Deutsche Tagespost“, Regensburg, und „Rheinischer Merkur“, Koblenz/Köln, Sitz der Abendländischen Akademie war Eichstätt.


Doch nun noch einmal im Klartext!

Wer war Spengler?

Oswald Spengler (1880-1936) war Antikommunist. Als einer der militantesten Vertreter kulturpessimistischer geschichtsphilosophischer Auffassungen des deutschen Imperialismus wendete er sich gegen die kommunistischen und sozialistischen Bestrebungen der Arbeiterklasse. „Blut und Geschichte“ sollen für die Wahrheit seiner Überlegungen zeugen. Er verstand seine historischen Untersuchungen als „Philosophie des Schicksals“. Jede Kultur besitze eine eigene „Seele“. Ihre Entwicklung unterliege einer schicksalhaften (d.h. also vom Menschen unbeeinflußbaren!) Verlaufsgesetzlichkeit. Immer gebe es Herrschaft und Knechtschaft, immer existieren Rassendifferenzen.

Auch die Gesinnung der Humanität und des Pazifismus, die Behauptung der Menschenrechte, die Forderung der Nächstenliebe werden von Spengler als Zeichen für den „Untergang des Abendlandes“ angesehen. Die einzig mögliche Philosophie unter diesen Bedingungen sei die Skepsis. Seine Hauptschrift, die noch in einer Phase bürgerlicher Saturiertheit, zu einer Zeit, in der die Monopolbourgeoisie Deutschlands  versuchte, ihre „Weltherrschaftsansprüche“ militärisch durchzusetzen, konzipiert wurde, wirkte vor allem in den 1920er Jahren bei der geistigen Vorbereitung des deutschen Faschismus maßgeblich mit. [1] Soviel also zu Spengler!

Der dialektische und historische Materialismus

Diesen fortschrittsfeindlichen Auffassungen eines Oswald Spengler setzen wir den historischen Optimismus der marxistisch-leninistischen Geschichtsauffassung entgegen. Die Wissenschaft ist stets ein Feind der bürgerlichen Ideologie. Ihre Verbreitung in der Arbeiterklasse ist die entscheidende Voraussetzung dafür, das wissenschaftliche Denken zu entwickeln und sich damit von der geistigen Manipulierung durch solche reaktionären Theorien zu befreien.

Geistiger Pauperismus in der BRD

Das Denkvermögen einer großen Zahl von Menschen wurde unter den staatsmonopolistischen Verhältnissen in Westdeutschland sukzessive zerstört bzw. pervertiert. Erschreckend ist es, was vor einiger Zeit einmal das westdeutsche Fernsehen über den Wissensstand und die Urteilsfindung der Bundesbürger zu berichten wußte. Auf die Frage, wer am zweiten Weltkrieg schuld sei, antworteten 51%: alle Beteiligten; 7%: Deutschlands Gegner und nur 30%: Hitler. Darüber wo Vietnam liegt, konnten 78% keine oder nur falsche Angaben machen, 84% der befragten Bundeswehrsoldaten waren gegen die Oder-Neiße-Grenze, aber nur 15% wußten, wo Wrocław und Szczecin liegen. [2]

Der bürgerliche Philosoph Karl Jaspers meinte: „Ein Symptom des Zustandes in der Bundesrepublik ist es, daß so außerordentlich wenige Menschen Verantwortung im Ganzen zu übernehmen fähig und bereit sind. Alle sind begierig, irgendwo Rückendeckung zu haben, … wagen es nicht, eigenständig sie selbst zu sein, Entschlüsse zu fassen mit dem Ernst: ,Hier stehe ich, ich kann nicht anders!‘ und dafür zu haften … Alle erwarten, daß etwas über ihnen steht … Sie weichen zurück vor der höheren Aufgabe, im Ganzen des Schicksals, das heißt politisch, Führung und Verantwortung zu übernehmen.“ [3]

Ein „christliches Abendland“ gibt es nicht, ebensowenig wie ein „islamistisches Morgenland“. Und es gibt auch keine „abendländischen Kultur“. Wenn allerdings mit dem „Abendland“ der Kapitalismus gemeint sein soll, dann können wir versichern – der ist nicht mehr zu retten!


Was ist das Ziel der menschlichen Tätigkeit?

Das humanistische Ziel der produktiven Tätigkeit des Menschen ist die Vermehrung der Güter, des Wohlstands, die Hebung des Lebensstandards aller Menschen, die Befreiung der Menschheit von Krankheit und Not. Der verfaulende Kapitalismus hat es jedoch fertiggebracht, mit seiner produktiven Tätigkeit das entgegengesetzte Ziel zu verfolgen: die Verarmung der Massen, die Sicherung immer steigender Profite für eine winzige Minderheit, Zerstörung der menschlichen Kultur und Vernichtung des Lebens von Millionen in den imperialistischen Kriegen.

Die Kultur – ein Spiegel des gesellschaftlichen Lebens

Die Kultur ist eine wesentliche Seite der gesellschaftlichen Lebenstätigkeit der Menschen. Jede Gesellschaftsformation bringt ihre eigene Kultur hervor, wobei sie das kulturelle Erbe der Vergangenheit entsprechend ihren Bedingungen teils übernimmt und verarbeitet, teils ablehnt. In der DDR wurde im Verlaufe der sozialistischen Entwicklung eine sozialistische Nationalkultur geschaffen, die alles Progressive und Humanistische der deutschen Kultur fortführte, es mit den kulturellen Traditionen des revolutionären Kampfes der deutschen Arbeiterklasse und den Errungenschaften der internationalen Kultur verband.

Die Zukunft heißt Sozialismus

Die Klassiker des Marxismus-Leninismus haben in ihrer Theorie den Weg zu einer besseren Zukunft der gesamten Menschheit gezeigt. Der wissenschaftliche Sozialismus entspricht den Interessen der fortschrittlichsten Kräfte der Gesellschaft, der Arbeiterklasse und aller Werktätigen. Die Völker der Sowjetunion haben nach 1917 bewiesen, daß eine bessere Welt möglich ist. Unter der Führung von Lenin und Stalin befreiten sie sich in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution von Unterdrückung und Ausbeutung und gestalteten in der UdSSR ein neues, gesellschaftliches Leben. Die prophetischen Worte von Friedrich Engels fanden somit ihre Bestätigung: „Die Menschen, endlich Herren ihrer eigenen Art der Vergesellschaftung, werden damit zugleich auch Herren der Natur…“ [4]


[1] Dieter Pasemann: „Oswald Spengler“. In: Philosophenlexikon,Dietz Verlag, Berlin 1982, S,857-859.
[2] Manipulation. Die staatsmonopolistische Bewußtseinsindustrie. Dietz Verlag, Berlin 1968, S.446f.
[3] Karl Jaspers: „Wohin treibt die Bundesrepublik?“, Piper Verlag, 1966, S.150.
[4] Karl Marx/Friedrich Engels. Ausg.Schriften, Bd.II, Dietz Verlag, Berlin 1952, S.144.
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15 Antworten zu Ist das Abendland denn noch zu retten?

  1. „Das humanistische Ziel der produktiven Tätigkeit des Menschen ist die Vermehrung der Güter, des Wohlstands, die Hebung des Lebensstandards aller Menschen, die Befreiung der Menschheit von Krankheit und Not.“ Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, „die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“, das gesellschaftliche Verhältnis „Herr-Knecht“ zu beenden.

    • sascha313 schreibt:

      …präzise! – und das Privateigentum an den Produktionsmitteln zu beseitigen! (Auch wenn man die Milliardäre nicht erschießen will, aber man muß sie wenigstens vollständig enteignen und davonjagen!)

    • Harry56 schreibt:

      Wunderbar zitiert, 1 : 1 kopiert! Hoffen wir, so erleuchtet, mit echter „Haltung“ schon aus Büchern, dass wir nun schon morgen im „Kommunistischen Jerusalem“ erwachen werden! 🙂

      • roprin schreibt:

        Wie soll man denn diesen Kommentar auffassen, „Harry56“? Sie kommt mir irgendwie sehr zynisch vor.

      • Lieber Harry56,

        ich gehöre zu den Menschen, die als Autodidakt bezeichnet werden. Ohne Bücher — auch solche, die durchaus als Schund und Propaganda (vor allem gegen den Kommunismus) bezeichnet werden dürfen — hätte ich mir kein Wissen aneignen können.

        Meine Eltern (*1930 und *1937 geboren) hatten nicht einmal „Volksschul-Niveau“ und waren in der Kriegs- und Nachkriegszeit 100 % vollauf damit beschäftigt ‚irgendwie‘ zu überleben:
        Mein Vater kam aus einem „gut-bürgerlichen Hause“ aus Poppenbüttel, wo dessen Vater ein Fuhrunternehmen mit acht Pferdegespannen betrieb. 1942 starb seine Mutter; 1944 sein Vater; was mit seinen drei älteren Brüdern geschehen ist, bleibt im Dunkel der Zeit verloren; seine auch ältere Schwester ging gegen Kriegsende nach Schweden – sie hatte uns 1968 einmal in Hamburg besucht … danach gab es keinen weiteren Kontakt.

        Nachdem mein Vater also mit 14 Jahren Vollwaise wurde , machten sich die guten deutschen Verwandten und Bekannten über das Vermögen der Familie August Löding her. Mein Vater bekam einen Vormund, der bis 1950 den Rest des Erbes meines Vaters durchbrachte — und wie schon zu Jesu Zeiten, hat die Kirche dabei ihren Reibach gemacht: Ganz gesetzlich hat der Vormund das Grundstück, welches mein Vater geerbt hatte, an die Kirche verkauft und sich mit dem Geld einen schönen Lenz gemacht! (Ich spreche hier nicht über irgendein billiges Grundstück mit Haus, sondern über eine 1 AAA Immobilie, die heute 50 Millionen Euro kostet.)
        ————————————————————————————

        Jedenfalls wuchs ich in einem Haushalt auf, in dem es keine Bücher gab! Und dennoch bekam ich wenigstens zu Weihnachten ab meinem 10. Lebensjahr Bücher von meinem Vater geschenkt. Ich weiß es nicht und ich habe auch keine Ahnung, weshalb ich gerade 1973 Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit von meinem Vater geschenkt bekam. Fest steht: Nachdem ich dieses Brevier gelesen hatte, wurde ich zu einer Leseratte! … Nebenbei: Meine Mutter konnte zwar Lesen und Schreiben, aber beim Lesen fielen ihr die Augen zu und nach ein paar Sätzen, wusste sie nicht einmal mehr, was überhaupt in den ersten Sätzen ausgesagt wurde!
        ——————————————————————————————-
        „Wunderbar zitiert, 1 : 1 kopiert! Hoffen wir, so erleuchtet, mit echter „Haltung“ schon aus Büchern, dass wir nun schon morgen im „Kommunistischen Jerusalem“ erwachen werden! 🙂“

        Lieber Harry56,
        ich kann den Sarkasmus, der aus diesem – deinem – Kommentar heraus gelesen werden kann, verstehen und nachvollziehen!

        Ich habe jedoch meine „Haltung“ nun einmal überwiegend durch das Lesen von Büchern „Erleuchtungen“ erfahren. Ich schreibe „überwiegend“, weil ich Erfahrungen gemacht habe, die mir bis heute rätselhaft sind und die dann mit dem Wort „Wunder“ beiseite und weg erklärt oder für die Aufrechterhaltung religiöser Vorstellungen mißbraucht werden.
        Seit meinem fünften Lebensjahr wurde ich „religös“ indoktriniert, obwohl meine Eltern „mit Gott gar nichts am Hut hatten“!
        Mit 13 wurde ich „Christ“. Die darauffolgenden Wochen waren mit dem Lesen der Bibel und Gesprächen angefüllt, in denen ich Jedem meinen Glauben „unter die Nase gehalten habe“!
        Da es niemanden – wirklich keinen Menschen – gegeben hat, der meinen „Argumenten“ etwas entgegenzusetzen hatte, War ICH noch mehr davon überzeugt, daß ***ich selber „die WAHRHEIT!“ kenne.
        ———————————
        Im Jahr 1983 ist mein leiblicher Bruder mit Anlauf aus dem zweiten Stock durch ein Fenster gesprungen.
        Kopf voran ist er auf dem Bürgersteig gelandet. … und war einfach tot.
        ZWANZIG Minuten später kam ein Notarzt mit seinem Team und hat diese LEICHE wiederbelebt und ihn ins Altonaer Krankenhaus gefahren, wo er sechs Stunden lang mit Hilfe von 50 Menschen operiert wurde.
        Meinem Bruder fehlten 40 % seines Gehirns, seine Lunge war mit Blut gefüllt, so daß er nicht atmen konnte; der Aufschlag führte zu Brüchen seiner Wirbelsäule und seines Beckens — was zu mehreren Querschnittslähmungen führte —
        … dann lag er zehn Wochen auf der Intensivstation im Koma, in dem er mehrer Schlaganfälle erlitt – bis auf Haut und Knochen abmagerte, einen Dekubitus nach dem anderen und schließlich auch noch eine Lungenentzündung bekam.

        Zehn Wochen später erwachte mein Bruder im Beisein von mir und unserer Mutter aus dem Koma. …

        Langsam erlernte er wieder Sprechen, Denken, Atmen, Stehen und schließlich auch wieder Gehen!

        Lieber Harry56
        MACH dir deinen eigenen Reim darauf, weshalb es dennoch weitere 30 Jahre bei mir gedauert hat, die WAHRHEIT, die Karl Marx 1844 niedergeschrieben und mit dem „Kommunistischen Manifest“ zusammengefasst hat, zu erkennen!

        Nämlich die WAHRHEIT, daß die MATERIE außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein EXISTIERT; doch unser menschliches Bewusstsein ohne das SEIN, gar nicht existieren kann!

  2. Harry56 schreibt:

    „roprin“… du kannst mich nicht verstehen? Nun,…. schade… 🙂

  3. sascha313 schreibt:

    Mir fehlt da auch das Verständnis, roprin! Der Harry ist schon ein undurchsichtiger Bursche – mal hat er recht, mal reimt er sich was zusammen und mal kokettiert er mit der AfD. Mir scheint, er führt uns alle an der Nase herum.. Ich frage mich: Was soll das alles?
    Darauf können wir verzichten, Harry!

  4. Ossi schreibt:

    Aus aktuellem Anlass habe ich gestern ein paar Fakten zur AfD aufgeschrieben:
    Über die Alternative für Deutschland und die Ziele dieser Partei, Was will die AfD, woher kommen sie, wer sie sind und wessen Interessen sie vertreten.
    (Link gelöscht! – Admin)

  5. Harry56 schreibt:

    Hallo Georg, danke für die Beschreibung deines persönlichen als auch politischen Werdeganges!

    Ich selbst habe ganz selbstverständlich auch ungeheuer viel Wissen aus Büchern bezogen, bin also ein ähnlicher Autodidakt wie du.
    Mein erstes Buch, was mich ungeheuer zum Nachdenken brachte über mein damaliges Geschichtsbild der „Deutschen“, war Bernt Engelmann, „Wir Unteranen“, fast gleichzeitig auch Günter Wallraff, ich glaube mit dem Titel „Ihr da oben, wir da unten“(?), (Erfahrungen im Gerling – Konzern).
    Mir wurde da zum ersten mal klar, dass es D I E „Deutschen“ überhaupt nie gegeben hat, sondern durch die ganze Geschichte hindurch immer oben und unten, Herren und Knechte…
    Etwas später dann die „Deutsche Ideologie“. (MEW) So weit so gut!

    Worauf ich aber nun hinaus wollte mit meinem Sarkasmus bezüglich von Zitaten von Marx, Engels oder Lenin, ist, dass ich immer wieder wiederholte plakative Bekenntnisse aus beinahe als „heilig“ angesehenen Schriften sehr negativ ansehe, sie als typische alte Marotte der Theologen ansehe.
    Ich sagte hier schon öfters, und handle in meiner Ausdrucksweise selbst danach, sich gegenüber allen normalen Mitbürgern bezüglich des wissenschaftlichen Sozialismus immer in einer für sie verständlichen Sprache auszudrücken.

    Der nächste Punkt ist, dass es immer nötig ist, den wissenschaftlichen Sozialismus als ein WERKZEUG anzusehen und zu handhaben, um um uns herum die HEUTIGEN Verhältnisse klar zu beleuchten, an konkreten Beispielen klar zu zeigen, wie Kapital und bürgerliche Staatsmaschine Hand in Hand alle Nichtbesitzenden, alle Nichtprivilegierten ausnutzen und meist eher indirekt, aber wenn es sein muss, bei Widerstand, auch ganz direkt, unterdrücken.
    Ellenlange rein ideologische Abhandlungen, Belehrungen sind hierzu völlig nutzlos, entweder werden sie überhaupt nicht verstanden, oder stoßen sofort auf den seit fast Ewigkeiten angezüchteten, beinahe „Pawlow’schen Reflex namens Antikommunismus.

    Ebenso ist es notwendig, auch beim Thema DDR, dem „Mauerfall“, sich auf die wichtigsten, uns heute zugänglichen Punkte zu konzentrieren, keinerlei weinerliche Nostalgie aufkommen zu lassen, nicht nachträglich um jeden Preis auch negative Dinge rechtfertigen, welche nicht zu rechtfertigen sind.
    Was damals gut und/oder schlecht war, allen heutigen Maulhelden und Schwätzern, Hetzern, geht es überhaupt nicht um geschichtliche Wahrheit, Verständnis für Fragen und Probleme beim Aufbau einer neuen, einer sozialistischen Gesellschaft, sondern allein um eine persönliche Rechtfertigung der eigenen jetzigen Existenz in der heutigen BRD, oft der bloßen HULDIGUNG der heutigen MACHTVERHÄLTNISSE, es lohnt einfach nicht, ist pure Zeitverschwendung, mit DENEN lange diskutieren zu wollen!

    Zum Schluß zur AfD!
    Nun, sie ist Fleisch vom Fleische der heutigen bürgerlichen Gesellschaft der BRD, kommt zu großen Teilen aus der CDU.
    Sie ist eine reine Schein – Alternative, ihre führenden Leute sind gute geschickte Demagogen, greifen geschickt Themen auf, welche viele Leute wirklich interessieren, aber in dieser „Demokratie“ es nicht wagen, gewisse Dinge offen auszusprechen.
    Da diese AfD- Typen aber, wohlgemerkt meist aus eher demagogischen Gründen, manchmal auch wirkliche Wahrheiten aussprechen, können sie hier und da auch mal nützlich sein.
    Wenn alle „staatstragenden“ Systemlinge von der CDU bis zur „Linken“, „Gewerkschaftler“, Kirchen- Pfaffen die AfD als rechtsextrem, rassistisch, ausländerfeindlich, gar faschistisch denunzieren, so ist das reine Heuchelei, ebensolche Demagogie, oft auch nur Futterneid um die fetten „Mandate“ in den so genannten „Quasselbuden“ (Wilhelm II über den damaligen Reichstag!) , sprich „Parlamenten“.

    Ich hoffe, ich konnte dir etwas Aufklärung geben über mein Verständnis heutiger Politik.

    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!

    Soz. Gruß!

  6. Eleonore Kraus schreibt:

    Vielleicht ist es sinnvoll beim jeweiligen Thema des Artikels inhaltlich zu bleiben, darauf Bezug zu nehmen, um sich dann damit auseinanderzusetzen zu können.
    Es geht um Krieg und Frieden und um die große soziale Frage.
    Nie wieder Faschismus und Krieg !

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