Wir sind doch schließlich alle Deutsche…

DemoImmer größer wird das Wehklagen darüber, daß die Regierung der BRD macht, was sie will, daß sie keine anderen Meinungen gelten läßt, daß sie falsche Zahlen verbreitet, daß die Freiheit eingeschränkt wird, daß die Maskenpflicht schädlich ist, daß die kleinen Firmen zugrunde gehen, daß die Arbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, daß die alten Menschen vereinsamen und die Kinder nichts lernen usw. usf. Endlos ist die Klageliste… Und da stellen sich erwachsene junge Leute hin und halten eine Rede: „Wir sind doch alle Menschen! Hitler und Stalin. Wir alle sind als Menschen zur Welt gekommen. Und was die da drüben (im Westen) mit uns machen: Aktionäre kriegen Dividente ausgeschüttet, Arbeiter müssen in Kurzarbeit, warum gehen wir nicht zu dem Bauern in der Nähe, sondern schmeißen in den Scheiß-Lidl oder Netto die Kohle rein? Das kann nicht sein…“ Man greift sich an den Kopf. 13 Jahre in der DDR gelebt und immer noch NICHTS BEGRIFFEN. Absolut nichts!…

Klassenkampf?

Man könnte Dutzende solcher Beispiele aufführen, wo Leute einen solchen Stuß erzählen. Und das aus tiefster innerer Überzeugung. Der Frust sitzt tief. Doch der Verstand ist kurz. Viel zu kurz! Wo soll man da beginnen? Karl-Eduard von Schnitzler hat noch unter dem Eindruck der Rückwärts-Wende seine Gedanken aufgeschrieben. Und er sah klar und deutlich, was mit dieser Konterrevolution in Deutschland zur Tatsache geworden war: Die DDR, der Sozialismus und die Revolution hatten eine Niederlage erlitten und die Kapitalisten hatten unser sozialistisches Vaterland erobert und ausgeplündert. Es war nicht der Kampf zwischen den Deutschen-West und den Deutschen-Ost, sondern ein Kampf der westdeutschen Monopolbourgeoisie gegen die Arbeiterklasse, die in der DDR die Macht gehabt hatte. Es war ein Klassenkampf – und es herrscht immer noch Klassenkampf, von oben nach unten (wer das noch nicht begriffen hat!)…

Karl-Eduard von Schnitzler

Meine Staatsangehörigkeit

kanalMein Bekenntnis zur Deutschen Demokratischen Republik ist kein Nationalismus, sondern legitimer Nationalstolz – im besten Sinne des Wortes. Ich bin Patriot meines sozialistischen Vaterlandes, denn meine Republik ist deutsch – im Sinne Goethes und Thomas Manns. Die Wurzeln dieses Staates rei­chen tief, in die besten Traditionen unserer Geschichte. Und dennoch – oder gerade deswegen: Nationalität – deutsch! Staatsangehörigkeit – Deutsche Demokratische Republik!

Ein Erlebnis im Frühjahr 1967 mag die Neigung erklären, der gängigen Formulierung „Wir sind doch alle Deutsche“ mit Skepsis zu begegnen, zumindest auf einer gewissen Diffe­renzierung zu bestehen:

Inmitten von Bundesbürgern…

Vier Wochen lang lebte ich in einem Sanatorium von Welt­ruf vorwiegend inmitten von Bundesbürgern. Wir waren Kurgäste in einem sozialistischen Staat. Fernsehzuschauer aus Hannover ließen sich herab, mit dem „ostzonalen Kommenta­tor“ ein Gespräch zu führen: „Wir sind ja schließlich alle Deutsche“. Außerdem stand gerade mal wieder in ihrer Zei­tung, ich sei „abberufen“, „abgesetzt“, „aufs Nebengleis ge­schoben“.

Ein Streit über Monte Cassino

Bald gab es Streit. Zunächst nicht mit mir. Rudi und Heinz waren uneins, ob die 42. oder 44. Division „bei Monte Cassino den entscheidenden Schlag geführt“ habe. Der Steinmetz aus Süddeutschland konnte sich nicht genug darin ergehen, „die schönste Zeit meines Lebens“ zu preisen: „auf der Krim“. Nun ist die Krim in der Tat schön und In­tourist ein kulantes Reisebüro. Der Steinmetz meinte indes die Krim im Krieg: „Sewastopol und so“. Das allerdings war da­mals, wie ich mich zu erinnern glaube, für die Einwohner der Krim wie für die meisten Europäer nicht gerade „die schönste Zeit ihres Lebens“. Dieser vergnügungssüchtige Steinmetz war auch Deutscher…

Ja, ja – die Russen!

Eine brave Handwerker-Gattin namens Krimhilde spricht lieb von ihren Kindern und Enkeln, geht gewiß sonntags zur Kirche, gelegentlich zur Beichte, versteht sogar etwas von klassischer Musik und will sicher immer und überall nur das beste. Aber bei unseren finnischen Tischnachbarn besteht sie hartnäckig darauf, daß „Finnen und Russen Todfeinde“ seien: „Sie haben doch auch den Russen gehabt.“ Und als die beiden alten Leutchen aus Helsinki – gewiß keine Kommunisten – protestieren, meint Krimhilde aus Darmstadt souverän, man wisse ja, wie das ist: „Die Finnen müssen Freunde der Russen sein“, sie „werden vom Russen dazu gezwungen“. Krimhilde beharrt darauf: Nicht nur „die Deutschen“, auch die Finnen könnten nur „Todfeinde der Russen“ sein. Deutsche Krim­hilde …

Das Fahnentheater

Bis dahin war das mehr oder weniger die Dummheit von Bild-Lesern. Arthur war von anderem Schrot und Korn. Er bestand darauf, daß auf unserem gemeinsamen Tisch das Fähnchen der Bundesrepublik und unser DDR-Emblem ne­beneinander standen: „Wir sind doch schließlich alle Deut­sche, und hier werden wir beweisen, daß das geht! Und un­sere Sportführer im Westen sind ja blöd mit ihrem ewigen Fahnentheater.“

Die ewigen Juden…

Arthur gab sich aufgeschlossen und reali­stisch, aber: Gegenüber der von ihm gepachteten Autobahn-­Tankstelle befindet sich – in der anderen Fahrtrichtung – eine sogenannte freie Tankstelle, d.h. sie ist keinem der großen Ölkonzerne zugehörig, sondern – nach Arthurs Aus­sage – „in den Händen eines jüdischen Konsortiums“. Dort ist das Benzin ein paar Pfennige billiger, darum fällt dem Arthur auf, daß seine Konkurrenten nicht Schwaben oder Bayern sind, sondern „Juden“: „Gott sei Dank“ – (oder rich­tiger: dank Adolf) – „gibt’s ja davon nicht mehr so viele…“ Arthur ist ein Gemütsmensch. Im Hitlerkrieg war er unab­kömmlich. Er arbeitete in der Rüstung. Und nach seiner blu­menreichen Schilderung muß es direkt eine Lust gewesen sein, unter Arthurs Führerschaft bei der Wittauer Maschinen AG als Sowjetbürger in Deutschland Zwangsarbeiterin spielen zu dürfen… Seine und seiner Kumpane antisemitischen Bemerkungen häufen sich. Was tun? Sich an einen anderen Tisch setzen? „Um des lieben Friedens willen“ weghören? Darüber hinweg­gehen?

Das haben wir nicht gewußt!

Meine Frau gehört einer fast gänzlich ausgerotteten jüdi­schen Familie an. „Verzeihung, das haben wir nicht gewußt.“ „Na und? Es waren sechs Millionen. Wißt ihr von denen auch nichts?“ „Man wird doch noch sagen dürfen, was man für Konkurrenten hat!“ Gewiß, wir sind ja alle Deutsche. Abzüglich der deutschen Juden. Abzüglich der deutschen Kommunisten. Abzüglich der „Brüder und Schwestern in der Zone“, sofern sie kein Herz für Strauß, Wehner und Krupp haben. „Man wird doch noch sagen dürfen, wo man mal gewesen ist, in Sewastopol und so oder am Monte Cassino!“ Gewiß, aber man sollte viel­leicht 23 Jahre später nicht auch noch stolz darauf sein. Als Deutscher …

Herummäkeln am Staat

Diese Arthurs und Rudis, Heinz‘ und Krimhilds sind be­stimmt kein repräsentativer Querschnitt der Bundesrepublik. Mein Tatsachenbericht wäre unvollständig, folglich unwahr, wenn ich verschwiege: Es gab auch westdeutsche Kurgäste, die nicht mitmachten, die sich distanzierten, die einer Mei­nung sind mit uns, nicht in allen philosophischen und politi­schen Fragen, aber im Grundproblem. Nie wieder darf Krieg ausgehen von deutschem Boden. Aber diese Arthurs, Rudis, Heinz‘ und Krimhilds gibt es. Der Bonner Staat ist ihr Staat – auch wenn sie an ihm herummäkeln.

Wer hat denn den Krieg begonnen?

Wer heute noch von „entscheidenden Schlägen bei Monte Cassino“ faselt und den „schönen (Kriegs-)Tagen auf der Krim“ nachtrauert, wer immer noch nicht begriffen hat, daß Deutschland einen verbrecherischen Krieg begonnen, geführt und trotz aller „entscheidenden Schläge“ verloren hat, wer in anderen Völkern „Todfeinde“ sieht, wer europäische Grenzen verändern will: Für den ist der zweite Weltkrieg noch nicht zu Ende! Der hat offensichtlich noch nicht genug!

Sie leben noch im Vorgestern…

Diese Arthurs, Rudis, Heinz‘ und Krimhilds sind anders, denken anders, verhalten sich anders, reagieren anders, leben anders als wir. Leben sie besser? Sie sind arm. Arm im Gei­ste. Sie leben im Vorgestern. Aber das hat Kinder. Das hat Enkelkinder. Was lernen die? Wozu werden sie erzogen? Und das hat Macht! Nicht nur ein kleines oder großes Aktienpaket und einen Mercedes 250 SE, sondern einen ganzen Staat. Mit Ministern und Abgeordneten, Beamten, Richtern, Generalen, Lehrern und Journalisten, die genauso denken. Und wer anders denkt, bekommt die Macht zu spüren.

Freiheit und Democracy…

Sie sind gewiß nicht „Westdeutschland“. Westdeutschland ist größer. Und die Westdeutschen sind nicht nur Mercedes-­Fahrer und Konzernherren. Aber der Imperialismus hat seine Arthurs und Rudis, Heinz‘ und Krimhilds manipuliert, hat sich Mitläufer, Parteigänger geschaffen, Wähler! Kritiklose Nachbeter mit dem Dauerruf „Freiheit“ im Mund. Mit der unerschütterlichen Überzeugung, daß ihre „Demokratie“ eine gute Sache sei, und sie mitsamt ihren Politikern „gute Demo­kraten“, gute Deutsche. Und mit dem Herzenswunsch, ihr „Deutschland“ nach Osten auszudehnen. Denn hinter Elbe, Werra und Spree beginnt für sie „Sibirien“.
Dieses Erlebnis schrieb ich 1967 nieder. (S.80-83)


Die Gegner und der Klassenfeind

„Gegner“ sind z.B. nationale oder internationale Fußball­klubs, wenn sie um Meisterschaftspunkte oder Cup-Siege kämpfen. Vorher und nachher sind sie mehr oder minder gute Freunde, sagen wir: Sportkameraden. Im Kampf der Klassen hingegen gibt es keine zeitweilige Kameradschaft, sondern nur Dauerfeindschaft.

Das gilt natürlich nicht für Tante Trina im kapitalistischen, nicht für Onkel Ottokar im sozialistischen Staat. Auch da fühlten sich manche zu unrecht getroffen. Klassenfeindschaft betrifft Charakter und Praktiken des jeweiligen Staates, der jeweiligen Gesellschaft und derjenigen, die die Macht aus­üben. Schon Marx und Engels hatten erkannt, daß die Ge­schichte „die Geschichte von Klassenkämpfen“ ist. Will hei­ßen: Auch eine Vereinigung Deutschlands wird den Klassen­kampf nicht aufheben.

Woher kommt das Klassenbewußtsein?

Klassenbewußtsein ist ein Produkt des Lernens, Wissens und der Erfahrung. Natürlich wird die ausbeutende Klasse dem Auszubeutenden nicht sagen: Wir kaufen deine Arbeits­kraft und wollen uns den Mehrwert aneignen, den du erarbei­test. Da sie Macht über Medien und Bildung, Denken und Meinung besitzen, reden sie von „Arbeitgeber und Arbeit­nehmer“. Welche Umkehrung der Wahrheit: Der Werktätige, der seine Arbeit gibt, heißt Arbeitnehmer. Der Unternehmer, der sich die Arbeitskraft nimmt und erkauft, heißt Arbeitge­ber … Da Klassenbewußtsein solcherart vertuscht, verwischt, verschüttet wird, muß es erweckt, bewußt gemacht und im­mer wieder mit Beispielen gefestigt werden.

Revolutionen?

USA-Außenminister Baker äußerte in Prag, es komme jetzt darauf an, daß „der Geist der Revolution von der Straße in die Regierung übergeht“! Merkwürdig: Bislang waren in der Geschichte „Revolutionen“ und „Straße“ für Konservative und Reaktionäre immer nur große Schreckgespenster, den sie beschworen höchste Gefahr für die Kapitalisten herauf. Dennoch ist unleugbar, daß ehrliche Demonstranten im Herbst 1989 ein überfällige Entwicklung in Gang gebracht, daß sie Drang und Zwang zur Selbstreinigung ausgelöst haben. Sie wollten eine bessere DDR, einen besseren Sozialismus… (S.62f.)

Quelle: Karl Eduard von Schnitzler: „Der rote Kanal“. Edition Nautilus, Hamburg, 1992.

Nachwort: Wenn man in der DDR aufgewachsen ist, dann hatte man in der Schule insgesamt 17 Fächer, die alle irgendwie miteinander verbunden waren, aufeinander aufbauten und sich ergänzten. So konnten sich die Kinder bis ins reife Jugendalter eine vielseitige, und zudem noch polytechnische Bildung aneigen. Dazu gehörte ab der 5. Klasse der Geschichtsunterricht und ab der 9. Klasse auch der Staatsbürgerkunde-Unterricht. In der 10. Klasse waren es wöchentlich 2 Stunden Geschichte und 2 Stunden Staatsbürgerkunde. (Vier Stunden gehörten wöchentlich übrigens dem Unterrichtstag in der Produktion. Dort konnten die Kinder lernen, wie es in den volkseigenen Betrieben zuging.)  So waren nach der 10. Klasse alle Kinder in der Lage, sich einen Klassenstandpunkt zu bilden, ihre Zeit zu verstehen, und den Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus kennenzulernen. Das war nach 1990 nicht mehr möglich… es sei denn, die Eltern waren Kommunisten und sind es geblieben. Doch immerhin schon in der ersten Klasse begannen die Kinder zu begreifen, daß die DDR das gute Deutschland ist, daß wir den Sozialismus hatten und die Beteriebe Volkseigentum waren, daß wir keine Kapitalistenb hatten und daß es keine Ausbeutung mwehr gab…. und daß in der westdeutschen BRD der Klassenfeind wohnt…
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19 Antworten zu Wir sind doch schließlich alle Deutsche…

  1. Erfurt schreibt:

    Danke für den Artikel! Hier noch was zum Nachdenken: Mehrwert ist das, was Arbeiter schaffen und das was sich Kapitalisten privat aneignen. Und die Mehrwertsteuer ist das was der Arbeiter obendrein noch draufzahlt!

  2. eger schreibt:

    Lieber Sascha, Deine „es sei denn…“-Bedingung ist viel zu kurz gegriffen. Meine ich. Nicht abgesehen davon, daß viele von denen, die das sozialistische oder auch kommunistische Bekenntnis locker über die Lippen gebracht hatten, sich ab Ende 1989 ein anderes Bekenntnis zugelegt haben – das bekannteste der üblen Beispiele war ein gewisser Schabowski – spielten einige andere Faktoren eine wesentliche Rolle: Viele ältere DDR-Aktivisten wurden in Krankheit und in den Alkohol gemobbt. Das Umfeld der Väter (vor allem) und Großväter (vor allem) redeten Kindern und Enkeln ein, sie seien üble Burschen.

    Viele Weiber legten sich zu den Besatzern in die Betten und halfen so, die familiären Verhältnisse zu zerstören. Dafür hat Kohl denen – übrigens grundgesetzwidrig – extra Buschgeld ausgeteilt: Die DDR war nun ein riesiger Puff für die Besatzer-Beamten, und der Besatzer-Staat finanzierte diese Massen-Prositution nicht zuletzt mit der Ausplünderung der DDR-Bürger. Insbesondere viele Männer bekamen Rentenkürzungen und auch Arbeitslosengeldkürzung per Aberkennung ihrer Hoch- und Fachschulabschlüsse.

    Die Besatzer lockten mit Geld und Karrieren und machten im Extrem die Töchter (vor allem, inbesondere die hübschen) und Enkeltöchter zu Karrieristinnen und lehrten sie, jegliches sozialistische und Friedensengagement zu verachten und zu denunzieren. Und damit auch Eltern und Großeltern. Die Söhne und und Enkel zu Nazis. Bis 1994/1995 haben die Besatzer lt. „taz“ um die 540.000 D-Mark in die DDR-Nazisszene investiert. Nur aus einem einzigen staatlichen „Topf“. Ich habe von etlichen ehrlichen DDR-Bürgern gehört, von denen die Kinder sich losgesagt haben auf dieser Grundlage. Wie gesagt: wie ab 1933.

    1933 haben die Nazis mit Pop gelockt und 1990 wieder. 1990 bestand er aus braunen Hemden, scharfen Scheiteln und Hits wie „Und heute gehört uns Deutschland“. Ab 1990 ging es nicht ganz so einfarbig zu, die Jungs mußten sich nicht mehr kämmen und durften sich auch Zuckerwasser in die Haare schmieren, und die Marschmusik hieß nun „Soundtrack“ und war super abwechslungsreich: „Tote Hosen“, Lindenberg, „Böhse Onkels“ usw.

    Die Besatzer verstehen ihr Handwerk. Sie waren Ende 1989 die Söhne und Enkel der Original-Nazis. Inzwischen dürfen die Enkelinnen von Leni Riefenstahl und Zarah Leander einen viel größeren Bereich der Propaganda mit abdecken. Die Botschaft ist dieselbe, der Tonfall wird nur immer keifender.

    • Harry56 schreibt:

      Dein Zorn auf diese ab 1990 BRD – „Besatzer“ scheint ja sehr riesengroß zu sein!? Nun, aber das mussten von 1871 – 1918/19 viele deutschsprachige Elsässer – verächtlich „Wackes“ genannt, — also „Vorläufer der heutigen „Ossis“ ! — und Lothringer erfahren durch das unverschämte Auftreten der in dieses nun „Reichsland Elsaß-Lothringen“ „delegierten“ deutsch-preussischen Beamten – und MilitärBESATZER. Zu einer dieser maßlos-arroganten Ereignisse, die ZABERN – AFFAIRE, kannst du einiges bei der Genossin R. Luxemburg nachlesen.

      Und so kamen 1990 auch die Staats – und Konzernschergen der ALT-BRD niemals als „Brüder & Schwestern“ in die nun zum Ausrauben freigegebene DDR, sondern eher oft als Räuber unter allen möglichen „Rechtstiteln“! Dass damit durch den BRD-Staat auch gewaltigen Investitionen in eine modernere Infrastruktur flossen, also „Aufbau Ost“, welche natürlich auch sehr vielen Menschen zugute kamen, ihr Leben zumindest teilweise deutlich moderner machten (auch solche Tatsachen haben wir zu sehen, nicht rein ideologisch zu verleugnen!) ändert dennoch nichts an der Tatsache, dass wir es hier bei dieser „Wiedervereinigung“ mit einer im Grunde feindlichen Übernahme zu haben – bis heute, und so wie einst Elsaß-Lothringen (später, 1938, nochmals Österreich und „Sudetendeutschland“)!

      • Erfurt schreibt:

        Noch konkreter lieber Harry: Der Begriff „Wiedervereinigung“ ist eine Lüge! Und ausgehend davon, daß bereits die Gründung der BRD völkerechtwsidrig war, war das was 1989 stattfand natürlich auch völkerrechtswidrig! Und dann wid auch noch rotzfrech behauptet, die DDR-Bürger hätten das so gewollt.

        MCMXLV

      • eger schreibt:

        hallo harry56, ich nehme an, Du meinst mich von wegen zorn und so, und ich nehme mal Deine bemerkung auf:

        „gewaltigen Investitionen in eine modernere Infrastruktur flossen, also ,Aufbau Ost‘, welche natürlich auch sehr vielen Menschen zugute kamen, ihr Leben zumindest teilweise deutlich moderner machten“

        in den 80ern/90ern haben die staatsfaschos in den „history“ verblödungen immer erzählt, die hitlerei sei „nachholende modernisierung“ gewesen. haben aber immer offengelassen, was das konkret wohl gewesen sei. mir ist dann eingefallen: klar, die apartheid, die die amis hatten und mit der sie ökonomisch auf dem vormarsch waren, obwohl sie offiziell ja schon abgeschafft war. also haben die hitleristen die juden zu ihren weißen niggern gemacht, und seit 1990 sind die DDR bürger die weißen nigger. der unterschied: in der nordamerikanischen sklaverei haben die sklavenhalter die schwarzen weiber nicht geheiratet. ab 1990 wurde die eine oder andere (illner, wagenknecht, unterlauf, frau kachelmann usw.) auch geheiratet.

        ich behaupte: die DDR war 1989 weit moderner, als der scheiSS-staat es heute ist: zivilisierung und industrielle produktion ohne selbstverschuldete unmündigkeit, ohne plastiktüten an jeder kasse hinterhergeworfen zu bekommen. ohne sklavenarbeit irgend wo in der welt, daß die preise fallen oder unten bleiben.

        (fast) alles, was Du als modernisierung meinen könntest, ist doch: versiegelung von unendlich vielen flächen, jede menge autobahn bau. daß die autobahnen zu ihrem idiotikerbedarf und zu ihren blödkonstruktionen paßten. immer schnellere bahn hauptstrecken (wie die mit fluglinien konkurrieren müssen, welch UNMODERNER BLÖDSINN!) und immer weniger nebenstrecken. hausdämmung, die weitgehend blödsinn ist und fast nur umsatz förderung der dammstoff industrie ist. usw. und an jeder kasse plastictüten hinterhergeworfen bekommen, daß die super-„modern“ auf dem meeresgrund landen. das ist nicht modern. das ist idiotie.

        das eine und andere daran mag bequem sein. es ist so bequem, daß die leute fett werden. im kopf und am arsch. als die renfts noch sozialistisch, also modern waren, haben sie dagegen gesungen. als sie „modern“ wurden und sich kaufen ließen, wurde sich es selbst.

  3. sischramme schreibt:

    Leider wohnt der Klassenfeind nicht nur in der BRD, sondern hat sich mit anderen verbündet. Ich habe die DDR erlebt und verneine es nicht. Jeder kann es wissen, dass wir diese Dinge wie Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Drogenabhängige, Ausbeutung und viele verbrecherischen Dinge nicht mehr hatten, die in der BRD trauriger Alltag sind.

    • Erfurt schreibt:

      So isses. Mord, Totschlag, Drogen, Banküberfälle, Messerstechereien, Zwangsräumungen, Arbeitslosigkeit und das ganze Elend. Das ist Deutschland, ein Land in dem wir gut und gerne leben.

      • sischramme schreibt:

        Das ist die BRD mit dem Elend. Irgendwann kann es zu einem wirklichen Deutschland werden in dem diese Verbrechen zur Ächtung gehören und das soziale Zusammenleben zum Alltag.

    • Harry56 schreibt:

      Der Klassenfeind ist ganz selbstverständlich international organisiert, verbandelt. NATO, EU, Weltbank, BIZ, die internationalen Nahcrichtenagenturen, das alles sind Organisationen zwecks Durchetzungen der gemeinsamen zumeist bereits kosmopolitischen Interessen der Bourgeoisien weltweit. Auch die UNO gehört im Prinzip zu diesen Einrichtungen.

      Im Gegensatz zu weiten Teilen der politisch orientierungslosen Besitzlosen (Proletariat) haben die besitzenden Klassen aller Länder ein sehr gut ausgeprägtes Klassenbewusstsein, wissen ihre Interessen sehr gut zu verteidigen, haben aus den teilweisen schweren Niederlagen im 20. Jahrhundert gelernt, passen ihren Klassenkampf sehr flexibel den jeweiligen Erfordernissen an.

      Und so konnte sich auch das deutsche Besitzbürgertum niemal mit der Existenz eines sozialistischen deutschen Staates auf deutschen Boden abfinden. Allen vermeintlichen „Anerkennungen“ zum Trotz stand die Beseitigung dieses Staates, also der DDR, immer ganz weit oben auf der Listen der Prioritäten. Das alte deutsche Besitzbürgertum war zusammen mit seiner Bonner BRD-Staatsgewalt immer der natürliche Todfeind der DDR.

      Allen blödsinnigen „Entspannungs“- Gequatsche zum Trotz, alle Bonner Parteien spielten hier mit, der „böse“ angebliche „Revanchist“ FJS, Adenauer, Brandt, Wehner etc…., alle standen gemeinsam im Schützengraben gegen die DDR, und mit ihnen praktisch alle übrigen bürgerlich-kapitalistischen Regierungen Europas und darüber weit hinaus.
      Soz. Gruß!

  4. eger schreibt:

    zur besseren DDR: „Und weil wir dies Land verbessern / Lieben und beschirmen wir’s / Und das liebste mag’s uns scheinen / So wie andern Völkern ihrs.“ – Die „Kinderhymne“ hat es analog zur Verfassung und zur Nationalhymne formuliert. das war keine Geheimwissenschaft oder – kunst. sondern auch ständige Forderung an die einzelnen und auch andersherum: die DDR-Bürger haben z.B. Millionen Eingaben verfaßt. nicht nur zum persönlichen Vorteil.

    • Erfurt schreibt:

      Mein Lieblingsbuch: Ingeborg Feustel „Antonio und Großvater Autobus“. Habs gerade eben wieder rausgesucht. Die Handlung spielt zwar nicht in der DDR, trägt aber dazu bei, die DDR zu verstehen. Baden gehen an heißen Tagen, das war für uns Kinder in der DDR selbstverständlich, egal ob in eines der zahlreichen Freibäder oder in der Ilm. Natürlich auch erst nachdem die Stachelbeeren gepflückt und das Heu gewendet war. Oft führten auch unsere Wandertage ins Freibad. Das war für jeden erschwinglich, Eintritt 30 Pfg.

      Und natürlich hatten wir auch unseren Großvater Autobus, der Busfahrer war unser bester Freund. Der hat extra für uns unterm Kirschbaum gehalten und die Leiter runtergeklappt. Glückliche Zeiten…

  5. Erfurt schreibt:

    Solidaritätszuschlag: Dessen Funktion ist rein propagandistischer Natur. Es sollte der Eindruck vermittelt werden, daß es einen Aufbau Ost gibt in den diese Gelder einfließen. Tatsächlich jedoch flossen die Gelder genau andersherum. Wo Gleichheit ist, ist kein Gewinn (Kapital, Bd. I). Von daher wird es nie eine Angleichung Ost geben, ganz im Gegenteil. Ebenso werden sämtliche Ämter, Direktorate, Führungspositionen usw. vorzugsweise mit Fachkräften ausm Westen besetzt.

    Glücksritter, Scharlatane und Betrüger, fälschlicherweise Geschäftsleute genannt, besiedeln seit 1990 den Osten nach demselben bewährten Muster nach dem schon immer der Osten (Schlesien, Sudetenland usw.) besiedelt wurde. Die Wiederholung der Geschichte der Weimarer Republik schreitet voran. Wie sie endete ist bekannt.

    MCMXLV

  6. Ich habe gerade meine FB-Konten gelöscht!

    Auch von hier verabschiede ich ich mich nun „schweren Herzens“!

    Was ich dachte, mitteilen zu müssen, habe ich ehrlichen Herzens getan.

    Ich habe jedoch erkannt, daß alles, was ich geschrieben habe,
    KEINE einzige FRUCHT gebracht hat.

    Wenn ich jemanden verletzt oder gekränkt habe!
    Bitte seht es mir nach! Mene Absicht war das nicht!
    Es ist meiner Unwissenheit geschuldet!

    Ich wünsche jedem von euch das Beste,
    wirklich das Glück, den Frieden und überhaupt,
    was man sich so wünschen kann!

    Ich habe mir immer eingebildet, daß ich Menschen helfen sollte,
    weil ich glaubte, daß ein Mensch dem Bruder und der Schwester dies
    schuldig ist.

    Ein Mensch – wie ich – das weiß ich seit meiner Geburt … und danach all
    mein Leben lang … … ist von Gar Keiner Bedeutung:
    Fast immer nur Verachtung für mein gutes und heiliges Sein erfahrend,
    habe ich mich nun endlich dazu entscheiden können den WAHN
    meines Lebens zu beenden und mich von allen Menschen zurückzuziehen.

    Ausschlaggebend war ein Gespräch mit meiner Frau über die Anmeldung unseres vierten Kindes zur weiterführenden Schule – er möchte auf Gymnasium und wird darin von mir und allen meinen Kindern unterstützt … meine Frau ist aber der Überzeugung, daß er das nicht schafft.

    Ich erklärte ihr daraufhin: „Ich erkläre mich hiermit für nicht mehr kompetent, darüber zu entscheiden! … Du bist seine Mutter: Dann sollst und mußt du über seinen weiteren Schulweg entscheiden …
    Letzte Woche warst du dagegen, daß unser drittes Kind am Knie opperiert wird und ich sagte dir, daß ich nicht die Verantwortung dafür tragen kann, daß, wenn er nicht opperiert wird und erneut einen Unfall am Knie hat und dann für den Rest seines Lebens sein rechtes Bein nie wieder bewegen kann …

    „In Uganda hätte ich eine solche OP nie zugelassen!“

    ***Und ich werde NIEMALS mehr auch nur eine Behinderung – oder gar den Tod eines meiner Kinder riskieren — du weißt, daß meine Tochter 1995 mit dei Jahren wegen meiner DOOFHEIT an Malaria verreckt ist …
    Ich erkläre dir, daß ich mich für nicht kompetent erkläre, darüber zu entscheiden, welche Schule L.besuchen soll.***

    Nach diesem Gespräch habe ich mit ihr gebrochen … und endgültig mein Leben beendet!
    Ich bin 58 Jahre alt – meine Lunge zu 70 % zerstört – habe im Dezember 2020 einen Monat Covid knapp überlebt: MICH braucht und benötigt kein MENSCH!!!

    Also! Allen ein freudiges Tschüß und ein glückliches Moi!

    Macht es alle Gut — und besser als ich verächtlicher Dummkopf!

    „euer“ georg

    सत्यमेव जयते Satyameva Jayate
    Sanskrit: „Allein die Wahrheit siegt“

    Pravda vítězí
    Tschechisch: „Die Wahrheit siegt“

    H.E. GD HRM HMSG CT MMM
    Seine Göttliche Gnade

    georg löding

    राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו
    ram avatara krishna jauhuchanam ulijauhu

    Magistra Magnificus Metamagicus
    Würdenträger ewiger Unantastbarkeit

    Das war mein letzter Kommentar
    — vielleicht schaltet der gute Clown Sascha123 ihn trotz mehr als 200 Worten frei!

    Also TSCHÜß!!!

    • prkreuznach schreibt:

      Hallo Georg,
      Du hast Dich ja bereits per Facebook-PN von mir verabschiedet. Ich hatte aber keine Zeit Dir eine längere Antwort zu schreiben, darum verabschiede ich mich hier nochmal von Dir.
      Auf Deine familiären Probleme kann ich nicht eingehen.
      Es ist Deine Entscheidung Dich zurückzuziehen. Deine Freunde und Weggefährten finden es schade, dass Du den Weg nicht mehr mit uns gehen willst. U.a. schicke ich Dir einen Gruß von Jochen Lücke.
      Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.
      Viele Grüße und Tschüß
      von Petra Reichel

  7. Ulrike Spurgat schreibt:

    Hallo Georg,

    tatsächlich habe ich nach langen Zögern mich doch entschlossen dir noch ein bisschen zu schreiben
    .
    Ein sehr trauriger und bedrückender Kommentar den du geschrieben hast.

    Wir leben in sehr schwierigen und unruhigen Zeiten. Nur, wie man damit umzugehen lernt und auch mit Rückschlägen und persönlichen Nöten ist ja ganz unterschiedlich, was aber nicht heißt, dass man daran nicht wachsen kann. Ganz egal wieviel es immer wieder gibt was man zu bewältigen hat, es ist genügend Handwerkszeug da, dass auch schaffen zu können.
    Du hattest das unverschämte Glück hier zu landen und Handwerkszeug geschenkt zu bekommen, dass dir eine zusätzliche Möglichkeit die Welt und den Menschen zu begreifen gegeben hat. Anders als das was verinnerlicht wurde.
    Der Kampf mit sich selber und die innere Zerrissenheit: Wer kennt das nicht ? Jeder der den Weg der Erkenntnis geht, weiß um die dunklen Zeiten der Auseinandersetzungen, vor allem mit sich selber, wenn einem vieles um die Ohren fliegt, und auch der andere für einen unerreichbar wird.
    Aber es gibt auch Momente im Leben wo einen nichts und niemanden trösten kann…..
    Und meine schmerzlich vermisste Mutter, die alleine mit vier kleinen Kindern den Krieg zu überstehen hatte, schwer herzkrank war und früh gestorben ist wusste in Momenten die mir damals als kleines Mädchen das Herz zerrissen haben, wenn nichts mehr ging, „dass auch das vorüber geht.“
    Kürzlich las ich einige Aufzeichnungen und Gedanken meines Vaters, die er aufschrieb, als er im Lager gewesen ist. Das sind Tränen geflossen…..und so ist mir die Einzigartigkeit eines jeden Lebens noch einmal sehr deutlich geworden. Zurückziehen ja, wenn es notwendig wird im eigenen Leben einiges zu überdenken oder aber auch sich neu zu positionieren ist doch eine Selbstverständlichkeit, jedoch alle Türen zuzuschlagen, dass geht nicht, denn jeder Mensch wird gebraucht: Auch du, Georg !
    Diesen Mut, eine Türe ein bisschen aufzulassen und jede Menge „historischen Optimismus“ wünsche ich dir, denn das Leben geht immer weiter. Und Morgen ist ein neuer Tag.

    • Hallo Georg,

      tatsächlich habe ich nach langen Zögern mich doch entschlossen dir noch ein bisschen zu schreiben

      Hallo Ulrike,
      dafür bin ich dir dankbar.
      .
      Ein sehr trauriger und bedrückender Kommentar den du geschrieben hast.
      Es ist nicht meine Absicht gewesen, daß man meinen Kommentar als traurig oder bedrückend empfinden soll. Ich habe mich wohl einmal meh ungeschickt ausgedrückt.

      Wir leben in sehr schwierigen und unruhigen Zeiten. Nur, wie man damit umzugehen lernt und auch mit Rückschlägen und persönlichen Nöten ist ja ganz unterschiedlich, was aber nicht heißt, dass man daran nicht wachsen kann. Ganz egal wieviel es immer wieder gibt was man zu bewältigen hat, es ist genügend Handwerkszeug da, dass auch schaffen zu können.
      „Die Zeiten“ – so denke ich – sind eigentlich immer die Gleichen.

      Du hattest das unverschämte Glück hier zu landen und Handwerkszeug geschenkt zu bekommen, dass dir eine zusätzliche Möglichkeit die Welt und den Menschen zu begreifen gegeben hat. Anders als das was verinnerlicht wurde.
      Ich selber empfinde es auch als Glück, daß ich Sascha123 kennengelernt habe und bin ihm mehr als dankbar für die 33 Bücher, die er mir geschenkt hat – ich hätte vor ein paar Jahren gar nicht gewußt, welches Buch ich zuerst hätte anfangen sollen, zu lesen.

      Der Kampf mit sich selber und die innere Zerrissenheit: Wer kennt das nicht ? Jeder der den Weg der Erkenntnis geht, weiß um die dunklen Zeiten der Auseinandersetzungen, vor allem mit sich selber, wenn einem vieles um die Ohren fliegt, und auch der andere für einen unerreichbar wird.
      Das konnte ich alles bereits vor ein paar Jahren hinter mir lassen.

      Aber es gibt auch Momente im Leben wo einen nichts und niemanden trösten kann
      Ja, solche Zeiten kenne ich und habe sie „überstanden“.

      Und meine schmerzlich vermisste Mutter, die alleine mit vier kleinen Kindern den Krieg zu überstehen hatte, schwer herzkrank war und früh gestorben ist wusste in Momenten die mir damals als kleines Mädchen das Herz zerrissen haben, wenn nichts mehr ging, „dass auch das vorüber geht.“
      Für eine solche Mutter kann man sehr dankbar sein. Nicht, daß meine Mutter nur ein Scheusal war – hat sie ja auch das Eine und Andere wirklich Gutes „getan“! … aber ich vermisse sie nicht – eigentlich bin ich sogar froh, daß dieser psycho- und soziophatische Mensch „rechtzeitig“ verstorben ist; und damit auf meine fünf Kinder aus meiner dritten Ehe keinen direkten Einfluß auf sie ausüben konnte.

      Kürzlich las ich einige Aufzeichnungen und Gedanken meines Vaters, die er aufschrieb, als er im Lager gewesen ist. Da sind Tränen geflossen…..und so ist mir die Einzigartigkeit eines jeden Lebens noch einmal sehr deutlich geworden.
      Zurückziehen ja, wenn es notwendig wird im eigenen Leben einiges zu überdenken oder aber auch sich neu zu positionieren ist doch eine Selbstverständlichkeit, jedoch alle Türen zuzuschlagen, dass geht nicht, denn jeder Mensch wird gebraucht: Auch du, Georg !

      Daß „ich gebraucht werde“, habe ich mir schon nach dem Tod ‚meiner’/’unserer‘ Tochter, die wegen meiner unfassbaren Dummheit und Ignoranz = ‚tadelnswerte Unwissenheit‘, 1995 im Alter von drei Jahren an Malaria elendig krepiert ist, abgeschminkt: „Einen, wie mich, braucht wirklich kein Mensch!“

      Diesen Mut, eine Türe ein bisschen aufzulassen und jede Menge „historischen Optimismus“ wünsche ich dir, denn das Leben geht immer weiter. Und Morgen ist ein neuer Tag.

      Ich denke, wenn mir der Mut fehlen würde, hätte ich hier wohl vermutlich „eher nicht“ – also gar keinen „Abschiedskommentar“ geschrieben

      jedoch alle Türen zuzuschlagen, das geht nicht.

      Das geht — aber das war noch nie meine Art! …
      Anderen Menschen gegenüber „kann“ ich das auch gar nicht.
      Denn dafür fehlt mir die Voraussetzung!
      Ich kann einfach Nichts & Niemanden haßen. Ich liebe das Leben und echt jeden Menschen!

      und dies obwohl und trotz der Tatsache, daß ich sehr wütend sein kann; und ich immer noch in einem Jähzorn ausbrechen kann, wenn Menschen anderen Menschen GEWALT antun. —
      Dann schlage ich auch tatsächlich Türen zu, bin erbost, mache anderen Menschen Vorwürfe, werde sogar sehr laut und schreie Menschen an! … und nach kaum einer Minute sage ich: „Was ich gerade gesagt und getan habe, IST nicht richtig gewesen! – Das heißt aber nicht, daß ich die Handlung, die du begangen hast, damit „Gutheiße“!

      Danke – liebe Ulrike – für deinen Kommentar!
      Ich wünsche dir Frieden, Freiheit, Liebe und alles erdenklich Gute = das Beste!!!
      georg

      • Erfurt schreibt:

        Von meiner Mutter konnte ich Abschied nehmen. Auch wenn ihr nie für das verzeihen wollte was sie mir angetan hat, stand ich dann doch vor ihrem Sterbebett. Und was sie da sagte, bringt mich heute noch zum Weinen: Du bist nicht schuld! sagte sie. Und so trennten wir uns in Frieden.

        Alles Gute Dir und Grüße an Alle.

      • Es ist schön, Erfurt, daß du Abschied von deiner Mutter nehmen konntest und ihr euch in Frieden getrennt habt.

        Nun, mir selber war das nicht beschieden, obwohl mein letzter Besuch bei ihr schon eine Art Abschied war – da wußte ich jedoch nicht, daß sie bereits sterbenskrank war und ich sie danach nicht wiedersehen würde. Sie ging, wie ich nach ihrem Tod erfahren hatte, in ein Sterbehaus = Hospitz, hatte vorher Jahre lang in eine Sterbe-Versicherung eingezahlt, Vorkehrungen für ihre Beerdigung getroffen und sich anonym beerdigen lassen. (Was ich ihren „Gemeinheiten“ zugerechnet habe.)
        Eigentlich gab es von meiner Seite ihr gegenüber nichts zu vergeben – ihr Leben war schließlich von Grausamkeiten und Schicksalsschlägen geprägt worden, die schon einen „normal-gesunden“ Menschen seelisch krank machen können, was zu schweren Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen führen kann. —
        In einem Gespräch vertraute sie mir einmal unter Schluchzen an: „Nachdem man mich dir nach deiner Geburt („BRD“ 1962 ganz in Nazi-Manier!) weggenommen hatte und ich dich dann doch nach 21 Tagen zurückerhalten habe, hatte ich keine Muttermilch mehr für dich – es tut mir so leid, daß ich dich nie ernähren konnte! …“ – Da habe ich ihren eigentlichen Kummer, der fast 50 Jahre innerlich an ihr nagte und ihr krankes Schuldgefühl für Umstände, für die sie selber gar nichts konnte, „begriffen“ und „verstanden.“ … und ein wenig konnte ich dann auch nachvollziehen, warum ich mir selber in meinem Leben sooft ausgestoßen und verlassen vorkam.

        Die kapitalistische Gesellschaftsformation ist halt eine sehr kranke – und auch „wenn wir alle Deutsche sind“, bleibt man vom Wahn, den sie hervorruft, eben nicht verschont.

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