Beihilfe zum Massenmord

IndonesienDer folgende Beitrag wurde von „German Foreign Policy“, einem deutschen Journalisten Portal, erstellt. Wir übernehmen hier den gesamten Beitrag, da wir die Quelle für seriös halten:

Neue Dokumente belegen Kooperation bundes-deutscher Stellen mit Indonesiens Militär während Putsch und Massenmord 1965/66.

BERLIN/JAKARTA/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Neue Dokumente belegen die enge Kooperation bundesdeutscher Stellen mit Indonesiens Militär im Verlauf des Massenmordes an hunderttausenden indonesischen Kommunisten. In Jakarta hatten Generäle im Oktober 1965 die Macht an sich gerissen, um den Linkskurs der Regierung unter Präsident Sukarno zu stoppen. In den folgenden Monaten organisierten sie den Mord an mindestens 500.000, womöglich gar drei Millionen – tatsächlichen oder angeblichen – Mitgliedern der Kommunistischen Partei. Bundesdeutsche Stellen unterhielten zu jener Zeit enge Kontakte zu indonesischen Militärs und Geheimdienstlern und waren über die Vorgänge genau informiert. Trotzdem unterstützten sie die Militärs mit Ausrüstung sowie mit Geld. Bisher geheime Papiere des BND zeigen, dass die Generäle die Mittel nicht zuletzt für „Sonderaktionen gegen KP-Funktionäre“ benötigten. In die Abwicklung der Fördermaßnahmen war vermutlich der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt Karl Carstens involviert. Bonn trug damit – an der Seite Washingtons – zum damaligen „Systemkonflikt“ in Südostasien bei.

Systemkonflikt in Südostasien

Hintergrund der Unterstützung des Westens für den Putsch in Indonesien waren die Bestrebungen, im Systemkonflikt in Südostasien Positionsgewinne zu erzielen. In ihrem Kampf gegen den Kommunismus führten die Vereinigten Staaten damals in Vietnam Krieg; die US-amerikanische „Dominotheorie“ besagte, man müsse dort unbedingt siegen, um die dominoartige Ausbreitung des Kommunismus in weitere Länder der Region zu verhindern. Westliche Strategen hatten dabei auch Indonesien im Blick. Das Land hatte sich nach seiner Unabhängigkeit von der niederländischen Kolonialmacht außenpolitisch eigenständig zu positionieren versucht; Präsident Sukarno war maßgeblich an der Gründung der Blockfreienbewegung im Jahr 1955 in Bandung unweit Jakartas beteiligt gewesen. Zudem erstarkte in Indonesien die Kommunistische Partei (Partai Komunis Indonesia, PKI); mit schließlich bis zu drei Millionen Mitgliedern wurde sie in Washington, aber auch in Bonn als ernste Bedrohung westlicher Interessen eingestuft. Nicht nur US-amerikanische, auch bundesdeutsche Stellen unterhielten zugleich gute Beziehungen zu Militär und Geheimdienst Indonesiens; während etwa indonesische Militärs Anfang der 1960er Jahre in der Bundesrepublik ausgebildet wurden, residierte mit Rudolf Oebsger-Röder ein einstiger SS-Standartenführer im Reichssicherheitshauptamt als Mitarbeiter des BND in Jakarta. Oebsger-Röder betätigte sich dort zugleich als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung sowie die Neue Zürcher Zeitung (german-foreign-policy.com berichtete [1]).

„Abschlachten von Kommunisten“

Bundesdeutsche Stellen standen entsprechend bereit, als die indonesischen Militärs im Oktober 1965 die Macht an sich zu reißen begannen. Anlass war ein – rasch in sich zusammengebrochener – Umsturzversuch in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1965, der vor allem das Ziel hatte, einen befürchteten Putsch rechter Militärs zu verhindern. Diese schlugen darauf mit größter Brutalität zurück. Die Botschaft Bonns in Jakarta war frühzeitig über die Pläne der Militärs und über den massenmörderischen Charakter ihrer Operationen informiert, die nicht nur darauf zielten, die Umstürzler festzunehmen, sondern vor allem darauf, die PKI zu vernichten. So wurde die bundesdeutsche Botschaft bereits am 11. Oktober, wie es in einem US-Bericht heißt, von einem „vertrauenswürdigen deutschen Geschäftsmann“ in Kenntnis gesetzt, die Generäle in Jakarta zögen es in Betracht, Präsident „Sukarno zu stürzen“.[2] Ein auf den 3. November 1965 datierter interner BND-Bericht, aus dem das Informationsportal t-online am gestrigen Montag Auszüge publizierte, schildert das Vorgehen der indonesischen Militärs sowie von Freiwilligenmilizen gegen die PKI. „Auf Mittel- und Ostjava erfolgte zunächst ein regelrechtes Abschlachten von Kommunisten“, hieß es in dem BND-Bericht: „Man lässt zumindest seitens der Armeeführung diesen … Geschehnissen bewusst freien Lauf“. „Selbstverständlich“ seien „die vielen antikommunistischen Aktionen … von der Armeeführung sorgfältig vorbereitet“ worden.[3] Indonesische Offiziere waren zuvor – nicht zuletzt mit Hilfe von US-Handbüchern – in US-Methoden der Aufstandsbekämpfung trainiert worden.[4]

„Sonderaktionen“

Wenige Tage später traten die indonesischen Generäle mit dem Gesuch um Unterstützung an die Bundesrepublik heran. Für die „Fortsetzung der … antikommunistischen Säuberungsaktion“ bäten sie um 1,2 Millionen D-Mark „in bar“, heißt es in einem Dokument aus bislang geheimen BND-Beständen, aus dem t-online gestern gleichfalls zitierte. Die Mittel würden „hauptsächlich … zur Durchführung von gesteuerten Demonstrationen“ und „für Sonderaktionen gegen KP-Funktionäre“ benötigt, außerdem zur Herstellung von „antikommunistische[m] Propagandamaterial“. In dem BND-Dokument heißt es dazu, „eine etwaige Hilfe der vorgesehenen Art“ könne, sollte sie öffentlich bekannt werden, „für den Geldgeber wie auch für den Empfänger kaum übersehbare Folgen haben“; sie dürfe deshalb allenfalls „unter schärfster Abschirmung der Übermittlungswege“ erfolgen.[5] Tatsächlich findet sich auf dem Dokument der Vermerk: „Abgelehnt [wegen, d. Red.] Nichteinmischung“. Allerdings deutet alles darauf hin, dass die gewünschte Unterstützung geleistet wurde. So berichtete der damalige BND-Präsident Gerhard Wessel am 21. Juni 1968 vor dem Vertrauensgremium des Bundestages, die „Verbindungen zum indonesischen strategischen ND“ (Nachrichtendienst) hätten die „Unterstützung (Berater, Geräte, Geld) des indonesischen ND und militärischer Sonderorgane“ durch bundesdeutsche Stellen ermöglicht – „bei Zerschlagung der KPI (und Entmachtung Sukarnos – Steuerung und Unterstützung von Demonstrationen)“ (german-foreign-policy.com berichtete [6]).

Sondermittel

Nicht belegt ist, wie die von Wessel bestätigte „Unterstützung“ vereinbart und abgewickelt wurde. Zuweilen ist darauf hingewiesen worden, dass zweieinhalb Wochen nach Eingang der Bitte, am 26. November 1965, der indonesische Brigadegeneral Achmed Sukendro in Bonn empfangen wurde – vom damaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt und späteren Bundespräsidenten Karl Carstens. Sukendro, Chef des indonesischen Heeresnachrichtendienstes, galt als zentraler Verbindungsmann zwischen den indonesischen Generälen und der CIA sowie weiteren westlichen Geheimdiensten. Auch deutsche Stellen hielten große Stücke auf ihn; bei ihm handle sich, urteilte etwa der damalige Botschafter Bonns in Jakarta, um „einen der fähigsten und energischsten Antikommunisten“. Der Botschafter teilte Carstens vor dessen Treffen mit Sukendro mit, dieser habe ihm „schon vor Monaten“ berichtet, „die Armee warte nur auf den Vorwand, die Kommunisten zu vernichten“.[7] Bei t-online heißt es nun, Dokumente legten die Vermutung nahe, Carstens könne anlässlich seines Gesprächs mit Sukendro flexible „Sondermittel“ für die indonesischen Generäle freigegeben haben.[8] Dass Carstens damals in verdeckte Waffengeschäfte mit BND-Beteiligung involviert war, ist belegt.[9]

„Mit freundlichem Wohlwollen“

Bonn hat seine Unterstützung für die indonesischen Generäle fortgesetzt – ungeachtet des Massenmords, den indonesische Militärs und diverse Milizen damals verübten. Am 14. Dezember berichtete der deutsche Botschafter in Jakarta in einem Schreiben in die deutsche Hauptstadt, es seien bei Operationen der Streitkräfte sowie bewaffneter Banden mittlerweile mindestens 128.000 Menschen getötet und einige hunderttausend interniert worden. Tatsächlich brachten Militärs und Milizen ab Oktober 1965 mindestens 500.000 Menschen um, die der PKI angehörten bzw. der Mitgliedschaft oder auch nur gewisser Sympathien für die Partei verdächtigt wurden. Manche Schätzungen gehen sogar von bis zu drei Millionen Todesopfern aus. Das Wissen um den Massenmord hielt die Bundesrepublik nicht davon ab, den Putsch auch weiterhin systematisch zu unterstützen. So sprach im Dezember 1965 ein hochrangiger Beamter des indonesischen Außenministeriums in der bundesdeutschen Botschaft in Jakarta vor und bat im Namen der Generäle um Wirtschaftshilfe: „um den anti-kommunistischen Elan des Volkes“ zu fördern, wie es in Dokumenten des Auswärtigen Amts heißt. Der Botschafter habe dem indonesischen Beamten damals versprochen, heißt es bei t-online, „die indonesischen Wünsche mit freundlichem Wohlwollen zu behandeln“.[10]

Blutiger Positionsgewinn

Tatsächlich hat die Bundesrepublik Indonesien unter General Suharto, der im Verlauf des Putschs die Macht in Jakarta übernahm und dort bis 1998 diktatorisch herrschte, auf vielfältige Weise unterstützt, so etwa mit Wirtschaftshilfe, Waffenlieferungen und geheimdienstlicher Kooperation.[11] Die bundesdeutsche Beihilfe zum Massenmord der Jahre 1965 und 1966 hatte die Weichen gestellt für einen wichtigen Positionsgewinn des Westens im südostasiatischen Systemkonflikt.

[1] S. dazu Bonn und der Putsch.
[2] Jonas Mueller-Töwe: Deutschland deckte blutigen Putsch. t-online.de 27.10.2017.
[3] Jonas Mueller-Töwe: Der Genozid und Deutschlands heimliche Hilfe. t-online.de 13.07.2020.
[4] Rainer Werning: Putsch nach „Pütschchen“. junge Welt 01.10.2015.
[5] Jonas Mueller-Töwe: Der Genozid und Deutschlands heimliche Hilfe. t-online.de 13.07.2020.
[6] S. dazu Bonn und der Putsch.
[7], [8] Jonas Mueller-Töwe: Der Genozid und Deutschlands heimliche Hilfe. t-online.de 13.07.2020.
[9] Peter Hammerschmidt: Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste. Frankfurt am Main 2014.
[10] Jonas Mueller-Töwe: Der Genozid und Deutschlands heimliche Hilfe. t-online.de 13.07.2020.
[11] Rainer Werning: Der Archipel Suharto. In: Konflikte auf Dauer? Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft. Osnabrück 2008. S. 183-199.

Quelle: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8333/


 

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8 Antworten zu Beihilfe zum Massenmord

  1. Weber Johann schreibt:

    Drei Pressemeldungen:

    1) „Neues Deutschland“ vom Dezember 1968
    De Maiziere in Indonesien
    Djakarta (ADN-Korr.). Der seit Freitag in Indonesien weilende Generalinspekteur der Bonner Bundeswehr, de Maiziere, hat am Sonnabend Gespräche mit Präsident General Suharto, dem Vorsitzenden des provisorischen Volkskongresses, General Nasution, und Außenminister Adam Malik geführt. Wie Malik vor Presse-vertretern erklärte, stand im Mittelpunkt der Unterredungen die Verstärkung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Indonesien und Westdeutschland. „Ich bat General de Maiziere um mehr Hilfe für Indonesien, und der Generalinspekteur weiß als ein Militär sehr gut, was Indonesien, das jetzt gegen den Kommunismus kämpft, braucht“, sagte der Außenminister unverblümt.“

    2) „Berliner Zeitung“ vom 18. März 1969
    Indonesischer Staatschef nach Bonn eingeladen
    Bonn/Djakarta. ADN/BZ
    Auf Einladung des Bonner Präsidenten Lübke wird der indonesische Präsident General Suharto Ende Mai der Bundesrepublik einen Staatsbesuch abstatten. Nähere Einzelheiten des Besuches teilte das Bonner Präsidialamt Montag nicht mit.“

    3) „Neues Deutschland“ vom 22. April 1969
    Bonn will Politik Djakartas honorieren
    Bonn (ADN/ND). Verhandlungen mit dem indonesischen Staatsminister für Wirtschaft, Finanzen und Industrie, Hamengko Buwana. der zu einem dreitägigen Besuch in der Bundesrepublik weilt, haben am Montag im Bonner Wirtschaftsministerium begonnen. Bis Ende 1968 hat Bonn Indonesien Kredite und „technische Hilfe“ in Höhe von 885 Millionen DM zukommen lassen. Den Besprechungen liegen Bestrebungen Bonns zugrunde, durch eine Ausdehnung der finanziellen und ökonomischen Hilfe die antikommunistische Politik der indonesischen Regierung zu honorieren. Der gegenwärtige Besuch dient gleichzeitig der Vorbereitung eines Staatsbesuches des indonesischen Staatschefs General Suharto in Westdeutschland.“

  2. tommmm schreibt:

    Harry Thürk hat darüber ein Buch geschrieben: „Indonesien ’65“

    • S. Erfurt schreibt:

      Danke Tommmm! Auf zvab.com ist noch mehr von Harry Thürk zu finden:
      Der Schwarze Monsun, Nachts weint die Sampaguita (Kampf und Niederlage der Huk auf den Philippinen) … MFG

      • tommmm schreibt:

        @ Erfurt
        Harry Thürk ist immer lesenswert. Er hat 25 Jahre in Asien als Korrespondent gearbeitet, lag mit einer Napalmvergiftung in Vietnam im Krankenhaus und schreibt natürlich sehr spannend und setzt reale Geschichte in Erzählungen um.

  3. Weber Johann schreibt:

    Liebe sascha, danke, dass Du dieses Verbrechen an den Indonesischen Kommunisten ans Tageslicht gebracht hast.

    Heute auf Rtdeutsch:
    „Antikommunistische Säuberungsaktionen“: BND unterstützte mutmaßlich Massenmord in Indonesien
    Zumindest war die passende Rechtfertigung gefunden, um das Land mit einer Terrorkampagne enormen Ausmaßes zu überziehen. 500.000 bis drei Millionen vermeintliche Kommunisten und Angehörige der chinesischen Minderheit fielen den Säuberungen und Massenmorden zum Opfer, an denen auch paramilitärische Todesschwadronen beteiligt waren.
    Wie nun aus bislang unter Verschluss gehaltenen BND-Akten hervorgehen soll, unterstützte die Bundesrepublik Deutschland das indonesische Militär bei seinem erfolgreichen Putsch, an dessen Ende Sukarno entmachtet wurde und General Suharto die Macht an sich riss. Über drei Jahrzehnte sollte Suharto mit eiserner Faust regieren und „eine Ordnung ohne Demokratie, mit Massakern, Säuberungswellen, Terror und Repression“ errichten.
    Für die Bundesrepublik war das Suharto-Regime der „kommunistischen Gefahr“ in Indonesien offensichtlich vorzuziehen. Deshalb kooperierte die deutsche Regierung mit den putschenden Militärs, um den Regime Change zu erzwingen. Gelder in Millionenhöhe wurden an die Putschisten geschleust. Vor Ort erhofften sich die Generäle laut BND-Akten, mit den Geldmitteln „antikommunistische Säuberungsaktionen“ fortsetzen zu können. Zudem benötige man die demnach 1,2 Millionen D-Mark „hauptsächlich für Sonderaktionen gegen KP-Funktionäre und zur Durchführung von gesteuerten Demonstrationen“.“
    https://deutsch.rt.com/inland/104532-antikommunistische-sauberungsaktionen-bnd-unterstutzte-mutmasslich/

    Ein Blick in die DDR-Presse.

    „Neues Deutschland“ vom 29.12.1965:
    Was geht in Indonesien vor?
     Von Peter Lorf
    Sie versuchten erst gar nicht, ihre teuflische Freude zu verbergen. „Indonesiens Armee räumt endlich mit den Kommunisten auf“, triumphierte Springers „Bild-Zeitung“. Welchen Genuß mag auch dieser Herr Weinstein, einer der Vertrauten von Strauß und seinesgleichen, beim Schreiben der folgenden Zeilen für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ gehabt haben: „Das Hotel (Intercontinental Hotel Indonesia) ist eine Oase des Luxus inmitten allgemeinen Elends. Das Personal ist gelichtet. Vor wenigen Wochen sind alle kommunistischen Boys, Kellner, Gepäckträger bei einer Razzia der Armee aus dem Hotel geholt worden. Es waren viele. Jetzt sitzen sie im Gefängnis. Blut ist viel geflossen in den letzten Wochen. 200 bis 300 Kommunisten sollen täglich in Sumatra umgebracht werden. Java hat die Metzelei, wie es heißt, hinter sich. Insgesamt 20 000 hat die Armee liquidiert. Man geht systematisch dabei vor. Oder der spornstreichs nach Indonesien geeilte DPA-Korrespondent Grudinski: „Über Bali liegt der Brandgeruch der Vernichtung“ Der Nachthimmel ist rot vom Feuerschein brennender Häuser. In den großen Flüssen treiben die Leichen.“
     All das erscheint unter großlettrigen Schlagzeilen in der westdeutschen bürgerlichen Presse. Die Sympathie mit den Urhebern des Blutbades wird nicht geleugnet.
    Die Motive dieser Sympathie sind nicht schwer zu erkennen: Erstens geht es um die Verfolgung und Ermordung von Kommunisten. Und die alten und neuen Nazis, die den Ton in der westdeutschen Presse angeben, sind da richtig in ihrem Element.
     Zweitens aber spiegelt sich hier die tiefe Zufriedenheit über die Zerschlagung der antiimperialistischen Einheitsfront in Indonesien wider. Die Bonner Politiker hoffen — Weinstein und andere Beobachter der Szene deuten das auch klar genug an — , dem Bruch der antiimperialistischen Front werde ein Abrücken Indonesiens von den Positionen des Antiimperialismus und Antikolonialismus folgen. [..]“

    Was war geschehen? Weiter im Artikel des „Neuen Deutschland“:
    „[..] Überwindung der Reaktion . .
     Im Sommer 1965 dramatisierte sich die Lage. Unter dem Druck der objektiven Erfordernisse und der zunehmenden Unruhe der Volksmassen wurde sich auch die indonesische Führung darüber klar, daß mit weiteren Kompromissen nichts mehr gerettet werden könnte. So kündigte Präsident Sukarno an, er werde das Steuer herumreißen“. Als unaufschiebbare Maßnahmen bezeichnete er:
    1.) Nationalisierung aller ausländischen Besitzungen; die Bildung gemischter Indonesisch-ausländischer Unternehmungen ist künftig verboten;
    2.) Verstaatlichung des gesamten Außenhandels;
    3.) Registrierung und Erfassung aller Privatbetriebe und Verbot der Reprivatisierung von Staatsbetrieben;
    4.) Bildung von Arbeiterräten mit Kontrollbefugnissen in den Unternehmen;
    5.) Durchführung der — schon lange beschlossenen — Bodenreform bis 1966;
    6.) Todesstrafe für Spekulanten.
    Es liegt auf der Hand, daß die Verwirklichung dieser Maßnahmen für die Entwicklung der indonesischen und Gesellschaft günstige Folgen gehabt und die Unabhängigkeit des Landes wesentlich gestärkt hätte.
    Auf jeden Fall erkannte die Reaktion, daß ihre Pläne unmittelbar gefährdet waren. Sie rief ihre ausländischen Spießgesellen (besonders in den USA) zu Hilfe und formierte ihre Kräfte. Organisatorisch führendes Zentrum wurde ein „Rat der Generale“.
    Der Utung-Putsch
     So zeichneten sich im Spätherbst; die Konturen immer schärfer. Die Kräfte polarisierten sich. Der Zusammenstoß hing in der Luft. Progressive Gruppen meinten — ohne exakt über die Pläne der Reaktion Informiert zu sein — es rieche nach einem „zweiten Madium“ (Reaktionäre Armeekreise hatten 1948 in der Madium-Affäre die fortschrittlichen Kräfte provoziert, um schonungslos gegen die KPI vorgehen zu können. Die führenden Kader der Partei und mehr als 30 000 Genossen wurden damals ermordet).
    In diese Situation fiel am 30. September der Militärputsch des Oberstleutnants Utung. In der ersten Verlautbarung dieser Gruppe hieß es, mit dem Putsch sei einem für Oktober geplanten Staatsstreich der reaktionären Generale und des CIA zuvorgekommen. Es kam zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen Einheiten der Palastgarde Utungs und eilends aus dem ganzen Land zusammengezogenen überlegenen Truppenteilen unter Führung der Generale Nasution und Suharto.[..]“

  4. … und immer wieder begegnet einem der Name de Maizière

  5. Pingback: Der faschistische Putsch in Indonesien (1966) – Wichtige Lehren aus der Geschichte | Sascha's Welt

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