Der stille Don … und die deutschen Plünderer (1920)

ScholochowMichail Scholochow wurde 1905 als Nachkomme von Kosaken im Dongebiet geboren.. Begeistert von den Zielen der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gründete er schon als Junge in seiner Heimat eine kommunistische Jugendorgansiation. Als Siebzehnjähriger nahm er in der Roten Armee an den Kämpfen gegen konterrevolutionäre Banden am Don und an der Wolga teil. Schon 1928 erschien der erste Band seines Romans „Der stille Don“ und machte den Dichter schnell berühmt. Dieser Roman, der vier Bände umfaßt und erst 1940 vollendet wurde, ist die Geschichte von den Kosaken am Don und erzählt, wie in den ersten Jahren der Sowjetmacht allmählich der Widerstand der Konterrevolutionäre überwunden wurde und auch am Don ein neues, sozialistisches Leben begann, beschreibt Scholochow in seinem Roman:

II

Zug_1918Vom Don her rollten rotgestrichene Güterzüge durch die Ukraine, die Weizenmehl, Butter, Eier und Ochsen nach Deutschland brachten. In den Wagentüren standen Deutsche in Feldmützen, blaugrauen Röcken und mit Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten.

Feste deutsche Stiefel aus gelbem Leder, mit eisenbeschlage­nen Absätzen, stampften über die Landstraßen des Dongebiets, bayrische Kavallerie tränkte ihre Pferde im Don. Und an der ukrainischen Grenze kämpften junge Kosaken, die erst unlängst zu den Fahnen gerufen und in Persianowka ge­drillt worden waren, gegen die Soldaten Petljuras. Fast die Hälfte des neu zusammengestellen zwölften Kosakenregiments fiel bei Starobjelsk, als es dem Dongebiet ein Stück Ukraine eroberte.

Im Norden ging die Siedlung Ust-Medwedizk von Hand zu Hand: sie wurde von Mironow mit einer Abteilung aus rotgardistischen Kosaken besetzt, die ihm aus Glasunowskaja, Nowo-Alexandrowskaja, Kumylshenskaja, Skurischenskaja und anderen Dörfern zugeströmt waren. Schon eine Stunde später schlug ihn eine Abteilung weißer Freischärler unter der Führung des Offiziers Alexejew zurück, und auf den: Straßen wimmelte es von den Uniformmänteln der Gymnasiasten, der Realschüler und Seminaristen, die den Stamm der Abteilung bildeten.

Dem Norden zu wälzten sich von Siedlung zu Siedlung die Kosaken vom oberen Don. Mironow zog an die Grenze des Saratower Gouvernements. Die Roten räumten fast den ganzen Choperbezirk. Gegen Ende des Sommers besetzte die aus waffenfähigen Kosaken verschiedensten Alters bestehende Donarmee die Grenze. Unterwegs neuorganisiert, mit Offizie­ren aus Nowotscherkassk aufgefüllt, begannen die Truppen das Aussehen einer wirklichen Armee anzunehmen: die kleinen, in den Siedlungen zusammengestellten Abteilungen vereinig­ten sich. Die früheren regulären Regimenter mit dem alten, vom deutschen Krieg unversehrt gebliebenen Kommando­bestand wurden wiederhergestellt, die Regimenter schlossen sich zu Divisionen zusammen; in den Stäben ersetzte man die Fähnriche durch alte erprobte Oberste; allmählich wurde auch die ganze Führung erneuert.

Gegen Ende des Sommers überschritten Kosakeneinhei­ten aus Migulinskaja, Meschkowskaja, Kasanskaja und Schumi­linskaja, auf Befehl des Generalmajors Alfjorow die Grenze des Dongebiets, besetzten Donezkoje, die erste an der Grenze des Woronesher Gouvernements gelegene Siedlung, und begannen die Belagerung der Kreisstadt Bogutschar.

Quelle:
Michail Scholochow: „Der stille Don“.  Band III. Verlag Volk und Welt, Berlin 1952, S.19f.

Karte1920

Wie aber auch die deutschen Okkupanten 1918 im Dongebiet wüteten und alles, was ihnen in die Hände fiel, ausplünderten und ermordeten, wer sich ihnen in den Weg stellte, erfahren wir aus der Großen Sowjet-Enzyklopädie:

Die deutsche Intervention (1918-1922).

Bereits seit dem ersten Tage des Bestehens der Sowjetrepublik zog die gesamte kapitalistische  Welt gegen sie zu Felde. Als erstes imperialistisches Land begann Deutschland die Intervention und den bewaffneten Kampf. Die ehemaligen Verbündeten Rußlands, England, Frankreich und die USA schreckten im Kampf gegen die Sowjetrepublik vor keinem Mittel zurück…

Um die Mitte des Jahres 1918 drangen deutsche Truppen bis an den Kuban vor, stießen aber im Gebiet von Kustschewka auf Widerstand und mußten den weiteren Vormarsch einstellen. Sie besetzten jedoch die Krim, setzten über die Enge von Kertsch und begannennach der Landung auf der Taman-Halbinsel ihre Vormarsch auf Jekatarinodar. Dieser mißlang zwar, aber ein beträchtlicher Teil der Taman-Halbinsekl blieb in ihrer Hand…

Den deutschen Truppen folgten deutsche Gutsherren und Kapitalisten. Zur Ausplünderung der besetzten Gebiete wurden Sonderstäbe geschaffen. Alle Unternehmen, die Eisenbahnen, Gruben und Häfen wurden den deutschen Interventen unterstellt. Alle Lebensmittel wurden requiriert und nach Deutschland gebracht. Die besetzten Gebiete wurden zu regelrechten deutschen Kolonien. Wer sich den deutschen Räubern entgegenstellte, wurde erschossen oder gehenkt. Aber der Krieg gegen die Deutschen hörte nicht auf. Im Rücken der Deutschen wüteten überall Aufstände. Das war ein wahrhaft vaterländischer Krieg des sowjetischen Volkes gegen die deutschen Eroberer…

Quelle:
Große Sowjet-Enzyklopädie (2 Bde.), Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, Bd.I, S.675-677.
Jekaterinoslaw_1918

Aufmarsch der Deutschen Reichswehr in Jekaterinoslaw

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Der stille Don … und die deutschen Plünderer (1920)

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    „Der stille Don“ – was für ein großartiges Leseereignis für mich! Und dann die großartige Verfilmung. Übrigens wurde sie im deutschen Fernsehen vor einiger Zeit noch einmal gezeigt.
    Ich habe noch nicht verglichen, ob die Fernsehfassung mit der Originalfassung, die ich auch habe, übereinstimmt. Aber aufgefallen ist mir erst mal nichts.

    Welche Opfer musste die junge Sowjetunion bringen! Die ganze westliche Welt und die innere Reaktion stürzten sich auf sie. Und doch, die Rote Armee vertrieb sie dahin, wo sie hergekommen waren! Heute ist das alles gar nicht mehr richtig erinnerlich, gäbe es zum Beispiel den Roman von Scholochow und vielen anderen Dichtern nicht. Die nachfolgenden Generationen hatten ihre eigenen Probleme.

    Dass nicht nur die Konterrevolution, sondern auch die Interventionsarmeen geschlagen wurden, konnte nur unter der Führung der Bolschewiki geschehen. Ich frage mich, wie die Russen ihre eigene Geschichte heute sehen, wenn ich davon ausgehe, dass sie heute in einem imperialistischen Russland leben müssen. Die Leiden und die Heldentaten dieses Volkes,
    die Konterrevolution und die Niederlage – was für eine Geschichte! Die Lebenskraft dieses Volkes scheint trotz allem unerschütterlich zu sein. Und wenn heute die NATO glaubt, sie könne dieses Volk und dieses Land jemals besiegen, dann befindet sie sich in einem Irrtum, der zu ihrer eigenen Vernichtung führen wird.

  2. S. Erfurt schreibt:

    Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Normal-Bundesbürger (Jahrgang 63). Der will von Geschichte gar nichts wissen weil das Schnee von Gestern wäre. Erst als ich sagte, daß wir gerade jetzt diesen Schnee von gestern wieder erleben weil sich, entgegen der Merkelschen Behauptung „Gesiste widerholt sis nist.“ Geschichte eben doch ständig wiederholt, ist mein Gegenüber etwas nachdenklich geworden.

    Michail Scholochow: „Ein Menschenschicksal“ war zu meiner Zeit obligatorisch zu lesen. Es hat nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Umso weniger kann ich meinen gestrigen Gesprächspartner verstehen, der, nachdem sein eigener Vater Opfer eines Raubüberfalls wurde und an dessen Folgen verstarb, den Kapitalismus immer noch gut findet. Was sicher daran liegt, daß er noch nicht begriffen hat, daß derartige Verbrechen ihre Wurzeln im System haben. Aber es war ja nicht unser letztes Gespräch. Überhaupt ist mir gestern wieder deutlich geworden, wie tief die Lügen in den Köpfen sitzen die von Staate BRD jahrzehntelang verbreitet und da eingepflanzt worden sind.

    Schönen Sonntag!

    • sascha313 schreibt:

      Danke, S.Erfurt, da sieht man wieder mal, wie wichtig im Grunde jedes Gespräch mit Westbürgern ist, die immer noch nicht begriffen haben, daß der Kapitalismus am Ende doch auch ihr eigenes, so hochgelobtes Schicksal bestimmt. Es geistert ja immer noch die Einbildung herum, wer Mißerfolg im Leben hat, der sei entweder zum dumm oder zu faul gewesen! (…und ich würde sogar sagen: ein Gespräch ist wichtiger als Fahnenschwenken!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s