Belarus: Der Antikommunismus der „Farbenrevolutionen“

Belarusmajdan2020

Mit Blick auf die politischen Prozesse in Belarus und ausgehend von den Folgen des Staatsstreichs in der Ukraine im Februar 2014 halte ich es für notwendig, einige Bemerkungen über die Rolle des Antikommunismus bei der Beraubung und Verwandlung der Länder Osteuropas in die Rohstoffkolonien des westlichen Kapitals und die Stützpunkte des amerikanischen Militärs gegen Rußland zu machen.

Eine massive antikommunistische Propaganda

Während der sogenannten „farbigen Revolutionen“, die in vielen ehemaligen Sowjetrepubliken inspiriert wurden, wurden die Massen aktiv in eine aggressive antikommunistische Propaganda gestürzt. Damit wurden meiner Meinung nach drei Probleme gelöst. Erstens, die Ablenkung der Massen von den wahren Schuldigen ihrer Position, d.h. der Bourgeoisie; zweitens, die Identifikation des Kommunismus mit dem russischen Imperialismus, dessen Abschaffung vorgeschlagen wurde, um „wahre Unabhängigkeit und Autonomie“ zu erlangen; und drittens, die ideologische Vorbereitung auf die endgültige Beseitigung der industriellen, wissenschaftlichen und kulturellen Errungenschaften der UdSSR, die durch die Große Oktoberrevolution ermöglicht wurde, um das Land auf das Niveau eines drittklassigen sanitären Puffers zwischen Europa und Rußland zu bringen.

Warum soll Lukaschenko gestürzt werden?

Die ausländischen Puppenspieler sind am Sturz unerwünschter bürgerlicher Regime in Ländern interessiert, deren Wirtschaft eng mit dem russischen Kapital verbunden ist. Auf der Weltbühne herrscht ein erbitterter Wettbewerb um die wirtschaftliche Vorherrschaft. Genau das ist die Situation in Belarus.

Was ist die Folge?

Jetzt wissen wir mit Sicherheit: Wenn der Staatsstreich siegt, wird die antikommunistische Hysterie auf der Straße in die Zerschlagung der wissenschaftlichen, sozialen, politischen, technischen, wirtschaftlichen und anderen Errungenschaften der Sowjetzeit umschlagen, ganz gleich, in welcher Restform sie angekommen sein mögen. Die Zeit der Diktatur der Arbeiterklasse im Land wird offen als die Zeit der „sowjetischen Besatzung“ bezeichnet werden, die Weißrussen werden auf die staatlichen Organe der totalen Lügen wie zum Beispiel das Ukrainische Institut des Nationalen Gedächtnisses (UINP) warten, durch die sie die Jugend mit dem Faschismus indoktrinieren werden. Sie warten darauf, daß die Geschichte unter der aufmerksamen Aufmerksamkeit westlicher Berater für die von der EU und den USA gewährten Zuschüsse neu geschrieben wird. Genau das ist in unserer Ukraine geschehen. Übrigens sagen die belorussischen Faschisten bereits offen, man solle das Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk in ein Museum der Besatzung und des Terrors verwandeln.

Wer sind die ideologischen Vorgänger der Oppositionellen?

Die bürgerlichen Regime in den ehemaligen Sowjetrepubliken bestehen seit kaum dreißig Jahren und haben keine unabhängigen historischen Wurzeln. Deshalb sind, ihre ideologischen Vorgänger, die entweder während des Bürgerkriegs oder mit Hilfe der faschistischen Okkupanten im Großen Vaterländischen Krieg versucht hatten, die Macht zu erlangen, das einzige, worauf sich die belorussischen „Oppositionellen“ besonders berufen können. Die Ideen und Symbole, die wir auf Plätzen und in den Massenmedien sehen, stammen genau von dort, aber auch aus den Büchern der Verräter, die vor hundert Jahren ihr Volk auf die gleiche Art und Weise verkauften und verrieten, um an die Macht zu gelangen, indem sie irgendeine nationale Idee zugrunde legten.

Was bedeutet die weiß-rot-weiße Flagge?

Während der Unruhen in Minsk wurden die weiß-rot-weiße Flagge und das Wappen der belorussischen Marionetten-„Volksrepublik“ verwendet, die 1918 vom deutschen Imperialismus geschaffen wurde. Genau dieselbe Flagge wurde von Kollaborateuren während des Großen Vaterländischen Krieges verwendet. In der Ukraine wurde während des Euromajdan eine rot-schwarze Fahne der so genannten Ukrainischen Aufständischen-Armee, des bewaffneten Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) verwendet, die mit deutschen Faschisten kollaborierte. Die Oppositionellen verweisen auf die Tatsache, daß die weiß-rot-weiße Flagge in Belorussija von 1991 bis 1995 offiziell verwendet wurde. Danach wurde sie nach einem Referendum durch Lukaschenko ersetzt, und zwar durch die heutige Flagge im sowjetischen Stil ohne Sichel, Hammer und Stern. Sie verstehen nicht, daß das Regime von 1991-1995 als Nachfolger der faschistischen Okkupation gedacht war, was auch für ihre eigenen Proteste zutrifft.

Die Faschisten und des belorussische Chatyn

Wenn ich von Faschisten spreche, meine ich alle, die sich ganz bewußt an den Unruhen beteiligen oder sie rechtfertigen, egal wie sie sich politisch definieren, denn wenn sie für die weiß-rot-weiße Fahne sind, stehen sie in einer Reihe mit den Faschisten, die Chatyn vernichtet haben.

Faschistische Symbolik und der USA-Sender „Radio Liberty“

Neben der Flagge ist leicht zu erkennen, daß die Opposition in Minsk einen eigenen Slogan hat: «Живе Беларусь» („Es lebe Belarus“), der früher von der belorussischen Emigration häufig verwendet wurde. Es gibt auch eine klare Analogie zu dem Majdan-Slogan der OUN-UPA «Слава Украине. Героям слава» („Ruhm der Ukraine. Den Helden zum Ruhm“). Darüber hinaus wird in Minsk die Hymne der belorussischen Emigration «Магутны божа» („Der große Gott“), geschrieben von der antisowjetischen Dichterin Natalja Arsenjewa, aufgeführt, die während der faschistischen Okkupation zur Redaktion der von den Nazisten herausgegebenen „Belarusskaja Gaseta“ gehörte und 1944 zusammen mit ihrem Ehemann Franz Kuschel, einem Offizier der belorussischen Landesverteidigung, nach Deutschland und von dort in die USA emigrierte, wo sie für Radio „Swoboda“ arbeitete.

Auf dem Weg ins organisierte Verbrechen…

Das Beispiel der Ukraine zeigt, daß wir als Folge des Putsches eine Kolonie mit einer Rohstoffwirtschaft haben werden, die von Marionetten und Witzfiguren gesteuert wird, die vor unseren Augen ihr menschliches, technologisches, intellektuelles und übriges Potential verliert. Wenn die so genannte „Opposition“ gewinnt, wird Belarus, wie schon die Ukraine, mit Deindustrialisierung, Degradierung des Gesundheits- und Bildungswesens, Privatisierung, Landverkauf sowie mit dem unvermeidlichen Anwachsen von Obskurantismus und Klerikalismus zur Unterstützung der nationalen „Gesichtslosigkeit“ konfrontiert sein. Und natürlich mit der Legalisierung der Prostitution, der raschen Zunahme des organisierten Verbrechens und einer Flucht der Bevölkerung.

Unterwürfigkeit gegenüber den USA

Ich werde das Obige mit einem kleinen Ausschnitt aus eine ukrainischen Zeitung ergänzen:

„Die Führung der USA ist der Ansicht, daß die Ukraine eine Agrarsupermacht werden könnte. Diese Erklärung wurde vom Botschafter der USA in der Ukraine, Jeffrey Pyette, nach der feierlichen Unterzeichnung eines Abkommens über die Anwerbung von Investitionen für den Bau eines Getreideterminals im Handelshafen ,Juschnyj‘ abgegeben.
,Die Ukraine ist bereits einer der größten Produzenten von landwirtschaftlichen Gütern, aber es sollte zu einer landwirtschaftlichen Supermacht‘, sagte der Botschafter.
Nach Angaben des Diplomaten verfügt die Ukraine über etwa 25% der weltweiten Schwarzerdevorräte. Pyette ist sich sicher, daß die Vereinbarung, 100 Millionen Dollar in den Bau eines neuen Getreidelagers zu investieren, der erste Schritt ist, um die Ukraine zu einer landwirtschaftlichen Supermacht zu machen. Außerdem äußerte der amerikanische Botschafter die Meinung, daß unser Land die Menge des exportierten Getreides leicht verdoppeln kann.“

„Wir haben davon nichts gewußt!“

Das läßt sich nur erreichen, wenn lokale, vollständig kontrollierte Faschisten unter dem Deckmantel der „Opposition“ an die Macht kommen, die bereit sind, jeden, der sich widersetzt, ausbluten zu lassen. Wie wir aus den Erfahrungen mit der Verbrennung von Menschen im Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai 2014 wissen, werden westliche Menschenrechtsorganisationen keinen Einfluß haben, und in Brüssel werden sie so tun, als sei nichts geschehen.

Die Faschisten in den baltischen Staaten

Nicht umsonst besingen daher die faschistische Regime, die nach der Zerstörung der UdSSR durch Putsche in Osteuropa (in den baltischen Staaten) errichtet wurden, die Handlanger der deutschen Faschisten als Helden. So wie die damaligen Verräter ihrer Völker, die dem Feind dienten, indem sie die Sowjetbürger zu Sklaven machten und das Land unter der Losung der Befreiung von der „Tyrannei der Bolschewiki“ ausraubten, dienen die heutigen Verräter der nicht weniger faschistischen Europäischen Union und den USA.

Sowjetfeinde, Nazi-Kollaborateure und SS-Schergen als Helden

Das Kiewer Regime, das 2014 mit Unterstützung der USA und der Europäischen Union errichtet wurde, unterscheidet sich in seinem Wesen nicht grundlegend von der ukrainische Mationetten-„Volksrepublik“, dem Petljura-Direktorium und dem Regime des Hetmans Skoropadski, und für Schulkinder und Jugendliche wurden als Helden UPA- und galizische SS-Schergen ausgesucht, weil sie ein Beispiel für die Vernichtung des eigenen Volkes für die Zwecke ausländischer Invasoren darstellen. Wenn die „Opposition“ gewinnt, erwartet Belarus die gleiche Zukunft.

Welche Wahl ist die richtige?

Einige Linke werden sagen, daß die zu stürzenden Regime dem Proletariat und den Massen nicht nahe stehen. Ja, das trifft zu. Wahre Kommunisten sind immer für eine unabhängige und eigenständige Politik der Arbeiterklasse unter der Führung der Bolschewistischen Partei. Nun, was ist, wenn es eine solche Partei nicht gibt und die Arbeiterklasse nicht aus den Massen des Proletariats gebildet wird? Sollten wir daher mit Lukaschenko, Janukowitsch und Putin sympathisieren, die den Marxisten relativ freie Hand lassen, oder mit den Verfolgern des Marxismus aus dem Lager der liberalen und faschistischen Opposition?

Erinnerung an die Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges

Was die gegenwärtigen Aufgaben betrifft, so ist keine Konterrevolution in der Lage, revolutionäre Veränderungen in der Gesellschaft vollständig zu beseitigen. Es gibt viele Menschen in Belarus, für die gerade die Sowjetunion ihr Heimatland ist, und die Partisanen, Soldaten und Generäle der Roten Armee ihre nationalen Helden sind. Und das ist unser Auditorium.

Viele junge Menschen lesen wieder marxistische Literatur…

Wir sollten auch nicht vergessen, daß es in Belarus und der Ukraine junge Menschen gibt, die unter kapitalistischen Ordnungen aufgewachsen sind, sich aber unabhängig davon dem Studium des Marxismus zugewandt haben. Und die Faschisten fürchten sich am meisten vor dieser wachsenden Popularität des Marxismus. So sagte beispielsweise die berüchtigte Swetlana Alexijewitsch im Jahr 2016:

„Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß junge Leute wieder Marx, Engels, Trotzki lesen und sagen: ,Ihr seid es, Eltern, die das große Land versaut haben, und wir werden alles anders machen‘.“

Wir werden Trotzki nicht lesen, aber wir werden die Dinge wirklich anders machen, wir werden für den Kommunismus kämpfen.

Quelle: За большевизм.


Was ein klassenbewußter Arbeiter wissen muß:

  1. Belarus ist ein kapitalistisches Land, das (wie alle) in den Welt-Imperialismus integriert ist.
  2. Das nationale belorussische Kapital hat zum Zwecke der Herrschaft seinen kapitalistischen Inhalt hinter sowjetischen Formen versteckt.
  3. Die Aufrechterhaltung der Industrieproduktion in Belarus ist nicht das Verdienst von Lukaschenko, nicht einmal das Verdienst der hinter ihm stehenden bourgeoisen Kräfte, sondern resultiert aus den objektiven geopolitischen Bedingungen des Landes, die es ermöglichten, Extraprofite herauszupressen und die industrielle Produktion beizubehalten (das Wesen des Kapitals ist die Erzielung von Profit und nicht die Sorge um die Werktätigen).

pdfimage  Belarus – Der Antikommunismus der Farbenrevolution


Siehe auch:
A.Kosing „Warum man keine Illusionen haben darf…“
J.W. Stalin: „Über Freiheit und Demokratie“

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22 Antworten zu Belarus: Der Antikommunismus der „Farbenrevolutionen“

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Mir sind Lukaschenko und Putin wesentlich lieber als z. B. Poroschenko, der von der Bundesregierung mit Millionen des deutschen Volkes am Leben erhalten wurde. Das wird mit Lukaschenko wohl nicht passieren, der ist dem Westen schon ein toter Mann. Die Telekom schreibt heute, Lukaschenko hätte Putin um Hilfe gebeten, und kurz zuvor las ich woanders, dass Putin gesagt hätte, militärische Hilfe sei nicht nötig. Und Paul Craig Roberts hält die regierenden Russen alle zusammen für naiv, denn sei erst einmal Weißrussland in die Hände des Westens gefallen, wird in Russland der nächste Regime-Change organisiert.

    Russland wird wohl doch militärische Hilfe schicken müssen, schon aus Selbsterhaltungsgründen. In Russland, habe ich heute gelesen, existieren 240 NGOs aus dem Westen und allerhand westliche Stiftungen, die alles daransetzen, auch Russland zu zerstören. Mich wundert diese Langmut Putins wirklich, es kann sich doch wohl nur um missverstandenes bürgerliches Demokratieverständnis handeln oder um die Befürchtung, dass Putin als Diktator verschrien wird – das passiert sowieso, egal, ob er diese Fünfte Kolonne weiter im Land lässt oder nicht. Da wäre reiner Tisch wohl doch gescheiter.

  2. Weber Johann schreibt:

    „Freie Wahlen“, ein Blick zurück hilft uns dabei zu verstehen, was mit „Freie Wahlen“ gemeint ist. Im „Neuen Deutschland“ vom 21.8.1953 (es war Wahlkampf zum 2. Bundestag) stand ein sehr interessanter Artikel. Er zeigt auf was Adenauer und die Westalliierten unter „Freie Wahlen“ verstanden. Alle Bemühungen der DDR-Regierung freie gesamtdeutsche Wahlen durchzuführen wurden von Adenauer mit seinen Helfern eiskalt abgeschmettert.
    Wichtiger Hinweis: Die KPD wurde erst am 17.8.1956 grundgesetzwidrig verboten.
    Hier einige Auszüge aus diesem Artikel:

    „Der Weg zu freien Wahlen
    […] Es steht schlecht um die Kriegspolitik und die Aussichten für den Bonner Kanzler.
    Mit Lügen glaubt Adenauer retten zu können, was noch zu retten ist. Also trompetet er in die Welt hinaus: „Die Sowjetunion und die Deutsche Demokratische Republik wollen keine freien Wahlen. Freie Wahlen aber sind der Prüfstein.“ Mit dem Ruf nach freien Wahlen hoffen die Adenauer-Leute und ihre Washingtoner Hintermänner, das deutsche Volk irreführen zu können. […] Was hat es mit dieser „Forderung“ der Adenauer-Leute auf sich? Untersuchen wir, was man in Bonn unter „freien Wahlen“. Der Wahlkampf, wie er gegenwärtig in Westdeutschland geführt wird, liefert dazu wie gerufen täglich eine Fülle von Anschauungsmaterial. In Watenstedt-Salzgitter, Alfeld, Nordholm, Braunschweig, München und in zahlreichen anderen Städten und Dörfern haben die Adenauer-Behörden Wahlversammlungen der KPD verboten. In Oldenburg verhinderte ein Aufgebot von Lehr-Polizei die Durchführung einer Wahlveranstaltung des Bundes der Deutschen. Bruch des eigenen Grundgesetzes, Wahlbehinderung der Friedenskräfte — das versteht demnach Adenauer unter freien Wahlen.

    Die Bundestagskandidaten Karl Dickel, Jupp Angenforth und Robert Steigerwald sind seit Wochen eingekerkert. Wider jedes Recht und Gesetz werden diese vom Volk nominierten Kandidaten von der Adenauer-Justiz hinter Kerkermauern festgehalten und an der Ausübung ihrer Aufgaben als Kandidaten gehindert. Justizwillkür, Mißachtung der elementarsten bürgerlichen Rechte — so sehen Adenauers freie Wahlen aus. Die Bundestagskandidaten Karl Dickel, Jupp Angenforth und Robert Steigerwald sind seit Wochen eingekerkert. Wider jedes Recht und Gesetz werden diese vom Volk nominierten Kandidaten von der Adenauer-Justiz hinter Kerkermauern festgehalten und an der Ausübung ihrer Aufgaben als Kandidaten gehindert. Justizwillkür, Mißachtung der elementarsten bürgerlichen Rechte — so sehen Adenauers freie Wahlen aus.

    Während die Friedenskräfte auch mit den verbrecherischsten Mitteln im Wahlkampf behindert werden, erhalten die Faschisten von Bonn alle Förderung. Neben vielen anderen Faschisten kandidieren auf der Liste der CDU der Nazigeneral Stumpf, auf der Liste der FDP die Nazigenerale von Manteuffel und Kesselring. Bezeichnend sind auch solche Tatsachen wie sie immer wieder von den Abgeordneten der KPD und jetzt auch im Weißbuch der SPD, „Unternehmer – Millionen kaufen politische Macht“ . enthüllt werden. Darin wird zugegeben, in welchem Maße die westdeutschen Monopolherren sich politische Macht „kaufen“. Dieses System, bei dem nicht jeder Bürger eine Stimme hat, sondern die Monopolisten mit ihren Möglichkeiten Zehntausende, Hunderttausende, Millionen Stimmen kaufen können — auch das versteht Adenauer unter freien Wahlen. […]

    Die Provisorische Gesamtdeutsche Regierung muß den Entwurf für ein gesamtdeutsches Wahlgesetz ausarbeiten. das einen wirklich demokratischen Charakter der gesamtdeutschen Wahlen sowie die Teilnahme aller demokratischen Organisationen an den Wahlen und die Nichtzulassung eines Druckes der großen Monopole auf die Wähler gewährleistet. Es muß in ihrem freien Ermessen liegen, darüber zu entscheiden, ob es zweckmäßig ist, zu überprüfen, inwieweit in ganz Deutschland die für die Durchführung demokratischer Wahlen notwendigen Voraussetzungen bestehen, wie auch die Maßnahmen zur Sicherung solcher Voraussetzungen zu treffen.

    Gerade das ist der Wunsch des deutschen Volkes. Eben das haben die Regierung und die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik zu wiederholten Male — zuletzt am 30. Juli dieses Jahres dem Bonner Bundestag vorgeschlagen. Alle diese Angebote aber wurden auf Betreiben Adenauers und seiner USA-Herren abgelehnt. […]“

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Lieber Johann Weber, „freie Wahlen“ war auch die Parole am 17. Juni 1953, und zwar von den Westberliner Achtgroschenjungen, die durch das Brandenburger Tor in den sowjetischen Sektor eingedrungen waren und in der Straße Unter den Linden brandschatzten und plünderten und die Bevölkerung aufstachelten gegen die Regierung der DDR. „Weg mit dem Spitzbart!“ wurde gerufen. DAS wurde unter „freien Wahlen“ verstanden.

      Heute hat man die Wahl zwischen vielen Parteien, die man guten Gewissens nicht wählen kann, sofern man sich noch einen Rest Verantwortungsbewusstsein für Deutschland – und es ist UNSER Deutschland und nicht nur das des Kapitals – bewahrt hat. Über den Wahlklamauk hat sich schon Tucholsky in der Weimarer Zeit wehmütig-satirisch geäußert. Es hat sich nichts geändert, bis heute nicht. Die Frage heute ist nicht nur: Wen soll man wählen, sondern: Soll man überhaupt wählen, denn das Kapital richtet jede Wahl so ein mit Hilfe der Propaganda, dass immer das Kapital selbst gewinnt, egal, welche Partei „gesiegt“ hat.

  3. S. Erfurt schreibt:

    Diese Seiten https://deu.belta.by/ lesen sich wie das Neue Deutschland der 70er Jahre was meine Stimmung wesentlich aufhellt. Denn schon anhand der Berichterstattung wird deutlich um wen oder was es geht, nämlich um den Menschen sowie die Befriedigung dessen sozialer, materieller und kultureller Bedürfnisse. MFG

    • sascha313 schreibt:

      …ich denke auch: allein nur wenn man die andere Seite berücksichtigt, wird einem klar, was für eine fast bösartige, hinterhältige Propaganda die Massenmedien der BRD betreiben.

    • S. Erfurt schreibt:

      Die Seiten sind seit gestern nicht mehr erreichbar. Da haben die BRD-Blockwarts wieder zugeschlagen. MFG

  4. Johann Weber schreibt:

    Liebe Hanna Fleiss, danke für den Hinweis. Ja, ein Wessi, der im größten antikommunistischen Bundesland in der Alt-BRD (Bayern) aufgewachsen ist, dem, der von Adenauer verordnete Antikommunismus aufgezwungen wurde, hat gelernt, bei jedem Umsturzversuch des Westens, war der Ruf nach „freie Wahlen“ eine der wichtigsten Forderungen.

    Vor einigen Tagen hatte ich mit so einem Erfüllungsgehilfen des DDR-Delegitimierungsauftrags von Kohl einen Meinungsaustausch zum Umsturzversuch vom 17.6.1953. Im Zeitalter des Internets verteidigen diese mit Steuergeldern finanzierten Erfüllungsgehilfen die Propaganda der Alt-BRD-Regierungen zum 17.6.1953. Unglaublich. Unter anderem wurde mir folgendes vorgehalten:

    „Die in diesem Zusammenhang von Ihnen angesprochene Vermutung, es habe auf anderer Ebenen einen sogar institutionellen Einfluss des Westens auf Verlauf und Dynamik der Protestbewegung gegeben, gehört zu den hartnäckigen Mythen, welche die SED in den Tagen nach dem Aufstand in die Welt setzte, um von der eigenen Verantwortung für die Ereignisse abzulenken. Niemand, auch kein westlicher Geheimdienst, hat die Dynamik der Ereignisse im Vorfeld des Aufstandes richtig erkannt und hätte ihn so vielleicht sogar steuern können. Alle wurden von der Wucht des spontan ausbrechenden Volkszorns überrascht – in Ost wie West. […] Ein Vergleich mit dem politischen Meinungsstreit im Westen verbietet sich in diesem Zusammenhang: für die Menschen in der DDR gab es schlicht keine Möglichkeit, durch Wahlen Änderungen herbeizuführen.“

    Diese Änderungen, die sich dieser Erfüllungsgehilfe wünscht hatten die Menschen in der DDR mit folgendem Text unmöglich gemacht. Deshalb ein Blick in das DDR-Wahlgesetz: Im Wahlgesetz von 1949 in der DDR ist festgelegt, wer in der DDR nicht wahlberechtigt und nicht wählbar war.

    „§5 Nicht wahlberechtigt und nicht wählbar ist:
    1. wer als Kriegs- oder Naziverbrecher oder wegen eines Angriffes auf die politischen Grundlagen unserer antifaschistisch – demokratischen Ordnung unter Anklage steht oder verurteilt worden ist, soweit er nicht unter das Gesetz über den Erlaß von Sühnemaßnahmen und die Gewährung staatsbürgerlicher Rechte für ehemalige Mitglieder und Anhänger der Nazipartei und Offiziere der faschistischen Wehrmacht vom 11. November 1949 fällt.“

    Diese Regelung verhinderte, dass in der DDR Kriegs- und Naziverbrecher, rechtsextreme Parteien gegründet werden konnten und somit keinen Einfluss in der Volkskammer hatten.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, lieber Johann, für diesen aufschlußreichen Kommentar.
      Ja, der Mythos des Westens ist ein anderer: Man redet immer von einem „Arbeiteraufstand“ (so wie man heute in Minsk von „friedlichen Demonstranten“ redet). Daß aber diese Demonstranten in Kiew auch erst „friedlich“ waren, so daß die diese Dame Nuland („Fuck the EU“) sogar Kekse verteilen konnte, verschweigt man! Sie selber gab zu, daß die USA 5 Milliarden Dollar in den Umsturz „investiert“ haben. Und wie eben in Kiew, so hatten auch in der DDR westliche Geheimdienste von Anfang an ihre dreckigen Finger in der Inszenierung! Das zu leugnen, ist schlichtweg naiv.

      An der Ukraine-Krise zeigte sich die verheerende Wirkung der vermeintlich „sanften“ Geopolitik des Westens. Sie führte nicht nur
      zu fürchterlichen Gewaltexzessen (Odessa) und dem heutigen Krieg in der Ostukraine, sie wird auch noch mit westlichen Waffen und „Beratern“ unterlegt. Gefördert wurde die Ukraine nicht etwa, um zu Demokratie und Wohlstand zu gelangen, sondern sie brachte dem Volk der Ukraine nur Angst, Not, allseitige Propaganda, Haß, Tod und den militanten, faschistischen Nationalismus und „Heldenkult“ der Nazi-Kollaborateure UPA/OUN. (Siehe auch: „Welche Rolle spielen die Faschisten?“, Panorama, vom 17.3.2014.

      Und Banditen wie Soros und MacCain, deren „Stiftungen“, sowie die Adenauer-Stiftung unterstützten den faschistischen Putsch in der Ukraine. McCain rief aus: „Die freie Welt, Amerika und ich sind mit euch!“ im Januar 2014. Und Steinmeier ließ sich sogar in Kiew mit dem Faschisten ablichten!

      • Harry56 schreibt:

        „Freie Wahlen“ gehören seit eh und je zu den Forderungen des „Westens“, gäbe es Bewohner auf dem Mond, dem Mars, der Venus, gar Aliens in anderen Galaxien, der „Westen“ würde natürlich auch für diese Lebensformen „freie Wahlen“ fordern.
        Allerdings, allerdings, ebenso wie hier auf der Erde bereits nur unter Leitung, Führung, Kontrolle von USA/NATO, EU, Weltbank, Dollar, EUR…… , „Weltkonzernen“ etc… ! 🙂

        Aber ohne Scherze, wie kann es wirklich freie Wahlen geben, wenn der „mündige Wähler“ nur unter Bedingungen, Voraussetzungen „wählen“ kann, auf die er in 99 von 100 Fällen überhaupt keinen Einfluß hat, alles von vornherein von den mächtigen Besitzern von Geld und Kapital, den von diesen wahren Mächten der bürgerlichen Gesellschaft gesteuerten Medien und Parteien, Staatsorganen, Vereinen, Verbänden organisiert und gelenkt wird?

        Es muss doch eigentlich jedem klar sein, dass unter solchen Herrschaftsverhältnissen von vornherein in aller Regel fast alle Wahlergebnisse immer nur jenen nutzen, deren Herrschaft bestärken, festigen, verewigen, welche diese „Wahlen“ vor allem für sich selbst, die eigenen partikularen Interessen organisieren.
        „One man, one vote“ mag ja in den Ohren völlig naiver unwissender Menschen super klingen, nach „wahrer Freiheit“, aber sie verstehen eben einfach Sinn und Funktionen dieser ewig immer gleichen „Wahlen“ mit den letztlich immer gleichen Resultaten nicht.
        Ob Adenauer, Brandt, Schmidt, Kohl, Merkel, und so überall andern Orten, immer die gleiche Einheits-Soße!

        Trotzdem allen hier ein schönes Wochenende!

      • sascha313 schreibt:

        Richtig, Harry! Solange die Macht im Kapitalismus (d.h. die Herrschaft einer extrem kleinen Minderheit + deren Fußvolk*), d.h. die Diktatur der Bourgeoisie u. damit das Privateigentum an den Produktionsmitteln) nicht angetastet wird, kann jeder diskutieren wie er will. Und das geschieht ja jetzt auch; diese vermeintliche „Freiheit“, um die es immer wieder geht. Und auch die „freien Wahlen“ sind eine Farce!

        *fast 700 davon sitzen im Bundestag – und da kann man sich schon mal eine kleine Villa im Wert von 4 Millionen leisten!

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Lieber Johann Weber, da hat dein Gesprächspartner aber ausgeblendet, dass der Rias (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) den „Aufstand“ am Regiepult geleitet hatte! Vielleicht hilft ihm der Name Egon Bahr auf die Sprünge.

      • S. Erfurt schreibt:

        Die DDR war umzingelt von Sendemasten, vom Ochsenkopf (Fichtelgebirge) über den Kreuzberg (Rhön), den Hohen Meißner bis zum Harz, mit Millionen von KiloWatt im Mikrowellenbereich wurde die Luft verpestet mit Elektrosmog und natürlich mit voll Hetze und Lügen gegen die DDR. In Sendernähe wurden die Menschen regelrecht gegrillt, ein Stückchen Draht genügte um eine Glühlampe zum Leuchten zu bringen!

        Und diese Umweltverschmutzung war auch voll mit Lügen über die BRD, die Lüge vom Wohlstand und der sozialen Marktwirtschaft und den prall gefüllten Regalen in den Supermärkten. ARD, ZDF und die Dritten, das waren die Schaufenster des Westens, eine Hohle Fassade und dahinter nichts als Lügen, Lügen und abermals Lügen und das bis heute!

        MFG

      • sascha313 schreibt:

        Doch wie ist das in Belorussija? Es verläuft schlimmstenfalls ähnlich wie in in der DDR, in Libyen, im Irak, in Syrien und in anderen souveränen Ländern, wo das internationale Monopolkapital bis dahin keinen Zugriff auf die Reichtümer des Landes hatte. Sobald jedoch die Grenzen offen sind und die herrschende Klasse bzw. das herrschende System beseitigt ist, wird dieses Land okkupiert, kolonialisiert, ausgeplündert und alle sozialen Errungenschaften werden ebenfalls abgeschafft… Was dabei herauskommt, haben wir immer wieder erlebt!

    • S. Erfurt schreibt:

      Moin,
      die Einmischung des Westens in die Entwicklung der DDR bestand hauptsächlich darin, daß massenweise Fachkräfte abgeworben wurden, der volkswirtschaftliche Schaden war beträchtlich. Heute wird, unter dem Schlachtruf Fachkräftemangel die ganze Welt ausgeplündert und das perfide daran ist, daß den Bundesbürgern suggeriert wird, als wäre das ein ganz normaler Vorgang und als wäre das die Freiheit eines Facharbeiters, das Land in dem er arbeiten möchte frei wählen zu dürfen.

      Und natürlich findet diese Abwerbung auch in Belarus statt und selbstverständlich auch der Kapitalexport sowie die Ansiedlung ausländischer Unternehmer die in Wirklichkeit allesamt nur Betrüger und darauf aus sind, dieses Land auszubeuten. Was dahintersteckt ist die unterschiedliche Entwicklung der Nationen und genau das wird im Kapitalismus brutalst ausgenutzt.

      MFG

      • Harry56 schreibt:

        Die nach 1945 weitgehend auf den trizonalen Deutschland- „Schlauch“ zusammengestauchte alte deutsche Ausbeuter-Oligarchie aus Besitzbürgertum, Großbürgertum, alten Hochadel und natürlich die vielen alten Staatsschergen des „Reiches“ , welche sich 1949 unter dem Schutz der westalliierten Bajonette ein neues Machtinstrument namens BRD schufen, mussten ein ganz natürliches Interesse daran haben, den etwas später gegründeten völlig neuen deutschen Staat DDR, wo sie nichts mehr zu sagen hatten, zu vernichten.

        Wenn heute naive Deppen behaupten, es hätte nie eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR gegeben, so ist das nur Schwachsinn.
        Es ging immer nur um die Macht zwischen Rhein, „Krupp“ oder „Krause“! Adenauer und die gesamte übrige Bonner Polit-Mischpoke handelten mit ihrer brüsken Zurückweisung der Stalin-Note von 1952 und später völlig richtig, richtig im Interesse der alten deiutschen Ausbeuter-Oligarchie.

        Zum damaligen Zeitpunkt benötigte sie einfach noch dringend die ausländischen Bajonette zum eigenen Schutz, weil ein neutrales, von allen Besatzungstruppen geräumtes Deutschland möglicherweise für diese „Elite“, deren Macht über wenigstens zunächst diesen „Schlauch“ hätte gefährlich werden können.

        Daher hatte Adenauer in diesem Sinne völlig recht mit seinem Spruch, lieber ein halbes Deutschland (der trizonale „Schlauch“) ganz, als ein ganzes Deutschland (zwischen Rhein und Oder) nur halb. Nebenbei, Adenauer war selbst schon rein familiär vor allem mit der rheinischen Großbourgeoisie engstens verbunden, kannte deren Gedanken und Wünsche also bestens!

        Gutes Wochenende!

  5. Weber Johann schreibt:

    Auf der Potsdamer Konferenz definierten die drei großen Siegermächte in der Polenfrage was „freie Wahlen“ sind. Sehr interessant.

    Alexander Tschakowskis Roman „Der Sieg – Zweites Buch“ (1978-1981), Verlag Volk und Welt Berlin, 1981 sind die Tage vom 16.7. – 2.8.1945 in Potsdam gewidmet. Erzählt wird von dem sowjetischen Journalisten Woronow. Woronow, Kriegsteilnehmer, leidenschaftlicher Patriot und wissender Zeitgenosse ist kompetent. Er war 1945 in Potsdam, als die Konferenz der großen Drei stattfand, hoffte wie viele, nach dem Sieg über den Hitlerfaschismus beginne die glückliche Zeit friedlicher Arbeit und der Völkerverständigung, und erlebt den Beginn dessen, was später „kalter Krieg“ hieß. Wissend um die weitere historische Entwicklung in Europa, erinnert er sich an Potsdam. Die minutiös genaue Schilderung des Konferenzverlaufs bildet die eigentliche Handlung des Romans. Es ersteht das wahrheitsgetreue Bild einer gewaltigen diplomatischen Schlacht für die Nachkriegsordnung in Europa.
    Ich zitiere:

    „[..] »Folgende Probleme stehen zur Entscheidung an«, fuhr Byrnes mit Verve fort. »Zunächst wäre da die Übereignung der Aktiva an die polnische Regierung und die Anerkennung. der polnischen Verbindlichkeiten gegenüber den USA und Großbritannien. Und zweitens geht es um die Durchführung freier Wahlen und die Garantie der Pressefreiheit.«

    Endlich wird der Stier bei den Hörnern genommen, dachte Truman mit Genugtuung. Der Kampf begann. Mittels »freier Wahlen« vor allem beabsichtigten Truman und Churchill die provisorische polnische Regierung der nationalen Einheit aus dem Sattel zu stoßen. »Freie Wahlen« hieß gleichberechtigte Beteiligung aller Parteien Vorkriegspolens. Gewiß, die Kommunisten waren unter den derzeitigen Bedingungen nicht auszuschließen von den Wahlen. Doch waren sie da benachteiligt, wo die Freiheit der konterrevolutionären Parteien herrschte, der von Dulles geknüpften Komplotte, der Kommunistenhetze in neugegründeten Zeitungen, für die den USA kein Geld zu schade war.

    Freie und unbehinderte Wahlen — diese Formulierung stand in dem Abkommen »Über Polen«, das vor wenigen Monaten auf der Krim zustande gekommen war. Sollte Stalin nur probieren, sie zurückzunehmen! Die freien Wahlen in Polen waren jetzt das Schlüsselproblem. Eben der Debatte darüber harrte Truman mit Ungeduld entgegen. [..]

    »Einen Dissens gibt es bei folgendem Punkt«, erklärte Byrnes. »Hier der Wortlaut: ‚Die drei Mächte nehmen zur Kenntnis, daß die provisorische polnische Regierung in Übereinstimmung mit den Beschlüssen der Krim-Konferenz der Abhaltung freie und unbehinderter Wahlen zugestimmt hat, bei denen alle demokratischen und antinazistischen Parteien das Recht zur Teilnahme und zur Aufstellung von Kandidaten haben. Die drei Mächte geben der festen Hoffnung Ausdruck, daß die Wahlen so durchgeführt werden, daß der Welt deutlich wird: Allen demokratischen und antinazistischen Gruppierungen der polnischen Öffentlichkeit wird Gelegenheit geboten, ihre Ansichten frei zu äußern….“

    Und genau diese Anforderungen an freie Wahlen wurden in der DDR erfüllt. Ich erinnere. Im Wahlgesetz von 1949 in der DDR ist festgelegt, wer in der DDR nicht wahlberechtigt und nicht wählbar war.

    „§ 5 Nicht wahlberechtigt und nicht wählbar ist:
    1. wer als Kriegs- oder Naziverbrecher oder wegen eines Angriffes auf die politischen Grundlagen unserer antifaschistisch – demokratischen Ordnung unter Anklage steht oder verurteilt worden ist, soweit er nicht unter das Gesetz über den Erlaß von Sühnemaßnahmen und die Gewährung staatsbürgerlicher Rechte für ehemalige Mitglieder und Anhänger der Nazipartei und Offiziere der faschistischen Wehrmacht vom 11. November 1949 fällt.“

    Diese Regelung verhinderte, dass in der DDR Kriegs- und Naziverbrecher, rechtsextreme Parteien gegründet werden konnten und somit keinen Einfluss in der Volkskammer hatten.

    Bei der 1. Bundestagswahl hatten die Wähler in der Alt-BRD nur eine Stimme. Sie konnten nur eine Partei wählen und die waren, außer der KPD, massenhaft mit Nazi und Kriegsverbrechern durchwandert, die von den Alt-BRD Parteien, außer der KPD, nominiert wurden.

    • S. Erfurt schreibt:

      … unbehinderter Wahlen zugestimmt hat, bei denen alle demokratischen und antinazistischen Parteien das Recht zur Teilnahme und zur Aufstellung von Kandidaten haben.

      Genau das ist ja der Knackpunkt. Was mit dem Befehl II der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) für die SBZ (Sowjetische Besatzungszone) verbindlich wurde.

      Schönen Sonntag 😉

  6. S. Erfurt schreibt:

    MINSK, 9. September (BelTA) – In der ersten Hälfte dieses Jahres haben die Auslandsinvestoren über $118 Millionen in der Freien Wirtschaftszone Minsk angelegt, rund 85 Prozent davon waren direkte Auslandsinvestitionen. Das sagte Leiter der FWZ Minsk Dmitri Rudtschenko der Staatszeitung „SB. Belarus segodnja“.

    Q: https://deu.belta.by/economics/view/fwz-minsk-zieht-in-der-ersten-jahreshalfte-118-mio-an-auslandsinvestitionen-heran-52524-2020/

    Genau das ist das Problem was dieses Land hat!

    • sascha313 schreibt:

      Genauso ist es. Nur – die Demonstranten wissen offenbar nicht, wem sie sich da nützlich machen.

      • S. Erfurt schreibt:

        Die „Opposition“ hat mittlerweile den Eintritt in die NATO gefordert:
        https://deu.belta.by/president/view/lukaschenko-erzahlt-uber-ergebnisse-beim-ausstieg-von-belarus-aus-ovks-52529-2020/

        Das Programm der belarussischen Opposition enthielt einen Vorschlag zum OVKS-Ausstieg, der nach der Veröffentlichung dieses Programms sofort gelöscht wurde. Ein weiterer Vorschlag bezog sich darauf, den Einsatz der russischen Sprache in Belarus zu begrenzen.

        Diese Vorschläge sind sehr deutlich. Und mit dem bereits in Gang gekommenen Kapitalimport dürfte auch klar sein wohin die Reise geht, egal ob mit oder ohne Opposition, egal ob mit oder ohne Demonstranten: In eine Zukunft ohne Selbstbestimmung und das weiß auch Lukaschenko, der vor wenigen Tagen noch verkündete, daß ausländische Investoren die eigene Volkswirtschaft zerstören. Warum lässt er es dann zu!? Er macht sich damit unglaubwürdig!

        MFG

      • sascha313 schreibt:

        Das ist, denke ich, den wenigsten bewußt. Die Forderungen werden auch nur von denen gestellt, die als Anführer der Demo’s ihre Instruktionen von den westlichen ThinkTanks bekommen…

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Ich habe mir heute das Interview, das Lukaschenko gestern vier russischen Journalisten gab, angesehen. Er hat viel erzählt aus dem praktischen Leben in Weissrussland während seiner Regierungszeit, von Erfolgen und Misserfolgen, und insgesamt habe ich den Eindruck bekommen, dass er zumindest ein Mann ist, dem man ein Gebrauchtauto abkaufen würde. Nicht immer hat er die Fragen der Journalisten klar beantwortet, das Übliche, wenn ein Punkt berührt wird, der besser beerdigt sein sollte, zum Beispiel die Brutalität in der Haftanstalt gegen die Häftlinge. Auf der anderen Seite hat er natürlich recht, die Soldaten sind mit äußerster Brutalität von den „friedlichen Demonstranten“ angegriffen worden, es gibt schwere Verletzungen bei ihnen, und dass sie nun einen Rochus ausgelebt haben, ist verständlich, und man kann Lukaschenko nicht wirklich dafür verantwortlich machen, obwohl er natürlich die Hauptverantwortung hat. Ein bisschen unkonzentriert wirkten seine Antworten auf mich mehrmals, vielleicht war es Absicht. Eines aber kam für mich rüber, nämlich dass er wie ein Vater für seine Kinderchen bemüht ist, die Unabhängigkeit des Landes vom Westen mit aller Macht zu erhalten. Die Frage ist ja nur, wieviel Macht hat er. Mehrmals sprach er die Beziehung zu Russland an, nach seiner Einschätzung ist da alles soweit in Ordnung. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Weißrussland, sagte er an einer Stelle gegen Schluss, ist sein Leben.

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