Katarina Witt und die Erkenntnis…

wittWenn man eine Äußerung richtig einschätzen will, muß man den Menschen kennen. Katarina Witt ist ein Weltstar; und natürlich glaubt jeder ihrer Facebook-„Freunde“, was sie sagt und schreibt, sei geradewegs für ihn selber gedacht. Sie hat Vorbildwirkung. Dabei sind es oft nicht mehr als ein paar aus der momentanen Stimmung heraus dahingeschriebene Worte. Doch die allgemeine Ratlosigkeit angesichts einer Weltwirtschaftskrise sagt nicht allzuviel darüber aus, wie die Wirklichkeit wirklich ist. Eine genauere Analyse zu erwarten, wäre wohl zuviel verlangt, da ein Blog wie FB sich dafür nicht eignet.

Erst recht nicht lassen sich daraus Lebensregeln oder Weisheiten daraus ableiten, die vielleicht dem einen oder anderen sein angeschlagenes Selbstvertrauen wiederzugeben vermögen, was ja nach einem solchen katastrophalen wirtschaftlichen „Zusammenbruch“Katarina Witt (und zwar eines gezielten und beabsichtigten! – wie sich das seit 2020 immer mehr abzuzeichnen beginnt!) dringend nötig wäre. Lesen wir also hier eine solche Erkenntnis? Wohl kaum.

Ja, man darf den Humor nicht verlieren! Das ist zwar leicht gesagt, doch dafür benötigt man schon einige Kenntnisse und einen gewissen Horizont. Die Augen zu verschließen und den Kopf in den Sand zu stecken, das hilft niemandem. Denn tatsächlich befinden wir uns im Kapitalismus. Das muß man erst einmal anerkennen! Daran führt kein Weg vorbei. Und auch wenn heute in der BRD Marx nur ungern zitiert und genannt wird, er hatte 100%ig recht! Als DDR-Bürger wußten wir das. Und das wußten auch Sie!

Doch liebe Katarina Witt, hatten wir – und hatten nicht auch Sie – ein friedliches Leben in der DDR? Alles war geregelt. Der Beruf, das Einkommen, das Dach über dem Kopf, das Essen und die Kleidung – alles war gesichert. Wir mußten uns keine Sorgen machen!

Ein leistungsorientiertes Leben war bei uns immer eine Freiwilligkeit. Und es gab unendlich viele fleißige Menschen in unserem Land! Niemand mußte seine Arbeitskraft verkaufen, um überhaupt leben zu können. Von Konkurrenzkampf hatten nur die wenigsten vin uns eine Ahnung, und wir ahnten auch nichts von der Erbarmungslosigkeit und vom organisierten Verbrechen einer Gesellschaft, in der die Menschlichkeit nur dann etwas zählt, wenn sie bezahlbar ist.

Daß die Arbeiter in einem Staat etwas zu sagen haben, kann man gar nicht hoch genug schätzen. Die DDR war ein Arbeiter- und Bauern-Staat. Und immer sollte die Arbeit eine Ehrensache für uns  sein. Aber wir hatten auch noch viele andere kluge Leute – Ärzte. Lehrer, Trainer, Wissenschaftler. Aber eines hatten wir nicht: die Klasse der Kapitalisten! Und das ist wohl der allergrößte Unterschied zu heute. Es geht hier nicht um irgendeinen lächerlichen Virus – es geht um die absolute Macht einer selbsternannten faschistischen „Elite“, denen das Leben von Milliarden Menschen auf unserer Erde völlig gleichgültig ist!

In einem Staat, wie der BRD, wo nur ein paar wenige, superreiche Menschen darüber entscheiden können, was du tun darfst und was nicht, gibt es für die absolute Mehrheit des Volkes keine Freiheit – oder eben nur begrenzt. Wo das Geld entscheidet, ob du gebraucht wirst oder nicht, kann es keine Gerechtigkeit geben. Und in einer Gesellschaft, wo allein das Vermögen und der Einfluß der Eltern ausschlaggebend dafür ist, ob du dir heraussuchen kannst, wie dein Leben später einmal aussehen soll, wird es immer Benachteiligte geben, die sich ihre Wünsche nie erfüllen können, selbst wenn sie noch so ehrgeizig und fleißig sind. Sie haben das Glück gehabt, in der DDR aufgewachsen zu sein, Frau Witt! Doch Erfolg ist wie der Schnee vom vorvergangenen Jahr… 

Ich will Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:

Helmut Weiß war anerkannter Fachmann. Im sächsischen Rathmannsdorf hatte er jahrelang volkseigene Forellenzucht be­trieben. Wer anders als er war geeigneter, die Anlage zu erwer­ben, als die Privatisierung über uns hereinbrach. Ihm gelang der Hürdenlauf durch Ämter und Instanzen: Er war sicherer Anwärter, der „Treuhand“ den Betrieb abzukaufen.
Aber diese „Treuhand“ machte ihrem Namen Ehre: Von Kohls und Waigels Gnaden mit dem Recht der Willkür ausge­zeichnet, mit Frau Breuel als Hauptfeldwebel – wies sie auf einmal einen Käufer vor, der 50.000 DM mehr zahlen wollte. Schließlich muß sich ja alles rechnen.
Der plötzlich aufgetauchte, betuchte Käufer mit dem Höchstangebot hieß S. und kam aus Schwaben. Er war nicht ge­rade Fachmann für Forellenzucht, aber firm in „Förderung von Mittelstand, Handwerk, Handel und Freie Berufe“. So stand’s in der Frankfurter Rundschau. Diesem Hobby ging der Wessi allerdings nicht im heimatlichen Schwabenländle nach, sondern in Dresden. Seine mit „Buschzulage“ versehene Arbeitsstelle:
Referat II 3 im sächsischen Wirtschaftsministerium.
Zweckmäßigerweise stand im Kaufvertrag nicht der Name dieses abgeordneten Leihbeamten, sondern der seiner Frau Gemahlin, für den Beruf einer Fischzüchterin hinlänglich qua­lifiziert als Stuttgarter Oberregierungsrätin.
Pech für Helmut Weiß: Im Vertrauen auf die Zusage der Treuhand hatte er Kredite aufgenommen, mußte sich seinem neuen Chef S. anpassen und versuchte vergebens, von seinen Schulden herunterzukommen.
Forellenzüchter mit Können, Leib und Seele, quälte sich Helmut Weiß bis zum Sommer 1993 herum. Dann nahm er den Strick. Und am Dachsparren der Fischzuchtanlage hingen ein Mensch und seine Illusionen über Sauberkeit im Rechts­staat, soziale Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Freiheit und Eigentum. 

Quelle: Karl-Eduard von Schnitzler „Provokation“, Edition Nautilus, 1993, Seite 47f.

Es ist sicher schön, im Leben einige Höhenflüge gehabt zu haben. Doch warum sollten wir anderen etwas erklären, die sich sowieso nicht für die DDR und für unser Schicksal als ehemalige DDR-Staatsbürger interessieren? Sie hatten Glück gehabt, Frau Witt, sie waren mal ein „Weltstar“ – na, und? Rathmannsdorf ist nur eine Autostunde weit von Chemnitz entfernt. Doch das Schicksal von Helmut Weiß geht auch uns sehr nahe! Man muß wohl – verzeihen Sie den Ausdruck! – von einer Beschränktheit des Horizonts, von erschreckender Vergeßlichkeit oder eben von abgrundtiefem Haß auf den Sozialismus (was ich Ihnen nie und nimmer zutraue!) geprägt sein, wenn man als DDR-Bürger den Sozialismus mit dem Kapitalismus der BRD auf eine Ebene zu stellen versucht. Dazwischen liegen Welten! Einen Schlußstrich wird es wohl erst dann geben, wenn der Kapitalismus ein für allemal beseitigt ist – und die Zeit ist reif dafür! Auch das ist eine Erkenntnis!

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4 Antworten zu Katarina Witt und die Erkenntnis…

  1. Erfurt schreibt:

    Danke Sascha!

  2. roprin schreibt:

    Das ist eine gelungene Antwort an Katharina Witt. Ob sie wohl in der BRD auch sportlich so gefördert worden wäre wie in der DDR? Ich möchte das bezweifeln. Die DDR mit der Pandemie-BRD gleichzusetzen zeugt von wenig Verstand und bedient niedere Instinkte.

  3. Erfurt schreibt:

    Es gibt Bundesbürger die haben Corona längstens als Klassenkampf begriffen. Die Witt gehört nicht zu denen. die hat offensichtlich bis heute nicht verstanden, was 1989 mit der DDR passiert ist.

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