Wie hält es die katholische Kirche mit der Meinungsfreiheit?

inquisitionEs ist durchaus keine Überraschung, wenn die katholische Kirche mit Gewissenszwang und Verfolgung auf diejenigen reagiert, die sich nicht bedingungslos den Weisungen und Dekreten des „liebende Vaters aller Christen“ unterwerfen. Dann trifft sie der päpstliche Bannstrahl mit aller Härte. Im Mittelalter wurden Ketzer zu Tode gefoltert und Hexen wurden öffentlich verbrannt. Der sowjetische Schriftsteller wurde 1949 ermordet, da er es gewagt hatte, gegen den Papst aufzutreten. Viele Jahre gestaltete sich auch in der DDR das Verhältnis von Kirche und Staat als schwierig. Als besonders reaktionär erwies sich immer wieder die katholische Kirche. Davon berichtet der nachfolgende Beitrag. Erst mit der Sicherung der Staatsgrenze zu Westberlin am 13. August 1961 begann sich der Klärungsprozeß innerhalb der maßgeblichen Kirchenkräfte zu beschleunigen… Erstmals in der Geschichte:

In der DDR waren Staat und Kirche getrennt

Als die DDR gegründet wurde, gehörten noch mehr als 90 Prozent der Bevölkerung einer Kirche oder Religionsgemeinschaft an, die meisten waren Protestanten. Staat und Kirche waren voneinander getrennt. Die SED stand vor der Aufgabe, den Sozialismus in einem Land mit protestantischen Mehrheitskirchen aufzubauen. Das war in keinem anderen sozialistischen Land der Fall. Wenngleich die Mitgliederzahlen der acht evangelischen Kirchen in den zurückliegenden Jahren doch erheblich zurückgegangen waren, ging man davon aus, daß 1988 etwa 3-4 Millionen Menschen in der DDR evangelisch und rund eine Million katholisch waren. Die Jüdische Gemeinde war infolge des faschistischen Vernichtungsfeldzuges auf wenige hundert gesunken.

Eine antikommunistische Hysterie…

Besonders schwierig gestalteten sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in den fünfziger Jahren. Der vom Imperialismus provozierte kalte Krieg erreichte in jenen Jahren seinen Höhepunkt und brachte die Menschheit an den Rand eines atomaren Krieges. In den USA und Westeuropa wurde eine bisher nicht gekannte antikommunistische Hysterie und der Antisowjetismus geschürt. Zum Arsenal der kalten Krieger in Washington und Bonn gehörte auch der politische Klerikalismus. Unter der Losung „Rettung des christlichen Abendlandes“ riefen sie zum Kreuzzug gegen den „atheistischen Osten“ auf. Der Imperialismus fand bei den kirchlichen Amtsträgern Verbündete, die die DDR als „Provisorium“ betrachteten, dem jede Legitimität fehlt und das als Staat lebensunfähig sei…

Gruss des Papstes

Von katholischer Seite schreibt man uns:
Papst PIUS XII. mit seinem bürgerlichen Namen Eugenio Pacelli, begeht in diesen Tagen unter mancherlei Feierlichkeiten sein 50jähriges· Priesterjubiläum. Aus diesem Anlaß finden in allen Erd­teilen katholische Kundgebungen statt, und auch die Berliner Katho­liken werden unter Führung ihres Bischofs, des Kardinals Conrad von Preysing, ein Papstfest ver­anstaltcn, Pius XII. wird sogar selbst durch den Rundfunk zu den Ver­sammelten sprechen.

Die päpstliche Allgewalt

Die Katholiken sind stolz auf die straffe Organisation ihrer Kirche mit der Spitze des Papsttums, das bis in die letzten Zellen des weitver­zweigten Katholizismus befehlend und dirigierend einzugreifen vermag. Daß diese päpstliche Allgewalt innerhalb der Kirche viel Gewissens­zwang und Verfo1gung bedeutet, darüber gibt die Geistesgeschichtc der Menschheit eine beredte Aus­kunft. Das Papsttum fühlte sich aber von jeher nicht nur als Oberherr in geistlichen, sondern auch in welt­lichen Angelegenheiten, und mischte sich mit Vorliebe in die politischen Händel auch nichtkatholischer Staaten ein. Es ist ein garstiges Lied. Wir würden es nicht aufrühren, wenn wir nicht immer wieder durch besondere Maßnahmen der römischen Kurie dazu gezwungen würden.

Exkommunikation mit „Gnadenfrist“

Eine solche liegt jetzt wiederum vor. In großer Aufmachung ver­kündeten die westlichen Blätter, daß Papst Pius XII. ein Dekret ver­öffentlichte, durch das alle Kom­munisten, die noch der katholischen Kirche angehören, automatisch ex­kommuniziert, das heißt aus der Gemeinschaft der Kirche ausge­schlossen werden. In diesem Erlaß wird der Kommunismus als „materialistische und antichristlicbe Lehre“ gebrandmarkt, deren Anhänger nicht mehr in der Kirche geduldet werden können. Aber auch diejenigen Christen, die den Kom­munismus verteidigen oder mit ihm zusammenarbeiten, verfallen „eo ipso“ als Abtrünnige des katho­lischen Glaubens der Exkommuni­kation, Beschwichtigend wird in der halbamtlichen Erläuterung hinzuge­fügt, daß die in Frage kommenden Katholiken „eine Gnadenfrist“ er­halten, während der sie das Stigma des Kommunismus aus ihrem Ge­wissen entfernen und aus vollem Herzen zur Kirche zurückkehren können“.

Der Haß gegen die „Fortschrittlichen Christen“

Das ist also der Jubiläumsgruß des Papstes, der von katholischen Lob­rednern so gerne als der „liebende Vater aller Christen, auch der irren­den“, bezeichnet wird. Nicht genau informierte Kreise werden sagen: „Was kann dieses päpstliche Dekret schon für Folgen haben?“ Darauf ist sogleich zu erwidern, daß in Italien und Frankreich, wie an anderer Stelle dieser Zeitung schon dargetan wurde, hunderttausende kirchen­gläubige Christen der Kommunisti­sehen Partei angehören und viele andere vor allem sozialpolitisch mit ihr zusammenarbeiten. Diese Bewe­gung der sogenannten „Fortschritt­lichen Christen“ hat in jenen beiden Ländern derartige Ausmaße ange­nomrnen, daß die päpstliche Kurie wiederholt vor ihr warnte und durch Exkommunikationen durchgriff. Auch einige Bischöfe gingen mit scharfen Maßnahmen gegen die „Fortschritt­lichen Christen“ vor. Nun glaubt der Vatikan diese „Auflehnung“ nicht länger bändigen zu können als durch das in solchen krisenhaften Situationen von ihm immer praktizierte Mittel der geistlichcn Gewalt, der Drohung und Aus­sperrung.

Klerikale Einmischungen in die Politik

Die Bewegung der „Fortschritt­lichen Christen“ hat in der letzten Zeit aber auch in Polen und Ungarn und der Tschechoslowakei bedeutende Fortschritte gemacht. Gegen, die renitente Haltung des Erz­bischofs Beran von Prag und anderer Bischöfe wurde in der Tschechoslowakei von der Mehrheit der fortschrittlichen und staatstreuen Geistlichen eine „Katholische Aktion“ gegründet, die mit der Staatsregie­rung einen „modus vivendi“, einen Weg der Zusammenarbeit, finden wird. Wie schon so oft gesagt, handelt es sich in Ungarn und Polen und der Tschechoslowakei durchaus nicht um eine Kirchen- oder gar Religionsverfolgung, wie es in den westlichen Blättern immer wieder fälschlich dargestellt wird, sondern ganz allein um die Zurückweisung überspitzter und veralteter Macht­ansprüche der katholischen Hier­archie auf den volksdemokratischen Staat. Nicht nur die „kommunisti­schen“ Regierungen dieser Staaten wehren sich gegen die Eingriffe eines reaktionären päpstlichcn Herrschaftssystems, auch in Westdeutschland nimmt die Abneigung gegen klerikale Einmischungen ständig zu. Der „Sozialdemokrat“ hadert mit dem Kölner Kardinal Frings, weil er wiederum eine geistliche Wahlbeeinflussung vornahm, die das Blatt als; „unlauter“ bezeichnet. In den volksdemokratischen Oststaaten ver­schärften sich die Dinge bereits zu einer offenen Kampfansage der katholischen Kirche.

Die vatikanische Despotie

Der Vatikan hat jetzt. wie in der Zeit der Hussitenoppossition oder der späteren reformatorischen Entwicklung, zu einem Gewaltstreich ausgeholt. So schmerzllch das für die Millionen sozialistischer Katholiken in der ganzen Weit auch sein mag, so deutlich und realistisch muß fest­gestellt werden, daß dieser Gewalt­streich ins Leere trifft und nur eine für die katholische Kirche sehr un­angenehme Wirkung haben kann. Wir denken dabei nicht an ein offenes Schisma. Der vatikanischen geistlichen Despotie muß aber mit aller Klarheit und Entschiedenheit gesagt werden, daß wir nicht mehr im 15. oder 16. Jahrhundert leben, daß die Welt inzwischen fortge­schritten ist und daß diese „Exkom­munikationen am laufenden Band“ die Betroffenen in ihrem Fanatismus zum „Geist der Gerechtigkeit des Evangeliums Jesu“‘, wie er im Kom­munismus realpolitische Gestalt an­genommen hat, nur noch mehr festigen und bestärken können.

Ein voreingenommener Papst

Der „liebende Vater aller Christen“ wird diesen durch seinen Bann­stahl gezeichneten Christen allerdings ferner gerückt. Sie trösten sich aber mit dem Worte des großen Augustin, der auch oft auf kühnen Wegen schritt, das da lautet: „Viele, die in der Kirche drin zu sein scheinen, sind in Wirklichkeit draußen, und viele, die draußen zu sein scheinen, sind in Wirklichkeit drinnen!“ Das letzte Wort darüber wird nicht ein politisch voreinge­nommener Papst, sondern eine höhere Instanz sprechen. Und an diese göttliche Instanz appellieren gegen den Papst die von ihm ver­folgten Christen.

Das „Heidentum“ wächst stärker als die Kirche

Pius Xll. wird sein 50jähriges Priesterjubiläum unter den Huldi­gungen des „katholischen Erd­kreises“ feiern. Dieser Erdkreis umfaßt aber, wie noch jüngst in einer päpstlichen Statistik festgehalten wurde, nur einen Bruchteil der Menschheit. Das Berliner „Petrus­blatt“ schrieb, daß „das Heidentum“ stärker wachse, als die katholische Kirche. Der schlechte Fortgang der Heidenmission bereitet dem Vatikan Sorge. Der jetzige Papst sucht sie zu verdecken durch ununterbrochene Heiligsprechungen und organisato­rische Verstärkung der kirchlichen Organisation, hinter der ein zahlen­mäßiger und geistiger Schwund steht. Dagegen gibt das Berliner katholische Bistumsblatt zu, daß die Orthodoxe Kirche in Rußland im Wachsen begriffen ist.

Eine merkwürdige Paradoxie…

Man stößt hier auf eine merkwürdige Paradoxie in dieser kirchlichen Bericht­erstattung: Auf der einen Seite mel­den sie, daß die Kirche in den Ost­ländern verfolgt wird, auf der anderen Seite müssen sie eine ge­steigerte Aktivität dieser Kirche zu­geben. Der Papst hat zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum die Zahl der Gläubigen von sich aus um einige Millionen verringert. Auch das ist eine Paradoxie, daß eine zu­sammenschrumpfende Kirche sich die Ausstoßung von Millionen Ieisten kann, deren Verbrechen ganz allein darin besteht, daß sie in ihrem Leben und in ihren politischen Forderungen den sozialen Geist Jesu einer kompromißlosen Nächstenliebe verwirklichen wollen. Jeder gerecht Empfindende müßte doch eigentlich erwarten, daß der Papst als „Stellvertreter Christi auf Erden“ zuerst die industriellen Volksausbeuter und großkapitalistischen Wucherer aus der Kirche ausschließen würde. Doch davon ist keine Rede.

Befehlsempfang

Der Kardinal und der USA-Imperialismus

Es findet sich trefflich, daß die amerikanische „Neue Zeitung“ über der Meldung, in der sie die Exkom­munikation der Kommunisten, mit­teilt, ein Bild des Kardinals Conrad Graf von Preysing bringt, der in sichtlich guter Stimmung dem vatikanischen Sonderbotschafter des Präsidenten Truman, der ihn in einer Villa in Dahlem besuchte, fest die Hände drückt. Bei dieser Ge­Iegenheit wird auch bekanntgegeben daß Kardinal von Preysing eine neue Einladung in die Vereinigten Staaten angenommen hat. Der Ber­liner Kardinal ist politisch nicht so aggressiv, wie andere seiner Kolle­gen. Die „Neue Zeitung“ hat ihm mit der Konfrontierung von Bild und Meldung wahrscheinlich keinen Gefallen erwiesen.

Der angebliche „Kuß des Todes“

Immerhin hat aber Kardinal Griffin von West­minster, der zugleich mit Freysing den Kardinalshut empfing, wieder einmal einige Äußerungen getan, die für das oberste Kollegium der katholischen Kirche charakteristisch sind. Er bezeichnete, indem er die geschichtliche Wahrheit glatt auf den Kopf stellte, die Sowjetunion und die volksdemokratischen Oststaaten als die größte Gefahr für den Frie­den seit dem Versuche der National­sozialisten, die Weltherrschaft zu er­langen. Man dürfe sich durch ihre „impertinente Propaganda“ nicht täuschen lassen. Die Kirche sei standhaft in ihrer Weigerung, den „Kuß des Todes“ entgegenzuneh­men, als ob es ein Kuß des Friedens wäre. Kardinal Griffin forderte in dieser Rede die britische Regierung auf, die Handelsbeziehungen zur Tschechoslowakei abzubrechen. So sieht die geistliche Aufgabe katho­lischer Kircbenfürsten aus. Einige von ihnen scheinen nur dazu da zu sein, um zwischen den Völkern Haß und Unfrieden zu säen.

Der Westen handelt unaufrichtig…

Karl  B a r t h  hat vor kurzem in der Schweiz einen Vortrag über die „Kirche zwischen Ost und West“ gehalten, den wir un der aufgeschlossenen evangelischen Zeitschrift „unterwegs“ finden. Darin werden in dem hier aufgeworfenen Komplex einige lichtvolle Wahrheiten ausgesprochen, die den „Rest von Vernunft“ retten sollen, der in Westeuropa zur Beurteilung der weltgeschichtlichen Vorgänge im Osten noch verblieben ist. Der Osten sagt uns, so führt Karl Barth aus, daß die Bestrebungen des Westens auf einer unaufrichtigen geistigen und moralischen Auffassung vom Menschen beruhen, daß es nämlich das Geld, das blinde anonyme Kapital, seine Vermehrung und Verzinsung ist, von dem der Westen regiert wird.

…und streut den Menschen Sand in die Augen!

Die ungeheure Mehrheit der westlichen Bevölkerung befindet sich, ohne daß sie es vielleicht weiß, unter den Rädern des Wagens, auf dem ihrer wahrer kapitalistischer Gott thront. Der Westen züchtet, so spricht der Osten mit Recht, damit den wahren Massenmenschen! Kommt uns nicht mir eurer westlichen formalen Demokratie! Sie ist Sand in die Augen der Masse. Aber auch eure angebliche Hochschätzung von Geist und Moral und eure angebliche Christlichkeit, in der ihr von Gott redet, aber das wirkliche Leben der Menschen nicht an den Tag kommen laßt, ist Sand in die Augen. Euer Glaube, erklärt der Osten mit starken Beweisen, ist Unmenschlichkeit und falscher Glaube, ein huchlerischer Glaube!

Ein unbequemer Mahner

Mit tiefer Erschütterung liest man diese Barthsche Rede. Die Kirche kann, so faßt er zusammen, weder für den Westen noch gegen den Osten Stellung nehmen, sie muß un­parteiisch zwischen beiden stehen. Sie hat vor allem mit der „Heuche­Iei“ nichts zu tun, die sich „hinter unserer allzu großen westlichen Ge­rechtigkeit und Weisheit verbirgt. Die Wahrheit des Glaubens kann. von der uns Westlern allzuleicht unterlaufenden Lebensfremdheit nicht gründlich genug gereinigt wer­den“. Karl Barth ist seiner eigenen Kirche oft ein unbequemer Mahner. Er sagt hier auch der katholischen Kirche, der ein solch offener und unbestechlicher Geist unter dem gegenwärtigen Pontifikat Pius‘ XII. sehr fehlt, bittere Wahrheiten. Sie in den Wind zu schlagen, heißt gegen die Geschichte sündigen. LUX.

Die Katholiken der ČSSR bekennen sich zur Republik

(Ein weiterer Beitrag von Luwik Jehl aus Prag.)

Quelle: Neues Deutschland, 16. Juli 1949. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

490716 ND Gruss des Papstes


Katholische Machthaber

Der Einfluß der katholischen Kirche auf die Meinungsfreiheit sah in Westdeutschland und in Westberlin immer schon so aus: „In der Debatte zur Frage der Elternausschüsse hatte der SPD-Stadtverordnete Friedrich Weigelt gesagt, die katholische Kirche  gebe dem Elternrecht nicht freie Bahn. Eltern, die ihre Kinder nicht im kirchlichen Sinne erziehen ließen, würden bestraft.“ – Und sofort griff der CDU-Fraktionführer Professor Landsberg den SPD-Abgeordneten mit scharfen Worten an und behauptete, jener habe „die katholische Kirche beleidigt“.
491014 Linzer Volksblett Wenn eine Sozialdemokrat

Wie man sieht, ist es in der katholischen Kirche mit dem Meinungsfreiheit nicht weit her…. besser gesagt: es gibt sie nicht! Es gelten nur die katholischen Dogmen.


Siehe auch:
Der Griff dr Kirche nach der Macht
Der kirchliche Hofstaat
Dunkelmännertum
Die schwarzen Pfaffen und die Politik

Die Ermordung des sowjetischen Schriftstellers Jarosław Hałan im Auftrag der katholischen Kirche

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29 Antworten zu Wie hält es die katholische Kirche mit der Meinungsfreiheit?

  1. S. Erfurt schreibt:

    Die Kirche ist ein Machtorgan der herrschenden Klasse, so wie Polizei und Justiz das sind. Die Arbeiterklasse als herrschende Klasse jedoch braucht keine Kirche als Machtorgan, denn religiöse Weltanschauungen sind mit der marxistisch- leininistischen Weltanschauung unvereinbar.

    In der BRD jedoch, hat sich an der Rolle der Kirche als Machtorgan seit dem Feudalismus nichts geändert. Und weil das so ist, gibt der Propagandastaat jede Menge Geld aus um von diesem Sachverhalt abzulenken und behauptet ständig, daß in der BRD Staat und Kirche getrennt seien. Genauso wie dieser Lügenstaat ständig behauptet, daß Politik und Wirtschaft strikt voneinander getrennt sind und auch Polizei und Justiz vom Staate unabhängig wären, was natürlich unsinnig ist.

    Über die Kirche West wurden sakrale Bauten in der DDR subvenioniert. So gab es Geld für den Bau neuer Kirchen und auch direkte Lieferungen von Baustoffen wie z.B. Dachziegel für Kirchen im Eichsfeld (Heiligenstadt). Und natürlich übte damit die Kirche West auch einen ideologischen Einfluß auf die kirchlichen Gemeinden in der DDR direkt aus. Gerade in den Grenzgemeinden des überwiegend katholischen Eichsfeldes gab es Pfarrer die regelrechte Hetzpredigten gegen die SED und die Grenze hielten. Wohingegen sich die katholische Jugend den Grenztruppen gegenüber eher sehr aufgeschlossen verhlielt, was nicht zuletzt auch daran lag, daß eben die SED und der DDR-Staat dafür sorgten, daß es im schönen Eichsfeld Arbeit gab (Kalibergbau Bischofferode, Textilbetriebe in Leinefelde, Solidor Heiligenstadt, Baustoffbetriebe, Ziegeleien usw. und natürlich die LPG).

    Genau das machte eben den Unterschied: Während in der Kirche gepredigt wurde, hat die SED gehandelt! Aus dem Armenhaus Eichsfeld hat die SED eine blühende Landschaft gemacht und keiner musste wegen einer Arbeit seine geliebte Heimat verlassen.

    Scheiß Kapitalimus.

  2. Weber Johann schreibt:

    Hallo sascha, danke das Du dieses so wichtige Thema aufgreifst. Die Rolle der beiden Kirchen in der DDR wurde bisher von den Akteuren der DDR-Aufarbeitungsindustrie bewusst verschwiegen.

    Hier ein Bericht aus der „Berliner Zeitung“ berichtete vom 24. Oktober 1947:
    Neuorientierung des Vatikans
    Die gestern über den Vatikansender verbreitete, allgemein größtes Aufsehen erregende Erklärung des Kardinalerzbischofs von Mailand, Schuster, in der er allen Kommunisten und marxistischen Sozialisten das Betreten katholischer Kirchen, ihr kirchliches Begräbnis und den Gläubigen die Vermählung mit ihnen untersagt, beweist, daß in der Orientierung der Vatikanischen Nachkriegspolitik in diesen Wochen ein grundsätzlicher Wandel eingetreten ist. Das Grundproblem der bisherigen Politik der Kurie mündete in der Fragestellung: soll der Vatikan in der immer mehr an Schärfe zunehmenden Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Kapitalismus sich für eine der Parteien entscheiden, oder seiner traditionellen Haltung entsprechend als über den Parteien schwebende Macht sich aus dieser Auseinandersetzung heraushalten. [..]

    Der durch die Mission Taylors in Rom erfolgte Gedankenaustausch zwischen dem USA-Präsidenten und dem Papst beweist, daß inzwischen eine grundsätzliche Neuorientierung der vatikanischen Politik erfolgt ist und daß es offensichtlich Truman gelungen ist, auch den Vatikan als Alliierten für die Verwirklichung der Ziele der Truman-Doktrin zu gewinnen.

    Für Deutschland gewinnt die Mission Taylors noch dadurch an Bedeutung, daß sie in Berlin eine gewisse Fortsetzung fand, wo Taylor nicht nur von dem Berliner Kardinal Graf v. Preysing, sondern, was besonders auffiel, auch von dem evangelischen Bischof Dr. Dibelius empfangen wurde, der nachher erklärte, man habe sich über den Wunsch Washingtons unterhalten, die Gefahren des „moralischen“ Zusammenbruchs der Welt zu bannen. Erinnert man sich daran, daß fast gleichzeitig Papst Pius XII vor über 100.000 Mitgliedern der „Katholischen Aktion“ auf dem Petersplatz in Rom über die „Klärung der Fronten“ im religiösen Kampf sprach, so kann logischerweise der Sinn der Mission Taylor in Berlin nur der gewesen sein, die Berliner Bischöfe beider Konfessionen in die neue antisozialistische Front Washington — Vatikan mit einzureihen. H.K.“

    Hier stellt sich die Frage, von wem wurden die Christen in der DDR unterdrückt?

    • sascha313 schreibt:

      Es liegt schon eine gewisse Schizophrenie darin, wie sich vor allem die katholischen Bischöfe in der DDR zum Staat und zu den Gläubigen verhielten. Anders dagegen handelte die ev.Kirche. Der Thüringische Landesbischof Moritz Mitzenheim erklärte öffentlich, daß die Grenzen der DDR auch die Grenzen für kirchliche Organisationsmöglichkeiten darstellten. Gegen den erbitterten Widerstand von Kirchenführern, die die Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen wollten, setzte sich diese Position in den Leitungsgremien der evangelischen Kirche mehr und mehr durch. Mitzenheim wurde für seine realistische Haltung zur DDR vom Westen als „der rote Moritz“ beschimpft..

      Die Politik der DDR war klar und unmißverständlich. Erich Honecker erklärte auf dem VIII.Parteitag der SED „Den Kirchen als Kirchen im Sozialismus eröffnen sich heute und künftig viele Möglichkeiten des Mitwirkens an diesen zutiefst humanistischen Zielen.“ Und im Juli 1971 einigte sich die Synode der ev.Kirche auf die Formel: „Kirche nicht neben, nicht gegen, sondern im Sozialismus“.

  3. „Jeder gerecht Empfindende müßte doch eigentlich erwarten, daß der Papst als „Stellvertreter Christi auf Erden“ zuerst die industriellen Volksausbeuter und großkapitalistischen Wucherer aus der Kirche ausschließen würde. Doch davon ist keine Rede.

    Über diesen Satz musste ich schmunzeln. Diese angebliche „Kirche“ war doch von jeher ein Handelsunternehmen (*A), welches mit einer von ihr ersonnenen Religion, ihre Geschäfte tarnte.
    Reich und reicher wurde dieses Handelsunternehmen Jahrhundert um Jahrhundert durch die Menschenjagd, den Menschenhandel und die Sklaverei, die sie gegen üppige Gebühren von Geldwechslern, Wucherern, Banken und Kaufleuten durchführen ließ.
    —————————————————————————————————————-

    (*A) “ Komm, ich will dir zeigen das Urteil über die großen Hure (*1), die da an vielen Wassern sitzt (*2); mit welcher gehurt haben die Könige auf Erden; und die da wohnen auf Erden, sind trunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei. (…) Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbenen Tier, das war voll Namen der Lästerung und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und edlen Steinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll Greuel und Unsauberkeit ihrer Hurerei, und an ihrer Stirn geschrieben einen Namen, ein Geheimnis: Die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Und ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen (*3) und von dem Blute der Zeugen Jesu. Und ich verwunderte mich sehr, da ich sie sah. |||
    Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen über sie, weil ihre Ware niemand mehr kaufen wird, die Ware des Goldes und Silbers und Edelgesteins und die Perlen und köstliche Leinwand und Purpur und Seide und Scharlach und allerlei wohlriechendes Holz und allerlei Gefäß von Elfenbein und allerlei Gefäß von köstlichem Holz und von Erz und von Eisen und von Marmor, und Zimt und Räucherwerk und Salbe und Weihrauch und Wein und Öl und Semmelmehl und Weizen und Vieh und Schafe und Pferde und Wagen und Leiber und Seelen der Menschen.
    Und das Obst, daran deine Seele Lust hatte, ist von dir gewichen, und alles, was völlig und herrlich war, ist von dir gewichen, und du wirst solches nicht mehr finden. Die Händler solcher Ware, die von ihr sind reich geworden, werden von ferne stehen vor Furcht ihrer Qual, weinen und klagen und sagen: Weh, weh, die große Stadt, die bekleidet war mit köstlicher Leinwand und Purpur und Scharlach und übergoldet war mit Gold und Edelstein und Perlen! denn in einer Stunde ist verwüstet solcher Reichtum. Und alle Schiffsherren und der Haufe derer, die auf den Schiffen hantieren, und Schiffsleute, die auf dem Meer hantieren, standen von ferne und schrieen, da sie den Rauch von ihrem Brande sahen, und sprachen: Wer ist gleich der großen Stadt? Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und schrieen, weinten und klagten und sprachen: Weh, weh, die große Stadt, in welcher wir reich geworden sind alle, die da Schiffe im Meere hatten, von ihrer Ware! denn in einer Stunde ist sie verwüstet.

    — Apokalypse an Johannes 17:3-6 ||| und 18:11-19

    (*1) Hure ist eine Metapher für einen Menschen/eine Organisation, der/die mit allen seine/ihre (Handels-)Geschäfte betreibt
    (*2) an vielen Wassern sitzt überall auf der Welt einen Geschäftssitz hat; in der Antike waren das die Hafenstädte
    (*3) Heilige darunter fasst das Evangelium die Menschen als solche zusammen

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Johann Weber, hier mal ein Beispiel, wie weit der Antikommunismus in den Kirchen ging: Ich hatte 1956 Jugendweihe (es war, glaub ich, die 2. Jugendweihe überhaupt in der DDR), ich war die einzige in der Klasse, die keine Konfirmation empfing. Wobei die Jugendweihe auch von meiner streng religiösen Großmutter als in etwa mit der Konfirmation gleichwertig betrachtet wurde, denn sie kannte ja die Jugendweihen aus den zwanziger Jahren noch.

    Gegen Nachmittag ging ich aus dem Schulhort nach Hause. Damals gab es den Schulhort bis zur 8. Klasse. Mir entgegen ein Trupp meiner Mitschüler, Jungen und Mädchen, alle in meinem Alter, der aus dem Konfirmationsunterricht bei der Pastorin Berli (ziemlich antikommunistisch berüchtigt in Köpenick!) kam. Meine Mitschüler und Mitschülerinnen beschimpften mich wüst wegen der Jugendweihe (offensichtlich war sie im „Konfa“ Thema gewesen) und fielen sofort körperlich über mich her, ich wehrte mich nach Kräften, unterlag aber. Das ging so lange, bis ein vorbeikommender Mann eingriff. Mit Veilchen am Auge und blauen Flecken schlich ich nach Hause. Meine Eltern rieten mir, in der Schule nichts zu sagen, um mich nicht noch weiter den Angriffen meiner Mitschüler auszusetzen. Und soweit ich es einschätzte, hätte mir auch niemand aus meiner Klasse beigestanden, außerdem war ich keine Petze, ich wollte auch nicht, dass meine Eltern in der Schule „ein Fass aufmachten“. Seitdem (vorher hatte ich keine Vorurteil gegen die Kirche, die Pastoren waren eigentlich immer freundliche Leute zu Kindern, durch meine Großmutter war ich öfter mal in ihrer Kirche gewesen) betrete ich Kirchen nur noch aus rein architektonischem Interesse.

    Dieser Vorfall war nur ein Beispiel dafür, wie weit die antikommunistische Hetze der Kirche in den fünfziger Jahren ging. Und ich habe diesen Vorfall nie vergessen.

  5. Johann Weber schreibt:

    Hanna Fleiss, vielen Dank für Deine Zeilen, die mich schockiert haben.
    Seit nun 30 Jahren schwadronieren die DDR-Aufarbeiter im Einklang mit der oberen Führungsschicht der beiden Kirchen von „der Unterdrückung der Christen in der DDR“. Ich frage mich, wozu gibt es das „Grundgesetz“, die 10 Gebote für die Christen?

    Hier einige Fakten, die aufzeigen, wie die beiden Kirchen in der DDR ihre „Schäflein“ unter Zwang gesetzt hatten. Leider wieder viel Text.

    1) „Passauer Neue Presse“ vom 21.10.1957
    Bischöfe gegen Jugendweihe
    Berlin. Die Evangelische Kirche in der Sowjetzone hat erneut die Unvereinbarkeit von Jugendweihe und Konfirmation betont. „Entweder nimmt ein Kind an der Jugendweihe oder an der Konfirmation teil; beides miteinander zu verbinden ist eine Unmöglichkeit“, heißt es in einer Erklärung, die am Sonntag in allen evangelischen Kirchen Ostberlins und in der Sowjetzone verlesen wurde. Sie ist von allen Bischöfen der östlichen Gliedkirchen unterzeichnet. Die-Bischöfe erinnern an eine ihnen im Januar 1958 gegebene Zusicherung über den nichtstaatlichen Charakter der Jugendweihe in der Sowjetzone. Damals sei ihnen von höchster staatlicher Stelle erklärt worden, die Jugendweihe sei, „nicht eine Sache des Staates, sondern lediglich die Sache derer, die die Jugendweihe wollen“, Gegen dieses Prinzip verstoße die vom ersten SED-Sekretär Walter Ulbricht in seiner Rede vom 29. September ausgesprochene Aufforderung, auch die Volksbildungsabteilungen bei den Räten für die Jugendweihe einzusetzen“
    https://digipress-beta.digitale-sammlungen.de/de/fs1/calendar/1957-10-14.42554-0/bsb00064960_00196.html?zoom=1.0

    2) „Neues Deutschland“ vom 27. Oktober 1957
    Protest gegen Gewissenszwang
    Arbeiter weisen empört die Verleumdungen kirchlicher Stellen zurück
     Berlin (ND/ADN). Gegen die Bedrohung der Gewissensfreiheit durch kirchliche Stellen, die in einer Kanzelabkündigung unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat verleumdeten, protestieren immer mehr Werktätige aus unserer Republik. Im Transformatorenwerk „Karl Liebknecht“ in Berlin-Oberschöneweide sprachen sich in der Abteilung Behälterbau Arbeiter, Angestellte und Lehrlinge gegen die provokatorischen Anschuldigungen der evangelischen Kirchenleitung aus. Die Direktorin der 20. Grundschule Oberschöneweide, Erika Mathias, schilderte u. a., daß der Pfarrer Bruckhoff aus Rahnsdorf den Eltern eines Kindes in einem Brief mitteilte, auf Anweisung der Kirchenleitung könne ihr Kind nicht konfirmiert werden, wenn es sich weiterhin an den Jugendstunden beteiligt.

    Die Kollegin Elfriede Glatzer aus demselben Betrieb erklärte: „Die Jugendweihe ist eine Tradition der deutschen Arbeiterbewegung. Im Faschismus wurde sie verboten. Aber heute gibt unser Arbeiter- und-Bauern-Staat allen jungen  Menschen wieder die Möglichkeit sich auf den großen Schritt ins Leben vorzubereiten. Ich finde es empörend, wie sich kirchliche Stellen dazu verhalten. Unsere Antwort darauf muß sein, immer neue Freunde für die Jugendweihe zu gewinnen.“ In der Maschinenfabrik Haue kamen am Donnerstag Arbeiter und Angestellte der Mechanischen Abteilung im Werk V, der Gießerei im Werk III und der gesamten Montage im Werk IV in Kurzversammlungen zusammen.

    Dabei erklärte die Kollegin Hilde Schwertieger: „Besonders verwerflich ist, daß diese Bischöfe unsere Kinder dazu benutzen, auf sie einen Gewissenszwang auszuüben. Sie liegen mit dieser Hetze auf derselben Linie wie die Kriegstreiber im Westen.“ Auch Arbeiter und Angestellte des volkseigenen Fahrzeug- und Gerätewerkes Simson Suhl und des VEB Elektro-Installation Sonneberg II wandten sich gegen die verwerfliche Haltung der Kirchenführer.“

    3) „Berliner Zeitung“ vom 23. Oktober 1957
    „Er kneift, schlägt und brüllt“
    Die Erziehungsmethoden des Pfarrers Brix aus Köpenick
    Es ist ungefähr ein Jahr her, als wir von Köpenicker Schülern hörten, sie müßten leider auf die Jugendweihe verzichten, weil der Pfarrer ihres Wohnbezirks Schwierigkeiten bereitete. „Die Jugendweihe richtet sich doch nicht gegen die Kirche“, meinten wir, „Man sollte vernünftig mit ihm sprechen; dann wird er es einsehen.“ Wie aus einem Munde kam die Antwort: „Da kennen Sie Pfarrer Brix schlecht!“ Mehr wollten die Kinder dann, verängstigt zurückweichend, nicht sagen.

    Inzwischen erreichten uns neue Beschwerden. So will eine Reihe von Schülern der 5. Grundschule nicht mehr am Konfirmationsunterricht teilnehmen; andere baten den Direktor, dafür zu sorgen, daß der Religionsunterricht eingeschränkt wird. Sie wollen mit Pfarrer Brix nichts zu tun haben. Ihre Begründungen geben wir nachstehend auszugsweise wieder:

    „Im Konfirmationsunterricht kommt es häufig vor“, berichtet ein Kind, „daß wir von Pfarrer Brix gekniffen, geschlagen, geschubst und an Haaren und Ohren gezogen werden, Häufig werden wir auch in eine Kammer gesperrt.“ Ein anderes Kind sagt: „Er hat eine schreckliche Angewohnheit: Er kneift, schlägt, spuckt und brüllt manchmal wie ein Stier und benimmt sich überhaupt empörend.“ Andere Schüler haben ähnliche Klagen. Blaue Flecke am Körper, um die Ohren geschlagene Bücher und Tafellappen, so zieht es sich durch alle Aussagen,

    Vom Direktor der 5. Grundschule und zwei Arbeitern des Patenbetriebes zur Rede gestellt, behauptete Pfarrer Brix: „Die Kinder lügen alle.“ Allerdings gab er im gleichen Atemzuge zu, daß er „nicht gerade für die Prügelstrafe, aber auch nicht ausgesprochen dagegen“ sei. Als der Direktor den Schülern die Meinung des Pfarrers über ihre „Lügenhaftigkeit“ mitteilte, waren sie sehr empört. Die Eltern und die Arbeiter des Patenbetriebes wollen sich nun mit den Methoden dieses Geistlichen nicht mehr zufriedengeben.

    Selbstverständlich garantiert unsere Verfassung die Freiheit der Religionsausübung. Das heißt jedoch nicht, daß dabei unsere Gesetze mißachtet werden dürfen. Prügel sind aber durch das Schulgesetz ausdrücklich verboten, weil sie dem Wesen der humanistischen Erziehung zutiefst widersprechen. Deshalb sollte sich die Kirche möglichst bald mit der gesetzeswidrigen Erziehungsweise des Pfarrers Brix beschäftigen. Der Abteilung Volksbildung wird es obliegen, unsere Schulkinder vor derartigen Übergriffen zu schützen. M.J.“

    4) „Neues Deutschland“ vom 23. Oktober 1957
    Unmenschlich
     Schwerin (ADN). Der Vorsitzende des Rates des Bezirkes Schwerin, Willi Blick, hat sich in einem Schreiben an den Landesbischof von Mecklenburg, D. Dr. Beste, gegen die unmenschliche Handlungsweise von Propst Märcker verwahrt, der die Beisetzung der verstorbenen Tochter des LPG-Vorsitzenden Anderssohn aus der Gemeinde Holthusen auf dem Friedhof verweigerte, weil sie an der Jugendweihe teilgenommen hat.

    Märcker hatte es abgelehnt, für die Verstorbene ein Grab in der üblichen Reihenfolge ausheben zu lassen und verlangt, daß sie In einem entlegenen Winkel an der Friedhofsmauer beigesetzt würde. Außerdem hatte er die Aufbewahrung der sterblichen Überreste in der Leichenhalle und die Benutzung der Kapelle für die Trauerfeier nicht gestattet. Ferner sollten anstatt der normalen Gebühr für eine Grabstelle von 15 DM 50 DM gezahlt werden. „Der Rat des Bezirkes wird nicht zulassen, daß ein Geistlicher, wie Propst Märcker, derartige der Moral und Ethik sowie der Auffassung der Bevölkerung hohnsprechende Handlungen begeht. Ich ersuche Sie daher, diese ungesetzlichen Handlungen des Propstes Märcker künftig unmöglich zu machen“, heißt es in dem Schreiben.“

    5) „Neues Deutschland“ vom 30.10.1957
    Verletzung der Verfassung nicht geduldet
    Inhaftierung Propst Märckers angeordnet
     Schwerin (ADN), Gegen Propst Märcker aus Pampow im Bezirk Schwerin, der die würdige Beisetzung der verstorbenen Tochter des LPG-Vorsitzenden Andersson auf dem Friedhof in Holthusen verweigerte, weil sie an der Jugendweihe teilgenommen hatte, ist von der Bezirksstaatsanwaltschaft auf Grund vorliegenden Materials ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und seine Inhaftierung angeordnet worden. In einer Mitteilung der Bezirksstaatsanwaltschaft heißt es dazu: „Die Handlungen des Propstes Märcker sind eine eklatante Verletzung der in der Verfassung garantierten Gleichberechtigung unserer Bürger.“
     
    Der erste Vorsitzende des Rates des Bezirks Schwerin Xaver Karl hat am Dienstag den mecklenburgischen Landesbischof Dr. Beste davon in. Kenntnis gesetzt, daß bei Beisetzungen künftig keinerlei Unterschiede in der Benutzung von kommunalen und kirchlichen Friedhöfen, oder Kapellen zugelassen werden. Xaver Karl spricht die Erwartung aus, daß der Oberkirchenrat seine Aufsichtspflicht gegenüber den Pastoren so erfüllt, daß in Zukunft gegen die Interessen des Friedens und der Bevölkerung gerichtete Maßnahmen in jedem Falle unmöglich, gemacht werden.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke Dir, Johann, für diese aufschlußreichen Ergänzungen. Daran sieht man auch, wie sehr sich die Kirche mit den Zielen das Nazismus im Hitlerreich identifiziert hatte, und wie sehr faschistische Methoden bereits auf den Klerus übergegangen waren. Abscheulich! Wie schwer war auch die Arbeit von Partei und Regierung, dieses Lügengespinst der Pfaffen zu zerreißen und zu normalen, sozialistischen Verhaltensweisen überzugehen!

    • S. Erfurt schreibt:

      Der Westen hat da mal wieder Blödsinn behauptet. Natürlich konnten Jugendliche beides tun: Konfirmation und Jugendweihe. Und da kenne ich einige!

      MFG

  6. Weber Johann schreibt:

    Auch solche Verbrechen der evangelischen Kirche, werden nun seit 30 Jahren als „Unterdrückung der Christen in der DDR“ täglich in die Welt gesetzt. Mit tatkräftiger Unterstützung der jeweiligen Kirchenführung.

    Noch eine Anmerkung: Sicher gab es Geistliche in der DDR, die sich gesetzeskonform verhielten. Im Endeffekt kommt es jedoch immer auf die „Kräfte“ im Hintergrund an. Und diese Kräfte waren extrem antikommunistisch, ohne wenn und aber. Das sollte niemals vergessen werden. Hier eine klar Aussage:

    In der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ stand am 11.4.1990:
    Wende in der DDR auch durch Vorarbeit der Kirchen
    Natho: Irrtum im Blick auf Dauer des Sozialismus

    Berlin (NZ/idea). Der Präsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Eberhard Natho (Dessau), hat einen „fundamentalen Irrtum“ in den DDR-Kirchen im Blick auf den Sozialismus eingestanden. Man habe geglaubt, „lebenslänglich“ unter diesem Gesellschaftssystem existieren zu müssen, sagte er auf der Jahrestagung der Evangelistenkonferenz der DDR in Woltersdorf bei Berlin. Die in den siebziger Jahren aufgekommene Selbstbezeichnung „Kirche im Sozialismus“ war nach Nathos Darstellung eine „Ausweichformel“, um eine Anerkennung der DDR zu umgehen. Die Wende im letzten November konnte sich, so der Kirchenpräsident, nicht nur auf Oppositionsgruppen, sondern auch auf eine zwanzigjährige Vorarbeit der Kirchen stützen Jetzt wünscht er sich eine Ruhepause, besonders im Blick auf die wachsenden Vorwürfe gegen Verantwortliche, mit dem Staatssicherheitsdienst zusammengearbeitet zu haben. [..]“

    Und hier nun die Währungsverbrechen der evangelischen Kirche:

    Berliner Zeitung, Sa. 26. Oktober 1957
    Währungsverbrechen unter Mißbrauch der Kirche
    Mittelsmänner von Dibelius wollten Millionen DM illegal in die DDR zum Umtausch einschleusen

    Berlin (ADN/EB). Groß angelegte Versuche, mehrere Millionen DM der Deutschen Notenbank zu Spekulationszwecken illegal in die DDR einzuschleusen, wurden während und nach dem Geldumtausch in der DDR von der Gruppe von NATO-Politikern unternommen, die sich um Bischof Dibelius gruppiert und in führenden Organen der evangelischen Kirche Stellungen bekleidet. Diese Gelder wurden durch Schiebungen und Spekulationen aufgehäuft und illegal in Westberlin aufbewahrt. Sie dienten vorwiegend dem Zweck, die gegen die Arbeiter-und-Bauern- Macht in der DDR gerichtete Tätigkeit zu finanzieren.
    Bisher wurden folgende Einschleusungsversuche bekannt: In Magdeburg sind, wie ADN bereits meldete, Konsistorial-Präsident Kurt Grünbaum und Oberkonsistorialrat Dr. Siegfried Klewitz wegen Verstoßes gegen das Gesetz zur Regelung des innerdeutschen Zahlungsverkehrs in Untersuchungshaft genommen worden. Beide sind Juristen (Weltlicher Rat bzw. Finanzdezernent), die beim evangelischen Konsistorium in Magdeburg angestellt sind.

    Als die Westberliner Währungsspekulanten am 13. Oktober vom Geldumtausch in der DDR überrascht wurden, schickte die Westberliner Stelle der evangelischen Kirche einen Beauftragten mit über 400 000 DM in die DDR. Dieser übergab das Geld auf einem illegalen Treff seinem Komplizen Grünbaum. Grünbaum hatte den Auftrag, das Geld an ihm dienstlich unterstehende Angestellte des Konsistoriums zu verteilen, die es wiederum Superintendenten und Pfarrern übergeben sollten. Die auf solche Art aufgeteilte Summe sollt als Kirchenkollekte oder anderer kirchlicher Besitz getarnt umgetauscht werden.

    Obwohl die Beauftragten Grünbaums in kircheneigenen Kraftfahrzeugen sofort in verschiedene Kreisstädte des Bezirks Magdeburg fuhren und Grünbaum selbst sich in seinem Dienstwagen nach Schönebeck und Calbe begab, gelang es den Verbrechern nur, einen Bruchteil des Geldes umzutauschen — offenbar, weil eine Reihe von Pfarrern es abgelehnt hat, diese Machenschaften zu unterstützen. Der größte Teil des Geldes wurde deshalb von Grünbaum und Klewitz versteckt. Beide wollten zunächst weitere Weisungen ihrer Hintermänner abwarten. Grünbaum verbarg mehrere hunderttausend DM unter Gerumpel in einem alten Pappkarton. Die versteckten Geldscheine konnten von den zuständigen Organen der DDR sichergestellt werden. Auch eine von Dr. Klewitz verborgene hohe Summe außer Kraft gesetzter Geldscheine wurde gefunden.

    Kurt Grünbaum war von 1935 bis 194a als Ministerialrat im faschistischen Reichsministerium für kirchliche Angelegenheiten tätig, das unter Führung des Erzfaschisten Kerrl stand. Sein Ministerium gab u. a. die Anweisung an die Landeskirchen heraus, die Kirchenbücher usw. in den Dienst des „Ariernachweises“ zu stellen. Es arbeitete eng mit der Gestapo und dem SD zusammen und unterstützte und schürte auch die Antisowjethetze der Kirche.
    Wie ADN weiter erfährt, stellte die Kirchenstelle von Westberlin, die von Bischof D. Dibelius geleitet wird, am 16. Oktober an die Behörden der DDR das Ansinnen, eineinhalb Millionen DM ungültig gewordener Banknoten, die sich unrechtmäßigerweise in ihrer Kasse in Westberlin befanden, in die DDR einzuführen und in neue Banknoten der Deutschen Notenbank umzutauschen.

    Aus gutunterrichteten Kreisen verlautet, daß der am Sonntag verlesene Bischofsbrief mit provokatorischen Ausfällen gegen die Jugendweihe in der DDR dem Zweck diente, von den aufgedeckten Verbrechen abzulenken. Die christlichen Menschen empfinden dieses schamlose Treiben, das mit Seelsorge wahrhaftig nichts zu tun hat, als eine Gotteslästerung. Denn was haben diese Leute wie Grünbaum und Dr. Klewitz praktisch getan? Sie haben die kirchlichen Einrichtungen und die kirchliche Autorität ausgenutzt, um Geistliche und Angestellte der Kirche zu Verbrechen zu verleiten und so ins Unglück zu stürzen. Sie haben kirchliche Gebäude benutzt, für deren Bau unser Staat hohe Zuschüsse gegeben hat. Bei dieser Gruppe um Dibelius handelt es sich nicht um kirchliche Würdenträger, sondern um weltliche Angestellte, die auf Kosten der Gläubigen einen herrlichen Tag leben. Grünbaum verdiente über 2000 DM monatlich.

    Außerdem wurde ihm eine Dienstwohnung und ein großer Mercedes zur persönlichen Benutzung zur Verfügung gestellt. Den Pastoren hingegen hat man angekündigt, die ohnehin schon niedrigen Gehälter zu kürzen. Mit Recht werden die Christen von den führenden Persönlichkeiten der Kirche Rechenschaft darüber verlangen, woher sie diese Riesensummen hatten und für welche Zwecke diese Gelder verwendet weiden sollten.„

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Interessant aber, wie sich die Pastoren heutzutage verhalten. Ich war mit einer Reisegruppe in Brandenburg, und auf dem Programm stand die Besichtigung einer Kirche aus dem 16. Jahrhundert, weil sie einen Taufengel hatte. Vor der Besichtigung hielt der dortige Pastor eine Rede, in der er uns sehr ausführlich die Geschichte des Dorfes seit dem Mittelalter erzählte, und dann kam er auf die Kirche, die augenscheinlich sehr schön renoviert war. Er schimpfte auf die „Kommunisten“, unter denen die Christen des Dorfes so sehr gelitten hätten. Ich fragte ihn, wann die Kirche renoviert worden war. Seine Antwort: „1984“. Dass er sich damit selbst widersprochen hatte, wird er wohl erst hinterher bemerkt haben.

  8. Johann Weber schreibt:

    Die ersten Bundestagswahlen waren keine freie Wahlen. Jedes Mal, einige Tage vor einer Bundestagswahl, zwangen die „Oberhäupter“ der christlichen Kirchen, ihre Mitglieder nur so zu wählen, wie es die „Kirchenfürsten“ ihren Mitgliedern vorgeschrieben hatten.

    Hier ein Beispiel kurz vor der Bundestagswahl 1957 (Wahltag 15.9.1957): Im „Neuen Deutschland“ vom 17. September 1957 steht zu lesen, wie die Christen in der Alt-BRD gezwungen wurden, wie sie zu wählen haben:

    Nötigung bis zur letzten Stunde
    CDU-Terror erreichte am Sonntag seinen Höhepunkt
    Bonn (ND). Bis in die frühen Morgenstunden des Montag hinein erreichten uns aus allen Teilen der Bundesrepublik Meldungen über eine hemmungslos betriebene Wählernötigung und -erpressnng durch die Bonner Regierungspartei.

    Priesterdrohung vor Wahllokalen
    In zahlreichen oberbayrischen Ortschaften postierten sich die Priester unmittelbar vor den Wahllokalen und „ermahnten“ die Gläubigen noch einmal, der Adenauer-Partei ihre Stimme zu geben. In Herrsching und Starnberg riefen die Geistlichen den Kirchgängern von der Kanzel herunter die Aufforderung zu, die CSU zu wählen.

    Gedruckte Zettel mit einem „Gebet vor der Wahl“ wurden in fast allen katholischen Kirchen der Bundesrepublik verteilt. In den „Gebeten“ wurde „an Gott die flehende Bitte“ gerichtet dem Wähler „die Eingebung für die rechte Entscheidung zu geben, damit er in der Ewigkeit vor dem Herrn reinen Gewissens bestehen“ könne. Im katholischen Wallfahrtsort Altötting rief der Pfarrer während der Sonntagspredigt: „Wer nicht CSU wählt begeht eine schwere Sünde!“
    „Gnadenmutter“ als „Wahlhelfer

    In Nordrhein-Westfalen lagen in den Gotteshäusern vielfach Wahlschriften aus in denen offen und unverhüllt Propaganda für die CDU gemacht wurde. Die katholische Zeitschrift „Mann in der Zeit“ wiederholte Adenauers Behauptung, daß ein Wahlsieg der SPD den „Untergang Deutschlands“ bedeute. In der Essener Münsterkirche forderte der Pfarrer die Gläubigen auf „im Angesicht der gnadenreichen Gottesmutter“, sich für die „christlichen Politiker“ zu entscheiden.

    SPD-Plakate auf Scheiterhaufen
    Zur gleichen Zeit, da die Bevölkerung von Pfarrern förmlich erpreßt wurde, die CDU zu wählen, errichteten Mitglieder der CDU und der „Jungen Union“ nach dem Vorbild der Nazis unter anderem auch in Merzalben bei Pirmasens riesige Scheiterhaufen, auf denen unter frenetischem Geheul abgerissene SPD-Wahlplakate öffentlich als „Ketzerei“ verbrannt wurden. In der Nacht zum Wahlsonntag kam es in mehreren Städten zu Zusammenstößen zwischen Sozialdemokraten und CDU-Störtrupps, die SPD-Wahltafeln demolierten.

    CDU – Schlägergarden unterwegs
    In München und anderen bayrischen Städten hielten in der Nacht zum Sonntag Tausende bayrischer Sozialdemokraten vor den Plakatsäulen und Anschlagtafeln ihrer Partei Wache, um sie vor der „Jungen Union“ und der „Katholischen Landjugend“ zu schützen. In mehreren Ortschaften wurden Klebekolonnen der SPD von CDU-Anhängern überfallen. In zwei Fällen wurden SPD-Genossen so zusammengeschlagen, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten.“

    Bereits einen Monat vor der ersten Bundestagswahl 1949 schwebte das „christliche Todesurteil“ (Exkommunikation) über der Wahlkabine der Katholischen Wähler, wenn sie gegen des Dekret von Papst Pius XII vorstoßen. Hier die Meldung aus der „Passauer Neuen Presse“ vom 16.7.1949 (Wahltag war der 14.8.1949):

    „Kommunisten als Ketzer exkommuniziert
    Dekret des Vatikans verhängt über Kommunisten und ihre Helfer die große Exkommunikation
    Vatikanstadt (Dena-Reuter). Der Vatikan drohte allen Katholiken, die den Kommunismus freiwillig unterstützen, mit der Exkommunizierung. Der Vatikan bedroht außerdem Katholiken, die den Kommunismus verteidigen oder seine Literatur drucken, vertreiben oder lesen mit dem Ausschluß vom Empfang des hl. Altarsakramentes.

    Diese drastische Maßnahme wurde vom Heiligen Offizium, der Obersten Behörde der Kurie, ergriffen. Die Entscheidung wurde in den „Acta apostollca Sedis“. dem offiziellen, vom Papst persönlich herausgegebenen Blatt des Vatikans, bekanntgegeben. Das Heilige Offizium behandelte in diesem Zusammenhang vier Fragen:

    1. Kann es als legal betrachtet werden, wenn Katholiken Kommunisten sind?
    2. Ist es legal, wenn Katholiken kommunistische Propaganda-Literatur drucken, verleilen oder lesen?
    3. Können Katholiken das Altarsakrament empfangen, wenn sie derartiger Handlungen schuldig befunden werden?
    4. Können Katholiken, die freiwillig Kommunisten sind, exkommuniziert werden? […]“

    http://digipress-beta.digitale-sammlungen.de/de/fs1/calendar/1949-07-02.42554-0/bsb00039719_00577.html?zoom=1.5

    • S. Erfurt schreibt:

      Danke Johann! Und hier schreibe ich mal auf wie der Vorabend einer Wahl in der DDR in meinem Heimatort aussah. Das Wahllokal wurde in einer ehemaligen Gaststätte eingerichtet die, nachdem sie in Volkseigentum übergegangen war, als Kinder-Ferienlager diente. Auch in der DDR hielten wir an der Tradition fest, das Wahllokal vom Nachmittag über die Nacht zum Wahlsonntag zu bewachen. Und so zogen wir die Wache auf, mein Vater mit Parteifreunden aus der Nachbarschaft und ich durfte natürlich auch dabei sein. Rudi, unser Bürgermeister kam und wünschte uns allen einen friedlichen Abend. Der Kühlschrank nebenan in der Küche war gut bestückt mit Dominator und Vitakola, belegte Brötchen gab es auch und so spielten wir Skat bis zum Morgengrauen.

      Glückliche Zeiten!!!

  9. Weber Johann schreibt:

    Entnommen aus dem Buch „Die Päpste des XX. Jahrhunderts“ J.R. Grigulevic, Urania-Verlag Leipzig 1984

    Papst Pius XII – IM BANNE DES ANTIKOMMUNISMUS
    In welcher Richtung entwickelte sich nun die Politik des Vatikans nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition? Pius XII. tat alles ihm Mögliche, um die westlichen Alliierten auf einen Konfrontationskurs mit der Sowjetunion zu bringen. [..]

    Was das innere Leben der kapitalistischen Länder betraf, die sich von der Okkupation der Hitlerarmeen befreit hatten, so unternahm Pius XII. hier große Anstrengungen, um das antifaschistische Bündnis zu zerschlagen, das sich während der Kriegsjahre gebildet hatte. Die Kommunisten, die im Kampf gegen den Faschismus eine führende Rolle gespielt hatten, sollten aus ihm herausgedrängt und isoliert werden. In den Ländern der Volksdemokratien aber suchte Pius XII. die Katholiken zum Kampf gegen die gesellschaftlichen Umwandlungen zu inspirieren. Diese Linie wurde mittels der einheimischen Hierarchie verwirklicht, die die Gläubigen ganz offen dazu aufrief, gegen die Kommunisten und deren Bündnispartner zu kämpfen, die antifaschistisch-demokratischen Umwandlungen zu boykottieren.[..]

    Als diese Kreise den Weg des kalten Krieges gegen die Sowjetunion und die Volksdemokratien beschritten, förderte der Vatikan den Ausschluß der Kommunisten aus den Regierungen der nationalen Einheit und unterstützte die Konsolidierung der rechten Kräfte, denen er über die Landeshierarchie jede politische und finanzielle Hilfe zuteil werden ließ. Seit Beendigung des Krieges „begann Pius XII, sich um die Schaffung mächtiger antikommunistischer Blöcke zu bemühen”, schreibt der amerikanische Journalist Camille Cianfarra, der in den Kriegsjahren beim Vatikan akkreditiert war. Jetzt scheute sich Pius XII. nicht, offen zu einem neuen „Kreuzzug” gegen den Kommunismus aufzurufen. [..]

    Allen war es klar, daß Pius XII. unter den „gottlosen Parteien“ die Kommunisten, unter den „gottlosen Mächten“ die Sowjetunion und die Länder der Volksdemokratien verstand, die er verleumderisch des Terrors bezichtigte, der bekanntlich von allen marxistischleninistischen Parteien abgelehnt wird.[..]
    Die Anweisung des Staatsdepartments der USA 500.000 Dollar für die antikommunistische Propaganda steht in direktem Zusammenhang mit dem berüchtigten Dekret des Heiligen Offiziums vom 13. Juli 1949, dessen Präfekt damals noch der Papst selbst war. Das Dekret exkommunizierte oder schloß von den Sakramenten alle Gläubigen aus, die die „kommunistische Lehre“ annehmen oder propagieren, Mitglieder der KP sind, diese unterstützen oder mit ihr zusammenarbeiten, die deren Presse lesen und verbreiten. Seinem Inhalt nach erinnerte dieses Dekret an die antikommunistischen Gesetze Hitlers, Mussolinis, Francos, Salazars und anderer faschistischer Diktatoren und stellte eine Kriegserklärung der Kirche an den Kommunismus und die Kommunisten dar. Die Regierung der USA nahm das antikommunistische Dekret Pius XII. mit großer Befriedigung auf. […]

    Bis zu seinem Tode hielt Pius XII. offen an diesem feindseligen Kurs gegen den Kommunismus und die Sowjetunion fest.[..] Der Papst tat auch alles ihm Mögliche, um die Geistlichen und kirchentreuen Katholiken in den sozialistischen Ländern zum Widerstand gegen die Politik der sozialen Umwandlungen zu bewegen. Er wollte „Märtyrer“, „Opfer des kommunistischen Terrors”, um die öffentliche Meinung des Westens gegen die sozialistischen Länder besser mobilisieren zu können.[..]

    Während die volksdemokratischen Regierungen den verhafteten „geheimen“ Bischöfen immer wieder ihre Freilassung gegen einen an sich selbstverständlichen Loyalitätseid anboten, den die Kirche bei allen anderen Staaten duldete, galten für den Vatikan in den sozialistischen Ländern alle die, die einen solchen unterschrieben, als Abtrünnige. [..]“

    Die Katholische Kirche war in der DDR ein trojanisches Pferd des Vatikans. Jeder Beichtstuhl war eine Geheimdienststelle des Vatikans. Die evangelische Kirche stand hier nicht zurück. Sie hatten jedoch keinen Papst.

    Wichtig:
    ► arte „Geheimauftrag Pontifex – Der Vatikan im kalten Krieg“
    Frühjahr 2015
    ► Bruno Bartoloni, Vatikan-Journalist: „Die Kirche ist eine Art riesige Spionageorganisation, sozusagen.“
    ► John Lenczowski,m ehem. Sowjetberater des weissen Hauses: „Der Vatikan verfügt über außerordentlich gute Informationsquellen. Er gilt als einer der besten Nachrichtendienste überhaupt.“
    ► Tomasz Turowski, polnischer Spion im Vatikan: „Warum ist das so. Es funktioniert folgender Maßen. Jeder Pfarrer beschreibt mindestens 2x im Jahr ausführlich die Lage seiner Gemeinde. Er schreibt über die wichtigsten Leute, die material Lage, die politische Stimmung, die gesamte Situation.“
    ► Englisch, deutscher Journalist: „Jetzt endlich meldet jeder Pfarrer, jeder Diakon dem Bischof schon was in seiner Stadt passiert. Die wiederum bündeln die Informationen in den Ländern und liefern sie an den einzelnen Botschafter des Vatikans. Denn in jedem Land existiert ein Nunzius. Und dieser Nunzius meldet wiederum die Informationen zentral an das Staatssekretariat nach Rom.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke für diese spannenden Insider-Geschichten. Im Alter von nur 47 Jahren war 1949 der herausragende sowjetisch-ukrainische Schriftsteller und Journalist Jarosław Hałan von einem Killerkommando des Vatikan ermordet worden. Sein ganzes Leben hatte er dem Dienst an der Partei und am Volk gewidmet.

      Seine scharfen Pamphlete trafen den Kern. Schon an ihren Titeln kann man ihre Orientierung spüren: „Mit Kreuz oder Messer“, „Was ist eine Unia“, „Die Dämmerung fremder Götter“, „Die Väter der Finsternis und der Sohnschaft“, „Im Dienste Satans“, „Die Apostel des Verrats“ und andere. Es ging ihm vor allem um den antikommunistischen Einfluß der kath. Kirche in der Westrukraine. Außerdem entlarvte Hałan die Kollaboration von OUN/UPA mit den Nazis – der Gestapo und der SS.

  10. Harry56 schreibt:

    Mal abgesehen von unserer liebenswürdigen altehrwürdigen katholischen Kirche…..
    Vor mehr als 60 Jahren schrieb ein kluger Landsmann von uns, Albert Norden, (später wichtige Funktionen in der Führung der DDR, Politbüro etc…)ein Buch mit dem Titel, „So werden Kriege gemacht“.
    Heute morgen lesen ich zufällig das:

    https://www.focus.de/politik/ausland/schockierender-bericht-offenbart-geheimdienste-russland-soll-kopfgeld-auf-us-truppen-in-afghanistan-ausgesetzt-haben_id_12148395.html

    Wo hat sich der Kapitalismus/Imperialismus bisher wirklich verändert, gar „gebessert“?

    Anti-kriegshetzerische Grüße an alle hier noch Vernünftigen!

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Ja, so machen sie es, Harry. Da hat sich jemand ein Schauermärchen aus den Fingern gesogen, und Focus, das Boulevardschmierblatt, indem er es überhaupt erwähnt, stellt es indirekt als Tatsache hin. Gerüchtemacher, bei irgendwem wird die Ente schon hängenbleiben. Und das will schon eine Menge sagen, dass die New York Times sich nicht dazu äußern will, die doch jede Hetze gegen Russland mitmacht und sogar inszeniert.

    • S. Erfurt schreibt:

      Interessant. Interesanter ist das was Focus nicht schreibt, nämlich das:

      Die Terroreinheiten der Taliban sind von den USA finanzierte, von Pakistan her kommende Spezialeinheiten, das sind sozusagen deren Stellvertreter und das erst recht jetzt wo amerikanische Truppen angeblich abgezogen werden. Der kürzlich ausgehandelte Friedensvertrag, verbunden mit dem Truppenabzug wurde zwischen den USA und den Taliban ausgehandelt.

      Genauso haben die USA auch die Mudschaheddin und weitere „Gotteskrieger“ finanziert, damit die in Afghanistan Unruhe stiften und das Volk terrorisieren und das war auch der Grund dafür daß die legitim vom Volk gewählte Regierung Afghanistans im Jahr 1979 die UdSSR um militärische Hilfe gebeten hat.

      MFG

      • S. Erfurt schreibt:

        Der kürzlich ausgehandelte Friedensvertrag, verbunden mit dem Truppenabzug wurde zwischen den USA und den Taliban ausgehandelt.

        Allein schon bei dieser Meldung (Februar 2020) müssten die Sprecher solcher Nachrichten doch selbst ins Grübeln geraten! Eben weil der Vertrag mit den Taliban die gar keine Afghanen sind (!) beschlossen wurde und nicht etwa mit einer vom Volke Afghanistan legitimierten Regierung!

        MFG

  11. Weber Johann schreibt:

    Harry 56. Es freut mich, dass Du das Buch „So werden Kriege gemacht“ von Albert Norden ansprichst. Albert Nordens Bücher waren bei uns (Alt-BRD) verboten. Wer denunziert wurde, ging schon bis zu 2 Jahre ins Gefängnis. Den Arbeitsplatz verloren alle, die wegen DDR-Bücher angeklagt wurden.

    Ich will noch auf das Buch „fälscher“ von Albert Norden. Tscherwonzenfälscher, Dietz Verlag Berlin 1967 hinweisen. In diesem Buch kommen Fakten zu Tage, die zum Thema von sascha passen:

    „In ebendiesen Februartagen 1930 kam es noch einmal zu dem Versuch, eine große internationale Front des Krieges gegen die Sowjetunion zu bilden. Was dem englischen Öltrust mißlungen war, worum sich die Bankhaifische der kapitalistischen Mächte vergeblich bemühten, was französische Marschälle und deutsche Generale nicht geschafft hatten, was der amerikanische Präsident Hoover ersehnte, aber nicht verwirklichen konnte, das unternahm nun der Papst in Rom. In einem am
    8. Februar 1930 (dem Tag des Berliner Tscherwonzenfälscher-Freispruchs) publizierten Schreiben eröffnete dieser Pius Xl. einen Weltfeldzug gegen Moskau. Er teilte mit,

    1. daß er schon 1922 während der Konferenz von Genua – an deren Rand es zur historischen Regelung der deutschsowjetischen Beziehungen durch den Vertrag von Rapallo gekommen war – die Regierungen aller Länder aufgefordert habe, mit der Sowjetunion erst dann diplomatischen Umgang zu pflegen, wenn die russisch-orthodoxe Kirche wieder in den Besitz ihrer ungeheuren Ländereien und sonstigen Schätze gelangt sei;

    2. daß er jetzt eine Kommission für Rußland eingesetzt habe, „um die Welt von den Scheußlichkeiten des Bolschewismus zu unterrichten“;

    3. daß er Gebete zur Befreiung Rußlands vom Bolschewismus mit Ablässen versehen habe;

    4. daß er „die ganze christliche Welt aufrufe, sich am 19. März 1930 betend zu versammeln, „damit endlich diese große Heimsuchung aufhöre“.

    Vielsagend schloß die Botschaft: „Wir sind sicher, daß die göttliche Vorsehung die nötigen Mittel vorbereitet und in dem von ihr bestimmten Augenblick geben wird, um die sittlichen und materiellen Verwüstungen jenes unermeßlichen Landes wiedergutzumachen.(Germania vom 13. Februar 1930) [..]
    Wie „Die Rote Fahne“ mitteilen konnte, trat auf dieser exklusiven Veranstaltung auch der Münchener Industrielle und Gutsbesitzer Freiherr Theodor von Cramer-Klett mit der Erklärung auf, daß die deutsche Industrie einen Sonderbetrag von 10 Millionen Mark zur Verstärkung der antisowjetischen Kampagne aufbringen werde.
    Beglückt konstatierte der Zentrumsabgeordnete Freiherr von Papen, der die Veranstaltung leitete, „daß die beiden Kirchen im Kampf gegen den Bolschewismus konform gehen“. So zitierte ihn das Zentralorgan des Zentrums, die“Germania“ (von der Papen die Aktienmehrheit besaß), und sie umriß den Charakter der Veranstaltung so: „Es handelte sich um einen Teil der im Gange befindlichen internationalen Kulturaktion.»(Germania 18.3.1930)

    Was die „kulturelle“ Seite der Sache betraf, so bestand sie in der Verbreitung kaum wiederzugebender Greuelmeldungen. Da war der Erzbischof von Perm bei lebendigem Leib verbrannt, sein bischöflicher Vertreter in eine Grube mit ungelöschtem Kalk geworfen, dem Bischof von Jurjew waren Nase und Ohren abgeschnitten, andere Geistliche bei grimmigster Kälte nackt ausgezogen und so lange mit kaltem Wasser begossen worden, bis sie zu Eisstatuen erfroren und andere erbauliche Nachrichten dieser Art, die von der grenzenlosen Phantasie ihrer Erfinder zeugten.“

    Und so geschah es. Der Wiener Kardinal Innitzer trat Mitte der 1930-jahre, zusammen mit dem „Völkischen Beobachter“ die antisowjetische Hetze, mit den „Millionen verhungerter Menschen in der Ukraine“ los.
    Hier der Artikel „Vor einer neuen Hungersnot in Rußland“

    http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19340818&seite=7&zoom=33&query=%22Ewald%2BAmmende%22&ref=anno-search

  12. Johann Weber schreibt:

    Folgende Quellen sprechen eine klare Sprache. Sie dürfen nie vergessen werden. Entnommen aus dem Buch „Hitlers Gold“, Karl Bernd Esser, München 2004

    A) „Am 5. Juli 1943 sandte Freiherr Ernst von Weizsäcker, als deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl, ein Telegramm mit der No. 271 an das Auswärtige Amt nach Berlin: (258 PolA-AA / 819/277 860-61 / Drahterlaß No. 271 vom 5.7.1943 / Deut. Botschaft Rom)

    „Nachdem der Papst Pius XII. mir seine Grüße und Wünsche für den Führer aufgetragen und den Besuch des Herrn Reichsaußenministers im Vatikan am 11. März 1940 erwähnt hatte, behandelte er unsere Unterhandlung im wesentlichen drei Themen: […]

    3.) Die allgemeine Lage. Dieses Thema bot mir Gelegenheit, den deutschen Einsatz gegen den Bolschewismus gebührend hervorzuheben. Der Papst sprach von seinen eigenen Münchner Erfahrungen mit den Kommunisten im Jahre 1919. Er verurteilte die geistlose Formel unserer Gegner, die von einer „bedingungslosen Übergabe“ rede. Er sprach gleichzeitig aus, daß zurzeit kein Ansatz zu irgendeiner praktischen Friedensarbeit vorhanden sei. Ich fügte hinzu, daß meine Regierung derartiges auch nicht erwarte. Das Gespräch, das gegen 1/2 Stunde dauerte, wurde vom Papst ohne sichtbare Leidenschaft, aber mit einem Unterton von geistlichen Eifer geführt, der nur bei der Behandlung der Bolschewistenbekämpfung in eine Anerkennung gemeinsamer Interessen mit dem Reich überging. Es besteht Übereinstimmung, daß der Inhalt des Gesprächs vollkommen vertraulich zu behandeln ist.“
    Gezeichnet: Freiherr von Weizsäcker 21 Uhr 20″

    B) „Gesandter Schleier schrieb aus Paris am 31. Juli 1943 ein geheimes Telegramm an den Staatssekretär im AA Berlin: (260 HA AA Berlin / Vatikanakte Büro Staatssekretär Bd. 5 / R 29818 / 277915)

    „Wie Gesandter von Krug ergänzend zu der fraglichen Unterredung erfuhr, sei Nuntius vom Mitarbeiter Lavals die Frage gestellt worden, ob der Papst noch immer eine Zusammenarbeit mit dem bolschewistischen Rußland für möglich halte und anstrebe. Der Nuntius habe daraufhin spontan erwidert, die russische-vatikanische Zusammenarbeit sei auf „1.000 Jahre“ verschoben. Der Papst sei über die Möglichkeit eines Sieges Sowjetrusslands beunruhigt und mit allen Mitteln bestrebt, Frieden zwischen Deutschland und England anzubahnen. Er hoffe hierbei, England möge erkennen, daß es letzten Endes eines europäische Macht und für den Bestand der christlich europäischen Kultur verantwortlich sei.“
    Gezeichnet: Schleier“

    C) „Geheime Vortragsnotiz (Bericht zu Inland II 2564g) zur Vorlage beim Reichsaußenminister Ribbentrop und für Adolf Hitler über die Einstellung des Vatikans (263 HA AA / Vatikanakten, SD-Meldungen, Vertrauensleute Inland Ilg, R 101166, 272590):

    4.) Rußland und der Weltbolschewismus

    Man sei im Vatikan jetzt übereinstimmend der Ansicht, daß der Weltbolschewismus kaum mehr aufzuhalten sei. Es treibe alles auf die „Vereinigten Sowjet-Republiken“ in Europa zu. In Deutschland stehe man am Vorabend eines Linksputsches. Zerbreche die militärische Kraft Deutschlands, so sei auch Frankreich rettungslos dem Kommunismus ausgeliefert. Spanien und Portugal ständen ebenfalls am Vorabend linksradikaler Entwicklungen. In England bestehe zwar noch keine akute Gefahr; eine Linksentwicklung werde aber auf die Dauer nicht aufzuhalten sein.“

    6.) „Der Vatikan und Deutschland
    Zusammenfassend könne gesagt werden, daß der Vatikan kein Interesse an einem völligen Zusammenbruch Deutschlands habe. Der Weltbolschewismus stelle für die Kirche eine größere Gefahr dar. Falls überhaupt noch eine Gegenwehr möglich sei, könne diese allein vom Nationalsozialismus ausgehen. Alle übrigen Staatsformen hätten bereits versagt.

    Ein Zusammengehen der katholischen Kirche mit dem Nationalsozialismus ( als das kleinere Übel ) sei daher unter gewissen Voraussetzungen natürlich und denkbar und nach dem Muster Italiens durchaus möglich.

    In den kritischen Tagen unmittelbar vor und nach dem Umsturz in Rom sei von führenden Persönlichkeiten, wie Brust, Kaas, Schmoll und Stöckle, ausdrücklich die absolute Notwendigkeit der Zurückstellung alles Trennenden im Interesse der nationalen Widerstandskraft betont worden. Insbesondere legten Brust ( Jesuit ) und Schmoll ( Franziskaner ), ein offenes und recht überzeugend wirkendes nationales Bekenntnis vor:

    „In dieser Stunde, wo es um das Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes und damit der gesamten Kultur Europas gehe, solle unter allen Umständen und unter Zurückstellung gewisser Bedenken und grundsätzlich berechtigter Hemmungen eine Synthese zwischen Kirche und Staat gefunden werden. Beide müßten eben in Erkenntnis des Gebotes der Stunde einige Pflocke zurückstecken.“

    Ergänzend sei noch bemerkt, daß völlig ähnliche Gedankengänge bei führenden deutschen katholischen Stellen, Pater Gehrmann Berlin, Pater Hoffmann Berlin, Prälat Banasch Ordinariat Berlin, Provizial Rösch und Pater Schlund in München, festzustellen waren. Sie alle zeigten sich in hohem Maße verständigungsbereit und wollten eine ähnliche Einstellung auch bei den meisten katholischen Bischöfen vorfinden.
    Gezeichnet: Freiherr von Weizäcker“

  13. sascha313 schreibt:

    Auffällig ist, daß immer wieder die gleichen Herrschften in Erscheinung treten – Adel verpflichtet! – eben! Vielen Dank, Johann!

    • Harry56 schreibt:

      Zu „Adel verpflichtet“ eine interessante, beinahe schon belustigende Anmerkung: Im nationalen „sozialistischen“ Dritten Reich waren auffällig viele Staatsposten in Verwaltung, Politik und Militär mit Adeligen besetzt (praktisch nie mit Arbeitern, sonstigen kleinen Leuten!), so wie zuvor schon im Kaiserreich.
      Auch in der heutigen „marktwirtschaftlichen Demokratie“ der BRD drängt es nicht wenige Adelige zu staatlichen Würden.
      Adel verpflichtet eben! 🙂

      • S. Erfurt schreibt:

        Das ganze AfD-Geprassel hat seine Wurzeln im preußischen Junkertum und im Hochadel der Hugenotten die die Preußen von Frankreich nach Deutschland holte als Verstärkung zum Ausplündern des Deutschen Volkes. MFG

      • sascha313 schreibt:

        …eben. Deshalb sind in der AfD auch soviele „gebüldete“ Leute! („…die sind ja alles so nett“)

      • S. Erfurt schreibt:

        PS: Einer von diesen Hugenottenpriestern starb in Stalingrad als Stellvertreter Hitler’s. Eine bronzene Gedenktafel in der Kirche Königsbach/Baden erinnert an diesen edlen Herren als den Letzten seines Adelsgeschlechts die auf dem Wasserschloss Königsbach ihren Herrensitz hatten.

        Leider war er nicht der Letzte. MFG

      • sascha313 schreibt:

        Nach der Ausplünderung sämtliche rmuseen der DDR und der „Rückübeertragung“ aller auf dem Gebiet der DDR befindlichen Schlösser und Burgen, siwoe des Grundbesitzes dürfte der Hunger nach besitz dieser „edlen“ Herrschaften noch längst nicht gestillt sein… erst wenn der letzte Reichtum dieser Welt in Stiftungen und gutverzinslichen „gemeinützigen“ Einrichtungen untergebracht ist und auch der letzte nutzlose Esser entsorgt oder beseitigt wurde, dürfte das Ziel dieser schmarotzenden Kaste erfüllt sein…

  14. Weber Johann schreibt:

    Zum Abschluss noch weitere Quellen, die aufzeigen, wie „gefährlich“ die Strippenzieher in den beiden Kirchen in der DDR für die DDR-Regierungen, aber auch für die sowjetische Besatzungsmacht, waren. Entnommen aus dem Buch „Hitlers Gold“, Karl Bernd Esser, München 2004

    1) „Die deutsche Kirche und das Konzentrationslager Stutthof im Gau Danzig-Westpreußen

    Im Dezember 1941 erließ der Reichsführer SS Heinrich Himmler einen „Aufstellungsbefehl“ über ein neu zu errichtendes Konzentrationslager im Gau Danzig-Westpreußen. Himmler schrieb u.a. an den Chef des WVHA, General der Waffen-SS, Pohl am 19.12.1941(Institut für Zeitgeschichte / München – Akte / Ltr. Konzentrationslager):

    … Stutthof muß außerdem in der Richtung ausgebaut werden, daß es in einem Lager 20.000 Russen aufnehmen kann, mit denen wir dann den Siedlungsaufbau des Gaues Danzig-Westpreußen vollziehen können. …

    … Stutthof müßte nun von Ihnen und SS-Brigadeführer Glücks als anerkanntes Konzentrationslager mit Wirtschaftsbetrieb übernommen werden. …

    Gezeichnet: Heinrich Himmler“

    2) „Der Chef des Amtes II – Bauten, des WVHA, schrieb in seinem mehrseitigen Protokoll über die Besichtigung des Konzentrationslagers Stutthof vom 9.1.1942 u.a. (Institut für Zeitgeschichte / München – Akte / Ltr. Konzentrationslager):

    … Zu den bisherigen Gefangenenlager Stutthof gehören noch folgende Arbeitsläger:

    Potulitz bei Nakel, zurzeit belegt mit polnischen ausgesiedelten Familien mit rund

    5.000 Köpfen, untergebracht in vorhandenen Gebäuden auf einem Gelände von 30.000m2, Eigentümer Kirchenvermögen, angepachtet durch das Reichssicherheitshauptamt.

    Zurzeit werden Baracken für die Aufnahme von 10.000 Häftlingen aufgestellt. …
    Gezeichnet: Inspekteur KL, Stab W, Stab I, Amtschef W I, Amtschef W IV“

    3) Auszug aus dem Buch „Die Flakhelfer“ von Malte Herwig
    DVA-Verlag 2013

    „[…] Allerdings: Auch im Osten hatten zahlreiche Ex-Nazis wieder Unterschlupf in der Kirche gefunden, wie die Staatssicherheit nur zu genau wusste.

    Die Stasi-Rechercheure beschafften heimlich Schriftproben evangelischer Würdenträger im Osten. Sie sprachen Menschen in deren Umfeld unter Legende an und verfassten Auskunftsberichte. Sie legten lange handschriftliche Listen über die »Pfarrer mit aktiver faschistischer Vergangenheit« an, auf denen Ämter und Organisationsmitgliedschaften im »Dritten Reich« angeführt waren.

    Das Ergebnis war niederschmetternd. Eine 1962 erstellte Analyse über die Konzentration ehemaliger faschistischer Offiziere in der Evangelischen Kirche der DDR kommt zu dem Ergebnis: »Es ist festzustellen, dass alle wichtigen militärischen und zum Teil auch ökonomischen Schwerpunkte unserer Republik durch ehemalige Faschisten mit Spezialkenntnissen besetzt sind, bzw. durch Amtswechsel entsprechend qualifizierter Pfarrer besetzt werden.«`

    Ein großer Teil der damals in der Evangelischen Kirche der DDR tätigen Funktionäre in den Kirchenleitungen, Ausbildungsstätten, kirchlichen Organisationen und Gemeinden sei vor 1945 aktive Faschisten gewesen. Allein im Amtsbereich der Kirchenleitung Sachsen gab es 22 ehemalige Mitglieder der NSDAP und 5 der SA. Wie einflussreich die Position der Kirchenmänner mit brauner Vergangenheit war, zeigt das Beispiel des Superintendenten Ernst Kracht, geb. 27.5.1893 in Rügen: 17 Gemeinden, 21 Pfarrstellen, ab 1933 förderndes Mitglied der SS.

    Die Etablierung ehemaliger Nazis in den Landeskirchen war weniger ein Ergebnis geheimdienstlicher Aktionen des Westens, wie die MfS-Analysten argwöhnten. Sie war vor allem deshalb möglich, weil bei der Entnazifizierung ostdeutscher Pfarrer lediglich die meisten Mitglieder der NS-Organisation »Deutsche Christen« aus ihren Ämtern entfernt und durch Mitglieder der »Bekennenden Kirche« ersetzt worden waren. »Diese scheinbare Säuberungsaktion«, erkannten man nun beim MfS, »bezog sich jedoch nicht auf ehemalige Mitglieder der NSDAP, SA und andere faschistische Gliederungen«.“

    Eine Stasi-Dossier von 1963 kommt zu dem ernüchternden Ergebnis: »Die Mehrheit der Kirchenvorstände setzt sich überwiegend aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern zusammen, die noch heute eine feindliche Einstellung zur Politik von Partei und Regierung haben.«“

    Ich wiederhole mich:

    In der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ stand am 11.4.1990:
    „Wende in der DDR auch durch Vorarbeit der Kirchen
    Natho: Irrtum im Blick auf Dauer des Sozialismus
    Berlin (NZ/idea). Der Präsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Eberhard Natho (Dessau), hat einen „fundamentalen Irrtum“ in den DDR-Kirchen im Blick auf den Sozialismus eingestanden. Man habe geglaubt, „lebenslänglich“ unter diesem Gesellschaftssystem existieren zu müssen, sagte er auf der Jahrestagung der Evangelistenkonferenz der DDR in Woltersdorf bei Berlin. Die in den siebziger Jahren aufgekommene Selbstbezeichnung „Kirche im Sozialismus“ war nach Nathos Darstellung eine „Ausweichformel“, um eine Anerkennung der DDR zu umgehen. Die Wende im letzten November konnte sich, so der Kirchenpräsident, nicht nur auf Oppositionsgruppen, sondern auch auf eine zwanzigjährige Vorarbeit der Kirchen stützen. Jetzt wünscht er sich eine Ruhepause, besonders im Blick auf die wachsenden Vorwürfe gegen Verantwortliche, mit dem Staatssicherheitsdienst zusammengearbeitet zu haben. [..]“

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