Vergeßt das nie!

14. April 1945 {Sonnabend)
Kein Fliegeralarm. Doch dafür die ganze Nacht hindurch Artilleriefeuer. In Pößneck gab es mehrfache Ein­schläge. so an dem Haus an der schwarzen Brücke. Das Artilleriefeuer wirkt nach den Bombenschlä­gen nicht so furchtbar, aber eine Frau ist ihm zum Opfer gefallen. Die amerikanischen Batterien feuern aus dem Saaletal über die Wälder der Heide herüber. Man sieht das Aufblitzen der Abschüsse am Nacht­himmel. Man hört kurz danach ein Scheppern in der Luft und unmittel­bar danach die Detonation der kre­pierenden Granaten. Die meisten Einwohner halten sich in den Luftschutzkellern auf.

Und doch war diese Nacht anders, war nicht so schrecklich wie alle vorangegan­genen. Heute früh kehrten die „Volks­stürmler“ aus den Wäldern an der Saale zurück. Sie hatten in Friede­bach ihre Rucksäcke voll Verpfle­gung gepackt und sagten, mittag solle wieder ausgerückt werden. Kurze Zeit später aber ging die Pa­role von Mund zu Mund: „Der Volkssturm ist aufgelöst!“ Keiner wußte, wer das angeordnet hatte. Aber keiner bezweifelte die Richtig­keit, und keiner trat wieder „zum Dienst“ an.

Selbstmord eines Nazi-Barbaren

In den Nachmittagsstunden wurde erzählt, gestern abend habe der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Fritz Weinert, seine Mutter, seine Frau und seine zwei Kinder: und sich selbst erschossen, um sich der Ver­antwortung zu entziehen. Dieses Ende einer Familie, das sonst eine ganze Stadt in Aufregung versetzt hätte, wird heute nur als Beweis da­für angesehen, daß nun Pößneck eine offene Stadt sein wird, der wei­teres unsägliches Unheil erspart bleibt.

…ein Todesmarsch von Buchenwald

Mit Schaudern wird jetzt auch im westlichen Stadtteil von dem Elends­zug erzählt, bei dem durch das Orla­tal herauf völlig ausgemergelte Häftlinge des KZ Buchenwald von entmenschten SS-Leuten und Blut­hunden nach dem Oberland getrie­ben, wurden. Häftlinge, die nicht mehr weiter konnten, sollen erschlagen worden.sein.

Nachschrift: Der Elendszug war in Wirklichkeit viel schrecklicher. Die von der SS ermordeten Häft­linge waren an den Straßenrän­dern notdürftig verscharrt worden. Sie wurden später in würdi­gen Grabstätten zur Ruhe gebettet.

Die Gedenkstätten in Kleindembach und in Daumitsch (12 Opfer), in Oppurg (4 Opfer), in Oberoppurg (12), in Bodelwitz und in Wernburg sind aufrüttelnde Zeugen der entsetzlichen Greuel. Noch etwas Grauenhaftes geschah am 14. April 1945: Auf der Polizeiwache in Pößneck waren zwei KZ-Häftlinge eingeliefert worden, denen es trotz schärfster, Bewachung gelungen war, aus dem KZ-Elendzug zu entfliehen. Aus einem amtlichen Protokoll der Pößnecker Polizei ist die ganze Grausamkeit, Willkür und Erbarmungslosigkeit öffentlich bekanntgeworden.

Am 11. April !945, gegen 10 Uhr  vormittags, also zu einer Zeit, da die amerikanischen Truppen Pößneck bereits umklammert hatten, erschienen auf der Pößnecker Polizeiwache zwei SS-Männer und forderten die Herausgabe der beiden KZ-Häftlinge. Auf Befragen, in wessen Auftrag sie handelten, wurde erklärt, das ginge die Poli­zei nichts an, sie kämen von ihrem Kommandanten in Gräfendorf und sie hätten den Auftrag zur Erschießµng.

Der jüngere der beiden SS-Schergen sagte: „Die Lumpen werden gleich im Rat­haushof umgelegt!“ Die Häftlinge wurden vorgeführt und mußten ihre Namen und ihre Lagernum­mer den Schergen abgeben. Auf Zureden der Polizei unterblieb der Mord im Rathaushof. Doch wurden die beiden Häftlinge auf den oberen Friedhof geführt und dort erschossen.

Quelle: VOLKSWACHT, Sonnabend, 17. April 1965, Seite 8


Gedenken an die Opfer des Faschismus in Buchenwald

An der machtvollen Kundgebung am am 11. April 1965 im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar nahmen auch annähernd 250 Einwohner des Kreises Pößneck teil. Mehr darüber lesen Sie im untenstehenden Artikel „Unser Schwur ist uns heilig!“ Dies Bild, aufgenommen von unsrrem Vk. Brömel, zeigt das Mitgleid des Politbüros, Genossen Hermann Matern und weitere bekannte Antifaschisten beim Passieren des Lagertores. 

650417 Volkswacht Buchenwald

Quelle: VOLKSWACHT, Sonnabend, 17. April 1965, Seite 6 (anklicken zum Vergrößern!)


Buchenwald1945

Der 11. April ist der Internationale Tag der Befreiung der Gefangenen der faschistischen Konzentrationslager. Er wurde zum Gedenken an den internationalen Aufstand der an diesem Tag 1945 in Buchenwald inhaftierten Häftlinge eingeführt. Bei den Nürnberger Prozessen hat das internationale Tribunal klargestellt, daß die Inhaftierung ausländischer Zivilisten sowie deren Zwangsarbeit im Interesse Deutschlands nicht nur ein Kriegsverbrechen ist. Es wurde als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft.

Nachdem im Januar 1945 aus den evakuierten faschistischen deutschen Konzentrationslagern aus Polen Tausende von Juden hinzugekommen waren, wurde Buchenwald bei Weimar zum größten Todeslager Hitlerdeutschlands. In seinen 88 Außenstellen wurden 112.000 Gefangene hinter Stacheldraht gehalten. Von Juli 1937 bis zur Auflösung des Lagers kamen insgesamt etwa 250.000 Häftlinge aus verschiedenen europäischen Ländern nach Buchenwald hinzu. Es waren Homosexuelle, Kommunisten, Antifaschisten und Kriegsgefangene. Am 18. August 1944 wurde der deutsche kommunistische Reichstagsabgeordnete Ernst Thälmann, der 11 Jahre lang in Gefangenschaft gehalten worden war, von den Faschisten ermordet und dann in einem Krematoriumsofen verbrannt. Die Zahl der Todesopfer von Buchenwald wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 15.000 Sowjetbürger, 7.000 Polen, 6.000 Ungarn und 3.000 Franzosen.

Siehe auch:
Das faschistische KZ Buchenwald: So war es wirklich
Selbstbefreiung Buchenwald – Gedenken 2020.

 

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