Lexikon: Möglichkeit und Wirklichkeit. Die wissenschaftlichen Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft

BewegungDies ist ein etwas längerer Beitrag, der allerdings sehr schön erklärt, warum und auf welche Weise die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise überwunden werden kann – und überwunden werden muß. Daß dazu allerdings ein bewußtes und auf wissenschaftlicher Basis beruhendes Handeln notwendig ist, sollte uns nicht verwundern. Ebensowenig verwunderlich ist es, daß die derzeit herrschende Klasse mit allen nur denkbar möglichen Tricks versucht, die Volksmassen zu betrügen und mit brutalen faschistoiden Maßnahmen unterdrückt, um den Kapitalismus zu erhalten. Auch das erweist sich immer mehr als durchschaubar! Schon lange ist eine revolutionäre Situation entstanden, nur fehlte es bisher an einer führenden Kraft, die imstande ist, die verbrecherische Dominanz der Bourgeoisie zu zerstören und zu überwinden. Der Marxismus-Leninismus zeigt uns einen Ausweg aus der Krise. Beginnen wir nun damit, in dieses Thema einzusteigen…

Ein wenig Philosophie vorweg…

Der dialektische Determinismus unterscheidet sich vom mechanischen Deter­minismus nicht nur dadurch, daß er die Kausalität als Sonderfall der Wech­selwirkung begreift, daß er die objektive Existenz des Zufalls anerkennt und Notwendigkeit und Zufall in ihrer dialektischen Einheit faßt, sondern auch dadurch, daß er die Dialektik von Zufall und Notwendigkeit mit der von Möglichkeit und Wirklichkeit verbindet. Zu einer vollständigen Charakteri­sierung des dialektischen Determinismus gehört also auch, das Verhältnis von Möglichkeit und Zufall, Möglichkeit und Notwendigkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit zu untersuchen.

Wann wird die Möglichkeit zur Wirklichkeit?

Der Ausgangspunkt für die Behandlung der Kategorie „Möglichkeit“ im dialektischen Materialismus ist, daß die Möglichkeit objektiv-real existiert. Mit dieser Feststellung steht der dialektische Materialismus im Gegensatz sowohl zur mechanisch-materialistischen als auch zur subjektiv-idealistischen Interpretation der Möglichkeit. Beide Konzeptionen bestreiten nämlich die objektive Existenz realer Möglichkeiten und gelangen von hier aus zu entgegengesetzten Schlußfolgerungen über das Wesen des Möglichen.

Die Beschränktheit des bürgerlichen Denkens

Die Ver­treter des mechanischen Materialismus des 17. und 18. Jahrhunderts setzten das Mögliche in Beziehung zum Zufälligen. Da sie dem Zufall eine objektive Existenz absprachen, er vielmehr nur der subjektive Ausdruck noch nicht erkannter objektiver Notwendigkeiten sein sollte, verlegten sie auch den Unterschied zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit in den Bereich der Er­kenntnis und erklärten alle diejenigen Ereignisse für möglich, von denen wir nicht sicher, sondern, auf Grund unserer vorläufig beschränkten Kenntnis, nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit sagen können, ob sie existieren oder nicht.

Warum ist eine Veränderung notwendig?

Möglichkeit gibt es also nur im Bereich des Denkens. In der materiellen Welt hingegen herrscht eine strenge und absolute Notwendigkeit. Alles, was sich hier zugetragen hat, mußte sich notwendigerweise so zu­tragen, wie es geschehen ist, und es ist auf Grund der durchgängigen Not­wendigkeit der Welt schon jetzt absolut festgelegt, was in Zukunft ge­schehen wird oder kann. Es gibt in der materiellen Welt keine Möglichkeit, die sich nicht notwendigerweise in Wirklichkeit verwandeln würde; Möglich­keit und Wirklichkeit sind also im Grunde genommen miteinander iden­tisch.

Voluntarismus – eine Sackgasse!

Auch für den subjektiven Idealismus widerspiegelt die Kategorie „Mög­lichkeit“ keine objektiv-realen Verhältnisse, sondern ist lediglich ein sub­jektives Charakteristikum der Dinge, Prozesse usw., das in keiner realen Beziehung zu ihnen steht. Diese Auffassung„ daß die Möglichkeit nicht aus objektiv existierenden Bedingungen und aus objektiv wirkenden Gesetzen folge, sondern subjektiv bedingt sei, muß in ihrer Konsequenz zum Volunta­rismus führen. In der praktischen Politik bringt sie Subjektivismus und Abenteurertum hervor.

Wie kann man die Gesellschaft umgestalten?

Beide Konzeptionen, die mechanisch-materialistische und die subjektiv-idealistische, vermögen nicht, das reale dialektische Verhältnis von Mög­lichkeit und Wirklichkeit, Zufall und Notwendigkeit zu erfassen. Es ist selbstverständlich, daß die Überwindung des mechanischen Determinismus durch den dialektischen Materialismus eine der Voraussetzungen für die Ausarbeitung der Theorie des Klassenkampfes und der aktiven Rolle der Volksmassen bei der revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft durch Marx und Engels war.


Ernsthafte Hindernisse…

Die mechanisch-materialistische Theorie von der Identität von Möglichkeit und Wirklichkeit oder Notwendigkeit, die von vielen Naturforschern noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ver­treten wurde, war auch ein ernsthaftes Hindernis bei der Durchsetzung der Ideen der modernen Physik.

Die Schrödingersche ψ-Funktion beispielsweise beschreibt nicht das tatsächliche Verhalten der Elementarteilchen, sondern nur mögliche Verhaltensweisen derselben. Die Art und Weise des Übergangs von Möglichkeit zu Wirklichkeit wird hier eindeutig durch den Zufall reali­siert. Es hat sich gezeigt, daß der Versuch, diese Erscheinungen mit Hilfe der klassischen Mechanik zu erklären – etwa durch Auffindung sogenannter verborgener Parameter, die das statistische Element aus der Theorie elimi­nieren und es gestatten, die strenge Notwendigkeit des Geschehens, die der mechanische Determinismus fordert, wiederherzustellen – zu unüberwind­baren Denkschwierigkeiten führt.
Manche philosophierenden Physiker haben deshalb vom Standpunkt des subjektiven Idealismus aus argumentiert, daß ,,Möglichkeit“ und „Wirklichkeit“ gar keine Kategorien seien, die Objektiv-Reales widerspiegeln, sondern sich nur auf die Erkenntnis beziehen. Durch Gestaltung der Versuchsanordnung können wir verschiedene Arten des Über­gangs von den durch die Gesetze der Quantenmechanik beschriebenen Mög­lichkeiten zur Wirklichkeit realisieren. Da Versuchsanordnungen primär von unseren subjektiven Auffassungen ausgehen und erst dann technisch reali­siert werden, sind es in Wirklichkeit wir Menschen, die bestimmte Zustände, Ereignisse usw. aus dem Bereich der Quantenphysik durch Denkakte schaf­fen, so wurde geschlußfolgert.
Indes setzt die philosophische und erkenntnis­theoretische Bewältigung der Situation im Bereich der Elementarteilchen die Überwindung sowohl der Vorstellungen des mechanischen Determinismus als auch die des subjektiven Idealismus voraus und erfordert den Übergang auf die Position des dialektischen Materialismus bzw. Determinismus, der der Dialektik von Möglichkeit, Wirklichkeit, Notwendigkeit und Zufall, wie sie in diesem Bereich zutage tritt, Rechnung trägt.

Ist eine Revolution überhaupt notwendig?

Möglich im Sinne des dialektischen Materialismus ist ein Ereignis dann, wenn es – bezogen auf einen bestimmten Rahmen von Bedingungen – sowohl eintreten als auch nicht eintreten kann. Bereits aus dieser Definition geht der enge Zusammenhang von Möglichkeit und Zufall hervor: Was zufällig ist, muß auch möglich sein, während das Umgekehrte nicht gilt. Das Mögliche kann sowohl zufällig als auch notwendig sein. Ob ein mögliches Ereignis notwendig ist oder nicht, hängt davon ab, ob es eindeutig aus den gegebenen Bedingungen hervorgeht oder nicht.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Revolution?

Der Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit erfolgt immer aus einem Feld von Möglichkeiten. Der Über­gang ist insofern gesetzmäßig, als die Gesamtheit der vorliegenden Bedin­gungen zu einer bestimmten Wahrscheinlichkeitsverteilung über dem Feld von Möglichkeiten führt. Besitzt ein Ereignis aus einem Feld von Möglich­keiten eine sehr kleine – praktisch bedeutungslose – Wahrscheinlichkeit, so nennt man die Möglichkeit seines Eintretens auch eine abstrakte Möglichkeit. Umgekehrt sprechen wir von konkreter oder realer Möglichkeit, wenn die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Ereignisses relativ groß ist. Die ab­strakte Möglichkeit kann zur konkreten und schließlich zur Wirklichkeit werden, und umgekehrt kann eine reale, konkrete Möglichkeit sich in eine nur noch abstrakte verwandeln oder gar zur Unmöglichkeit werden.


Was sagte Karl Marx über die Krise?

Marx hat in seinem Werk „Theorien über den Mehrwert“ am Beispiel der Entwicklung von Wirtschaftskrisen in der einfachen Warenwirtschaft und im Kapitalismus die Verwandlung abstrakter Möglichkeit in reale, konkrete und in Wirklich­keit ausführlich beschrieben.

  • Die erste Form der Krise oder – wie Marx sagt – ihre abstrakte Möglichkeit ergibt sich historisch dann, wenn das Geld als Zirkulationsmittel auftritt und Kauf und Verkauf sich voneinander los­lösen können. ,,Allgemeine, abstrakte Möglichkeit der Krise heißt nichts als die abstrakteste Form der Krise, ohne Inhalt, ohne inhaltsvolles Motiv derselben.“ [19]
  • Die zweite Form der Krise folgt aus der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, wenn das Geld nämlich in zwei verschiedenen Funktio­nen auftritt, die zeitlich auseinanderfallen können. Auch diese Möglichkeit ist noch abstrakt, obwohl sie schon konkreter ist als die erste.
  • Marx zeigt dann weiter, wie die in der Waren- und Geldzirkulation zum Ausdruck kommenden Widersprüche der einfachen Warenwirtschaft, die die abstrakte Möglichkeit der Krisen hervorriefen, sich mit dem Übergang zur kapitalisti­schen Produktionsweise selbst reproduzieren und so die Bedingungen ent­stehen, unter denen die abstrakte Möglichkeit der Krise zur realen und schließlich zur Wirklichkeit wird.

Ein mathematisches Beispiel

Werden bestimmte Möglichkeiten aus einem Feld von Möglichkeiten ver­wirklicht, so ändert sich dieses Feld. Dies sei am klassischen Modellfall er­läutert. In einer Urne befinden sich fünf Kugeln, drei weiße und zwei blaue. Es gibt also zwei Möglichkeiten, eine Kugel zu ziehen, und zwar kann man entweder eine weiße oder eine blaue ziehen, wobei die Wahrscheinlichkeiten des Eintritts des einen oder anderen Ereignisses unterschiedlich sind. Greift man nun in die Urne und zieht eine Kugel, etwa eine blaue, heraus, dann ist eine dieser Möglichkeiten verwirklicht und das Feld der Möglichkeiten än­dert sich (Übergang von Fall a) zu Fall b) in nachstehender Skizze). An­genommen, man ziehe noch eine zweite Kugel aus der Urne heraus und greife dabei wieder eine blaue Kugel, so ändert sich das Feld der Möglichkeiten von neuem (Übergang von Fall b) zu Fall c) ).

Skizze

Der letzte Übergang hat dazu geführt, daß jetzt die vorher reale Möglich­keit des Ziehens einer blauen Kugel zur Unmöglichkeit geworden ist, die des Ziehens einer weißen Kugel hingegen zur Notwendigkeit.

Warum ist das logische Denken so wichtig?

Neben der konkreten (realen) und der abstrakten Möglichkeit unter­scheidet der dialektische Materialismus noch die formale Möglichkeit. Damit ist die reine Denkmöglichkeit gemeint. Etwas ist formal möglich, wenn es denkmöglich, also logisch widerspruchsfrei ist. Die logische Widerspruchs­freiheit ist eine notwendige Bedingung jeder Art von Möglichkeit. Doch ist sie keinesfalls hinreichend, um eine abstrakte oder gar eine konkrete (reale) Möglichkeit zu bestimmen. Etwas kann durchaus formal möglich sein, also den logischen Denkgesetzen nicht widersprechen, dabei aber doch im Wider­spruch zu objektiven Natur- oder gesellschaftlichen Gesetzen stehen. Bei­spielsweise enthält die Idee eines Perpetuum mobile keinen logischen Wider­spruch, widerspricht aber dem Gesetz der Erhaltung der Energie, so daß die Möglichkeit einer Konstruktion desselben nur eine formale ist, die sich nicht verwirklichen läßt.


Das kybernetische System

Es ·gibt in der materiellen Welt eine Klasse von Systemen, in deren Ver­halten die dialektischen Beziehungen zwischen Möglichkeit, Wirklichkeit, Notwendigkeit und Zufall besonders deutlich zutage treten. Es ist dies die Klasse der kybernetischen Systeme, Kybernetische Systeme sind, worauf schon wiederholt eingegangen wurde, dynamische selbstregulierende Systeme. Sie haben die Möglichkeit, mit Zufällen der verschiedensten Art fertig zu werden, Die Umgebung eines solchen Systems stellt ein breites Feld von Möglichkeiten dar, die als zufällige Störungen des Systems in Erscheinung treten und es an die Grenze seines Stabilitätsbereichs bringen können.

Innere Möglichkeiten und äußere Bedingungen

Eine Besonderheit der kybernetischen Systeme besteht jedoch darin, daß sie dem Feld der Möglichkeiten der Umgebung ein Feld von Reaktionsmöglichkeiten entgegensetzen, das es ihnen gestattet, die für die Stabilität des Systems not­wendigen Parameter in den Grenzen der Regelstrecke zu halten. Im Prozeß der Auseinandersetzung rnit der Umgebung verändern diese Systeme das Feld ihrer Reaktionsmöglichkeiten so, daß sie den Umweltbedingungen immer besser angepaßt sind. Das Gesamtverhalten eines solchen Systems resultiert aus dem dialektischen Widerspruch zwischen den inneren Möglichkeiten des Systems, die durch seine Struktur und die Natur seiner Elemente bestimmt sind, und den äußeren Möglichkeiten, d.h. den Einwirkungen der Um­gebung auf das System.

Strategie und Taktik des Klassenkampfes

Kybernetische Systeme existieren sowohl in der Natur als auch in der Ge­sellschaft. Die in ihrem Verhalten zutage tretenden dialektischen Beziehungen von Möglichkeit und Wirklichkeit, Notwendigkeit und Zufall tragen all­gemeinen Charakter. Darüber hinaus weist der Übergang von Möglichkeit in Wirklichkeit jedoch auch Besonderheiten auf, je nachdem, ob er in der Natur oder in der Gesellschaft vor sich geht. Dieser Unterschied ist für die Gesellschaftstheorie und für das praktisch-politische Verhalten, für die Strate­gie und Taktik des Klassenkampfes von wesentlicher Bedeutung. In der Natur verwandelt sich das mögliche Verhalten von materiellen Systemen je­weils dadurch in wirkliches Verhalten, daß spontane Einwirkungen auf das System zu einer Änderung bestimmter Häufigkeits- (Wahrscheinlichkeits-) Verteilungen führen, diese schließlich einen bestimmten Schwellenwert über­schreiten und damit aus dem Feld des möglichen Verhaltens konkretes wirkliches Verhalten entstehen lassen.

Ein kleiner Ausflug in die Genetik…

Ein besonders deutliches Demonstrations­beispiel ist der Vererbungsvorgang. Spontane zufällige Einwirkungen der Umwelt auf den Organismus führen zu Änderungen gewisser DNS-Moleküle und ändern die in diesen Molekülen verankerte Erbinformation. Dadurch ändert sich das Feld der Möglichkeiten für den Aufbau konkreter Individuen auf der Grundlage dieser Erbinformationen. In der Auseinandersetzung mit der natürlichen Umwelt erweisen sich manche dieser Mutationen als vorteil­haft, andere als nachteilig. Es findet ein Auslesevorgang statt, bei dem schließ­lich nur noch die vorteilhaften Mutationen übrigbleiben. Eine neue, der Um­welt besser angepaßte Art ist entstanden. Die Möglichkeit der Entstehung dieser neuen Art, die in der ursprünglich vorhandenen Struktur der DNS-Moleküle und der gegebenen mutationserzeugenden Faktoren vorhanden war, hat sich in Wirklichkeit verwandelt.

Spontanes und bewußtes Handeln…

Solche spontanen Änderungen gibt es auch in der Gesellschaft. Die einzel­nen Individuen treten hier als Träger von Elementarereignissen auf. Die Elementarakte, die Elementarwirkungen, die sie durch ihre Handlungen aus­lösen, sind bewußt auf Ziele gerichtet, die ihren individuellen Interessen die­nen. Insofern ist jedes Handeln bewußtes Handeln, auch in der antagonisti­schen Klassengesellschaft. Hier handeln die Menschen jedoch nicht insofern bewußt, als es etwa ein kollektives Bewußtsein von Gesellschaftsklassen gäbe, das auf gesamtgesellschaftliche Ziele hinstreben würde. Die Änderungen in den statistischen Verteilungen der Elementarhandlungen erfolgen vielmehr zunächst spontan; sie führen dazu, daß die Möglichkeiten, deren Feld durch die objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung festgelegt ist, in dieser oder jener Weise zur gesellschaftlichen Wirklichkeit werden.

Wie entsteht das Klassenbewußtsein?

Die Spontaneität kann nur dadurch unterbrochen werden, daß gesellschaft­liche Klassen, Schichten usw. den Charakter lernender Systeme im kyber­netischen Sinne erhalten. Sie sammeln Erfahrungen, speichern diese Erfah­rungen und gewinnen damit gewisse, zunächst nur rein empirische Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten des Ablaufs der .Entwicklung der Gesellschaft. Aber diese Erfahrungen werden erst voll wirksam, wenn sie Material für eine wissenschaftliche Theorie von den Entwicklungsgesetzen der Gesell­schaft bilden können. Erst dann werden die Aktionen der Volksmassen, die gesellschaftliche Möglichkeit in gesellschaftliche Wirklichkeit umwandeln, bewußt, d.h. bewußt insofern, als eine wissenschaftliche Einsicht über die Fixierung der Ziele und der strategischen und der taktischen Mittel zur Er­reichung dieser Ziele vorliegt, die sich auf das Feld der in den gesellschaft­lichen Entwicklungsgesetzen fixierten Möglichkeiten stützt und bewußt die­jenigen unter diesen Möglichkeiten in Wirklichkeit überführt, die der Erreichung dieser Ziele maximal dienen.

Welche Rolle spielt die Arbeiterklasse?

Die Arbeiterklasse ist in der Lage, diese Bewußtheit zu erlangen und ihr gesellschaftliches Handeln auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Theorie durchzuführen. Die Bewußtheit des Handelns muß dabei durch die marxistisch-leninistische Partei organisiert werden, die diese Bewußtheit in die werktätigen Massen hineinträgt. Damit hört das Wirken elementarer, spontaner Ereignisse in der Gesellschaft nicht etwa auf; die führende Tätigkeit der marxistisch-leninistischen Partei kann den Zufall und das Zufällige ebensowenig aus der Welt eliminieren wie irgendein anderes kybernetisches System. Sie kann aber bewußt die statisti­schen Verteilungen ändern und zwar so, daß schließlich Schwellenwerte überschritten werden, die zwischen Möglichkeiten und den gewünschten Umwandlungen von Möglichkeiten in Wirklichkeiten liegen. Die den Zielen der Klasse dienenden spontanen elementaren Ereignisse werden planmäßig ge­fördert, propagiert, die ihnen abträglichen planmäßig bekämpft und eli­miniert.

[19] Karl Marx: Theorien über den Mehrwert, 17. Kapitel. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Dietz Verlag, Berlin, 1967, Bd.26-2, S.510.

Quelle:
Marxistisch-leninistische Philosophie – Lehrbuch. Dietz Verlag Berlin, 1967, S.286-292.

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Eine Antwort zu Lexikon: Möglichkeit und Wirklichkeit. Die wissenschaftlichen Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft

  1. Erfurt schreibt:

    zur Genetik: Interessant ist in diesem Zusammenhang das Miller-Experiment: Die Entstehung organischer Verbindungen (Aminosäuren, Proteine) aus anorganischen Verbindungen heraus unter bestimmten Umständen. So ist die Entstehung des essentiellen Proteins Cytochrome C eben kein zufälliges Ereignis sondern gesetzmäßig. Und das braucht, eben aufgrund dieser Entropie nicht Millionen von Jahren sondern vollzieht sich in kürzeren Zeiträumen. MFG

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