Der sowjetische Agrobiologe und Agronom Trofim Lyssenko

Trofim_LyssenkoIn der Sowjetunion gab es nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und dem Ende des Bürgerkriegs einen lebhaften wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Aufschwung. Rasant entwickelte sich vor allem die Industrie. Aber auch in der Landwirtschaft waren die Vorzüge des Sozialismus nunmehr deutlich spürbar. Durch seine wissenschaftliche Tätigkeit leistete der sowjetische Gelehrte Trofim Denissowitsch Lyssenko (1898-1976) einen außerordentlich großen Beitrag zur Entwicklung der Landwirtschaft. Lyssenko war Agrobiologe und Agronom. Er befreite den Darwinismus von Fehlern und Entstellungen und rückte seine fortschrittlichen wissenschaftlichen Seiten in den Vordergrund. Seine konsequente und unentwegte Entlarvung des idealistischen Wesens des Weismanismus-Morganismus und die Weiterentwicklung der materialistischen Mitschurinschen Lehre ist das Verdienst T. D. Lyssenkos. Über ihn schrieb der Zellbiologe und Historiker Dr. S. Mironin den folgenden ausführlichen Beitrag:

Wer war Trofim Lyssenko und warum wurde er nach der Konterrevolution mit Dreck beworfen?

Von Sigismund Mironin

Am 20. November jährt sich der Todestag des herausragenden sowjetischen Wissenschaftlers und Biologen Trofim Denissowitsch Lyssenko. Leider werde ich den größten Teil dieses Artikels nicht der Beschreibung seines Vermächtnisses widmen müssen, sondern der Widerlegung der abscheulichen Verleumdungen, die von unehrlichen und selbstsüchtigen Menschen begangen werden. In den Jahren der „Perestroika“ wurde um den Namen Lyssenko eine wilde Hysterie entfaltet, vergleichbar mit der Hysterie um die Namen Bérija und Stalin.

Ein hervorragender sowjetischer Wissenschaftler

Gegenwärtig wird der Name des Akademiemitglieds Lyssenko so bespuckt und verleumdet, daß er im Massenbewußtsein das Schlimmste verkörpert, was Pseudowissenschaft hervorbringen kann, und er wird als Quacksalber und Obskurantist dargestellt. So schämen sich die Verleumder nicht einmal für ihre offensichtlichen Lügen und Fälschungen, die sogar der bunten Zeitungen und des Goebbels’schen Unrats nicht wert sind. Als ausgebildeter Mikrobiologe, der mit der Genetik vertraut ist, bin ich kategorisch der Auffassung, daß ein solche Sichtweise unbegründet ist, und daß Lyssenko in der Tat ein hervorragender sowjetischer Naturforscher ist, was ich in diesem Artikel unter Beweis stellen werde.

Zu Ihrer Information:

Lyssenko T.D. (1898-1976), sowjetischer Agrarwissenschaftler, Akademiker der Akademie der Wissenschaften der Ukraine (1934), Akademiemitglied (1935) und Präsident (1938-56 und 1961-62) der nach Lenin benannten All-Unions-Akademie der Agrarwissenschaften, Akademiemitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR (1939), Held der sozialistischen Arbeit (1945), dreimaliger Träger des Staatspreises der UdSSR (1941, 1943, 1949).


EINE WIDERLICHE KAMPAGNE GEGEN LYSSENKO

In der Tat, wenn man die russische Literatur der letzten Jahrzehnte liest, sieht man, daß Lyssenko einfach als echtes Monster dargestellt wird, als eine Art Vogelscheuche für Wissenschaftler in Rußland und in der ganzen Welt. Hier ist, wie er in Katalogen [1] charakterisiert wird:

T.D. Lyssenko ist der Schöpfer der pseudowissenschaftlichen „Mitschurinschen Lehre“ in der Biologie. Indem er die klassische Genetik (den sogenannten Mendelismus-Morganismus) als „idealistisch“ und bourgeois ablehnte, argumentierte er, daß es möglich sei, erworbene Eigenschaften zu vererben, eine Art in eine andere zu „einzupflanzen“ usw. Zahlreiche praktische Empfehlungen von Lysenko für die Landwirtschaft (superschnelle Züchtung neuer Sorten usw.) blieben erfolglos und verursachten großen wirtschaftlichen Schaden. Von den 1930 Jahren bis 1964 (insbesondere nach der Sitzung der AdA 1948) wurde die Tätigkeit von Lyssenko von J.W. Stalin und später von Chruschtschow unterstützt. Seine „marxistischen“ Lehren und praktischen Empfehlungen, die auf eine revolutionäre Veränderung der Natur abzielten und eine schnelle Lösung der Ernährungsprobleme versprachen, wurden administrativ umgesetzt. Infolge des monopolistischen Einflusses von Lyssenko und seinen Anhängern (der sogenannten Lyssenkowschtschina) wurden wissenschaftliche Schulen der Genetik zerstört, ehrliche Wissenschaftler angeprangert, die biologische und landwirtschaftliche Bildung degradiert und die Entwicklung von Biologie und Landwirtschaft ausgebremst.

Was soll man dazu sagen? Er ist einfach der leibhaftige Teufel… Übrigens werden wir in der Mitte des Artikels sehen, wie sehr die sowjetische Landwirtschaft durch sein Handeln „degradiert“ wurde.

Und hier ist eine weitere Beschreibung:

„…Jede Kritik an ihr (Lyssenkos Konzeption – d.Autor) wurde als Sabotage empfunden. Als Organisator der Agrarwissenschaft erwies sich Lysenko als harter und rücksichtsloser Verfolger seiner wissenschaftlichen Gegner, verursachte großen Schaden für die Entwicklung der Genetik und Biologie im Land. Lyssenkos Monopolismus in der Biologie, kombiniert mit den stalinschen Methoden des Kampfes gegen Andersdenkende, verursachte die Zerstörung ganzer wissenschaftlicher Schulen, den Tod vieler Wissenschaftler (einschließlich N. I. Wawilow). Später wurde eindeutig bewiesen, daß alle Ideen von Lyssenko nichts weiter sind als Scharlatanerie, die auf pseudowissenschaftlichen Forschungen und der Fälschung von Versuchsergebnissen beruht.“

Wenn man das alles liest, verfinstert sich der Blick – ein echter Bösewicht, ein grausamer Fanatiker, und makelloser als jeder Inquisitor. Im Folgenden werden wir jedoch sehen, daß die oben genannten Punkte eine kurze Bezeichnung haben – Verleumdung.

Warum wurde Lyssenko mit Auszeichnungen geehrt?

Unterdessen wollen wir jedoch eine unbescheidene Frage stellen: Warum erhielt Lyssenko noch vor der berühmten Sitzung der AdA von 1948 zwei hohe staatliche Auszeichnungen? Warum wurde er 1934 von der Akademie der Wissenschaften der UdSSR zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Ukraine gewählt? (beachten Sie, wann die sogenannten „Stalinschen Repressionen“ stattfanden – und das war nicht anrüchig?) und dann empfahl ihn zur Wahl beide Male kein anderer als N.I. Wawilow selbst, einer der bedeutendsten Genetiker der UdSSR und der Welt [2]. Hatte er etwa eine große Vorliebe für grausame Fanatiker? Das ist doch sehr zu bezweifeln.

Was ist im Internet über Lyssenko zu finden?

Hier ist alles, was in der russischsprachigen Literatur über Lyssenkos wissenschaftliche Verdienste zu finden war:

„Er schuf die Theorie der stufenweisen Pflanzenentwicklung, eine Methode zur gezielten Veränderung vererbbarer Wintersorten von Getreidepflanzen in vererbbare Frühjahrssorten und umgekehrt. Er schlug eine Reihe von agrotechnischen Methoden vor (z.B. die Jarovisation, die Prägung von Baumwolle, die Sommerpflanzung von Kartoffeln). Lyssenkos Ideen wurden in den 1930-1960er Jahren in der Landwirtschaft eingeführt. 1956 wurde Lysenko von Chruschtschow kritisiert und aus dem Präsidentenamt entfernt. Dennoch blieb er Chruschtschows engster Berater in Sachen Landwirtschaft, da Lyssenko’s Theorien mit den Ansichten des neuen Generalsekretärs übereinstimmten. In den Jahren 1961-1962 übernahm Lyssenko zum zweiten Mal das Amt des AdA-Präsidenten, und ab 1966 leitete er das Labor der Experimentellen Forschungsbasis der Akademie der Wissenschaften der UdSSR „Gorki Leninskie“ [3]“.

LYSSENKO – EIN MODERNER NATURFORSCHER

Wenn in Rußland der Name Lyssenko mit Schmutz überschüttet wird, so ist dies im Westen etwas anders, was sofort darauf hindeutet, daß russische Quellen aus irgendeinem Grund sehr daran interessiert sind, es sind gelinde gesagt… einseitige und verfälschte Informationen. Westliche Wissenschaftler haben kein besonderes Interesse an diesem Fall, und so erhalten wir von ihnen viel zuverlässigere Informationen über das, was bei uns geschieht. Zum Beispiel veröffentlichte G. Simmons 1996 ein Buch über hundert von ihm ausgewählte Wissenschaftler, in dem sie nach der Bedeutung ihrer Entdeckungen für die Menschheit geordnet sind. Lyssenko erhielt die Nummer 93 [4]. Offensichtlich war das kein Zufall. Das ist doch eine merkwürdig hohe Wertschätzung für die Verdienste eines „rücksichtsloser Verfolgers seiner wissenschaftlichen Gegner“, nicht wahr?

Welche Bedeutung hatte Lyssenko für die Sowjetunion?

Westliche Quellen heben hervor, daß Lyssenko entdeckt hat, daß sich der Bedarf der Pflanzen an Feuchtigkeit, Licht und anderen Umweltfaktoren in Abhängigkeit von der Periode der Pflanzenentwicklung ändert [5]. Er zeigte auf, wenn eine Pflanze ihre Wachstum beginnt, aber in der folgenden Periode nicht die notwendigen Bedingungen erhält, daß sie aufhört zu wachsen. Die Aussaat des Getreides im Frühjahr ermöglicht es den Pflanzen, die Wachstumssaison zu verlängern, verhindert jedoch nicht die extrem negativen Auswirkungen der Kälte für Länder, die in der Zone des rauhen Klimas und der risikoreichen Landwirtschaft liegen. In erster Linie ist dies für Rußland von Bedeutung. Als Ergebnis der Entdeckungen von Lyssenko wurde die Technologie der Jarowisation ausgearbeitet, bei der das Getreide im Winter Kälte und Feuchtigkeit ausgesetzt wird, aber nicht keimen kann. Im Ergebnis dessen kam es im Frühjahr zu einer spürbaren Beschleunigung des Wachstums der Pflanzen, die bereits während der Jarovisierung eine Reihe von Entwicklungsstadien durchlaufen hatten. Unter den Bedingungen Rußlands, wo buchstäblich jeder landwirtschaftliche Tag zählt, war diese Entdeckung sehr wichtig.

Die Jarowisation

Das große Verdienst von Lysenko ist auch die Einführung der Jarowisation in die Praxis [6]. Ja, auch vor ihm wurde etwas getan. Ja, und er hat seine Vorgänger nicht zitiert, aber das schmälert nicht seine persönlichen Leistungen als Innovator. Bisher wurde Lyssenkos Arbeit über die Jarovisation in Lehrbüchern über Pflanzenphysiologie zitiert [7].Jarowisation

Einige fachliche Erklärungen

Ich bitte um Entschuldigung für das Fachvokabular in diesem Absatz. Kürzlich wurde bewiesen, daß es einen Zusammenhang zwischen Jarowisation und Epigenetik gibt, daß die Jarowisation die Übertragung epigenetischer Veränderungen auf die Nachwelt fördert. Jablonka and Lamb [8] beschrieben die molekularen Merkmale dieser epigenetischen Vererbung. Neueren Entdeckungen zufolge können Umweltfaktoren durch Methylierung (Anheftung von Methylgruppen) eines Trägers der Erbinformation, auf den Genotyp der Desoxyribonukleinsäure (DNA)-Moleküle [9] einwirken. Es gibt Beweise dafür, daß das die Jarowisation eine Demethylierung (Ablösung von Methylgruppen) der DNA verursacht, was einen signifikanten Einfluß auf das Blühen hat [10, 11].

Der praktische Beweis

Schon vor Darwin war bekannt, daß die negativen Auswirkungen der Inzüchtung (gleichgeschlechtliche Kreuzung zwischen verschiedenen Gattungen und Sorten) ganz oder teilweise durch den Anbau von Pflanzen unter verschiedenen Umweltbedingungen kompensiert werden können [12]. Kürzlich hat Flegr [13] die Möglichkeit dieser Methode theoretisch bewiesen. Das heißt, man kann nicht sagen, daß Lyssenko Unrecht hatte – in mancher Hinsicht schon, aber seine Gegner hatten noch mehr Unrecht.

Warum hat Stalin Lyssenko unterstützt?

Roll-Hansen [14] stellt eine rhetorische Frage: Wenn das Testen der Jarowisation Lyssenkos per Hand schlecht organisiert war, warum wurde die Methode von Agrarexperten dann nicht abgelehnt? Stalin hätte Lyssenko niemals unterstützt, wenn es keine bedeutsamen praktischen Erfolge gegeben hätte. Die von Lyssenko vorgeschlagenen Methoden wurden in Kolchosen erprobt und erwiesen sich als überraschend effektiv. Lyssenko gelang es, das Problem des Kartoffelanbaus im Süden der UdSSR zu lösen. Er züchtete viele Weizensorten, die sich für die Steppen der UdSSR eigneten, wodurch die Aussaatflächen stark vergrößert und das Ernährungsproblem konnte beseitigt werden – das ewige Schicksal unseres rauhesten Landes der Erde.

Die Übertragung der genetischen Information

Die zweitwichtigste Entdeckung von Lysenko zusammen mit M.V. Alexejewa war die Entdeckung der Übertragung der genetischen Information mittels der Informations-RNS durch Stomata (Spaltöffnungen), die Pflanzenzellen zu einem einzigen Syncytium verbindet [12]. Im Jahre 1933 pfropfte M.V. Alexejewa auf Nachtschattengewächse (Tabak, Stechapfel) Tomaten-Stecklinge (Tomatenkörper). Es wurde festgestellt, daß auf Tabak gepfropfte Tomatenblätter Nikotin enthalten, und in der Frucht einer auf Stechapfel (Datúra stramónium) gepfropften Tomate Atropin enthalten ist.

Der bedeutendste Beweis für die Entdeckung war die Veränderung der Form einer auf bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara) gepfropften Frucht. Folglich wird die Erbinformation auf die gepfropfte Pflanze (Pfröpfling) übertragen. Diese Informationen lassen sich dann in den Samen der Pfröpflinge nachweisen. Folglich geht der Prozeß noch weiter und die Information aus der Informations-RNS, die über ein einzelnes zelluläres Netzwerk aus den Wurzeln entsteht, überträgt sich auf die DNS des Pfröpflings. Zu dieser Zeit wurde Alexejewa von keinem Geringeren als Lyssenko unterstützt, als eine Reihe wissenschaftlicher Kreise in der UdSSR versuchte, diese Entdeckung „niederzumetzeln“. Dies wurde ihm nicht verziehen.

Eine finstere Intrige gegen Lyssenko

Pod Snam11Im Herbst 1939 organisierte die Zeitschrift „Pod snamenem marksisma“ („Unter dem Banner des Marxismus“) eine Diskussion über „Umstrittene Fragen der Genetik und Selektion“, zu der die Leiter der Abteilungen für Genetik und führende Mitarbeiter der Genetikinstitute des Landes eingeladen wurden. Hier wurden diese Pflanzen vorgeführt, aber der Artikel erschien nicht in der international referierten Zeitschrift. Bitte beachten Sie diesen Moment, als unsere „wissenschaftlichen Koryphäen“ den Beweis für die wichtigste wissenschaftliche Entdeckung direkt vor ihren Augen hatten, ignorieren sie ihn ohne Gewissensbisse und schotten die Weltgemeinschaft sorgsam vor dieser Entdeckung ab. («Под знаменем марксизма», 1939, №11, стр. 159.)

Unbeirrt geht Lyssenko seinen Weg…

Was tat Lyssenko mit seinen Verleumdern, als er Präsident der Akademie für Agrarwissenschaft war? Hat er sie entlassen? Wurden sie zu Pulver zerrieben? Lief er, sich bei Stalin zu beschweren, um sie sofort „in den Lagerstaub zu treten“? Können Sie sich den Unterschied vorstellen zwischen den administrativen Möglichkeiten des Direktors eines Instituts und denen des Präsidenten einer Akademie, der selbst Mitglied des ZK der Partei ist? – Nein. Er hat ihnen nichts getan. Gewöhnlich war er vollauf mit seiner praktischen Arbeit beschäftigt – im Folgenden noch eine kurze Auflistung seiner Errungenschaften, aber Menschen dieser Art haben weder Kraft noch Zeit, noch den Wunsch, sich an abscheulichen Intrigen zu beteiligen. In der Regel stehen wirklich talentierte Menschen hoch über derartigen Rattenkämpfen.

Die späte „Wiederentdeckung“

Infolgedessen hat die wissenschaftliche Welt keinerlei Informationen über die Entdeckungen dieses sowjetischen Wissenschaftlers erhalten, und es stellte sich heraus, daß sie ein halbes Jahrhundert später wiederentdeckt wurden, natürlich bereits auf einem anderen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Und unsere „Koryphäen“ können sich dafür nun „bedanken“.

Kürzlich haben Experimente mit Pfröpflingen gezeigt, daß die endogene (vom Wirt stammende) Informations-RNS (Informationsträger von der DNS zum Ort der Proteinsynthese) in die Pfröpflinge eindringt und durch die zellulären Systeme die Bewegung der Flüssigkeiten darin beeinflußt. Es wurde auch entdeckt, daß die Informations-RNS (DNS-Informationsträger zum Ort der Proteinsynthese) durch die zellulären Systeme zwischen den Wirtszellen wandern kann, wodurch diese Erbinformation dann in die Wirts-DNS aufgenommen werden kann – mit Hilfe spezieller Retroviren und Proteinpartikel – Retrotransposomen –, die in das Wirtsgenom integriert werden [15, 16].
Es gibt auch einen Mechanismus der horizontalen Übertragung genetischer Information von einer Levkoje auf einen Trieb und umgekehrt durch Pfopfung einer Sorte auf eine andere. Später erhielten westliche Wissenschaftler den Nobelpreis für die Entdeckung der nichtnuklearen DNS, die tatsächlich vor über einem halben Jahrhundert von Lyssenko und Alexejew gemacht wurde. Der Name Lyssenko geriet nicht nur in Vergessenheit, ebenso wie der Name Alexejewa, sondern wurde auch noch von der einheimischen Wissenschaft bespuckt.

Die Hybridisierungsmethode Mitschurins

Nicht weniger interessant war eine andere von Mitschurin vorgeschlagene Hybridisierungsmethode, die sogenannte entfernte (nichtverwandte) Hybridisierung. Sie wurde zu einem wichtigen Bestandteil der sogenannten Mitschurin-Genetik (siehe unten). Durch spezielle Methoden gelang es Mitschurin, „immunologische“ Barrieren der entfernten Hybridisierung zu überwinden, so daß Mitschurin mehr als 300 Sorten von Obstbäumen hervorbrachte! Eine kolossale Zahl, die niemand übertreffen konnte. Nach unvollständigen Statistiken für 1950-1958 wurden in der UdSSR [17] mehr als 500 Artikel über die Hybridisierung von Nadelbäumen veröffentlicht. Lysenko war nicht nur der erste, der die Rolle der Hybridisierung von Pfröpflingen erkannte, sondern er empfahl auch, diese Methode in der Landwirtschaft auf breiter Basis anzuwenden. Das heißt, er war nicht nur ein hervorragender Leiter, sondern verfügte auch über die Fähigkeiten eines hervorragenden Leiters auf staatlicher Ebene.

HybridMit

Die sowjetischen Erkenntnisse wurden bestätigt

In den letzten Jahren haben mehrere unabhängige Forschergruppen bewiesen, daß die in Pfröpflingen hervorgerufenen Variationen des Phänotyps stabil sind und sogar vererbt werden können [18, 19, 20]. Die Hybridisierung von Pfröpflingen hat sich als eine einfache, aber wirkungsvolle Methode zur Schaffung neuer Sorten erwiesen. Sie erlaubt es, das Geheimnis der Züchtung von Obstbäumen durch einen alten Mann zu erklären [21].


Einfluß der Umwelt auf die Erbinformation

Schließlich formulierte Lyssenko eine Bestimmung, wonach die Umwelt wesentlich ist, manchmal mehr als der Genotyp, d.h. die Erbinformation. Er war der erste, der die Rolle der Umwelt so hoch einschätzte. Obwohl Lyssenko bei der Erläuterung seiner Beobachtungen oft irrte (was auf dieser Ebene der wissenschaftlichen Entwicklung natürlich war), gab es auch andere Modelle der Vererbung [22].

Im Gegensatz zu den Morganisten war Lyssenko gegen eine Konkurrenz zwischen den Arten, und nun ist bewiesen, daß er recht hatte [23]. Lyssenko glaubte an einen qualitativen Sprung bei der Bildung einer neuen Art, an den Übergang von quantitativen zu qualitativen Veränderungen. Inzwischen ist klar geworden, daß der Sprung durch horizontalen Gentransfer erfolgen kann. Daher ist Lamarck jetzt wieder in der wissenschaftlichen Literatur vertreten [24].

Die weltweite Wirkung der Lehre Lyssenkos

studitzkiÜbrigens wurde die Mitschurin-Genetik in Japan und China sehr ernst genommen. Die Japanische Gesellschaft für Mitschurin-Biologie wurde 1954 gegründet und arbeitete bis Ende der 80er Jahre. [25]. In China studierten Studenten sogar in den Jahren 1982-1986 zwei Genetiken von Mendelejew und Mitschurin, wobei letzterer viele praktische Fakten besser erklärte [26]. Obwohl der Lyssenkoismus in Bulgarien, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei ernsthaft an Einfluß gewann, hat er in der DDR keine Wurzeln geschlagen, obwohl Lyssenko-Artikel dort verbreitet wurden. Allerdings waren die Diskussionen rein wissenschaftlicher Natur und wurden nicht von administrativen Maßnahmen begleitet [27]. Dies beweist, daß der Lysenkoismus keineswegs von Stalin in die Wissenschaft eingeführt wurde und daß das, was geschah, unabhängig von seinem Willen von den Wissenschaftlern selbst, im Rahmen der Verbreitung einer interessanten wissenschaftlichen Theorie, getan wurde. Auch wenn er es gewollt hätte, wäre nichts unternommen worden, um die kontrollierten Länder Osteuropas dazu zu bringen, das zu tun, was er verlangt hätte [28].


Die Errungenschaften von Lyssenko

Ich stehe mit meiner Meinung über Lyssenko nicht allein. Das Akademiemitglied S.F. Demidow wies auf der August-Sitzung der AdA darauf hin, daß „…der Umfang der Ideen zur Umsetzung der Vorschläge des Akademiemitgliedes Lyssenko sehr bedeutend ist und listete folgende seiner Arbeiten auf:

  1.  Jarowisation von Getreidekulturen, um den Anbau wertvoller Frühjahrsweizensorten in nördlicheren Gebieten zu fördern und eine deutliche Ertragssteigerung zu erzielen…1940 wurden auf einer Fläche von 13 Millionen Hektar jarowisierte Samen ausgesät. …
  2. Sommerpflanzungen von Kartoffeln, um die Degeneration des Pflanzmaterials in den südlichen Regionen aufzuhalten. Sie bedecken eine Fläche von Hunderttausenden von Hektar…
  3. (Züchtungserfolge) …unter Anleitung von Akademiemitglied Lyssenko wurde die Winterweizensorte Odessa 3 gezüchtet, sie übertrifft den Ertrag der Standardsorten um 3-4 kg pro Hektar, ist frost- und gleichzeitig trockenheitsresistent. Die Sommergerste Odessa 9 wurde gezüchtet. Die Baumwollsorte Odessa 1 ist im wesentlichen die Hauptsorte der neuen Baumwollanbaugebiete. Das Akademiemitglied Lyssenko spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen der Saatguterzeugung im Land.
  4. Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Rohstoffbasis für die Naturkautschukproduktion…
  5. Breite industrielle Entwicklung von Maßnahmen zur Ertragssteigerung bei Hirse… sicherte den Ertrag an Perlhirse über 15 Zentner pro Hektar.
  6. Rückschnitt der Baumwolle, die heute auf einer Fläche von 85-90% aller Baumwollkulturen verwendet wird und … Erhöhung der heimischen Sammlung der besten Baumwollsorten um 10-20%.
  7. (Entwicklung der Getreideproduktion) Akademiemitglied Lyssenko machte während des Großen Vaterländischen Krieges Vorschläge, um eine erhöhte Keimfähigkeit der Getreidekulturen in den östlichen Regionen der UdSSR sicherzustellen. Die Einführung dieser Vorschläge ermöglichte es den sibirischen kollektiven und staatlichen Landwirtschaftsbetrieben, ihre eigenen Saatgutressourcen deutlich zu erhöhen und die Ernteerträge zu steigern.
  8. (Sicherstellung der Futterproduktion) Entsprechend den Beschlüssen des Februar-Plenums des Zentralkomitees der Kommunistischen All-Unionspartei (Bolschewiki) der gesamten Union werden Sommerkulturen von Luzerne jetzt in den Steppengebieten des Südens in großem Umfang als reines Paar eingeführt, was rasch zu einer erheblichen Steigerung der Erträge des Saatguts dieser Kulturpflanze führt, die für die Entwicklung einer richtigen Grasfruchtfolge notwendig ist.
  9. (Biologische Schädlingsbekämpfung) Während des Krieges entwickelte das Akademiemitglied T.D. Lyssenko die besten Bedingungen für die Aussaat und Ernte von Getreidekulturen in Sibirien sowie so wichtige Maßnahmen, wie zur Bekämpfung des Rübenkäfers (Asproparthenis punctiventris), die Verwendung von Kartoffelknollenspitzen als Pflanzmaterial, was die Saatgutressourcen dieser Kultur deutlich erhöhte, die biologische Methode der Schädlingsbekämpfung usw., u.a.
  10. (Kultivierung der Abauflächen) Während des Krieges entwickelte das Akademiemitglied T.D. Lyssenko die besten Bedingungen für die Aussaat und Ernte von Getreidekulturen in Sibirien sowie so wichtige Maßnahmen, wie zur Bekämpfung des Rübenkäfers (Asproparthenis punctiventris), die Verwendung von Kartoffelknollenspitzen als Pflanzmaterial, was die Saatgutressourcen dieser Kultur deutlich erhöhte, die biologische Methode der Schädlingsbekämpfung usw., u.a. Akademiemitglied T. D. Lyssenko entwickelt erfolgreich die Frage der Einführung des Zweigweizens in die Landwirtschaft der UdSSR sowie Fragen der Kultivierung von Wäldern in den Steppengebieten.

Eine der wesentlichen Besonderheiten des Akademiemitglieds Lyssenko ist seine tägliche Beziehung zu den Kolchosen und Sowchosen, die Beteiligung eines großen Kollektivs landwirtschaftlicher Führungskräfte an der wissenschaftlichen Forschung und rasche Einführung wissenschaftlicher Errungenschaften in die landwirtschaftliche Produktion.

Millionen Menschen vor dem Hungertod gerettet

Dies ist nur eine kurze Aufzählung der Errungenschaften des großen Züchters. Achten Sie auf ein charakteristisches Detail: „Erhöhung der selbst angebauten (d.h. qualitativ hochwertigsten – S.M.) Kollektion der besten Baumwollsorten um 10-20 %“ und stellen Sie sich vor, welche Vorteile dies einem Land wie der UdSSR gebracht hat. Das „zieht“ nur den Staatspreis an, und steht in der Liste „erst“ unter der Nummer 6, und was hervorgehoben wird, ist die Ertragssteigerung bei Weizen und Kartoffeln. Es war nicht nötig, den Menschen, die den Krieg überlebt haben, die Bedeutung dieses Themas zu erklären. Stellen Sie sich nur einmal vor, wieviele Hunderttausende, ja Millionen unserer Landsleute während des Krieges vor dem Hungertod durch Lyssenko’s Arbeit gerettet wurden.

Eine heldenhafte Leistung

So erhielt er nicht umsonst den Titel Held der sozialistischen Arbeit – die höchste Auszeichnung der UdSSR, nicht mitgezählt die prestigeträchtigsten Auszeichnungen … Man könnte noch einen weiteren hinzufügen – den Nobelpreis, aber hier haben sich Neider und Verleumder, promovierte Agrar- und Biowissenschaftler, sehr bemüht. Übrigens, denken Sie einmal darüber nach, ob ein Mensch, der so viel geleistet hat wie Lyssenko, Zeit und Lust hatte, sich an irgendeinem Mäusezirkus zu beteiligen. Ich glaube, er stand über all dem – er hat einfach hart gearbeitet.

(siehe auch: Правота Трофима Лысенко подтверждается современной биологией)

HATTE LYSSENKO MANIPULIERT?

Es ist erwiesen, daß Lyssenko’s Studenten, anders als die Genetiker, die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht absichtlich verändert haben. Die Tatsache, daß er die Biometrie nicht kannte, war sein Problem, aber absichtliche Lügen und Fälschungen kamen für ihn nicht in Frage. Hier ist ein Beispiel: Im Jahre 1939 wurde in der Zeitschrift „Jarowisazija“ Artikel von der N.I. Jermolajewa, einer Aspirantin Lyssenkos, veröffentlicht: „Noch einmal über die Erbsengesetze“. Die Autorin des Artikels zitierte die Ergebnisse ihrer Experimente, die ihrer Meinung nach die von Mendel gezogenen Schlußfolgerungen vollständig widerlegen, einschließlich aller tabellarischen Ausgangsdaten, die für die Analyse verwendet wurden [29].

Widerlegung der sogenannten „Mendelschen Gesetze“

Die Publikation von N. I. Jermolajewa wurde dem Genetiker A. S. Serebrowski zur Kenntnis gebracht, der den Akademiker A. N. Kolmogorow auf die Analyse aufmerksam machte. Nachdem er die recht umfangreichen tabellarischen Daten von N. I. Jermolajewa analysiert hatte, veröffentlichte er die Ergebnisse in den „Berichten der Akademie der Wissenschaften der UdSSR“ in dem Artikel „Über eine neue Bestätigung der Mendelschen Gesetze“. Dank dieser Tabellen „widerlegte“ der Mathematiker A. N. Kolmogorow [30], nachdem er die Daten von N. I. Jermolajewa aus statistischer Sicht neu analysiert hatte, ihre Schlußfolgerungen und bewies, daß ihre Daten genau die Gesetze der Genetik bestätigen.

A. N. Kolmogorow schrieb:

„Im Herbst 1939 wurde in der Diskussion über die Genetik der Frage der Überprüfung der Gültigkeit der Gesetze Mendels viel Aufmerksamkeit geschenkt. In der prinzipiellen Diskussion über die Stichhaltigkeit der gesamten Mendelschen Konzeption war es natürlich und rechtmäßig, sich auf den einfachsten Fall zu konzentrieren, der nach Mendel zur Spaltung im Verhältnis 3:1 führte… Unterdessen führt die Mendelsche Konzeption nicht nur zu der oben genannten einfachsten Schlußfolgerung über die ungefähre Einhaltung des 3:1-Verhältnisses, sondern ermöglicht auch die Vorhersage, wie groß die Abweichungen von diesem Verhältnis im Durchschnitt sein sollten. Dank dieser Tatsache bietet allein eine statistische Analyse des Verhältnisses 3:1 eine neue, subtilere und erschöpfendere Möglichkeit, die Mendelschen Vorstellungen über die Aufteilung von Merkmalen zu überprüfen. Die Aufgabe der vorliegenden Anmerkung besteht darin, die nach Meinung des Autors rationellsten Methoden einer solchen Verifizierung und ihre Veranschaulichung am Material der Arbeit von N. I. Jermolajewa aufzuzeigen. Dieses Material erweist sich, entgegen der Meinung von N. I. Jermolajewa selbst, als eine brillante neue Bestätigung der Mendelschen Gesetze.“

Der Fehler bei A.N. Kolmogorow bestand erstens darin, daß es sich um die Analyse einer ausreichend großen Menge experimenteller Beobachtungen handelte und zweitens, daß diese Experimente direkt von einer Biologin durchgeführt wurden, die die Mendelschen Gesetze ablehnte.

(Anmerkung: Kolmogorow erklärte später, daß die statistische Methode erst dann angewendet werden kann, wenn die biologische Gesetzmäßigkeit bereits feststeht. Und die biologische Erklärung stand bereits fest, so daß die mathematischen Berechnungen Kolmogorows völlig unnötig waren und zu einem falschen Ergebnis führen mußten. Spätere Forschungen haben Lyssenkos Ergebnisse bestätigt. Die Ablehnung der sog. „Mendelschen Gesetze“ war und ist also völlig berechtigt!)

Eine betrügerische Fälschung

Beachten Sie auch die Tatsache, daß Lyssenkos Aspiranten ihre Ergebnisse unverfälscht veröffentlichten, was die Behauptung widerlegt, Lyssenko habe seine Ergebnisse gefälscht. Das Interessanteste ist, daß auch die Genetiker diese Arbeit überprüft haben, indem sie Daten veröffentlichten, bei denen das Streuungsniveau nicht statistischen Gesetzen unterliegt, d.h., grob gesagt, sie haben die Ergebnisse „angepaßt“ [31]. Solche „Gegner“ hatte Lyssenko – kurz gesagt, es waren Lügner. Sofort fällt einem ein Sprichwort dazu ein, wer „Haltet den Dieb“ schreit.


WER IST MITSCHURIN?

Iwan MitschurinIch denke, es wäre angebracht, den russischen Leser an einen weiteren herausragenden russischen Wissenschaftler zu erinnern, der oben kurz erwähnt wurde – I. W. Mitschurin. Es ist schon sehr traurig zu sehen, daß wegen der Verleumdung Lyssenkos als Wissenschaftler und Mensch die Erinnerung an die nationale Großtat Mitschurins in Vergessenheit geraten ist. Ja, Lysenko steht zum Teil im Zusammenhang mit der administrativen Verfolgung der Genetiker (die übrigens zuerst einen administrativen Angriff auf Lyssenko starteten und sich damit selbst um den wissenschaftlichen und menschlichen Anstand brachten), die auf die Sitzung der Akademie der Agrarwissenschaften von 1948 folgte, doch nur zum Teil. Er hat nie eifrige Administratoren gezwungen, Genetiker aus den Universitäten zu vertreiben [xxviii]. Aber warum neben dem Namen Lysenkos auch der Name Mitschurin aus der Wissenschaft gestrichen wurde, ist schon ziemlich unverständlich.

Die hervorragenden Leistungen Mitschurins

Hier ist eine kurze Zusammenfassung seiner Aktivitäten, lesen Sie sie, um eine entfernte Vorstellung von der kollosalen, asketischen Arbeit des bedeutenden sowjetischen Wissenschaftlers zu bekommen.

„I. W. Mitschurin war ein herausragender wissenschaftlicher Züchter, einer der Begründer der Wissenschaft der Züchtung der Obstkulturen. [32] Er lebte und arbeitete in der Kreisstadt Koslow (Gouvernement Tambow), die 1932 in Mitschurinsk umbenannt wurde. Nachdem er sich die Aufgabe gestellt hatte, südliche Obstbaumsorten in der Mittelzone Rußlands anzubauen, versuchte Mitschurin zunächst, sie dadurch zu lösen, daß er diese Sorten unter neuen Bedingungen akklimatisierte. Aber die von ihm angebauten südlichen Sorten starben im Winter aus. Die Veränderung der Organismenbedingungen allein kann den phylogenetisch entwickelten resistenten Genotyp nicht verändern, zudem auch nicht in eine bestimmte Richtung.Von der Ungeeignetheit der Akklimatisierungsmethode überzeugt, widmete Mitschurin sein Leben der Züchtungsarbeit, bei der er drei Hauptarten von Auswirkungen auf die Natur der Pflanze anwendete: Hybridisierung, Ausbildung einer sich entwickelnden Hybride unter verschiedenen Bedingungen und Selektion. Die Hybridisierung, d.h. die Gewinnung einer Sorte mit neuen, verbesserten Eigenschaften, erfolgte meist durch Kreuzung einer lokalen Sorte mit einer südlichen Sorte mit höherem Geschmack. Gleichzeitig waren negative Phänomene in der Hybride der Merkmale der lokalen Sorte zu beobachten. Der Grund dafür bestand in der historischen Anpassung der lokalen Sorte an bestimmte Existenzbedingungen.
Als eine der Hauptbedingungen für den Erfolg der Hybridisierung betrachtete Mitschurin die Auswahl der Elternpaare. In einigen Fällen nahm er für die Kreuzung Eltern, die in ihrer geographischen Lage weit entfernt waren. Wenn bei Elternformen die Existenzbedingungen nicht ihren gewohnten entsprechen, so argumentierte er, können sich die von ihnen erhaltenen Hybriden leichter an neue Faktoren anpassen, weil es keine einseitige Dominanz gibt. Dann wäre der Züchter in der Lage, die Entwicklung einer Hybride zu steuern, welche sich an die neuen Bedingungen anpaßt. So wurde die Birnensorte ,Mitschurins Winterbeere‘ entwickelt … Die Hybride verfügte über die für den Züchter notwendigen Eigenschaften der Eltern: Die Früchte waren groß, bedeckt, hatten hohe Geschmacksqualitäten, und die Hybridpflanze selbst konnte die Kälte bis -36 ° ertragen.
Winterbeere
…sorgfältig ausgewählte Hybriden, die Mitschurin in einer spartanischen Umgebung aufzog, weil er glaubte, daß sie sonst die Züge von Wärmeliebhabern hätten. So entstand die Apfelsorte Slawjanka aus der Kreuzung von Antonowka mit der südlichen Sorte Ananas-Ranet. Neben der Kreuzung von zwei Formen, die zur gleichen systematischen Kategorie gehören (Apfel mit Apfel, Birne mit Birne), wandte Mitschurin die Hybridisierung von entfernten Formen an: Er erhielt zwischenartliche und intergenerationale Hybriden. Er erhielt Hybriden zwischen Kirschen und Kirschen (Zerapadus), zwischen Aprikose und Pflaume, Pflaume und Stachelpflaume, Eberesche und sibirischem Weißdorn usw.
Unter natürlichen Bedingungen wird fremder Pollen einer anderen Art von der Mutterpflanze nicht wahrgenommen und es kommt zu keinen Kreuzungen. Für die Überwindung der Nichtkreuzungsfähigkeit der entfernten Hybridisierung setzte Mitschurin mehrere Methoden ein.
Die Methode der vorbereitenden vegetativen Annäherung bedeutete, daß der einjährige Stiel des Hybridkeimlings der Eberesche (Sproß) in die Krone der Pflanze einer anderen Art oder Gattung eingepfropft wird, zum Beispiel auf die Birne (Wildling). Nach 5-6 Jahren der Ernährung auf Kosten der von dem Wildling produzierten Substanzen kommt es zu einer gewissen Veränderung, einer Annäherung der physiologischen und biochemischen Eigenschaften des Wildlings. Während der Blütezeit der Vogelbeere bestäuben ihre Blüten mit Pollen. In diesem Prozeß finden Kreuzungen statt. Die Methode der Zwischenstufe wurde von Mitschurin bei der Hybridisierung von kultiviertem Pfirsich mit wilden mongolischen Mandelbohnen angewandt (um den Pfirsich nach Norden zu befördern). Da eine direkte Kreuzung dieser Formen nicht möglich war, kreuzte Mitschurin den den Goldregen (Laburnum) mit halbkulturellem Davids-Pfirsich. Deren Hybride wurde mit dem Kulturpfirsich gekreuzt, für den er als Vermittler ausgewählt wurde.
Mit der Methode der Bestäubung mit einer Pollenmischung wandte I. W. Mitschurin verschiedene Varianten der Pollenmischung an.
Mit seiner langjährigen Arbeit an der Entwicklung neuer Pflanzensorten zeigte I. W. Mitschurin die Bedeutung der anschließenden Aufzucht für die Kreuzung junger Hybriden. Während der Aufzucht des sich entwickelnden Hybriden achtete Mitschurin auf die Bodenbeschaffenheit, die Methode der Lagerung von Hybridsamen, das häufige Umpflanzen, den Charakter und Grad der Ernährung der Sämlinge und andere Faktoren.
Darüber hinaus wandte Mitschurin weitgehend die von ihm entwickelte Mentor-Methode an. Um erwünschte Eigenschaften in einem Hybridsämling hervorzubringen, wird der Sämling auf eine Pflanze mit diesen Eigenschaften aufgepropft. Die weitere Entwicklung der Hybride erfolgt unter dem Einfluß von Substanzen, die vom Pflanzen-Tutor (Mentor) produziert werden, die Hybride verstärkt die angestrebten Eigenschaften.
In dem vorliegenden Fall ändern sich im Prozeß der Hybridentwicklung die dominanten Eigenschaften….in seiner züchterischen Arbeit legte Mitschurin großen Wert auf die Auslese, die viele Male und sehr hart getroffen wurde. Die Hybridsamen wurden nach ihrer Größe und Rundheit ausgewählt: Hybriden – nach der Konfiguration und Dicke der Blattfläche und des Blattstiels, nach der Form der Triebe, nach der Lage der Seitenknospen, nach der Winterresistenz und Resistenz gegen Pilzkrankheiten, Schädlinge und viele andere Anzeichen und schließlich nach der Qualität der Früchte.
Antonowka
Die Ergebnisse der Arbeiten von I. W. Mitschurin sind erstaunlich. Er schuf Hunderte von neuen Pflanzensorten. Eine Reihe von Apfelsorten und Beerenkulturen breiteten sich weit nach Norden aus. Sie haben hohe geschmackliche Qualitäten und sind gleichzeitig perfekt an die örtlichen Gegebenheiten angepaßt. Die Sorte Antonowka von sechshundert Gramm ergibt einen Ertrag von bis zu 350 kg von einem Baum. Die Mitschurinschen Weintrauben überstehen den Winter, ohne die Reben zu pudern, was selbst auf der Krim geschieht, und gleichzeitig war ihre wirtschaftliche Bedeutung nicht eingeschränkt. Mitschurin zeigte mit seinen Arbeiten, daß die menschliche Kreativität riesig ist.“ [33]

SCHLUSSFOLGERUNG

Die Ergebnisse der Tätigkeit zweier herausragender Persönlichkeiten – Lyssenko und Mitschurin – haben dem Staat einen enormen Nutzen gebracht, und sie wurden mit vielen Auszeichnungen, Preisen und Titeln geehrt. In diesen Jahren wußte das ganze Land über sie Bescheid. Doch in den folgenden Jahren wurden ihre Namen und Leistungen von Neidern und Verleumdern mit wissenschaftlichen Titeln beschmutzt und verleumdet. Als Doktor der Wissenschaften schmerzt es mich sehr, und es ist bitter, das zu sehen. Denken Sie nur nicht, daß ich Lysenko für weiß und flauschig halte. Er war ein Naturwissenschaftler, ein starker Verwalter der Wissenschaft, aber ein Produkt seiner Zeit. Der Fairness halber sei auch darauf hingewiesen, daß Lyssenko sich nachdrücklich gegen die Verhaftung von Genetikern ausgesprochen hat und nicht persönlich für den Tod WaWiloWs verantwortlich war. Er hat keine Denunziationen gegen Wawilow verfaßt.

Unvergessen:  Lyssenko und Mitschurin

Es sei darauf hingewiesen, daß es Lyssenko trotz der Tatsache, daß er sich nicht immer an die in der Wissenschaft angenommenen formalen Regeln gehalten hat, gelungen ist, viele herausragende Entdeckungen zu machen, und daß es daher unverdient und unwürdig ist, seinen Namen aus der Wissenschaft herauszuschneiden. Und schon deshalb sollte man erst recht die großen wissenschaftlichen Leistungen Mitschurins nicht vergessen.

Quelle: http://www.rusproject.org/pages/analysis/analysis_10/lisenko_miron.html (Übersetzung: Florian Geißler- Kommunisten-Online/Farbfoto: Klimbim – bearbeitet)

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[28] Миронин С. 2006. Генетика и Сталин. Интернет против телеэкрана.
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[29] http://www.hrono.ru/statii/2003/index4.htm.
[30]  Доклады Академии наук СССР. 1940; 27(1):38-42.
[31] В. И. Арнольд, „Успехи математических наук“, 1988, т. 43, вып. 6. с. 37; см. также в кн.: Владимир Игоревич Арнольд. Избранное-60. – М.: ФАЗИС, 1997, с. 629 – 630. В. И. Арнольд. М.: ФАЗИС, 2003. 60 с. Серия „К 100-летию со дня рождения А. Н. Колмогорова“.
[32] Пособие по биологии для поступающих в вузы. Минск. «Вышэйшая школа». 1978 г.
[33] Энциклопедический словарь юного натуралиста. М. «Педагогика». 1981 г.
С. Миронин
http://www.rusproject.org/pages/analysis/analysis_10/lisenko_miron.html

Siehe auch: Studitski – Von Lamarck bis Lyssenko


ANHANG

Lyssenko Trofim Denissowitsch, sowjetischer Agrobiologe und Agronom, geb.17. (19.) 9.1898 Karlowka, mehrmals Präsident der W.-I.-Lenin-Akademie für Agrarwissenschaften; entwickelte im Anschluß an I.W. Mitschurin neue Vorstellungen über das Problem der Vererbung und der Entstehung der Arten (spunghafte Umwandlung einer Art in eine andere), bekämpfte insbesondere nachdrücklich die Auffassungen der Klassischen Genetik (Mendelismus/Morganismus). Seine Schlußfolgerungen wurden von den sowjetischen Biologen nicht allgemein anerkannt. Außerdem entwickelte Lyssenko die Theorie der Stadienentwicklung der Pflanzen und führte u.a. die Verfahren der Jarowisation und der vegetativen Hybridisation ein. Staatspreis 1941, 1943, 1949; Sechsmal Leninorden. (gest. 20.11.1976)

Quelle: Meyers Neues Lexikon in acht Bänden, Fünfter Bd., VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1963, S.524.

Mitschurin2

Quelle: Prof. Dr. Maxim Zetkin: Wörterbuch der Medizin, VEB Verlag Volk und Gesundheit, Berlin (Hauptstadt der DDR), 1969,S.588.

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