Meine Heimat DDR: Die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG)

 

AWG1_0002In der Deutschen Demokratischen Republik war durch die Arbeiter-und-­Bauern-Macht ein ständiger Aufschwung unserer Volkswirtschaft ge­sichert. Nach den Wegweisungen der Sozialistischen Einheitspartei Deutsch­lands vollzog sich der Aufbau des Sozialismus stetig und planmäßig mit dem Ziel, die ständig wachsenden Bedürfnisse der Werktätigen immer besser zu befriedigen. Darin war auch der Arbeiterwohnungsbau einbe­zogen, der durch die Verordnung vom 14. März 1957 gefördert und in einem noch größeren Umfang als bisher entwickelt wurde. Diese Tatsache war nicht zufällig, sondern stützte sich darauf, daß es in unserem Staat keine Monopole, keine Bankherren und keine Großgrund­besitzer mehr gab. Bei uns übten die Arbeiter im Bündnis mit den werk­tätigen Bauern die Macht aus. Somit waren auch alle Voraussetzungen für einen großzügigen Arbeiterwohnungsbau vorhanden.

Warum war die DDR beispielgebend für ganz Deutschland?

Wir bauten den Sozialismus als Beispiel für ganz Deutschland auf. Für die Bevölkerung, besonders aber für die Arbeiterklasse in jenem Teil unseres Vaterlandes, der noch von den Kapitalisten und Militaristen beherrscht wurde und auch heute wieder beherrscht wird, war unsere Republik nicht nur die Bastion, von der wir den Kampf um ein ungeteiltes demokratisches und friedliebendes Deutschland führten, sondern auch das Vorbild, das die Werktätigen in der Bonner Bundes­republik selbst erstrebten.

…die dankbarste und erhabenste Aufgabe

Je besser wir auf allen Gebieten des sozialisti­schen Aufbaus voranschritten, je vollkommener wir die Bedürfnisse un­serer Bevölkerung befriedigen konnten, um so stärker wurde unser Staat, unsere Arbeiter-und-Bauern-Macht, zum Anziehungspunkt für die schaf­fenden Menschen in ganz Deutschland. Es ging jedoch nicht nur darum, zum mächtigen Anziehungspunkt zu werden, sondern auch durch viele Beispiele zu beweisen, daß die Werk­tätigen in unserem Staat bewußt und mitbestimmend mitwirken konnten, denn der Aufbau des Sozialismus, der allen Bürgern unseres Staates Glück und Wohlstand verheißt, bedeutet auch

„Eine neue Arbeitsdisziplin, neue Formen der gesellschaftlichen Bin­dung zwischen den Menschen, neue Formen und Methoden der Her­anziehung der Menschen zur Arbeit zu schaffen – das ist eine Auf­gabe von vielen Jahren. Das ist die dankbarste, die erhabenste Aufgabe…“ (W. l. Lenin, Ausgewählte Werke, Bd. II, S. 666/667.)

Diese Worte Lenins sagen ganz deutlich, daß unter sozialistischen Ver­hältnissen die Menschen neue Beziehungen zueinander schaffen, weil sie ihre ganzen schöpferischen Kräfte in den Dienst der sozialistischen Gesellschaft stellen können.

Was leisteten die Arbeiter für sich und unsere Republik?

Welche Möglichkeiten, alle Talente und Fähigkeiten an den Tag zu legen, bot gerade der Arbeiterwohnungsbau. Im VEB Volksbau, Berlin, hatten zum Beispiel die in Arbeitsbrigaden zusammen­gefaßten Mitglieder der Arbeiterwohnungsbau-Genossenschaften (AWG) das ganze Kellermauerwerk selbst errichtet. Die Genossenschafter des VEB Schlepper­werk Nordhausen hatten für ihre Wohnbauten sämtliche Kunstschmiede­arbeiten ausgeführt. Und wenn es in dieser Genossenschaft Frauen gab, die, um ihren Männern helfen zu können, gelernt hatten, die Baumaschinen zu bedienen, dann beweist dies doch nur, über welche riesigen Kräfte, Möglichkeiten, Fertigkeiten und Fähigkeiten die Werktätigen verfügen und welche Erfolge erzielt werden können, wenn diese Kräfte richtig nutz­bar gemacht werden.

Das ist nur im Sozialismus möglich!

Doch diese schöpferischen Kräfte können sich nur dort entfalten, wo, wie bei uns in der DDR, der Staat und die Betriebe, die Partei der Arbeiterklasse und die Gewerkschaften dem Arbeiterwohnungsbau jede Hilfe leihen. Darin liegt auch mitbegründet, weshalb die Arbeiterwohnungsbau-Genos­senschaft schneller und billiger bauen konnten als beispielsweise der staat­liche oder private Wohnungsbau. Die staatliche Förderung, die materielle Hilfe der Betriebe, die gewerkschaftliche Solidarität der Belegschaft gegenüber der Arbeiterwohnungsbau-Genossenschaft und die kamerad­schaftliche Hilfe und Zusammenarbeit innerhalb der Genossenschaft, waren wichtige Faktoren für den Aufschwung des Arbeiterwohnungsbaues in unserer Republik.

Der erfolgreichen ersten Jahre im Sozialismus

Wie auf allen Gebieten unseres gesellschaftlichen Lebens wurde auch im Arbeiterwohnungsbau beachtliche Erfolge erzielt. Aus der Berichterstattung des Prüfungsverbandes geht hervor, daß die Arbeiter­-Wohnungsbau-Genossenschaften bis zum 31. Dezember 1957 mit dem Ban von 27.000 Wohnungen begonnen hatten, von denen bis zum gleichen Zeitpunkt 13.000 Wohnungen bezugsfertig waren. An diesem Erfolg waren auch die Gewerkschaften beteiligt, denn ihre Auf­gabe war es, die vielseitigen Interessen der Werktätigen zu vertreten und sie zu sozialistisch denkenden und handelnden Menschen zu erziehen.

„Die Hauptaufgabe der Gewerkschaften ist die Festigung des Ver­trauens der Arbeiter zum Staat und zur Politik der Partei der Ar­beiterklasse auf dem Wege der Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter, der Erhöhung des Lebensniveaus der Werk­tätigen und ihrer politischen Erziehung zum Staatsbewußtsein.“

Die Gewerkschaften förderten den Wohnungbau

Damit ist hinlänglich gesagt, daß die Gewerkschaften auch den Arbeiter-Wohnungsbau nach besten Kräften förderten. Sie waren in der DDR eine mächtige poli­tische und organisatorische Kraft, die, richtig genutzt, nicht nur die Arbeitsproduktivität in den Betrieben erhöhen half, sondern auch den genossenschaftlichen Arbeiter-Wohnungsbau mannigfaltig zu unterstützen vermochte. Es kommt immer darauf an, den richtigen Weg zu beschreiten.

Wie sah es nach dem Kriege aus?

nachkriegMan konnte sich im Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik um­schauen, wo man wollte; in Halle, Dessau, Leipzig oder Dresden, in kleine­ren Städten wie Hoyerswerda oder auf dem flachen Lande, überall wurde gebaut. Es gabt schon neuerbaute Wohnviertel und ganze Straßenzüge, ja selbst ganz neue Städte waren in den ersten Jahren entstanden. Und trotzdem mangelte es noch an Wohnungen, weil sich die Folgen der kapi­talistischen Wohnungspolitik und der Massenzerstörung von Wohnungen durch die verbrecherischen Machenschaften der deutschen Monopole, die den zweiten Weltkrieg verursachten, nicht in wenigen Jahren überwinden lassen.

Warum wurde die AWG gegründet?

Unser Staat war bestrebt, möglichst schnell vielen Menschen eine eigene Wohnung zu geben. Dasselbe Bestreben hatten auch die Arbeiter, und so zeigt sich auch hier, wie die Interessen unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates mit den persönlichen Interessen der Werktätigen übereinstimmen. Durch die Verordnung vom 14. März 1957 konnten Arbeiter-Wohnungs­bau-Genossenschaften bei allen Betrieben, Verwaltungen und Institutionen einschließlich des Groß- und Einzelhandels gebildet werden. Die Bildung einer solchen Genossenschaft oder der Anschluß an eine schon bestehende erfolgt auf betrieblicher Basis, weil nur so die Hilfe des Betriebes usw. für die Genossenschaft gewährleistet ist.

Das verfassungsmäßige Recht auf Arbeit und Wohnung

Natürlich hatte bei uns jeder Werktätige ein Recht darauf, anständig zu wohnen, doch kommt nichts von allein. Stellte bei uns ein Arbeiter oder ein werktätiger Bauer eine Forderung, so richteten sie diese Forderung an sich selbst; denn sie waren Bürger eines Staates, in dem die Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern die Macht ausübte. Durch mancher­lei Formen konnte zum Beispiel bei uns jeder Arbeiter über die gesellschaft­liche Entwicklung des Staates mitbestimmen (Produktionsberatungen, Kontrolle über die Erfüllung des Betriebskollektivvertrages usw.). Das­selbe geschah auf dem Gebiet der Wohnungspolitik und besonders im Arbeiterwohnungsbau durch die persönliche aktive Mitarbeit.

Arbeiterkontrolle und Unterstützung

Diese persönliche aktive Mitarbeit förderten die Gewerkschaften, vor allem die Betriebsgewerkschaftsleitungen, u.a. durch die Werbung weiterer Ge­nossenschaftsmitglieder, gegebenenfalls. durch ihre Unterstützung zur Gründung neuer Genossenschaften, durch die von ihnen geleitete Arbeiter­kontrolle, die besonders darauf achten mußte, daß die Baumaterialien richtig gelagert und qualitativ gut verarbeitet werden. Vor allem kam es darauf an, den Zusammenschluß mehrerer Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaften eines Ortes zu erreichen.

Hilfe durch die volkseigenen Betriebe

Damit unterstützen die Gewerkschaften gleichzeitig den gesamten ge­nossenschaftlichen Arbeiter-Wohnungsbau. Sie kontrollieren die Einhaltung der im Betriebskollektivvertrag bzw. in der Betriebsvereinbarung über­nommenen Verpflichtungen und organisieren die gewerkschaftliche Hilfe­leistung der Belegschaft für die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft. Die Hilfe des Betriebes kann sehr vielseitig sein, wenn die gegebenen Möglichkeiten richtig ausgeschöpft werden.

Grundriß einer AWG-Wohnung (2 Beispiele)

Grundriss-1


1. Welche Vorteile bot die AWG?

Die Vorteile

  1.  daß der Staat, daß unsere Arbeiter-und Bauern-Macht, der Arbeiter-Wohnunsbau-Genossenschaft zinslose und zum Teil unkündbare Kre­dite bis zu 85 Prozent der Baukosten gibt;
  2. daß die örtlichen Organe der Staatsmacht das genossenschaftliche Bauen tatkräftig unterstützen und der Genossenschaft unentgeltlich aufgeschlossenes Bauland zur Verfügung stellen;
  3. daß die Betriebe und Verwaltungen materielle und andere Hilfe leisten, damit die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft ihr Baupro­gramm schnell verwirklichen kann;
  4. daß die Gewerkschaften die Genossenschaft im Betrieb und auf der Baustelle unterstützen und die solidarische Hilfeleistung der ganzen Belegschaft organisieren;
  5. daß die Genossenschaftsmitglieder in verhältnismäßig kurzer Zeit nach bestätigten Typenprojekten gebaute Wohnungen erhalten, die den gegenwärtigen realen Bedürfnissen entsprechen. Dabei können bezüglich der Ausstattung der Wohnungen die persönlichen Wünsche berücksichtigt werden.

Daraus ergab sich der weitere Vorteil, daß der Arbeiter oder Angestellte durch die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft, die sich bei ihrem Bau­programm auf die Hilfe des Staates, des Betriebes und der Gewerk­schaften stützt, schon bald eine Wohnung in Aussicht hat, wenn er als aktiver Genossenschafter am Arbeiter-Wohnungsbau mitwirkt.

2. Wie half der sozialistische Staat?

Die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaften erhielten zinslose Darlehen in Höhe der im Finanzplan vorgesehenen Kredite bis zu 85 Prozent der Baukosten. Für jede zu bauende Wohnung gab die Deutsche Investitionsbank ein 1. Darlehen in Höhe von 5.000 DM, zuzüglich eines weiteren Betrages in Höhe der von der Genossenschaft für die Wohnungen aufgebrachten Eigenleistungen. Dieses Darlehen war zinslos und unkündbar. Das 2. Darlehen umfaßte den Rest des Gesamtkredits. Es war ebenfalls zinslos, jedoch mit 2 Prozent jährlich zu tilgen. Die Tilgung durch die Genossenschaft begann am 1. Tag des auf die Fertigstellung der Woh­nungen folgenden Monats in gleichen Raten für jeweils ein Kalender­vierteljahr. Das Baugelände bekam die .Genossenschaft unentgeltlich und unbefristet von den Räten der Kreise zur Verfügung gestellt.


Wie konnten die Eigenanteile gesichert werden?

Zur Aufbringung der erforderlichen Eigenmittel konnten die der Arbeiter­wohnungsbau-Genossenschaft zustehenden, aber noch nicht fälligen An­sprüche auf Einzahlungen von Genossenschaftsanteilen durch ein zinsloses Darlehen in Höhe der Differenz zwischen den erforderlichen Anteilen für jede Wohnungseinheit und den tatsächlich insgesamt eingezahlten Ge­nossenschaftsanteilen bevorschußt werden (Überbrückungsdarlehen).

War die AWG-Mitgliedschaft für jeden Arbeiter erschwinglich?

Die neue Verordnung machte auch jenen Werktätigen den Eintritt in die Arbeiterwohnungsbau-Genossenschaft leicht, die finanzielle Gründe anführten; weshalb sie der Genossenschaft nicht hätten beitreten können. Jetzt konnte jeder Angehörige des betreffenden Betriebes Mitglied der Ar­beiterwohnungsbau-Genossenschaft werden, wenn er schriftlich seinen Bei­tritt erklärte und damit das Statut anerkannte. Das Eintrittsgeld betrug 10 DM, ein Genossenschaftsanteil 300 DM. Im Musterstatut war hierzu u. a. festgelegt:

„Bei Bewerbung um eine genossenschaftliche Wohnung sind mehrere Genossenschaftsanteile zu übernehmen. Die Anzahl der zu übernehmen­den Genossenschaftsanteile errechnet sich wie folgt:
a) für eine 1 -Z30 D;immerwohnung 4 Anteile = 1.200,- DM
b) für eine 1 ½-Zimmerwohnung 5 Anteile = 1.500,- DM
c) für eine 2 -Zimmerwohnung 6 Anteile = 1.800,- DM
d) für eine 2 ½-Zimmerwohnung 7 Anteile = 2.100,- DM
e) für jedes weitere Zimmer 2 weitere Gen.-Anteile
bzw. für jedes weitere Halbzimmer 1 weiterer Gen.-Anteil.
Die von einem Genossenschafter zu übernehmenden Genossenschafts­anteile können in der vollen Summe beim Eintritt in die Genossenschaft oder in Teilbeträgen entrichtet werden. Sie sind spätestens innerhalb von 10 Jahren nach Eintritt in die Genossenschaft wie folgt einzuzahlen:
a) Ein Genossenschaftsanteil innerhalb von einem Monat nach Eintritt in die Genossenschaft;
b) die restlichen Genossenschaftsanteile in monatlichen Ratenzahlungen von mindestens 20,- DM.
Die Höhe der monatlichen Ratenzahlungen wird unter Beachtung der vor­stehenden Begrenzung nach dem Einkommen folgendermaßen festgesetzt:
Bei einem Einkommen
a) bis zu 350,- DM ……………………………… 20 DM
b) von mehr als 350,- bis zu 500,- DM …. 30 DM
c) von mehr als 500,- bis zu 600,- DM …. 35 DM
d) von mehr als 600,- bis zu 700,- DM …. 40 DM
e) von mehr als 700,- bis zu 800,- DM …. 60 DM
f) von mehr als 800,- bis zu 900,- DM … 100 DM
von über 900,- DM als monatliche Mindestrate
Das Einkommen errechnet sich aus der Summe der Bruttoeinkünfte, die beiden Ehegatten insgesamt zufließen. Die Genossenschaftsanteile dürfen nur in Geld aufgebracht werden; unabhängig von der Zahl der Anteile hat der Genossenschafter nur eine Stimme. Die über die Genossenschaftsanteile hinaus durch die Genossenschafter aufzubringenden Eigenleistungen ,gehen in den unteilbaren Fonds ein. Die Vollversammlung beschließt, welche tätige Mitarbeit im Geschäfts­jahr von jedem Genossenschafter zu leisten ist. Die Eigenleistungen kön­nen anstelle von Arbeitsleistungen am Bauvorhaben auch durch Geld­leistungen erbracht werden. Hierzu bedarf es eines Beschlusses der Voll­versammlung.“

Der Arbeiter-Wohnungsbau hatte eine großartige Perspektive

Aus all dem geht hervor, daß der genossenschaftliche Arbeiter-Wohnungs­bau in unserer Republik eine großartige Perspektive besaß. Das Neue bestand vor allem darin, daß jetzt viele Arbeiter und Angestellte, beson­ders auch alleinstehende Frauen, mithelfen konnten, die Wohnverhält­nisse zu verbessern und die Forderung zu erfüllen, mehr, besser und billiger zu bauen.

Schwerin

DDR-Neubauten in einem Stadtteil von Schwerin


Wie ist das mit dem sozialen Wohnungsbau im Kapitalismus?

1. Sozialer Wohnungsbau im kaiserlichen Deutschland

An der Entwicklung der Wohnungsbau-Genossenschaften kann man auch den Charakter eines Staates erkennen. So wurde u.a. in der Entwicklung der Wohnungsbau-Genossenschaften nach 1878 durch das Sozialistengesetz ein Rückgang verzeichnet. Während der Geltungsdauer dieses Gesetzes sank die Anzahl der Wohnungsbau-Genossenschaften von 53 auf 28 herab. Davon wurden hauptsächlich die genossenschaftlichen Vereinigungen der Arbeiter betroffen, die unter dem reaktionär preußisch-deutschen Regime verfolgt wurden.

2. Sozialer Wohnungsbau im faschistischen Deutschland

Die gleiche Erscheinung wiederholte sich in viel größerem Maße unter der faschistischen Diktatur. Während es 1931 in Deutsch­land 4.358 Wohnungsbaugenossenschaften gab, existierten davon 1940 nur noch 3.379. Außerdem unternahm es die faschistische Regierung, die Wohnungsbau­genossenschaften der Arbeiter mit faschistischen Elementen, Berufssol­daten und Beamten zu durchsetzen, indem sie zum Beispiel in den Vor­ständen und Aufsichtsräten ihrer Genossenschaften die bewußten Genossenschafter durch andere verdrängten. Außerdem wurden in diesen Genossenschaften bestimmten Personen Wohnungen gegeben, die keiner­lei Interesse für die Genossenschaft zeigten, sich nicht an den gemein­schaftlichen Verwaltungs-, Pflege- und Instandhaltungsarbeiten beteilig­ten, sondern nur die gegebenen Vorteile ausnutzten.

Hinterhof

3. Sozialer Wohnungsbau in der kapitalistischen BRD

Der soziale Wohnungsbau in der BRD muß von dem Standpunkt betrachtet werden, wie der Staat unmittelbar den Arbeiter­wohnungsbau fördert. Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaften wie in un­serer Republik, die eine großzügige staatliche Förderung genießen konnten, kann es in der BRD nicht geben und wird es auch nicht geben, weil dieser Staat von den Monopolen beherrscht wird, wohingegen bei uns in der DDR die Arbeiter­klasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern die Macht ausübte.


Warum ist das so?

Dem Arbeiterwohnungsbau fehlen also in der Bundesrepublik jene ökono­mischen und politischen Voraussetzungen, die es erst ermöglichen, ihn wirklich umfassend zu fördern. Er ist vor allem vom Kapitalmarkt ab­hängig, wobei die Geld- und Kreditgeber, die für den sozialen Wohnungs­bau Kredite geben, beträchtliche Steuervergünstigungen erfahren und außerdem die ständig ansteigenden Zinsen einheimsen.Daran

Keine rosigen Aussichten für den sozialen Wohnungsbau

Schon damals schrieb das DGB-Organ „Welt der Arbeit“ am 16. November 1956 unter der Überschrift „Keine rosigen Aussichten für sozialen Wohnungsbau“ unter anderem:

„Die Baulandpreise und die Herstellungskosten sind gestiegen – und angesichts dieser Situation, die man aber nach Ansicht der Fachleute nicht dramatisieren, jedoch sehr ernst nehmen sollte, forderte der Gesamtver­band gemeinnütziger Wohnungsunternehmen im Juni eine besondere Hilfsaktion in Höhe von 200 Millionen D-Mark, die aber nicht bewilligt wurden. Der DGB und die SPD unterstützten diese Forderung aufs stärkste, jedoch es dauerte noch lange, ehe sich der Wohnungsbauminister auf Grund der alarmierenden Tatsachen bereitfand, ein Not- und Hilfs­programm von 800 Millionen D-Mark anzukündigen. Die mißtrauischen Fachleute, die prophezeiten, diese Summe würde nicht so bald in voller Höhe zur Verfügung stehen, behielten recht; denn bisher wurden erst rund 300 Millionen D-Mark ausbezahlt.
Wenn nicht bald und gründlich etwas geschieht, wird sich die jetzige ver­hängnisvolle Lage für den sozialen Wohnungsbau besonders stark im kommenden Jahr (und selbstverständlich auch noch in den folgenden Jahren) auswirken.
Wie sehr der soziale Wohnungsbau für die be­sonders bedürftigen Bevölkerungskreise betroffen wird und wie groß der Bedarf an Wohnungen ist, mögen ein paar Zahlen dartun: Elf Jahre nach Kriegsende und sieben Jahre nach Beginn des Wirtschaftswunders fehlen rund 1,9 Millionen Familienwohnungen für rund sieben bis acht Millionen Menschen, Außerdem fehlen noch rund 1,2 Millionen Woh­nungen für Einzelpersonen. Dazu kommt, daß von unseren 12 Millionen Normalwohnungen eines Tages rund 1 Million abgerissen werden müssen.“

Am 21. Dezember 1956 beklagte sich die „Welt der Arbeit“ erneut dar­über, daß der soziale Wohnungsbau zurückgeht, und schrieb zum Beispiel:

„Das Wohnungsbauprogramm für das Jahr 1957 ist dadurch gefährdet, daß der Hypothekenmarkt verödet ist. Der Bundesminister für Woh­nungsbau hat das bei der Steuerdebatte im Bundestag kürzlich bestätigt, indem er zugab, daß 1 Milliarde D-Mark erste Hypothek fehlen. Tat­sächlich fehlen sogar 2 Milliarden D-Mark erste und zweite Hypotheken. Außerdem sind die öffentlichen Mittel unzureichend. Der Rückgang des sozialen Wohnungsbaus hat die große Zahl der Woh­nungssuchenden beunruhigt. Die Offentlichkeit erwartet deshalb von der Bundesregierung Erklärungen darüber, wie sie den Wohnungshau 1957 zu finanzieren gedenkt.“

Die Monopolbourgeoisie hat die Macht…

Diese Erscheinungen haben ihre Ursachen in der Politik des Bonner Staates. Die Einschränkung des öffentlichen und sozialen Wohnungsbaues, vor allem des genossenschaftlichen Wohnungsbaues, ‚bei dem vorwiegend Mietwohnungen gebaut wurden, geschieht zugunsten der Unternehmen, die hauptsächlich Eigenheime, Siedlungshäuser oder Eigentumswohnungen bauen.

Warum werden verstärkt Eigenheime gebaut?

Durch das Eigenheim oder Siedlungshaus soll der Arbeiter mit seiner Familie vom politischen und öffentlichen Leben ferngehalten wer­den; denn neben der Garten- und Hausarbeit, der Pflege und Instand­haltung und den daraus entstehenden Kosten bleiben dem Arbeiter kaum noch Zeit und Geld, sich für andere Dinge zu interessieren.

„Die gescheitesten Führer der herrschenden Klasse haben stets ihre Anstrengungen darauf gerichtet, die Zahl der kleinen Eigentümer zu vermehren, um sich eine Armee gegen das Proletariat zu erziehen, indem sie ihren Arbeitern kleine, durch jährliche Abzahlungen ab­zutragende Wohnungen verkauften, sie suchten allen revolutionären Geist in den Arbeitern zu ersticken und sie gleichzeitig durch ihren Grundbesitz an die Fabrik, in der sie einmal arbeiten, zu fesseln.“ (Marx/Engels „Zur Wohnungsfrage“, S.12-13, Ausgewählte Schriften, Bd. I, S. 541.)

Die Lüge von der sozialen Freiheit im Kapitalismus

Mit der Phrase, das Privateigentum sei eine der wichtigsten äußeren Grundlagen der Freiheit, versucht man den Werktätigen nicht nur die Augen zu verschließen und sie von allen politischen Ereignissen abzu­lenken, sondern sie sind z.T. durch finanzielle Zuwendungen (Arbeitgeberdarlehen) an den Betrieb gekettet und würden mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes (zum Beispiel durch die Teilnahme an einem Streik) auch ihr Heim verlieren bzw. aufgeben müssen.

Immer im Interesse des Kapitals…

Auch diese Tatsache bestätigte das DGB-Organ „Welt der Arbeit“ in der Ausgabe vom 11. Januar 1957, in der u.a. zum Vollstreckungsschutz bei Werkswohnungen Stellung genommen wird. Darin heißt es u.a.:

„In anderen Fällen hat das Vollstreckungsgericht auf Antrag des Schuld­ners die Vollstreckung aus Titeln, die auf Herausgabe von Wohnraum lauten, einstweilen einzustellen, wenn und soweit der Wohnraum für den Schuldner und die zu seinem Hausstand gehörenden Personen unentbehr­lich ist. Die einstweilige Einstellung ist jedoch zu versagen, wenn sie für den Gläubiger eine unzumutbare Härte darstellt…“

Die Rechtlosigkeit der Arbeiterklasse

Geht schon daraus klar hervor, daß die Vollstreckung, die sich gegen den Inhaber einer Werkswohnung richtet, immer im Sinne des Gläubigers, nämlich des Unternehmers, ausgelegt werden kann und wird, so sagt der Schluß dieser Stellungnahme ganz eindeutig, wer in jedem Falle über die Werkswohnung verfügt:

„Auch bei der Aufhebung des Mietverhältnisses … müssen auch im Voll­streckungsschutzverfahren bei der Frage der Zumutbarkeit die Interessen des Dienstherrn entscheidend berücksichtigt werden.“

Entscheidend ist also der Dienstherr, der Unternehmer, der in West­deutschland die ökonomische und politische Macht besitzt. Und der Arbei­ter ist selbst in der Wohnungsfrage der Willkür des „Dienstherrn“ preis­gegeben.

Sklavische Abhängigkeit und Verschuldung durch Kredite

Auf vielerlei Art und Weise sind die kapitalistischen Unternehmer be­strebt, die Arbeiter außerhalb der Fabrik noch in ihre Abhängigkeit zu bringen und evtl. daraus noch zusätzlichen Profit zu schlagen. Das ge­schieht u.a. dadurch, daß den Arbeitern werkseigene oder werksverbun­dene Wohnungen oder sogenannte Arbeitgeberdarlehen zur Verfügung gestellt werden. Die am meisten verbreitete Form dazu sind Kredite und Zuwendungen an Bauunternehmen bzw. an Kreditinstitute für Bau­unternehmen oder an einzelne Bauherren bzw. an Arbeiter selbst zum Zwecke des Wohnungsbaues.

Die Lüge von der Wohltätigkeit

Nach außen erweckt das den Anschein, als sorgten sich die Unternehmer um die Arbeiter. In Wirklichkeit dienen jedoch die Kredite und Zuwendungen dazu, die Arbeiter immer stärker vom Betrieb abhängig zu machen und sie zum Beispiel vom Streik um höhere Lohnforderungen oder vom Kampf um die Änderung der politischen Verhältnisse in der BRD abzuhalten.

Quelle:
FDGB-Bundesvorstand (Hrsg.): „Unsere Artbeiterwohungsbaugenossenschaften“, Verlag Trbüne, Berlin, 1958, S.3-15, (bearbeitet u. mit Zwischenüberschriften versehen – N-G.)

Siehe auch:
Der Bezirk Gera – Symbol des Sozialismus in der DDR
Erhardt Gißke – Bauen mein Leben
Kay Strathus – Ein Staat, in dem 40 Jahre lang Mangel herrschte…

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Eine Antwort zu Meine Heimat DDR: Die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG)

  1. S. Erfurt schreibt:

    Unsere erste Wohnung in Erfurt: AWG. Die Genosenschaftsanteile waren erschwinglich, die Miete ein Witz. Die Hausgemeinschaft fand sich schnell zusammen: Bäume haben wir vors Haus gepflanzt und die Pflege der Grünanlagen übernommen, das waren unsere Arbeitseinheiten. Schließlich schmecken Bratwurst und Brätl nochmal sogut wenn alles ordentlich gemacht ist. Nein wir hatten kein Auto aber der Kollege aus der Parterrewohnung hatte eins, sogar mit Anhänger. Zur Arbeit gings zu Fuß und in die Stadt mit der Straßenbahn. Auch ein späterer Wohnungstausch war völlig problemlos, für uns war es dieselbe Genossenschaft. Glückliche Zeiten!

    Heute: Die Genossenschaft gibt es noch zumindest dem Namen nach aber mit völlig anderen Zielen. Anstelle der Befriedigung des Bedürfnisses Wohnen trat der Profit. Für uns Genossenschaftler wurden die Anteile entwertet, mit der Einführung der DM blieb nicht einmal die Hälfte davon übrig.

    Scheiß Kapitalismus.

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