Welche Rolle spielt die Arbeiterklasse heute?

rabotschijklassWir greifen hier noch einmal die Klassenfrage auf, denn die Geschichte der menschlichen Entwicklung ist immer eine Geschichte von Klassenkämpfen. Und wie schon Karl Marx am 13. Februar 1865 an J.B. von Schweitzer schrieb: „Die Arbeiterklasse ist revolutionär oder sie ist nichts.“ [1] Dabei enthüllte Marx, wie gefährlich die Illusion ist, über das allgemeine Wahlrecht die soziale Lage der Arbeiter grundlegend verändern zu können. Welche Rolle spielt nun die Arbeiterklasse in der Gegenwart? Darüber schreiben die beiden sowjetischen Autoren Bagaturija und Mossolow folgendes:

Eine wissenschaftliche Analyse

Will man die Entwicklung des Proletariats wirklich wissenschaft­lich analysieren, so muß man, wie aus dem „Manifest“ [2] folgt, seine verschiedenen Seiten detailliert betrachten – das zahlenmäßige Wachstum, den organisatorischen Zusammenschluß und die qualita­tiven Fortschritte. [3] Von den letzteren findet im „Manifest“ die intellektuelle Entwicklung besondere Beachtung. Mehr noch, hier werden schon einige überaus wichtige Wesenszüge des Mechanismus dieser Entwicklung umrissen.

Die Kapitalisten benötigen die Arbeiterklasse

Die Aufmerksamkeit wird darauf gelenkt, daß die Bourgeoisie im Zuge des ununterbrochenen Kampfes gegen die Aristokratie sowie gegen ihre einzelnen eigenen Fraktionen gezwungen ist, sich dem Proletariat zuzuwenden, es um Hilfe anzu­rufen und auf diese Weise in die politische Bewegung einzubeziehen.

„Sie selbst führt also dem Proletariat ihre eigenen Bildungselemente, d.h. Waffen gegen sich selbst, zu.“ [4]

Die intellektuelle Entwicklung

Zum beträchtlichen Teil wird die intellektuelle Entwicklung des Proletariats durch die Veränderungen in der sozialen Struktur der Gesellschaft gefördert, die durch die Entwicklung des Kapitalis­mus bedingt sind. Die Unterhöhlung zahlreicher sozialer Zwischen­gruppen einerseits und die ständige Vergrößerung des Umfangs der Arbeiterklasse andererseits bewirken, daß in den Reihen des Proleta­riats sowohl einzelne Vertreter als auch ganze Schichten der Eigen­tümerklasse zusammentreffen. Sie bringen Bildungselemente mit, die um so wesentlicher sind, je tiefgreifender dieser Prozeß ist.

Der Zersetzungsprozeß in der Bourgeoisie

Von großer Bedeutung ist auch, daß in jenen Perioden, in denen der Klassenkampf große Schärfe annimmt, der Zersetzungsprozeß innerhalb der herrschenden Klasse so stürmisch, so kraß wird, daß ein kleiner Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt und sich der revolutionären Klasse anschließt, der die Zukunft gehört. So geht ein Teil der Bourgeoisie auf die Positionen des Proletariats über,

„…namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben“. [5]

Die soziale Struktur der Arbeiterklasse

Die Entwicklung des Proletariats insgesamt ist nicht nur der Veränderung der äußeren Umstände der Existenz bedingt, sondern auch von der tatkräftigen Mitwirkung an der Formierung und Veränderung dieser Umstände. Diese tatkräftige Beteiligung geschieht in erster Linie in Form des Klassenkampfes. Im „Manifest“ wird dargestellt, wie sich dieser Kampf, sowohl in seinen Ausmaßen, als auch in seinem Inhalt, modifiziert, wie er die verschiedenen Phasen durchläuft – von verschiedenen Ebenen des ökonomischen Kampfes zum politischen, wie und warum er letztlich zur revolutionären Errichtung der politischen Herrschaft des Proletariats, zur grundlegenden Umgestaltung der gesamten Gesellschaft führen muß.

Welche Rolle spielt das Proletariat?

In ihrer ökonomischen Begründung der welthistorischen Rolle des Proletariats unterstrichen Marx und Engels:

„Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.“ [6]

Ein komplizierter Prozeß

Zugleich analysierten die Begriinder des Marxismus den Prozeß des Werdens und der Entwicklung der Arbeiterklasse als der einzigen konsequent revolntionären Kraft, als des Totengräbers des KapitaIismus und des künftigen Schöpfers der kommunistischen Gesellschaft und zeigten, wie kompliziert dieser Prozeß ist und daß in der Lage der Arbeiterklasse selbst dialektische Widersprüche bestehen.

  • Auf der einen Seite besitzt das Proletariat keinerlei Privateigentum, wird vom Kapital ausgebeutet und unterjocht steht ihm als feindliche Kraft gegenüber.
  • Auf der anderen Seite ist es von der auf Privateigentum beruhenden kapitalistischen Produktion hervorgebracht worden und durch alle Arbeits- und Lebensbedingungen mit ihm verbunden.

Gegensätzliche Tendenzen im Proletariat

Jegliche Veränderungen im Funktionieren des Kapitals und in der Organisation der kapitalistischen Produktion berühren die Lebensinteressen des Proletariats. Mehr noch, wie Marx darlegte, wird die Arbeiterklasse durch die natürliche Entwicklung in die kapitalistische Produktion einbezogen.

  • Aus der objektiven Lage des Proletariats als einer Klasse von Menschen, die des Privateigentums beraubt sind, ihre Arbeitskraft verkaufen und ausgebeutet werden, ergibt sich die führende, revolutionäre Entwicklungstendenz dieser Klasse, die Tendenz zum entschlossenen, kompromißlosen Kampf gegen den Kapitalismus.
  • Der objektiven Teilnahme an der kapitalistischen Produktion und der Anerkennung der Bedingungen dieser Produktionsweise entspringt die Tendenz zu Versöhnlertum und sozialen Kompromissen in dieser oder jener Form, eine Tendenz, die in bestimmten Etappen und unter bestimmten Bedingungen den einen oder anderen Teil der Arbeiterklasse erfassen kann. Letztlich siegt die revolutionäre Tendenz, aber sie siegt im Kampf gegen das Versöhnlertum.

Ein weiterer objektiver Widerspruch

Mit dem vorstehend genannten Widerspruch ist ein anderer organisch verbunden und verflochten.

  • Auf der einen Seite werden die Proletarier vom ganzen Verlauf der kapitalistischen Produktion, von der Arbeitsorganisation in den Großbetrieben und dem Kampf der Klassen organisiert, zusammengeschlossen, vereinigt, erzogen und gestählt. Bei all dem erkennt sich das Proletariat selbst als machtvolle revolutionäre Kraft, deren Kampferfolg von der Klassen­solidarität abhängt. Das Wachstum, der Zusammenschluß des Proletariats sind eine geschichtliche Gesetzmäßigkeit.
  • Auf der anderen Seite wird „diese Organisation der Proletarier zur Klasse, und damit zur politischen Partei, … jeden Augenblick wieder ge­sprengt durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst“ [7], wie es im „Manifest“ heißt.

Eine scharfe Waffe der Bourgeoisie…

Diese Konkurrenz ist eine Waffe für die Bour­geoisie in ihrem Kampf gegen das Proletariat. Sie erzeugt den Nähr­boden für die Politik der Spaltung der Arbeiterklasse in verschie­dene Berufsgruppen, für demagogische soziale Manöver der Bour­geoisie.

Die objektiven Prozesse, vor allem die Entwicklung der Produk­tivkräfte, fördern die Überwindung der Entzweiungstendenz, doch dazu bedarf es bewußter, organisierter und zielstrebiger Aktionen. [8] Das erste Kapitel endet mit der Schlußfolgerung: Der Sieg des Proletariats ist unausbleiblich.

[1] Briefwechsel zwischen Marx und Engels. Marx an Engels in Manchester, 18. Februar 1865. In: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1965, Bd.31, S.77.
[2] Karl Marx/Friedrich Engels: „Manifest der Kommunistischen Partei“. In Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, Bd.4, S.
[3] Siehe „Das Kommunistische Manifest und die Gegenwart“. Moskau 1974, S. 174 ff., russ.
[4] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: Werke, Bd. 4, S. 471.
[5] Ebenda, S. 472.
[6] Ebenda.
[7] Karl Marx/Friedrich Engels: „Manifest der Kommunistischen Partei“. In: Werke, Bd. 4, S. 471.
[8] Siehe „Das Kommunistische Manifest und die Gegenwart“, S. 45-47.

Quelle:
G.A. Bagaturija/W.G. Mossolow: „Die Entstehung de Marxismus. Die Geburt der revolutionären Partei des Proletariats“. In: Die Internationale Arbeiterbewegung. Fragen der Geschichte und der Theorie. In sieben Bänden. Verlag Progreß, Moskau 1980. Erster Band, S.425-427.


Wodurch vertieft sich der Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie?

Vollauf bestätigt wurde die von Marx und Engels bereits im »Manifest der Kommunistischen Partel« getroffene Feststellung, daß sich die ka­pitalistische Gesellschaft »mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat« spaltet, zwischen denen sich im Maße des sich zu­spitzenden Gegensatzes der Klassenkampf entfaltet. Wie weit die Klas­senpolarisierung in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft fort­geschritten ist, zeigt ein Vergleich der Klassenstruktur der Erwerbsperso­nen in der BRD in den Jahren 1950 und 1980. (Vgl. Tabelle.)

(Ergänzung: Was heute hinzugekommen ist, das ist die Vereinzelung und Individualisierung innerhalb der Arbeiterklasse. Sie ist zurückzuführen auf eine ganz gezielte Spaltungspolitik der Bourgeoisie in allen Bereichen des Lebens. Nur so läßt es sich bequem regieren. Schon die alten Römer wußten: Divide et impera!)

Klassenstruktur

Weder in der BRD noch in den anderen imperialistischen Ländern ist die Gesellschaft – wie ihre Apologeten behaupten – durch »Entproletarisierung«, »Verschwinden« der Ausbeutung und der Klassen, durch eine »Harmonisierung« gegensätzlicher Klasseninteressen geprägt, sondern durch immer stärkere Polarisierung in Bourgeoisie und Pro­letariat und das Wachstum der Gegensätze und des Kampfes zwischen ihnen. Die Legenden von einer angeblich existierenden »Mittelstands­gesellschaft«, in der eine ständig an Umfang und Gewicht wachsende »Mittelklasse« die Mehrheit der Bevölkerung ausmache und den Ton angebe, werden von der Wirklichkeit des Kapitalismus widerlegt.

Wachstum ArbklAllein in den Jahren zwischen 1950 und 1980 ist die Zahl der zur Arbeiterklasse gehörenden Umfang sich ständig vergrößert hat und die weiter wächst, ist das Pro­letariat. Seit Beginn unseres Jahrhunderts stieg die Zahl der Lohnarbei­ter, die insgesamt der Ausbeutung des Kapitals unterworfen sind, von 90 auf über 500 Millionen. In den imperialistischen Ländern beträgt ihr Anteil an der Bevölkerung durchschnittlich 75 Prozent. Der Anteil der zur Bourgeoisie gehörenden Personen hat sich dagegen auf wenige Prozent verringert, der Anteil der führenden Monopolbourgeoisie umfaßt einige tausend Familien.

Während die überwiegende Mehrheit der Menschen in der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft von der Verfügungsgewalt über den von ihr produzierten gesellschaftlichen Reichtum, vom Eigentum an Produktionsmitteln und von der politischen Macht ausgeschlossen ist, kontrollieren rund 400 internationale Konzerne über die Hälfte der Indu­strieproduktion und die 100 größten Monopolbanken bis zu 90 Prozent aller Finanzoperationen der kapitalistischen Welt. Wenige mächtige Fi­nanzgruppen der größten imperialistischen Länder betreiben das »Ku­ponabschneiden«, das Einstreichen riesiger Einkommen aus fremder Arbeit im Rahmen der kapitalistischen Weltwirtschaft, und unterwerfen die Völker dieser Länder ihrer reaktionären politischen Herrschaft. Der Antagonismus zwischen Proletariat und Bourgeoisie entfaltete sich zum Gegensatz zwischen der Mehrheit des Volkes und dem Monopolkapital.

Quelle: Studienhinweise für Seminare. Zur aktuellen Bedeutung der Leninschen Theorie über den Imperialismus. Parteilehrjahr der SED 1982/83, S.167-169.

Anmerkung: Leider kann man heute solche Statistiken nirgendwo mehr finden. Nachdem die Bourgeoisie 1990 in fast allen Teilen der Welt die Macht ergriffen hat und nun (wieder) zum Faschismus übergeht, hat sich die soziale Lage der Weltbevölkerung ins Unermeßliche verschlimmert. Das Bestreben der am meisten imperialistischen und chauvinistischen Kreise der USA ist es, die „überflüssige“ Weltbevölkerung auszurotten und eine erneute Aufteilung der Welt vorzunehmen, um damit dem tendenziellen Fall der Profitrate entgegenzuwirken. Das entspricht völlig der Leninschen Imperialismustheorie. Es zeigt aber auch, wie die menschenverachtenden Vorstellungen des britischen Pfaffen und Ideologen Thomas Robert Malthus (1766-1834) durch die Rockefeller-Gates-Mafia im Komplott mit der WHO und des WEF umgesetzt werden.

Als geeignete Mittel zur Reduzierung der Bevölkerung bezeichnete T.R. Malthus:
• geschlechtliche Enthaltsamkeit (das will Gates mit einer Impfung erzwingen !)
• Einschränkung der Armenunterstützung (wie schon in der BRD mit Hartz 4 !)
• Elend (wie gerade praktiziert mit massenhafter Stillegung der Wirtschaft !)
• Seuchen (dazu wurde die angebliche Corona-Pandemie erfunden !)
• Kriege (wie gerade der zwischen Aserbaidshan und Armenien, später Jemen !)

pdfimage Die Arbeiterklasse heute

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Internationale Solidarität, Kleines Lexikon, Marxismus-Leninismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Welche Rolle spielt die Arbeiterklasse heute?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Der Konkurrenzgedanke durchzog sowohl den Kapitalismus der freien Konkurrenz und durchzieht in gesteigerter Form den derzeit herrschenden Monopolkapitalismus. Dass er auch am Proletariat nicht spurlos vorbeigehen kann, begründet sich daraus, dass es ja Teil der kapitalistischen Produktionsverhältnisse ist. Der Bourgeoisie ist sehr daran gelegen, die Kampfkraft der Arbeiterklasse zu schwächen, sie zu schwächen, indem sie hierarchische Verhältnisse schafft.

    Wer kennt nicht den Begriff des „Stehkragenproleten“ für einen Arbeiter, der es an den Schreibtisch „geschafft“ hat und bemüht ist, sich von seinen Klassengenossen abzuheben, und ab jetzt dem Wohlwollen des Kapitalisten und seiner Helfershelfer zwar auf diffizilere Weise, aber doch unterworfen ist? Er fühlt sich oftmals bereits als Aufsteiger in die herrschende Klasse, was natürlich ein Trugschluss ist. Er ist genauso der Ausbeutung wie seine Klassengenossen unterworfen, aber bemüht, aus seiner Klasse auszusteigen und „aufzusteigen“. Er glaubt, ohne Klassenkampf sein Glück machen zu können, er müsse sich lediglich in die Hierarchie einordnen. Dies verändert natürlich auch sein Denken, er denkt nun nicht mehr wie der ausgebeutete Arbeiter, sondern gewöhnt sich gegenüber Arbeitern ein gewisses Chefgehabe an.

    Wir hatten in der Familie einen solchen Fall: Arbeiter, ungelernter Maurer, nach 1929 sieben Jahre lang arbeitslos, dann, 1936, bot ihm ein Rüstungskonzern den „Aufstieg“ an: Er wurde Kranführer, was sich auch gegenüber den Arbeitern im Einkommen ausdrückte. Er hielt sich seit dieser Zeit für unpolitisch, aber in Wahrheit vertrat er die Ansichten der Chefetage bedingungslos und dokumentierte so seinen eigenen geistigen Niedergang. Für ihn gab es keine Klassengenossen mehr, und dabei war er vorher sehr aktiver linker SPDler gewesen. Es war ein Großonkel von mir, in der Familie betonte er seine „höhere“ Stellung auch im Privaten. Das schaffte einigen Unfrieden in der Großfamilie.

    • Harry56 schreibt:

      Hallo liebe Genossin Hanna, zunächst noch dir einen guten Sonntag Abend! Dein obiger Beitrag, sehr realistisch, auch heute läuft das so massenhaft, die Herren/Damen Kapitalseigner und/oder deren Geschäftsführer kaufen bestechen Leute aus der Unterschicht (Proletarier), um diese als Helfershelfer des Kapitals gegen deren eigene Klassengenossen zu verwenden. Aber, liebe Genossin, auch schon im Feudalismus gab es alle diese „bewährten“ Praktiken.
      SOZ. Grüsse an dich!

      • sascha313 schreibt:

        Lieber Harry, mich wundert es ja schon, daß ausgerechnet DU hier mit so einem uralten Kram daherkommst! Was interessiert uns heute eigentlich der Feudalismus? Wo doch manche heute schon ganz und gar vergessen haben, wie es eigentlich im Januar 2020 zu dieser P(l)andemie gekommen ist.

        Du willst doch immer so „heutig“, so zeitgemäß sein. Vielleicht kannst Du uns einmal erklären, woher diese Amnesie (Gedächtnisschwund) kommt, daß heute alles vergessen gemacht wird, was einmal war und was vergangene Generationen sich (und uns!) mühevoll erarbeitet und erforscht haben, wo wir doch sozusagen auf deren Schultern stehen?

  2. Erfurt schreibt:

    Charakteristisch für die heutige Arbeiterklasse ist, daß sie physisch dezentralisiert ist. Dem vorausgegangen ist eine Dezentralisierung der Produktion weltweit, die konventionelle Lagerhaltung wurde abgeschafft und ansteller derer trat die Logistik, d.h., daß auch die Produkte weltweit zirkulieren, sich also entweder auf der Straße, auf Schienen, auf Containerschiffen oder in der Luft befinden.

    Ebenso sind Arbeitskräfte weltweit austauschbar und damit auch ständig in Bewegung (Migrationspolitik, fälschlicherweise auch als Flüchtlingspolitik bezeichnet). MFG

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Da hast du natürlich recht, Harry, solche Machenschaften gab es in allen bisherigen Ausbeutergesellschaften. Aber es ist was anderes, erlebt man den geistigen Niedergang bei einem „Aufsteiger“, bei einem Menschen, der einem näher steht. Das Schlimme daran ist ja, dass es heute nicht anders läuft. Und ist einer nicht willig, wird er erpresst, und sagt er immer noch nein, dann soll er sehen, wie er seine Familie ernährt. Beispiele sind doch die Drosten und die Wieler, gekaufte Wissenschaftler. Ob sie es nun gern machen oder nicht, das spielt keine Rolle. Sie tun es, unter Missachtung dessen, wofür sie stehen: der Wissenschaft. Sie beschädigen das Ansehen des Wissenschaftlers und die Schöpferkraft des Menschen. Oder sieh dir die Bundestagsabgeordneten an, zu einem großen Teil gekaufte Leute, Karrieristen, keine Volksvertreter.

    Aber Sascha bezieht sich auf etwas Wichtiges: Wir stehen auf den Schultern der Menschen vor uns. Wir sollten etwas gelernt haben. Haben wir das? Verhalten sich Arbeiter heute anders? Verhalten sich Kapitalisten anders? Letztlich haben auch sie gelernt, und sie setzen die raffiniertesten psychologischen Methoden ein, um die Arbeiterklasse zu schwächen.

    Eine ihrer Methoden ist die Moral, selbstverständlich die bürgerliche Moral, auf die so mancher hereinfällt. Aber sie haben noch ganz andere Methoden, die bekannteste ist natürlich die Gewalt. Und sie predigen ständig hochmoralisch gegen die Gewalt und können doch ohne sie selbst nicht auskommen.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Stefan, eines muss klar sein: Egal, wie und wo einer arbeitet unter Ausbeutungsbedingungen, er ist Arbeiter, sofern er keine Produktionsmittel besitzt. Dass die Arbeiterklasse sich selbst gegenwärtig nicht als Klasse empfindet, ist doch gewollt, deshalb die Hierarchien, unter denen heute gearbeitet wird. Die bürgerliche Soziologie bemüht sich, uns den Klassengedanken auszutreiben, indem sie Hierarchien der Arbeiter schafft. Einem Metallarbeiter ist es klar, dass er Arbeiter ist, aber ist es auch einem angestellten IT-Spezialisten klar? Den vielen Büroarbeitern?
    Ich meine jetzt nicht die Teppichetage, sondern die in den Etagen darunter.

    • Erfurt schreibt:

      Es ist ja gerade die Dezentralisierung welche das Klassenbewusstsein zerstört. S-Bahnen die abends um 5 Heerscharen von Arbeitern auspucken gibts nicht mehr. Weder in Berlin noch in anderen Städten. Von der Schicht in der Gießerei ohne Umweg über die Wohnung direkt in die Kneipe um dort mit den Kollegen das zu besprechen für das man auf Arbeit keine Gelegenheit hatte, die Zeiten sind vorbei.

      Auf jeden Fall hatte man da schon ohne große Überlegungen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Haben heutige Arbeitslose oder Hartz-IV-Bezieher ein Zusammengehörigkeitsgefühl!? Wo doch jeder von den anderen denkt, daß die alle faule Schweine sind die ihr eigenens Leben nicht auf die Reihe kriegen und mit ihrem Schicksal überfordert sind!? Wo man schon an sich selber zweifelt ob man den falschen Beruf gewählt hat!? Und was man noch alles so in seinem Leben falsch gemacht hat!?

      Bei jeder Meldung die aus den Staatsmedien auf uns eindröhnt schwingt das immer mit. Dieses „Du bist selber schuld“ und die Mär daß wir durch unser Verhalten irgendetwas zu bestimmen hätten in dieser Gesellschaft. Da war neulich einer auf FB der hat doch tatsächlich rotzfrech behauptet, daß wir selber schuld an den hohen Mieten sind, weil wir sie bezahlen.

      MCMXLV

  5. Harry56 schreibt:

    „Da war neulich einer auf FB der hat doch tatsächlich rotzfrech behauptet, daß wir selber schuld an den hohen Mieten sind, weil wir sie bezahlen.“… Werter Genosse, sind solche intellektuellen Paviane nicht genau das richtige funktionale Menschen-Vieh für die heutigen spätkapitalistisch-kosmopolitischen Besitzbürger-„Eliten“ , und nicht nur in der BRD, sondern weltweit? 😦

    Soz. Gruß an dich!

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Aber ja, Stefan, das gehört alles dazu, um die Arbeiterklasse zu zersplittern. Und ich sage dir, die Angst, die auch unter den Arbeitern herrscht (und ich meine jetzt nicht Corona-Angst), bewirkt zum großen Teil die Entsolidarisierung. Heute kann doch niemand wissen, ob nicht irgendwelche Spitzel gezielt auf die Arbeiter nach Schichtende angesetzt sind, um jede Solidarisierung zu verhindern. Wir leben in einer misstrauischen Gesellschaft, es ist keinesfalls so, wie die Medien bemüht sind, es darzustellen, dass hier Eintracht herrschen würde.

    Der schöne Schein beherrscht unser Leben, und unter der Decke grummelt es verdammt. Die Menschen sind nicht dumm, aber sie leben in Angst vor Gewalten, vor denen sie glauben, kapitulieren zu müssen. Die Arbeiterklasse steht heute mit leeren Händen da, und das nicht erst seit heute.

    Versteh mich recht, ich will das nicht verteidigen. Aber das ist, realistisch betrachtet, die Situation. Das Recht, die Arbeiterklasse zu verurteilen, haben wir nicht. Dass die Situation ganz anders sein müsste nach Lage der Dinge, ist doch völlig klar.

    • sascha313 schreibt:

      Ganz genau. Wir haben alle voneinander gelernt, und Hanna, Du wirst immer besser!

      Fragen wir mal einen Arbeiter? Der hat „solidarisch“ seinen Lappen vorm Gesicht, möglichst „FFP2- extra“ mit Rückatmungsventil und Sauerstoffentschärfer, hält Abstand zu seinen Kollegen und schimpft auf die „Verantwortungslosen“, die das nicht tun, die also keine Maske tragen oder nicht richtig, die andere freundschaftlich umarmen usw. Und warum verhält er sich so? Weil die Knete stimmt! Und sie stimmt deswegen, weil das Auto rollt, das kleine Reihen-Häuschen bezahlt ist und irgendwann wird ja auch Mallorka wieder klappen, da sind die Deutschen wieder wer…. Faschismus? Ach, komm mir doch nicht mit solchem Quatsch, in der DDR war’s schlimmer… Ein Einzefall? Klar. – „Solidarität“ ist ein Begriff der Arbeiterklasse! Doch das muß man erst wieder lernen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s