Ohne Klassenkampf keine Abschaffung des Kapitalismus!

working class1Der folgende Beitrag von Fred Oelßner erschien bereits vor über 70 Jahren. Doch er hat bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Nach wie vor gibt es eine Arbeiterklasse. Und nach wie vor spielt die Arbeiterklasse im Prozeß der gesellschaftlichen Veränderungen eine entscheidende Rolle. Keine andere Kraft ist in der Lage, den Kapitalismus zu überwinden. Es gibt nur die eine Alternative: Entweder die totale Versklavung des Volkes oder der Sturz der Macht der Bourgeoisie. Wie schon Karl Marx am 13. Februar 1865 an J.B. von Schweitzer schrieb: „Die Arbeiterklasse ist revolutionär oder sie ist nichts.“ [1] Dabei enthüllte Marx, wie gefährlich die Illusion ist, über das allgemeine Wahlrecht die soziale Lage der Arbeiter grundlegend verändern zu können.

Die Verfälschung der Lehre vom Klassenkampf

von Fred Oelßner

Aus der ökonomischen Analyse der kapitalistischen Produktions­weise ergibt sich die Erkenntnis der Klassenstruktur der bürger­lichen Gesellschaft. Das grundlegende Produktionsverhältnis dieser Gesellschaft ist die Ausbeutung des Proletariats durch die Bour­-geoisie. Bereits im „Kommunistischen Manifest“ führten Marx und Engels den Nachweis, daß die Arbeiterklasse in der bürgerlichen Gesellschaft zum Träger des gesellschaftlichen Fortschritts wird, daß ihre historische Mission darin besteht, die bürgerliche Herrschaft zu stürzen und die kapitalistische durch die sozialistische Produktionsweise zu ersetzen. Indem sie im Klassenkampf die Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung entdeckten, ver­wandelten Marx und Engels den Sozialismus aus einer Utopie in eine Wissenschaft. Die Lehre vom Klassenkampf, der zur Herr­schaft des Proletariats führt, ist daher ein unabdingbarer Bestand­teil des Marxismus.

Gibt es einen Klassengegensatz?

Während der Marxismus die Unversöhnlichkeit des Klassen­gegensatzes zwischen Proletariat und Bourgeoisie nachgewiesen hat, waren die Verteidiger der Bourgeoisie stets bestrebt, zumindest die Versöhnlichkeit der gegensätzlichen Klasseninteressen zu be­haupten, wenn nicht das Vorhandensein des Klassengegensatzes überhaupt zu leugnen. Auch die Opportunisten innerhalb der Ar­beiterbewegung gingen stets von dem Gedanken der Klassenharmonie zwischen Proletariat und Bourgeoisie aus. In diesem Punkte waren sich alle Gegner des Marxismus stets einig, von den Reformisten, die den Arbeitern statt der Rolle des Totengräbers die Funktion des Arztes am Krankenbette des Kapitalismus zuschrieben, bis zu den Faschisten, die bekanntlich die „Volksgemeinschaft, Betriebs­gemeinschaften“ usw. predigten.

…oder sitzen wir alle im gleichen Boot?

Es wäre ein Wunder, wenn die heutigen Marxkritiker in dieser entscheidenden Frage einen anderen Standpunkt einnehmen würden. Sie tun es nicht, sondern vertreten, wenn auch in neuer Form, die gleiche unmarxistische Idee der Klassenharmonie und Volks­gemeinschaft. Einige Beispiele mögen das belegen. Der Sozialdemokrat Ernst Tillich erklärte im „Sozialistischen Jahrhundert“:

„Es geht nicht mehr nur um den Arbeiter, sondern um den in der rationalen Gesellschaft entrechteten Menschen überhaupt. Das bedeutet für den Sozialismus den Schritt von der Klassenbewegung zur staatsbürgerlichen Gemeinschaftsbewegung.“ [2]

Hier wird mit nüchternen Worten erklärt, daß die sozialistische Bewegung keine Klassenbewegung des Proletariats oder der Werk­tätigen mehr ist, sondern eine staatshürgerliche Bewegung.

Gibt es überhaupt noch ein Proletariat?

Der Unterschied zwischen dem proletarischen Sozialismus und dem bürgerlichen Pseudosozialismus ist völlig verwischt. In derselben Zeitschrift versuchte der Sozialdemokrat Ernst Lewalter ein paar Monate später den Nachweis zu erbringen, daß es überhaupt kein Proletariat mehr gäbe. Er schreibt:

„Der Arbeiter von heute ist kein Proletarier mehr… Das Wort Proletarier hat seinen Sinn verloren.“ [3]

Die Lüge von der „Entproletarisierung“

Lewalter versucht eine „wissenschaftliche“ Begründung für diese „Entproletarisierung“ zu geben, Er schreibt:

„Die Situation des Marxismus hat seitdem etwas Seltsames be­kommen. Die Entproletarisierung des Arbeiters ist immer weiter fortgeschritten. Sicherung der Existenz durch Schutzbestim­mungen, Versicherungen und Arbeitslosenunterstützung, Teil­nahme an der Sozialpolitik durch Einschaltung der Gewerk­schaften in die Gesetzgebung und die Verwaltung, Einfügung in den kulturellen Organismus durch Schulreformen, Volkshoch­schulen, Volksbüchereien, Volksbühnen – lauter Dinge, von denen sich 1848 noch nichts abzeichnete –, all das müßte dem Marxisten als Blendwerk der Reaktion gelten, weil es faktisch von seinem Ziel, der proletarischen Diktatur, abführt, ja ihm entgegengearbeitet hat. Er hält darum, trotz der völlig ver­änderten Wirklichkeit, daran fest, daß die Arbeiterschaft, wie in den 1840er Jahren, identisch sei mit dem Proletariat.“ [4]

Lewalter ist, wie schon gesagt, durchaus anderer Auffassung. Seiner Meinung nach wurde durch alle diese Errungenschaften das Proletariat in die Arbeiterschaft verwandelt. Diese Beweisführung zeigt, wie wenig diese Leute vom Marxis­mus begriffen haben.

Was sagte Karl Marx dazu?

Nach Marx hängt bekanntlich die Zugehö­rigkeit zu einer bestimmten Klasse von der Stellung ab, die der Mensch im gesellschaftlichen Produktionsprozeß einnimmt, beson­ders von seinem Eigentumsverhältnis zu den Produktionsmitteln.

„Die Eigentümer von bloßer Arbeitskraft, die Eigentümer von Kapital, und die Grundeigentümer, deren respektive Einkommen­quellen Arbeitslohn, Profit und Grundrente sind, also Lohn­arbeiter, Kapitalisten und Grundeigentümer, bilden die drei, großen Klassen der modernen, auf der kapitalistischen Produk­tionsweise beruhenden Gesellschaft.“ [5]

Wem gehören die Produktionsmittel?

Nach dieser Definition ist das Proletariat also die Klasse, die – von Dingen des persönlichen Bedarfs abgesehen – nichts besitzt als ihre Arbeitskraft. Das Proletariat kann nur leben, indem es ständig seine Arbeitskraft gegen Lohn oder Gehalt an die Eigen­tümer der Produktionsmittel, die Kapitalisten, verkauft. Proletarier ist jeder, der von Lohnarbeit lebt. An diesem Verhältnis ändert sich nichts und kann sich nichts ändern, solange die Proletarier vom Eigentum an den Produktionsmitteln ausgeschlossen sind, d.h. so­lange das kapitalistische Eigentum besteht.

Der Kampf des Proletariats um soziale Rechte

Wenn Lewalter in seinem Artikel behauptet, daß sich 1848 von der Sozialpolitik noch nichts abzeichnete, so verrät er damit seine geschichtliche Unkenntnis. Gerade in diesem Jahr, am 1.Mai 1848, errang das Proletariat seinen ersten großen sozialpolitischen Er­folg, indem es in England den Zehnstundentag durchsetzte. Karl Marx hat diesen großen Sieg 16 Jahre später in der Inaugural­adresse der Internationalen Arbeiterassoziation gefeiert, als er schrieb:

„Darum war das Zehnstundengesetz nicht nur ein großer poli­tischer Erfolg: es war der Sieg eines Prinzips; es war das erstemal, daß im vollen Licht des Tages die politische Ökonomie der Bourgeoisie unterlag gegenüber der politischen Ökonomie der Arbeiterklasse.“ [6]

Trotz der großen Bedeutung, die Marx dem Zehnstundengesetz zumaß, ist es ihm aber nicht im Traume eingefallen, daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß nun die Arbeiter aufhören, Pro­letarier zu sein. Auch die Inauguraladresse aus dem Jahre 1864 schließt mit dem Kampfruf des Manifests: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“

Wer ist eigentlich Arbeiter?

Und dabei war die Zehnstundenbill, die von den Arbeitern in hartem Kampfe errungen wurde, wahrschein­lich eine bedeutendere Maßnahme als die Einrichtung von Volks­hochschulen und Volksbüchereien, die ja manchmal auch von den Kapitalisten selbst gestiftet werden, um die Arbeiter vom Klassenkampf abzulenken. Wenn also die Marxkritiker heute von einer Verwandlung des Proletariats in die Arbeiterschaft sprechen, so zeigen sie damit nicht nur ihre volle Abkehr vom Marxismus, sondern auch ihre Verwandtschaft mit dem Nazismus, der bekanntlich auch den Ver­such unternommen hat, das Proletariat durch das „Arbeitertum“ zu ersetzen.

…nur eine Wortklauberei?

Man soll nicht glauben, es handele sich hier um bloße Wortklauberei, Proletarier und Arbeiter sei doch dasselbe. Gewiß, für uns Marxisten besteht zwischen Proletariat, Arbeiterklasse, Ar­beiterschaft, Lohnarbeitern kein Unterschied. Für uns sind das nur verschiedene Bezeichnungen fur die Klasse, die ihre Arbeits­kraft verkaufen muß, weil sie keine Produktionsmittel besitzt, und die darum von den Kapitalisten ausgebeutet wird. Für die Marx­kritiker ist es aber nicht dasselbe. Sie sprechen ja von der „Entproletarisierung“ des Arbeiters. Hermann L. Bill erklärt in einem Artikel „Hundert Jahre Kommunistisches Manifest“ ausdrücklich;

„Man soll heute den Begriff Klasse und Klassenbewußtsein anders verstehen als im Kommunistischen Manifest.“ [7]

Wer sind die „produktiv Schaffenden“?

Wie man ihn ver­stehen soll, das kann man aus einem Artikel des Sozialdemokraten Karl I. Germer in derselben Zeitschrift entnehmen. In diesem Artikel wird nicht wie bei Lewalter der Arbeiter entproletarisiert, sondern umgekehrt der Kapitalist zu einem Proletarier gemacht. Germer schreibt:

„Proletarier ist aber doch jeder, der durch produktives Schaffen seine wirtschaftliche Existenz gewinnt oder erstrebt. Hand­arbeiter und Künstler, Wissenschaftler und Angestellte sind Proletarier. Sogar dem ,mitarbeitenden Unternehmer‘ kann man den Charakter als Proletarier erst dann absprechen, wenn seine eigne produktive Arbeit nicht mehr in einem tragbaren Verhältnis zu seiner finanzwirtschaftlichen ,Ausbeutung‘ (in Anführung!!!) der von ihm Lohn oder Gehalt Empfangenden steht.“ [8]

Diese Sätze sind wirklich Perlen der Unwissenheit. Nach Germer ist also sogar der Unternehmer, der seine Arbeiter feste ausbeutet und gelegentlich selbst mit Hand anlegt, ein Proletarier. Die Ausbeutung wird dabei schamhaft in Anführungsstriche ge­setzt, was heißen soll, es gäbe tatsächlich gar keine Ausbeutung Was es wirklich gibt, ist eine Betriebsgemeinschaft der „produk­tiv Schaffenden“, d.h. von Betriebsführer und Gefolgschaft, ganz so, wie es einst von Robert Ley verkündet wurde. Je mehr sich die sozialdemokratischen Literaten in ihrer Marxfälschung verrennen, desto klarer beziehen sie die ideologische Position der Nazis.

Das faulen Tricks der Marxfälscher

Eine Gegenüberstellung der Auffassung von Lewalter und Germer zeigt das geistige Durcheinander im Lager der Marx­fälscher. Der eine schafft die Proletarier ganz ab, der andere macht alle zu Proletariern. Doch man darf bei diesem Wirrwarr nicht verkennen, daß sie eins dabei gemein haben: die Verfälschung und Verneinung der marxistischen Lehre vom Klassenkampf. Denn ob die Arbeiter entproletarisiert oder die Kapitalisten proletarisiert werden, in beiden Fällen verschwindet der Klassengegensatz, und an seine Stelle tritt angeblich die Klassenharmonie, die Volks­gemeinschaft.

Der unversöhnliche Klassengegensatz bleibt!

Natürlich handelt es sich bei all dem nur um windige Betrüge­reien. Tatsächlich haben die Marxkritiker die Klassen und den Klassengegensatz genau so wenig beseitigt, wie das den Nazis gelungen war. Denn dieser Gegensatz beruht letzten Endes auf dem kapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln, und solange dieses Eigentum nicht beseitigt ist, solange wird auch trotz „Klassenharmonie und Volksgemeinschaft“ der unversöhn­liche Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie fort­bestehen.


Ein Rückblick auf das Jahr 1948:

Das kapitalistische Eigentum an den Produktionsmitteln war aber bekanntlich in Deutschland noch nicht beseitigt. ln den westlichen Besatzungszonen war bisher nicht einmal das Eigentum der Junker und Monopolkapitalisten beseitigt worden. Dort bestanden daher im wesentlichen die gleichen Klassenverhältnisse fort, die unter dem Faschismus bestanden. Und die robuste Politik der CDU Adenauers sowie die junkerfreundliche Agrarpolitik Schlange-Schöningens haben gezeigt, daß die Besitzer der Produktionsmittel in Bizonesien ihre Klassenpolitik gegen die werktätigen Massen bereits wieder mit Hilfe staatlicher Institutionen durchführen konnten.

Was geschah in der sowjetischen Besatzungszone?

In der sowje­tischen Besatzungszone wurden die Klassenverhältnisse zum Teil geändert, indem die Junker und die Monopolkapitalisten enteignet wurden. Einerseits wurde durch die Verteilung des Bodens die bäuerliche Privatwirtschaft erweitert und gestärkt, andererseits wurde in den volkseigenen Betrieben ein Sektor der demokra­tischen Staatswirtschaft gebildet, in dem grundlegend neue soziale Beziehungen geschaffen wurden. Aber dieser Sektor umfaßt noch nicht die Hälfte der industriellen Produktion. Neben ihm bestehen noch viele Tausende kapitalistisoher Privatbetriebe, in denen nach wie vor die alten Klassenverhältnisse zwischen Kapitalisten und Arbeitern bestehen. Zwar ist die Stellung der demokratischen Staatsorgane zu diesem Klassenverhältnis eine andere als früher, aber das kann die grundlegende Klassenbeziehung nicht ändern, denn in diesen Betrieben besteht das kapitalistische Eigentum an den Produktionsmitteln fort.

Ein Ablenkungsmanöver der Bourgeoisie

Eine Analyse der tatsächlichen Klassenverhältnisse in Deutsch­land zeigt also, wie falsch und irreführend das Gerede von der Änderung der Klassenbeziehungen ist. Es ist jedoch eine alte Er­fahrung, daß die Marxfälscher sich um die tatsächlichen Verhält­nisse wenig kümmern, wenn es ihnen darauf ankommt, die Arbeiter von .ihren Klasseninteressen abzulenken und ins Fahrwasser der bürgerlichen Politik zu treiben. Das ist auch der Zweck der neuesten Verfälschung der Lehre vom Klassenkampf.

Quelle:
Fred Oelßner: Der Marxismus der Gegenwart und seine Kritiker. Dietz Verlag Berlin, 1948, S.120-125. (Zwischenüberschriften eingefügt, kleine Korrekturen – N.G.)
[1] Briefwechsel zwischen Marx und Engels. Marx an Engels in Manchester, 18. Februar 1865. In: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1965, Bd.31, S.77.
[2] „Das Sozialistische Jahrhundert“, Mai 1947, S.197.
[3] Ebenda, Oktober 1947, S.367.
[4] Ebenda, S.366.
[5] Karl Marx, „Das Kapital“, Bd.III; 1933. S.941
[6] Karl Marx, „Ausgewählte Schriften in zwei Bänden“, Ring-Verlag, Zürich 1934, Bd.II, S.481.
[7] „Das Sozialistische Jahrhundert“, November 1947, S.7.
[8] Ebenda, Februar 1948, S.110.

Siehe auch:
Soziologie: Das soziale Wohlbefinden und der Klassenkampf
Emil Collet: Manipulation – eine Methode des Klassenkampfes
Warum fürchten sie die Kapitalisten vor Karl Marx? Und Warum hassen sie die Kommunisten?

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Eine Antwort zu Ohne Klassenkampf keine Abschaffung des Kapitalismus!

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Dass die Bourgeoisie und ihre Satrapen der SPD die Existenz der Arbeiterklasse und den Klassenkampf leugnen, ist der klarste Beweis dafür, dass es sie gibt. Das ist das Dilemma der ganzen Diskussion, die Herrschaften Marx-Erklärer können sich dagegen nicht wehren, und wenn sie noch so viele „Argumente“ anführen, denn die bürgerliche Gesellschaft ist eine Klassengesellschaft, in der sich die herrschende Bourgeoisie und die Arbeiterklasse antagonistisch gegenüberstehen, und daran werden auch die raffiniertesten Argumente nicht rütteln können.

    Und wenn Merkel heute „Solidarität“ der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Virus einfordert, so fordert sie in Wirklichkeit die Herstellung des Konsenses zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten. Das müsste der ehemaligen DDR-Bürgerin wohlbewusst sein. Der Konsens zwischen Regierten und Untertanen ist eine alte Forderung, nicht nur der Nazis mit ihrer „Volksgemeinschaft“, er war schon immer das Bestreben der jeweils herrschenden Klasse, im Namen von Ruhe und Ordnung sich bei den Ausgebeuteten anzubiedern und sie zu verwirren, u. a. mit etlichen „Lockerungen“ und „Maßnahmen“, die vom Klassenkampf abhalten sollen. Aber auch dieses Ding hat zwei Seiten, Marx begrüßt den damaligen erkämpften Zehnstundentag als Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse. Es war ein Sieg, der Arbeiterklasse ist nichts „gewährt“ worden, sie hatte sich den Zehnstundentag erkämpft.

    Nun sagt aber Marx: „Die Arbeiterklasse ist revolutionär, oder sie ist nichts“ (siehe oben). Das ist nicht so zu verstehen, dass die nichtrevolutionäre Arbeiterklasse schwuppdiwupp verschwunden ist, sondern nur so zu verstehen, dass sie ihrer historischen Aufgabe, dem Sturz der Bourgeoisie, nicht nachkommt. Das begreifen die bürgerlichen Schreiberlinge nicht, sie schließen wider besseren Wissens aus diesem Marx-Zitat, dass nunmehr die Zeit der brüderlichen Umarmung zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten gekommen sei. Ein Wunschdenken. Ein Symbol dafür ist die „Hymne“ der EU, geklaut und missbraucht für die Zwecke der Bourgeoisie: „Seid umschlungen, Millionen!“ Diesen Satz darf man Schiller nicht übelnehmen, er kannte Marx nicht, der noch nicht geboren war, genauso, wie die deutsche Arbeiterklasse noch nicht geboren war. Dass Schillers Literatur aber heute missbraucht wird von der Bourgeoisie, gehört zu ihren Selbstentlarvungen. Man muss das nur begreifen.

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