Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) – ein sensationelles Großprojekt für die Werktätigen der Hauptstadt der DDR

SEZ3Nach nur knapp zweijähriger Bauzeit wurde am 20. März 1981 in der Hauptstadt der DDR Berlin, Ecke Dimitroffstraße – Leninallee das großartige Sport- und Erholungszentrum fertiggestellt. Es war eine Sensation. Ein Schmuckstück und der Stolz aller Berliner! Täglich konnten 10.000 Berliner und die Besucher unserer Hauptstadt zu erstaunlich niedrigen Eintittspreisen von 3 Mark für 2 Stunden, Kinder und Rentner zahlten die Hälfte, ihren sportlichen und kulturellen Interessen nachgehen. Sie konnten das Wellenbad oder die Bowlingbahn besuchen, Kraftsport treiben oder in die Sauna gehen. Gerade erst 5 Jahre zuvor war der unvergleichliche und wunderbare Palast der Republik eröffnet worden. Es läßt sich gar nicht mit Worten beschreiben, was dann nach 1990 geschah: Beide Bauwerke, die mit den Händen des Volkes und für unser Volk geschaffen worden waren, wurden enteignet, verwahrlosten und wurden vernichtet! Kein einziger aus dieser westdeutschen Verbrechermafia, die für diese Schandtaten die Verantwortung trugen, wurde dafür jemals zur Rechenschaft gezogen…


Viele Ost-Berliner und Brandenburger kennen es noch aus ihrer Kindheit: das SEZ in Friedrichshain mit seinem einst legendären Spaßbad. Die Vereinbarung, an der heutigen Landsberger Allee ein öffentliches Hallenbad zu betreiben, hielt der „Investor“ nie ein, nachdem er 2003 das ein Jahr zuvor geschlossene Sport-und Erholungszentrum für einen symbolischen Euro erworben hatte. Der Abriß des 1981 eröffneten DDR-Prestigebaus, der mit seinem Mix aus Wellenbad, Eislauf- und Rollschuhbahn und Konzertsälen als einmalig galt, scheint nun endgültig besiegelt. Ein Spaßbad sucht man in Berlin weiter vergebens. Wer also Wildwasserbahn und Riesenrutsche erleben will, muß nach Brandenburg rausfahren.

SEZ1

Quelle: Fernsehfunk Berlin


Berlin-Magazin 1981

Quelle: Das Magazin, Heft 3, März 1981, S.70.

Die Berliner Zeitung vom 12. Janur 2018 schreibt: „Traurige Fassade: Wie es um das SEZ in Friedrichshain wirklich steht“. Es ist nicht nur ein Skandal – es war eines der unzähligen Verbrechen, die der westdeutsche Imperialismus nach der Okkupation der DDR 1990 an den Bürgern unseres sozialistischen Staates verübt hat!


Siehe auch: Erhard Gißke – Bauen mein Leben. Sozialistisches Bauwesen in der DDR.

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13 Antworten zu Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) – ein sensationelles Großprojekt für die Werktätigen der Hauptstadt der DDR

  1. S. Erfurt schreibt:

    Fast jeder Ort im Thüringer Wald hatte ein eigenes Freibad. Der Versuch einer Aufzählung:

    Neustadt, Altenfeld, Gießübel, Heubach, Schnett, Oberhof, Friedrichroda, Wipfra, Ilmanau, Frauenwald, Königsee, Rottenbach, Martinroda, Gehlberg, Zella-Mehlis, Vesser, Suhl, Bad Berka, Kranichfeld, Blankenhain, Stadtilm, Ichtershausen, Arnstadt… und das sind jetzt nur die Bäder südlich von Erfurt bis maximal 60 km Entfernung. Allein in Erfurt und Landkreis gab es mindestens 5 Feibäder und natürlich die Baggerseen Nordstrand und Stotternheim. Nach der Nachtschicht im Sommer ging es raus an den Bagger, schlafen unter freiem Himmel. Topfit wieder in die Schicht abends um zehn.

    Sport war in der DDR großgeschrieben! Und heute!? Die meisten der o.g. Bäder gibt es nicht mehr! Ein Verlust, den ich mit Worten nicht beschreiben kann. Und ein Verbrechen!!!

  2. Weber Johann schreibt:

    Über den Tag der Eröffnung des Sport- und Erholungszentrums berichtete das „Neues Deutschland“ am 21. März 1981:

    „Alles ist hier kinderfreundlich So können auch Familien mit ihren noch kleinen Töchtern und Söhnen das Sport- und Erholungszentrum besuchen. Während die Eltern Schwimmen oder auf dem Eis laufen, sind ihre Jüngsten im Alter zwischen drei und sieben Jahren — jeweils für drei Stunden — im Kindersportgarten gut aufgehoben, sagte die Leiterin Gundula Meissner auf eine Frage Erich Honeckers. Pädagogen bemühen sich darum, auch den Kleinen mit Sport und Spiel Spaß zu bereiten. Unweit davon auch ein Maleratelier, wo jeder seine Talente entfalten kann. Einen speziellen Kundendienst bietet nach dem Schwimmen der Friseursalon.“

    Am 5. April 1994 sah die Berichterstattung der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ so aus:

    Freizeitpark sucht Investor
    Entscheidung über Friedrichshainer SEZ soll noch in diesem Jahr fallen. Besonders Randgrundstücke sind für Betreiber lukrativ
    „FRIEDRICHSHAIN Wer im Sport- und Erholungszentrum (SEZ) duschen will, muß ziemlich abgehärtet sein. Eiskalt schießt das Wasser aus der Brause. „Das ist nicht angenehm, aber auch nicht gesundheitsschädigend, entschuldigt sich der Geschäftsführer des Hauses, Manfred Hempel. Die Reparatur des Wasserrohrsystems würde mehrere Millionen Mark kosten. Dieses Geld hat Hempel nicht, obwohl das Land der senatseigenen Erlebnisoase 1993 mit 10,3 Millionen Mark unter die Arme griff.

     Die Senatsschulverwaltung möchte das SEZ in diesem Jahr noch privatisieren, sagt Jürgen Kießling, für Sport zuständiger Abteilungsleiter. Für ihn ist der Friedrichshainer Freizeitpark vor allem eine „Riesenbelastung für den Steuerzahler“. Zwei Investoren haben sich um den Komplex beworben: die Firmen Ostseetherme und Dr. Frisch Consulting. Der reine Badebetrieb, soviel steht schon jetzt fest, wird nie schwarze Zahlen schreiben. Deshalb soll der Finanzsenator bis Anfang Juni für potentielle Bewerber Nachbargrundstücke ausweisen. Auf diesen könnten dann Büros, Hotels und Dienstleistungseinrichtungen entstehen. Der ganze Komplex sei hochlukrativ, so Kießling. Er glaubt, daß das SEZ nach drei bis vier Jahren Gewinne abwerfen könnte.

     Obwohl die Schwimmhalle wegen Bakteriengefahr saniert und deshalb mehrere Monate geschlossen werden mußte, besuchten im vergangenen Jahr immerhin 840.000 Berliner das Erholungszentrum. Hempel glaubt, das liegt am „niedrigen Preisniveau“. Dabei ist das SEZ so billig nicht: Wer eine Stunde Badminton spielen und anschließend in der Sauna schwitzen will, muß insgesamt 30 Mark bezahlen. In einem privaten Squash-Center kostet die Stunde Badminton 28 Mark, inklusive Sauna und warmer Dusche. Eine Buchung ein paar Tage im voraus ist dort kein Problem. Wer im SEZ spielen will, muß am gleichen Tag persönlich vorsprechen. Telefonische Reservierungen sind von der Laune der Angestellten abhängig. Den künftigen Betreiber erwarten also nicht nur finanzielle Anstrengungen.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, lieber Johann. Ein schockierender Verlust! Im übrigen sind diese Aussagen des „Geschäftsführers eine dreiste Lüge: weder war das gesamte Wasserrohrsystem nach gerade mal 10 Jahren marode und reparaturbedürftig, noch gelang es, durch das eiskalte Duschwasser und die überhöhten Preise die Bevölkerung vom Besuch ihres SEZ abzuhalten. Also mußten andere Wege gefunden werden, um die Berliner um ihr Volkseigentum zu betrügen und die Öffentlichkeit hinter’s Licht zu führen….

  3. gunst01 schreibt:

    Der Bau war ein teurer Westimport mit riesigen Unterhaltskosten.

    • sascha313 schreibt:

      Wer sagt das? In der DDR wurde nichts gebaut, was nicht langfristig geplant (und damit für den Staatshaushalt finanzierbar und tragbar) gewesen wäre. Aus der Sicht der Treuhand war prinzipiell alles, was in der DDR an sozialen und kulturellen Objekten gebaut wurde (so auch das SEZ): „marode und defizitär“, „asbestbelastet“ oder „mit Bakterien verseucht“. Wenn so ein hervorragendes und einmaliges Referenzobjekt für einen Euro an irgendeinen zwielichtigen „Investor“ verschenkt wird, dann ist allein schon das ein mehr als krimineller Vorgang!

    • S. Erfurt schreibt:

      Die meisten Freibäder und Sportanlagen in Thüringen entstanden im Rahmen des Nationalen Aufbauwerk (NAW). Volkssport in der DDR, das war nicht nur im Sinne eines Einzelnen sondern im Sinne der ganzen Gesellschaft.

      Ganz anders der heutige Kapitalimport: Da werden mal eben 500 (in Worten: Fünfhundert) Millionen Euro in ein Hotel investiert und noch einmal genausoviel für den Golfplatz nebendran wofür ein 10 ha großes Naturschutzgebiet mit seltener Fauna und Flora vernichtet werden muss. Nur damit ein paar Arschlöcher fressen, saufen und huren können!

      MFG

      • sascha313 schreibt:

        Danke, S.Erfurt. Was mich dabei doch immer wieder wundert, ist die Gedankenlosigkeit unf Kurzsichtigkeit, mit der so viele Leute, die sich mit der heutigen kapitalistischen Gesellschafts-ordnung – wie es scheint – „ausgesöhnt“ haben, solch einen Umweltfrevel hinnehmen können… noch heute werden fast täglich Felder zubetoniert, um Platz für neue Fernverkehrs-straßen und aufwendige Kreuzungsverläufe zu schaffen.

  4. Weber Johann schreibt:

    gust01 schreibt: „Der Bau war ein teurer Westimport mit riesigen Unterhaltskosten.“

    Es tut mir leid, dieser Aussage muss ich widersprechen. Das ist genau unsere (Wessi) Sprache, die ich seit nun über 55 Jahren höre, wenn es um das Lebenswerk der Menschen in der DDR geht. Ich habe bis heute noch nie gehört, von uns Wessi, dass irgend etwas nicht negativ betrachtet wird, was die Menschen in ihrem 40-jähren Leben in der DDR geschaffen hatten.

    Schauen wir uns doch einmal an, welchen Nutzen die Menschen in der DDR von diesem Sport- und Erholungszentrum gehabt haben. Die „Berliner Zeitung“ berichtete am 6. Januar 1982 von einer traumhaften Ausnutzung dieses einzigartigen Sport- und Erholungszentrums:

    Vielfältige Angebote im Sport- und Erholungszentrum
    Der fünfmillionste Besucher wird In diesem Monat im Sport- und Erholungs-zentrum an der Leninallee erwartet — damit kamen seit Eröffnung im März 1981 im Durchschnitt täglich bis 20.000 Besucher. Die Zahl der nur Schaulustigen ging in den vergangenen Wochen zurück. Jeder dritte Besucher treibt jetzt aktiv Sport. Über Vorhaben für dieses Jahr sprachen wir mit Willi Boldt Direktor des Hauses.„

    5.000.000 Besucher hatte dieses Zentrum in der Zeit vom 21.3.1981 – Ende Januar 1982. Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr ca. 6 Millionen. Bei solchen Besucherzahlen, dürfte die Unterstützung des Staates (Menschen in der DDR) nicht allzu groß gewesen sein.

    Ferner möchte ich darauf hinweisen, dass diese finanziellen Mittel allen Menschen in der DDR zugute kamen. Die sehr bürgerfreundlichen Eintrittspreise schlossen keinen von einem Besuch aus. Wenn ich daran denke, bei uns gab es ein ähnliches Freizeitzentrum, wesentlich kleiner, vielleicht 5% von der Größe des Sport- und Erholungszentrums an der Leninallee. Der Eintrittspreis für unsere ganze Familie (2 Erwachsen und 2 Kinder) betrug in den 1980-iger Jahren 50 DM. Wir besuchten dieses Freizeitzentrum in dieser Zeit ein Mal.

    Ich frage mich immer wieder, was ist daran negativ, wenn der DDR-Staat, das von den Menschen in der DDR Erarbeitete ihren Menschen zugute kommen ließ.

    Vor allem unter folgendem Gesichtspunkt. Die Pro-Kopf-Staatsverschuldung betrug in der DDR 1989 ca. 3.000 Euro, bei uns in der Alt-BRD ca. 8.000 Euro. Trotz dieser enormen Staatsverschuldung aller Alt-BRD-Regierungen blieb für die eigenen Menschen in der Alt-BRD nicht viel übrig. Wer waren denn dann die Nutznießer dieser Staatsverschuldungsexplosion. Eine Sparwelle jagte die Andere, mit enormen Einschnitten in den Sozialsystemen, die dafür sorgten, dass für viele Menschen der Besuch eines Sport- und Freizeitzentrum in der Alt-BRD unmöglich war.

    • sascha313 schreibt:

      Danke. Dem kann ich nur zustimmen. Es gibt keinen besseren Beleg dafür …nur leider haben aus meiner DDR-Sicht viele DDR-Bürger alle diese sozialen Errungenschaften zu sehr als „selbstverständlich“ für sich in Anspruch genommen.

      Was ist denn der Kapitalismus anderes als eine Gesellschaft, in der die eigene persönliche Bereicherung mehr zählt als ein gedeihliches Miteinander aller Menschen, das frei ist von Ausbeutung und Unter-drückung anderer? Seit 1917 war dieser ewige Menschheitstraum nach und nach für Millionen Menschen Wirklichkeit geworden. Eine hart erkämpfte und immer wieder bis aufs Äußerste zu verteidigende Wirklichkeit! Also – keine Utopie!

      Und welche Perspektive bietet denn die Privatwirtschaft? Doch nur die, daß wiederum Millionen Menschen überflüssig sind, nicht mehr gebraucht werden, „unter den Tisch fallen“! …wer aber nicht imstande ist, sich darüber Gedanken zu machen, dem fehlt es einfach nur an sozialem Mitgefühl, was auch nicht durch gelegentliche, das Gewissen beruhigende Spendenbereitschaft „für die Ärmsten“ aufzuwiegen ist.

      Die Crux ist doch, daß jeder Mensch sehr wohl dazu erzogen und ausgebildet werden kann, seinen eigenen, wenn auch manchmal nur geringen Beitrag, zum Wohle aller zu leisten. Nur darf man ihm die Chance nicht verwehren. Der kolonialistische, weltbeherrscherische Gedanke der Aneignung fremden Naturreichtums ist zutiefst unmenschlich.

    • S. Erfurt schreibt:

      Danke Johann. Um die Preisliste mal zu ergänzen: Der Eintritt ins Freibad Bad Berka (50m-Bahnen, 3m und 5m-Turm) kostete 30 Pfennige. Mit ein paar „Aluminiumchips“ in der Badehose sind wir mit dem Fahrrad dahingefahren und hatten dann noch Geld für ’ne Bratwurst und ’ne Faßbrause übrig.

  5. S. Erfurt schreibt:

    Der Eintrittspreis für eine Tanzveranstaltung belief sich auf 3,20 Mark. An den Wochenenden gab es eine Riesenauswahl an Tanzveranstaltungen und auch Diskotheken. Es war nur die Frage ob man mit dem Moped dahin fährt oder zu Fuß, etwa um ein Bierchen trinken zu dürfen. Zur Erinnerung: In der DDR galt die 0-Promille-Grenze!

  6. karovier schreibt:

    Hat dies auf karovier blog rebloggt und kommentierte:
    Was die Werktätigen der DDR mit ihrer Hände Arbeit zum Wohle des Volkes geschaffen haben, wurde nach dem Anschluss der DDR und ihrer Abwicklung 1990 systematisch ruiniert und zerstört. Das Sport- und Erholungszentrum in der Hauptstadt Berlin ist eines von unzähligen Beispielen der Zerstörungswut der BRD-Herrschenden. Bis heute wurde nicht einer der Verantwortlichen für die am Volk der DDR begangenen Schandtaten zur Rechenschaft gezogen. Schande!

    • sascha313 schreibt:

      Ja, so ist es! Habe ich in Ostdeutschland leider immer wieder und überall erlebt. Noch dazu die Arroganz der westliche Beaatzer, die als „Aufbauhelfer“ verkleidet waren und reihenweise die DDR-Arbeiter und -Fachleute auf die Straße setzten, um ihre eigenen Bekannten mit irgendwelchen Pöstchen zu versorgen – mit „Buschzulage“, versteht sich!

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