Weltwirtschaftskrise !

Jurgen Kuczynski

Prof. Jürgen Kuczynski

Im Jahre 1984 veröffentlichte der Akademie-Verlag Berlin (DDR) aus Anlaß seines Jubiläums über 60 Jahre Konjunkturforschung einen Sonderband des Jahrbuchs für Wirtschaftsgeschichte für einen der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler der DDR: Professor Dr. Jürgen Kuczynski.  Wir bringen hier einen kurzen Abschnitt aus diesem Buch, der sich auf die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bezieht, und in dem Prof. Kuczynski die krisenhafte Entwicklung Deutschlands analysiert. Angesichts der sich in den letzten Wochen vehement zuspitzenden „Weltuntergangsstimmung“, entstanden durch die Ausrufung einer „Pandemie“ durch die WHO und der daraus folgenden zahllosen Verordnungen, Anweisungen und Regelungen zur Einschränkung sämtlicher bürgerlicher Freiheiten, verweisen wir nicht zufällig auf die Situation jener Jahre…

In seinem 1934 erschienenen Buche über die Große Krise schrieb Varga über die Depression besonderer Art bzw. besonderen Charakters – beide Formulierungen waren damals bei uns üblich:

Die gegenwärtige Depression

„Entscheidend wichtig ist folgendes: mechanisch betrachtet, unterscheidet sich die gegenwärtige Depression kaum von allen vorhergehenden Depres­sionsphasen, wie sie Marx charakterisierte; dynamisch betrachtet, be­steht ein grundlegender Unterschied: die heutige Depression bildet – im Gegensatz zu den ’normalen‘ Depressionen – keine genügende Grundlage für einen Aufschwung der kapitalistischen Wirtschaft. Der besondere Cha­rakter der Depression besteht in der Deformation des industriellen Zyklus unter der Einwirkung der allgemeinen Krise des Kapitalismus….

Die Sättigung des Marktes und eine kurzzeitige Belebung

Es ist klar: der Widerspruch zwischen den Produktivkräften und den Pro­duktionsverhältnissen hat in der gegenwärtigen Periode … des Kapitalis­mus eine solche Schärfe erreicht, daß die erhöhte Produktion vorzeitig, bevor die Aufschwungsphase erreicht ist, an die Schranken der Aufnahme­fähigkeit des Marktes stößt. Der innere Mechanismus des Kapitalismus war wirksam genug, um den Tiefpunkt der Krise zu überwinden, den Uebergang in die Depression und in einigen Ländern eine beschränkte Belebung hervorzurufen; er erweist sich aber nicht als wirksam genug, um einen echten Aufschwung, eine Prosperitätsphase hervorzurufen…

Erneute Sättigung des Marktes und Kriegsproduktion

Zusammenfassend: der Übergang in die Depression hat die Verwertung des Kapitals erhöht. Dem Kapital ist es gelungen – wie Stalin sagte – seine La­ge auf Kosten der Arbeiter, auf Kosten der Bauernschaft, auf Kosten der Kolonien etwas zu verbessern. Dies war auch in früheren Depressionen der Fall. Aber früher führte die bessere Verwertung des Kapitals zu einer gro­ßen Neuanlage von Kapital, zur Ausdehnung des Absatzes in Abteilung I, daran anschließend auch in Abteilung II und damit zu einem neuen Aufschwung. Dies ist gegenwärtig nicht der Fall. Die Neuanlage von Kapital ist minimal: es fehlt die ,materielle Basis‘ des Aufschwungs. Daher stößt die erhöhte Produktion bereits nach einigen Monaten immer wieder auf die Schranken des Marktes, die Waren finden keinen genügenden Absatz, die Vorräte an Fertigwaren wachsen wieder an und ein neuer Rückschlag tritt ein, Diese Rückschläge wären noch stärker, die industrielle Produktion noch geringer, würden die rasch anwachsenden Kriegsrüstungen nicht einen wenn auch un­produktiven zuschüssigen Absatz schaffen…

Eine noch tiefere Wirtschaftskrise

Die gegenwärtige Depression wird sich, mit kurzandauernden Belebungen und starken Rückschlägen, mehrere Jahre hinziehen, ohne in eine Prospe­ritätsphase – vielleicht mit Ausnahme einiger Länder – überzugehen, um schließlich von einer neuen, noch tieferen und verheerenderen Wirtschafts­krise abgelöst zu werden…

Dies wäre die Perspektive, wenn der Ausbruch des Weltkrieges und der Aus­bruch der proletarischen Revolution sich noch mehrere Jahre verzögern würde. Dies ist höchst unwahrscheinlich.“ [1]

Man hat gelegentlich behauptet, daß eines der Kennzeichen der Depression besonderer Art sei, daß keine erweiterte Produktion in dem Sinne mehr stattfindet, daß der vorangehende Produktionshöhepunkt – also das Pro­duktionsniveau von 1928 oder 1929 – bis 1939 nicht mehr erreicht wurde. Das war jedoch nicht der Fall – nur Frankreich und Spanien (Bürgerkrieg!) machen hier eine Ausnahme.

Schon vor dem 6, Weltkongreß waren wir uns klar darüber gewesen, daß die Periode der relativen Stabilisierung nicht lange mehr dauern würde. So erklärte zum Beispiel Stalin auf dem XV. Parteitag der KPdSU am 3. De­zember 1927:

Ist die Stabilisierung des Kapitalismus von Dauer?

„Bedeutet das alles, daß die Stabilisierung des Kapitalismus damit fest, daß sie dauerhaft geworden wäre? Natürlich nicht! Bereits auf dem XIV. Par­teitag hieß es im Bericht, daß der Kapitalismus bis zum Vorkriegsstand ge­langen, daß er diesen Vorkriegsstand überschreiten, daß er seine Produk­tion rationalisieren kann, was aber noch nicht – bei weitem noch nicht – be­deutet, daß die Stabilisierung des Kapitalismus dadurch zu einer dauerhaften werden, daß der Kapitalismus die einstige Vorkriegsfestigkeit wiedererlan­gen könnte. Im Gegenteil, aus der Stabilisierung selbst, aus der Tatsache, daß die Produktion wächst, daß der Handel wächst, daß der technische Fort­schritt und die Produktionsmöglichkeiten wachsen, während der Weltmarkt, die Grenzen dieses Marktes und die Einflußsphären der einzelnen imperiali­stischen Gruppen mehr oder weniger stabil bleiben – gerade daraus erwächst die tiefste und schärfste Krise des Weltkapitalismus, die mit neuen Kriegen schwanger geht und das Bestehen jeder wie immer gearteten Stabilisierung bedroht.

Wie ist der gegebene historische Zustand?

Aus der teilweisen Stabilisierung erwächst eine Verschärfung der Krise des Kapitalismus, die wachsende Krise legt die Stabilisierung in Trümmer – das ist die Dialektik der Entwicklung des Kapitalismus im gegebenen hi­storischen Moment…

Dieser Widerspruch zwischen dem Wachstum der Produktions-möglichkeiten und der relativen Stabilität der Märkte ist der Grund dafür, daß das Problem der Märkte jetzt zum Hauptproblem des Kapitalismus geworden ist. Ver­schärfung des Problems der Absatzmärkte im allgemeinen, Verschärfung des Problems der Auslandsmärkte im besonderen, Verschärfung des Pro­blems der Märkte für Kapitalexport im einzelnen – das ist der jetzige Zu­stand des Kapitalismus.“ [2]

Und Professor Kuczynski bemerkte dazu abschließend:

Man muß aus den hier behandelten Prognosen bis zum Zweiten Weltkrieg eine wichtige Lehre ziehen. So glänzend etwa die Prognosen des 6. Weltkongresses von 1938 und Vargas Prognose der Depression besonderer Art waren, so falsch ist es, Prognosen  für eine Reihe von Jahren auf die restliche Existenz des Imperialismus zu verlängern. (S.32)

[1] Eugen Varga: „Die große Krise und ihre politischen Folgen. Wirtschaft und Politik 1928-1934“. Moskau/Leningrad 1934, S.91-100
[2] J.Stalin: „Politischer Bericht des Zentralkomittees an den XV.Parteitag der KPdSU (B), Berlin 1952, S.5ff.
Quelle:
„60 Jahe Konjunkturforscher – Erinnerungen und Erfahrungen. Jürgen Kuczynski“. Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Sonderband 1984. Akademie-Verlag Berlin 1984, S.27f. und 32. (Zwischenüberschriften eingefügt. N.G.)

pdfimage Kuczynski: Weltwirtschaftskrise


Siehe auch:
J.Kuczynski: Stalin als Historiker

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28 Antworten zu Weltwirtschaftskrise !

  1. Pingback: Prof.Dr. J.Kuczynski: Stalin als Historiker | Sascha's Welt

  2. Samson schreibt:

    Na ja, eine Prognose, die sich bislang als richtig erwiesen hat, stellte Kuczynski paar Jahre selbst auf, m.W. hat er sie nur ein einziges Mal so explizit formuliert (ging als Wirtschaftshistoriker aber wohl davon aus, sie ggf. nachweisen zu können):
    „Worauf es ankommt, das ist das Verhältnis von Produktion und Produktivität. Steigt die Produktion wie von 1790 bis 1990 im allgemeinen schneller als die Produktivität, dann werden im Laufe der Zeit immer mehr Menschen beschäftigt. Steigt die Produktivität schneller als die Produktion, wie Jahr für Jahr seit 1990, dann steigt die Arbeitslosigkeit von Jahr zu Jahr, ganz gleich, wie sich die Produktion entwickelt.“ (junge Welt, 6.5.1997)

    Andererseits ist das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, auf welchem letztlich derlei Erklärungen bzw. Prognosen basieren, selbst unter Ökonomen, die sich selbst mehr oder weniger als politisch links einordnen, zumindest umstritten.

    • sascha313 schreibt:

      …von solchen „linken“ Ökonomen haben wir schon lange die Nase voll!

      • Samson schreibt:

        Andererseits, wenn Varga schreibt, „Die Neuanlage von Kapital ist minimal: es fehlt die ,materielle Basis‘ des Aufschwungs. Daher stößt die erhöhte Produktion bereits nach einigen Monaten immer wieder auf die Schranken des Marktes, die Waren finden keinen genügenden Absatz, die Vorräte an Fertigwaren wachsen wieder an und ein neuer Rückschlag tritt ein“, beschreibt das eine vollkommen andere Situation als die gegenwärtige, in der es offenbar an allem fehlt, was nicht profitabel produziert werden kann, obwohl es Märkte dafür gäbe.

        Seit den 1970ern Jahren führte die Steigerung der Produktivität zuerst in Nordamerika sowie Westeuropa und ab 1990 auch in den vormaligen RGW-Ländern zu einer nahezu flächendeckenden Deindustrialisierung einerseits und Kapitalexport im sehr großen Stil in Weltgegenden, in denen die Löhne sehr viel niedriger waren (und zumeist immer noch sind). D.h., Kapitalkonzentration wie in jeder historisch vorangegangenen Depression auch, allerdings machten weniger Kapitale, auf Grund (wie Marx es ausdrücken würde) größerer organischer Zusammensetzung mehr Profit, nur eben unter Verwendung von immer weniger Arbeitern (deren Arbeitsbedingungen jedoch immer schlechter werden).

        Das ist im Kern das, was Kuczynski 1997 beschrieb. Als ‚Problem‘ erscheint hier weniger die fehlenden Märkte bzw. volle Lager als viel mehr die zu geringe Profitablilität des Kapitals und daraus resultierende mangelnde Akkumulation.

        Dieser Zusammanhang lässt sich freilich nur auf gesamtgesellschaftlicher, also sehr abstrakter Ebene erfassen (eben wie Marx es machte). Und eben nur auf dieser abstrakten Ebene zeigt sich erst, dass weder Gelddrucken noch vermehrte Kriegswaffenproduktion zukünftig zu Prosperität führen werden. Dies einerseits weil Inflation kein ‚Heilmittel‘ gegen eine Deflation ist, und zweitens, wenn man Marxens Erklärung für gültig hält, dann Waffen zwar in staatlichem Auftrag produziert werden und ihren Produzenten enorme Gewinne einbringen, diese aber als Abzug vom Gesamtprofit des gesellschaftlichen Gesamtkapitals zu gelten haben. Andernfalls müssten Staaten sich nicht verschulden, um ‚öffentliche Aufgaben‘ zu erfüllen.

    • Samson: „Andererseits ist das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, auf welchem letztlich derlei Erklärungen bzw. Prognosen basieren, selbst unter Ökonomen, die sich selbst mehr oder weniger als politisch links einordnen, zumindest umstritten.“

      Das ist schon sonderbar, denn bei „kapitalistischen“ Ökonomen ist das nicht umstritten, sondern eine mathematische Wahrheit.

      • Harry56 schreibt:

        Bei praktisch allen bürgerlichen Ökonomen, besonders jenen viel und oft publizierenden, ist natürlich fast alles von Marx zum Thema kapitalistische Ökonomie erkannte „umstritten“!
        Marx und Engels bezeichneten deshalb diese Burschen immer wieder als reine Apologeten des Kapitals, deren Aufgabe nur noch darin besteht, die bestehenden Verhältnisse zu rechtfertigen und zu beschönigen.

        Das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate wirkt ganz selbstverständlich weiter, ganz unabhängig vom Willen oder Hoffen der Kapitaleigner und seiner Manager.
        Müssen deshalb die Profite immer weiter sinken?
        Nicht unbedingt, denn diese Herrschaften wirken diesem Gesetz auf vielfältige Weise entgegen, wobei ihnen auch der bürgerliche Staat mit vielen Gesetzen, innen – und außenpolitischen Aktivitäten behilflich ist.

        Ob nun Hartz 4, also die politischen Erzwingung eines riesigen Niedriglohnsektors, das für die Proletarier betrügerische Arbeitslosen – und Rentenversicherungssystem, weitgehende Beschränkungen eines wirkliches Streikrechtes, das Importieren von „kostengünstigen“ ausgebildeten Fachkräften z.B. im medizinischen und Pflegebereich aus dem Ausland, das Auslagern wichtiger Produktionsstätten durch die Kapitaleigner in Niedriglohnländer, Entwertungen weniger produktiven Kapitals etc…, das alles sind durchaus für das Kapital, seine Akkumulation, seine Profite erhaltende oder auch noch erhöhende Maßnahmen.

        Je nach den besonderen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Machtverhältnissen der Klassen untereinander wird dem tendenziellen Fall der Profitrate so entgegengearbeitet.
        Die Herren und Damen Kapitaleigner, deren Manager schlafen keinesfalls!

  3. Osti schreibt:

    Meine Überlegungen wegen derzeit niedrigem Ölpreis:
    Da wird doch tatsächlich behauptet, daß die Spritpreise deswegen so niedrig sind weil Russland und die bösen Saudis den Markt mit billigem Öl fluten. Für einen Moment hab ich’s geglaubt aber dann habe ich versucht mich zu erinnern, wann ich das letztemal an einer russischen Tankstelle getankt habe. Und: Ich kann mich nicht einmal daran erinnern daß es hier überhaupt russische Tankstellen gibt!

    Doch warum sind denn Öl- und Spritpreise derzeit so niedrig? Gehen wir obenstehende Überlegung noch einmal durch, dann wird es klar: Es ist genau andersherum! Die Preise, die ja bekanntlich von den Monopolen (die sich natürlich absprechen) diktiert werden, sind deswegen so niedrig, damit man behaupten kann, Russland würde den Markt mit Billigöl überschwemmen.

    Auch Preise dienen der Propaganda!! Na, wer hätte das gedacht. MFG

    • Osti schreibt:

      Nachtrag: 1,20 € / Ltr ist nicht niedrig. Das liegt im Bereich der üblichen Preismanipulationen der Konzerne für den Endverbraucher. Man muss die Meldungen über den Preisverfall nur richtig lesen und verstehen:
      Für Öl aus Russland will man nicht zahlen! Genau das ist der Preisverfall, der sich also in Russland auswirkt und nicht etwa an unseren Tankstellen! MFG

  4. Samson schreibt:

    @Harry56
    „… das alles sind durchaus für das Kapital, seine Akkumulation, seine Profite erhaltende oder auch noch erhöhende Maßnahmen.“

    Für einzelne Kapitale mag das zutreffen, der Profitratenfall bezieht sich aber auf die Durchschnittsprofitrate, also auf das (wie schon erwähnt nur abstrakt fassbare) Gesamtkapital einer gegebenen Gesellschaft, worin das einzelne Kapital ebenso durchschnittlich nicht mehr Profit erhält als den (in Marxens Begriffen aliquoten) Anteil am Gesamtprofit, den ein gegebenes Gesamtkapital aus der Arbeit einer Gesellschaft zu ziehen vermag. Entscheidend hierfür ist der von Marx entwickelte Begriff der organischen Zusammensetzung eines Einzelkapitals im gesellschaftlichen Durchschnitt (irgendwo im I. Band sagt Marx, Kapital kann überhaupt nur als Konkurrenz vieler Einzelkapitale existieren; deren vielleicht unterschiedliche Zusammensetzung wird auf dem Markt halt auf einen Durchschnitt ’nivelliert‘, was sich in einem Durchschnittsprofit theoretisch ausdrücken lässt.)

    Daran kann keine Regierung etwas ändern, weil Kapital überhaupt nur produktiv wird, wenn eine für Akkumulation hinreichende Profitabilität gegeben ist. Nehmen wir dein Beispiel: die ‚kostengünstigen‘ Pflegekräfte (gleichgültig ob ausgebildet oder nicht) sind eben nur ein Element, wenn das ‚Gesundheitswesen‘ unter dem Primat der Profitabilität betrieben wird. Den weitaus größeren Batzen an Kapitalaufwand stellen Gebäude, medizinische Ausrüstung, Medikamente, Krankenhausbetten etc. dar. Falls die Profite ausbleiben, oder auch ’nur‘ soweit sinken, dass sie nicht (mehr) hinreichen, die Kosten zu ‚decken‘, wird ggf der Betrieb eingestellt, Ausrüstungen verschrottet, Gebäude verfallen (wie mehrfach in meiner Gegend) oder werden abgerissen.

    In der DDR gab es bspw. in jedem Kaff eine Poliklinik zur ambulanten Versorgung der Leute und jedes größere Kaff, das als Kreisstadt firmierte, verfügte über ein Kreiskrankenhaus mit entsprechender Ausstattung. Das ist was ein Staat tasächlich machen kann, allerdings funktioniert derlei nie ‚kostendeckend‘, geschweige denn profitabel.

    Bezieht sich die mangelnde Profitabilität bspw. auf die Produktion für Abteilung II (Konsumtion), dann kann das Kapital bspw sein Staat entgegenwirken ‚entgegenwirken‘, sei es durch meinetwegen ‚ökonomische Hebel‘ wie Versicherungen, Kredite oder auch vorfristigen Verfall der Gebrauchswerte wie bspw die sog geplante Obsoleszenz.

    Bei mangelnder oder sinkender Profitabilität in Abteilung I wirkt dagegen nicht nur auf das von Kuczynski beschriebene Verhältnis von Arbeit und Arbeitslosigkeit, sondern wesentlich auf die Akkumulation des Gesamtkapitals einer Gesellschaft. Das Kapital als Ganzes wird wesentlich destruktiv, statt an den Profiten ‚ihres‘ Kapitals zu partizipieren, verschieben Staaten diese, wo sie können, zur Kriegsproduktion und organisieren Raubzüge und ruinieren so, wie Marx es irgendwo ausdrückte, den Arbeiter und die Erde …

    • sascha313 schreibt:

      …schönes Thema, nur was hat die DDR damit zu tun? Die DDR war ein sozialistisches Land – ohne Privateigentum an Produktionsmitteln und mit einer Planwirtschaft, die allerdings nur unter einer sozialistischen Staatsmacht funktioniert und u.a. die Ausnutzung der Ware-Geld-Beziehungen beinhaltet.

      • Samson schreibt:

        Die DDR hatte sehr viel damit zu tun. Über das Privateigentum an Produktionmitteln ließe sich trefflich streiten (woran mir nichts liegt, u.a. weil es den Rahmen einer Blog-Diskusion sprengen würde, zumal jeder, den es interessiert, im Internet bei den Klassikern http://www.mlwerke.de/index.shtml nachlesen kann.

        Dass Planwirtschaft unter den gegenwärtigen, meinetwegen historischen Gegebenheiten nicht ohne zentrale Koordination geht, stelle ich nicht in Abrede. Allerdings halte ich es für einen Widerspruch, einerseits bspw. Marxens Erklärung, Kapitalistische Produktion als Produktion von Mehrwert als wissenschaftlich erwiesen zu akzeptieren und andererseits „Ware-Geld-Beziehungen“ als Gegenstand von Planung gesellschaftlicher Produktion zu nehmen, wenn sich doch in eben diesen Ware-Geld-Beziehungen Verhältnisse ausdrücken, in denen die Befriedigung materieller Bedürfnisse nur den Anlass der Wertvermehrung bilden, die sich in Geld darstellen (sollen)

    • Osti schreibt:

      Natürlich wurde auch in der DDR kostendeckend gearbeitet aber Hallo!! Nur muss man die politische Ökonomie des Sozialimus eben in seiner Gesamtheit betrachten und nicht einzelne Unternehmen und schon diese Betrachtungsweise ist dem Kapitalismus fremd.
      Denn es ist so, daß ein Privatunternehmer den Gewinn der infolge gesellschaftlich eingebrachter Arbeit entsteht in seine private Tasche steckt anstatt diesen Gewinn der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen womit man bspw. ein gerechtes Sozialwesen betreiben kann.
      Diese Abgaben wurden in der DDR über die Steuer geregelt. Und genau das ist der Unterschied! Somit waren auch Subventionen möglich, stabile Preise und bezahlbare Mieten. Und dann kommt noch hinzu, daß das Ziel einer sozialistischen Produktion nicht der Profit war sondern die Befriedigung von Bedürfnissen.
      Diesen Unterschied sollte man erkennen! MFG

      • Osti schreibt:

        Im Detail: Ein VEB produziert nicht des Profites wegen sondern um Bedürfnisse zu befriedigen. Die hierzu erforderliche Arbeit wird gesellschaftlich eingebracht und natürlich fallen auch in der Soz. Betriebswirtschaft (SBW) Lohnkosten unter Kosten an. Diese Kosten deckt der VEB über den Umsatz der beim Verkauf des Produkts entsteht und was dann noch übigbleibt ist der Gewinn.

        Was passiert nun mit dem Gewinn? Nun, während ein Privatunternehmer den Gewinn privat vereinnahmt zahlt ein VEB den Gewinn in Form einer Steuer an den Staat! Und auch daran sehen wir, daß dem Soz. Staat ganz andere Aufgaben zufallen als einem kap. Staat der von Steuern finanziert wird die der Arbeiter zahlt.

        Während der kap. Staat lediglich die Profitinteressen privater Unternehmer sichert, wird über den soz. Staat die ganze Volkswirtschaft geführt. Subventionen und gegenseitige Wirtschaftshilfen werden möglich und vor allem die sozialistische Planwirtschaft.

        Und natürlich gab es auch in der DDR unterschiedliche Gesellschaften was die Unternehmen selbst betrifft. Neben den Volkseigenen Betrieben (VEB) gab es die Genossenschaften LPG (Landwirtschaft) und PGH (Handwerk) und sogenannte ZGE als zwischengenossenschaftliche Einrichtungen. Und auch das Vorhandensein einiger privater Unternehmen die auch richtig Steuern zahlten, änderte nichts an den Zielen und Durchführung der SBW.

        Die Lohnsteuer schließlich war vergleichsweise niedrig. Lohnsteuer und Sozialversicherung lagen etwa auf der Höhe monatlicher Schichtzuschläge, also etwa ein Zehntel des Bruttolohns. LPG-Mitglieder waren sogar von der Steuer befreit. Andererseits mussten auch Musikkapellen und Rockbands die nur am Wochenende spielten Steuern auf ihre Einnahmen abführen.

        Soweit ein kleiner Ausflug in die SBW. Mit der gestrigen Meldung daß Mainzer Wohnungsbaugenossenschaften derzeit Bescheide mit drastischen Mieterhöhungen verschicken sind wir wieder beim real existierenden Kapitalismus angelangt.

    • Harry56 schreibt:

      (@samson) Und was ist nun deine „Message“? Müssen wir uns nun wegen möglicher Verringerung der Profitraten um den Kapitalismus schwere Sorgen machen? Braucht er unsere kompetente Hilfe? 🙂
      Ich denke, dass z.B. Susanne Kladden und Helmut Quand – Hauptaktionäre von BMW – auch ganz ohne Kenntnis des „KAPITAL“ und unsere „Hilfe“ weiterhin dicke jährliche Dividenden einfahren werden.
      Dafür sorgt am Ende sogar noch die IG Metall, wir wissen schon….., „Arbeitsplätze retten“ ….. !

  5. Dann will auch ich meine Überlegungen zum Ölpreis darlegen.

    Die Fördermengen sind zu hoch — schon seit Jahren.
    Der „Markt“ ist gesättigt. Um das Zeugs noch irgendwie loszuwerden, muß es immer billiger angeboten werden, denn schließlich werden mit den Einnahmen aus dem Öl die Schulden und darauf anfallende Zinsen bezahlt. Der Produzent muß daher — um seinen Schuldzahlungsverpflichtungen nachkommen zu können — das Öl immer billiger verkaufen.

  6. Osti schreibt:

    @Samson:
    Das Ziel der Produktion ist entscheidend! So erklärt es sich von selbst, daß unter den Zielen der kap. Produktion (Profit und Kapitalvermehrung) eine Planwirtschaft gar nicht möglich ist. Einem Bauern ist es vollkommen egal ob sein Getreide verheizt, vergast, vergoren oder verbacken wird. Und daß Bauern dafür Geld kriegen wenn sie nichts anbauen ist eben auch typisch Kapitalismus.

    Gerade auch vom Ost-West-Gefälle und von der unterschiedlichen Entwicklung der Völker dieser Welt und von dem ganzen infolge Kapitalexport erzeugten Elend profitieren private Unternehmer. Und die werden auf die Milliarden die sie damit machen nicht freiwillig verzichten. Und auch nicht für die Umweltschäden aufkommen die sie damit erzeugen: Auf unsere Kosten und auf Kosten unser aller Gesundheit — Mit welchem Recht eigentlich!!!

    MFG

  7. Harry56 schreibt:

    Samson, Ware-Geld Beziehungen sind im Sozialismus eine ÜBERGANGSMASSREGEL, so wie der ganze Sozialismus, von Marx und Engels als Phase I des Kommunismus bezeichnet, eine ÜBERGANGSGESELLSCHAFT ist.

    Alle diese ÜBERGANGSMASSREGELN werden bereits in Engels’s „Grundsätzen des Kommunismus“ erwähnt, etwas später dann im gemeinsam verfassten „Kommunistischen Manifest“ (1847). Lies dazu auch einmal in Marx seiner „Kritik des Gothaer Programm“ (1875) nach, worin er auf diesen Aspekt genauestens eingeht, geschrieben viele Jahre nach dem Erscheinen des Bandes I des Kapitals im Jahre 1867 !

    Ist es nun möglich, „trotz“ dieser Ware-Geld Beziehungen, im Sozialismus, unter einer klugen Führung, Leitung (versteht sich!), höchste wissenschaftliche und technische Leistungen zu erbringen, den Wohlstand der Masse des Volkes Schritt für Schritt kontinuierlich zu erhöhen, etwa Hartz 4 oder millionenfache Rentnerarmut in die Geschichtsbücher zu verbannen?

    Ja – es ist möglich! Hier nur eines von so vielen Beispielen, du kannst noch genug weitere auf Youtube finden:

    • Osti schreibt:

      Danke Harry (Jahrgang56?)!
      Und jetzt schauen wir mal nach NRW wo für den Rest der Zeit die Pumpen laufen müssen damit das Grundwasser nicht mit den Hinterlassenschaften der Bergbauindustrie verseucht wird! Und diese Zeche zahlt wie üblich das Volk.

      Und nicht vergessen, die vielen Stadtwerke, sogar Saßnitz und Weimar hatten eigene Kraftwerke, die größeren Städte sowieso (Erfurt, Gera, Leipzig, Jena…). In Erfurt sind auch heute noch viele Wohnungen ferngeheizt mit einem in der DDR gebautem Heizkraftwerk am Roten Berg. 50 Mark Miete für ne 3-Zimmer-Wohnung inklusive Nebenkosten und warmen Wasser aus der Wand!

  8. sascha313 schreibt:

    Danke, Harry, für den Film! Völlig zurecht werden die gigantischen Leistungen der Arbeiterklasse der DDR, der Ingenieure, Techniker und Wissenschaftler, der Ärzte und Kindergärtnerinnen – aller Werktätigen unseres Landes hervorgehoben. Doch nie wird auch nur mit einem Wort erwähnt, daß gerade die benachbarte BRD, die USA und andere imperialistische Länder unserem Land und dem Volk der DDR 40 Jahre lang einen immensen, in die Milliarden gehenden wirtschaftlichen Schaden zugefügt haben. Niemals hat die DDR das Wohl des Volkes außer Acht gelassen, oft mußten wir schlimme Folgen dafür in Kauf nehmen, damit die Wirtschaft funktionierte, um dann auch den Anforderungen an die Sozialpolitik unseres Staates gerecht zu werden.

    Es gibt nicht einen (!) in der BRD produzierten Film, in dem nicht an irgendeiner Stelle infame Hetze gegen die DDR, die angebliche „SED-Diktatur“ und die angeblich „marode“ Wirtschaft der DDR verbreitet wird. Die auch in diesem Film genannten Welterfolge werden sofort konterkariert mit angeblichen „Verbrechen“ der DDR, mit „Mißachtung der Gesundheit“ der Bürger, verschwörerischer Geheimhaltung durch den Staat und unterdrückten „Bürgerprotesten“. Man müßte meinen, damit könnte nun langsam mal Schluß sein, doch im Gegenteil – diese widerliche Hetze und die Verleumdungen gegen den Sozialismus, gegen die DDR und ihre Bürger hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft. Warum? Weil der Sozialismus (immer noch!) die einzige Alternative zum Kapitalismus ist. Es gibt nur diese eine, einzige Wahl: Sozialismus – oder weiter, und noch tiefer in die Barbarei!

    Daß aber weder die alleinigen Reparationsleistungen der DDR an die Sowjetunion, noch der Zwang zur Eigenständigkeit und Unabhängigkeit vom Westimporten ein zufälliges „Naturereignis“ waren, sondern der aggressiv-feindlichen Politik der BRD und der Westmächte geschuldet waren, davon ist auch in diesem Film nicht die Rede. Auch nicht davon, daß die DDR als rohstoffarmes Land zu mancherlei unangenehmen Kompromissen gezwungen war. Ebensowenig erfährt die Tatsache Beachtung, daß vor allem nach 1956, begründet dadurch, daß mit Chruschtschow ein Antikommunist an die Spitze der KPdSU gelangt war, die Sowjetunion einige vertragliche Verpflichtungen gegenüber der DDR nicht mehr einhielt. In der Sowjetunion zeigten sich bereits Ende der 1970er Jahre drastische Abweichungen von den Grundprinzipien des Sozialismus.

    Wäre diese letztgenannte, dem geplanten sozialistischen Aufbau innerhalb des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zuwiderlaufende Entwicklung nicht eingetreten, hatte auch die Konterrevolution 1990 nicht stattfinden können. Und die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus hätte einen anderen Verlauf genommen. So führte die Zerstörung des Sozialismus im Weltmaßstab zur bisher größten Katastrophe für die Menschheit…

    • Osti schreibt:

      Eine dieser Verpflichtungen der UdSSR war die Lieferung von Erdöl. So sollte bspw. das in den 70er Jahren gebaute Kraftwerk in Gera Öl feuern und musste aufgrund des Embargo in den 80er Jahren auf Kohle umgestellt werden. Von diesem Embargo war jedoch nicht nur die DDR betroffen, von daher hat man im gesamten RGW-Bereich den Beschluß gefasst, kein Öl mehr zu verheizen. Und auch an dieser Geschichte zeigt sich die Überlegenheit des nach sozialistischen Grundsätzen geführten RGW als eine Wirtschaft die den Interessen und Bedürfnissen ganzer Völker gerecht wird gegenüber des EU-Wirtschaftsgebietes wo es ausschlißlich nur um Interessen privater Unternehmer geht.

  9. Harry56 schreibt:

    Hallo Sascha und alle anderen hier, in der Tat, es gibt praktisch keine Dokumentationen des heutigen öffentlich-rechtlichen Fernsehens ohne giftige, verleumderische, unterschlagende Beimischungen.

    In einer Doku über den Aufbau des Eisenhüttenkombinates Ost aus den wohl 1960ern wird zum Beispiel unterschlagen, dass in den 1950er Jahren immer wieder benötigte Lieferungen für die verarbeitende Industrie der DDR aus dem (seit 1945 abgespaltenen!) Ruhrgebiet, dem eigentlichen Zentrum der Schwerindustrie vor 1945, durch Bonner Boykottbeschlüsse immer wieder mal nicht zustanden kamen, die DDR so geradezu gezwungen wurde zur Errichtung eines eigenen Zentrums der Schwerindustrie. Und so sah es auch mit tiefseefähigen Häfen, einer eigenen Schiffahrtsflotte aus, so viele Dinge für einen neuen lebensfähigen Staat mussten neu geschaffen, oft buchstäblich aus dem Boden gestampft werden.

    Eine Gretchenfrage: Wären alle diese gigantischen volkswirtschaftlichen Investitionen notwendig gewesen in einem nach 1945 sozialistischen Gesamtdeutschland? Wie attraktiv für ganz Europa und darüber hinaus wäre wohl so ein sozialistisches Gesamtdeutschland geworden? Warum sehen so viele „Kritiker“ und Schwätzer von einer „maroden“ DDR (einschließlich oft nur schwatzender „marxistischer“ bürgerlicher „Theoretiker“!) niemals diese Dinge einmal ganz historisch-objektiv aus dieser Perspektive?

    Aber klar, der Hass der nun seit 1990 wieder zwischen Rhein und Oder voll, fast schon diktatorisch herrschenden deutschen Bourgeoisie auf die DDR ist auch wieder ganz natürlich, zeigte doch der Sozialismus in der DDR, auch wenn unter oftmals schwierigen Bedingungen zwischen 1949-1989, dass in Deutschland auch Leben, Fortschritt in Wissenschaft und Technik, allmähliche immer weiter wachsende Vermehrung des Volkswohlstandes auch ohne bourgeoise Ausbeuter möglich sind.

    Und gerade diese geschichtliche Erfahrung muss von den Herrschenden und Ausbeutenden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in ihrem eigenen ausbeuterischen Interesse bekämpft werden, ihr dauer-gröhlendes „Nie wieder Sozialismus!“ ist nichts anderes als der Klassenstandpunkt des Kapitals, dessen totalitärer Herrschaft!

  10. sascha313 schreibt:

    Ein Film von Chronos-Media, auch dies ein Film voller antikommunistischer Hetze – Begriffe wie „stalinistische Periode“, „Mitteldeutschland“, „Rußland“ statt Sowjetunion usw.). Man kann davon ausgehen, daß auch die Lügenfabrik Chronos sämtliche DDR-Dokumentarfilme mit neuen, eigenen Kommentaren übersprochen hat und damit die Originalaussagen des Film gefälscht hat: „Eisenhüttenstadt – Neue Stadt an der Oder“ (Stalinstadt)
    Offenbar ein Zusammenschnitt mehrere Filme; ab 9:30 mit der Umbenennung von „Stalinstadt“ in „Eisenhüttenstadt“ taucht im Film der Polit-Ganove Chruschtschow auf und wird – ahnungslos – von der Bevölkerung auch noch beklatscht… dennoch die Bilder sprechen für sich und sind beeindruckend!

    Literaturtip: Hans Marchwitza „Roheisen“

    Die antikommunistische, wahrheitsfeindliche Datenkrake „youtube“ hat auch dieses Video zensiert und gesperrt, daher folgender Hinweis:
    1. Verwenden Sie zur Suche NICHT „google“, sondern eine andere (nicht US-amerikanische!) Suchmaschine! (z.B Yandex)
    2. Sichern Sie sich rechtzeitig wertvolle Videos aus dem Internet mit einem Download-Programm.
    3. Schützen Sie Ihren PC mit einem (nicht US-amerikanischen!) Virenschutzprogram (z.B. Kaspersky)

  11. Harry56 schreibt:

    Zu den obigen Anmerkungen bezüglich des Zustandekommens dieser Chronos – Doku möchte ich noch anmerken, dass mir das schon sehr lange aufgefallen ist, und ich es seltsam finde, dass z.B. in Unterhaltungssendungen, Musiksendungen aus der Zeit der DDR fast nie (außer neutralen Jahreszahlen) auf die Herkunft verwiesen wird, nie auf den DFF bzw. „Fernsehen der DDR“ als Ursprung. Immer erscheint oben der Staatsfunk der BRD in Gestalt von MDR, NDR, RBB etc…, so als wären sie die Urheber, Produzenten dieser Sendungen!

    Geschieht dies, weil sie sich nach 1990 die Rechte an diesen vormals volkseigenen Produktionen gesichert, d.h. ERGAUNERT haben? Nur so eine Frage!

    • sascha313 schreibt:

      Klar, Harry, die haben sich die Filme in den DDR-Archiven ergaunert (auf gut Deutsch: geklaut!), und nun sind sie dabei, alles Stück für Stück zu „überarbeiten“ – d.h. sämtliche Texte durch Fälschungen zu ersetzen, um sie wieder verkaufen zu können! Das geht zum Glück (noch) nicht bei allen Filmen, denn die Originaltexte der Interviews und Dialoge wurden beibehalten. Um Recht und Gesetz haben sich diese Banditen noch nie geschert – obwohl die unveräußerlichen Rechte aller dieser Film bei u.a. beim DDR-Fernsehfunkt liegen.

  12. Samson schreibt:

    @ alle
    Ich denke, ihr habt mich gründlich missverstanden. Mir geht ausdrücklich nicht darum, Leistungen in Abrede zustellen, die in der DDR, UdSSR oder RWG-Ländern ganz allgemein vollbracht wurden, in Abrede zu stellen. Ganz im Gegenteil, m.E. hat das vergleichsweise ‚bettelarme‘ (u.a. wegen der Blockade) Kuba ein, bezogen auf den Zweck, wesentlich ‚effizienteres‘ Gesundheit- bzw. Bildungswesen hervorgebracht als die vermeintlich steinreiche ‚Supermacht‘ USA gleich um die Ecke. Aber es hat dies hervorgebracht, ebenso wie in der DDR Kraftwerke und vor allem Millionen Wohnungen gebaut wurden, weil die Gesetzmäßigkeiten der Warentauschs, d.h. das sog. Wertgesetz diesbezüglich keine Rolle spielten.

    Ich hab unter der Woche wenig Zeit, mich damit zu befassen (vielleicht komme ich am Wochenende dazu). Deswegen nur ganz kurz, um den Unterschied zu skizzieren zwischen dem Argument, eine Planwirtschaft beinhalte „u.a. die Ausnutzung der Ware-Geld-Beziehungen„, und dem was in der vorgeschlagenen Lektüre der Kritik des Gothaer Programms (die nach Marx‘ eigenen Worten eine Kritik desselben darstellte und eben gerade kein Gegenprogramm) tatsächlich zu lesen ist:

    „Innerhalb der genossenschaftlichen, auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft tauschen die Produzenten ihre Produkte nicht aus; ebensowenig erscheint hier die auf Produkte verwandte Arbeit als Wert dieser Produkte, als eine von ihnen besessene sachliche Eigenschaft, da jetzt, im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft, die individuellen Arbeiten nicht mehr auf einem Umweg, sondern unmittelbar als Bestandteile der Gesamtarbeit existieren. Das Wort „Arbeitsertrag“, auch heutzutage wegen seiner Zweideutigkeit verwerflich, verliert so allen Sinn.

    Womit wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Gesellschaft, nicht wie sie sich auf ihrer eignen Grundlage entwickelt hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht, also in jeder Beziehung, ökonomisch, sittlich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft, aus deren Schoß sie herkommt. Demgemäß erhält der einzelne Produzent – nach den Abzügen – exakt zurück, was er ihr gibt. Was er ihr gegeben hat, ist sein individuelles Arbeitsquantum. Z.B. der gesellschaftliche Arbeitstag besteht aus der Summe der individuellen Arbeitsstunden. Die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Produzenten ist der von ihm gelieferte Teil des gesellschaftlichen Arbeitstags, sein Anteil daran. Er erhält von der Gesellschaft einen Schein, daß er soundso viel Arbeit geliefert (nach Abzug seiner Arbeit für die gemeinschaftlichen Fonds), und zieht mit diesem Schein aus dem gesellschaftlichen Vorrat von Konsumtionsmitteln soviel heraus, als gleich viel Arbeit kostet. Dasselbe Quantum Arbeit, das er der Gesellschaft in einer Form gegeben hat, erhält er in der andern zurück.“

    (Karl Marx: „Kritik des Gothaer Programms“. In. KarlMarx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1987, Bd.19, S.19-20. – Quelle ergänzt. – Admin.)

    Diesen ‚Stundenzettel‘ mag man als meinetwegen individuellen Anteilsschein am genossenschaftlichen Konsumtionsfond betrachten, der je nach Art, Umfang und Produktivität der genossenschaftlichen Arbeit mehr oder weniger ‚gefüllt‘ sein kann. Aber dieser Anteilsschein ist im ganzen Leben kein Geld und wird es auch nicht dadurch, das man ein Geldquantum drauf druckt.

  13. sascha313 schreibt:

    Das Wertgesetz ist auch ein objektives ökonomisches Gesetz der sozialistischen Produktionsweise. Es drückt die Notwendigkeit der sozialistischen Warenproduktion aus, lebendige und vergegenständlichte Arbeit zur Produktion von Waren nach gesellschaftlich notwendigen Normen zu verausgaben sowie gesellschaftliche Arbeit vermittels des Wertes und seiner Kategorien zu berechnen, zu verteilen, auszutauschen und zu konsumieren.

    Das Wertgesetz im Sozialismus.wirkt auf der Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse im Einklang mit den Erfordernissen des ökonomischen Grundgesetzes des Sozialismus. Seine planmäßige Ausnutzung hilft dem sozialistischen Staat und den Wirtschaftseinheiten zu entscheiden, was für die Gesellschaft gut und vorteilhaft ist. Im Sozialismus gibt es keine Krisen! Erforderlich ist jedoch eine strenge Rechnungsführung und Kontrolle, sich der bewaffneten Arbeiterklasse zu fügen. (vgl. Lenin, Werke, Bd.25, S.487/488)

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