Die DDR – ohne Kommentar!

Der schwarze Kanal von und mit Karl-Eduard von Schnitzler. Er wurde am 11.9.1989, also mitten in der Zeit, als der Umsturz bereits volle Fahrt aufgenommen hatte. Es gab schon Menschen in der DDR die Klartext gesprochen hatten. Nur denen wurde nicht zugehört. Und wie recht doch von Schnitzler hatte. Beachten Sie die Worte von Rühe, so ab Minute 17. Dieser Rühe konnte diese Worte schon im September 1989 sagen.
(Danke an J.W.)

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19 Antworten zu Die DDR – ohne Kommentar!

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Das war klar. Soviel Klartext verträgt der westdeutsche Normalbürger nicht – das konnte ja nur Hetze sein! Ich erinnere mich an den September 89. Zu diesem Zeitpunkt – wer glaubte daran, dass uns die BRD schlucken würde wie Pudding? Uns, ihre „Schwestern und Brüder“? Noch waren wir DDR-Bürger, wir waren aufgewühlt von den Vorgängen in der Sowjetunion und in unserer kleinen DDR. Aber was dann geschah, das ahnten wir nicht, wir konnten uns das nicht vorstellen. Und dabei lagen die Planungen schon jahrelang auf dem Tisch. Karl-Eduard von Schnitzler, er hatte nie gelogen, er hatte denen am Westruder einfach nur zuviel Wahrheit gesagt. Mit jeder neuen Sendung hatte er ihnen den Spiegel vorgehalten. Und dieser Staat, dieser Staat der Revanchisten, der Welteroberer im demokratischen Mäntelchen, hielt sich für befugt, auch über uns, uns DDR-Bürger, zu bestimmen! Die DDR war ihnen ein Staat, der ihnen Angst machte, er musste weg, Deutschland sollte wieder ein Großdeutschland werden. Im September 89 konnte sich selbst Schnitzler noch nicht vorstellen, was dann geschehen würde, dass uns die Sowjetunion, der wir die DDR verdankt haben, an den Westen ausliefern würde. Sonst hätte dieser Schwarze Kanal im September 89 ein anderes Thema gehabt. Da krampft sich was bei mir zusammen. Welche Reformen meinte Rühe? Reformen, um die DDR zu beseitigen? So, wie sich die Sowjetunion mit „Reformen“ beseitigt hat?

    • roprin schreibt:

      Danke für die Worte. Sich mit über 80 Jahren diesen Medien noch auszuliefern zeugt von Charakterstärke. Mit welcher Wut Karl Eduard dort überschüttet wurde grenzt an Körperverletzung. Es wühlt mich jedesmal so sehr auf. Mein Opa wurde 1900 geboren. Er nahm teil am Kieler Matrosenaufstand 1919. Nach 1945 half er tatkräftig mit, die DDR aufzubauen. Zum Glück hat er nicht erleben müssen, wie seine und unsere Heimat weggeworfen wurde.

  2. Brigitte Dornheim schreibt:

    Danke Sascha auch für diesen Beitrag!
    Und danke Dir, Hanna für Deine Einschätzung!
    Ich schäme mich noch heute, wenn ich daran denke, dass auch ich dem Klassenfeind auf den Leim ging, indem ich manchmal dachte: „Na, Genosse Karl-Eduard, übertreibt Du nicht?“
    Eines habe ich aber nicht gemacht, diesen Genossen mit dem beleidigenden Namen Sudel-Ede bezeichnet.
    Aus heutiger Sicht:
    Er hatte Recht, Recht und nochmals Recht!
    Lernen wir daraus, dann erfüllen wir sein Vermächtnis.
    Übrigens, seine Tochter Barbara beschreibt ihn als einen sehr sympathischen Menschen.

  3. Harry56 schreibt:

    Seltsam, wie aktuell dieser Beitrag von KLED aus dem Jahre 1989 noch heute ist. Man ändere ein wenig die Zeit- und Ortsangaben, und KLED könnte diesen Beitrag fast Wort für Wort wiederholen.
    Aber warum ist das so? Nun, er kannte eben den Imperialismus von Kindesbeinen an, die Denkweise der „Eliten“, kam ja aus dieser „feinen Gesellschaft“..
    In seinen autobiografischen Berichten, so wie „Meine Schlösser“, findet man den Schlüssel zu seinen Erkenntnissen, Einsichten, seiner späteren konsequenten Haltung.
    Und daran hat sich bis heute nichts geändert, das angebliche „Fossil“ mit seiner angeblichen „Hetze“ gegen den ach so menschenfreundlichen (NATO) – „Westen“, es liegt noch immer in vielen Punkten richtig. 🙂

    In diesen Sinne beste soz. Grüße an alle Fans von KLED!

  4. Weber Johann schreibt:

    28.8.1989 – Unmenschliche Inszenierung.

    Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sind Schnitzlers Worte nicht in die Wohnzimmer der DDR-Bürger vorgedrungen?

    Je mehr solcher „Schwarzen Kanäle“ ich mir ansehe, um so mehr forsche ich danach, warum soll es Millionen von Leuten in der DDR gegeben haben, die diesen Mann mit den Worten „Sudel-Edi“ diffamierten. Wahrscheinlich wird ein Wessi nie diese Frage beantworten können.

    • Andi67 schreibt:

      @Weber Johann:

      „Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sind Schnitzlers Worte nicht in die Wohnzimmer der DDR-Bürger vorgedrungen?“

      – doch sind sind, nur wollte es niemand hören und das hat Gründe.

      – einer der Gründe war, das er Themen zu aggressiv besprach. Die wenigsten DDR Bürger konnten dem folgen, weil ihre Erfahrungen (in der DDR selber) ganz andere waren: stell dir vor jemand erzählt dir dauernd irgendwas von Afrika und der ungerechtigkeit dort und das auch noch in einem aggressiven Ton nach Feierabend.

      Wenn man in der DDR lebte hatte man ganz andere Probleme als das was dort geschildert wurde.

      – ungerecht (und scheinheilig) wurde auch gefunden, das Karl Eduart in den Westen reisen durfte und der DDR Bürger normalerweise nicht.
      – Die Eingangsmusik war grässlich, ehrlich gesagt, wurde da schon abgestellt.

      • sascha313 schreibt:

        …ich halte das für billige, antikommunistische Polemik – außerdem ist das nicht verallgemeinerbar!

      • Weber Johann schreibt:

        Dazu kann ich, ein Wessi, nicht widersprechen, sondern nur dazulernen. Auf jeden Fall wird mir klarer, dass die Wurzel der Konterrevolution schon im wachsen waren.

      • jauhuchanam राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו schreibt:

        „Die wenigsten DDR Bürger konnten dem folgen,
        … weil sie zu dumm waren, oder was?

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Andi, du schreibst, Schnitzler sei aggressiv in seiner Argumentation gewesen. Das ist eine Anschauung, die man hatte, wenn man von den Westsendern beeinflusst war.
        Es war doch verständlich, dass Schnitzler nicht im Plauderton über die Kriegsvorbereitungen, über die Ausbeutung der Werktätigen und den Zustand der westlichen Welt insgesamt sprechen konnte. Natürlich, man merkte seiner Diktion an, dass er empört war. Und er hat immer Original-Beiträge des Westfernsehens für seine Argumentation benutzt. Aber der Schwarze Kanal war in der Hauptsache an die westlichen Zuschauer gerichtet, die in genau diesen Zuständen lebten. Klar, er sollte natürlich auch in die DDR-Köpfe wirken. Aber wie wir wissen, die Werbung für „Haribo macht Kinder froh“ hatte mehr Zugkraft bei ihnen als die Erklärung der Welt, in der wir lebten. Der Westen verstand eben etwas mehr von Infiltration als die gerade, aufrechte DDR. Oder hätten wir dieselben verlogenen Mittel benutzen sollen, um die Menschheitsidee des Sozialismus zu verbreiten?

  5. Weber Johann schreibt:

    Für einen Wessi sind nicht nur die Sendungen des „schwarzen Kanals“ wichtige Zeitdokumente unserer gemeinsamen deutschen Geschichte, aus Bücher aus der DDR.

    Hier ein Beispiel:

    Entnommen aus dem Taschenbuch „Fragen an die Geschichte der DDR“ Verlag Junge Welt Berlin 1988

    Wie gelang es, die diplomatische Blockade gegen die DDR zu durchbrechen?

    Die Deutsche Demokratische Republik war erst wenige Tage alt, als eine TASS-Meldung aufmerken ließ. Die Regierung der UdSSR hatte am 15. Oktober 1949 beschlossen, „diplomatische Missionen mit der Provisorischen Regierung der Deutschen Demokratischen Republik auszutauschen“. Sie ernannte G.M. Puschkin zum Chef ihrer Mission in der DDR. ….

    In den fünfziger Jahren machte die weitere internationale Anerkennung der Deutschen Demokratischen Republik jedoch nur noch zaghafte Fortschritte. Gewiß, die schwer überschaubare Entwicklung der ohnehin komplizierten deutschen Frage ließ manche Regierung zunächst zögern. Der kalte Krieg, der das internationale Klima vergiftete, tat sein übriges. Die eigentliche Ursache aber war der massive Druck, den die imperialistischen Hauptmächte und die BRD auf andere Staaten ausübten. Gegen die Arbeiter-und-Bauern-Macht auf deutschem Boden wurde in einer konzertierten Aktion eine regelrechte diplomatische Blockade verhängt. Die DDR war diesen Kräften ein Dorn im Auge. Sie sollte so weit wie möglich isoliert und vom internationalen Geschehen ferngehalten werden, um dadurch leichter annektiert werden zu können. … Die BRD maßte sich ein Alleinvertretungsrecht an. Einzig die Bundesrepublik Deutschland und ihre Regierung, so wurde behauptet, seien rechtmäßig und deshalb auch nur allein befugt, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen und zu handeln. Als angeblicher Rechtsnachfolger des ehemaligen Deutschen Reiches sprachen sie der DDR jede Existenzberechtigung ab. Die DDR wurde als „Gebilde“, als „Zone“, bestenfalls als „sogenannte DDR“ diffamiert. Die Gänsefüßchen zur Staatsbezeichnung der DDR waren bis Anfang der 70er Jahre im offiziellen Sprachgebrauch der BRD obligatorisch und sind noch heute in Springer-Zeitungen üblich. Konrad Adenauer legte den Grundstein zur Alleinvertretungsdoktrin bereits am 20. September 1949 in seiner Regierungserklärung, als er die BRD zum eigentlichen „deutschen Kernstaat“ erhob und Ansprüche auf abgetrennte Gebiete anmeldete.
    Diese Alleinvertretungsanmaßung wurde am 11.Oktober 1949 von den Westmächten unterstützt. Antikommunistische Kräfte aller Schattierungen folgten dieser Lesart nur zu gern. ….
    Eine weitere Zuspitzung erfuhr die Alleinvertretungsanmaßung mit der „Hallstein-Doktrin“.
    Die „Hallstein-Doktrin“ denunzierte — wie es im Bonner Amtsdeutsch hieß — „die Intensivierung der Beziehungen mit Pankow (gemeint ist die DDR, der Verf.) …. als eine unfreundliche Handlung“.
    Dafür wurden Sanktionen angedroht. Staaten, die die DDR anerkannten, sollten aus den diplomatischen Beziehungen mit der BRD ausgeschlossen bleiben oder mit dem Abbruch bestehender Kontakte „bestraft“ werden. …..
    So wurden jahrelang Ausweise und Pässe der DDR in ihrem Einflußbereich nicht anerkannt. Reisende aus der DDR mußten sich an das Travel-Office in Westberlin wenden, das in eigener Machtbefugnis Ersatzpapiere ausstellte — oder eben auch verweigerte. ….
    Die Alleinvertretungsanmaßung zeigte nicht selten Auswüchse, die zur Karikatur gerieten. So war es in der Bundesrepublik verboten, die Fahne der DDR öffentlich zu zeigen oder ihre Hymne zu spielen.
    Wollten sich die Sportler der DDR nicht diskriminieren lassen, mußten sie also den Wettkämpfen in der BRD fernbleiben. Viele internationale Sportverbände zogen es deshalb bald vor, bestimmte Ausscheide nicht mehr an die BRD zu vergeben. …

    Die Kampfwoche für die Anerkennung der DDR im Mai 1970 beispielsweise war von Aktionen in 50 Ländern begleitet. Nicht wenig hatten die Diplomaten im Trainingsanzug — die Sportler der DDR – und die Botschafter im Blauhemd – die FDJ-Brigaden im Ausland – dazu beigetragen, das internationale Ansehen ihres Staates zu stärken. Wer DDR-Sportler erlebte und ihre Siege, wer auf die Jugendlichen im Blauhemd traf, konnte schwerlich begreifen, daß sie aus einem Staat kamen, der nach BRD-Diktion eigentlich gar nicht existieren sollte. ….

    Der Versuch der BRD, in den sechziger Jahren ihre Beziehungen zu den sozialistischen Ländern unter Umgehung der DDR zu normalisieren, scheiterte. Die koordinierte Außenpolitik der Staaten des Warschauer Vertrages ließ nicht zu, Entspannung an der DDR vorbei zu organisieren. ….“

    Ein Wessi siniert, ob sich dieses gesamtdeutsche Wissen heute noch in den Geschichtsbüchern im Osten wiederfindet? Es ist doch Teil der 40-jährigen DDR-Geschichte.

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Johann, danke für die Auffrischung. Natürlich, meine Generation wusste diese Zusammenhänge, auf die eine oder andere Weise. Ich zum Beispiel weiß noch, dass, wenn das Theater, bei dem ich arbeitete, auf Gastspielreise in ein westliches Land fahren wollte, eine Großaktion gestartet werden musste für die Herbeischaffung aller Papiere aller Mitreisenden für den Travel Board, und das waren ja nicht nur die Schauspieler, sondern das halbe Theater. Erlebt habe ich es nicht, dass das Travel Board eine Reise nicht genehmigt hätte, aber sie haben uns mehrere Anläufe zugemutet, bis alle Papiere beisammen waren. Sie haben uns immer lange im Unklaren gelassen, ob sie die Tournee in ein westliches Land gestatten. Bis zur Entscheidung des Travel Board mussten wir also damit rechnen, dass unsere aufwendigen Tournee-Vorbereitungen umsonst waren. Die Zusage kriegten wir dann immer auf den allerletzten Drücker.

    Und nun fragst du, ob dieses „gesamtdeutsche Wissen“ (ich glaube nicht an gesamtdeutsches Wissen, Johann) sich heute noch in den Geschichtsbüchern wiederfindet? Und du denkst, der Osten hätte seine Extra-Geschichtsbücher? Ich verstehe da deine Frage nicht, du weißt doch, was heutzutage in den Geschichtsbüchern steht – oder nicht? Sieh mal, selbst DDR-Historiker entdecken plötzlich, dass sie sich ihr Lebenlang geirrt haben und deshalb die DDR-Geschichte neu erfinden müssen. Es heißen eben nicht alle Kurt Gossweiler..

    • Johann Weber schreibt:

      Jahrzehnte lang hörte ich in meinem westlichen Bundesland „die in der Ostzone dürfen nicht reisen, sie sind eingesperrt usw.“
      Erst vor 5 Jahren half mir das Internet zu der Erkenntnis zu kommen, „und die, die in den Westen reisen wollten, die wurden nicht hereingelassen“.
      Stellvertretend für hunderte von solchen Zeitungsmeldungen, hier einige Beispiele:

      „Berliner Zeitung“ 11.6.1963
      „Faule NATO
      In Westberlin-Schöneberg, Elßholzstraße, existiert eine makabre Einrichtung: das „Allied Travel Office“ (Alliiertes Reiseamt). Reiseamt? Seit Jahr und Tag operiert diese „alliierte* Dienststelle als Reise-Abwehr-Amt! Dann nämlich, wenn es um die Reise von DDR-Wissenschaftlern, -Sportlern oder -Kommunalpolitikern in NATO-Staaten geht. Beim Travel Office gibt es in diesen Fällen – nur einen Stempel — „No“!

      „Neues Deutschland“ vom 30.10.1966

      „Außenminister Lyng gegen „Travel Office“ .
      Oslo (ADN). Der norwegische Außenminister John Lyng hat am Freitag vor dem Parlament in Oslo gegen die Praktiken des „Alllied Travel Office“ in Westberlin Stellung genommen. Lyng erwähnte besonders die Visaverweigerung für Journalisten aus der DDR zu den Skiweltmeisterschaften in Oslo durch das sogenannte Travel Office. Er teilte mit, daß auf norwegische Initiative „eine Liberalisierung der Reiserestriktionen zwischen den osteuropäischen Ländern und Norwegen erfolgt ist und eine weitere Lockerung erwartet werden kann“.“

      „Neues Deutschland“ 14.9.1963

      „Travel Office ist Störenfried
      Kritik der „Neuen Zürcher Zeitung“
      Zürich (ADN/ND). Mit der zweifelhaften Rolle der alliierten Reisebehörde in Westberlin, dem sogenannten Allied Travel Office, beschäftigte sich am Freitag die „Neue Zürcher Zeitung“: Angesichts der Tatsache, daß dem Berliner Ensemble die Einreise nach Großbritannien zur Teilnahme an den Edinburgher Festspielen verweigert wurde, verweist die Zeitung auf die Notwendigkeit,“ „die Praxis des Allied Travel Office zu liberalisieren“. Sie macht auf die andauernden diskriminierenden Einschränkungen des Reiseverkehrs durch diese Behörde der Westmächte und die mehrfachen Proteste der Regierung der DDR aufmerksam und erinnert an die Feststellung Walter Ulbrichts, daß das Alliierte Reisebüro einen Überrest aus dem zweiten Weltkrieg darstellt, „den es zu beseitigen gelte“.

      „Neues Deutschland“ 16.7.1964
      „Gegen Travel Office“
      Florenz (ND/ADN). Die Beseitigung des Alliierten Travel Office in Westberlin haben die Fraktionen des Florentiner Stadtrates mit Ausnahme der sozialdemokratischen gefordert. In einer Debatte am letzten Wochenende stellten sie sich hinter Bürgermeister La Pira, den Organisator des Ost-West-Rundtischgespräches, der die römische Einreiseverweigerung für die Konferenzteilnehmer aus der DDR nachdrücklich verurteilte. Die Haltung des sozialdemokratischen Parteiführers und Außenministers Saragat sei verständigungsfeindlich.“

      „Berliner Zeitung“ 26.8.1964
      „Neue Schikane des „Travel Office“
      Berlin (ADN/BZ). In unverschämter Art hat sich das widerrechtlich in Westberlin ansäsige NATO-Reisebüro erneut in die Belange des internationalen Sports eingemischt.
      Die Aushändigung der Reisepapiere für die DDR-Sportler zu den Radweltmeisterschaften Anfang September in Frankreich machte das „Travel Office“ von anmaßenden Bedingungen abhängig, mit denen es zum wiederholten Male den Start von DDR-Radsportlern bei Weltmeisterschaften verhinderte. Der Deutsche Radsportverband der DDR hat dagegen energisch protestiert.“

      Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ 10.3.1964
      „Travel Office“ stört Sport

      Berlin (ADN). Das widerrechtliche „Travel Office“ der Besatzer in Westberlin versucht das Olympia Qaulifikationsepiel im Fußball zwischen Holland und der DDR, das am Sonnabend in Den Haag stattfinden soll, zu stören, Am Montagnachmittag verweigerte es dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Verbandes, Helmut Riedel, weiteren Offiziellen des DFV und Journalisten die Aushändigung der Reisepapiere. In ihren „Fällen“ sei noch keine Entscheidung getroffen, teilte das „Reisebüro“ in hinhaltender Form mit. Die: Mannschaft soll am Donnerstag die Reise nach Holland antreten.“
      „Neues Deutschland“ 5.6.1965
      „Travel Office störte
      „Berlin (ADN). Der Intendantin des Berliner Theaters.der Freundschaft, Ilse Rodenberg, ist die Einreise durch das alliierte Travel Office nach Frankreich verweigert worden. Ilse, Rodenberg wollte an der am Freitag beginnenden Zusammenkunft des vorbereitenden Komitees der internationalen Vereinigung der Kinder- und Jugendtheater in Paris teilnehmen, dessen ordentliches Mitglied Sie ist. Außerdem hatte die Intendantin eine Einladung des Präsidenten der Vereinigung der Freunde des Kinder- und Jugendtheaters, Leon Chancerel, zum II. Internationalen Kongreß der Kinder- und Jugendtheater vom 5. bis 9, Juni in-Paris erhalten.“

      „Neues Deutschland“ 8.4.1970
      „System der Diskriminierung lediglich dezentralisiert

      Prag (ADN-Korr./ND). Unter der Überschrift „Manöver mit dem Travel Office“ beschäftigt sich „Rude Pravo“ mit der vorläufigen Suspendierung der Tätigkeit das Alliierten Travel Office in Westberlin.
      Die Zeitung betont: „An die Stelle des Travel Office sind jetzt die einzelnen NATO-Staaten getreten, die den Bürgern Dokumente ausstellen, freilich nicht Visa für die rechtsgültigen Pässe der DDR, sondern wieder nur besondere Papiere, das heißt, daß das System der Diskriminierung der DDR jetzt lediglich dezentralisiert ist.“

      Kopenhagen (ADN-Korr.). Die dänische Zeitung „Land og Folk“ hebt hervor, daß „DDR-Bürger auch weiterhin ihre Einreisevisa nach Dänemark in der dänischen Militärmission in Westberlin abholen müssen. Um eine Normalisierung im Reiseverkehr herbeizuführen, sei es aber notwendig, gegenseitig Vertretungen mit konsularischen Rechten einzurichten.“

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Ich weiß nicht, wie es für die Rentner war, wenn sie in den Westen reisen wollten, ob die dann auch die Genehmigung der NATO brauchten? Ich nehme stark an, da die Rentner ja mit offenen Armen im Westen empfangen wurden, dass für sie die Einreise problemloser klappte. Weißt du was darüber, Johann?

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Aus gegebenem Anlass:

    Große Anfrage

    Ich wollte, ich könnte ein Gedicht
    schreiben, das so beginnt: Es ist Frieden.
    Angesichts des Unfriedens in der Welt –
    darf ich dieses Gedicht schreiben?
    Wäre es nicht eine Lüge?

    Wissend, dass groß der Wunsch
    der Völker nach Frieden, groß das Erinnern
    vergangener entsetzlicher Kriege –
    wie dürfte ich dieses Gedicht
    ungeschrieben lassen?

    Wissend, mein Gedicht verhindert
    ihre Kriege nicht, die sie anzetteln, die sie
    proben, mit ihren Panzern, ihren Drohnen,
    ihren Manövern an Grenzen,
    die ihre nicht berühren?

    Und dieser Mai.
    Jener neunte Mai soll vergessen sein,
    bedeuten sie uns, bekannt auch sei
    die Aggressivität jenes Staates, dessen Namen
    sie täglich über die Welt ausspucken.

    Unversehens wieder der heiße Wunsch,
    das Gedicht zu schreiben, eines,
    das sie nicht mal ihren Vasallen erlauben.
    Wann? Wann darf ich schreiben:
    Es ist Frieden.

    7.5.21

  8. Rolf schreibt:

    Danke Hanna!

  9. Weber Johann schreibt:

    Hanna Fleiß, diese Schikanen hat auch die Rentner betroffen. Dieses „Allied Travel Office (ATO)“ wurde im März 1970 aufgelöst. Hier noch einige Hintergrundinfo:

    „Berliner Zeitung“ 24.3.1970

    Das ATO gehört längst auf den Müllhaufen
    „ …. Dieses Amt verdankt bekanntlich seine Existenz dem kalten Krieg. Es war 1952 von den drei Westmächten und der Adenauer-Regierung geschaffen worden mit dem Ziel, Bürger der DDR und ihren Staat zu diskriminieren und zu bevormunden. Das ATO wurde der Juristische und moralische Vorreiter der bis heute nicht aufgegebenen Absicht der Imperialisten, sich die DDR einzuverleiben und sich schon vorher völkerrechtswidrig irgendwelche Rechte über ihre Bürger anzumaßen.

    Dem „Berlin-ABC“ zufolge (1969 im Auftrag des Senats erschienen) stellt das ATO vorläufige Reisedokumente, d. h. „Temporary Travel Documents — TTD für Bewohner der SBZ und des sowjetisch besetzten Sektors von Berlin (!) aus. Das TTD dient als Reisedokument für Reisen In oder durch Länder, die den DDR-Paß nicht als gültiges Reisedokument anerkennen.“

    Genauer gesagt: es auf Verlangen der Bundesrepublik nicht anerkennen. Gemeint sind hier die NATO-Staaten, aus denen man in letzter Zeit immer häufiger Proteste gegen das widerrechtliche Treiben des Amtes hört. Man fragt sich auch dort, was es eigentlich Dritte angeht, wenn Reisen von einem souveränen Land zu einem anderen stattfinden. …. „

    Und so sah ein Genehmigungsverfahren aus.

    Entnommen aus dem Taschenbuch „Westreisen“ Werner Paulsen, Verlag wiljo Heinen, Berlin 2011:

    „In einem Brief des ATO vom 21. April 1966 an den Präsidenten der Internationalen Föderation für Spannbeton wurden folgende Bedingungen für die Aushändigung eines TTD an Bürger der DDR formuliert:

    »1. Nach den Regeln, die gegenwärtig in Kraft sind, erhalten die ostdeutschen Teilnehmer einen TTD:

    a.) wenn sie an der Versammlung als Mitglieder einer gesamtdeutschen Delegation teilnehmen,

    b.) oder wenn sie als reine Einzelpersonen an der Versammlung oder Konferenz teilnehmen,

    c.) oder wenn ihre Anträge klar bescheinigen, dass sie nicht die Absicht haben, als nationale Delegation, welche die Deutsche Demokratische Republik vertritt, nach Frankreich zu reisen.

    In jedem Fall wünschen die drei Mächte, die für das Reisebüro verantwortlich sind, sich zu versichern, dass die fragliche Konferenz durch die ostdeutschen Teilnehmer nicht zu politischen Zwecken benutzt wird.

    Die drei Mächte werden z.B. von den Organisatoren verlangen können, die Versicherung abzugeben, dass:
    – jeder ostdeutsche Teilnehmer einfach unter der Bezeichnung Deutschland sowie, wenn nötig, mit Angabe des Herkunftsortes, der Universität, des technischen Institutes usw. vorgestellt und genannt wird, — die nationalen Embleme und Fahnen der DDR nicht gezeigt werden;

    – die Bezeichnung »DDR« in dem offiziellen Konferenzverlauf und in den offiziellen Publikationen der Konferenz nicht verwendet wird.«……. „

    Besonders von diesen Schikanen waren die DDR-Sportler betroffen. Auch hier ein Beispiel.
    Helga Haase, sie gewann als erste Frau 1960 in Squaw Valley die erste Goldmedaille für die DDR.
    Ich zitiere aus dem Buch „Das große Lexikon der DDR-Sportler“ von Volker Kluge:

    „…. Nicht so bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley, als selbst ihrem Mann und Trainer vom US State Departement das Einreisevisum verweigert wurde. Dadurch war Helmut Haase gezwungen, seiner Frau, die ihre ansteigende Form am 13./14. Januar 1960 in Davos mit einem Mehrkampf-Weltrekord (204,634 P) nachgewiesen hatte, telefonisch Instruktionen für den Wettkampf zu geben. Mit Erfolg: Helga Haase gewann über 500 m die olympische Goldmedaille, der später auch noch Silber über 1000 m folgte. … „

    Hinweis: Es ist das Taschenbuch „Westreisen“ sehr zu empfehlen. Schon allein dieses Taschenbuch entlarvt diese sogenannten „DDR-Aufarbeiter“. Es zeigt welchen Gefahren die Menschen in der DDR ausgesetzt waren. Es scheint, dass von diesem Taschenbuch wenige im Umlauf sind.

  10. Armin Hoffmann schreibt:

    „Ehemalige DDR-Beschäftigte hoffen auf späte Anerkennung

    Zehntausenden Reichsbahnern, Postlern und anderen werden seit 30 Jahren Rentenansprüche aus Ostzeiten verweigert.

    Schwerin | Gerd Methling fühlt sich betrogen. Jahrelang hat der einstige Betriebsschlosser der Deutschen Reichsbahn zu DDR-Zeiten einen Teil seines Lohns abgezweigt und in ein Zusatzversorgungswerk eingezahlt. „Für später im Alter, für eine Zusatzversorgung zur normalen Renten“, erklärt der 68-jährige Rostocker. Mehr als 50 Jahre war der gelernte Diesellokschlosser bei der Bahn, erst bei der Reichsbahn, nach der Wende als Versichertensprecher bei der Deutschen Bahn. Auf die Zusatzleistung wartet er aber seit er vor drei Jahren in den Ruhestand ging noch immer vergebens – wegen eines Fehlers im Einigungsvertrag. In der Vereinbarung waren Regelungen für die Ost-Zusatzversorgung vergessen worden. Mehr als 30 Jahre nach der deutschen Einheit hat Methling noch nicht einen Cent von der Zusatzversorgung gesehen: „Das ist nicht mehr nachvollziehbar.“ Eigentlich halte er nichts von den dauernden Klagen, meint Methling. Doch in diesem Fall steht für ihn fest: „Da ist der Osten wieder betrogen worden.“ Nachgeben wolle er aber nicht: „Wir geben die Hoffnung nicht auf.“ Wenigstens eine Pauschale für den eingezahlten Beitrag für die Zusatzrente erhoffe er sich. „Man freut sich über jeden Cent.“
    Härtefallfonds für Ost-Zusatzrente

    Späte Anerkennung: Mehr als 30 Jahre nach der Wende können Methling und andere Hunderttausende Reichsbahner, Beschäftigte der Post und anderer Wirtschaftsbereiche der ehemaligen DDR wieder hoffen. Allein mehr als 90 000 Reichsbahner in den neuen Ländern sind nach Gewerkschaftsangaben betroffen. Der Bund geht von weniger aus. Jetzt liege ein Lösungsvorschlag auf dem Tisch, teilte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit. Danach soll ein Härtefallfonds geschaffen werden, aus dem Betroffene eine einmalige Entschädigungsleistung erhalten sollen. Damit würde die Lebensleistung ehemaliger Reichsbahner anerkannt, meinte EVG-Vize Martin Burkert – 31 Jahre nach der Einheit. Über die Höhe der Entschädigungsleistung werde noch verhandelt. Finanziert werden solle der Fonds jeweils zur Hälfte vom Bund und den Bundesländern. So sehe es ein Eckpunktepapier der Bundesregierung vor.
    Bund will Tausende Betroffene ausgrenzen

    Inzwischen gebe es Hoffnungen, dass es noch vor den Wahlen zu einer Einigung kommen könnte, meinte EVG-Ostrenten-Expertin Tanja Trost. Bisher hätten sich Bund und Länder den Buhmann nur hin und hergeschoben. Dabei müssten alle, die Zusatzbeiträge eingezahlt hatten, jetzt auch Zahlungen erhalten – sozialabgaben- und steuerfrei. Trost: „Das ist eine Gerechtigkeitsfrage.“ Die EVG sehe „die Länder in der Verpflichtung, den Fonds jetzt zügig zu begründen und finanziell ausreichend auszustatten“, sagte EVG-Vize Burkert. Allerdings drohen nach den bisherigen Plänen des Bundes Tausende leer auszugehen. So sei eine starke Eingrenzung des antragsberechtigten Personenkreises vorgesehen, kritisierte die EVG. Es sei nicht nachvollziehbar, dass nicht alle eine Entschädigung erhalten und Kriterien wie der Rentenbezug in Höhe der Grundsicherung oder das Lebensalter herangezogen werden sollen, meinte EVG-Vize Burkert.
    Ost-Länder halten sich zurück

    Die ostdeutschen Länder halten sich indes zurück: Bislang gebe es noch keine Einigung zwischen dem Bund und den Ländern zur Finanzierung des Fonds, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums in Schwerin. Die Ost-Länderchefs würden den Bund in der alleinigen Verpflichtung sehen. Der Bund wolle jedoch, dass sich die Länder mit 50 Prozent an der Finanzierung beteiligen. Anfang Juni solle beim nächsten Treffen der Ost-Ministerpräsidenten erneut über die Finanzierung des Härtefallfonds beraten werden.“

    Quelle: 18.05.2021 (!!!) Norddeutsche Neueste Nachrichten

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