Georges Soria: Worin besteht der sozialistische Wettbewerb? (Außerdem hier noch: Was ist kapitalistische Konkurrenz?)

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Moskau 1952

Bei seinen ausgedehnten Reisen durch die Sowjetunion nach 1945 machte der französische Journalist George Soria einige merkwürdige Beobachtungen, die vielen seiner Landsleute damals schon, und auch den meisten Menschen heute noch unvorstellbar zu sein schienen: Seit der Oktoberrevolution im Jahre 1917 hatten sich unter der Herrschaft der Arbeiterklasse und der Führung der Bolschewiki völlig neue Verhaltensweisen herausgebildet – ein Zusammenhalt, eine Kameradschaftlichkeit, ein sozialistisches Gemeinschaftsgefühl, gegenseitige Achtung, eine andere Form der Arbeit und nicht zuletzt ein großes Verantwortungsbewußtsein und Liebe zur sozialistischen Heimat. George Soria schrieb: „Kein Land dieser Erde hat ein leidenschaftlicheres Interesse erweckt als die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Und dennoch ist die Sowjetunion für viele Menschen auch heute noch ein großes Geheimnis“.

Georges Soria

Der sozialistische Wettbewerb

Der sozialistische Wettbewerb ist im sowjetischen Le­ben eine bereits fest verankerte Form des Wettstreites unter den Werktätigen. Er trat zum erstenmal 1929 in Erscheinung, als mit der Durchführung des ersten Fünf­jahrplanes begonnen wurde. Gleich im Anfang mani­festierte sich im sozialistischen Wettbewerb in zahl­reichen Fällen eine neue Einstellung zur Arbeit.

Wie entstand der sozialistische Wettbewerb?

Traktorenwerk_UdSSRUm den Aufbau des Sozialismus zu beschleunigen, arbeite­ten in vielen Fabriken, Sowchosen und Kolchosen die Werktätigen „Gegenpläne“ für die Arbeit aus, welche die im Fünfjahrplan vorgesehenen Ergebnisse übertra­fen. Im Laufe dieser Jahre wurden von der Arbeiter­klasse und den Kolchosbauern auf dem Gebiet der Ar­beit außerordentliche Heldentaten vollbracht. Die Ar­beit, vor kurzem noch eine Last, wurde nunmehr, wie Stalin zu jener Zeit hervorhob, „Sache der Ehre und \Vürde, des Ruhmes und Heldentums“. Dieses ver­änderte Verhalten zur Arbeit ist dem sozialistischen Wettbewerb zuzuschreiben.

Worin besteht der sozialistische Wettbewerb?

Stalin definiert ihn durch den Unterschied, der sich bei einem Vergleich des sozialistischen Wettbewerbs mit der Kon­kurrenz feststellen läßt, und er schreibt:

„Der sozialistische Wettbewerb und die Konkurrenz beruhen auf zwei völlig verschiedenen Prinzipien. Die Konkurrenz macht es sich zum Prinzip, die Nie­derlage und den Tod der einen, den Triumph und die Vorherrschaft der andern herbeizuführen. Der sozialistische Wettbewerb beruht auf dem Prinzip der Hilfe, welche die Rückständigen im Interesse des allgemeinen Fortschritts von der Avantgarde der Werktätigen erhalten.“

Wie entspinnt sich der sozialistische Wettbewerb?

Hier zwei Beispiele aus der jüngsten Gegenwart: Zwei Bergarbeiter aus dem Donez-Kohlenbecken, Pastuchow und Schawronitschew, alle beide Stachanow­arbeiter, fordern sich gegenseitig zu einem Wettbewerb heraus, demzufolge derjenige, der die meiste Kohle bricht, zum Sieger erklärt werden soll. Dem ersten gelingt es, innerhalb eines Arbeitstages 77 Tonnen Kohle abzuschlagen, das heißt zwölfmal mehr als die von einem gewöhnlichen Bergarbeiter verlangte Norm. Am nächsten Tag schlägt der zweite 105 Tonnen Kohle.

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Der Wettbewerb breitet sich aus…

Inzwischen melden die Zeitungen, daß es einem Häuer aus der Stadt Woroschilowgrad gelungen sei, an einem Arbeitstag sogar 128 Tonnen Brennstoff zu brechen. Ermutigt durch seinen ersten Rekord, fordert Pastu­chow den Häuer von Woroschilowgrad zum Wettbewerb heraus und setzte sich das Ziel, an einem Arbeitstag 150 Tonnen Kohle zu brechen. Schawronitschew mischt sich ebenfalls ein und verkündet, er werde sich bemü­hen, 180 Tonnen Kohle abzuschlagen. Es gelingt ihm. Pastuchow gibt sich nicht geschlagen und erreicht noch bessere Ergebnisse. Er übertrifft den Rekord seines Ar­beitskameraden und bricht innerhalb eines Arbeitstages die ungeheure Menge von 207 Tonnen Kohle.

Die Bergarbeiter sind über diese Rekorde begeistert. Sie beginnen unverzüglich, sich über die Arbeitsweise ihrer Kameraden zu unterrichten und steigern ihrerseits ihre tägliche Arbeitsleistung, also auch ihren Lohn.

Die Arbeit – eine Sache der Ehre!

Dieses Beispiel ist nur eines von Tausenden. Es zeigt, wie der sozialistische Wettbewerb der gesamten Ar­beiterschaft, dem ganzen Lande zugute kommt und natürlich auch den Menschen seihst, die solche Helden­taten vollbringen. Wenn sich nämlich die Arbeitslei­stungen steigern, nimmt auch das allgemeine Wohl­ergehen zu.

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Die Stachanowarbeiter, die solche außerordentlichen Leistungen vollbringen, sind nicht die einzigen, die ma­teriell von ihrer Arbeit profitieren. Wenn Pastuchow in der Tat an einem Arbeitstag 207 Tonnen Kohle häuert und – gemessen an einer Arbeitsnorm – das Dreißigfache des Lohnes erhält, so versuchen die Ar­beitskameraden in seiner Schicht, die ihn arbeiten sehen, ebensoviel zu leisten und sich seine Arbeitstech­nik anzueignen. Da sich zudem die Arbeitsleistung je Mannschaft steigert, wenn eines ihrer Mitglieder eine außerordentliche Leistung vollbringt, so erhält die ge­samte Mannschaft eine Prämie.

Warum gab es den sozialistischen Wettbewerb?

Natürlich ist der sozialistische Wettbewerb nicht nur eine Angelegenheit des heldenhaften Verhaltens oder der Kraftanstrengung. Er ist erst auf Grund des hohen technischen Niveaus der sowjetischen Arbeiterklasse möglich und nutzbringend und auch, weil der Stacha­nowarbeiter, der einen anderen Stachanowarbeiter zum Wettbewerb herausfordert, über seine Arbeitsbedingun­gen nachdenkt und sich ständig bemüht, durch Einfüh­rung neuer technischer Methoden oder durch bessere Organisation seine Arbeitsleistung zu steigern.

Die Arbeiter steigern ihre Arbeitsproduktivität

Will man in wenigen Worten die Ergebnisse aufzeigen, die dank des sozialistischen Wettbewerbs erzielt wur­den, so kann man zusammenfassend sagen, daß sich durch den sozialistischen Wettbewerb die Durchschnitts­produktion und gleichzeitig auch die Entlohnung in den Fabriken und Kolchosen unaufhörlich erhöht hat. Es gibt in der Sowjetunion keine Fabrik, keinen Betrieb, in dem nicht zwischen den Arbeitern und Werktätigen Wettbewerbs-„Verträge“ abgeschlossen wurden. In diesen Verträgen sind genau die Vereinbarungen festgelegt, die zwischen den Teilnehmern am Wett­bewerb getroffen wurden. Nach Ablauf dieser Wett­bewerbs-Verträge werden die Namen der Sieger ver­öffentlicht. Die für die Produktionssteigerung dabei ausgearbeiteten Methoden werden im ganzen Lande eingeführt, wenn sie sich als nützliche technische Neue­rung herausstellen.

Quelle:
George Soria: „Wie lebt mein eigentlich in der Sowjetunion?“ Paul List Verlag Leipzig (DDR), 1951, S.66-69 (Zwischenüberschriften eingefügt – N.G.)


Dazu schreibt das Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus:

Der sozialistische Wettbewerb

Der sozialistische Wettbewerb ist ein umfassender Ausdruck der freiwilli­gen, bewußten und schöpferischen Masseninitiative der Werktätigen zur Durchsetzung des wissenschaft­lich-technischen Fortschritts, zur Erhöhung der Effektivität der Pro­duktion, zur Steigerung der Arbeits­produktivität, zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen so­wie zur demokratischen Teilnahme an der Planung und Leitung der Pro­duktion. Im sozialistischen Wettbewerb „verkörpert sich in hohem Maße die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihre zunehmende Verantwortung für die allseitige Stärkung und Festigung des soziali­stischen Staates“ (Programm der SED, S. 35/36).

Grundlagen des sozialistischen Wettbewerbs

Seine entscheiden­den Grundlagen sind die politische Macht der Arbeiterklasse unter Füh­rung der marxistisch-leninistischen Partei, die sozialistischen Produk­:ionsverhältnisse, insbesondere das sozialistische Eigentum an Produktionsmitteln, der sozialistische Cha­rakter der Arbeit und die auf der planmäßig organisierten Arbeitsteilung und Spezialisierung beruhende Kooperation der Arbeit.

Die bewußte und planmäßige Tätitgkeit…

Im sozialistische Wettbewerb kommt die Bewußtheit des Handels, die Organisiertheit, Diszipliniertheit und schöpferische Aktivität der Arbeiterklasse und aller anderen Werktätigen, ihre sozialistische Ein­stellung zur Arbeit und zum gesell­schaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln zum Ausdruck. Die Führung des sozialistische Wettbewerb durch die marxi­stisch-leninistische Partei und seine unmitrelbare Organisierung durch die Gewerkschaften in Zusammen­arbeit mit den staatlichen Leitern und den gesellschaftlichen Massen­organisationen geben der bewußten, planmäßigen Tätigkeit der Werktä­tigen Richtung und Ziel.

…zur Erhöhung des Lebensniveaus

Die We­senszüge des sozialistische Wettbewerb äußern sich im gegenseitigen schöpferischen Wetteifern, in der kameradschaftlichen Zusammenarbeit und gegenseitigen sozialistischen Hilfe zur Gewährlei­stung einer hohen Qualität und Ef­fektivität der Arbeit als der entschei­denden Voraussetzung für die wei­tere Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Vol­kes.

Grundlegender Unterschied zum Kapitalistismus

Diese Wesenszüge des sozialistischen Wettbewerbs charakterisieren zugleich die grund­legenden Unterschiede zur kapitali­stischen Konkurrenz. Die entschei­denden Aufgaben und Ziele des sozialistische Wettbewerb ergeben sich aus dem jeweili­gen Schwerpunkt der gesellschaftli­chen Entwicklung. Bei der weiteren Gestaltung der entwickelten soziali­stischen Gesellschaft sind sie ge­kennzeichnet durch die Lösung der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Entwicklung der sozialen Beziehungen

Der sozialistische Wettbewerb beeinflußt und fördert die Ent­wicklung zu sozialistischen Persön­lichkeiten und die Kollektivbezie­hungen; zugleich ermöglicht er es, den Einfluß der Arbeiterklasse auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens weiter zu stärken. Er schafft wesentliche Voraussetzungen zur weiteren Ausprägung des demokra­tischen Zentralismus. Für die Wir­kung des sozialistische Wettbewerb ist die Beachtung der Einheit seiner politischen, ökonomi­schen und sozialen Funktion von Be­deutung.

Von der Sowjetunion lernen…

Im sozialistische Wettbewerb gewinnt der Er­fahrungsaustausch mit Betrieben und Einrichtungen der UdSSR u. a. sozialistischer Länder an Bedeutung. Viele sowjetische Erfahrungen, For­men und Methoden im sozialistische Wettbewerb finden schöpferische Anwendung in Betrie­ben der DDR. Der sozialistische Wettbewerb umfaßt die Gesamtheit des Reproduktionspro­zesses der Volkswirtschaft. Auf der Grundlage des Volkswirtschaftspla­nes beinhaltet die zentrale Wettbe­werbslosung die politische Grundli­nie zu seiner Führung und dient dem Ziel der sozialistischen Produktion, der weiteren Befriedigung der Be­dürfnisse der Werktätigen und der Sicherung des Friedens.

Wie funktionierte der Wettbewerb in der DDR?

In den Kombinaten existierten günstige Voraussetzungen, um die Initiative der Werktätigen, beginnend bei der Forschung und Entwicklung, auf eine hohe Effektivität des einheitli­chen Reproduktionsprozesses zur Herstellung von Spitzenerzeugnis­sen zu orientieren, bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeits- und Le­bensbedingungen. Die Forderung Lenins, die Einheit und die Vielfalt der Formen und Methoden des Wettbewerbs zu wahren, sollte vor al­lem über eine enge Verbindung von Plan und sozialistische Wettbewerb realisiert werden.

Zielstrebige Planerfüllung

Im sozialistische Wettbewerb richteten die Werktätigen ihre Initiativen auf die gezielte Erfüllung und Uberbietung des Planes als Aus­druck der gesellschaftlichen Erfor­dernisse in einem bestimmten Zeit­abschnitt. Wettbewerbsinitiativen wie „Notizen zum Plan“, „Das per­sönliche Planangebot“ sind dafür charakteristisch.

Die ökonomische Strategie der SED

Die vom X. Parteitag der SED (11.-16. April 1981) be­schlossene ökonomische Strategie für die 80er Jahre bestimmte auch die Schwerpunkte des sozialistischen Wettbewerbs unter der zentralen Losung: „Hohes Leistungs­wachstum durch steigende Arbeitspro­duktivitiit, Effektivität und Qualität – Alles für das Wohl des Volkes und den Frieden!“

Daraus ergab sich die zielgerichtete Orientierung des sozialistischen Wettbewerbs, in Einheit mit der planmäßi­gen Verbesserung der Arbeits- und Lebenbedingungen,
  • auf die Be­schleunigung des wissenschaftlich-­technischen Fortschritts, auf eine be­trächtliche Steigerung der Arbeits­produktivität durch sozialistische Rationalisierung und Intensivierung der Produktion,
  • auf hohe Qualität der Erzeugnisse, strengste Sparsam­keit und Materialökonomie,
  • auf ra­tionelle Nutzung der Grundfonds, auf höhere Wirksamkeit des gesell­schaftlichen Arbeitsvermögens durch volle Nutzung der Arbeitszeit und breite Anwendung der wissen­schaftlichen Arbeitsorganisation,
  • auf vertrags-, termin- und qualitätsge­rechte Erfüllung aller Exportaufga­ben sowie auf die sich aus der sozia­listischen ökonomischen Integration ergebenden Verpflichtungen der DDR.

Suche nach neuen, innovativen Lösungen

Diese hohen Ziele und Ver­pflichtungen im sozialistischen Wettbewerb regten dazu an, nach neuen Wegen und Möglichkei­ten zur sozialistischen Rationalisierung zu suchen, sie in sozialistischer Gemeinschaftsarbeit zwischen Ar­beitskollektiven und Angehörigen der Intelligenz zu verwirklichen, neue Lösungen auf technischem, technologischem, ökonomischem Gebiet zu erarbeiten und schnell produktionswirksam anzuwenden.

Das Neuererwesen

Eng miteinander verknüpft sind sozialistischer Wettbewerb, Gemeinschaftsarbeit und Neuerertätigkeit. Sie sind darauf ge­richtet, das Handeln der Werktäti­gen planmäßig und mit hoher Effek­tivität auf den erforderlichen neuen Schritt zur Verbindung der Vorzüge des Sozialismus mit den Errungen­schaften der wissenschaftlich-tech­nischen Revolution zu orientieren. In den Mittelpunkt der Neuerertä­tigkeit treten immer mehr Fragen der Einführung der Mikroelektro­nik, der Industrieroboter und der Anwendung der elektronischen Da­tenverarbeitung.

Die kollektive Zusammenarbeit im Sozialismus

Die sozialistische Gemeinschaftsarbeit ist eine Haupt­form zur Entfaltung der Neuerertä­tigkeit. Sie entsprach in ihren vielfäl­tigen Formen am besten den soziali­stischen Produktionsverhältnissen und der Entfaltung der Produktiv­kräfte unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revo­lution. Die sozialistische Gemein­schaftsarbeit verkörperte eine höhere Qualität des sozialistischen Wettbewerbs, und das Bündnis zwischen Arbeiterklasse und Intelli­genz wurde dadurch gefestigt.

…auf dem Wege zum Kommunismus

In der sozialisti­schen Gemeinschaftsarbeit entwickeln sich die Keime zu einer kom­munistischen Einstellung zur Arbeit. Im sozialistischen Wettbewerb, der Gemeinschaftsarbeit und der Neuererbewegung vereinigen sich Fragen der Politik, Ökono­mie und Ideologie, der Technik und Organisation, der Leitung und Pla­nung, der gesellschaftlichen, kollek­tiven und persönlichen Interessen. Organisierung und Führung des sozialistische Wettbewerb müssen fester Bestandteil der Leitungstätigkeit der staatlichen Leiter und der Gewerkschaftsleitung sein.

Was waren die Forderungen des Alltags?

Die Leninschen Prinzipien des sozialistischen Wettbewerbs sind ständig schöpferisch durchzusetzen. Besondere Aufmerk­samkeit erfordert die fundierte poli­tisch-ideologische Vorbereitung und Führung des sozialistischen Wettbewerbs, um solche für ihn wichtigen Denk- und Verhaltens­weisen zu festigen wie

  • Streben nach höheren Leistungen,
  • Diszipliniert­heit, Verantwortungsbewußtsein des einzelnen für das ganze Kombinat bzw. den Betrieb und die sozialisti­sche Gesellschaft,
  • Bereitschaft zur ständigen Qualifizierung,
  • Kosten­-Nutzen-Denken und
  • Aufgeschlos­senheit gegenüber dem Neuen.

Alles ist eine Frage des Bewußtseins…

Die politisch-ideologische Vorbereitung muß eng mit der organisatorischen Vorbereitung des sozialistische Wettbewerb und der um­fassenden Popularisierung der Wettbewerbsidee verbunden sein. Die Aufgaben im sozialistische Wettbewerb stehen im Mittelpunkt der Verpflichtungen der Kollektive, die sich am Kampf um den Titel „Kollektiv der soziali­stischen Arbeit“ beteiligen. Diese Kollektive sowie alle Formen sozia­listischer Gemeinschaftsarbeit ver­dienen besondere Aufmerksamkeit. Hier wird bewußte Disziplin zur Er­füllung der anspruchsvollen Aufgaben der Betriebspläne geformt.

Quelle:
Prof.Dr. Willi Ehlert et al. (Hrsg.): Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus. Dietz Verlag Berlin , 1984, S.815-817. (Gliederung; Zwischenüberschriften eingefügt – N.G.)


Hier nun das Gegenteil vom sozialistischen Wettbewerb:

Was ist Konkurrenz?

Konkurrenz, das ist der Kampf zwischen den privaten Warenproduzenten um den Absatz ihrer Erzeugnisse auf dem Markt, d.h. um Anerken­nung der in ihren Waren verkör­perten privaten Arbeit als gesellschaftliche Durchschnittsarbeit und als Teil der gesellschaftlich notwendigen Ge­samtarbeit. Die Konkurrenz ist eine gesetzmä­ßige Erscheinung der auf dem Pri­vateigentum an Produktionsmitteln beruhenden kapitalistischen Waren­produktion, in der eine Vielzahl voneinander isolierter privater Pro­duzenten für einen unbekannten Markt produziert.

Was bewirkt die Konkurrenz?

Die Konkurrenz bewirkt, daß die schwächeren durch die stär­keren Warenproduzenten ruiniert werden; sie führt zur Differenzie­rung der Warenproduzenten. Bereits in der privaten Warenproduktion entstanden, nimmt die Konkurrenz unter den Bedingungen der kapitalistischen Warenproduktion neue Formen an, sie wird umfassender und verheeren­der. Alle Unternehmen unterliegen ihrem Einfluß und werden in ihn einbezogen. Im Kapitalismus tritt die Konkurrenz sowohl zwischen den kapitali­stischen Unternehmen, die die glei­chen Waren produzieren, als auch zwischen den verschiedenen Pro­duktionszweigen auf. (Anm.: Auch die Händler beim Verkauf der Waren, sowie die einzelnen Arbeiter, die nichts weiter zu verkaufen haben, als ihre Arbeitskraft, stehen gegeneinander im Konkurrenzkampf. – N.G.)

Wie entsteht der Marktpreis?

Die Konkurrenz inner­halb einer Produktionssphäre ver­wandelt die individuellen Waren­werte zunächst in den Marktwert. Die Konkurrenz zwischen den Produktions­zweigen ist die Konkurrenz der Kapitale um die günstigsten Verwertungsbedin­gungen. Sie gleicht die verschieden hohen Profitraten zur Durch­schnittsprofitrate aus und verwan­delt die Marktwerte in Produktions­preise bzw. Marktproduktions­preise.

Wozu zwingt die Konkurrenz die Kapitalisten?

Der Konkurrenzkampf zwingt jeden Kapitalisten, einen Teil des erzielten Profits zu akkumulieren. Die Akku­mulation führt zum Wachstum und zur Konzentration des Kapitals und damit auch der Produktion. Auf einer bestimmten Stufe der Konzen­tration schlägt die freie Konkurrenz um in das Monopol, es entwickelt sich die monopolistische Konkurrenz. Die Konkurrenz nimmt damit neue Formen an und verstärkt sich außerordentlich, sowohl inner­halb der Monopole als auch zwischen den Monopolen, darüber hinaus zwischen den Monopolen und den nichtmonopolistischen Unternehmen. Um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu können, sieht sich das Monopolkapital der einzelnen Länder immer stärker gezwungen, den Staat noch umfassender als ökonomische Potenz und politisches Machtinstrument einzusetzen.

Wie kam zur Globalisierung?

Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt um Absatzgebiete, Rohstoffquellen und Kapitalanlagen verschärft sich. Das führt zur Herausbildung internationaler Monopole und zur ökonomischen und territorialen Aufteilung der Welt unter die Monopolverbände und imperialistischen Großmächte. Unter den Monopolgruppen der kapitalistischen Industrieländer entfaltet sich ein außerordentlich harter Kampf um die wichtigsten Positionen der kapitalistischen Weltwirtschaft.

Das Gesetz der ungleichmäßigen Entwicklung

Die Auseinandersetzung spielt sich vor allem zwischen den amerikanischen und westeuropäischen Monopolen ab, zunehmend aber auch zwischen diesen und dem japanischen Imperialismus (Gesetz der ungleichmäßigen ökonomischen und politischen Entwicklung des Kapitalismus). In der monopolistischen Konkurrenz setzt sich der Drang des Monopolkapitals nach Herrschaft unter Anwendung von Gewalt durch und mündet in den imperialistischen Krieg oder andere Formen der Unterdrückung und Unterwerfung der Konkurrenten. (Anm.: Heute haben sich die internationalen Konzerne über private Spomsoren und Stiftungen auch der Weltorganisationen, wie UNO, WHO u.a., bemächtigt, um dort ihren Einfluß geltend zu machen. Ein besonders infames Mittel des USA-Imperialismus im Zusammenwirken mit anderen imperialistischen Mächten sind die sog. „Sanktionen“. – N.G.)

Im Sozialismus gibt es keine Konkurrenz

Die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft beseitigt mit dem kapitalistischen Privateigentum an den Produktionsmitteln die objektive ökonomische Grundlage der Konkurrenz, da es zwischen den sozialistischen Betrieben, deren Grundlage das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln ist, wie auch zwischen sozialistischen Staaten keine entgegengesetzten, antagonistischen wirtschaftlichen Interessen gibt und die Produktion planmäßig entwickelt wird.

Quelle:
Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1986, S.504f.


Siehe auch:
Georges Soria: „Das große Geheimnis der Sowjetunion“

Warum sich Wessis und Ossis nicht verstehen können

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3 Antworten zu Georges Soria: Worin besteht der sozialistische Wettbewerb? (Außerdem hier noch: Was ist kapitalistische Konkurrenz?)

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, es tut weh, das zu lesen. Wir waren wirklich Kollektive von Menschen, die sich eingesetzt haben. Vielleicht war es nicht immer jedem bewusst, dass es um den Sieg des Sozialismus ging, wenn die Pläne übererfüllt wurden, aber alle setzten sich mit allem ein, was sie hatten und was sie konnten. Wir veränderten uns beinahe täglich, wir waren einfach andere Menschen geworden. Das war so bis ca. Ende der siebziger Jahre.

    Wir kannten uns alle, wir duzten uns alle, auch mit unseren Leitern, obwohl nicht alle Genossen waren, aber alle waren Genossen bei der Arbeit. Irgendwann aber bemerkten wir, dass einige zuerst an sich dachten, es stimmte nicht mehr, wie wir es kannten. Es gab keine Aussprachen mehr, wenn Fehler aufgetreten waren, alle nahmen es hin wie eine Selbstverständlichkeit, oftmals wurde nur nach Vorschrift gearbeitet, es war einfach nicht mehr die Gemeinschaft, die wir vorher hatten.

    Und im Herbst 89 war alles vorbei, zu einigen Genossen hätte ich da am liebsten Sie gesagt. Sie bereiteten sich schon auf das Danach vor, das wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen konnten. Mit Schmerzen denke ich an diese Zeit zurück. Zu meinem Kollegen aus Tansania sagte ich: „Alle reden von einer friedlichen Revolution, ich aber bin sicher, es ist eine handfeste Konterrevolution.“ Und ich vergesse seinen besorgten Blick nicht, denn für ihn als Ausländer gab es jetzt keine Zukunft mehr in der Noch-DDR, er wusste das.

    Aber die Zeit, als wir wirklich noch ein festes Kollektiv waren, vergesse ich nicht, werde ich nie vergessen. Ich bin froh, dass ich sie erleben durfte. Ich verstehe den Georges Soria sehr gut, für ihn war das, was er in der Sowjetunion sah, eine andere Welt, eine lebenswerte Welt.

    • S. Erfurt schreibt:

      Ja, Hanna, geht mir genauso. Wegen der Arbeit mussten wir schließlich von Erfurt wegziehen. Ich hatte zwar in Karlsruhe das Glück mit einem wirklich guten Team aber in Wirklichkeit sitzen wir seitdem immer irgendwie auf gepackten Koffern. Spätere Jobs im Rhein-Main-Gebiet haben mich zum Krüppel gemacht, das waren keine Arbeitsverhältnisse sondern Knechtschaften mit übelstem Mobbing in sämtlichen Variationen. Heute träume ich jede Nacht von Erfurt aber eine Rückkehr wird immer schwieriger, Freunde und Verwandte leben nicht mehr und die Heimat ist auch nicht mehr dieselbe. MFG

  2. Rolf schreibt:

    Makarenko: Eine bittere Lehre
    Diese Erkenntnis von der bedeutsamen Rolle vor allem der weiten Perspektiven in der Entwicklung des Kollektivs gewann Makárenko, als er nach den Ursachen für den Freitod des Zöglings Tschobot forschte. Das Kollektiv der Gorki-Kolonie war zu dieser Zeit nicht mehr von großen, kämpferischen, alle Kräfte anspornenden Perspektiven erfüllt, sondern. sein Organismus arbeitete wie eine Maschine. Makarenko schreibt:
    „Ja, beinahe zwei Jahre standen wir nun auf einem Fleck: dieselben Felder, dieselben Blumenbeete, diese ewig gleiche Tischlerarheit und derselbe Kreislauf des Jahres.“ [43]

    https://sascha313.wordpress.com/2020/06/15/a-s-makarenko-die-freude-als-mittel-der-erziehung/#more-94230

    Rolf

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