Ringo Ehlert: „Eine Stellungnahme zu 30 Jahren Annexion der DDR…

No Nazis DDR…ist schwierig und hier nicht zu leisten, das haben andere weitaus besser getan, als ich es je könnte.“ – Ringo Ehlert verweigerte im Jahre 2002, also vor etwa 20 Jahren, den Wehrdienst in der von alten Nazis gegründeten deutschen Bundeswehr. Am  21. August 2002 schrieb daraufhin unser Genosse Dr. Kurt Gossweiler in Anerkennung dieses mutigen Verhaltens an den jungen Kommunisten: „Lieber Ringo, Dein unbeugsames ,Nein zur BRD und ihrer Armee‘ zeigt allen, daß wir nicht wie die Lämmer darauf warten müssen, was mit uns geschieht, sondern daß wir selber etwas für den Frieden tun können, allerdings nur, wenn wir auch bereit sind, die von den Herrschenden angedrohten Konsequenzen auf uns zu nehmen. Du hast das getan, und jetzt schon erreicht, daß die erste Runde in diesem ungleichen Kampf an Dich ging, wie das Entlassungsschreiben Deines Vorgesetzten Generalmajors beweist…“

Nun meldet sich Ringo Ehlert erneut zu Wort und nimmt Stellung zur DDR, berichtet über seine Familie und erklärt damit auch sein konsequent ablehnendes Verhältnis gegenüber der imperialistischen BRD.


Eine Stellungnahme zu 30 Jahren Annexion der DDR

von Ringo Ehlert

Als die Grenze geöffnet wurde und der bis dahin zähfließende, langsame Zerfall der DDR in einen reißenden Wasserfall mündete, war ich 11 Jahre alt. Die intakten sozialen Gegebenheiten um mich herum verwandelten sich nun im Takt von Monaten in ein Ruinenfeld. Was ich davon noch weiß, begrenzt sich auf eine kindliche Faszination für das Durchstreifen riesiger stillgelegter Industrieanlagen unserer Stadt, das Randalieren in ihren leerstehenden Kultur- und Betriebsverwaltungsbauten. Ein Endzeitspielplatz, auf dem alles uns zu gehören schien, und wir nicht ahnten, daß dies tatsächlich alles einst unseren Eltern gehörte. Für uns war es ein Abenteuer, unter einem Himmel, in dem dunklen Wolken aufzogen.

Alles sollte sich verändern.

Die Arbeitsstätten der Eltern kamen ins Wanken und immer öfter kamen die Gespräche der Erwachsenen über Miete, Stromkosten, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zum Stehen. Neue Abkürzungen standen auf Türen, in Zeitungen, auf Wahlplakaten: DM, CDU, PDS, ABM, Stasi usw. Die Büchereien und Schulen häuften vor ihren Türen auf den Bürgersteigen Bücher über Bücher, Landkarten mit den Nachkriegsgrenzen und der großen rot gemalten Sowjetunion – hingeworfen für die Sperrmüllberäumung. Alle dachten, daß das schon gut gehen wird, nur ein chaotisches Zwischenstück zu einem einfach anderen aber mindestens genauso guten Leben. Wir dachten genauso und schauten mit großen Augen in die Zukunft.

Warum sollten wir Kinder was anderes denken…

…und anderes reden als das allabendliche Fernsehprogramm. Und das sendete leuchtende Bilder hinaus zu uns, und die westdeutschen Handelsketten glitzernde Verpackungen in die Regale der Kaufhallen. Und kein Werbeblödsinn darauf war zu groß, als daß wir nicht drauf reingefallen wären. Der Postbote klingelte zwei- oder dreimal pro Tag und brachte Berge von Glasperlen in unsere Buden. Wie die Indianer hingen wir sie uns an den Hals, die Großen tanzen um ein goldenes Kalb namens D-Mark. Neckermann und Quelle war unser Regenbogen zu dem Topf Gold an seinem Ende, das im Westen lag. Der Tanz war aus, als die Poliklinik meiner Mutter schloß und der letzte Job meines Vaters das Abreißen seines eigenen Metallbetriebes wurde.

Wir können uns unsere Mütter nicht aussuchen.

Ich hatte also großes Glück. Sie war die prägendste Figur für mich, und Antifaschistin durch ihren Vater. Der zog damals mit der Wehrmacht in die Sowjetunion und geriet zum Glück nur in Gefangenschaft, wo er das Denken probierte und wiederkehrte als Kommunist. So wie er wurde, wurde seine Tochter, auch ohne Mitgliedschaft in der SED. Eines ihrer pädagogischen Glanzstücke, unvergeßlich: Eines samstags abends rief sie uns in die Wohnstube vor den Fernseher, es lief der amerikanische Film „Das Urteil von Nürnberg“ mit Spencer Tracy auf DDR 1:

Ein uralter schwarzweißer Streifen…

…über eine Geschichte im Schatten der Nürnberger Prozesse kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Als im Gerichtssaal in Anwesenheit der Täter und Opfer des deutschen Faschismus die schrecklichen Original-Filmaufnahmen von Auschwitz gezeigt wurden, saßen wir Kinder vor der Glotze. Aus dem Hintergrund sagte meine Mutter: „Seht euch das an und wählt die Seite, auf der ihr steht“. Der Ausspruch vom „besseren Deutschland“, den hörte ich das erste Mal von ihr, sie war eine Begleiterin des Projektes DDR, kritisch und doch treu. Man kann zu ihrer Erziehung stehen wir man will, aber sie machte mich zu dem, der ich heute bin. Meine Mutter begriff schnell, daß mit dem Ende des Gesundheitswesens der DDR ein Gesundheitswesen, das diesen Namen verdient, in deutschen Landen unmöglich wurde. Was jetzt kam, war ein chaotisches Kaufhaus, indem der Hilfe bekam, der sie sich leisten konnte.

So begann der Weg der Renate Ehlert…

…von Umschulung zu Umschulung, letztlich weg von zu Haus und zuletzt zu sowas wie einer Hilfsverkäuferin. Ein demütigender Abstieg für die einstige Medizinisch-technische Laborassistentin aus Leidenschaft. Sie ging auch deswegen weg, dahin wo es Arbeit gab, in den Westen. Sie hat nie wieder davon geredet, daß sie nun Arbeit hat, es war immer nur ein Job, eine Arbeit hatte sie in der DDR. Die Jahrzehnte in einer westdeutschen fremden Stadt brachten meiner Mutter Ernüchterung und keinen Freundeskreis, sie blieb Wirtschaftsflüchtling, solang sie lebte.

Meine Schwester blieb im Osten.

Den Ausbildungsplatz zur Zahnarzthelferin, für den sie ihren Zweierabschluß in der Schule schwer erkämpft hatte, hat sie natürlich nicht bekommen. Ausbildungsstellen gerieten jetzt zur Mangelware, mitten in all dem Überfluß des neuen Konsums. Und es schien nichts mehr wichtig. Alles wurde infrage gestellt. Ein Wertesystem versank in Gleichgültigkeit. Die Dinge, zu denen die jungen Leute der Generation meiner Schwester aufblicken sollten, sollte man jetzt gefälligst mit Füßen treten. Die Thälmanns und Lenins verschwanden von den Straßenschildern, ihre Bildnisse aus den Parks und von den Sockeln vor den Rathäusern. Das „Rotarmisten-Mahnmal“, gleich neben unserem Rathaus mit seinen verblichenen Sternen auf den Grabsteinen, räumte man über Nacht in den letzten Winkel des Städtchens, zu den anderen Toten auf den Stadtfriedhof.

Meine Schwester, die FDJlerin…

…redete davon nie. Ich ahne heute in jedem ihrer kurzen kargen Sätze, dass damals was zerbrochen ist in ihr. In den Wirren des Umbruchs fand sie dann eine Lehrstelle als Kellnerin, die sie dann wegen dieser und jener Insolvenz dieses oder jenes Gasthauses oder Kneipe auch noch mehrmals unterbrach. Es begann der Weg der Ina Ehlert und er führte sie in Kreise, die ihr nicht guttaten. Die Kneipen waren Treffpunkte der Bundeswehrsoldaten, die jetzt die Kasernen der NVA übernahmen. Die Glücksritter und rauen Kerle der Stadt. Alkohol und…

…neue harte Sprüche gegen die „Fidschis“ und „Polacken“ gabs hier

und die Bösen Onkels machten den Sound dazu. Ein hartes Terrain, in dem man Wolf unter Wölfen sein muß. Die „Wende“ erwischte meine Schwester mitten in einer Zeit, in der sich junge Menschen ohnehin in einen Wald voll mit Weggabelungen begeben. In dieser Zeit sind die Leitplanken eines Weltbildes, das Gut und Böse scheidet, und Vorbilder immens wichtig. Es bedarf ihrer auch, um sich an ihnen in Kritik zu üben. In diesen zerbrechlichen Vorgang des Erwachsenwerdens schlug die Annexion der DDR wie eine Granate ein, ein Sprengsatz in den Lebenslauf von hunderttausenden heranreifenden jungen Menschen. Was diese Zerstörung mit der Generation meiner Schwester angestellt hat, es wird Forschungsgebiet bleiben. Ich bin kein Forscher, doch heute kenne ich nur wenige Menschen, die so hart zu sich selbst sind wie meine Schwester.

Sie lebt heute verbittert in ihrem Dorf…

…schlägt sich mit einem kleinen Imbiß durch wie eine Löwin. Wir reden schon wegen unserer unüberbrückbaren politischen Widersprüche nicht oft, aber wenn, dann immer und lieber über früher. Meine Schwester, so viele, vielleicht eine ganze Generation, haben abgeschlossen mit Dingen wie Herzlichkeit und Mitleid mit anderen (schon gar nicht Fremden gegenüber). Was ist das für ein gesellschaftliches System, das sowas hervorbringt in den Leuten?

Der weitere Weg meines Vaters

…war schon kurz nach der Wende klar vorgezeichnet. Die Arbeitslosigkeit, die er seinen Lebtag nicht mehr los wurde, schlug ihn aus der Bahn, wie so viele, die vor allem durch ihre Arbeit leuchteten und weniger durch ihr Privatleben. Aus Frust wurde Stille, aus Stille wurde Desinteresse und Verbitterung. Wozu er sich noch aufraffen konnte, war das Trinken. Wir haben deshalb oft gestritten. Daß er auf die DDR und sein Leben darin nie was hat kommen lassen, war sein letzter roter Faden. Als Sohn einer Großbauernfamilie, in der man lernt, daß zuerst die eigene Speisekammer kommt und dann der Rest, hatte er seine Lebensreise begonnen. Aus diesem Muff, in dem jeder Bauer war und jeder Bauernsohn wieder Bauer wurde, bot die DDR die Chance, auf- und vor allem ausbrechen.

Er wurde Industriebauarbeiter

…und Reisender von Großbaustelle zu Großbaustelle der Republik. Mein Vater sah jeden Winkel der kleinen, großen Welt DDR und er lebte für seine „Spur der Steine“, die er in diesen Osten schlug. Und es war dieser Osten, der ihm zeigte, daß Solidarität siegt, und die die besten Bauern sind, die gemeinsam die Republik ernähren. Das brachte ihn auf gegen den Trott in seiner Bauernfamilie. Mitglied in der Patenschaftsbrigade für das Kinderheim und der Solibeitrag für Vietnam und Angola waren selbstverständlich. Ebenso sein Einsatz in der Betriebskampfgruppe. Wofür die wirklich kämpfte, verstand er erst wirklich, nachdem sie aufgelöst wurde. Selbst am Palast der Republik hatte er mitgebaut, wie er immer stolz erzählte. Aber wenn er erzählte – zu oft war er angetrunken – nahm eines immer einen besonderen Platz in den Erzählungen ein: seine Zeit beim Bau der Erdgastrasse „Druschba“. Es war das große Ding seines Lebens.

DDR_Postkarte_Drushbatrasse

Und die „Russen solle man mal in Ruhe lassen!“. Er ließ sich den großen Bruder nie zum Feinde stempeln. Auf seinem Nachttisch lag immer irgendein Buch, meistens eines von einem sowjetischen Schriftsteller, meistens eines über den großen vaterländischen Krieg oder die unendlichen Weiten Rußlands. Wohl niemand hat den „Stillen Don“ öfter gelesen als er. Mit der gleichen Geschwindigkeit wie diese Spur der Steine meines Vaters der Deindustrialisierung der annektierten DDR durch den Westen wich, gab er sich auf. Gegen eine Krankheit am Herzen hat er nicht mehr gekämpft.

Reinhard Ehlert starb so leise, wie er in seiner großen Zeit laut gelebt hatte.

So hat diese „Wende“, die manche immer noch „Wiedervereinigung“ nennen, meine Familie auf dem Gewissen. Sie hat meine Leute in alle Winde zerstreut und auch mich später aus der Region gejagt, die seit 30 Jahren vor sich hinstirbt. Vielleicht ist es vielen so ähnlich ergangen, vielleicht nicht allen ganz so dramatisch, vielleicht nicht ganz so frustrierend, manchmal vielleicht aber noch schlimmer. Im Ergebnis gingen so viele weg, nicht wenige wurden rechts. Ich wurde ein Linker, es hätte auch anders kommen können, mein Elternhaus hat mich auf dem besseren Weg gehalten. Ein Elternhaus, das so nur in der DDR sein konnte und das nur mit dem Ende der DDR so zerstampft werden konnte.

So zerrt die DDR an mir, wie Wurzeln an einem schiefen Baum.

Ich kenne sie aus Büchern und dem Erzählen, Werden, Wachsen und Gehen meiner Eltern oder aus meistens klugen aber auch manchmal nicht so klugen Dingen, die alte Genossen zu mir sagen. Und jeden Tag lerne ich sie neu kennen, auch durch das Wutgeschrei ihrer Feinde. Ich war nicht dabei, als sie aufgebaut wurde, nicht dabei, als sie pulsierte, nicht bewußt dabei, als die Ostdeutschen sie für lau hingaben. Eine Distanz, die manchmal Nachteil, manchmal Vorteil ist. Mit einer glatten, widerspruchsfreien Idee vom Sozialismus, mit der Fehlerfreiheit des eigenen Ideals von wehenden roten Fahnen, die jeder aus vollen Herzen trägt – damit hat die DDR nicht viel zu tun.

Diese überflüssige Romantik

…stößt sich an ihren Kanten ab, an den beißenden Widersprüchen dieser anderen deutschen Republik. Sie war an vielen Ecken und unterm Teppich, wo der Kehricht landet, alles andere als schön, aber sie war Wichtigeres als schön: Sie war real! Im Vergleich zu einem naiven Ideal von Sozialismus und Revolution schaut sie dreckig aus Bergen ihrer ungewaschenen Wäsche – diese DDR, wer mag die schon? Im Vergleich jedoch zu dem, mit dem wir uns heute rumschlagen müssen, war sie das mit Abstand Beste und Großartigste, was man in diesem verfluchten Deutschland je auf die Beine gestellt hat. Und ihre Revolution erst, die war überall in ihr, sie war Musik! Ein heißer pulsierender Takt durch jede ihrer Adern bis in die kleinsten Kapillare, selbst noch, als die Leute auf die Straße gingen und ihr Ende einleiteten –

… wie kann man denn die DDR nicht mögen?

Irgendwo zwischen diesen beiden Polen habe ich meinen Frieden gemacht mit der alten Dame. Der Schlüssel dazu ist Wissen. Eine Stellungnahme zu 30 Jahren Annexion kann meines Erachtens nur zu dem Ergebnis kommen, daß jede linke politischen Betätigung im Osten zum Scheitern verurteilt, bestenfalls ineffektiv ist, wenn sie nicht, bei welchem Thema auch immer, die DDR in Stellung bringt. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Agitation und Propaganda, nicht nur, aber vor allem in Ostdeutschland. Eine politische Arbeit gegen die DDR oder an ihr vorbei (vielleicht, um sich vermeintlich nicht die Finger zu beschmutzen oder um eine Abkürzung, um einen steinigen, langen Aufstieg nehmen zu wollen) ist Selbstzweck, nicht viel mehr. Wenn wir so mit dieser DDR umgehen, daß wir keinen im Osten abholen, dann stehen die Leute nicht falsch, sondern wir.

Die DDR ist ein Anker…

…der ein wenig in allen Leuten zugleich hängt und Nachdenklichkeit und Freunde bereitet, wenn man daran zerrt. Was für eine Chance! Der Zustand, daß ein linkes Projekt die Millionen bewegt, weil es ein Stück ihres Lebens ausmacht, ist doch so selten wie kostbar. Die ostdeutsche Linke, und noch viel mehr die Westdeutsche, haben das zu spät und größtenteils bis heute nicht verstanden. Unser gemeinsamer Gegner, die offene Reaktion, war schneller, wie so oft.

Wir haben dieses verlorene Gebiet zurückzuerobern

…was aussichtslos scheint und in Front zu einem übermächtigen Gegner. Aber so geht uns das ja immer. In den letzten Jahren haben wir unsere Ansprüche korrigieren müssen. Derzeit ist die DDR so unter einem Berg von Irrungen, Wirrungen und Lügen verbuddelt, daß nicht die Frage um die Revolution die nächstliegende ist, sondern der leise Hinweis: „Nu laß doch mal einen Moment von deinem Feindbild ,Flüchtling‘, ,Schwuler‘, ,Hartz4-Empfänger‘ ab und erzähl uns mal, wer deinen Betrieb platt gemacht hat oder den deiner Eltern!“ Wenn auch die „Aufarbeitung der DDR“ durch die Sprachrohe des Staates mit einem Palaver von „Unrechtsstaat“ und Stasihatz keinen im Osten mehr so recht hinterm Ofen vorholt, greift doch die Umdeutung der DDR von AfD & Co. umso mehr.

Was haben sie aus unserer DDR gemacht?

Aus der DDR haben diese Leute ein entpolitisiertes, ihrer antifaschistischen Geschichte beraubtes Objekt gemacht, das nur noch den Mumpitz von einem „Früher“ erzählt, wo alles besser war und in Ordnung, ohne Fremde. Denen, die solche Bilder malen, gehört die DDR nicht. Sie sind vom gleichen Stoff, aus dem jene sind, wegen denen die DDR gegründet werden mußte. Die DDR gehört uns Linken, wir müssen sie uns zurückholen und ihre Geschichte als das erzählen, was sie ist: eine große antifaschistische Geschichte des Aufbäumens gegen den deutschen Sonderweg von Weltkrieg zu Weltkrieg. Wir müssen sie erzählen als Geschichte einer Gegnerschaft zum deutschen Imperialismus.

Was wichtig ist zu sagen:

Neben all dem Lob für ihre sozialen Errungenschaften ist es wichtig zu sagen, daß es nicht die Kernaufgabe der DDR war, daß es den Ostdeutschen gut und besser geht, das ist sekundär. Ihre Kernaufgabe war die Verunmöglichung eines erneuten Griffes zur Weltherrschaft von Siemens, Daimler und Deutscher Bank. Ein Verunmöglichen eines erneuten Auschwitz, eines erneuten Weltkrieges. Welch wichtigere Ziele könnte einem Staat in die Wiege gelegt werden? Was könnte ehrenhafter und gerechter sein, als diese Ziele erreicht zu haben? Unseren Dank an alle, die ihren Anteil daran hatten!

Entnommen aus: „Der Verrat an den Bürgern der DDR“ – Eine politische Bilanz nach 30 Jahren Anschluß, herausgegeben vom Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden e.V. (OKV), ein Beitrag im Namen von Unentdecktes Land e.V. (Hervorhebungen – N.G.)

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Ehlert - Stellungnahme

https://kurt-gossweiler.de/grusswort-fuer-ringo-ehlert-zum-21-august-2002/

pdfimage  Ringo Ehlert – Stellungnahme zur DDR

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18 Antworten zu Ringo Ehlert: „Eine Stellungnahme zu 30 Jahren Annexion der DDR…

  1. Ja, diese „Annexion“ der DDR — ist eine der vier großen Tragödien in der ‚deutschen‘ Geschichte, die ich für mich in die Tragödien Dreißigjähriger Krieg (1618-1648), die Niederlage der Revolution 1848/49 und die Machtergreifung des Faschismus 1933 einordne.

    Wie du ja weißt, bin ich „christlich-religiös“< und damit gleichzeitig kapitalistisch „sozialisiert“ worden und habe ab Oktober 1987 sehr erfolgreich drei Kapital-Unternehmen „aufgebaut“ und als Geschäftsführer geleitet und damit rund 25 Mio. Umsatz erwirtschaftet.
    Da ich die „Tricks“ des Systems irgendwie (zufällig?) bereits mit — irgendwann zwischen meinem 13. und 23. Lebensjahr — „durchschaute“ und mich die beiden Kapitalgeber – das waren meine Frau und meine Schwiegermama – gewähren ließen, konnte ich den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen (damals hatte ich noch gar keine Ahnung davon, daß *Menschen lediglich ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um überleben zu können!) auf der einen Seite einem „Bruttolohn“, der zwischen 33 % und 60 % über dem „ortsüblichen Lohn“ lag, auszahlen, der auf der anderen Seite jedoch auch NETTO dem vertraglichen „Bruttolohn“ entsprach. Mitarbeitern mit Kind(ern) konnte ich sogar pro Kind 200,- extra pro Monat netto und für jedes Kind drei Tage Urlaub zusätzlich geben.
    Jeder bekam seinen „Lohn“ pünktlich ausgezahlt; den Sozialversicherungen und dem Finanzamt wurden ebenso deren Forderungen stets pünktlich überwiesen — auch wenn die Sozialversicherungen und der „Staat“ – für die wir – bis zu 160 Menschen – alle indirekt gearbeitet haben – noch längst nicht die in Rechnung gestellten Leistungen bezahlt hatten, weil ich über ein Bar-Kapital zurückgreifen konnte, daß es mir ermöglichte, drei volle Monate alle mir in Rechnung gestellten Leistungen zu zahlen.
    In der Regel wurden meine gestellten Rechnungen jedoch meistens innerhalb eines Monats beglichen, so daß selbst die kleine Bankfiliale, bei der wir unser Konto führten, uns stets einen Kontokorrent von bis zu 250.000,- pro Monat bis zu 14 Tagen gewährte, wofür freilich 3.750,- bis 7.500,- Zinsen pro Monat angefallen sind. „Was ein guter Kunde!“ 😉
    ———————————-

    Im Oktober 1988 lernten meine Frau und ich fünf „Missionare“ (zwei Ehepaare und ihre fünf Kinder sowie eine Frau, die diesen beiden Familien diente) aus Südafrika in der Nähe unseres Wohnortes in Hamburg kennen. Das war im Oktober … es war naß und kalt … die hatten nichts mehr zu beißen … ich habe sie alle zu uns eingeladen …
    Der Mensch, der diese kleine Gruppe „führte“, war ein sogenannter „Jude“, der in Südafrika eine „umstrittene“ christliche Gemeinde leitete und irgendwann im Jahr 1987 beschlossen hatte, seine Kirche zu schließen und den Gemeinde-Mitgliedern „befohlen“ hatte, alles hinter-sich-zu-lassen und „in die Welt zu gehen, um das Evangelium zu verkünden“.

    Nachdem wir diese Menschen bei uns aufgenommen hatten, wurden mir und meiner Frau (hauptsächlich von dem Leiter) erzählt, daß in den nächsten zwölf Monaten HONECKER von seiner eigenen Partei gestürzt wird; die Mauer fällt, die BRD und die DDR „vereinigt“ werden und danach Gorbatschow in der Sowjetunion gestürzt und gefangen genommen wird.“

    Ich wurde von diesem Menschen gebeten, seine „Botschaften“ in die deutsche Sprache zu übersetzten — was ich auch getan habe! …

    Doch da dieser eine Satz! „Jesus comes now!“ und ich erklärte ihm, daß ich als Christ eine solche „Botschaft“ niemals übersetzten werde, „weil das eine LÜGE ist!“

    Viele Stunden und Tage habe ich diesem Menschen erklärt, daß eine solche Aussage sowohl nach der Bibel, dem Evangelium und jeder Logik FALSCH IST!!! … und ich dieses „Jesus comes now!“ nicht für ihn übersetzen werde: FOR IT IS a LIE — it is a deception = BETRUG ***I can never ever agree to!!!***

    In MEINER eigenen Wohnung — in der ich menen Freund – und in der meine Frau ihre Freundin aufgenommen hatten … und in der wir jeden Sonntag bis zu 30 Christen zum Essen eingeladen hatten, versuchte dieser Mensch, mich danach „durch sein cleveres Gerede“ sowohl von meiner Frau, als auch unsere beiden Gäste, als auch die Christen, mit denen wir jeden Sonntag in unserer Wohnung Gemeinschaft hatten, mich zu isolieren

    Bedauerlicherweise ist es diesem Menschen auch leidlich gelungen, denn dessen „Prophezeiungen“ SIND ja fast wortwörtlich im Jahr 1989 eingetroffen … fast alles, was dieser Mensch 1988 „vorhergesagt“ hatte, traf ein — und nicht nur das! Diese kleine Gruppe von Menschen „predigte“ auf den Straßen von Hamburg und Berlin und anderswo:
    In einem Jahr wird Honecker gestürzt, die Mauer fällt und die BRD und die DDR werden vereinigt werden!

    Das ist ja nun einmal auch geschehen, oder?

    Meine eigene Frau und alle meine Freunde haben sich mehr oder minder von mir abgewendet … und das nicht, weil ich die „Nachricht vom Fall“ der DDR und der Sowjetunion nicht ernst genommen hätte, sondern allein, weil ich die „Botschaft“ des „Jesus comes now!“ als LÜGE bezeichnet habe!!!

    Wirklich! Dieser Mensch hat Dinge vorhergesagt, Dinge, die ja auch eingetroffen sind! ABER davon darf sich dennoch kein Menschn verführen lassen!!!

    Nebensächlich: Zu einer dieser beiden Familien habe ich bis heute ein tiefes freundschaftliches Verhältnis … als sich meine Frau – eine Negerin – 1997 mit UNSEREM Kind – mit dem sie hochschwanger ging und dessen Geburt bevor gestanden hat einfach mit Gift das Leben genommen hat !!!

    … und ich so fertig war, daß ich mein eigenes Leben nur noch in Alkohol ertränkt habe … wurde ich von Kampala (Uganda) eines Morgens zum Flughafen nach Entebbe gefahren — VOLLKOMMEN BESOFFEN – nichts mehr DENKEN könnend!!!! und in ein Flugzeug nach Südafrika gesetzt!
    … Im Flugzeug habe ich alles an Alkohol getrunken, was ohne Bezahlung angeboten wurde … als ich dort in Johannisburg ankam … Diese WAHREN Freunde: haben gar nichts gesagt! Sie nahmen mich – so wie ich war entgegen !!! VOLLKOMMEN BESOFFEN !!!
    … fuhrten mich zu ihrem Haus … und haben mich drei Wochen lang den Rausch meines Lebens ausschlafen lassen — überwiegend habe ich diese 21 Tage geschlafen … wenn ich erwachte, bekam ich ein Frühstück, Mittagsessen oder ein Abendbrot — ich ging danach wieder schlafen —
    … und „Wunder über Wunder“ bin ich schließlich doch wieder ERWACHT !!!

    • Erfurt schreibt:

      Liebknecht war auch ein Wahrsager, er sagte den 1. Weltkrieg voraus. Dann kam Lenin und sagte die Gründung der Europäischen Union voraus. Rosa Luxemburg, Thälmann und weitere KPD-Genossen sagten sogar Hitler voraus und den 2. Weltkrieg. Und nach dem 2. Weltkrieg sagte Stalin voraus, daß die Zerstörung des Sozialismus eine schreckliche Katastrophe nicht nur für die UdSSR sondern die ganze Menschheit bedeuten würde.

      Alles ist eingetreten. Es gibt eben Wahrsager die sind populärer als Jesus!

      • Erfurt schreibt: 11. Januar 2021 um 08:51
        „Liebknecht war auch ein Wahrsager, er sagte den 1. Weltkrieg voraus.“

        Nun, lieber Erfurt, es ging mir ja nicht um „Wahrsagerei“. Auch ich kann „wahrsagen“: Die NATO – also die USA mit der BRD, Polen, Rumänien und der Ukraine – werden gemeinsam Russland angreifen.
        Mit dem Hinweis, daß mir damals ein vollkommen fremder Mensch „bekannt“ machte: „daß in den nächsten zwölf Monaten HONECKER von seiner eigenen Partei gestürzt wird; die Mauer fällt, die BRD und die DDR „vereinigt“ werden und danach Gorbatschow in der Sowjetunion gestürzt und gefangen genommen wird“, wollte ich nur zum Ausdruck bringen, wie seltsam manchmal das Leben so verläuft … und wie leicht es doch ist, Menschen zu verwirren und zu verführen.

        Nachdem diese Dinge „engetroffen“ waren, konnte ich auch „wahrsagen“: „Schrecklich! Jetzt werden die Menschen in der DDR, die die BRD nicht nicht kennen, genauso beschissen, wie wir hier.“

  2. dersaisonkoch schreibt:

    In unserem Gasthof waren zur „Wendezeit“, von 100 Westgästen, 90 schwerst kriminell. Ich weiß jetzt nicht genau, wie viele Kollegen sich wegen dieser Kriminellen, aufgehängt haben. Es sind tausende! Wir reden nicht von Menschen!

    • Erfurt schreibt:

      Mein Cousin hat sich das Leben genommen, zwei meiner Nachbarn und erst letzten Monat hat sich einer aus meinem Nachbarort mit dem Jagdgewehr erschossen (auf dem Kötsch: https://rolfrost.de/berg.html).

      Was mich bezüglich DDR so dankbar macht ist, daß wir 40 Jahre lang von diesem Pack verschont wurden bevor sie in meine Heimat eingefallen sind. Der Kötsch mit Blick auf den Ettersberg mit dem Glockenturm die wunderschöne Umgebung des Mittleren Ilmtals und eine glückliche Kindheit, Geborgenheit in Elternhaus und Schule, das war für mich die DDR!

      MCMXLV

  3. tommmm schreibt:

    “ Die DDR gehört uns Linken, …“

    Schade, dass auch Ringo dieses Vokabular verwendet. Er sollte Marxisten sagen, oder Bolschewisten. So assoziiert man die Idee doch gleich mit Kipping oder Ramelow, die im Sinne der Monopole wirken.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, richtig! …aber das ist schätzungsweise die Folge davon, daß hier jeder für sich alleine kämpft. In vielen Ländern gibt es schon gemeinsame Proteste, nun ja auch gewaltsam.

    • Erfurt schreibt:

      Die Linke: Katzenjammer um gelöschten Beitrag bei Facebook

      Na, wer hätte das gedacht: Facebook löscht. Was erwartet Die Linke eigentlich, wenn sie gemeinsame Sache mit denen machen!?

      MCMXLV

    • tommmm: „Schade, dass auch Ringo dieses Vokabular verwendet. Er sollte Marxisten sagen, oder Bolschewisten.“

      ALL dies ist egal !!!

      Es wäre sehr viel besser, wenn auch du dich nicht mehr von solchen Nebensächlichkeiten ablenken lassen würdest!, sondern das eigentliche „Thema“ benennen und darauf dein Hauptaugenmerk verwenden würdest, nämlich:
      *Die Abschaffung der Lohnsklaverei*, durch die der Kapitalismus SICH ERNÄHRT und „sein Leben erhält“

      • sascha313 schreibt:

        …bitte keine persönlichen „Korrekturen“ bei anderen! Jeder hat seinen Weg! Du möchtest es auch nicht, wenn man Dir vorschreibt, was Du zu tun hast!

    • Erfurt schreibt:

      Ich sags mal so: Niemand (*) hat das Recht die DDR mit Schutz zu bewerfen, das ist eine Beleidigung und Verhöhnung derjenigen die aus Überzeugung und mit ehrlichen Absichten aus der DDR das gemacht haben was sie immer war: Eine Heimat für 17 Millionen Menschen wo jeder eine bezahlbare Wohnung, eine Arbeit und genügend Kleidung, Essen und zu Trinken hatte.

      Der BRD-Staat nicht und schon gar nicht die Herren von Donnersmarck und Konsorten!

  4. roprin schreibt:

    Dieser Beitrag reißt all meine nie verheilenden Wunden noch tiefer. Schmerzen, die nie vergehen, die mich wach halten… Wenn es nur mehr dieser Ringo’s gäbe.
    Ernst Thälmann sagte: „Ein Leben ohne Hoffnung ist wie ein Sommer ohne Schmetterlinge.“ Meine Schmetterlinge sind mit der Annexion meiner Heimat, mit dem Verrat Gorbatschows alle gestorben.

    • roprin: „Dieser Beitrag reißt all meine nie verheilenden Wunden noch tiefer. Schmerzen, die nie vergehen, die mich wach halten… Wenn es nur mehr dieser Ringo’s gäbe.
      Ernst Thälmann sagte: „Ein Leben ohne Hoffnung ist wie ein Sommer ohne Schmetterlinge.“ Meine Schmetterlinge sind mit der Annexion meiner Heimat, mit dem Verrat Gorbatschows alle gestorben.“

      Dein Kommentar hat mich schwer getroffen, schockiert und gleichzeitig traurig gemacht.

      Aber ich bin auch sehr verwundert, denn Heimat, Auto, Haus – also DINGE – gehen nun einmal verloren oder kommen einem Menschen abhanden! ABER diese können ersetzt werden!

      Eines Menschen-Leben kann jedoch niemand zurückbringen! Keiner wird meine tote Frau oder meine tote Tochter oder meine drei toten Söhne zurückbringen. Vermutlich hätte ich darüber auch niemals getrauert oder daran gelitten, wenn sie mit über 40 Jahren statt im Alter von vier bis 24 Jahren nicht wirklich auf tragische Weise umgekommen wären.

      Du hast so unendliches Glück gehabt – JA! du bist geradezu GESEGNET: Du hast doch NUR „deine Schmetterlinge“ verloren! — DINGE, die ersetzbar sind!

      Sieh es mir bitte nach! „deine nie verheilenden Wunden, deine Schmerzen, die nie vergehen, die dich wach halten…“ sind nichts weiter als Phantasmen, die nur in deiner Vorstellung – also subjektiv – vorhanden sind. Es sind DINGE, die man Heute hat und Morgen eben nicht mehr und die jederzeit unseres Lebens ersetzt werden können!

      • roprin schreibt:

        Ach, jauhuchanam राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו Etwas Zurückhaltung bitte. Was den einen kaum berührt kann einem anderen sehr schmerzen. Und meine Schmetterlinge können nicht ersetzt werden.

      • roprin: „Was den einen kaum berührt kann einem anderen sehr schmerzen.“

        Ja, da hast du selbstverständlich recht mit. Mich hat es aber sehr berührt und geschmerzt. Ich kenne jenes, was dich schmerzt, nur allzu gut. Nun habe ich selber — zugegeben in einem jahrelangen Prozeß — aus solchen Schmerzen herausgefunden

        Vielleicht habe ich mich gerade deshalb mal wieder in meinem „Übereifer“, einem anderen Menschen – in diesem Fall dir – zu versuchen zu vermitteln, sich seiner Wirklichkeit bewußt zu werden, unglücklich und ungeschickt ausgedrückt. Ich weiß, daß das oft bei anderen Menschen arrogant, korinthenkackermäßig und besserwisserisch rüberkommt.

        Insofern ich dich mit meinem Kommentar gekränkt habe, bitte ich dich hiermit aufrichtig um Entschuldigung.
        ———————
        Ringelnatz, Joachim (1883-1934):

        Ich habe dich so lieb!
        Ich würde dir ohne Bedenken
        Eine Kachel aus meinem Ofen
        Schenken

        Ich habe dir nichts getan
        Nun ist mir traurig zu Mut.
        An den Hängen der Eisenbahn
        Leuchtet der Ginster so gut.

        Vorbei – verjährt –
        Doch nimmer vergessen.

        Ich reise.
        Alles, was lange währt,
        Ist leise.

        Die Zeit entstellt
        Alle Lebewesen.
        Ein Hund bellt.
        Er kann nicht lesen.
        Er kann nicht schreiben.
        Wir können nicht bleiben.

        Ich lache.
        Die Löcher sind die Hauptsache
        An einem Sieb.

        Ich habe dich so lieb.

        Dieses: „Vorbei – verjährt – Doch nimmer vergessen. Ich reise. Alles, was lange währt, Ist leise“, geht mir oft durch den Sinn, wenn ich von Menschen lese, die den Untergang ihrer DDR erlebt und damit emotional ihre Heimat verloren haben und daran bis heute leiden, als ob sie ihren Mann, ihre Frau oder ihr Kind verloren hätten. Ich kann das in einem übertragenen Sinn vollkommen nachvollziehen, wenn ich es auch ganz praktisch nicht wirklich verstehen kann, da ich selber nie eine Heimat hatte …
        und als „Deutscher“ in „meinem“ eigenen Land stets ein Ausländer und Fremder war — jedenfalls wurde ich vom Tage meiner Geburt unter der BRD so behandelt, nämlich als Person mit Nummer und von den Menschen der Umgebungen, in denen ich aufgewachsen bin, eben als Fremder ohne Rechte, aber eigentlich – so hatte ich es von Kindertagen an bis zum jungen Erwachsenen (22) jedenfalls empfunden – als Ausgestoßener – als ein Mensch unter Menschen, aber trotzdem nicht dazugehörend. Selbst die christliche Taufe als Siebenjähriger, daß ich mich „zu Jesus bekehrte“, ich konfirmiert wurde und ich mich mit 23 Jahren bewußt dazu entschied, mich Taufen zu lassen – ich blieb „der Fremde“ – „der Ausgestoßene“:

        Die BRD wollte mich nicht, die Kirche wollte mich nicht, das Gymnasium wollte mich nicht, die Berufsausbilder wollten mich nicht, die Demokraten, die Gewerkschaft, die Nazis und Sozialisten wollten mich nicht … und 1980 wollte mich nicht mal die UdSSR an den Olympischen Spielen in Moskau teilnehmen lassen – obwohl ich damals auf 3.000, 5.000 und 10.000 Meter schneller gelaufen bin, als jeder davor von Läufern aufgestellte Weltrekord.

        NUR!!! Ausbeuter, Kriminelle, Luden (Zuhälter), „gewisse“ – falsch: „bestimmte“ *Politiker* und *Sektenführer* wollten mich – aber nur, um mich für ihre Zwecken einzuspannen. Davor hatte mich jedoch mein Vater (offiziell: mein Stiefvater, der mich an meinem 5. Geburtstag „als seinen Sohn“ anerkannte) stets gewarnt. Eigentlich habe ich es allein ihm zu verdanken, daß „Ich“ ‚mich‘ als „ich-Selber“ wahrgenommen habe.

        Ich weiß das noch als ob es Gestern war – meinem 5. Geburtstag 1967; er sprach mit mir über „den Schein (die Schatten) der Wirklichkeit und die Realität. Das war am Abend meiner Geburtstagsfeier. Er ging mit mir Spazieren. (Auf seinem linken Knie – 20 Jahre davor hatte er als 17. Jähriger beide Beine „verloren“.)
        Er stellte mir Fragen zu Erde, zur Sonne und dem Mond.
        „Georg, wie sieht denn die Erde aus?“ — Ich: „Rund und flach“. — „Und wo geht die Sonne auf?“ — Ich: „Natürlich im Osten“. — „Und wo steht der Mond?“ — Ich: „Na, da oben – das siehst du doch!“
        Und dann erzählte er mir ganz sonderbare Dinge über die Erde, die Sonne und den Mond — klar! habe ich das damals gar nicht verstanden, aber ich habe ihm jedes Wort geglaubt. ***Da war dieses komische Etwas – was „Liebe“ genannt wird*** – „mit aller seiner Kraft, mit seiner ganzen Seele und aus den Tiefen seines Herzens“ hat er mir Wahrheiten von der Wirklichkeit mitgeteilt, die ich ihm sofort glaubte … wenn ich sie auch erst 30 Jahre später „begriffen“ habe.

        All die Jahre danach „ließ er mich laufen“, *um meinen ‚eigenen‘ Weg zu finden* (???) — und von Zeit zu Zeit hatte er in diesen Jahren auch sich hier und da die Zeit nehmen können, um sich mit mir zu unterhalten – aber mich stets „wirklich allein gelassen“, wenn es darum ging, daß ich etwas entscheiden musste!
        „Erinnere dich, was ich dir gesagt habe! *Du – nur du MUSST – und auch du nur KANNST FÜR dich Entscheidungen treffen!!!* — Ich kann dir nichts weiter geben, als den Rat, zu überlegen, ob du dem Hänschen folgst, der ins Wasser springt oder dem Hans, der sich von der Eisenbahnbrücke in die Tiefe stürzt — mein Rat an dich ist eindeutig: Springe NICHT den Hänschen und Hansen der Welt nach! ABER! Du mußt dich Selber entscheiden!

        Während meiner Pubertät hat er mich nicht über die menschliche Sexualität aufgeklärt — aus meiner Sicht heute, hätte er das tun müssen!

        Aber das ist nebensächlich, denn während dieser Zeit meines Lebens lehrte er mich zwei viel ntscheidendere Dinge;
        „Georg! Wer Frauen schlägt, der schlägt auch kleine Kinder!“ — PAUSE — … solltest du jemals Frauen schlagen, dann wirst *auch du* kleine Kinder schlagen! … wer jedoch *sein Eigen Fleisch und Blut* schlägt
        und !!!SEINE EIGENE GEWALT!!! gegen seine Mutter, seine Frau und Kinder ERHEBT, der ist damit und bleibt auf ewig VERFLUCHT! …
        … Georg! DU MUSST deinen Jähzorn unter Kontrolle bringen!
        Zorn und Wut dürfen dich nicht beherrschen!
        Du mußt Zorn, Wut und Rache beherrschen!
        … Wenn du das nicht lernst, dann wirst du nicht nur dich selber ruinieren, SONDERN das Leben von vielen Menschen ausrotten – möglicherweise das Leben von mehr Menschen ALS Hitler, Churchill, Roosevelt, Truman zusammen ERMORDEN konnten!!!
        Solltest du den Weg der MÖRDER Churchill, Eisenhower, Hitler, Kennedy, Roosevelt, Truman, Adenauer oder Brandt einschlagen, dann werde ich dich mit meinen eigenen Händen erwürgen … denn ich will nicht, daß du als Massenmörder – mit meinem heiligen Familiennamen gesegnet, den ich dir erteilt habe – in die Geschichte eingehst.“

        ——————————————————–

        So! Und jetzt mal Budda bei die Fisch!

        Ich bin doch schon echt alt mit meinen 58 Jahren, oder???
        – OKÄI! Sascha ist mit 68 Jahren älter als ich, auch die gute Hanna Fleiss weit über 70 Jahre – und du roprin — gemäß meiner Textanalyse zu deinen Kommentaren — auch schon mindesrtens in den sechziger Jahren deines Lebens!
        Ein paar hundert Nutten und Huren habe ich gevögelt – geschätzt etwas mehr als tausend Menschen weibichenGeschlechts -; 250.000,- in den Casinos von Hamburg verzockt, einen kleinen Teil der Welt bereist — drei Ehefrauen geschwängert, zehn Kinder mit diesen gehabt, sechs angenommene Waisen, zwei angenommene Kinder, eine tote Ehefrau, drei tote Kinder – vier Enkel, Habe Kerker, Folter, Lager und Gefängnisse „durchgemacht“ und Zig-Millionen Umsätze gemacht …
        DAFÜR muss ich mich nicht schämen! Dafür muß ich mir weder Schuld noch Sünde einreden lassen!!!

        ***Nimm sieben Brote und wirf diese in einen Fluß — auf 7×7-Wegen kehrt das Leben zurück!***, steht in der Bibel.

        Diese METAPHER „beschreibt“ im Kern, was alle Völker und den von ihnen gemachten Kulturen und Religionen FORDERN!: Mensch! habe VERTRAUEN in das LEBEN, welches du HAST!!!

        Karl Marx: „Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.“

  5. Ulrike Spurgat schreibt:

    Bitte erlaube mir einige persönliche Worte zu deinem Schmerz.
    „Jeder trauert auf seine Weise“…… (Tolstoi)
    In Hunderten Gesprächen und Einlassungen mit andere Menschen deren Schmerz und Kummer oftmals eine Dimension erreichte, die selbst mir, die ein schwieriges, kompliziertes Leben zu bewältigen hatte und hat manchmal den „Atem stocken“ ließ.
    ropri, du hast jedes Recht der Welt zu trauern; mal mehr, mal weniger. Und keine Relativierung wird dir den Schmerz nehmen können.
    ES wird dauern solange es eben dauert. Akzeptiere deine Art der Trauer und des noch immer erlebten bleibenden Verlustes von etwas unwiederbringlichem. Nehme den Kummer und den Schmerz an, als das was es ist: ein Teil von dir und deinem Leben.
    Die Jahre in einem teuflischen faschistischen Erziehungsheim in der alten Republik, der frühe Verlust der Eltern haben mich fast umgebracht, hätte es meinen kommunistischen Vater und meine mutige schwerkranke Mutter, die beide noch zu Lebzeiten niemals aufgegeben haben nicht gegeben.
    In Momenten nicht enden wollenden Schmerzes und Kummer hat mich der Mut und die Aufrichtigkeit der Eltern, die bedingungslose Liebe zu den Menschen, ihren Geschichten und nicht zuletzt das Verstehen, dass ich immer ein Teil meiner Klasse komme was da wolle sein werde mehr als überleben lassen.
    Es war und ist ein Echo, wie aus einer anderen Zeit, dass mich mein Leben lang begleitet: „Niemals aufgeben!“
    Und auch du, die einen Klassenstandpunkt hat wird niemals aufgeben können.
    Das ist unser Erbe: der historische Optimismus.
    Rotfrot, Ulrike

    • roprin schreibt:

      Danke, Ulrike. Natürlich gebe ich nie auf! Das sind zweierlei Dinge.Es tut mir aufrichtig leid, was Du durchgemacht hast. Schön, daß Du Dir und Deinen Eltern treu geblieben bist. 🙂

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