Klaus Drobisch: Theodor Eicke – er war einer der ihren… Massenmörder und Verkörperung des KZ-Systems der Nazis

DachauZur Erinnerung und Mahnung – 30. Januar 1933: schwarzer Tag der deutschen Geschichte. Großindustrielle und Bankiers Generale und Junker übertrugen die Regierungsgewalt an die Faschisten. Auf der abschüssigen Bahn einer imperialistischen Konterrevolution, die bereits gegen die russische Oktoberrevolution von 1917 und die deutsche Novemberrevolution  von 1918 zu Felde gezogen war und die nunmehr den in der Sowjetunion sich vollziehenden Aufbau des Sozialismus und die Arbeiterbewegung in Deutschland buchstäblich bis aufs Messer bekämpfen wollte, stürzte die bürgerlich-parlamentarische Weimarer Republik in den Abgrund einer faschistischen Diktatur (Helmut Bock) ….

Theodor Eicke – Verkörperung des KZ-Systems 

von Klaus Drobisch

Seine Personalakte vermerkt für das Jahr 1934 drei Wochen, die in seiner verbrecherischen Laufbahn einschneidend waren: 20. Juni, Ernennung zum Führer im Stab des Reichsführers SS und diesem direkt unterstellt; 4. Juli, Ernennung zum Inspekteur der Konzentrationslager und Führer der SS­-Wachverbände; 11. Juli, Ernennung zum SS-Gruppenführer. Nicht darin steht, daß dieser aufsteigende Nazi in denselben Wochen, am Nachmittag des 1. Juli, mit seinen Spießgesellen in die Zelle 474 des Zuchthauses Mün­chen-Stadelheim eindrang und den dort inhaftierten SA-Chef Ernst Röhrn erschoß. Hinzu kamen 17 weitere Morde, die am selben und am folgenden Tage im Konzentrationslager Dachau unter seiner Leitung verübt wurden.

Zum Mörder geradezu prädestiniert…

Die Entscheidung, den SS-Brigadeführer Theodor Eicke mit neuen Ämtern zu betrauen und im Rang zu erhöhen, kam nicht von ungefähr. Er war für die Rolle eines Chefs aller Konzentrationslager geradezu prädesti­niert. Die SS-Führung schätzte seinen gewalttätigen Rechtsradikalismus und billigte seinen bisherigen abenteuerlichen Werdegang, über den er selbst mündlich und schriftlich berichtet hat.

Aus der Personalakte eines Faschisten

Hier nun die Merkpunkte aus Lebenslauf und Personalakte: Geboren 1892 als Eisenbahnersohn im Elsaß. 1909 freiwillige Meldung zur kaiserlichen Armee, im ersten Weltkrieg Zahlmeister. 1919 Technikstudium in Ilmenau; doch weniger Student als „Informant“ der dortigen Polizei. Ausbildung an der Cottbuser Polizeischule. Dienst bei der Schutzpolizei in Weimar, bei den Polizeiverwaltungen in Sorau und Ludwigshafen; allerdings wegen Umtrie­ben gegen den republikanischen Staat wiederholt entlassen. 1923 bis 1932 bei der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen als Sicherheits­kommissar beim Werkschutz und in der Werkspionageabwehr.

Ein eiskalter Mörder wird freigelassen

Dort 1928 Eintritt in die SA und die NSDAP, 1930 in die SS. Darauf Führer des Ludwigshafener SS-Sturmes und dann Führer der 10. SS-Stan­darte in der Rheinpfalz. 1931/32 Fabrikation von etwa 80 Bomben, um „den roten Laden“ in die Luft fliegen zu lassen … Eine davon in Braun­schweig gelegt: Verletzte, 21 beschädigte Häuser, 300 zersplitterte Fenster­scheiben – deswegen verhaftet, im März 1932 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und bald darauf wieder freigelassen. Erneut aktiv. Da gefährdet, auf Befehl des Reichsführers SS nach Italien geschickt, zum SS-Oberführer und Kommandanten eines Lagers für SS-Flüchtige ernannt, das von italieni­schen Behörden am Gardasee eingerichtet wurde. Von dort mit ganzer Truppe in Uniform nach Bozen gefahren, wo zusammen mit italienischer Miliz und Armee der 10. Jahrestag des faschistischen Marsches auf Rom gefeiert wurde. Deswegen erhebliche Aufregung in der österreichischen Presse und Antrag der Landesleitung der NSDAP in Österreich, ihn streng­stens zu bestrafen – doch bei Hitler, Himmler und Röhrn Nachsicht gefun­den; Antrag abgetan.

…von Kommunistenhaß zerfressen!

Am 30. Januar 1933 brüstete sich Eicke gegenüber seinem früheren Sturm­bann: „Ich bin immer noch der alte, nur viel bissiger und ohne Rücksicht.“ Mitte Februar erfolgte Rückkehr nach Ludwigshafen in der Absicht, mit der „sofortigen rücksichtslosen Säuberungsaktion“ gegen Kommunisten und So­zialdemokraten zu beginnen. Weil auch gegen „pflaumenweiche“ Partei­genossen vorgegangen, von Polizei verhaftet und zur Untersuchung des Gei­steszustandes in die Würzburger Heilanstalt gebracht. Dort aber „ver­ständnisvoll“ durch Dr. Werner Heyde beurteilt und Gesuch an den Reichs­führer SS geschrieben; auf Grund der ärztlichen Feststellungen freigelassen und am 26. Juni ’33 in alten Dienstrang wiederum eingesetzt. An dieser Stelle ist die Schilderung von Eickes Lebenslauf, wie er sich aus den zeit­genössischen Unterlagen ergibt, zu unterbrechen und aus heutiger Sicht anzu­merken: Jener Dr. Heyde ließ 1940/41 zahllose angeblich unheilbar Kranke umbringen und blieb unter dem Decknamen Dr. Fritz Sawade mit Wissen von Kollegen und Gerichtsbehörden bis Ende 1959 in Schleswig-Holstein gutachterlich tätig.

Eicke – der Henker von Dachau

Eicke selbst löste noch am selben 26. Juni den Dachauer KZ-Komman­danten, SS-Oberführer Hilmar Wäckerle, ab. Den neuen Lagerchef interes­sierte wenig, daß die Münchner Staatsanwaltschaft sowohl gegen seinen Vor­gänger als auch gegen den SS-Lagerarzt und einen SS-Wachmann den Vor­wurf des Mordes an Häftlingen erhoben hatte. In seinen Augen waren „ein paar totgeschlagene rote Schweine“ keiner Aufregung wert. Im übrigen nahm er an, das V erfahren werde bald unterdrückt – was auch geschah; indem die Akten bei der Bayerischen Politischen Polizei verschwanden und ein bayerisches Gesetz vom 2. August ’33 die strafrechtlichen Untersuchungen gegen „Übergriffe“ anläßlich des Machtantritts der neuen Reichsregie­rung niederschlagen ließ.

KZ-Eicke

Mord –  „im Interesse des Vaterlandes“

Der neue KZ-Kommandant nahm sich Wäckerles „Sonderbestimmungen“ für Häftlinge vor, die im Frühjahr von Himmler angeregt und gutgeheißen worden waren, und er verschärfte zunächst die Diktion: „Toleranz bedeutet Schwäche. Aus dieser Erkenntnis heraus wird dort rücksichtslos zugegriffen werden, wo es im Interesse des Vaterlandes notwendig erscheint.“ Mit die­sen einleitenden Sätzen der neuen „Disziplinar- und Strafordnung“ formu­lierte er das allgemeine Grundprinzip des Terrorregimes, und er drohte „politisierenden Hetzern und intellektuellen Wühlern – welcher Rich­tung“ – auch zynisch: „Hütet euch, daß man euch nicht erwischt, man wird euch sonst nach den Hälsen greifen.“

Die Rache-Liste des Faschisten Eicke

Die 18 Paragraphen der Strafbestimmungen Eickes sollten jedes erdenk­liche Aufbegehren der Häftlinge unterbinden und ermöglichten – ohne Gerichtsentscheid – folgende Strafen: Strafarbeit, strengen Arrest von drei bis 42 Tagen, kombiniert mit 25 Stockhieben, andauernde Einzelhaft, Tod durch Erhängen oder Erschießen. Beispielsweise besagte der Paragraph 11:

„Wer im Lager, an der Arbeitsstelle, in den Unterkünften, in Küchen und Werkstätten, Aborten und Ruheplätzen zum Zwecke der Aufwiegelung politisiert, aufreizende Reden hält, sich mit anderen zu diesem Zwecke zusammenfindet, Cliquen bildet oder umhertreibt, wahre oder unwahre Nachrichten zum Zwecke der gegnerischen Greuelpropaganda über das Konzentrationslager oder dessen Einrichtungen sammelt, empfängt, ver­gräbt, weitererzählt, an fremde Besucher oder andere weitergibt, mittels Kassiber oder auf andere Weise aus dem Lager schmuggelt, Entlassenen oder überstellten schriftlich oder mündlich mitgibt, in Kleidungsstücken oder anderen Gegenständen versteckt, mittels Steinen usw. über die Lager­mauer wirft oder Geheimschriften anfertigt, ferner, wer zum Zwecke der Aufwiegelung auf Baracken, Dächer und Bäume steigt, durch Lichtsignale oder auf andere Weise Zeichen gibt oder nach außen Verbindung sucht oder wer andere zur Flucht oder zu einem Verbrechen verleitet, hierzu Ratschläge erteilt oder durch andere Mittel unterstützt, wird kraft revolutionären Rechts als Aufwiegler gehängt!“

…kurzerhand „ins Jenseits befördert“

Das konterrevolutionäre Unrecht – anders ist es nicht zu bezeichnen – stand nicht nur auf dem Papier. Es gelang einem Häftling schon damals, der Öffentlichkeit die Dachauer Strafverfolgungen bekanntzumachen: Am 22. Oktober ’33 ließ Eicke die rund 2.500 Lagerinsassen antreten, wetterte vor ihnen gegen die „Schurken“, die im Ausland „Greuelnachrichten“ über das Lager verbreiteten und nannte vier „Denunzianten“, die man gefaßt habe: Altmann, der als Schreiber bei der Aufnahme die Namen neuer Häft­linge notierte, Franz, der in der Kartei der Poststelle die Personalien feststellte, Dr. Katz, der im Krankenrevier die Mißhandelten und ihre Ver­letzungen erfaßte, und Dr. Rosenfelder, der auch irgendwie daran beteiligt sei. „Zwei der verhafteten Verräter sind bereits ins Jenseits befördert: der Jude Dr. Katz und sein Helfer Willy Franz“, verkündete der KZ-Komman­dant, und er fügte drohend hinzu: „Wir haben noch genug deutsche Eichen, um jeden daran aufzuhängen, der sich uns entgegenstellt. Es gibt keine Greuel, und es gibt keinen Tschekakeller in Dachau. Wer Prügel bekommt, erhält sie zu Recht!“

Sein Kumpan, der SS-Mann Sparer

Der Terror forderte an jenem Tage noch weitere Opfer – wie derselbe Häftling berichtete: Der SS-Mann Sparer trieb zwei neueingelieferte Ge­fangene in die Aborte, wo sie die Köpfe in die Becken stecken mußten und dabei mit einer schweren Lederpeitsche mißhandelt wurden. Nach zwei Stunden fiel einer von ihnen durch die Tür. Sparer sprang dem Häftling auf den Rücken und schlug ihm wild auf den Kopf. „Ich meinte“, bemerkte der Augenzeuge, diesem „müsse das Rückgrat gebrochen sein.“ Als der Ge­fangene tot war, zündete sich der Mörder eine Zigarette an und tanzte nach der Radiomusik.

Der Kommunistenmörder Birzle

Es war gang und gäbe, daß gemordet und jedes Verbrechen verschleiert wurde. Am 28. November beispielsweise zerrte der SS-Scharführer Birzle den Kommunisten Fritz Bürk in die Klosetträume, schlug auf ihn ein und streckte ihn schließlich mit drei Pistolenschüssen nieder. In der Presse hieß es dann: bei einem Fluchtversuch ertappt und erschossen.

Von Himmler empfohlen: Der KZ-Kommandant Eicke

Es sind dieses nur zwei der zahlreichen Gewalttaten, zu denen Komman­dant Eicke seine Dachauer SS-Leute anhielt und die er selbst ihnen vor­exerzierte. Er erachtete sie als Kennzeichen „vorbildlicher Manneszucht“ und eines „vorrrefflichen Korpsgeistes“, woran er „Treue, Tapferkeit und Pflicht­erfüllung“ messen mochte. Als Himmler ihn 1934 ausersah, alle Konzentra­tionslager nach dem Dachauer Prototyp neu zu organisieren und zu verein­heitlichen, durfte er sich in seiner Auffassung bestätigt fühlen.

Die Ermordung des SA-Chefs Röhm

Doch zuvor war ein anderer Auftrag zu erledigen: Mit seiner zum Kada­vergehorsam gedrillten SS-Truppe probte er bereits Anfang Juni ’34 schnelle Märsche nach München, Lechfeld und Bad Wiessee, um den von der Reichs­führung beabsichtigten Schlag gegen die SA-Spitze vorzubereiten. Am 30. Juni verbreitete sich das Gerücht: „Eicke bemüht sich persönlich, den SA-Chef Röhm nach Dachau zu bekommen. Ein Galgen ist schon gebaut. Eicke gibt eine Telegrammzeitung ins Lager, auf die er mit Blaustift ge­schrieben hat: „Röhm ist verhaftet und wird morgen gehängt.“ Wenngleich das Geschehen im einzelnen anders verlief, so konnte doch Eicke am 1. Juli in der Münchner Gefängniszelle seine Tatfreude unter Beweis stellen. Auch an den folgenden Tagen gab er seinen Leuten in Dachau ein „Leitbild an Tapferkeit“ ab, indem er das Lager als Vollstreckungsstätte benutzte.

Blutspur von Dachau bis nach Sachsenhausen

Nach vollzogener Mordmission, Rangerhöhung und Ernennung zum In­spekteur der deutschen Konzentrationslager machte sich der SS-General an seine neue Aufgabe. Zunächst übertrug er die Dachauer Prinzipien, SS­-Leute zu skrupellosen Gewalttätern abzurichten und Häftlinge zu erniedri­gen, sie körperlich zu schinden und geistig zu brechen, auf alle Konzentra­tionslager: Esterwegen, Hamburg-Fuhlsbüttel, Lichtenburg, Oranienburg, Sachsenburg und Bad Sulza, später auf das Berliner Columbia-Haus, auf Buchenwald und Sachsenhausen.

Die Moskauer „Iswestija“:  „Eicke – der teuflichste Mörder!“

Eicke glaubte, seine Leute könnten mit Brutalität die Gefangenen nieder­halten. Doch mußte er wieder und wieder erfahren, daß diese im allge­meinen ungebrochen blieben. Ständig sickerten Nachrichten aus den Lagern, wurden im Inland verbreitet und im Ausland publiziert. Die Strafordnung, die er am 1. August ’34 auch in den anderen Lagern einführte, gelangte aus der Lichtenburg heraus, erschien Anfang 1935 wörtlich in der Prager Presse, dann im „Tribunal“, der Zeitschrift der Roten Hilfe, und in der Moskauer „Iswestija“, Ein Artikel in der „Neuen Weltbühne“ vom 11. Oktober 1934 griff den SS-Verbrecher namentlich an. Unter dem Titel „Mörder Eicke“ hieß es darin:

„Der Name Eicke darf nicht vergessen werden. Er bleibe ein Symbol für die teuflischste Form von Mord, für die verächtlichste Sorte von Mördern.“

Der Berliner Domkapitular Bernhard Lichtenberg ließ Göring am 18. Juli 1935 die Aufzeichnung eines Sozialdemokraten übergeben, der kommentarlos die Schikanen, Prügelszenen und die Ermordung eines Kom­munisten, eines SPD-Mannes und drei weiterer Häftlinge im KZ Ester­wegen beschrieben hatte. Eicke reagierte mit wüsten Beschimpfungen:

Eicke schäumt vor Wut… und rächt sich

Solche „fortgesetzten Angriffe mit konzentrierten Greuellügen gegen staat­liche Konzentrationslager“ müßten endlich unterbunden werden. Damit an dem „Hetzapostel“ ein Exempel statuiert werde, sei der „Greuellügner Lich­tenberg wegen heimtückischer Angriffe auf den Staat in Schutzhaft zu neh­men, damit er sich im Lager Esterwegen von der Ordnung und Sauberkeit überzeugen“ könne. Eicke hielt sich an die Häftlinge, die in seiner Hand waren. Ende 1937 ließ er über die Juden so lange eine Isolierhaft verhän­gen, bis „die blödsinnigen Lügen über Konzentrationslager“ von der Aus­landspresse unterlassen würden,

Die Dachauer Mörderschule

Eicke machte die Wachmannschaften durch seine Befehle und andauern­den Belehrungen über die „Gefährlichkeit der Häftlinges scharf. Der spä­tere Kommandant des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, der in Dachau „ausgebildete“ Rudolf Höß, hat beispielsweise folgende Worte Eickes überliefert: „jegliches Mitleid mit ,Staatsfeinden‘ sei eines SS-Mannes unwürdig … Er könne nur harte, entschlossene Männer gebrau­chen, die jedem Befehl rücksichtslos gehorchen. Nicht umsonst trügen sie den Totenkopf und die stets geladene scharfe Waffe. Sie stünden als einzige Soldaten auch in Friedenszeit Tag und Nacht am Feind, am Feind hinter dem Draht.“ Höß fügte hinzu: „Diese Einstellung hat sich in alle Konzen­trationslager, auf alle dort diensttuenden SS-Männer und SS-Führer weiter­verbreitet, weitervererbt, noch viele Jahre nach Eickes Abgang als Inspek­teur.“ Derart abgerichtet, gingen aus der Dachauer Mörderschule viele der späterhin berüchtigten Unterführer, Lagerführer, Kommandanten von Kon­zentrations- und Vernichtungslagern hervor.

… „den Bedürfnissen eines Krieges … Rechnung tragen“

Sobald Eicke sämtliche Konzentrationslager zu einem einheitlichen Gan­zen zusammengefaßt und ausgestaltet hatte, führte er Himmlers nächsten Auftrag aus: den Ausbau neuer, größerer Lager. Dabei wurde die vor­dringliche Absicht verfolgt, das Regime für den Fall des ausbrechenden Krieges zu sichern. So vermerkte Eicke am 18. Juni 1936:

„Die Militär­behörde ist mit dem Ersuchen an mich herangetreten, im A-Falle einige hundert staatsgefährliche Elemente in einem Konzentrationslager in der Nähe Berlins unterzubringen. Ich habe hierfür das neue Konzentrations­lager Sachsenhausen vorgesehen.“ Mit Blick auf das künftige Lager Buchen­wald schrieb er am 27. Oktober desselben Jahres: „Eine solche Einrichtung dient nicht nur im Frieden, sondern muß den Bedürfnissen eines Krieges in erhöhtem Maße Rechnung tragen.“

KZ-Wachtruppen – ausgebildet von dem Mörder Eicke

Auf Kriegseinsatz zielte neben dem Terror auch die Ausbildung der KZ-Wachmannschaften. Schon als Dachauer Kommandant hatte Eicke 1933 seine 120 Mann infanteristisch ausgebildet, an allen Handfeuerwaffen bis zum Maschinengewehr unterrichtet und zur Feier am 9. November in Mün­chen als Wachtruppe aufmarschieren lassen. 1935 waren die Einheiten auf rund 1800 Mann angewachsen. Sie trugen erdbraune Uniformen und blie­ben bei den Konzentrationslagern kaserniert: SS-Wachsturm „Oberbayern“ in Dachau, „Ostfriesland“ in Esterwegen, „Elbe“ bei der Lichtenburg, „Sachsen“ bei Sachsenburg, „Brandenburg“ in Oranienburg und in Berlin, „Hansa“ in Hamburg.

Eine Bürgerkriegstruppe für Innerdeutschland

Anläßlich des Nürnberger Parteitages der NSDAP von 1935 ließ der SS-General diese Wachverbände erneut in der Öffentlichkeit aufmarschie­ren. Er kassierte den Beifall Hitlers und Himmlers, erreichte ein halbes Jahr später, daß seine Truppe verdoppelt und „SS-Totenkopfverbände“ ge­nannt werden konnte – ein Name, der an das zuerst in Dachau eingeführte Symbol auf den Kragenspiegeln der KZ-Wachen erinnerte. „Eine Bürger­kriegstruppe für den Kriegsschauplatz Innerdeutschland, die das eigene Volk und die unterjochten fremden Völker niederhalten soll“, so nannte eine Tarnschrift der KPD diese KZ-Verbände.

Vernichtung der revolutionären Arbeiterbewegung

Zu dem von Eicke geschaffenen KZ-System gehörten die auch von ihm formulierten und praktizierten Prinzipien der Gewaltherrschaft und des Verbrechens, die im Zuge der Kriegsvorbereitung neuerrichteten oder ausgebauten Lagerkomplexe, die aus seiner Schule hervorgegangenen Wach­mannschaften und Massenmörder. Er war maßgeblich daran beteiligt, den Konzentrationslagern eine Hauptrolle bei der Isolierung, Unterdrückung und Terrorisierung der politischen Gegner zu geben und sie, auf lange Sicht angelegt, als barbarischstes Mittel zur Vernichtung der revolutionären Ar­beiterbewegung und anderer oppositioneller Kräfte einzusetzen.

Ein charakteristisches Merkmal des deutschen Faschismus

Bei Kriegsbeginn wechselte der SS-General mit den Totenkopfeinheiten von der inneren an die äußere Front, wo weitere Verbrechen begangen wurden. Die Inspektion der Konzentrationslager übernahm Eickes Stabs­chef und Stellvertreter, SS-Brigadeführer Richard Glücks. Aber es waren die von Eicke geschaffenen Grundlagen, auf denen das KZ-System nunmehr in ungeheuerliche Dimensionen mit millionenfachen Verbrechen wuchs. Menschen in aller Welt begreifen diese Institution der politischen Mord­brennerei als ein Charakteristikum des deutschen Faschismus.

In westdeutsche Traditionsverbänden gewürdigt….

Eicke fand als Kommandeur der SS-Division „Totenkopf“ im Februar 1943 in der Sowjetunion den Tod – im Kampf gegen den Kommunismus, den er hatte ausrotten wollen. Die von ihm aufgestellten und gedrillten Einheiten zählen in der heutigen BRD zu den Traditionsverbänden der ehemaligen Waffen-SS, wobei ihre Herkunft und somit das Kainsmal, Wachmannschaften der Konzentrationslager gewesen zu sein, geflissentlich kaschiert wird. Auf Veranstaltungen und in Veröffentlichungen findet sich Eickes Porträt als Ritterkreuzträger mit Eichenlaub, jedoch nicht als Massen­mörder der „verächtlichsten Sorte“.

Quelle:
Klaus Drobisch: „Theodor Eicke –  des KZ-Systems“. In: Helmut Bock (Hrsg.): „Sturz ins Dritte Reich, Historische Miniaturen und Porträts 1933-35“, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin, 1985, S.283-289. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)


Siehe auch:
Kurt Gossweiler: Der deutsche Imperialismus und der Platz des Faschismus in seinem Herrschaftssystem heute
Kurt Gossweiler: Der Faschismus in der BRD
Der Faschismus und die heutige Welt

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2 Antworten zu Klaus Drobisch: Theodor Eicke – er war einer der ihren… Massenmörder und Verkörperung des KZ-Systems der Nazis

  1. S. Erfurt schreibt:

    Dieser Tage stand ich mal wieder auf meinem geliebten Ettersberg, sah hinüber zum Thüringer Wald und versuchte meine Heimat, die ich zweimal verlor wiederzuerkennen. Das erste Mal verlor ich meine Heimat im Herbst 1990, das zweite Mal 10 Jahre später, als ich wegen einer Arbeit nach BaWü gehen musste. Auch auf dem Etterberg ist vieles nicht wiederzuerkennen. An den Ringgräbern lagen früher immer Kränze und frische Blumen, heute kann man die Namen der Nationen kaum noch entziffern. Vor dem Lagertor eine Menschengruppe, die sich um ihre Führer scharte. Jung, Braungebrannt und behütet mit einem Strohhut erzählte dieser gutaussehende Führer, welchen Stellenwert dieses Lager in der DDR hatte, dem Teil Deutschlands in dem es keine Demokratie gab. Mir kam das Kotzen.

    MCMXLV

    • S. Erfurt schreibt:

      PS: Daß an den Stelen der Straße der Nationen, Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald keine Kränze mehr niedergelegt werden, ist auch ein trauriges Zeugnis dafür, wie in den betreffenden Ländern, die heute alle zur EU gehören, mit diesem Erbe umgegangen wird. Darin zeigt sich auch der antikommunistische Charakter der heutigen diplomatischen Beziehungen zwischen diesen Ländern die einst einer sozialistischen Staatengemeinschaft angehörten.

      MCMXLV – 1945, zur Mahnung

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