Joachim Guilliard: Gegen gefährliche Geschichtsvergessenheit ‒ Zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

TagdesSiegesWir feiern heute ‒ am Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg ‒ das Ende des Nazi-Regimes und gedenken der ungeheuren Zahl von Opfern, die das Wüten des deutschen Faschismus forderte. Wir danken dabei auch allen, die sich ihm entgegengestellt und für die Befreiung gekämpft haben. Gerne vergessen von Politik und Medien in Deutschland wird dabei, daß die Rote Armee die Hauptlast im Krieg gegen die deutsche Wehrmacht und die faschistischen Horden trug, und daß die sowjetische Bevölkerung die größten Opfer bringen mußte. Ein expliziter Dank daher von dieser Stelle an die sowjetischen Soldatinnen und Soldaten.

Gefährliche Geschichtsvergessenheit

Noch stärker drückt sich die gefährliche, absichtsvolle deutsche Geschichtsvergessenheit beim nächsten wichtigen Jahrestag aus. Am 22. Juni jährt sich der faschistische Überfall auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Doch weder Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble noch die Bundesregierung wollen mit einem Gedenkakt an diesen Raub- und Vernichtungskrieg des deutschen Reiches erinnern und in angemessener Weise die Millionen sowjetischen Opfer ehren. Sie werde im Inland keine Veranstaltungen dazu durchführen, teilte die Bundesregierung auf Anfrage mit. Auch eine Teilnahme der Kanzlerin oder anderer Regierungsmitglieder an Veranstaltungen im Ausland sei nicht vorgesehen.

Ungeheure Verbrechen des deutschen Faschismus

Dies ist ein Riesenskandal, angesichts der ungeheuren Verbrechen, die in diesem rasseideologischen Vernichtungskrieg im Osten Europas begangen wurden. Die Wehrmacht führte ihren Feldzug vom ersten Tag an mittels barbarischen Terrors gegen die Zivilbevölkerung. Die deutsche Kriegsplanung sah ausdrücklich vor, die Bevölkerung der Sowjetunion um 30 bis 50 Millionen Menschen zu „reduzieren“. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion traten auch die Vernichtungspläne der Nazis gegen die europäischen Juden in die entscheidende Phase.

Deutsche zerstörten in der Sowjetunion von 1941 bis 1945 über 1700 Städte, 70.000 Dörfer, 32.000 Fabriken und 4.000 Bibliotheken. Bis zum Sieg über den deutschen Faschismus, der in Rußland am 9. Mai gefeiert wird, kamen 27 Millionen Sowjetbürgerinnen und Sowjetbürger ums Leben. Millionen sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter starben in deutschen Lagern.

Der aggressive Kurs der deutschen Regierung

Die herrschenden, transatlantisch ausgerichteten Kreise in Deutschland wollen die Erinnerung daran verblassen lassen, da sie der Rechtfertigung ihres aggressiven Kurses gegen Rußland im Wege steht. Militärministerin Kramp-Karrenbauer, die von einer „bereits akuten Bedrohung der EU“ durch Rußland faselt, fordert alle Hemmungen gegen den östlichen Nachbarn fallenzulassen. Die Linke solle sich „von der Vorstellung lösen“, Frieden mit Rußland „sei wegen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941 eine moralische Pflicht.“

Gegen Faschismus und Krieg

Dieser skandalösen und brandgefährlichen Politik müssen wir entschieden entgegentreten! Vom deutschen Boden darf nie wieder Krieg ausgehen, dies war und ist die wichtigste Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg und dem deutschen Faschismus.

  • Und selbstverständlich soll auch NIE WIEDER ein deutscher Soldat gen Osten marschieren.
  • Selbstverständlich ergibt sich aus den ungeheuren deutschen Verbrechen an der sowjetischen, zum großen Teil russischen Bevölkerung eine große geschichtliche Verantwortung für die BRD als Nachfolgerin des Nazi-Regimes.
  • Selbstverständlich muß Berlin seine aggressive Rhetorik gegen Rußland einstellen und auf Kooperation statt Konfrontation umstellen.

Rußlandfeindliche Propaganda – wie die Nazis!

Stattdessen wird von Politik und Medien jedoch erneut das Schreckgespenst eines angeblich aggressiven Rußland an die Wand gemalt. Man muß kein Freund Moskaus sein, um dem die klare, harte Realität entgegenzuhalten: Nicht Rußland hat sich gen Westen ausgebreitet. Es ist die NATO, die (entgegen ihren Zusagen gegenüber Gorbatschow) an die russische Grenzen vorgerückt ist, die dort im Zuge von Großmanövern erhebliche Truppenkontingente in Stellung hält und Kriegsmaterial einlagert.

Die Aggressivität der NATO

Es ist die NATO, die unter dem irreführenden Namen „Raketenabwehr“ in Rumänien und Polen Raketen-Abschußrampen aufgebaut hat, über die auch atomare Mittelstreckenraketen auf russische Städte abgefeuert werden können. Und es waren die EU und die USA, die die Ukraine, durch den von ihnen geförderten Putsch antirussischer bis hin zu faschistischen Kräften destabilisierten und die Abspaltung mehrheitlicher russischer Gebiete provozierten.

Während Rußland seine Rüstungsausgaben seit 2016 senkte, rüsten die NATO-Staaten, die bereits 15-mal so viel fürs Militär ausgeben, ihre Armeen massiv weiter auf.

Sie setzen, wie ihrem Bericht „NATO 2030“ zu entnehmen ist, in ihrer Großmachtkonkurrenz mit China und Rußland immer stärker aufs militärische. Deutsche Politiker nahezu aller Parteien verlangen ein noch schärferes Vorgehen ‒ nicht zuletzt auch die aussichtsreiche grüne Kanzlerkandidatin. Die regierungsnahe Stiftung Wissenschaft und Politik empfiehlt sogar bereits, militärische Maßnahmen durchzuführen ‒ etwa eine „militärische Mission im Schwarzen Meer“ ‒ um Moskau „außenpolitisch einzuschüchtern“. Die Gefahr eines neuen Krieges steigt unter diesen Kriegstrommeln real.

Die NATO und die BRD rüsten zum Krieg

Gerade hat wieder ein Großmanöver in Europa begonnen. 28.000 Soldaten aus 26 NATO-Staaten üben im Rahmen von „Defender Europe 21“ auch erneut ganz real einen solchen neuen Krieg gegen Rußland. Der Schwerpunkt des Kriegstrainings liegt dieses Jahr in der Schwarzmeerregion, Deutschland fungiert aber erneut als zentrale Drehscheibe.

Der heutige Gedenktag wie der kommenden Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion müssen Ansporn für uns sein, uns der wachsenden Kriegsgefahr entgegenzustellen.

Wir dürfen nicht aufhören, auf die geschichtliche Verantwortung Deutschlands für den Frieden zu pochen, insbesondere auch für eine entschiedene Entspannungspolitik gegenüber Rußland.

Dies kann nur bedeuten: Schluß mit der Aufrüstung und Schluß mit dem militärischen Aufmarsch nach Osten! Keine deutsche Beteiligung mehr an Kriegsmanöver. Es wird Zeit für einen radikalen Lockdown für die Bundeswehr und das gesamte sonstige in Deutschland stationierte Militär.

Redebeitrag auf der Demonstration „Tag der Befreiung: 8. Mai muß Feiertag werden!“ am 8. Mai 2021 in Heidelberg (Danke für den wichtigen Beitrag!)

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4 Antworten zu Joachim Guilliard: Gegen gefährliche Geschichtsvergessenheit ‒ Zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

  1. Armin Hoffmann schreibt:

    Turnschuhträger Josef Martin Fischer hat weder Schul- noch Berufsabschluß, das ist bekannt und möglicherweise einem Konflikt zwischen katholischen Erziehungsversuchen und einem sich-zu-Höherem-berufen-fühlen geschuldet. Soetwas hatten wir in unserer Geschichte schon einmal … So scheint seine antirussische Gesinnung möglicherweise nur ein übelriechender Ausfluß dieses Konfliktes. Ein Hoch dem westdeutschen Ein-„Bildungs“system, daß solche gefährlichen Geschöpfe hervorbringt! Ein Hoch dem deutschen Wähler und Steuerzahler, der diese Geschöpfe alimentiert.
    https://weltexpress.info/dokumentation-der-westen-sollte-russland-richtig-wehtun-und-bestenfalls-erobern-joseph-fischer/

    • sascha313 schreibt:

      …und wie viele sind damals den „Anstreicher“ gefolgt! Hätte der doch lieber gemalt… Doch die Bourgeoisie braucht(e) solche Gestalten und das nachfolgende Gesindel.

      • Armin Hoffmann schreibt:

        Ehrenbürger von Berlin Hauptstadt der DDR – Titel aberkannt am 29. September 1992:

        Fjodor Bokow
        Michail Jegorow und Meliton Kantaria … hißten die Siegesflagge auf dem Reichstag !
        Michail Katukow
        Iwan Konew
        Alexander Kotikow
        Nikolai Massalow … rettete eines kleines Mädchen, Im Ehrenmal dargestellt !
        Wladimir Semjonow
        Wassili Sokolowski
        Michail Solomatin
        Wassili Tschuikow
        Pjotr Abrassimow
        Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artikel/679599.wie-ehrenbuerger-entsorgt-wurden.html

  2. Thomas Artesa schreibt:

    Hier ein paar interessante Videos von Alexander Mercouris (The Duran TV)
    1 – NATO’s Empty Bluff: European Defender 2021
    2 – Russia Cools on US-Russia Summit, Insists US Backs Ukraine Settlement
    3 – The Mouse Takes On the Dragon: UK Sends Navy To Pacific To Challenge China
    etc, etc, etc, … !

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