Lenin: „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“

Lenin - Die nächsten AufgabenEs ist klar, daß wir uns hier nicht damit befassen können, welches die nächsten Aufgaben der „Macht des Volkes“ in der BRD sein werden. Doch wenn es nun schon einmal um unsere Zukunft  geht, dann sollten wir nicht versäumen, nach dem ersten Schritt auch schon den zweiten zu bedenken. Lenin hat diesen Text mehrfach überarbeitet und sich bemüht, für die damalige Zeit genau die richtigen Ratschläge zu geben. Lenin war Jurist, und er kannte die Lage seines Volkes sehr genau. Zu jeder Zeit bringt die Gesellschaft auch die führenden Köpfe hervor. Doch man muß wissen, daß es vor der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917, die für das russische Volk gewaltige Änderungen mit sich brachte, bereits 1905 und im Februar 1917 zwei Revolutionen gegeben hatte. Revolutionen, sagte Karl Marx, sind die Lokomotiven der Geschichte. Und die Beseitigung das Kapitalismus ist unausweichlich, wenn die Menschheit überleben will. Aber dazu gehört eben auch, daß sich die Produktionsverhältnisse grundlegend ändern. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln gehört der Vergangenheit an. Denn es ist die Voraussetzung für die Ausbeutung und Knechtung der Völker. Ohne die Macht der Arbeiterklasse kann der Kapitalismus nicht überwunden werden. Doch dazu später mehr…

Es geht um die Mehrheit des Volkes

Kapitel IV
…Jetzt steht diese Aufgabe – die natürlich noch nicht völlig gelöst ist und niemals ganz erschöpft werden kann – unter den Aufgaben der Sowjetmacht bereits nicht mehr an erster Stelle. Die letzten Sowjetkongresse, und insbesondere der Moskauer Gesamtrussische Kongreß, haben gezeigt, daß die überwäl­tigende Mehrheit der werktätigen Klassen bewußt und ent­schieden auf die Seite der Sowjetmacht im allgemeinen und der Partei der Bolschewiki im besonderen übergegangen ist. Es versteht sich von selbst, daß für eine halbwegs demokrati­sche Regierung die Aufgabe, die Volksmassen zu überzeugen, niemals ganz in den Hintergrund treten kann – im Gegenteil, sie wird immer eine wichtige Leitungsaufgabe sein. Aber an die erste Stelle tritt eine solche Aufgabe nur für Oppositions­parteien oder für Parteien, die für die Verwirklichung von Zukunftsidealen kämpfen.

…aber zuerst mußte die Macht des Volkes erobert werden

Nachdem es den Bolschewiki schon unter dem Zarismus einerseits und unter der Regierung Ke­renski anderseits gelungen war, die Mehrheit der aktiven und bewußten Elemente der werktätigen Massen auf ihre Seite zu ziehen, stand unsere Partei vor der Aufgabe, die Macht zu erobern und den Widerstand der Ausbeuter zu brechen. Statt des Überzeugens trat an die erste Stelle die Aufgabe, Rußland zu erobern. Von Ende Oktober 1917 und bis etwa Februar 1918 stand diese Kampfaufgabe oder militärische Aufgabe im Vordergrund, wie naturgemäß eine solche Aufgabe für jede politische Partei in den Vordergrund treten mußte, die die Herrschaft in einer Situation scharfen und aufs äußerste erbitterten Kampfes erlangt.

Harter Kampf um die Macht des Volkes

Es versteht sich von selbst, daß vor der Partei des Proletariats mit besonderer Schärfe die Aufgabe steht, den Widerstand der Ausbeuter niederzuhalten, weil hier die Vertreter der besitzenden Klassen, die sowohl über die Macht des Kapitals als auch über die Macht des Wissens und eine langjährige, um.nicht zu sagen jahrhunderte alte Erfahrung und Fertigkeit auf dem Gebiet der Verwaltung verfügen, vereint gegen die werktätigen Massen auftreten, die sich auf die Seite des Proletariats stellen. Dank den besonde­ren Umständen, die sich in Rußland unter dem Einfluß der noch nicht vergessenen Lehren der Revolution von 1905 und unter dem Einfluß der wesentlich ernsteren und härteren Lehren des gegenwärtigen Krieges historisch herausgebildet haben – dank diesen Umständen gelang es den Bolschewiki verhältnismäßig sehr leicht, die Aufgabe der Eroberung der Macht sowohl in der Hauptstadt als auch in den wichtigsten Industriezentren Rußlands zu lösen.

Konterrevolution – besonders in den rückständigen Gegenden

Aber in der Provinz, in den vom Zentrum weit abgelegenen Gebieten, und besonders in den Gegenden Rußlands, in denen eine verhältnismäßig rückständige Bevölkerung konzentriert war, die sich beson­ders fest an monarchistische und mittelalterliche Traditionen klammerte – zum Beispiel in den Kosakengebieten –, hatte die Sowjetmacht einem Widerstand zu begegnen, der militä­rische Formen annahm und erst jetzt, mehr als vier Monate nach der Oktoberrevolution, völlig zu Ende geht.

Widerstand der gestürzten Klasse niederhalten!

Gegenwärtig ist die Aufgabe, den Widerstand der Aus­beuter in Rußland zu überwinden und niederzuhalten, in ihren Hauptzügen abgeschlossen. Rußland ist von den Bolschewiki erobert, hauptsächlich weil – wie das kürzlich auch der be­kannte Führer des konterrevolutionären Kosakentums im Dongebiet, Bogajewski, zugab – die überwältigende Mehr­heit des Volkes, selbst unter den Kosaken, bewußt, fest und entschieden auf die Seite der Bolschewiki übergegangen ist. Aber die besonderen Bedingungen, in die die besitzenden Klassen durch ihre ökonomische Lage gestellt sind, geben ihnen die natürliche Möglichkeit, nicht nur den passiven Widerstand (Sabotage) zu organisieren, sondern auch den Versuch zu wiederholen, der Sowjetmacht militärisch entgegenzutreten. Daher kann die Aufgabe der Niederhaltung des Widerstands der Ausbeuter ebenfalls nicht als gänzlich abgeschlossen be­trachtet werden. Aber jedenfalls ist sie jetzt offensichtlich in ihren Hauptzügen bereits gelöst und steht nicht mehr an erster Stelle.

Höchste Wachsamkeit ist geboten!

Die Sowjetmacht wird es sich nicht erlauben, diese Aufgabe auch nur für einen Augenblick zu vergessen, sie wird sich in keiner Weise, durch keinerlei politische oder angeblich sozialistische Parolen und Deklamationen, von ihrer Erfüllung ablenken lassen. Das muß betont werden, weil sich bei uns sowohl die Menschewiki als auch die rechten Sozialrevolutio­näre als die wendigsten, manchmal sogar als die gemeinsten Agenten der Konterrevolution aufführen, kämpfen sie doch gegen die Sowjetmacht weitaus schärfer, als sie sich das gegen die Regierungen der Reaktionäre und der Gutsbesitzer er­laubten, und verlassen sich dabei auf den Schutz, den ihnen das Etikett oder der Name ihrer Partei gibt.

Keinen Schritt zurück…

Es versteht sich von selbst, daß die Sowjetmacht von der Erfüllung ihrer Auf­gabe, den Widerstand der Ausbeuter niederzuhalten, niemals ablassen wird, mit welchen Parteifahnen oder mit welchen populären und schön.klingenden Parolen sich dieser Wider­stand auch tarnen mag. Aber die Aufgabe der Niederhaltung des Widerstands ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt in den Hauptzügen bereits abgeschlossen, und auf der Tagesordnung steht jetzt die Aufgabe, den Staat zu verwalten.

Das Wichtigste: Die Volksmassen überzeugen!

Eben dieser Übergang von der Aufgabe, die Massen der Bevölkerung zu überzeugen, die an erster Stelle stand, von der Aufgabe, die Macht zu erobern und die sich widersetzenden Ausbeuter militärisch niederzuhalten, zu der jetzt an die erste Stelle tretenden Aufgabe der Verwaltung des Staates – dieser Übergang bildet die hauptsächliche Eigenart der gegenwärti­gen Situation. Die Schwierigkeit für die Sowjetmacht besteht in bedeutendem Maße darin, zu erreichen, daß sowohl die politischen Führer des Volkes als auch alle bewußten Ele­mente der werktätigen Massen überhaupt die Besonderheiten dieses Übergangs klar begreifen. Denn es versteht sich von selbst, daß der Übergang der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der Klassen zu den friedlichen Aufgaben des Verwaltens – es versteht sich, daß ein solcher Übergang in einer Situation des stellenweise noch nicht beendeten Bür­gerkriegs, in einer Situation größter militärischer Gefahren, die der Sowjetrepublik sowohl vom Westen als auch vom Osten drohen, und schließlich in einer Situation unerhörter Zerrüttung als Folge des Krieges – es versteht sich, daß ein solcher Übergang gewaltige Schwierigkeiten mit sich bringt.

Quelle: Lenin – Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht. Dietz Verlag Berlin, 1984, S.7-10. (Zwischenüberschriften wurden eingefügt – N.G.)

pdfimage Lenin – Die nächsten Aufgaben

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7 Antworten zu Lenin: „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“

  1. Erfurt schreibt:

    PDF gespiegelt. Und passend zum Thema mein neuer Artikel Über die Politische Ökonomie des Sozialismus hier: https://rolfrost.de/eco.html

    Freundschaft!

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Erfurt! Steter Tropfen höhlt den Stein, sagte schon Konfuzius!

      • Erfurt schreibt:

        Und heute haben wir Internet 😉

        Mögen die Verbrecher dieser Welt im Suezkanal steckenbleiben. Guckt Euch den Frachter an, ist das nicht Wahnsinn!? Kein Mensch dieser Welt braucht das!

        Freundschaft!

  2. Thomas Artesa schreibt:

    Ich will nicht gleich vom Thema abweichen aber doch interessant. Hier im Forum wird die aktuelle Sache mit dem festsitzenden Frachter im Suez Kanal erwähnt. Auch hier handelt es sich um eine neue bzw. alte Vorgehensweise des Wirtschaftskrieges. Die Havarie ist von außen gesteuert worden. Das ist alles zu vordergründig im Zeitalter von Hochtechnologie, Satellitenübertragung und Internet: Cyberwar eben!
    Daneben sind auch noch alle Zubringerstraßen für den Güterverkehr neben der Bahn verstopft, gesperrt und durchgehend stark kontrolliert. Fazit: Der US-Monopolkapitalismus versucht wieder einmal mehr den Handel von Asien nach Europa und zurück zu behindern. Vielleicht als Antwort auf die letzten Treffen zwischen Russland und China, die ihre Allianz erneut bekräftigt und ausgebaut haben?
    Kapitalistische Machenschaften der Länder untereinander werden auf eine neue Stufe gestellt. Ost gegen West – multipolare Welt gegen US-Revanchismus. Jetzt werden die ersten Vorbereitungen für den finalen Showdown gelegt. Konkurrenten sollen vernichtet werden – heimtückisch, hinterhältig bis zum heißen Krieg. Alles ist von dem Deep State, den Bilderbergern, CfR, Illuminaten, Komitee der 352, etc. geplant. Alles gegen die eigentlichen Interessen der Völker ausgerichtet. Wieder einmal werden die Kriege in Drittländern ausgetragen. Wir hatten schon einmal eine Suezkrise – 1956. Werden auch diesmal wieder die Zionisten in Tel Aviv mit an der Strippe ziehen?

    • Erfurt schreibt:

      Das sehe ich auch so. Egal ob ein Frachter versenkt oder auf den Grund des Suez-Kanals gesetzt wird oder zu einem bestimmten Termin sein Ziel (nicht) erreicht, dahinter stecken Spekulationsgeschäfte. Und guckt Euch diese Vehikel an! Das ist einfach nur pervers!

      Freundschaft!!

      • sascha313 schreibt:

        Da gibt es eine (zahme) Redensart:
        Honi soit qui mal y pense [ ɔni swa ki mal i pɑ̃s] (altfranzösisch; wörtlich „Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt“),
        Ich halte es für Sabotage! Ein Verbrechen der CIA, um die Handels-Kontakte zu China zu unterbrechen. Zuerst dachte ich auch, die haben den Kanal (aus Kostengründen) versanden lassen. Aber der Sabotage-Gedanke erscheint mir da doch wahrscheinlicher!

  3. Thomas Artesa schreibt:

    Vielleicht hier noch ein interessantes Video von Valeriy Pyakin (FKZ – Fonds Konzeptueller Technologien: fct-altai.ru) zum Thema:
    Bolschewiken und Trotzkisten – wer ist wer? (Valeriy Pyakin 17.08.2017)

    Interessant wohl auch gerade deswegen, weil die Kommunistische Partei der Sowjetunion bis zum Tod von Stalin 1953 und darüber hinaus unter Chruschtschow bis Jelzin und noch heute in Russland mit der Bekämpfung der Diversanten, Trotzkisten und anderer Vaterlands- und Klassenverräter zu kämpfen hat. Bitte das Video ohne Voreingenommenheit anschauen. Fazit – der Gedanke des Bolschewismus lebt auch heute noch in der „Seele“, Kultur und Tradition des russischen Menschen, warum es auch kein westlicher Kriegstreiber jemals schaffen wird dieses große Land zu besiegen, zu knechten oder gar zu okkupieren (abgesehen von einzelnen Versuchen, in Russland dennoch ein „westliches“ hinkende Bein auf den Boden zu bekommen. Also – einfach das Video aus der Reihe: Fonds Konzeptueller Technologien aus dem Altai ansehen (fct-altai.ru). Danke liebe Freunde, Genossen und Kameraden im Geiste und Tat für eine bessere Welt, Thomas.

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