Kapitalismus: Panik – Angst – Gewalt…

MasereelSchon im Mittelalter gab es sie – diese panische Angst. Immer wieder werden Menschen in die Machtkämpfe zwischen Kirche und Staat sowie zwischen den Fürsten untereinander hineingezogen, als Söldner mißbraucht oder als unschuldige Opfer abgeschlachtet. Städter, ebenso wie die Bauern, fallen übereinander her. Die Söhne werden als Rekruten eingezogen, oft sogar an fremde Machthaber verkauft. In endlosen Feldzügen wird geraubt, gemartet und getötet. So lebt das einfache Volk vielfach in einem Zustand erzwungener Kulturlosigkeit und unter Bedingungen des Gewaltmißbrauchs am Rande der Verzweiflung. Krankheiten für die es noch keine Heilung gibt, Feuersbrünste, Naturkatastrophen und andere Schicksalsschläge erscheinen wie das unverständliche Wirken höherer Mächte. Kirche und Staat nutzen die Ängste und Unsicherheiten der Menschen zur Stärkung ihrer Macht.

Die Erzeugung der Unterwürfigkeit

Und so werden selbst die unter diesen elenden Verhältnissen immer aufs Neue aufflackernden Epidemien von den Kanzeln als Strafe Gottes für Ungehorsam und Sittenlosigkeit proklamiert. Der Staat nutzt die Gelegenheit, um Unterdrückung und Strafen zu verschärfen. Mit derartiger Erzeugung von Schuldgefühlen und Angst wird die Gefügigkeit immer wieder verstärkt. Das Elend der Massen auf der einen Seite und der Luxus des Adels und der Priesterschaft, der Konzernherren, Bankiers und Großaktionäre auf der anderen Seite sowie das Wohlleben der Beamten und ihre Gefühllosigkeit gegenüber dem Leiden der einfachen Menschen wirken immer mehr als Zündstoff.

Reichtum und unumschränkte Macht

Der Sieg des Bürgertums, insbesondere natürlich sein unaufhörlich anwachsender Reichtum: Maschinen, Fabriken und Schiffe usw., kurz, seine materielle Macht, führte zwar nach und nach  in den bedeutendsten europäischen Ländern zur Abschaffung der Privilegien des Adels und der Geistlichkeit und zum Ende der Leibeigenschaft, doch sehr bald zeigte sich, daß die große Masse des Volkes nach wie vor in Unfreiheit und sozialer Existenzangst lebt.

Bleibt friedlich, Leute!

Die bürgerlichen Machthaber weisen immer beredter auf eine neue mysteriöser Kraft hin, die mehr Macht auszuüben vermag, als Adel und Kirche zu früherer Zeit. Die „unergründlichen“ Gesetze des Marktes und der Natur – so versucht man den Menschen zu weiszumachen – zwängen größte Unternehmen, Staatsanleihen aufzunehmen, um weiter ihre Arbeiter beschäftigen zu können. Und „wir alle“ müßten jetzt „solidarisch“ sein, Einschränkungern und Einbußen hinnehmen, denn es muß ja „weitergehen“:

Schon der deutsche Philosoph Kant sagte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Zwar hatten Karl Marx und Friedrich Engels schon relativ frühzeitig die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung bis ins kleinste Detail aufgedeckt, hatten das Wesen des Profits genau analysiert, aber bis heute reden die Medien der herrschenden Finanzkreise, der Regierungen sowie ihre wissenschaftlich verbrämten „Räte der Weisen“ so, als ob der Markt, das Leben, und überhaupt – die ganze menschliche Gesellschaft für den einzelnen unergründbar  und unverständlich seien. Deshalb habe er sich den Anweisungen der Regierungen, der Polizei und des Staates zu fügen…

Literatur: A.Katzenstein/E.Sitte: Angst VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1989, S.50-54 (bearbeitet.)

Doch was geschieht nun? Sehen Sie selbst:

  • Vor einem Monat versuchten die Bewohner der Stadt Nowyje Sanshary (ukr. Нові Санжари) in der Zentralukraine, die Ankunft von Evakuierten aus der chinesischen Stadt Wuhan zu blockieren. 45 Ukrainer und mehr als 30 Ausländer trafen am Donnerstagabend zur Quarantäne im Stadtzentrum ein. Es gab Unruhen. Die Menschen warfen Steine, brannten Reifen an.
  • Kürzlich kam in Wrocław ein Mann zur Arbeit und bedauerte in einem privaten Gespräch, daß ihm die Kehle weh tut. Freunde (und wahrscheinlich auch Kollegen) befahlen ihm, sofort nach Hause zu gehen, und als er dies nicht tun wollte, wurde er in der Personalabteilung gefangen genommen. Er mußte nach Hause gehen. Nomen est omen: Das Unternehmen hat seinen Sitz in der ukrainischen Stadt Lwow.

Die Ukrainer scheinen besonders aggressiv zu sein. Wir sehen dies in dem beigefügten Kurzfilm. Er wurde vom Metro-Blogger geschickt und er übersetzte den folgenden Artikel vom 22. März dieses Jahres:

Lautes Husten im Bus: ein Fahrgast wurde in Lwow geschlagen und auf die Straße geworfen

Aufgrund des Coronavirus führte die Quarantäne in der Ukraine zu einem Verkehrskollaps und verursachte viele Konfliktsituationen aufgrund von Reisebeschränkungen für Kleinbusse, Busse, Trolleybusse und Straßenbahnen, in denen sich nur bis zu 10 Personen versammeln dürfen.

Ein gewalttätiger Vorfall

Ein weiterer Vorfall ereignete sich in Lwow, wo Buspassagiere einen Mann in einer Kabine wegen eines Hustens angriffen, schreibt die NNS. Der Konflikt und die gewalttätigen Aktionen in den öffentlichen Verkehrsmitteln wurden gefilmt, woraufhin das Video online zur Verfügung gestellt wurde.

Das Filmmaterial zeigt, wie einer der Passagiere einen Mann mit den Fäusten angriff – das Opfer wurde ins Gesicht geschlagen. Dann wurde er am Bein gepackt und aus dem Fahrgastraum auf die Straße gezogen. Der unglückliche Mann griff nach dem Geländer und lehnte sich zurück, wurde aber schließlich aus dem Bus bis zu einer Haltestelle gezogen, wo der Kampf weiterging. Die Augenzeugen des Vorfalls teilten sich in zwei Gruppen – einige forderten den Mann auf, den Bus zu verlassen, andere forderten den Schläger auf, aufzuhören.

Es sei darauf hingewiesen, daß solche aggressiven Handlungen der Fahrgäste einfach durch den Husten eines Mannes im Fahrgastraum verursacht wurden.

Kann man wegen eines Niesens schon getötet werden?

Übrigens trug keiner der Anwesenden einen Mundschutz, obwohl dies eine der Voraussetzungen für die Quarantäne von Passagieren ist. Unter diesem Link können Sie sich das Video der Veranstaltung im Bus in Lwow ansehen (wir warnen Sie – es gibt Szenen mit Flüchen und Gewalt!). In Kommentaren zu dem Video äußern Internetnutzer ihre Empörung über solche Aktionen – die Nutzer schreiben, daß das Coronavirus bald zu einem Lackmustest und einer Prüfung für die Menschheit wird, und befürchten, daß man dann vielleicht schon wegen des Niesens einfach getötet werden könnte.

Quellen: Громко кашлял в автобусе  (Übersetzung: Metro)
Danke an Zygmunt Białas für die Information. Übersetzung: Florian Geißler.

Siehe auch:
Die Angst der Mächtigen
Angst vor der Wahrheit: Wie der Westen DEFA-Filme blockierte…
Das Gespenst der DDR – die Angst vor der (N)ostalgie
Warum fürchten sich die Kapitalisten vor Karl Marx? Und warum hassen sie die Kommunisten?

E X T R A: Die Traumata einer kapitalistischen Ausbeutergesellschaft

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2 Antworten zu Kapitalismus: Panik – Angst – Gewalt…

  1. Pingback: Schwarz und Weiß – Die Traumata der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft | Sascha's Welt

  2. Osti schreibt:

    Menschen stigmatisieren, brandmarken, das ist nur eine andere Art von Terror. Von den Hexen über die Juden hin zu den HIV-und Corona-Positiven. Der Kapitalismus lebt vom Terror und es ist der Kapitalismus der auch diese Art von Terror hervorbringt! Und: Vom Terror profitiert! Von daher sind Beileidsbekundungen für die Opfer von Terroranschlägen pure Heuchelei und letztendlich Propagandaaktionen mit denen der kapitalistische Staat ganz bestimmte Interessen verfolgt.

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