Faschismus on der BRD: Wiener Gestapochef und SS-General Franz Josef Huber diente zwölf Jahre lang dem BND

HuberAls Eichmann hingerichtet wurde, war einer seiner wichtigsten Komplizen, der SS-Brigadeführer Franz Josef Huber, noch im Dienst des BND tätig. Huber ließ Zehntausende österreichische Juden in Konzentrationslager deportieren. Nach Kriegsende diente er erst dem CIA, dann dem BND – im Kampf gegen die UdSSR. Auf der Wannsee-Konferenz 1942 führte Adolf Eichmann Protokoll über die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“. Eichmann floh nach dem Ende des zweiten Weltkriegs nach Argentinien, wo er unter umstrittenen Umständen aufgespürt und 1960 von Mossad-Agenten nach Israel entführt wurde. Dort machte man ihm seit dem 11. April 1961 der Prozeß. Eichmann wurde vom Jerusalemer Bezirksgericht zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1962 hingerichtet. Der faschistische Massenmörder Huber lebte bis zu seinem Tode 1975 unbehelligt und mit einer Rente in der BRD, in München.

Ein Komplize Eichmanns als wichtiger BRD-Beamter

Huber wurde 1938 gemeinsam mit Eichmann nach dem „Anschluß“ Österreichs nach Wien abkommandiert und fungierte dort als Gestapo-Chef. Er leitete die von Eichmann aufgebaute Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und schickte Zehntausende in die Konzentrationslager. Einer seiner Befehle lautete „unerwünschte Juden sofort zu verhaften und ins Konzentrationslager Dachau zu überführen“. Trotz eines Haftbefehls aus Österreich wurde Huber nach dem Zweiten Weltkrieg nie von Deutschland ausgeliefert. Er arbeitete erst für die CIA und dann zwölf Jahre für den Bundesnachrichtendienst (BND) bis zu seinem Rentenalter. Huber starb 1975, ohne sich je für seine Verbrechen verantworten zu müssen.

In der BRD wurden Massenmörder geschützt

Die Rolle von Huber in der Massendeportation von österreichischen Juden ist schon länger bekannt. Neu sind die Rechercheergebnisse beim Report München, einem ARD-Politmagazin, über Hubers Arbeit für den BND. Dafür wertete der Report München Hunderte Seiten bisher unbekannter Unterlagen aus dem BND-Archiv aus. Die vom BND deklassifizierten Unterlagen zeigen, dass Huber dem BND bzw. dessen Vorläuferorganisation von 1955 bis 1967 zu Diensten war.

SS-Massenmörder für USA-Geheimdienst „sehr nützlich“

Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges bot sich Huber, der von US-Soldaten festgenommen wurde, dem USA-Geheimdienst CIA an. Die New York Times, die Unterlagen vom Report München erhielt, berichtet mit Verweis auf CIA-Unterlagen, dass der US-Geheimdienst vor allem an Hubers Netzwerk aus Kriegstagen interessiert gewesen sei, um Agenten in der Sowjetunion zu rekrutieren. Ein CIA-Bericht von 1953 besagt:

„Obwohl wir uns der Gefahren bewußt sind, mit einem Gestapo-General zu spielen, glauben wir auf Basis uns vorliegender Informationen, daß Huber für unsere Organisation sehr nützlich sein kann.“

Seine Verbrechen waren in der BRD genau bekannt

1955 wurde Huber von der Organisation Gehlen, der Vorgängerorganisation des BND, angeworben, trotz genauer Kenntnisse seiner faschistischen Vergangenheit. Ein interner Bericht des BND vom 13. Januar 1964 stellt fest, Huber sei „insbesondere verantwortlich für die Unrechtsmaßnahmen, die im Bereich seiner Dienststellen aus rassischen oder anderen Gründen getroffen wurden“.

Warum verhinderten USA und BRD die Auslieferung?

Trotz eines Haftbefehles aus Österreich und mehrerer Versuche von Anwälten von Nazi-Opfern verhinderten CIA und BND eine Strafverfolgung Hubers. Belastendes Material wurde entfernt. Seine Rolle für die Geheimdienste war offenbar zu wichtig. Auf Anfrage vom Report München sagte der BND-Chefhistoriker Bodo Hechelhammer:

„Der Hintergrund ist natürlich, daß man zu dieser Zeit im aufkommenden Kalten Krieg natürlich vor allem Dingen stramme Antikommunisten gesucht hat und die hat man leider allzu oft auch in früheren Nationalsozialisten gesucht und gefunden.“

Die BRD-Regierung belog die Weltöffentlichkeit

Der BND täuschte vor, daß Huber nach seiner „Entnazifizierung“ in seiner Heimatstadt München lediglich als „kleiner Angestellter“ offiziell gearbeitet habe, während er tatsächlich für den BND tätig war. Im Jahr 1964 befürchtete der BND, Details über Hubers Vergangenheit könnten publik werden. Da Huber sich aber loyal gegenüber dem BND gezeigt hatte, wurde auf eine Entlassung verzichtet und Huber in einen bezahlten Vorruhestand geschickt, bis er 1967 in Rente ging. Bis zu seinem Tod 1975 konnte Huber unbehelligt unter seinem wirklichen Namen in München leben.

Was sagten israelische Wissenschaftler dazu?

Professor Shlomo Shpiro von der Bar-Ilan-University in Israel ist erschüttert über das unbehelligte Leben, das Huber führen durfte:

Ein ehemaliger SS-General kann bis zu seinem Tod 1975 unbehelligt leben, diente jahrelang nach dem Krieg dem #BND. Es ist ein Komplize von Adolf Eichmann. Die Recherchen von @stefanmeining / @reportmuenchen sorgen für Empörung. https://t.co/RS6CRTXUfQ#eichmannskomplizepic.twitter.com/LNVIsGfP6N

Fanatischer Antikommunismus als Hauptmotiv

Shpiro erklärte in der New York Times, Österreich sei damals „eine Hauptfrontlinie des Kalten Krieges“ gewesen. Die westlichen Geheimdienste „konkurrierten untereinander“, um „vertrauenswürdige antikommunistische Kontakte zu rekrutieren“. Der Historiker Stefan Meining, der an der Dokumentation über Franz Josef Huber mitwirkte, resümiert:

„Der BND hat viele Nazis rekrutiert, aber kaum jemand hatte eine derartig herausragende Position. Sie wußten genau, daß Huber kein kleiner Gestapo-Mörder war, sondern ein SS-General, der sich in den innersten Kreisen des Nazi-Terrorapparates bewegte und für den Tod Zehntausender Juden und Regimegegner verantwortlich war.“

Quelle: RT Deutsch

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Geschichte, Verbrechen des Kapitalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Faschismus on der BRD: Wiener Gestapochef und SS-General Franz Josef Huber diente zwölf Jahre lang dem BND

  1. gunst01 schreibt:

    Huber organisierte in Wien auch die Auswanderung der Juden nach Palästina.Alle. die hier mitgeholfen hatten musste später natürlich belohnt werden.

    • sascha313 schreibt:

      ??? Woher kommt das? Quelle?

      • gunst01 schreibt:

        Über das Haʿavara-Abkommen, das Palästinaamt mit einer zentralen Außenstelle in Wien gibt es zahlreiche Bücher. Eines von Edwin Black behandelt auch die einträglichen Geschäfte zwischen 3. Reich und der zionistischen Bewegung. Ohne dieses Abkommen und der repressiven Politik wäre nämlich der Zustrom an Neusiedlern recht dürftig ausgefallen..Interessante Literatur gibt es auch zur Reichskristallnacht, dem Stocken Migration nach Palästina und der drohenden Insolvenz des 3. Reiches.
        Wie immer in der Geschichte, ist eben alles eine Frage des Geldes.

    • Erfurt schreibt:

      Ja natürlich! Als in Deutschland 1938 die Synagogen brannten und die jüdischen Kaufhäuser von der SA besetzt wurden, hatten sich deren Besitzer längst nach Palästina abgesetzt! Danke für die Info, das passt hervorragend!

      MFG

    • Armin Hoffmann schreibt:

      sachlich bleiben !
      „Im Wesentlichen diente die Einrichtung der Zentralstelle aber nicht der Erleichterung der Auswanderung für die Betroffenen. Vielmehr sollte sie es dem NS-Apparat erleichtern, seine jüdischen Opfer besser auszuplündern, indem man sämtliche Behörden unter einem gemeinsamen Dach versammelte und damit einen gigantischen Beraubungsvorgang effizient koordinieren konnte.“

      Quelle: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Zentralstelle_f%C3%BCr_j%C3%BCdische_Auswanderung

      … die Behauptung „musste später natürlich belohnt werden“ ist schon ziemlich dreist !

      • Erfurt schreibt:

        Die Besetzung Palästinas und die Gründung des Staates Israel wurde von den deutschen Faschisten seit Ende des 1. Weltkrieges und später auch von Hitlerdeutschland unterstützt. Insbesondere die Gründung der späteren Hauptstadt Tel-Aviv unweit der palästinensischen Stadt Jaffar wurde von der hitlernahen Bauhausgruppe und deren Architekten vorangetrieben und auch mit deren Stiftungsgeldern finanziert. Des Weiteren mit den Mitteln des Dawesplan der USA mit dem auch das ganze Naziregime vorfinanziert wurde.

        MFG

      • gunst01 schreibt:

        Für dreiste Belohnungen gibt es noch eine ganze Reihe anderer Beispiele.
        So entstand die Atombombe Israels mit einem Kredit, den ein einstiger Hauptfeind tatkräftig in die Wege leitete. Geschichte ist eben nichts für eine Scheuklappenbetrachtung

  2. Weber Johann schreibt:

    „Trotz eines Haftbefehls aus Österreich wurde Huber nach dem Zweiten Weltkrieg nie von Deutschland ausgeliefert.“

    Entnommen aus der „Wiener Zeitung“ vom 25.1.1949

    „Auslieferungsantrag Huber urgiert

    Die Tagespresse hat sich in der letzten Zeit wiederholt mit der Angelegenheit des ehemaligen Gestapoleiters in Wien Franz Josef Huber im Zusammenhang ‚damit befaßt, daß dieser von einem deutschen Entnazifizierungsgericht als Minderbelasteter eingestuft und nur mit einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr und 500 RM Geldstrafe bestraft wurde. Es wurde auch den österreichischen Justizbehörden zum Vorwurf gemacht, daß diese die Auslieferung des Genannten wegen der in Österreich begangenen Verbrechen nicht mit genügendem Nachdruck betrieben hätten.

    Dazu ist folgendes zu bemerken:

    Das Bundesministerium für Justiz hat bereits mit Note vom 4. Dezember 1947 unter Anschluß einer Abschrift eines Haftbefehls des Landesgerichtes für Strafsachen Wien die zuständige amerikanische Besatzungsbehörde in Deutschland um die Auslieferung des Franz| Josef Huber ersucht. Dieses Ersuchen wurde zunächst aus formellen Gründen bemängelt, und nach deren Behebung am 16. Jänner 1948 vom Bundesministerium für Justiz wiederholt.
    Eine Entscheidung über dieses Ersuchen seitens der amerikanischen Besatzungsbehörden ist dem Bundesministerium für Justiz bisher nicht zugekommen. Es wurde lediglich auf ein neuerliches Ersuchen um Mitteilung des Standes der Angelegenheit vom 12. August 1948 am 1. September 1948 bekanntgegeben, das Bundesministerium für Justiz werde seinerzeit von der Entscheidung der amerikanischen Besatzungsbehörden in Kenntnis gesetzt werden.
    Da inzwischen in dem beim Landesgericht für Strafsachen Wien anhängigen Strafverfahren weiteres schweres Belastungsmaterial hervorgekommen ist, hat das Bundesministerium für Justiz vor kurzem sein Ersuchen dem Headquarter der amerikanischen Streitkräfte in Wien neuerlich in Erinnerung gebracht.“

    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19490125&seite=1&zoom=33&query=„Franz%2BJosef%2BHuber“&ref=anno-search

  3. Ric schreibt:

    Es kann doch nicht sein zumindest ist es sehr unglaubwürdig dass der Mossad nichts davon wußte. Doch es ging gegen die Sowjetunion da wurden anscheinend die Augen zugedrückt.

  4. Armin Hoffmann schreibt:

    Leider werden in einigen Kommentaren Behauptungen kundgetan, die ein recht krudes Weltbild der Verfasser vermuten lassen. Verallgemeinerungen sowie Unkenntnis geschichtlicher Zusammenhänge haben in Deutschland schon oft zu furchtbaren Ereignissen geführt. Daher muß in diesem Forum, gerade in diesem, Sorgfalt und Zurückhaltung geübt werden. Beides kann ich hier nicht ausmachen – ich schlage daher vor, daß alle hier veröffentlichten Kommentare gelöscht werden.

  5. Erfurt schreibt:

    Als Ergänzung: Die Aussiedelung von Menschen ist nur eine andere Form von Kapitalexport. Mit der Potsdamer Konferenz und deren Beschlüssen wurde ja festgelegt, diese Umsiedelungen rückgängig zu machen und dem haben auch die westlichen Alliierten zugestimmt. Bekanntlich haben die sich aber nicht daran gehalten und betreiben über den Bund der Vertriebenen eine Hetzpropagande welche die Tatsachen völlig verdreht.

    Danke Sascha!

    • Armin Hoffmann schreibt:

      @Erfurt >>> Bitte Quellen nennen !
      Niemand hier wird diese Dokumente wie einen Taschenkatechismus des Bundes der Vertriebenen ständig in seiner Jacket- oder Handtasche mit sich führen. Ein Mindestmaß an entgegenkommender Sachlichkeit sollte usus sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s