A.N. Studitski: Von Lamarck bis Lyssenko. Der Sieg des sowjetischen schöpferischen Darwinismus

studitzkiAls sich Lenin zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den philosophischen Fragen der menschlichen Entwicklung beschäftigte und Hegels „Wissenschaft der Logik“ zu studieren begann, hob er hervor, daß der bewußte Mensch sich heraushebt aus der Natur, indem er vermittels seines Denkens immer besser die Entwicklungsgesetze „aller materiellen, natürlichen und geistigen Dinge“ verstehen und sich zunutze machen lernt. [1] Irrwege gab es auch damals schon viele. Und es gab auch immer wieder Versuche, sich daran festzuhalten und jede neue Erkenntnis zu verurteilen. Doch das Leben schreitet weiter, und die Wissenschaft wird, wenn sie sich an der Praxis orientiert, immer wieder alte Irrtümer beiseite werfen, was allerdings manchmal schon über Generationen dauern kann. Ein halbes Jahrhundert nach Lenins Studien schrieb der Biologe A.N. Studitski über den damaligen Stand der Erkenntnisse der sowjetischen Wissenschaft und brachte das in direkten Zusammenhang mit der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft.

Es gab heftige Diskussionen darüber, ob sich die im individuelles Leben erworbenen Eigenschaften vererben oder auch nicht. Es trifft durchaus zu, daß dieser Streit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht allein auf wissenschaftlicher, sondern auch auf gesellschaftspolitischer Ebene ausgefochten wurde. Der sowjetische Biologe Dr. Anton Nikolajewitsch Studitski schrieb darüber im Jahre 1949:

Der Sieg des sowjetischen schöpferischen Darwinismus

Der Weismannismus [2] als eine der Entwicklungstheorie feindliche Richtung, die den Darwinismus ablehnt, er­freute sich in Amerika unter dem Deckmantel des Neo­darwinismus in den letzten dreißig Jahren einer beson­ders starken Verbreitung. An der Spitze dieser Bewegung stand der Zoologe Mor­gan [3], der sich als Untersuchungsobjekt für seine Ver­erbungsforschungen die Taufliege Drosophila auserkor. Seit Jahrzehnten züchten die Morganisten diese Fliegen in den Laboratorien, kreuzen diejenigen, die sich durch unterschiedliche Merkmale auszeichnen, studieren die Ver­änderungen in der Nachkommenschaft und leiten daraus „allgemeingültige Naturgesetze“ ab.

Der US-amerikanische „Fliegenexperte“ Dr.Morgan

DrosophilaIn diesen „Gesetzen“ findet sich nichts Neues. Das ist der gleiche Weismannismus, nur leicht überfärbt, ent­sprechend den Ergebnissen, die man bei der Fliegenzüch­tung im „Käfig“ gewinnt. Das „Keimplasma“ Weismanns erwies sich im Lichte dieser „neuen Ergebnisse“ als eine Ansammlung von Erbteilchen, der „Gene“, die angeb­lich die Merkmale der erwachsenen Organismen bestimmen, Jeder neuentstehende Organismus erhält von den Eltern eine Kombination von Genen, am denen sich in den Geschlechtszellen neue Kombinationen für die fol­gende Generation bilden. Die Gene nehmen einen streng festgelegten Platz in den Zellen des Organismus ein: sie befinden sich aufgereiht, wie die Schwalben auf der Tele­graphenleitung, an besonderen Zellteilchen, den Chromo­somen. Aber trotz dieser ganzen „Vervollkommnung“ des Weismannismus blieb er seinem Wesen nach im Morga­nismus doch unverändert. Er proklamiert gleichfalls eine besondere, vom Körper unterschiedene „Vererbungssub­stanz“, er erklärt diese Substanz zu etwas Unveränder­lichem und lehnt ebenso jegliche Entwicklung, jede echte Neubildung ab.

Komplizierte Berechnungen aus der Hexenküche

Der Morganismus, der sich auf die Fliegenzucht spe­zialisiert hat, ist für die landwirtschaftliche Praxis nutz­los. Nichtsdestoweniger fand und findet er weiterhin in den kapitalistischen Ländern stärkste Unterstützung. Der Grund hierfür liegt darin, daß der Morganismus als eine reaktionäre Lehre die Stütze der Ideologie des Imperia­lismus ist. Mit seiner ganzen Hexenküche, mit seinen mathemati­schen Berechnungen der Ergebnisse verschiedenster Kom­binationen bei der Kreuzung von Fliegen, mit seiner kom­plizierten Terminologie. macht der Morganismus auf den Laien den Eindruck einer mathematisch exakten Wissen­schaft. Derselbe Glorienschein wird ihm in der populär­wissenschaftlichen anglo-amerikanischen genetischen Li­teratur verliehen.

Mendelsche Genetik im Dienste der Bourgeoisie

Die Mendelsche Genetik dient zur Rechtfertigung der Politik des heutigen Imperialismus, denn dieser ist an der Propagierung der Verschiedenheit der Rassen, an der wis­senschaftlichen „Begründung“ der Rassendiskriminierung, der Unterdrückung der Kolonialländer sowie an der Vor­bereitung eines neuen Krieges interessiert. Der morganinischen „Wissenschaft“ zufolge ist die Rassendiskriminierung durch die Abstammung der Wei­ßen und der Neger von verschiedenen Affenarten biolo­gisch gerechtfertigt. Ein führender amerikanischer Mor­ganist, Muller, sagt, daß bei der Vermischung der Rassen die Gefahr der Ansammlung verderblicher Gene ent­stehe. Man braucht sich demnach über die Verbreitung der Rassenvorurteile im amerikanischen Spießbürgertum nicht zu wundern.

Die genetische „Macht des Schicksals“

Der Imperialismus braucht eine Rechtfertigung für den unerhörten Luxus und die unumschränkte Gewalt der herrschenden parasitären Schicht sowie für das Elend und die Rechtlosigkeit des ausgebeuteten Volkes. Die Mendel­sche Genetik tritt offen gegen die Prinzipien der Demo­kratie [4] auf, da ja, dem Mendelismus zufolge, die Men­schen durch ihre schicksalhaften Erbanlagen ungleich sind: die einen sind von Natur mit günstigen Genkombi­nationen ausgestattet, die anderen aber durch ihre Gene zum Elend und zum Aussterben verurteilt.

Die faschistische „Rassenhygiene“

Als Maßnahme zur „Gesundung“ der Rassen werden von der Genetik die pseudowissenschaftlichen Mittel der „Eugenik“ [5] vorgeschlagen, der Lehre von der Verbesse­rung des Menschengeschlechtes. Für ein wichtiges l\Iittcl dieser Art hält die Genetik die Sterilisation von Schwach­sinnigen, Epileptikern, Geisteskranken und auch von „rückfälligen Verbrechern“. Es ist verständlich, daß diese Lehre der Reaktion die Türe für politische Repressalien weit öffnet. In einem der eugenischen Bücher wird den Antrag auf Sterilisation von – zehn Millionen amerika­nischen Bürgern gestellt. Dieser reaktionäre Wahn ist nicht nur lächerlich, son­dern auch gefährlich. Im Staate Kalifornien, in dem das Gesetz über die Sterilisation angenommen wurde, werden viele Tausende Menschen dieser erniedrigenden und ver­stümmelnden Operation unterzogen.

Impfen und Sterilisieren – Made in USA

Der Übergang von der Fliegenzucht im Laborschrank zur Sterilisation von Menschen ist der einzige Ausweg der Genetik in die „Praxis“, an der die amerikanische Reak­tion interessiert ist. An der Spitze der unlängst gegrün­deten amerikanischen „Assoziation für menschliche Ver­erbung“ steht der amerikanische Oberfliegenzüchter, der Reaktionär und Feind der Sowjetunion Prof. Muller. Man kann überzeugt sein, daß diese „Assoziation“ keine Mi­nute mit dem Studium der wirklichen Gesetzmäßigkeit der Vererbung des Menschen verlieren wird. Die Ein­schüchterung der Bevölkerung durch die Lehre von den verderblichen Folgen der Ehe zwischen Weißen und Schwarzen, von der Belastung der Natur des Menschen mit krankhaften und fehlerhaften Genen – das ist die Tätigkeit, welche die amerikanische Reaktion von dieser „Assoziation“ erwartet.

Der Kampf des Imperialismus gegen die Wissenschaft

Der Einfluß des Mendelismus-Morganismus auf die Biologie ist ein Ausdruck des Angriffes der reaktionären, bürgerlichen Ideologie auf die fortschrittliche, soziali­stische Ideologie. In den Rahmen dieses Angriffes gehörte auch das Bestreben, die Positionen der materialistischen Theorie in der Biologie zu schwächen und die Praxis der sozialistischen Landwirtschaft zu entwaffnen. Einige so­wjetische Gelehrte verstanden nicht, daß sie mit der Ver­teidigung der bürgerlichen Ideologie gegon die sozialisti­sche Weltanschauung auftreten, wenn sie den Morganis­mus gegen die Mitschurinsche Lehre unterstützen. Die konsequente und unentwegte Entlarvung des reaktionä­ren, idealistischen Wesens des Weismannismus-Morga­nismus und die Weiterentwicklung der materialistischen Mitschurinschen Lehre ist das Verdienst T. D. Lyssenkos,

Der sowjetische Wissenschaftler T.D. Lyssenko 

Lyssenko leistete durch seine wissenschaftliche Tätig­keit einen außerordentlich großen Beitrag zur Weiterent­wicklung der Mitschurinschen Lehre. Im Verlaufe eines Vierteljahrhunderts bereicherte er den Darwinismus und entwickelte ihn schöpferisch weiter, indem er ihn von den Fehlern und Entstellungen befreite und seine fortschritt­lichen wissenschaftlichen Seiten in den Vordergrund rückte.

Die Theorie der Entwicklungsstadien der Pflanzen war der erste Beitrag Lyssenkos zum schöpferischen Darwi­nismus. Er entdeckte eine besondere Gesetzmäßigkeit in der Entwicklung des Getreides, die darin besteht, daß die Pflanzen in einer bestimmten Aufeinanderfolge das Be­dürfnis nach Wärme und Licht haben. Die Weizenkeimpflanze verlangt besondere Temperaturbedingungen. Für Wintergetreide sind niedrige, für Sommergetreide da­gegen höhere Temperaturen erforderlich. Dieses besondere Entwicklungsstadium ist das Jarowisationsstadium. Wenn das Bedürfnis einer Pflanze nach einer bestimmten Temperatureinwirkung nicht befriedigt wird, so geht sie nicht zum nächsten Stadium über, in welchem das Licht zu einer notwendigen Lebensbedingung wird. Wintergetreide, im Frühjahr ausgesät, schiebt bis zum Herbst keine Äh­ren, da es das Jarowisationsstadium nicht durchlaufen hat.
Die Bedeutung dieser Entdeckung liegt darin, daß eine Pflanze in jedem Entwicklungsstadium gegen diejenigen Bedingungen besonders empfindlich ist, ohne die sie nicht ins nächste Stadium übertreten kann: im Jarowisations­stadium ist sie gegen die Temperatur, im Lichtstadium gegen die Belichtung besonders empfindlich, Durch Ver­änderung dieser Bedingungrn lassen sich die Erbanlagen der Pflanze ändern, zum Beispiel kann Sommergetreide in Wintergetreide, Wintergetreide in noch winterfesteres Getreide verwandelt werden. Diese Methode machte den Anbau wertvoller Getreidesorten bis in den Hohen Nor­den möglich.

Eine Weiterentwicklung der Lehre Mitschurins

Die theoretische Bedeutung dieser Entdeckung liegt darin, daß sie die Mitschurinschen Feststellungen von der Bedeutung der Lebensbedingungen für die Bildung der Erbanlagen weiterentwickelt. Mitschurin schuf Pflanzen­formen mit „gelockerten“ Erbanlagen durch vegetative und geschlechtliche Hybridisation, indem er ihrer Her­kunft und Verwandtschaft nach weit entfernte Orga­nismen (verschiedene Sorten und Arten) miteinander kreuzte. Lyssenko arbeitete die Methode der Verwand­lung der Erbanlagen durch Einwirkung der Umwelt wäh­rend bestimmter Momente des einen oder anderen Ent­wicklungsprozesses theoretisch aus und wandte sie in der Praxis an.

Über die Veränderbarkeit der Erbanlagen

Die Ausarbeitung der Mitschurinschen Theorie von der vegetativen Hybridisation ist der zweite Beitrag Lyssenkos zur Entwicklung des schöpferischen sowjetischen Darwi­nismus. Hier richtete Lyssenko die ganze Kraft seines Schlages auf die Entlarvung des reaktionären, antiwissen­schaftlichen Wesens der weismannistisch-rnorganistischcn Ansichten über die Erbanlagen. Zehn Jahre lang arbeiteten Lyssenko und seine Mitarbeiter an der Veränderung der Erbanlagen der Pflanzen durch Pfropfung.

In Tausenden scharfsinniger und einwandfreier Versuche gelang ihm der Beweis, daß die Erbanlagen der Tomate und anderer Pflanzen durch Pfropfung geändert werden können. In diesen Versuchen ist eindeutig klar, daß bei der Pfrop­fung nicht irgendeine Verschmelzung oder Vermischung der Zellsubstanz, geschweige denn ihrer Chromosomen stattfindet. Es erfolgt lediglich ein Austausch von Säften zwischen Reis und Unterlage. Dies genügt bereits zur Veränderung der Erbanlagen des Reises oder der Unter­lage. Hieraus ergibt sich, daß die Chromosomen durchaus nicht der Vererbungs„apparat“ oder die Vererbungs„sub­stanz“ sind. Es ist klar, daß die Entwicklung der Erb­anlagen keines speziellen Organs bedarf. Diese basieren vielmehr auf einer gauz allgemeinen Erscheinung, die dem gesamten Lebewesen eigen ist – auf dem Stoff­wechsel.

Schöpferischer Darwinismus

Durch die Befreiung des Darwinismus von seinen mal­thusianischcn Fehlern [6] leistete Lyssenko einen weiteren Beitrag zur schöpferischen Weiterentwicklung des Darwi­nismus. Er bewies, daß die Wirkung der Auslese durch­aus nicht ein Ergebnis der Übervölkerung und des angeblieh daraus resultierenden Konkurrenzkampfes zwischen den Lebewesen ist. Die Bevölkerungsdichte innerhalb je­der Art ist ein der Art nützlicher Faktor, hat aber keines­wegs einen Konkurrenzkampf der Individuen zur Folge. Diese theoretische Feststellung begründete Lyssenko in seinen Versuchen mit der Nestansaat des Kok-saghys (Kautschukpflanze – D. Übers.). Es stellte sich heraus, daß sich die Pflanzen nicht bei gleichmäßiger Aussaat am besten entwickeln, sondern im Gegenteil bei der Aus­saat in Nestern zu ungefähr 100-200 Körnern.

Lyssenkos Verdienste in der sowjetischen Landwirtschaft

Trofim_LysenkoT. D. Lyssenko gebührt das große Verdienst, die Dar­winsche Auslesetheorie von ihren weismannistischen Ent­stellungen gereinigt zu haben. Darwin faßte die Auslese als ein schöpferisches, umge­staltendes Züchtungsverfahren auf, das nicht einfach die vollkommensten und am besten angepaßten Formen aus Tausenden fertiger Varianten der betreffenden Art aus­liest, sondern die Veränderungen der Organismen ent­sprechend den Daseinsbedingungen oder dem Willen des Züchters lenkt. Die Organismen verändern sich in der Richtung, in welche die Auslese führt. Es genügt, sagt Darwin, eine Pflanze mit einem zusätzlichen Blütenblatt zu finden, um durch die Zuchtwahl in den folgenden Generationen eine Form mit gefüllter Blüte zu erhalten. Somit verankert die Auslese nach Darwin nicht nur die Veränderungen, sondern erzeugt sie auch, indem sie die weitere Veränderung in derselben Richtung fördert.

Reaktionäre US-amerikanische Genetiker

Diese Rolle der Auslese (Zuchtwahl) wird von den Weismannisten-Mendelisten kategorisch abgelehnt. Morgan, das Haupt der amerikanischen Mendelisten, betrach­tete die Auslese als ein Sieb, das alle neuentstehenden Veränderungen bis auf die günstigsten durchsiebt. Mor­gan verkennt die schöpferische Rolle der Auslese bei der Evolution. ,,…Die natürliche Zuchtwahl spielt keine schöpferische Rolle“; ,,…ohne natürliche Zuchtwahl würde die Evolution auch stattfinden“, sagt Morgan. Un­ter Evolution versteht Morgan selbstverständlich nicht die wirkliche Entwicklung der organischen Welt, sondern eine endlose Kombination von Zellteilchen einer unveränder­lichen „Vererbungssubstanz“, der Gene.

Lyssenko widerlegt die Morgansche Irrlehre

Lyssenko widerlegt diese entstellende Auffassung von der Auslese. „…Die natürliche Auslese (Zuchtwahl) ist nicht nur ein Sieb, durch welches die lebensunfähigen Organismen gesiebt werden. Die natürliche Auslese ist zu­gleich auch eine Schöpferin“ [7], sagte er. Die Auslese ist nach Lyssenko das Zusammenwirken der Vererbung, der Veränderlichkeit und der Lebensfähig­keit. Infolgedessen gehen die Veränderungen der Organis­men in Richtung der Auslese.

Die Umweltbedingungen verändern den Organismus

Schließlich wurde von Lyssenko das Problem der Ver­erbung der unter dem Einfluß der Umweltbedingungen erworbenen Merkmale gelöst und seine Bedeutung her­vorgehoben. Die Weismannisten lehnen bereits die Pro­blemstellung als solche ab. Lyssenko bewies, daß gerade diese Frage das zentrale Problem der Entwicklung ist. Die Einheit des Organismus mit seinen Umweltbedingun­gen findet ihren Ausdruck in der Veränderung des Or­ganismus entsprechend den Veränderungen der Lebens­bedingungen. Und diese Veränderungen bilden die Grund­lage der Evolution. Daher ist die Vererbung der von den Organismen unter dem Einfluß der Lebensbedingungen erworbenen Eigenschaften möglich und notwendig.

Über die Situation in der biologischen Wissenschaft

Die Bilanz aus der Entwicklung des sowjetischen schöp­ferischen Darwinismus stellte Lyssenko in seinem Vor­trag „Die Situation in der biologischen Wissenschaft“ [8] auf, den er auf der Tagung der Lenin-Akademie für Agrarwissenschaften im August 1948 hielt. In diesem Referat werden die Grundzüge der Mitschu­rinschen Lehre aufgezeigt. Besonders hervorgehoben wird darin der Charakter des sowjetischen Darwinismus, dessen schöpferische, umgestaltende Kraft. Die Mitschurinsche Wissenschaft ist die Wissenschaft von der Umgestaltung der Tiere und Pflanzen im Interesse der sozialistischen Gesellschaft. Daher nimmt die Mitschurinsche Wissenschaft auch die Lehre Dokutschajews und Wiljams von der Steigerung der Bodenfruchtbarkeit durch die Veränderung der Natur als einen festen Bestandteil auf. In der Welt des Sozialis­mus tritt der Mensch erstmalig nicht als räuberischer Zerstörer und Verschwender der Naturreichtümer auf, sondern als ihr kluger und umsichtiger Herr und Nutz­nießer.

Die wissenschaftliche Lehre Mitschurins

Iwan MitschurinDer Eckpfeiler der Mitschurinschen Lehre [9] ist die These von der Einheit des Organismus mit seinen notwendigen Daseinsbedingungen. Der Organismus paßt sich bestimmten Entwicklungsbe­dingungen an. Seine Bedürfnisse unter diesen Bedingungen und seine Reaktion auf dieselben stellen die Erbanlagen des Organismus dar. Die Veränderungen der Lebens­bedingungen zwingen den Entwicklungstyp selbst zur Veränderung. Die Veränderung des Entwicklungstyps ist die Hauptursache für die Veränderung seiner Erban­lagen. Der Entwicklungstyp der Pflanzen gestaltet sich unter dem Einfluß der Nahrung, der Belichtung, der Tempera­tur usw. Die Tiere befinden sich ihrem Entwicklungstyp nach in Abhängigkeit von den Futter-, Unterhalts-, Klima­bedingungen usw.

Die Hybridisation bewirkt eine Labilität der Erbanlagen der lebenden Organismen. Daher läßt sich die Entwick­lung der labilen Erbanlagen durch die Einwirkung der Erziehungsbedingungen in die vom Menschen gewünschte Richtung lenken.

Die Dialektik der Entwicklung

Die auf dem dialektischen Materialismus beruhende Mitschurinsche Lehre stellt fest, daß in der Natur ne­ben allmählich anwachsenden Veränderungen auf deren Grundlage auch sprunghafte qualitative Veränderungen stattfinden. Darwin lehnte sprunghafte Veränderungen der Arten ab. Die Mitschurinsche Wissenschaft geht dem­gegenüber von der Feststellung aus, daß eine Verände­rung durch Anhäufung geringfügiger Abweichungen un­ter dem Einfluß äußerer Bedingungen den Organismus früher oder später zu einer plötzlichen Umwandlung führt, das heißt, daß die Organismen eine neue Struktur, eine neue Eigenschaft erwerben.

Glänzende Ergebnisse in der sowjetischen Landwirtschaft

Auf der Tagung der Lenin-Akademie für Agrarwissen­schaften konnte die Mitschurinsche Lehre glänzende prak­tische Ergebnisse demonstrieren, wie zum Beispiel die kältefesten Freilandtomaten, Auberginen, Paprika und Zuckermelonen, die unter den Bedingungen des Gebietes Moskau gedeihen, die Stoppelsaaten des Winterweizens, der damit den harten Frösten Sibiriens widerstehen kann, der Zweigweizen, der von den Mitschurinanhängern in eine Winterform verwandelt wurde, die Erträge von 100 dt/ha verspricht. Die Kühe von Karawajewo mit einer Milch­leistung von 16.000 Litern im Jahr, sowjetische Feinwoll­schafe, darunter das Askanija-Rambouillet-Schaf, der Wollqualität und dem Schurertrag nach das beste der Welt – all das war ein Ergebnis dessen, daß die Mitschu­rinschen Methoden zur Umgestaltung der Organismen im Interesse des Menschen in die Praxis der sozialistischen Landwirtschaft eingeführt worden sind.

Der Haß der USA-Genetiker auf die Sowjetunion

Die Niederlage der Mendel-Morganschen Richtung auf der Tagung der Lenin-Akademie hatte eine weite inter­nationale Resonanz. Der Vortrag Lyssenkos wird auch von unseren Freunden außerhalb der UdSSR studiert. Der gleiche Vortrag hat bei den Feinden des Fortschritts, die ganze Fluten von Haß über die Sowjetwissenschaft aus­gießen, eine rasende Wut hervorgerufen. Der amerika­nische. Genetiker Muller zog in der Presse mit Haßgesän­gen gegen die Sowjetwissenschaft zu Felde und erklärte seinen Austritt aus der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Diese Reaktion ist voll und ganz verständlich.Die Mendelsche Genetik ist der Ausdruck der Alters­schwäche und der Degeneration der bürgerlichen Kultur. Auf dieser Tagung erlitt sie ihren vollen Bankrott. Im Lichte der großen praktischen und theoretischen Errun­genschaften der Mitschurinschen Wissenschaft wurde es ganz klar, daß die Mendelsche Genetik das Recht ver­loren hat, sich Wissenschaft zu nennen. Die Entwicklung dieser Pssudowissenschaft ergab sich aus dem großen In­teresse der internationalen imperialistischen Reaktion an dieser Theorie.

Die historische Überlegenheit des Sozialismus bewiesen 

Die Mitschurinsche Lehre hat einen vollen Sieg über den reaktionären Morganismus-Mendelismus errungen und lenkt nun die Biologie auf die weitere Erkenntnis der Entwicklung der organischen Welt Der sowjetische schöpferische Darwinismus ist eine neue Etappe in der Entwicklung unserer Anschauung von der organischen Natur. Auf dieser Etappe ist die Wissenschaft von der Erklärung der Natur zu ihrer Umgestaltung übergegan­gen.

Quelle:
A.N. Studitzki: Die Entwicklungslehre von Lamarck bis Lyssenko. Die Mitschurinsche Lehre von der Entwicklung der Organismen. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1950, S.55-67.

pdfimage Studitski – Von Lamarck bis Lyssenko

Zitate:
[1] vgl. W.I. Lenin: Konspekt zu Hegels „Wissenschaft der Logik“. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin 1973, Bd.38, S.84f.
[2] Weismann, August (17.1.1834-5.1.1914), Zoologe, bedeutender Evolutionsbiologe; lehnte den Lamarckismus ab und begründete eine Vererbungstheorie, die Keimplasmatheorie.
[3] Morgan, Thomas Hunt (26.9.1866-4.12.1945), US-amerikanischer Entwicklungsphysiologe und Genetiker, durch Vererbungsstudien an der Taufliege entwickelte er u.a. die Theorie von der Lokalisierung der Gene (Erbanlagen) in den Chromosomen, eine höhere Form der Chromosomentheorie („höherer Mendelismus“).
[4] Demokratie [lat.-gr. „Volksherrschaft“]: Staatsfoprm, Art und weise der Ausübung der polit. Macht, deren Inhalt und Funktion vom Klassencharakter des Staates und letztlich von den herrschenden Produktionsverhältnissen bestimmt wird. Die Demokratie trägt stets Klassencharakter und ist in der antagonistischen Klassengesellschaft die (oftmals verschleierte Diktatur der ökonomisch und politisch herrschenden Klasse. Die bürgerliche Aufassung von eine  sog. reinen, angeblich über den Klassen stehenden Demokratie, die der Diktatur gegenübergestellt wird, widerspricht der historischen Wirklichkeit. Sie dient heute dazu, den Klassencharakter der Herrschaft des Monopolkapitals zu  verschleiern. Die bürgerliche Demokratie beruht auf dem kaptalistischen Eigentum an den Produktiosnmitteln und hat die Aufgabe, die kapitalistische Gesellschaft zu erhalten. Der Merheit des Volkes werden lediglich formale, materiell nicht gesicherte demokratische Rechte und freiheiten gewährt; von den wichtigsten Entscheidungen des gesellschaftlichen Lebens bleiben die Werktätigen weitgehend ausgeschlossen.
[5] Eugenik [gr. „Wohlgeborenheit“], Erbhygiene:  die Anwendung polulationsgenetischer Erkenntnisse mit dem Ziel, die in einer Bevölkerung vorhandenen positiven Erbanlagen zu vermehren (positive oder progress. E.) und die negativen (d.h. krankmachenden Erbanlagen zu reduzieren (negative oder präventive E.). Die Eugenik wurde von den deutschen Faschisten zur biologsichen Begründung der Rassendiskriminierung und ihres Herrschaftsanspruches mißbraucht. Beistrinkter Einhaltung humanistischer Grundsätze ist die Eugenik von individuellem und gesellschaftlichem Interesse.
[6] Malthus [engl. ‚mælθes], Thomas Robert (1766-1834), brit. Ökonom und Geistlicher, Ideologe der Landaristokratie, begründete in sienem Werk „Abhandlung über das Bevölkerungsgesetz“ (1798, dt.) eine Bevölkerungstheorie, die das menschenfeindliche Wesen des Kapitalismus ideologisch verklärt.
[7] Т.Д. Лысенко: „Агробиология“ (T.D. Lyssenko: „Agrobiologie“). Moskau 1948, S.105.
[8] 2. Beiheft zur „Sowjetwissenschaft“, Berlin 1949.
[9] Iwan Wladimirowitsch Mitschurin (27.10.1855-7.6.1935), russ. Pflanzenzüchter und Biologe, schuf mehr als 300 besonders frostfeste hochwertige Obstsorten unter Anwendung von ihm entwickelter Methoden (vegetative Hybridisation, Kreuzung von Sorten aus geographisch weit entfernten Gebieten); dadurch erhebliche Verschiebung der Obstbaugrenze nach Norden möglich.

Hier noch einige Bilder aus der sozialistischen Sowjetunion (1950):

SU_Landwirtschaft

Quellen:  a) Golbis.com  und b) fishki.net

Das verstehen die Menschen hier unter

Kommunismus!

(Dazu muß man sagen, daß diese widerliche Hetze, die da ein Herr Dr. Maaßen verbreitet, entweder auf Unwissenheit beruht, oder auf einem fanatischen, abgründig dummen Antikommunismus!)

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8 Antworten zu A.N. Studitski: Von Lamarck bis Lyssenko. Der Sieg des sowjetischen schöpferischen Darwinismus

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Soviel ich mich erinnere, wurde Lyssenko vom Westen belächelt, so als ob: Die Russen, die Mushiks, was ist von denen schon zu erwarten. Ich kann mich an sehr bösartige Gemeinheiten erinnern, die Lyssenko die Wissenschaftlichkeit absprachen. Aber Lyssenkos Experimente mit der Natur liegen ja auf der gleichen Ebene für den Westen wie die menschliche Natur und damit im Zusammenhang auch Rassismus und Eugenik, Themen, die immer noch oder wieder aktuell sind.
    Wir glaubten nach 1945, dass Rassismus mit dem Ende der Nazibarbarei endgültig aus der Welt sei. Dass das ein Irrtum war, erfahren wir jeden Tag.

    Zum Rassismus ist schon viel gesagt und geschrieben worden, mich interessiert die Eugenik, die auf uns zukommen wird aus den USA, angeblich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse Darwins und auch Lyssenkos. Wie missglückte Versuche an Pflanzen soll ausgemerzt werden, was aus der Sicht der Eugeniker kein Recht auf Leben hat: Afrikaner vor allem, Asiaten, Kranke, Alte – Überflüssige, die ihre Dollarwelt vernichten will. Gates hatte es in dem Tagesschau-Interview ja ausgesprochen: Die Pharmafirmen planen bei ihren RNA- und DNA-Impfungen soundsoviel Tote ein. Sie experimentieren mit menschlichem Leben! Angeblich leben zu viele Menschen auf der Erde, als dass sie noch ernährt werden können, meint Malthus. Und hier lese ich, dass er Geistlicher war! Brot für alle hat die Erde – gäbe es den Kapitalismus nicht. Ich bin nicht gläubig,
    aber dieses Bibelwort ist so wahr, dass es einem Geistlichen wie kommunistische Propaganda vorkommen kann.

    • sascha313 schreibt:

      Liebe Hanna, natürlich wurde im Westen darüber „gelächelt“ – was hätten sie auch sonst tun sollen! Und was Eugenik betrifft – auch das ist „Werbung“ (in der Apothekenzeitschrift wirbt sogar ein Kinderarzt für die angeblich so wertvolle Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs – damit wurden auch fir gleiche Weise in Rußland schon junge Mädchen sterilisiert!!!)

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Das haut mich aber um. Woher kam denn der Impfstoff, ein regierungsoffizieller oder einer aus dem Schwarzhandel? Aber das liegt ganz auf der Gates-Linie, das hat er in Kenia, seinem „Versuchsfeld“, auch gemacht. Junge Frauen und sogar kleine Mädchen wurden geimpft, unter einem Vorwand! In Kenia hat man den Impfstoff labortechnisch untersucht und herausgefunden, dass es ein Sterilisationsmittel war, und die ganze Geschichte sofort gestoppt. Diese Schweinerei des guten Herrn Gates wird hierzulande offiziell nicht erwähnt. Und ob die Opfer so etwas wie ein Schmerzensgeld bekamen, erfährt man auch nicht. Die Firmen wissen schon, weshalb sie jede Verantwortung für Nebenwirkungen, wie sie genannt werden, ablehnen.

  2. S. Erfurt schreibt:

    Ich denke nicht, daß US-Forscher dumm sind. Denn sowohl mit der Forschung selbst, als auch mit dem Verbreiten irriger Ansichten oder falscher Forschungsergebnisse werden unter kapitalistischen Bedingungen ganz bestimmte Ziele verfolgt: Profite, Ausbeutung und Underdrückung. Das heißt, daß all das, was uns erreicht einen Prozess der Zensur durchläuft, in dem auch Fakten gefälscht werden. Genau das erleben wir ja derzeit (Corona!) sehr deutlich.

    MFG

    • sascha313 schreibt:

      Nein, natürlich sind sie nicht dumm. Keinesfalls. Die intelligentesten Kapitalisten wissen ganz genau, was sie zu tun haben, um ihr Profitsystem zu erhalten, Je schwieriger das wird, desto hochgradig verbrecherisch handeln sie. Und zwar ganz bewußt!

  3. Pingback: Der sowjetische Agrobiologe und Agronom Trofim Lyssenko | Sascha's Welt

  4. Thomas Artesa schreibt:

    Die haben in ihrer chauvinistischen Arroganz nichts dazu gelernt im abgewrackten Westen. Lyssenko ist hier nur ein weiterer Dorn im benebelten Auge der Krypto-Faschisten. Der Balken im eigenen myopischen Blickwinkel wird nicht wahrgenommen. Da konnte man doch glatt in der bundesdeutschen Lügenpresse wie immer lesen: Impfstoff aus Moskau unter Putins Gnaden für die geschasste Welt im Allgemeinen und den begrenzten Geldbeutel der armen Länder im Besonderen gibt es bereits jetzt schon und noch dazu gratis! Ist doch nicht zu glauben und zu dulden diese russische Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Alles eben nur Murks, was da aus dem Osten von Moskau bis Wladiwostok kommt – oder? Bill Gates mit seinem Wunderimpfstoff ist zwar hundertmal teurer, aber eben auch das ersehnte Goldene Kalb, wie auch das schöne „umweltfreundliche“ Fracking-Gas! Übrigens – russische Rohstoffe na schön, aber mit deutscher HighTech. Ha, ha, ha – als ob der ewige Bastschuh tragende Iwan seit 1917 nichts dazu gelernt hätte! Diese Erbsenfresser und Sprücheklopfer in Berlin, Brüssel, London und Washington – neben den Rothschilds in Zürich und Tel Aviv!

    • sascha313 schreibt:

      Erstens ist der Corona-Test nicht validiert und daher unzuverlässig und eigentlich unzulässig, somit auch jede „Fall“-Statistik (was ja noch keine Erkrankung bedeutet!), zweitens ist eine Impfung gegen Grippe- und Coronaviren sinnlos (wegen der vielen Mutationen eines jeden Virus) und sogar gefährlich (wegen der Nebenwirkungen) und drittens geht es überhaupt nicht um Erkrankungern, sondern um die mehr als problematische Wirtschaftslage und die daraus resultierende Weltwirtschafts- und Finanzkrise, wofür die herrschende Klasse keine Lösung hat. Auch die „Reduzierung“ der Bevölkerung (= Massenmord!) löst nicht das Problem, aondern nur die Abschaffung des Kapitalismus.

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