Prof. Dr. Jürgen Kuczynski: Der Kapitalismus hat ein Problem

KapitalismusEs ist manchmal schön, wenn man etwas findet, wo mit einfachen Worten eine komplizierte Sache erklärt wird. Und ökonomische Zusammenhänge sind nunmal kein Thema für Grundschüler. Dennoch wünschte man sich, daß gerade die Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens viel eher besprochen werden, und daß vor allem diejenigen etwas darüber lernen, die heute mit 45-50 Jahren immer noch auf Grundschulniveau diskutieren, wenn es um politische und ökonomische Sachverhalte geht. Prof. Jürgen Kuczynski war einer der bekanntesten und bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhundert – und vor allem: Er war Kommunist! Als er diesen Beitrag schrieb, war der schreckliche 2. Weltkrieg gerade zu Ende gegangen – die ruhmreiche Sowjetunion hatte den deutschen Faschismus zerschlagen und ein Aufatmen ging durch die Völker Europas. Doch wie soll es nun weitergehen? Und wie sollte ein Neuanfang aussehen? Wir dürfen die alten Fehler nicht wiederholen!

Der Kapitalismus steckt in der Krise

Worin liegt die entscheidende Schwierigkeit? Ursprünglich war es so, daß die technische Entwicklung dazu führte, daß der Mensch mehr produzieren konnte, als unbedingt für seinen Lebensunterhalt notwendig war. Diese Tatsache wurde von einzelnen ausgenutzt, um andere für sich arbeiten zu lassen. Es wurde diesen Arbeitern das be­lassen, was sie unbedingt zum Leben und Weiterarbeiten brauchten; der Rest wurde von dem, der den Arbeiter beschäftigte, eingesteckt. Das war ein einfacher Prozeß, der keine wirtschaftlichen Komplika­tionen brachte oder bringen konnte. Die Komplikation setzt in dem Moment ein, wo man andere für sich so viele Güter einer Art her­stellen läßt, daß man sie selber nicht allein verbrauchen kann und sie als Waren zum Verkauf auf den Markt sendet.

Die Unsicherheit des Marktes

Da sich nicht über­sehen läßt, wie viele Waren man auf dem Markt verkaufen kann, und da sich nicht übersehen läßt, wie vielen und wie starken Konkurrenten man dort begegnet, so ergibt sich eine gewisse Unsicherheit in bezug auf die Chancen, die Waren loszuwerden, und auch in bezug auf das, was man als Gegenleistung erhält. Ist diese Gegenleistung gering, so heißt das nichts anderes, als daß man viel weniger Mehrprodukt im Grunde aus dem Arbeitenden herausgepreßt hat, als man erwartet hatte. In zweifacher Hinsicht tritt also das Moment der Unsicherheit in das bisher so „erfreulich und harmonisch“ verlaufene Geschäft der Ausbeutung. Dieses Moment ist noch klein auf dem lokalen Markt; es wächst mit der Größe des Marktes und der Stärke der Beeinflussung auch des lokalen Marktes durch von ferne her wirkende Faktoren.

Stalin - Kapitalismus abschaffen

Die Überproduktionskrisen

Dieses störende Moment entwickelt sich zu enormer Größe unter dem Kapitalismus und führt dort zu regelmäßig wiederkehrenden Überproduktionskrisen. Diese Krisen kehren nicht nur regelmäßig wieder, sondern nehmen unter dem Monopolkapitalismus solchen Um­fang an, daß sie nicht nur die Existenz der monopolkapitalistischen Gesellschaft als einer bestimmten. Form der menschlichen Gesell­schaft, sondern direkt das physische Leben ihrer Mitglieder be­drohen, Denn man darf nicht übersehen, daß zu den Krisen nicht nur Millionenarbeitslosigkeit mit all den schweren gesundheitlichen Stö­rungen, all der Not und Pein, die solche Krisen bringen, gehört, und daß diese Massenarbeitslosigkeit nicht nur Krankheit und Tod auch während der Jahre lebhafterer Geschäftstätigkeit bedeutet.

Warum gibt es Kriege?

Unendlich wichtig ist es auch, zu begreifen, daß die Weltkriege, die seit einer Generation die Menschheit heimsuchen, mit dem gewaltigen Fortschritt in der höllischen Kunst des Massenmordes in Gasöfen oder durch Atombomben nichts anderes als die Folgen der Unwissenheit in der Verwendung von Mehrwert sind. Denn die Weltkriege dieses Jahrhunderts sind im Grunde nichts anderes als Kriege um den Welt­markt. Die Kriege um den Weltmarkt aber sind die Folge der Kon­kurrenz, die unter Verbrecherverbänden – Monopolorganisationen – um den größtmöglichen Gewinn aus der Ausbeutung von Millionen Menschen ausgebrochen ist.

Was ist das Ziel des Krieges?

Wenn die größten Ausbeuter, die Mono­polisten und Junker, keinen Weg mehr sehen, eine neue Krise zu ver­meiden, oder wenn sie den Ausbruch einer Krise dadurch zu verhin­dern hoffen, daß sie sich neue Absatzmärkte durch Eroberung von neuem Land sichern, oder wenn sie der laufenden, schleichenden All­gemeinen Krise zu entgehen wünschen, indem sie Millionen Arbeits­lose an die Produktion von Waren setzen, die nicht auf den Markt zu unsicherem Verkauf an unsichere Kunden kommen, aber um so geeigneter sind als Mittel, Menschen zu morden – dann ergeben sich Weltkriege, die Millionen Menschen das Leben kosten und wirklich die ganze Menschheit in ihrer Existenz bedrohen. Kriege und Krisen sind darum der objektive Ausdruck der Schwierigkeiten der Reali­sierung von Mehrwert und des Strebens nach immer erhöhter Profit­masse und Profitrate.

Nie wieder Krieg!

So sehen wir, wie die Tatsache, daß der Mensch mehr, als unbe­dingt zur Fristung seiner Existenz notwendig ist, produzieren kann, die Menschheit an den Abgrund geführt hat, statt ihr zum Segen zu dienen, sie reich und glücklich zu machen, ihr Leben wohl und gut zu gestalten. Die Unwissenheit der Menschen, gepaart mit Profitgier, hat sie zur allmählichen Entwicklung einer Wirtschaft geführt, die völlig anarchisch verläuft, in der wieder das Recht des Dschungels, aus dem der Mensch vor Millionen Jahren auftauchte, gilt, das sich jedoch unendlich viel furchtbarer auf die von ihm Betroffenen aus, wirkt als in den Urwäldern und Sümpfen ferner Vergangenheit.

Wie kann man das Problem lösen?

Die große Aufgabe, die vor der Menschheit seit dem Beginn dieses Jahrhunderts dringender denn je steht, ist, die Tatsache, daß der Mensch mehr produzieren kann, als er unbedingt zur Erhaltung seines Lehens braucht, so zu meistern, daß sie, statt seine Existenz zu be­drohen, sein Leben fortlaufend besser gestaltet. Voraussetzung dafür ist, daß die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufhört und daß die Mehrproduktion so. verteilt wird, daß alle Anteil an ihr haben. Seit der Sklaverei hat der Mensch die Herrschaft über die Produktionskräfte verloren. Es gilt, sie zu gewinnen und durch sie zu einem reichen Leben für alle zu kommen.

Wie funktioniert die Warenproduktion?

Wenn wir uns nun die Güter, die produziert werden, ansehen, dann finden wir zweierlei Hauptarten. Die eine dient dem direkten Konsum durch die Menschen, die andere der Produktion; die letztere geht natürlich auch in den Konsum ein, nur eben in indirekter Weise. Zu den Gütern, die dem direkten Konsum dienen, gehören Birnen wie auch Strümpfe, Romane wie auch öffentliche Bäder. Manche dieser Güter werden sofort konsumiert, wie Birnen; bei anderen dauert der Konsum etwas länger, wie bei Strümpfen; wieder andere werden von vielen Menschen gleichmäßig und auf längere Zeit konsumiert, wie öffentliche Bäder.

Was sind Produktionsmittel und wem gehören sie?

Die Produktionsmittel dagegen, wie Fabrikgebäude oder Maschinen oder Rohstoffe, werden nicht direkt, sondern indirekt konsumiert; sie gehen schnell, wie Rohstoffe, oder langsam, wie Ma­schinen, in das Konsumprodukt ein. Ohne sie können fast keine Kon­sumgüter produziert werden. Wer sie in der Hand hat, hat die Wirt­schaft in der Hand. Die Kapitalisten besitzen nun die Produktions­mittel und haben so die Wirtschaft und die Werktätigen in der Hand. Das war nicht immer der Fall. Früher, vor dem Kapitalismus, be­saßen die Werktätigen selber oft Produktionsmittel. Damals zwangen die Ausbeuter sie, einen Teil oder gar das ganze Mehrprodukt aus­zuhändigen, indem sie sie mit roher Gewalt bedrohten, und wenn sie außerdem noch einen Teil der Produktionsmittel besaßen, so war dieser Besitz eine zusätzliche Waffe; die Hauptwaffe aber war das Schwert (kombiniert – und schon raffinierter – mit der angeb­lichen Freundschaft angeblicher Götter).

Wie kann man den Kapitalismus überwinden?

Um die kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse zu enden, um den Kapitalisten die Möglichkeit zu nehmen, mit all ihren Produk­tions- und Ausbeutungsmethoden weiterzuarbeiten, ist es nun unbe­dingt notwendig, ihnen ihre Waffe, den Besitz der Produktionsmittel, aus der Hand zu reißen. Ist das einmal geschehen, dann sind die Werktätigen in der Lage, die Wirtschaft zu ordnen, denn sie haben die Basis der Widersprüche aufgehoben, die in der Tatsache der gesellschaftlichen Produktion und der privaten Aneignung beruht – der Produktion der Allgemeinheit für den Markt, für die Allgemeinheit als Verbraucher, für die Gesellschaft als Wirtschaftseinheit auf der einen Seite und der Aneignung zu Zwecken der privaten Profit­aufhäufung, der privaten Aneignung des von der Gesellschaft produ­zierten Mehrwertes durch eine immer kleinere Schar von Groß­kapitalisten, von Junkern und Monopolisten auf der anderen Seite.

Was kommt danach?

Ist dieser grundlegende Widerspruch der Wirtschaftsweise einmal eliminiert, dann ist es möglich, die menschlichen Wirtschaftsverhält­nisse, die Verwendung von Produktionsmitteln und Arbeitskraft zu ordnen und zu planen und die Resultate der Mehrarbeit allen zugute kommen zu lassen. Dann arbeitet der einzelne für die Gemeinschaft und die Gemeinschaft für den einzelnen. Eine solche neue Wirtschaft nen­nen wir eine sozialistische Wirtschaft. Und die Lehre von dieser neuen Wirtschaft ist eines der wichtigsten neuen Forschungsgebiete der poli­tischen Ökonomie des wissenschaftlichen Sozialismus oder Marxismus.

Was des Volkes Hände schaffen, soll des Volkes eigen sein!

Der wissenschaftliche Sozialismus weist nach, daß die Vergesell­schaftung, der gemeinsame Besitz aller Produktionsmittel notwendig ist, damit die Menschen die Produktionskräfte beherrschen und alle Konsumgüter zum Privateigentum aller Menschen werden können. In der kapitalistischen Wirtschaft ist es.so, daß fast alle Güter Privat­eigentum einer kleinen Anzahl von Menschen sind, die von sich aus im Austausch gegen Arbeitskraft einen Teil dieser Güter an die Arbeitenden abgeben. In der sozialistischen Wirtschaft gehören alle Güter der Gemeinschaft der Menschen, die den zum direkten Konsum bestimmten Teil so verteilen, daß sie allen zugute kommen.

Wem gehören die Produktionsmittel?

Auch in der sozialistischen Gesellschaft wie in der kapitalistischen gehören die Konsumgüter denen, die die Produktionsmittel besitzen, und die Produktionsmittelbesitzer verfügen über die Verteilung der Konsum­güter. Aber im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft sind in der sozialistischen die Verbraucher von Konsumgütern identisch mit den Besitzern der Produktionsmittel. Darum kann es keinen Wider­spruch zwischen Produktion und Aneignung, zwischen den Besitzern der Produktionsmittel und den Verbrauchern der Konsumgüter gehen.

Der Widerspruch wird aufgehoben

Die gleiche Gemeinschaft von Menschen bestimmt über die Verwen­dung von Produktionsmitteln und Konsumgütern, Darum ist es auch möglich, eine geordnete Planung der Wirtschaft durchzuführen: die Interessen der Produktionsmittel- und der Konsumgüterproduzenten sind identisch. Es wird nicht mehr um des Profites willen, sondern um der Bedarfsdeckung willen produziert. Die Produktionsmittel sind nicht mehr Instrumente .der Profitschaffung, der Besitz von Produk­tionsmitteln ist nicht mehr ein Mittel, sieh von anderen geschaffenen Mehrwert anzueignen, sondern die Produktionsmittel sind nur noch dazu da, Konsumgüter zu produzieren, um durch diese Produktion den Bedarf der Menschen zu decken.

Die wissenschaftlichen Grundlagen

Die Grundideen, die hier ausgeführt worden sind, basieren auf den Gedankengängen, die Marx und Engels schon vor über hundertfünfzig Jahren entwickelt haben. Schon damals gab es gewisse Voraussetzungen, um die Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaft einer solchen Lösung entgegenzuführen. Aber der Kapitalismus hatte damals noch eine große Lebenskraft, und die fortschrittlichen Kräfte der Gesellschaft waren noch zu schwach, um diese Aufgabe durchzu­führen. Der Kapitalismus hatte sich noch nicht so weit entwickelt, daß man sagen konnte, er habe bereits die Voraussetzungen der sozia­listischen Gesellschaft geschaffen, zu denen nicht nur eine hohe Aus­reifung der Entwicklungsmöglichkeiten des Kapitalismus selbst und das Entstehen eines klassenbewußten, von einer revolutionären Ar­beiterpartei geführten Proletariats, sondern auch die Bedrohung der Existenz der werktätigen Massen bei Fortbestehen der kapitalistischen Gesellschaft gehört.

Rußland und der Monopolkapitalismus

Mit dem Eintritt der kapitalistischen Wirtschaft in das Stadium des Monopolkapitalismus sind diese Vorbedingungen erfüllt. Niemand hat das klarer herausgearbeitet als Lenin. Und Lenin war es auch, der die Werktätigen Rußlands den Weg zur Verwirk­lichung der Ziele des Sozialismus, zur Rettung ihrer Existenz geführt hat, einen Weg, den die Arbeiter, Bauern und die Intelligenz der Sowjetunion dann unter der politischen Führung Stalins in einem Lande, das umgeben war von feindlichen kapitalistischen Mächten, mit solchem Erfolg weitergegangen sind.

Welche Aufgabe steht uns bevor?

Die gleiche Aufgabe, die kapitalistische Wirtschaft in eine sozialistische umzuwandeln und damit nicht nur die Existenz der Menschheit sicherzustellen, sondern ihr auch den Weg zu fortschreitendem Wohlstand zu sichern, steht jedoch vor allen Völkern der Welt) und es kommt darauf an, daß sie diesen Weg mit möglichster Beschleunigung beschreiten. Denn überall reifen die Bedingungen für den Übergang zum Sozialismus heran, ja mehr: überall wird es immer offensichtlicher, daß nur der Übergang zum Sozialismus die Menschen vor barbarischem Tod im Frieden wie im Krieg durch Hunger oder Bomben retten kann. Alle Wege des Lebens führen heute zum Sozialismus.

Quelle:
Prof. Dr. Jürgen Kuczynski: Allgemeine Wirtschaftgeschichte. Dietz Verlag Berlin, 1949, S.245-249

KuczynskiProf. Dr. Jürgen Kuczynski (1904-1997) war einer der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler und Historiker des 20. Jahrhunderts. Kuczynski trat besonders hervor durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten über die Lage der Arbeiter im Kapitalismus („Die Geschichte der Lage der Arbeiter im Kapitalismus“, 40 Bde.), weiterhin erschienen wichtige Publikationen zur Entwicklung des Imperialismus („Studien zur Geschichte der Gesllschaftswissenschaften“, 10 Bde.) sowie die „Geschichte des Alltags des deutschen Volkes“ (5 Bde.). Kuczynski veröffentlichte auch eine große Zahl journalistischer Beiträge. Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Restaurant Sozialpartnerschaft


Anhang:

Stalin: „Zur Frage der Überproduktionskrisen“

Die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen, ihre Ursache liegt im ganzen System der kapitalistischen Wirtschaft selbst. Die Basis der Krise liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des Kapitalismus ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen der Produktionskapazitäten des Kapitalismus, die auf die Erzielung eines Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind, und dem relativen Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage seitens der Millionenmassen der Werktätigen, deren Lebenshaltung die Kapitalisten ständig in den Schranken des äußersten Minimums zu halten suchen.
Um im Konkurrenzkampf zu gewinnen und möglichst viel Profit herauszupressen, müssen die Kapitalisten die Technik entwickeln, eine Rationalisierung durchführen, die Ausbeutung der Arbeiter verschärfen und die Produktionskapazitäten ihrer Betriebe bis aufs äußerste steigern. Damit keiner hinter dem anderen zurückbleibe, sind alle Kapitalisten gezwungen, in einer oder der anderen Weise diesen Weg rasender Entwicklung der Produktionsmöglichkeiten zu beschreiten. Aber der Binnenmarkt wie der Außenmarkt, die Kaufkraft der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern, die in letzter Instanz die Hauptkäufer sind, bleiben auf einem niedrigen Niveau. Daher die Überproduktionskrisen.
Daher die bekannten Resultate, die sich mehr oder weniger periodisch wiederholen, kraft deren die Waren unverkauft bleiben, die Produktion zurückgeht, die Arbeitslosigkeit wächst, die Löhne gesenkt werden, wodurch sich der Widerspruch zwischen dem Produktionsniveau und dem Niveau der zahlungsfähigen Nachfrage noch mehr verschärft. Die Überproduktionskrise ist der Ausdruck dieses Widerspruchs in stürmischen und verheerenden Formen.
Könnte der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der materiellen Lage der Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gäbe es keine Krisen. Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus. Um die Krisen abzuschaffen, muss man den Kapitalismus abschaffen. Das ist die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen im Allgemeinen. (SW, Bd. 12. S.214f.)

pdfimage Kuczynski – Der Kapitalismus

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9 Antworten zu Prof. Dr. Jürgen Kuczynski: Der Kapitalismus hat ein Problem

  1. Erfurt schreibt:

    Ein wesentliches und typisches Merkmal der kapitalistischen Produktionsweise ist die Überproduktion, die jedes (!) Produkt betrifft. So landen derzeit jedes Jahr 15000 (in Worten: Fünfzehntausend) Container mit Waren auf dem Meeresgrund. Und selbst mit dieser Verklappung werden Geschäfte gemacht.

  2. Könnte der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der materiellen Lage der Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gäbe es keine Krisen. Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus. Um die Krisen abzuschaffen, muss man den Kapitalismus abschaffen. Das ist die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen im Allgemeinen. (SW, Bd. 12. S.214f.)

    „Könnte“ —> Stalin muß auch sprachlich ein Genie gewesen sein. Einfach genial, diesen Satz mit einem Konjunktiv (Möglichkeitsform) einzuleiten, denn damit leitet Stalin den Mensch zum richtigen Denken an.
    Von der Logik her, gibt es nämlich auf dieses „könnte der Kapitalismus“ – weil diese „könnte“ eben auch ein indirektes Fragewort ist – nur eine mögliche Anwort: „Aber der Kapitalismus kann nicht!“, wie Stalin es mit der eigentlichen Schlußfolgerung: „Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus.“ ableitet und beweist.

    Langsam erschließt sich mir, warum es Stalin ist, der mehr verhasst ist; als selbst „der Judas“: Die Feinde des Kommunismus sind ihm einfach intelektuell (verstandesmäßig, geistig) und auch von der Logik her einfach nicht gewachsen … nun das macht sie, weil sie die Wahrheit nich anerkennen wollen, so wütend und verbittert gegen ihn.

  3. alles an GUTEM … was versenkt wird … bringt den KAPI´TALISTEN *geld*!!!
    ALLES dazu hat MARX im KAPITAL dazu gesagt!!!

  4. Pingback: Der Untergang des Kapitalismus und die Macht des Proletariats | Sascha's Welt

  5. Erfurt schreibt:

    Und noch eine kleine Geschichte, Betriebsübergang nach §613. Zugetragen hat sich das in Karlsruhe im Jahr 2004, der neue Firmeninhaber AT&T/Austria lässt die Belegschaft einrücken im Cityhotel. Und noch in dem Moment wo das Wiener Würstchen erklärt wie toll es uns bei AT&T gehen wird, wechselt unsere bisherige Firma 3x den Besitzer ohne daß das jemand mitgekriegt hätte. Applaus für den Österreicher, „geh‘ Scheißen“ hätten wir rufen sollen.

    Nur wenige Tage später erklärt ein Schweinekanzler, dessen Namen ich leider vergessen habe, wieviele Millionen er nach Tailand zu schaffen gedenkt, angeblich als Hilfe für die Zunamiopfer.

    Houston we have a problem, Haha.

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