Das organisierte Verbrechen

NYCMan sollte sich nicht der Illusion hingeben, so etwas gäbe es bei uns heute nicht. Im Kapitalismus gibt es jede Art von Verbrechen – eines davon erleben wir gerade mit der zügellosen Corona-Kampagne, mit der nur dürftig die bevorstehende oder bereits laufende Weltwirtschaftskrise verschleiert werden soll. Wir berichten hier über Vorfälle aus jener Zeit, als es noch zwei Weltsysteme gab, den Sozialismus und den Kapitalismus. Die Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft, die sich weltweit ausbreitende und marodierende Monopolbourgeoisie, der stets zu kriegerischen Aktionen neigende Imperialismus mit den im Inneren der Länder faschistischen Erscheinungen, haben mittlerweile ganze Erdteile erfaßt. Das Tragischste dabei ist, daß dazu nunmehr auch fast alle zuvor sozialistischen Länder und die Länder der nationalen Befreiungsbewegung gehören. Hier nun der Bericht von Klaus Polkehn und Horst Szeponik:

Mafia und kein Ende

„Dieses Syndikat hat so viel Macht und Einfluß, daß man es als eine Privatregierung des organisierten Verbrechens bezeichnen könnte.“

Schlußfolgerung eines Untersuchungsausschusses des amerikanischen Se­nats,
zwei Jahre nach den sensationellen Aussagen von Joseph Valachi

Seit dem Jahr 1962 untersuchte in Italien eine parlamentarische Kom­mission das Treiben der Mafia. Sie legte unzählige Akten und Dossiers über die „Ehrenwerte Gesellschaft“ und ihre Unterwanderung von Ju­stiz, Verwaltungs- und Bankwesen sowie ihre Verfilzung mit der Poli­tik an. Ende 1970, als die Empörung über den Mord an dem Journali­sten Mauro de Mauro hohe Weilen schlug, versprach ihr Vorsitzender, der Genueser Rechtsanwalt und christlich-demokratische Abgeordnete Francesco Cattanei, eine schnelle Veröffentlichung des Schlußberichts und erklärte: „Wir werden Politiker nicht verschonen und sie beim Na­men nennen.“ Cattanei fügte hinzu, dieser Bericht werde „einer wah­ren Explosion gleichkommen und die italienische Öffentlichkeit wie ein Erdbeben erschüttern“.

Ein Bericht über die Verbrechen der italienischen Mafia

Am 25. Mai 1972 wurde der so emphatisch angekündigte Bericht der Anti-Mafia-Kommission veröffentlicht. Dazu schrieb der italienische Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“:

„Es handelt sich um zwei große, graue Bände von insgesamt über 2000 Seiten, in deren Anhang sich viele Dokumente, Protokolle, Register und Studien befinden. Ein erster Überblick bestätigt die skeptischen Vorberichte in der italienischen Presse: Es handelt sich im Grunde um einen Zwi­schenbericht, der brennende aktuelle Themen ausspart, Namen ver­meidet und auch sonst manchen exakten Aussagen und Angaben aus dem Weg geht … Die schweren Fälle von Verbrechen, die der Mafia zugeschrieben werden, vermag auch dieser Bericht nicht aufzu­hellen.“

Sie stecken unter einer Decke…

Nach den italienischen Parlamentswahlen von 1972 wurde die Anti­-Mafia-Kommission neu gebildet. Dabei lancierte die regierende Demo­crazia Cristiana den sizilianischen Abgeordneten Giovanni Matta in diesen Untersuchungsausschuß, obwohl er unter dem dringenden Ver­dacht steht, als Bauassessor in Palermo mit den Grundstücksspekulan­ten der Mafia gemeinsame Sache gemacht zu haben. Er war in dieser Angelegenheit von einem früheren Anti-Mafia-Ausschuß vernommen worden. Die italienische Zeitung „L’Espresso“ nannte die Nominie­rung einen Skandal und fragte:

„Wer hat Matta in den Anti-Mafia-­Ausschuß geschickt? Könnte jemals ein Mann wie Matta, das heißt ein kleiner Provinzpolitiker, das Parlament allein herausfordern, sich erhe­ben und ausrufen, daß er da ist und bleibt, um seine Freunde zu vertei­digen?“

So sind sie – die „christlichen Demokraten“ !

Angesichts der Obstruktion der Democrazia Cristiana traten die Ausschußmitglieder der Linksparteien zurück. Der folgende Vorsit­zende, der christlich-demokratische Senator Luigi Carraro, erklärte nach der Neubildung der Kommission, der frühere Anti-Mafia-Aus­schuß sei nach seiner Ansicht „zu weit gegangen“. Er beabsichtige erst einmal, das gesammelte Material zu ordnen…

Keine Namen

Inzwischen füllt das zusammengetragene Beweismaterial ganze Ak­tenschränke. Die Democrazia Cristiana erreichte dank ihrer Mehrheit im Anti-Mafia-Ausschuß, daß wichtige Erkenntnisse zum Staatsge­heimnis erklärt und vorerst für fünfzig Jahre in Panzerschränken ver­graben wurden. Dort befindet sich jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Der Bericht „Mafia und Politik“ enthält auf Betreiben der Christdemo­kraten keine Namen. Eine schonungslose Enthüllung würde den Pakt zwischen Mafia und führenden Politikern bloßlegen, und das käme letztlich einer Selbstenthüllung führender Gesellschaftskreise, ja des ganzen Systems gleich.


Das Ehrenwerte Geschäft

Im Mai 1967 stellte der kalifornische Soziologe Professor Donald Cressey fest, die Cosa Nostra sei „eine größere Bedrohung für die USA, als die Gangster der Al-Capone-Ära in den dreißiger Jahren“. Zur selben Zeit aber mußte der ehemalige Generalstaatsanwalt Nicho­las Katzenbach als Vorsitzender einer vom damaligen USA-Präsiden­ten Johnson eingesetzten neuen Untersuchungskommission „allgemei­nes Desinteresse der Öffentlichkeit angesichts der wachsenden Prospe­rität des organisierten Verbrechertums“ zugeben. John Gardiner, Pro­fessor an der Harvard-Universität, der das Wirken der Cosa Nostra in einer mittleren Stadt der USA untersucht hatte, kam zu der Feststel­lung, daß „Bürgermeister, Polizeichefs und andere Beamte jahrelang auf den ,Gehaltslisten‘ des Glücksspiel-Syndikats standen“.

Wo liegen die Ursachen der Kriminalität?

Natürlich kann man die Ursachen der rasch wachsenden Kriminali­tät in den USA und der Integrierung des organisierten Verbrechertums in die amerikanische Gesellschaft weder mit einer besonderen Geris­senheit noch mit spezifischen Charaktereigenschaften der Italo-Ameri­kaner oder anderer ethnischer Gruppen in den USA erklären. Sowohl an der Geschichte der Cosa Nostra wie auch an jedem anderen beliebi­gen Fall eines organisierten Verbrechens ist nachzuweisen, daß sie ihre unmittelbaren und mittelbaren Wurzeln im kapitalistischen System hat. Dafür sind auf den vorhergehenden Seiten genügend Beispiele geliefert worden. Die Wolfsgesetze dieser Gesellschaft, die Verfilzung von Staatsapparat und privaten Interessen sowie die Nichtachtung der Ge­setze durch die Besitzenden, ja durch die Hüter der Ordnung auf allen Ebenen – vom Regierungsbeamten bis hinunter zum letzten Streifen­polizisten – bilden eine Ursache dafür. Die kapitalistische Moral des sich Bereicherns um jeden Preis, dazu die Erziehung zum V erbrechen durch Literatur, Film und Fernsehen sind die andere Seite.

Die Kriminalität in Amerika

Daß der wachsenden Kriminalität ökonomische Ursachen zugrunde liegen, bestätigte auch der frühere amerikanische Justizminister Ram­say Clark. In Clarks Buch „Kriminalität in Amerika“ finden sich fol­gende Feststellungen:

„Die Kriminalität in den USA ist außerordentlich mannigfaltig. Das Verbrechertum im ,weißen Kragen‘ eignet sich alljährlich Milliarden Dollar durch Steuerhinterziehung, Veruntreuung, Gaunergeschäfte und Betrug von Käufern an. Das organisierte Verbrechertum ergaunerte Hunderte Millionen Dollar durch Glücksspiele, Wucher, Rauschgifthandel, Erpressung, Prostitution, Beamtenbestechung, wobei es manchmal zur Gewaltanwendung und, wenn nötig, auch zu Mordtaten kommt. Die Motive der meisten Verbrechen sind ökonomischer Natur. Sieben von acht der Polizei bekannt gewordenen Schwerverbrechen sind Eigentumsdelikte. Viele Verbrechen an Personen, wie Raubüberfall, Menschenraub und mitunter auch Überfälle, und Morde, stehen ebenfalls mit Aneignung fremden Eigentums in Zu­sammenhang … Viele Verbrechen sind eine Folge des Mißverhältnisses zwischen unserer Propaganda und unserer Wirklichkeit. Sie zeugen von der Heuchelei, die unsere ganze Gesellschaft beherrscht.“

Und Clark kam schließlich zu der Folgerung:

„Wenn die Gesell­schaft das Glücksspiel, den Rauschgifthandel und die Prostitution wirklich unter Kontrolle bringen will, muß sie Bildungs-, Erziehungs- und Aufklärungsarbeit leisten … Die Finanzierung politischer Kam­pagnen ist das klassische Beispiel jener Heuchelei, mit der wir uns ab­finden müssen. Der größere Teil der Mittel für die Durchführung poli­tischer Kampagnen auf Bundesebene und in der Regel auf der Ebene der Bundesstaaten wird unter Verletzung des Gesetzes zusammengebracht. Das Bundesgesetz sieht vor, daß der Präsidentschaftskandidat für den Wahlkampf nicht mehr als drei Millionen Dollar aufwenden darf. Bei den jüngsten Wahlen lagen die Ausgaben der politischen Par­teien um ein Vielfaches über dieser Summe.“

Ein bemerkenswertes Dokument

In welchem Maße heutzutage die amerikanische Öffentlichkeit bei­spielsweise die Cosa Nostra als einen integrierten Bestandteil des ge­sellschaftlichen Systems begreift, vermag nichts deutlicher zu zeigen, als eine Meldung der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) vom 8. September 1972. Dieses bemerkenswerte Dokument hat folgenden Wortlaut:

„Palo Alto (AP). ,Manager der amerikanischen Wirtschaft können einiges von den führenden Mitgliedern der Mafia lernen‘, meint A.J. Tasca, der vor 34 Jahren auf Sizilien geboren wurde und jetzt als Manager einer großen Firma in Minneapolis tätig ist. Auf einer Tagung in Palo Alto (Kalifornien) erklärte er, einer der Gründe für das Überleben der Mafia seit Jahrhunderten sei ihre einmalige Organisation. Tasca erklärte, die Mafia komme mit drei bis vier ,Entscheidungsebenen‘ aus, während in großen amerikanischen Unternehmen nach und nach bis zu zehn solcher Ebenen entstanden seien. Die Mafia habe auch nur ein Minimum an Bürokratie, und passe sich viel rascher als manche Firma neuen Entwicklungen an. Ferner sei ihre Personalpolitik sehr effektiv. Tasca betonte, daß er die illegalen Aktivitäten der Mafia nicht entschuldigen wolle. Das Studium der Organisation könne aber von Nutzen sein.“

All dies, so muß noch einmal betont werden, war eine seriöse, ernst gemeinte Meldung.

Mafia


Wellen des Verbrechens

Dabei ist festzuhalten, daß die Cosa Nostra nur einen Teil – und nicht einmal den größten – der Kriminalität in den USA darstellt. Besondere Bedingungen bei der italienischen Einwanderung in die USA haben diese spezifische Form des organisierten Verbrechens entstehen lassen, so, wie die besondere Lage auf Sizilien die Entwicklung der Mafia be­günstigt hatte. Das spricht nicht gegen die Italiener oder die italieni­schen Einwanderer in die USA. Schließlich ist Italien andererseits ge­genwärtig das Land mit der stärksten kommunistischen Partei der ka­pitalistischen Welt, und unter den Italo-Amerikanern finden sich eine Vielzahl aufrechter und tapferer Kämpfer für den Fortschritt.

Der Kapitalismus ist der ideale Nährboden für Kriminalität

Der Leser dieses Buches sollte nie vergessen, daß die Autoren die Mafia und die Cosa Nostra nur deshalb zum Gegenstand ihrer Betrachtungen nahmen, weil deren spezifische Formen sich besonders gut dazu eigneten, die Verknüpfung zwischen Verbrechen und kapitalistischer Gesellschaft dar­zustellen. Man hätte ebensogut andere Beispiele finden können. Auch ist das organisierte Verbrechen kein Monopol der USA oder Italiens. Da­für mögen folgende Vorfälle stehen, die sich beliebig erweitern ließen.

  • Anfang Mai 1966 gaben die Direktoren der „Mecca-Group“, eines in Großbritannien beheimateten Konzerns, der Klubs und Tanzlokale besitzt, auf einer Pressekonferenz bekannt, daß sie sich dem Druck eines gut organisierten Rackets ausgesetzt sähen. Die Racketeers wä­ren bei den Direktoren erschienen, um für die Unternehmen des Kon­zerns ihren „Schutz“ anzubieten. Da sie abgewiesen worden wären, hätten sie begonnen, die Gäste zu terrorisieren und am Besuch der »Mecca–Lokale zu hindern. Außerdem hätten die Gangster gedroht, die Einrichtungen der konzerneigenen Lokale und Klubs zu demolieren.
  • August 1973: Mehr als 1.000 Männer, die mit Charterflugzeugen und Luxuslimousinen in die japanische Hafenstadt Chiba gekommen waren, versammelten sich vor dem Gefängnis. Sie warteten geduldig, bis sich das Tor öffnete und ein gewisser Shigemasa Kamoda erschien. Da brachen die Männer in den Jubelruf »Banzai« (Ewiges Leben) aus und fuhren mit dem soeben Freigelassenen in das größte Hotel der Stadt, um das Ereignis gebührend zu feiern.

Aus der japanischen Unterwelt

Der ehemalige Häftling – er büßte wegen Mordes eine elfjährige Freiheitsstrafe ab – ist der Boß der nach ihm benannten Kamoda­Gumi (Kamoda-Bande). Sie zählt zu den 3.500 organisierten Gruppen der japanischen Unterwelt, denen nach unvollständigen Angaben der Polizei etwa 140.000 Yakuza (Gangster) angehören. Nach dem zwei­ten Weltkrieg nahm das organisierte Verbrechen auch in der spätkapi­talistischen Gesellschaft Japans einen beispiellosen Aufstieg. Die Ban­den kontrollieren Glücksspiel, Nachtbars, türkische Bäder und Prosti­tution in den Vergnügungsvierteln der Großstädte, sie verdienen am Rauschgifthandel und an der Bodenspekulation, sie erpressen Straßen­händler, Gastwirte und kleine Ladenbesitzer, sie manipulieren das Wettgeschäft und treten als Geldverleiher zu Wucherzinsen auf, sie be­herrschen das Showgeschäft und den Berufssport, sie kaufen Aktienpa­kete und stellen Rollkommandos gegen Streikende. Ihre Verbindungen reichen bis in die Kreise der Politik und Hochfinanz.

Von Erpressung bis zum Mord…

Gewisse Ähnlichkeiten mit der italienischen und amerikanischen Mafia sind frappierend: Erde der sechziger Jahre veranstalteten sie – wie einst die Cosa Nostra mit der Appalachin-Konferenz – ein Treffen der mächtigsten Gumi, wo in langwierigen Verhandlungen die Ein­flußsphären festgelegt wurden. Sie erreichten damit, daß sich die be­waffneten Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Banden stark verminderten, wenn auch bis heute immer wieder Rivalitäten mit bluti­gen Fehden enden, weil es zu Übergriffen auf fremde Reviere kommt. Die Yakuza verfügen über moderne Bewaffnung: automatische Ge­wehre und Pistolen, sogar leichte Maschinengewehre und Granatwer­fer. Auf das Konto dieser Gangsterarmee kommen etwa 600.000 krimi­nelle Akte im Jahr – von Erpressung bis zum Mord.

Die „Ehre“ der Banditen

Auch die japanischen Gumi haben ihren sogenannten Ehrenkodex. Nach dem Brauch feudaler Samurai-Ritter schwören die Yakuza, die gewöhnlich erst nach einem Jahr Probezeit in die Gang aufgenommen werden, ihrem Oyabun (Chef) Treue und blinden Gehorsam. Sie ge­ben das Versprechen, für die »Ehre der Gruppe= in den Tod zu gehen. Die Oyabun verschiedener Ränge sind stark tätowiert, und zum Be­weis ihrer Aufrichtigkeit und Treue gegenüber der Gumi hacken sie sich häufig das Ende des kleinen Fingers der linken Hand ab.

Schwerbewaffnete private Terrorgruppen

Seit einiger Zeit bedienen sich die Reaktionäre dieses Landes der Rollkommandos, die aus Yakuza bestehen und in Judo und Karate ausgebildet sind. Sie verüben Terrorakte gegen linke Politiker und werden als Streikbrecher eingesetzt. Gegen entsprechende Gebühren leiht die japanische Mafia den Konzernen sogenannte Sokaiya aus, die oft Uniformen und Schlagstöcke tragen, die denen der Polizei täu­schend ähnlich sind. In schwarzweißen Streifenwagen fahren die Schlägergarden zu ihren Einsatzorten. Die staatliche japanische Rund­funk- und Fernsehgesellschaft NHK enthüllte, daß von 258 Gesell­schaften, bei denen Ermittlungen angestellt wurden, 251 jährlich 5 bis 60 Millionen Yen an die Banden abführten. Die drittgrößte japanische Tageszeitung „Mainichi Shimbun“ schrieb dazu:

„Unsere politischen und finanziellen Kreise beklagen sich zwar andauernd über die organi­sierte Gewalt, geben aber den Gangstersyndikaten weiter Geld. Soll in unserer Gesellschaft mit dem organisierten V erbrechen aufgeräumt werden, so muß man aufhören, die Unterwelt in der Politik zu gebrauchen.“

Die Verbrechen in den BRD

Die Gegenwart der meisten kapitalistischen Länder ist gekennzeich­net durch einen beispiellosen Aufstieg des Verbrechens. So veröffent­lichte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bereits 1967 einen alar­mierenden Bericht:

„Tatsächlich schlägt über Westdeutschland$ 15.000 Kriminalbeamten eine Verbrechenswelle nie dagewesenen Ausmaßes zusammen: Die Kriminalität der Bundesrepublik nahm innerhalb des letzten Jahrzehnts etwa dreimal so schnell zu wie die Bevölkerung und erreichte 1966 mit nahezu zwei Millionen polizeibekannt gewordenen Verbrechen und Vergehen gegen die Strafgesetze … einen Rekord. In der Bundesrepublik werden im Schnitt pro Tag fünf Morde und Tot­schläge begangen oder versucht, 17 Frauen genotzüchtigt, 170 Autos entwendet; jede Stunde wird 130mal gestohlen und eingebrochen.“

Eine Verbrechenswelle ohne Ende?

Nicht nur ohne Ende – eine Verbrechenswelle auch in neuen Di­mensionen, wie sie in der gesamten kapitalistischen Welt gang und gäbe ist.

In New York bestach eine Bande einen Reparaturmechaniker der Firma, die die Druckmaschinen für die Kreditkartengesellschaft Diners Club lieferte. Dieser Mechaniker besorgte den Gangstern 5.000 Blanko­kreditkarten und die Namen von Mitgliedern des Klubs. Die Gangster kauften ein, die Summen wurden den ahnungslosen Mitgliedern, deren Namen man mißbrauchte, angerechnet. Eine andere Bande in New York schädigte eine Luftfahrtgesellschaft um 20.000 Dollar, als sie brieflich Flugkarten bestellte und dabei die Kreditkartennummer einer großen Firma angab.

Wodurch unterscheiden sich die Gangster der Cosa Nostra von einem Geschäftsmann, der Arbeiten berechnet, die nie ausgeführt wur­den, der Preisnachlässe gewährt, die auf Schwindel beruhen, oder Lebensmittel fälscht – Praktiken, die in allen kapitalistischen Ländern üblich sind?

Welche Ausmaße hat die Kriminalität in der BRD?

Der seinerzeitige hessische Generalstaatsanwalt Bauer erklärte in einem Interview auf die Frage, welche Ausmaße diese Art Kriminalität in der BRD habe:

„Wir erleben tagaus und tagein den Steuerschwindel in allergrößtem Maßstab, wir erleben den Subventionsschwindel … Die moderne Wirtschaft lädt geradezu zum Versicherungsbetrug ein … Weil hier überall Cleverness oberstes Gebot ist, gilt eigentlich jenes Motto, das die Amerikaner formuliert haben: Ehrlichkeit währt am längsten, aber Geschäft ist Geschäft … Die entscheidenden Werte der modernen Gesellschaft bei uns, aber darüber hinaus in weiten Tei­len des Westens, ist der äußere Status des Menschen, es sind Status­symbole, die sich im Kraftwagen widerspiegeln, und die zwangsläufig zur Folge haben, daß man mehr an den Erfolg glaubt als an die Moral und die Anständigkeit. Der Erfolg heiligt die Mittel.“

Quelle: Klaus Polkehn/Horst Szeponik: „Wer nicht schweigt muß sterben“. Ein Tatsachenbericht über die Mafia. Militärverlag der Deutscehn Demokratischen Republik, 1989, S.395-402.

Siehe auch: Die Kriminalität des Imperialismus heute

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2 Antworten zu Das organisierte Verbrechen

  1. S. Erfurt schreibt:

    Ich sehe das so: Mafia, das ist nur eine andere Form des Kapitalismus! Menschen belügen, betrügen, ausbeuten, erpressen, foltern und morden, das ist Kapitalismus! Alles was der hier vorliegende Artikel zur Mafia aussagt, trifft ja auch für den Kapitalismus im Allgemeinen zu.

    MFG

    PS: Heuschreckenplage in Thüringen https://rolfrost.de/lpg.html

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