Die geheimen Briefe des Prinzen Heinrich

Hermine

Ein sensationeller Fund. Es ist sehr aufschlußreich zu lesen, was unweit von Berlin kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs vor fast 74 Jahren auf einem während der Bodenreform entschädigungslos enteigneten Gut eines deutschen Adligen gefunden wurde – Briefe, Fotos und andere Dokumente. Fluchtartig hatten die Nazis und ihr Gefolge, die Junker und Großgrundbesitzer, ihre Güter und Villen verlassen, kaum das Nötigste nahmen sie mit. Doch schon bald waren sie wieder präsent. In allen wichtigsten Funktionen des westdeutschen Staates, als Staatsanwälte, Richter, Lehrer, Regierungsbeamte und Vertreter von Industrie und Landwirtschaft tauchten sie wieder auf – die SS-Schergen, NSDAP-Bonzen und Wehrmachtsoffiziere. Nun hatten sie wieder das Sagen. Nur zum geringsten Teil wurden in der BRD die Nazi- und Kriegsverbrecher verurteilt. Schon nach kurzer Zeit waren sie wieder auf freiem Fuß. Was konnten wir in der DDR froh und glücklich sein, von diesem Gesindel verschont geblieben zu sein! In unserem sozialistischen Vaterland, der Deutschen Demokratischen Republik, waren Faschismus und Antisemitismus ein für allemal mit der Wurzel ausgerottet worden.  

Rittergut

Berlin, 12. Oktober (ND). Bei Mahlsdorf, nicht weit von Berlin, wurde das Gut des früheren Generalleutnauts von Schwerin, aus dem alten deutschen Raubrittergeschlechts der Schwerins im Zuge der Bodenreform entschädigungslos enteignet und aufgeteilt. Bei einer Durchsicht der Bibliothek fand man dieser Tage ein umfangreiches Paket persönlicher Dokumente und Fotografien z.B. mit der Widmung des Ex-Kaisers und seiner späteren Frau Hermine wie auch des Ex-Kronprinzen.

Der sensationellste Teil dieser Funde sind mehrere 0riginalbriefe des Prinzen Heinrich von Preußen (Bruder Wilhelms II.) an Herrn v. Schwerin aus den Jahren 1919/1920. Diese Briefe charakterisieren das ganze hochadelige Junkertum in seinem Kampf gegen das Volk.

…sie wurden nie verurteilt!

Heinrich

Es zeigt sich mit erschreckender Klarheit, daß alles was Hitler später in seinem Buch „Mein Kampf“ zu einer sogenannten Ideologie erhob, in Wirklichkeit von diesen Höchsten der Gesellschaft formuliert und gefordert wurde. Der hysterische Gefreite Hitler, den sich die Reichswehr in München 1919 als Spitzel gegen die Arbeiterschaft k a u f t e, womit seine politische Laufbahn begann, war nur das Werkzeug der Junker und Großindustriellen.

Der Haß auf die Juden und auf die Sowjetunion

Schon in den ersten Wochen der Weimarer Republik stellt Prinz Heinrich die Frage, „wann der Mann komme“, der Ihre bedrohte Macht retten werde. Ende 1919 beglückwünschte er sich selbst zu einem antisemitischen „Geistblitz“, der wörtlich von der nationalsozialistischen Propaganda übernommen wurde.

Im Visier – der katholische Abgeordnete Erzberger

Der Antisemitismus, der neben dem Anti­sowjetismus die Hauptursache für den Zerfall der Weimarer Republik, den Sieg des Faschismus und die Durchsetzung der Kriegspolitik, somit für unsere nationale Katastrophe wurde, wird in diesen Briefen geradezu vehement ge­fordert, so daß man glaubt, ein späterer Nazi habe sie geschrieben. Für Historiker wird es wichtig sein, aus diesen Briefen festzustellen, daß hier von höchster Stelle erstmalig der später erfolgte Mord an dem damaligen katho­lischen Abgeordneten E r z b e r g e r gefordert wurde.

Wüste Beschimpfungen der Sozialdemokratie

Seinem Freund rät Prinz Heinrich, „nichts in der Ueberlegung zu versäumen, was uns für die Zukunft nützlich erscheint“, wenn man auch im Augenblick „die Zähne aufeinanderbeißen müsse“. Wüste Beschimpfungen der Sozial­demokratie wechseln mit Empfehlungen, jeder müsse mit den Mitteln, die er besitze, den Kampf „gegen die jetzigen Machthaber, die sich der größten Unbeliebtheit erfreuen“, führen.

Agenten der Bourgeoisie

Im Süden und Westen Deutschlands ist es genau wie nach 1918. Die adligen und nicht­adligen Großgrundbesitzer herrschen noch uneingeschränkt auf ihren Schlössern. Sie denken nicht anders, sie reden nicht anders, wenn sie unter sich sind, sie schreiben nicht anders in ihren Briefen, wenn sie des Empfängers sicher sind, und sie handeln nicht anders als 1919/20. Ihre Agenten sind auch schon wieder dabei, sich unter die Masse zu mischen, die nach einem Brief dieses Hohenzollernsprößlings „nur durch die Knute in Ordnung zu halten ist“.

Die angeblichen Wohltäter und Gönner

Dem Volke gegenüber zeigt man sich vorläu­fig von einer anderen Seite, als wenn man sich in Briefen äußert, die nicht für den „Plebs“ bestimmt sind. Für diesen Zweck hat man beute „Gönner“, insbesondere in der CSU oder CDU, was bekanntlich ein- und dasselbe ist. Diese „Gönner“ sind in Wirklichkeit D o m e s t i k e n der Feudalherren, wie man sich früher Mundschenke oder Kammerdiener hielt. Diese treten mit klug gewählten Worten auf und versuchen Mitleid mit den „armen“, entschädigungslos enteigneten Junkern zu erwecken, bis diese Herren dann wieder stark genug sind, um das Volk unter die Knute zu nehmen oder von einem neuen Abenteurer wie Hitler unter die Knute nehmen zu lassen…

Nutznießer des imperialistischen Terrorsystems

Lest den Brief des Prinzen Heinrich. Ihr er­kennt die Methode. Den Rest baben wir am eigenen Leibe erfahren. Preisen wir uns in der sowjetischen Besatzungszone glücklich, daß wir mit dieser Bande so gründlich aufgeräumt haben. Hoffen wir, daß unsere Landsleute im Süden, Westen und Norden Deutschlands auch noch gegen sie zum Zuge kommen. Die Rechnung ist ihnen noch aus der anderen Nachkriegszeit zu machen. Als Vorläufer des National­sozialismus, als Nutznießer seines Terror­systems, als die traditionellen Militaristen gehören sie zu der Kategorie der Hauptkriegsverbrecher. Wir sind überzeugt, daß die Stunde in ganz Deutschland naht, da unser Volk Ihnen den Prozeß und ihrer Macht den Garaus machen wird.

19-6

Bildgetreue Wiedergabe eines der Briefe aus Eckernförde (Schleswig), in dem die Todesstrafe für die „Kanaille“ Erzberger, einen der namhaften Führer des Zentrums (heute CDU) gefordert wird. Ein Jahr später wurde Erzberger tatsächlich von den Vorläufern des Nazistrolche niedergeknallt.  War es die Hand des Mörders, der, zu Gast auf dem Gute Schwerins, den Namen des Opfers sich ausdrücklich vermerkt hat? Niemand mag es heute noch festzustellen.


Und wie reagierte die Jugend in der DDR?

461013 ND Jugend

Quelle:
Neues Deutschland, 1.Jahrgang / Nr.147. Berlin, Sonntag, 13. Oktober 1946, Seite 1. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Siehe auch:
Die Nazis und die bürgerliche Klassenjustiz in der BRD

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12 Antworten zu Die geheimen Briefe des Prinzen Heinrich

  1. Osti schreibt:

    „Unter den Mohamedanern scheint es zu gären, sie lehnen sich gegen die Engländer auf…“

    Dieser Satz kann sich nur auf Palästina beziehen. Und siehe da, 1920 übergab der Völkerbund das Palästina-Mandat an die Briten, die den Bombenterror gegen das Palästinensische Volk einfach weiterführten. Was daraus geworden ist, wissen wir.

    MFG

  2. Osti schreibt:

    PS, da steht es ja auch im Brief: Palästina den Juden, Deutschland dem Deutschen!

    Dieser Brief belegt, daß die Gründung des Staates Israel auf palästinensischem Staatsgebiet langfristig vorbereitet wurde und eines der Hauptziele des 2. WK war! Wobei es die Aufgabe der Briten war, das palästinensische Volk bis dahin auszurotten. Genau dafür haben die Briten ja auch das Mandat bekommen.

    Geschichte verstehen!

  3. Gabi Schön schreibt:

    Zur Frage wann wurde der Grundstein für Israel gelegt, darüber hat Viktoria Waltz in „Israel – Politische Raumplanung Ethnozentrismus“ eine wissenschaftliche Abhandlung mit erstaunlichem, zumeist unbekanntem Archivmaterial zusammengetragen. Beim ersten Lesen stockte mir der Atem. hier geht es zu „Monopoly ohne Grenzen“ http://www.norman-paech.de/andere-stimmen/

    Zu den Aktivitäten des Adels und der Junker, die die Machtübertragung an Hitler förderten und forderten lese ich gerade das Buch von Bernt Engelmann „Auf gut Deutsch“ Auch dieses Buch basiert auf Archivmaterial und Originalunterlagen und ist sehr empfehlenswert. (Korr. Admin.)

    • sascha313 schreibt:

      Israel-Monopoly: Ein interessantes Buch mit vielen Details. Was ich allerdings vermisse, ist die marxistische Sicht! An keiner Stelle wird in diesem Buch die Klassenfrage gestellt! Und bei „Ausbeutung“ geht es nur um die „Ausbeutung“ der Ressourcen. Danke auch für den Hinweis auf Bert Engelmann!

    • Osti schreibt:

      Nun, es gibt eine Menge Geschriebenes einzig mit dem Ziel die wahren Zusammenhänge bestmöglichst zu verschleiern, wozu zweifelsfrei auch die hier verlinkte PDF gehört!

      Nehmen wir doch mal den folgenden Satz: „Auch wurde Israel nicht gegründet, weil der deutsche eliminatorische Antisemitismus unter der Nazi-Barbarei ein kolossales Menschheitsverbrechen am europäischen Judentum begangen hat.“

      Allein schon die Formulierung „Menschheitsverbrechen am europäischen Judentum“ ist falsch! Denn verfolgt wurden ja nicht Menschen ihres Glaubens wegen sondern wegen ihrer Klassenzugehörigkeit!

      Auch der Begriff „Politische Raumplanung“ ist irreführend und dient bestenfalls der Vertuschung eines Völkermordes der im Übrigen nicht erst mit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 begann!

      Es ging und geht einzig und allein um die Vormachtstellung des Finanzkapitals im Nahen Osten als einen strategischen Angelpunkt zwischen Mittelmeer und Indischen Ozean, Europa, Afrika und Asien!

      MFG

      • sascha313 schreibt:

        „Klassenzugehörigkeit“? … „Die Propagandisten des Alldeutschen Verbandes haben vor dem ersten Weltkrieg gepredigt, die Deutschen seien ein ,Volk ohne Raum‘, deshalb seien ihm vom Schicksal die schwachbesiedelten Länder Osteuropas zugedacht. Die Eroberung dieser Länder und die Unterdrückung der dort wohnenden Völker begründeten sie mit der ,Lehre von der völkischen Hochzucht des deutschen Volkes‘, das berufen sei, über die Völker ,niederer Rassen‘ zu herrschen.“ (Quelle: Faschismus-Getto-Massenmord, Rütten & Loening, Berlin, 1960, S.8)

  4. Osti schreibt:

    Genau! Die Klassenfrage ist die entscheidende Frage die man stellen muss um den Prozess der Okkupation, in faschistischen Kreisen „Politische Raumplanung“ genannt, verstehen zu können.

    Die hier verlinkte PDF Datei ist dennoch interessant, weil sie auf die Beteiligung des deutschen Faschismus (Alldeutscher Verband) wichtige Hinweise gibt. Und damit, also insbesondere anhand der Aktivitäten der Bauhaus-Gruppe bei der Planung und Aufbau der Stadt Tel Aviv auch den klassenübergreifenden Charakter der damiligen Gesellschaft innerhalb ds Judentums deutlich macht.

    Danke und Gruß!

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Osti – das ist es ja auch, was die jüngeren Leute oft nicht begreifen. Erzähl denen mal was von der Klassenfrage, da denken sie immer gleich an Schule )))) Aber das man auch die menschliche Gesellschaft klassifizieren kann, ist des Nachdenkens wert. Nicht nur wegen „reich und arm“, sondern nach der Art der Erlangung des gesellschaftlichen Reichtums!

  5. Osti schreibt:

    Klassenfrage! Sicher waren Bauhaus-Architekten die Tel Aviv planten keine Proletarier und Kommunisten schon gar nicht. Und auch keine Opfer des Naziregimes. MFG

  6. S. Erfurt schreibt:

    Hi Sascha, darf ich den Brief von Prinz Heinrich für meine Seite kopieren? Ich habe vor einen Artikel zur Gründung des Staates Israel zu schreiben. Schick mir einfach ne Mail wenn das Ok ist. Natürlich gibts auch einen Link zurück. Danke und Gruß!

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