Karlheinz Friedrich: „Der Sport und erfolgreiche DDR-Sportler“

SportabzeichenDer Sport gehörte in der DDR bei fast allen Menschen zu einem sinnvollen, zumeist organisierten und gemeinschaftlichen Zeitvertreib, der nicht nur Ausdauer und Disziplin festigte, sondern darüber hinaus noch Spaß und Freude bereitete. Schon von klein auf wurden die Kinder an körperliche Bewegung und sportliche Übungen herangeführt, Sport gehörte zum Schulalltag, zum Freizeitvergnügen und in fast allen Betrieben waren sportliche Wettkämpfe ein beliebter Teil der kollektiven Freizeitbeschäftigung. Schon Walter Ulbricht ging als Staatsratsvorsitzender voran und weilte oft mit seiner Ehefrau, mit Freunden und Genossen zum Skifahren in Oberwiesental. Hier entstanden tiefe, feste Freundschaften und bildeten sich sozialistische Persönlichkeiten heraus. Darüber schrieb unser Autor Karlheinz Friedrich im Jahre 1983:

Sportliche Eltern und deren Kinder in der DDR

Tanja Köste

Eine kleine Turnerin namens Tanja Köste errang 1981 in Leipzig ihre ersten Spartakiademedaillen. Die achtjährige Tochter des Pferdsprungolympia­siegers von 1972, Klaus Köste, folgte damit ihren äl­teren Brüdern Matthias und Michael nach, die sich als Turner ebenfalls den Vater zum Vorbild nah­men. Jan Schur, Täves 20jähriger Sohn, träumt da­von, bald einen Platz in einer DDR-Friedensfahrt­mannschaft zu erhalten. Ähnliche Hoffnungen ma­chen sich Uwe Ampler, Andreas Lux und Frank Stolper, deren Väter einst zu unseren Radsportgrö­ßen gehörten. Kerstin Hoffmeister, die 15jährige Tochter unserer Weltklasse-Mittelstrecklerin der siebziger Jahre, Gunhild Hoffmeister, folgt in der Leichtathletik den Spuren ihrer Mutter. Dies sind nur einige Beispiele von vielen. In den Startlisten der Kinder- und Jugendspartakiaden der DDR stehen heute in vielen Sportarten schon die Kinder ehemaliger Spitzenathleten. So errang bei der Kreisspartakiade 1981 in Berlin-Weißensee die damals zehnjährige Peggy Beer – Tochter des Olympiazweiten im Weitsprung 1968, Klaus Beer – zwei Siege. Sie gewann den 800-m-Lauf in der DDR-Rekordzeit von 2:33,9 min und den Weit­sprung mit 4,55 m. Ihr Bruder Ron Beer gehört be­reits zu den besten Weitspringern in der Jugend­klasse. Janina Wirth, unsere 16jährige Junioreneu­ropameisterin 1982 im Eiskunstlauf, ist die Tochter des früheren Fußballnationalspielers Günter Wirth. Niemand drängte die jungen Sportler, zu laufen, zu turnen oder in den Rennsattel zu steigen. Doch das Vorbild der Eltern, deren Berichte von großen sportlichen Erlebnissen und die Atmosphäre in den Familien haben viel dazu beigetragen, daß in den Sprößlingen der Wunsch erwachte, gleichfalls nach hohen sportlichen Leistungen zu streben.

Sportliche Väter – sportliche Söhne

Nemeth Alexandre

Miklos Nemeth (Ungarn), Speerwurf-Olympiasieger 1976 {oben) und Marcello Alexandre {Argentinien), Junioren­weltmeister 1981 im Bahnradsport, wandeln sportlich auf den Spuren ihrer Väter

In der Sportgeschichte gibt es viele Beispiele da­für, daß Kinder prominenter Athleten später eben­falls im Sport erfolgreich waren, wenn auch nicht immer in den gleichen Disziplinen. Der Ungar lmre Németh wurde 1948 und 1952 Olympiasieger im Hammerwerfen, sein Sohn Miklós gewann 1976 in Montreal Olympiagold im Speerwerfen. Der unga­rische Fechter Aládár Gerevich hat zwischen 1932 und 1960 sechsmal an Olympischen Spielen teilge­nommen und dabei siebenmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze gewonnen. Sein Sohn Pál wurde 1972 Olympiadritter mit Ungarns Mann­schaft im Säbelfechten. Auch Támás Kovács, Sohn des mehrfachen Olympiasiegers Pál Kovács, errang 1968 in Mexiko und 1972 in München jeweils die Mannschaftsbronzemedaillen mit. Daß die Vä­ter von Támás Kovács und Pál Gerevich weitaus er­folgreicher gewesen sind als ihre Söhne, tut nichts zur Sache:

Es gibt Beispiele dafür, daß Väter und Söhne so­gar in einer Olympiamannschaft standen und zu Medaillenehren kamen. So wurde 1976 Australiens Reiterquartett Dritter in der Mannschaftswertung bei der Großen Vielseitigkeitsprüfung. Am Erfolg beteiligt waren der damals 62jährige Farmer Wil­liam Roycroft und dessen 30jähriger Sohn Wayne. Schon acht Jahre zuvor hatten die Roycrofts bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt in der gleichen Disziplin die Bronzemedaille mit er­kämpft. Doch der Ruhm, die erfolgreichste Vater-Sohn-Mannschaft der olympischen Geschichte zu sein, gebührt zwei schwedischen Schützen. Oscar Gomer Swahn und sein Sohn Alfred errangen bei drei Olympischen Spielen – 1908 in London, 1912 in Stockholm und 1920 in Antwerpen – insgesamt viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Sie starteten in der Disziplin Schießen auf den lau­fenden Hirsch, und immer standen dabei Vater und Sohn in einer Mannschaft. Nach zwei Siegen in London und Stockholm reichte es für die Schwe­den in Antwerpen nur zu Platz 2 hinter Norwegens Mannschaft. Aber diese Silbermedaille und dazu einen zweiten Rang in der Einzelwertung erkämpfte Oscar Gomer Swahn im stattlichen Alter von 72 Jahren. Eine so außergewöhnliche Erscheinung wie diesen „Schieß-Opa“ mit seinem wallenden weißen Bart hat es seitdem in der olympischen Arena nicht wieder gegeben.

Die Vorbilder der jungen Sportler

Es ist normal, daß Kinder erfolgreicher Athleten ebenfalls den Drang verspüren, sportlich etwas zu leisten.

„Vaters Trophäen zu Hause, alles, was ich über den Radsport erfuhr, meine Eindrücke als Zu­schauer – das alles hat in mir eine solche Begeiste­rung entfacht, daß ich mich unbedingt in dieser Sportart versuchen wollte.“

So beschrieb der heute 22jährige Karl-Marx-Städter Frank Stolper in einem Zeitungsinterview all das, was ihn moti­vierte, dem Beispiel seines Vaters zu folgen. Hel­mut Stolper, heute Erzieher in der Karl-Marx-Städ­ter Kinder- und Jugendsportschule, gehört zu jenen Radsportlern, die Anfang der fünfziger Jahre die DDR bei der Friedensfahrt repräsentierten.

Radsportler

Uwa Adler, Andreas Lux, Uwe Ampler und Jan Schur (vordere Reihe von rechts) die Söhne früherer Radsportasse

Warum waren DDR-Sportler in der Welt so erfolgreich?

Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen, heißt es im Volksmund. Doch ob Kinder er­folgreicher Athleten später ebenfalls sportliche Höchstleistungen vollbringen können, das hängt von vielen Voraussetzungen ab. Sportwissen­schaftler der DDR haben im Zusammenwirken mit Trainern einen Katalog von Vorbedingungen für große sportliche Leistungen erarbeitet. In seinem 1981 im Sportverlag erschienenen, Buch „Psychologie zwi­schen Start und Ziel“ hat sie der Autor Dr. Frank Schubert wie folgt beschrieben:

„Ein hervorragender Sportler muß

  1. von Geburt an über entsprechende biologische Anlagen verfügen,

  2. von klein auf in einer Umwelt aufwachsen, die seine allgemeine gesundheitliche körperliche und geistige Entwicklung fördert (das ist aber nur ein Teil des großen und wichtigen Komplexes äußerer Entwicklungsbedingungen, und bereits Epidermos verwies darauf: ,Übung ergibt mehr als gute natür­liche Anlage‘),

  3. in einem bestimmten Alter mit systematischem Training beginnen, um seine körperlichen und psy­chischen Leistungsvoraussetzungen zu vervoll­kommnen,

  4. von klein auf entsprechende Fähigkeiten (wie Kommunikationsfähigkeit, Spielfähigkeit, Denkfä­higkeit usw.) ausbilden, was natürlich eine entwicklungsfördernde Umgebung und zielgerichtete Tä­tigkeit voraussetzt,

  5. rechtzeitig mit dem Erlernen der sportlichen Technik beginnen und eine wissenschaftlich be­gründete Ausbildung erhalten.“

Nicht jeder kann Olypiasieger werden

Es reicht also bei weitem nicht aus, wenn die El­tern das Beispiel geben und in ihren Kindern das sportliche Interesse wecken. Doch eine wichtige Vorbedingung für spätere Erfolge ist es schon, wenn in den Kindern frühzeitig das Bedürfnis nach Sport und Spiel erwacht und gefördert wird. Nicht jeder Sportler kann Olympiasieger. werden.

Aber der Sport“, so meint der einstige zweifache Welt­meister im Straßenradsport Gustav Adolf Schur, „ist doch ein herrllches Betätigungsfeld, um Kör­per und Charakter zu bilden und viele gute Eigen­schaften zu entwickeln, die auch auf anderen Ge­bieten des Lebens von Bedeutung sind, wie Aus­dauer, Zielstrebigkeit, Kraft und körperliche Ge­wandtheit, Selbstdisziplin, Kollektivgeist usw. Viele glauben, daß man als Sportler geboren wird. Doch das stimmt so nicht. Zum Sportler wird mar in erster Linie erzogen. Talent und natürliche Veran­lagung spielen natürlich eine Rolle, besonders für die Wahl einer Sportart. Doch wie weit man es da­bei bringt, das hängt vor allem davon ab, welche Anforderungen man an sich stellt.“

Erfolgsrezept = 10% Anlage + 90% harte Arbeit

Täves Meinung deckt sich mit einer empirische Gleichung, die der schon zitierte Sportpsychologe Dr. Frank Schubert an anderer Stelle seines Bu­ches nennt: Sportliche Leistung = 10% Anlage und 90% harte Arbeit. Dies gaben unsere früheren Rad­sportasse auch ihren Söhnen mit auf den Weg. In­zwischen haben Uwe Ampler und Andreas Lux den Juniorenweltmeistertitel im 70 km-Mannschafts­zeitfahren mit erkämpft, Jan Schur war 1981 Dritte der DDR-Einzelmeisterschaft der Senioren. Alle drei hatten sich vorher als Schwimmer versucht, ehe sie sich dem Radsport zuwandten – nicht ge­drängt, doch mit Rat und Tat unterstützt von ihren Vätern.

Schur

Täve Schur mit seinem Sohn Jan, der heute als Staßenradsportler im SC DHfK Leipzig dem Vater nacheifert

Vielfältige Wege zum Erfolg

Zum Sport führen viele Wege. Oft spielen Zufälle eine Rolle oder auch bestimmte regionale Bedin­gungen. Es gibt sogenannte Radsporthochburgen oder Ringerdörfer, wo sich die Jugendlichen in er­ster Linie den dort alteingesessenen Sportarten zu­wenden. Der Ort Albrechts in Thüringen ist ein sol­ches traditionelles Zentrum des Ringkampfsports. Auch hier gibt es ein bekanntes Beispiel der Vater-Sohn-Erfolge: Der vielfache frühere DDR-Meister Herbert Albrecht fand einen würdigen Nachfolger in seinem Sohn Fredy, der ebenfalls zur DDR-Spit­zenklasse vorstieß. Bei der Dresdener Florettfech­terin Mandy Nikolaus-Dick haben nicht die Eltern, sondern die Großeltern für die Wahl der Sportart Pate gestanden, denn sie hatten mit ihren Berich­ten über ihre eigene aktive Fechtlaufbahn in der En­kelin das Interesse dafür geweckt.

Von Waleri Borsow, dem Sprint-Doppelolympia­sieger von 1972, wurde berichtet, er habe als Junge in seinem Heimatdorf Nowaja Kachowka in der Ukraine den Weg zur Schule in knöcheltiefem Sand zurücklegen müssen. Wenn er rannte, sank er weni­ger tief ein. Das nutzte er aus, und als er später bei einem Schulwettkampf auf einer Aschenbahnstar­tete, war er der Schnellste. Seine Sprintbegabung wurde durch zufällige Umstände gefördert, doch was ihm letztlich den Weg zu seinen großen Erfol­gen bahnte, war das spätere systematische und wissenschaftlich fundierte Training.

Der Gewichtheber-Weltrekordler und Weltmei­ster 1981 im Leichtgewicht, Joachim Kunz, war vor Jahren als Turner zum Sportklub Karl-Marx-Stadt gekommen. Sein Vater, Übungsleiter und selbst eifriger Turner in der BSG Fortschritt Lichtenstein, hatte ihn für diesen Sport begeistert. Doch als der Junge später als Turner nicht mehr so recht voran­kam, steckte er eines Tages seine Nase in die Ge­wichtheberhalle. „Bringst du diese Hantel hoch?“ fragte ihn einer der Trainer und wies auf eine Last von 42 kg. Joachim Kunz schaffte es, obwohl er da­mals selbst nur 42 kg wog. Es wurde aus dem Tur­ner der Gewichtheber Kunz – und dem Vater da­heim in Lichtenstein war’s am Ende recht. Auch die beiden „Turnväter“ Guido Janz in Hartmannsdorf und Helmut Radochla in Döbern in der Lausitz brachten ihren Töchterri Karin und Birgit die ersten K,niffe an den Geräten bei – eine Grundlage, auf der spätere Trainer aufbauen konnten.

Gregor

Bärbel und Horst-Günter Gregor, Spitzenschwimmer früherer Jahre vererben Talent und Begeisterung auf ihren Sohn Jens, der ebenfalls zu den besten schwimmsportlern der DDR zählte

Als Zweijähriger lernte Jens Gregor schwimmen. Sein Vater Horst-Günter Gregor gewann 1964 in To­kio und 1968 in Mexiko insgesamt drei olympische Silbermedaillen in den Staffeln mit. Seine Mutter war unter ihrem Mädchennamen Bärbel Walter eine Weltklasse-Brustschwimmerin. »In einer Familie, wo sich alles um diesen Sport dreht, ist es nicht verwunderlich, wenn sich auch die Kinder da­für interessieren«, meint der Vater, der in Leipzig als Bauingenieur tätig ist.

Wir haben von Jens nicht verlangt, Schwimmer zu werden. Das wäre auch grundfalsch gewesen. Sport muß Spaß ma­chen, und zur Leistung gehört eben auch die stän­dige Freude am Training und Wettkampf, die von Erfolgserlebnissen gekrönt wird.“

Als er dreizehn war, gewann Jens acht Goldmedaillen bei der Kin­der- und Jugendspartakiade 1977 in Leipzig. Mit sechzehn Jahren wurde er hinter Jörg Woithe DDR-Vizemeister über 200 m Freistil. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 1984. Vielleicht gelingt es ihm, zwanzig Jahre nach seinem Vater einer DDR-Olympiastaffel anzugehören.

Jutta Müller

Als Trainerin führte Jutta Müller ihre Tochter Gabi Seyfert (und später auch Katarina Witt) zur Weltspitze im Eiskunstlauf

Jutta Müller, seit Jahren eine international hoch­geschätzte Trainerin, hat einst in ihrer Tochter Gabi Messerschmidt-Seyfert das Interesse am Eiskunst­lauf geweckt, ihre Begabung gefördert und sie schließlich zum Weltmeistertitel geführt. Von der polnischen Weltklassesprinterin und vielfachen Olympiasiegerin lrena Szewińska hörte man, ihr jetzt zwölfjähriger Sohn Andrzej sei sportlich be­gabt. Auf die Frage, ob auch er einmal Sprinter werde, antwortete sie:

Gefallen würde es mir, doch vorerst geht er nach Jahren Pingpong zum Volleyball. Er ist schon 1,69 m groß, sehr sprung­kräftig. Ich denke, das Volleyballtraining könnte eine gute Grundlage für eine Leichtathletiklauf­bahn bilden.“

Ob Väter, Mütter oder Geschwister zu sportli­chen Leitbildern für tatendurstige Kinder werden, bleibt letztendlich gleich. Entscheidend ist, daß sie in einem Milieu heranwachsen, in dem sie ihre Fä­higkeiten voll entfalten können. Sportliche Zwil­linge z.B. sind nicht selten, auch wenn nicht alle solche Erfolge erringen können wie die Ruderolym­piasieger Jörg und Bernd Landvoigt oder die Turn­brüder Michael und Jürgen Nikolaj. Ein ganz außer­gewöhnliches Beispiel für Weltspitzenleistungen von Geschwistern im Sport vollbrachten die schwe­dischen Brüder Gösta, Erik, Sture und Thomas Pet­tersson, die dreimal hintereinander Weltmeister im 100 km-Mannschaftszeitfahren wurden.

Der Pet­tersson-Vierer ließ 1967 in Heerlen (Niederlande), 1968 in Montevideo und 1969 in Brno den Konkur­renten keine Chance. Schon 1964 hatten drei der Pettersson-Brüder zusammen mit Sven Hamrin Olympiabronze geholt. Wie sie dazu kamen, Rad­rennfahrer zu werden, das erklärte Gösta, der Älteste, in einem Interview mit den Worten:

„Vielleicht war es so, daß ich meine Brüder einfach mitriß. Sie sahen meine guten Ergebnisse und wurden so wie ich mit Leib und Seele Radsportler.“

Inzwischen tritt schon die nächste Pettersson-Generation in die Pedalen. Göstas Söhne, sechzehn und dreizehn Jahre alt, haben das Training aufgenommen, und vielleicht folgen auch die Jungen von Sture, Erik und Thomas ihrem Beispiel.

Wer ist eigentlich für den Sport begabt?

In einem Beitrag für die „Leipziger Volkszeitung“ („Begabt – ist das nicht jeder?“ LVZ vom 31.10.1981) untersuchten Dr. Gerlinde Mehlhorn und Dr. Hans-Georg Mehlhorn Möglichkeiten, Be­gabungen zu finden und zu entwickeln. Darin heißt es:

Begabte Menschen unterscheiden sich von an­deren darin, daß sie auf einem bestimmten Gebiet bessere Persönlichkeitsvoraussetzungen für hohe Leistungen besitzen als andere, das kann auf ma­thematischen oder naturwissenschaftlichen Gebie­ten sein, auf einzelnen gsellschaftswissenschaftli­chen, sprachlichen, fremdsprachlichen oder tech­nischen, aber auch auf kulturell-künstlerischen, sportlichen und anderen … Solche besonders gu­ten Persönlichkeitsvoraussetzungen sind das Re­sultat des gesamten bisherigen Entwicklungspro­zesses und nicht nur – wie man früher vielfach glaubte – das Resultat angeborener, ererbter Fak­toren.“

Die Entwicklung einer Begabung, so mei­nen die Autoren, erfordert allerdings „…die Gele­genheit und die Anregung zu weiteren Tätigkeiten auf diesem Gebiet. Diese müssen aber dem bisheri­gen Entwicklungsstand angepaßt sein, ihren Inter­essen entsprechen, bewältigt werden können, doch zugleich Schwierigkeiten bereiten, zu deren Überwindung ein normales Maß an Anstrengungen nicht ausreichen würde“.

DDR: „Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport!“

Also Förderung durch Forderung! Darin liegt auch der Schlüssel zu sportlichen Erfolgen. In der DDR nehmen heute nahezu alle Schüler und Ju­gendlichen an Spartakiadewettkämpfen teil, etwa 70% von ihnen sind in Schulsportgemeinschaften oder in Sportgemeinschaften des DTSB organi­siert. Dabei wird jedem die Möglichkeit gegeben, seine Begabung zu erkennen, zu entwickeln und so seine Leistungsvoraussetzungen systematisch zu verbessern. Aus der Masse der Spartakiadeteilneh­mer wachsen die Olympiakämpfer von morgen heran, die in den Spitzenathleten ihre Vorbilder se­hen und ihnen nacheifern. Ganz gleich, wie weit es jeder einzelne dabei bringt – der Sport ist eine Schule fürs ganze Leben.

Quelle:
Urania-Universum 29/1983. Urania-Verlag, Leipzig/Jena/Berlin, S.272-279.

Siehe auch:
Prof. Dr. Dr. Siegfried Israel: Leistungssport in der DDR – ein positives Phänomen


Nachbemerkung:
Was hier Karlheinz Friedrich 1983 über den Sport in der DDR schreibt, hat nichts, aber auch gar nichts mit den verleumderischen Lügengeschichten zu tun, die heute eine ehemalige, wenig erfolgreiche, ja – eher mittelmäßige, DDR-Sportlerin namens Geipel über unseren DDR-Sport verbreitet. Lügen über die DDR werden heute in der BRD gut honoriert – mit Professorentiteln, hohen Buchauflagen, gutbezahlten Vortragsreisen vor meist westdeutschem Publikum und zahlreichen Geldzuwendungen aus Steuermitteln. Dieser Leserbetrug findet nur deshalb statt, um fortzusetzen, was die westdeutsche Bourgeoisie schon immer tat: den Sozialismus verleumden und mit Schmutz und Lügen überschütten. Doch die Wirklichkeit sah eben doch völlig anders aus…

 

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6 Antworten zu Karlheinz Friedrich: „Der Sport und erfolgreiche DDR-Sportler“

  1. S. Erfurt schreibt:

    Ja, wir hatten viele Sportstätten, besonders die Feibäder! Die wurden nicht einmal abgewickelt sondern einfach plattgemacht, so wie das Freibad Neustadt/Kahlert am Rennsteig mit der Planierraupe. Die nächtgelegenen Freibäder waren bei Altenfeld, bei Frauenwald und bei Gießübel, keine 15 km weit auseinander, allesamt sportliche 50-Meter-Becken in herrlicher Mittelgebirgslage im Thüringer Wald. Glückliche Zeiten hatten wir, jede Wanderung im Thüringer Wald war im einem Sprung ins kalte Naß verbunden und heute? Da heißen die paar Bäder die es noch gibt nicht mehr Freibäder sondern Schwimmbäder, auf Gutwestdeutsch versteht sich.

    Und wenn die großen Ferien vorbei waren, stets war die erste Frage, welche Schwimmstufe haste gemacht oder haste auch das Sportabzeichen gemacht im Ferienlager….. achja, unsere Ferienlager, die hatten sogar ihre eigenen Freibäder.

    Sport frei!

  2. Johann Weber schreibt:

    Liebe Sascha, vielen Dank für dieses Thema. Man kann nicht oft genug über den so erfolgreichen DDR-Sport schreiben bzw. sprechen. Mit dem Abgang von Geipel als Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe ist diese „DDR-Zwangsdoping-Kampagne“ in sich zusammengebrochen. Das „DDR-Zwangsdoping“, das es nie gegeben hat, ist mit Frau Geipel auf dem Müllhaufen der Doping-Geschichte gelandet.

    S. Erfurt, ich freie mich jedes Mal wenn ich über Lebenserfahrungen von DDR-Bürgern lesen kann.

    Warum der DDR-Sport so erfolgreich war, ist der DDR-Verfassung zu verdanken. Die DDR-Bürger hatten nach Artikel 25 folgendes Recht:
    „(3) Zur vollständigen Ausprägung der sozialistischen Persönlichkeit und zur wachsenden Befriedigung der kulturellen Interessen und Bedürfnisse wird die Teilnahme der Bürger am kulturellen Leben, an der Körperkultur und am Sport durch den Staat und die Gesellschaft gefördert.“

    So und wie sah die Sportförderung bei uns in der Alt-BRD aus.
    Am 1.12.1967 fand im Deutschen Bundestag zum ersten Mal eine Sportdebatte statt. Ich zitiere Dr. Müller (München) (SPD) : „Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir Sozialdemokraten begrüßen außerordentlich, daß nach 18 Jahren zum erstenmal eine Sportdebatte hier in diesem Hause stattfindet.“
    Ich schließe daraus, die Sportförderung bei uns, war den Alt-BRD-Regierungen nicht so wichtig.

    Weiter möchte ich den FDP-Abgeordneten Kubitza zitieren. Kubitza beschrieb den erbärmlichen Zustand des Sport in der Alt-BRD:
    „Kubitza (FDP)

    Ich habe nicht den Eindruck, daß unsere Kultus- und Finanzgewaltigen wissen, welche Bedeutung Spiel und Sport für die menschliche Existenz haben, und daß gerade das Kind das Spiel und den Ort dazu braucht, wenn man seinen Gegebenheiten gerecht werden will. Zu Hause darf es nicht spielen, weil der Vater, die Untermieter oder die Nachbarn gestört werden. Das Spielen im Treppenhaus verbietet die Hausordnung. Das Spielen auf der Straße verbietet die Polizei oder zumindest die Gefährdung durch den Verkehr. Das Betreten der Grünflächen in den Anlagen ist verboten. Ich fordere alle Gemeinden und Städte auf, dem Beispiel Kölns, Frankfurts und weniger anderer Städte zu folgen, wo es — insbesondere in Köln — keine Grünanlagen mehr gibt, die nicht betreten werden dürfen. Wir können uns den Luxus von Grünanlagen allein um der Schönheit willen nicht mehr leisten, wenn damit immer mehr den Kindern jeder Bewegungs- und Lebensraum genommen wird.

    Wer sich über die wachsende Aggressivität jugendlicher Banden wundert, sollte sich genau fragen, wo denn ihr Bewegungsdrang als Kinder gestillt werden konnte. Erfahrene Kriminalisten sagen, daß die Triebfeder jugendlicher Bankräuber in einem starken Abenteuerdrang zu suchen sei, den die Heranwachsenden nicht auf eine harmlose Art austoben konnten. Es genügt heute nicht mehr, den 08/15-Spielplatz mit Sandkasten und Schaukel zu bauen, sondern das Angebot muß differenzierter sein, z. B. mit Robinson-Spielplätzen, die allen Altersstufen das ihnen gemäße Austoben sichern. Leider gilt für viele das Spiel immer noch als unnötig und überflüssig. Es hat sich noch nicht herumgesprochen, daß man ohne Schaden für die Entwicklung des Kindes nicht darauf verzichten kann.

    Meine Damen und Herren! Die Bemühungen, unseren Spitzensportlern durch Schaffung von Forschungs-, Leistungs- und Trainingszentren optimale Vorbereitungsmöglichkeiten zu geben, sind um einiges vorangekommen. Zehn Trainingszentren der Verbände sind fertiggestellt oder befinden sich wenigstens im Bau, acht weitere werden geplant. Die Gesamtkosten bewegen sich zwischen 55 und 60 Millionen DM. Sie werden durchweg von Bund, Land und Gemeinde zu gleichen Teilen getragen. Die Frage der Unterhaltungskosten ist in den meisten Fällen ungeklärt.“

    Geht es noch erbärmlicher, 10 Trainingszentren wurden fertiggestellt oder befinden sich im Bau, acht weitere sind geplant, die Frage der Unterhaltskosten ist in den meisten Fällen ungeklärt.

    Die menschenverachtende „DDR-Zwangsdoping-Kampagne“ wollte den DDR-Sport delegitimieren.

    Ein Blick aus dem Ausland zeigt jedoch eine andere Sichtweise. Ex-Dopingdealer Stefan Matschiner im Gespräch mit Hans Holdhaus Anti-Doping-Experte, Mitglied der WADA Austria in einer Diskussionsrunde „Talk of down – Thema: Ist Leistungssport ohne Doping noch möglich?“ im österreichischen Fernsehsender Plus4.

    Matschiner sagt in dieser Diskussion:
    „Es muß einmal festgehalten werden, daß man eine Spitzenleistung nicht auf Doping allein reduzieren darf. Gebe es kein Doping im Spitzensport, hätten wir immer noch die selben Sieger, wenn wirklich alle gleich wären. Hätte es in den 70-iger und 80-iger Jahren kein Doping gegeben, dann hätte die DDR noch viel mehr Medaillen gewonnen, weil sie einfach auf dem Sektor der Trainingswissenschaft um Meilen voraus waren.“

    Herr Holdhaus, Dopingexperte stimmte mit kräftigem Kopfnicken dieser Aussage über die hervorragende Trainingswissenschaft im DDR-Sport von Matschiner zu. Weiter sagte der Doping-Experte und Mitglied der WADA Austria Holdhaus, „Erstens einmal muß man sich im klaren sein, gedopt ist dann ein Sportler wenn es auch nachgewiesen hat.“

    • S. Erfurt schreibt:

      Hi Johann, wenn ich über unsere glückliche Zeiten schreibe die wir in de DDR hatten, kommen mir oft die Tränen. Es ist abscheulich, daß es Leute gibt die damals in den Genuß einer erweiterten Förderung kamen, die DDR heute mit Dreck bewerfen.

      Im heutigen BRD-Sport, namentlich im Fußball, geht es eh nur um die Kohle. Was da für Gelder fließen, kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Da hat man uns noch vor gar nicht langer Zeit noch erzählt, daß die Fußballvereine auf die Einnahmen von Eintrittsgeldern angewiesen sind, dank Corona ist dieser Schwindel nun gottseidank aufgeflogen, die spielen auch ohne Zuschauer 😉

      MFG

  3. Weber Johann schreibt:

    Bei uns in der Alt-BRD „bequemte“ sich der Deutsche Bundestag 18 Jahre nach der Gründung der Alt-BRD das Thema „Sportförderung“ am 1.12.1967 auf die Tagesordnung zu setzen.

    Ganz anders in der DDR. Ich zitiere aus dem „Jahrbuch der DDR 1956“ einige interessante Entwicklungen im DDR-Sport:

    „Die Arbeit in den einzelnen Sportarten wird mit Hilfe langfristiger Perspektivpläne systematisch aufgebaut. Diese Pläne stellen den Sportlern die Aufgabe, bis 1956 in den wichtigsten Sportarten den Anschluß an die Weltklasse zu gewinnen. Dafür werden an den staatlichen Sportschulen, an den Sportschulen der Gewerkschaften und an der Deutschen Hochschule für Körperkultur Trainer und Übungsleiter in großer Zahl, versehen mit einem hervorragenden Fachwissen, ausgebildet. Große Aufmerksamkeit wird auch auf die Förderung der wissenschaftlichen Arbeit im Sport verwendet.
    Die Fürsorge der Regierung gilt nicht nur den Erwachsenen, in gleicher großzügiger Weise wird auch der Kinder- und Jugendsport gefördert.“

    „Höhepunkte dieser Arbeit im Jahre 1955 waren die Schülermeisterschaften und die Pionierspartakiade in Dresden.
    Die Einführung der Schwimmlager war ein Erfolg. So konnten in den Ferien 1954 13360 und 1955 21528 Kinder das Schwimmen erlernen. Durch die Erweiterung dieser Lager in den kommenden Jahren wird es möglich sein, noch mehr Kindern das Schwimmen zu lehren. Es ist unser Ziel, die Zahl der Nichtschwimmer in der Deutschen Demokratischen Republik ständig zu verringern.
    Es gibt aber auch viele Schwächen in der Kinder- und Jugendsportarbeit. Der größte Mangel besteht. darin, daß immer noch viel zuwenig Kinder und Jugendliche regelmäßig und systematisch Sport treiben. Die Hauptarbeit der Zukunft gilt darum der Gewinnung eines größeren Kreises von Jugendlichen und Kindern für die Sportarbeit. Das ist möglich, wenn der Turnunterricht an den Schulen verbessert wird und die Betriebssportgemeinschaften und Sportgemeinschaften sich stärker als bisher um die Jugendarbeit kümmern.“

    „Höhepunkte in der Massenarbeit waren auch im Jahre 1955 die Betriebssportfeste, Landsportfeste und Frühjahrswaldläufe. So beteiligten sich an den Betriebssportfesten über 220000 Arbeiter, Angestellte und Angehörige der technischen Intelligenz. An den Landsportfesten nahmen mehr als 190000 Landarbeiter, Traktoristen, Genossenschaftsund Einzelbauern teil.“

    „Große Bedeutung für den Sport der Unorganisierten haben die Sportgruppen in den Betrieben. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 220000 Werktätige an den Übungsabenden und Wettkämpfen der Sportgruppen. Allein dafür stellten im Jahre 1955 die staatlichen Organe 23,2 Mill. DM zur Verfügung. Mit rund 39 Mill. DM wurden vom Staat und aus Geldern des Sport-Totos im Jahre 1955 705 neue Sportanlagen eingerichtet bzw. bestehende weiter verbessert. Darüber hinaus gaben die Gewerkschaften 23,7 Mill. DM für die Sportförderung aus.
    Große Summen werden alljährlich aus dem Direktorfonds und den Gewerkschaftskassen der Betriebe für Körperkultur und Sport verwendet.“

    „750 Sportlehrer und Trainer sind in Betrieben, Verwaltungen und MTS-Stationen angestellt, um den Sport der Werktätigen zu organisieren.“

    Mit schaudern muss ich noch zurückdenken, als von allen Alt-BRD-Regierungen, außer der KPD, der von Bundeskanzler Adenauer menschenverachtende Antikommunismus den Menschen eingehämmert wurde, gegen die Menschen in der DDR-Hetzorgien los ließen. Nur ein Beispiele: „am Hungertuch nagenden geknechteten Brüder und Schwestern“.

    Und jetzt lese ich in dem „DDR-Jahrbuch 1956“, dass in Rostock Europas modernste Schwimmhalle gebaut wurde.

    Das „Neues Deutschland“ vom 8. Oktober 1955 berichtete:
    „Anläßlich der Feierlichkeiten des 6. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik wurde in Rostock in Anwesenheit von 2500 begeisterten Zuschauern die modernste Schwimmhalle Europas ihrer Bestimmung übergeben.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Johann. Ich denke, je mehr wir davon aufzählen, was in der DDR alles für den Sport getan wurde, desto widerlicher und abscheulicher wird das dreiste und verlogene Gedöns von dieser Geipel, einigen Journalisten und von anderen Dummköpfen, die sie auch noch als „Spitzensportlerin“ titulieren. Diese Ehre hat sie nicht verdient.

    • S. Erfurt schreibt:

      Und noch eine schöne Erinnerung: Der letzte Schultag vor den Goßen Ferien Ende Juni war in der ganzen DDR gleich. Nach der Zeugnisausgabe war immer ein Sportfest! Kleine Wettkämpfe in leichtathletischen Disziplinen, Handball, Fußball. Und sportlich wie wir alle waren, sind wir danach durch den Wald nach Hause gelaufen, leichtfüßig und unbeschwert!

      Und heute sind wir immer noch sportlich, ich komme grade vom Schwimmen, 1000 m Freistil und nachher ist Lauftraining angesagt. Ich habe zwar erst mit 30 angefangen zu Laufen, aber auch das sind schöne Erinnerungen, denn wenn’s im Herbst an die Hohenwartetalsperre ging, gehörte neben der Badehose die Turnhose natürlich auch in den Rucksack. Und weit schweifte der Blick übers Oberland der Saale bis hin zum Ettersberg bei Weimar…

      Manfred Matuschweski (Weimar) hatten wir übrigens auch mal in die Schule eingeladen. Sportler begeistern Sportler! Sport frei 😉

      Übungsaufgaben:
      1. Erklären Sie den Unterschied zwischen Laufen und Gehen!
      2. Was sag uns der Laktatgehalt?
      3. Welche Muskeln bzw. Muskelgruppen werden beim Liegestütz trainiert?

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