Prof.Dr. Karl Hecht: Die Hygiene des Denkens

In der DDR war der alte Traum der Einheit von Geist und Macht verwirklicht. Wir lebten in einem Staat der modernen Wissenschaft. Die Geschichte unserer Republik hat bewiesen, wie Mut und Selbstvertrauen zum Erfolg führen. Aus einfachen Arbeitern wurden Ärzte, Physiker und Pädagogen. Der Mut zur Macht und zur konsequenten Wissenschaftlichkeit, das Selbstvertrauen in die Kraft unserer Ideen und in die geistigen Potenzen unseres Volkes trug reiche Früchte. Wir hatten eines der besten Bildungssysteme der Welt, und ein Gesundheitswesen, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientierte. Möglich wurde das allein dadurch, daß in unserem Land die Produktionsmittel dem Volke gehörten und zum ersten Male in der Geschichte des deutschen Volkes die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt war. Eines der Gebote der sozialistischen Moral lautete zum Beispiel: „Du sollst stets nach der Verbesserung deiner Leistungen streben!“ Natürlich waren auch wir nicht von Fehlern und Irrtümer frei. Doch wer heute aufmerksam die Gespräche seiner Mitmenschen verfolgt, wird feststellen, daß man es sehr viel mehr mit Unlogik und manipuliertem Denken zu tun hat. Wir entdecken oft fatale Irrtümer und gedankliche Sackgassen. Meist ist das zurückzuführen auf Unwissenheit, erhebliche Bildungslücken oder fehlerhafte Informationen. Hygiene des Denkens ist das Gebot der Stunde!

Professor Karl Hecht schreibt: „Niemand kann ohne logisches Denken, ohne klare Vor­stellungen, ohne einen festen Standpunkt seine Auf­gaben zufriedenstellend lösen. Wer nicht folgerichtig denkt, gerät in die Gefahr, im Studium unsicher und unkritisch zu werden. Denken verlangt geistige Anstrengungen und Energie­aufwand des Körpers. Es erfordert weiterhin das Über­winden von Bequemlichkeiten und setzt daher Willens­kraft voraus. Denken ist nur durch erhöhte Konzentration möglich und wird durch eine disziplinierte Aufmerksamkeit gefördert.“

Im Jahre 1970 erschien im Verlag Tribüne der DDR ein kleines Ratgeberbüchlein für das Studium. Daraus entnommen ist der folgende Beitrag:

Der bewußte Denkprozeß

Aus diesem Grund ist es für den Studierenden wichtig, seine eigenen Denkprozesse zu überprüfen und auszu­bilden. Wer klar zu denken vermag, wird sein Studium optimal durchführen können, wird über Schwierigkeiten leichter hinwegkommen und sein Leben bewußter und intensiver gestalten. Der Denkprozeß ist an die höchst­entwickelte lebende Materie, an die Hirnrinde des Men­schen, gebunden. Außerhalb dieses materiellen Substrats gibt es keine Denkprozesse. Denken ist eine verall­gemeinerte, mit Hilfe des Wortes realisierte und durch vorhandene Kenntnisse ermittelte Widerspiegelung der Wirklichkeit durch das menschliche Gehirn; es hängt eng mit der sinnlichen Erkenntnis und der praktischen Tätigkeit des Menschen zusammen. Durch das Denken ist es dem Menschen möglich, Ereig­nisse, Probleme, Geschehnisse usw. zu erfassen, auch wenn er sie selbst nicht unmittelbar beobachtet oder erlebt hat. Die Denkprozesse gestatten es ihm, den Verlauf von Ereignissen und Ergebnissen eigener Handlungen oder Handlungen anderer Menschen vorauszubestimmen und vorauszuplanen.

Die Sprache und das Denken

Grundlage für das Denken ist die Sprache, und zwar die nicht artikulierte „innere“ Sprache, das heißt das gedachte Wort. Das bedeutet jedoch nicht, daß Sprechen und Denken identisch sind. Die gleichen Gedanken können in verschiedenen Sprachen ausgedrückt werden. Ein Mensch, der eine Fremdsprache fließend spricht, kann auch in dieser Sprache denken. Wer sie dagegen nicht völlig beherrscht, muß immer in seine Muttersprache zurückübersetzen, um denken zu können. Die Sprache wiederum geht über die Grenzen reiner Denkverbindungen hinaus, denn sie hat auch emotionale Komponenten aufzuweisen. Und durch die Sprache erhalten die Denkprozesse emotionale Färbung. Daraus ergibt sich, daß der Mensch bei jedem Denkprozeß fühlt und bei jedem Gefühlsprozeß denkt.

Rationales und Emotionales

Diese beiden psy­chischen Erscheinungen, das Denken und das Fühlen, sind untrennbar miteinander verbunden. Für den Stu­dierenden ist diese Feststellung deshalb bedeutsam, weil Gefühle, zum Beispiel Freude, Begeisterung, Leiden­schaft, den Lernprozeß fördern können. Pawlow bezeieh­nete Emotionen als den Kraftquell der Hirnrindentätig­keit, also der Denkprozesse, und Lenin schrieb: „Ohne Emotionen hat es nie eine menschliche Suche nach der Wahrheit gegeben und kann es auch nicht geben.“ Andererseits können Gefühle auch den Lernprozeß hemmen, und zwar dann, wenn das Denken dem Gefühl maßgeblich untergeordnet ist. Dazu sind vor allem nega­tive Emotionen wie Ärger, Angst, Unzufriedenheit, Wut, Zorn usw. in der Lage.

Erziehung der Gefühle

Wer am Tage ein schweres Ärger­nis erlebt hat, kann gewärtig sein, daß die Erinnerung daran ihm noch beim Abendstudium hinderlich ist und seine Gedanken beherrscht. Darum ist es notwendig, daß der Mensch nicht nur das Denken richtig entwickelt, sondern gleichzeitig auch seine Gefühle erzieht. Erziehung der Gefühle bedeutet, negative Emotionen zurückzudrängen und sie bewußt durch positive, aktivierende abzuschwächen. Das kann vor allen Dingen durch schöpferische Arbeit erreicht werden, die einen hohen Grad an Befriedigung vermitteln kann.

Die Einheit von Denken und Handeln

So wie das Denken und Fühlen eine Einheit bilden, so sind auch das Denken und das Handeln des Menschen eng miteinander verbunden. Die Fähigkeit zum Denken wird in der praktischen Tätigkeit entwickelt, und alle Verallgemeinerungen im Denkprozeß wiederum können in der Praxis auf ihre Richtigkeit überprüft werden. „Vom lebendigen Anschauen zum abstrakten Denken und von ihm zur Praxis, das ist der dialektische Weg der Erkenntnis der Wahrheit, der Erkenntnis der objektiven Realität“, forderte Lenin. Der Studierende sollte deshalb immer bemüht sein, Den­ken und Handeln in ein richtiges Verhältnis zu bringen.

Störungen im Denkprozeß

Ein Mensch, der neben einer praktischen Tätigkeit stets auch seine theoretischen Kenntnisse vervollständigt, kann optimale Leistungsergebnisse erlangen. Stehen Denken und praktische Tätigkeit bzw. Denken und Handeln in einem gesunden Verhältnis zueinander, dann sind gute Bedingungen für das Studium vorhanden. Existieren aber Widersprüche zwischen objektiven An­forderungen und den subjektiven Möglichkeiten ihrer Bewältigung, so kann es zu Störungen im Denkprozeß kommen.

a) Das schlechte Gewissen. Das will ich am Beispiel des schlechten Gewissens und des Zweifels erläutern. Die sogenannten Gewissensbisse entstehen dann, wenn ein Mensch einer Forderung, die an ihn gerichtet wurde, nicht entspricht oder wenn er seiner Pflicht und Verantwortung nicht nachkommt. Ein Stu­dent beispielsweise, der sich nur ungenügend auf eine Konsultation vorbereitet oder das Selbststudium ver­nachlässigt hat, empfindet Gewissensbisse, und dies um so stärker, je besser das Pflicht- und Verantwortungs­bewußtsein bei ihm ausgebildet ist. Normalerweise kön­nen Gewissensbisse eine Antriebskraft darstellen. Mit dem Nachholen des Unterlassenen, mit der Wieder­gutmachung des Fehlers, wird das schlechte Gewissen aufgehoben.

b) Inkonsequenz im Handeln. Weicht aber ein Mensch seinen begangenen Fehlern aus oder kommt er trotz der Gewissensbisse seiner Pflicht und Verantwortung nicht nach, dann entsteht bei ihm ein Zustand der Spannung, Unruhe und Unsicherheit. Je unklarer seine Ziele sind, je inkonsequenter er ist und je mehr er die Auseinandersetzung scheut, desto ausgepräg­ter werden die Spannungszustände, um so heftiger wird der Konflikt, der schließlich bis zur Zerrüttung des Ner­vensystems führen kann. Dies ist ein Beweis dafür, wie wichtig es ist, daß Denken und Handeln stets im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

c) Der Zweifel. Einen anderen Beweis liefert der Zweifel. Er kann vor­übergehend bei Übermüdung oder innerer Unsicherheit zum Beispiel bei schlechter Vorbereitung auftreten. Wenn eine Frau an ihrem Arbeitsplatz plötzlich Zweifel hegt, ob sie zu Hause die Gasflamme gelöscht hat, so kann sie diesen vorübergehenden Zweifel durch entsprechende Nachprüfung früher oder später beseitigen. Die Span­nung weicht, und das Denken und Handeln ist als Einheit wiederhergestellt. Ist die Überprüfung des Zweifels nicht unmittelbar oder in absehbarer Zeit gar nicht möglich, dann hält der Spannungszustand lange Zeit an.

d) Innere Unsicherheiten. In solche inneren Auseinandersetzungen kann der Studierende bei­spielsweise bei zu geringem Selbstvertrauen, fehlendem Vertrauen zum Lehrkörper oder zu den Arbeitskollegen, bei ideologischer Unklarheit oder bei mangelnder Über­zeugung von der Notwendigkeit einer zu lösenden Auf­gabe geraten. Der Zweifel kann sich sogar so stark fixie­ren, daß er krankhafte Formen annimmt. Der Betref­fende befindet sich dann in einem ständigen Konflikt zwischen seinen Gedanken und der objektiven Realität, wobei schließlich auch die Nachprüfung noch angezwei­felt wird.


Die Dynamik des Denkprozesses

Als Komplex betrachtet, stellt jeder Denkprozeß ein be­wußt regulierendes Verfahren dar, und die Lösung einer Aufgabe bildet den normalen Abschluß des Denkpro­zesses. „Mit der Dynamik des Denkprozesses“, sagt Rubinstein, „ist das emotionale Selbstgefühl des denkenden Subjekts verbunden, das am Anfang gespannt und am Ende be­friedigt und entspannt ist.“ Wird der Denkprozeß abgebrochen und somit das Ziel nicht erreicht, dann bedeutet das für den Menschen einen Mißerfolg. Dieser Mißerfolg löst desorganisierende emo­tionale Zustände aus, die gleichfalls eine Störung zwi­schen Gedanken und Wirklichkeit darstellen.

Überzeugungen und der feste Standpunkt

Aus diesen Darlegungen läßt sich schließen, daß Men­schen mit klarer Überzeugung und festem Standpunkt Konflikten weniger ausgesetzt sind als solche, denen es infolge ihres labilen, unentschlossenen Verhaltens schwerfällt, Beziehungen zur Wirklichkeit herzustellen.

Die psychischen Abläufe des Denkens gehen in verschie­denen Phasen vor sich, die ich hier kurz skizzieren will.

1. Phase: Das Bewußtwerden einer Problemsitua­tion; sie kann sich aus einer Anleitung, einer Infor­mation aus dem Lehrbuch oder Lehrbrief, einer Beobachtung oder einer vorausgegangenen Handlung ergeben.
2. Phase: Bewußtwerden der Problemsituation, die Frage wird gedanklich, eventuell auch schriftlich oder mündlich formuliert.
3. Phase: Gedankliche Lösung der Aufgabe; dabei können verschiedenste Denkoperationen wirksam werden, einzeln oder im Komplex.

Als Denkoperation seien genannt:

a) Die Analyse und Synthese als das gedankliche Zerlegen eines Ganzen in seine Teile bzw. als gedankliches Aus­sondern einzelner Kennzeichen, Kriterien und Eigenschaften des Ganzen und die sich daran anschließende gedankliche Zusammenfassung dieser Einzelteile zu einer neuen Qualität. Diese Denkoperation vollzieht der Studierende in vielfältiger Weise, ganz gleich, ob er Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft oder ob er Naturgesetze untersucht. Analyse und Synthese werden besonders beim Variantenspiel zu einer Problematik angewendet. Der Vorgang der Analyse kann unter Umständen in Sekunden ablaufen, er kann aber auch Stunden dauern,
b) Der Vergleich: Bei dieser Denkoperation werden Gegenstände und Er­scheinungen nach bestimmten Gesichtspunkten und Merkmalen, zum Beispiel nach der Form, dem Inhalt, dem Wesen, beurteilt und miteinander in Beziehung gesetzt. Jn den Vergleich sind Analyse und Synthese als Einheit mit einbezogen. Beim Studium und beim wissenschaft­lichen Arbeiten spielt der Vergleich eine besonders große Rolle. Die Wirkung eines Arzneimittels wird zum Beispiel an Kontrolltieren beobachtet und verglichen. Im Studium vergleichen wir unsere Aufzeichnungen aus der Vorlesung mit dem Lehrbuch und unsere eigenen Lei­stungen mit denen von Kollegen. Jede Einschätzung und Beurteilung erfolgt nach der Denkoperation Vergleich.
c) Die Denkoperation, Verallgemeinerung und Systematisierung: Das ist die gedankliche Verdeutlichung von Gegenstän­den und Erscheinungen und ihre Klassifizierung nach gemeinsamen Merkmalen.
d) Abstraktion und Konkretisierung: Abstraktion ist das gedankliche Aussondern von wesent­lichen Eigenschaften einer bestimmten Gruppe von Gegenständen und Erscheinungen unter Vernachlässi­gung des Unwesentlichen. Das bezeichnen wir schließlich als Abstraktion.
Die Konkretisierung ist das gedankliche Aussondern des Besonderen von dem Einzelnen, welches Bestandteil eines bestimmten Allgemeinen ist. Mit Hilfe der Kon­kretisierung ist das Verstehen und Begreifen dieses All­gemeinen besser möglich.

Diese verschiedenen Denkoperationen können – ich wiederhole noch einmal – einzeln oder im Komplex bei der gedanklichen Lösung der Aufgabe, das heißt in der 3. Phase des Denkprozesses, vollzogen werden. Ihr folgen die

4. Phase: Nachprüfung und Kritik, bei der ebenfalls die verschiedensten Denkoperationen ange­wandt werden können, und die
5. Phase: Urteil oder Schlußfolgerung,
Das Urteil ist die Widerspiegelung der Beziehungen zwi­schen den Gegenständen und Erscheinungen bzw. ihren Eigentümlichkeiten, wobei die Urteilsfähigkeit von um­fangreichen Kenntnissen und von den Erfahrungen selb­ständigen Handelns abhängig ist.

Schlußfolgerungen ergeben sich. aus der Ableitung eines Urteils, entweder
a) als Induktion oder induktiver Schluß, das ist die Schlußfolgerung von Einzelfällen auf das Allgemeine, oder
b) als Deduktion oder deduktiver Schluß, das ist die Schlußfolgerung vom Allgemeinen auf einen Einzelfall, oder
c) als Analogieschluß, das ist die Schlußfolgerung von einem Einzelfall auf einen anderen.

Und schließlich die

6. und letzte Phase des Denkprozesses: Die Untersuchung bzw. Überprüfung der Praxis. Alle Denkprozesse, die zum Abschluß gebracht werden, durch­laufen diese sechs Phasen. Für den Studierenden ist es wichtig, einen Denkprozeß stets zur Vollendung zu brin­gen, da der abgebrochene oder unterbrochene Denkpro­zeß bzw. das Nichtübereinstimmen von Gedanken mit der objektiven Realität nicht nur zu Fehlschlüssen führt, sondern auch die Leistungsfähigkeit eines Menschen erheblich beeinträchtigt. Obgleich das Denken von all­gemeinen Gesetzmäßigkeiten gekennzeichnet ist, gibt es individuelle Unterschiede.

Die wichtigsten Eigenschaften des Denkens

Folgende wesentliche Denkeigenschaften sollte aber jeder Studierende bei sich entwickeln:

  1. Weite des Denkens, damit er jede Frage und jedes Problem im Ganzen zu erfassen vermag, ohne wichtige Einzelheiten außer acht zu lassen;
  2. Tiefe des Denkens, damit er versteht, auf den Kern einer Sache zu dringen;
  3. Selbständigkeit des Denkens, um Probleme zu er­kennen, die einer Lösung bedürfen und die durch Aktivität und Initiative gelöst werden können;
  4. Kritikfähigkeit des Denkens, um das eigene Den­ken richtig zu beurteilen;
  5. Beweglichkeit des Denkens, damit er in der Lage ist, in veränderter oder neuentstandener Situation geeignete Wege und Mittel zur Lösung des Problems zu finden;
  6. Folgerichtigkeit des Denkens, das ein geordnetes, schrittweises und logisches Vorgehen bei der Lösung einer Aufgabe sichert.

Wenn wir richtig zu denken imstande sind, werden wir im Studium nicht nur große Leistungen vollbringen, son­dern es mit Freude und Begeisterung betreiben und nachempfinden, was Bert Brecht seinen Galilei sagen ließ: „Denken ist das größte Vergnügen der Menschheit.“

Quelle:
Autorenkollektiv: „Du und dein Studium“.Verlag Tribüne Berlin, 1970, S.118-124. (Zwischenüberschriften eingefügt. N.G.)

Karl Hecht – Hygiene des Denkens

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21 Antworten zu Prof.Dr. Karl Hecht: Die Hygiene des Denkens

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich möchte wetten, davon – nämlich vom Denken – hat im Westen, zum Beispiel im Bundestag, kaum jemand gehört. Ablesbar an all den Schwammigkeiten, Idiotien und Verantwortungslosigkeiten gegenüber der Bevölkerung. Da wird zum Beispiel gesagt, dass einer „mit schlechtem Gewissen“ einem schlechtem Gesetz zugestimmt habe. Tatsache ist, er hat zugestimmt, sein Gewissen hat keine Rolle gespielt und ist auf der Strecke geblieben.

    Dass Prof. Hecht das Denken beherrscht, daran besteht kein Zweifel. Obwohl er in einem Alter ist, wo das Denken gewöhnlich nachlässt, hat er uns sehr logisch erklärt, worum es bei der sogenannten Pandemie eigentlich geht. So deutlich habe ich es von niemand anderem gehört oder gelesen.

    Und dass Denken Vergnügen macht, das habe ich gespürt, als ich seine Ausarbeitung „Die Gedanken sind frei“ gelesen habe. Tatsächlich, ich spürte mein eigenes, erweitertes Mitdenken beim Lesen. Leider gibt es im Alltag viel zu oft Dinge, über die man sich Gedanken macht, die es aber nicht wert sind, dass man nur eine einzige Minute dafür opfert, und die wirklich lebenswichtigen Dinge bleiben oft unbedacht.

  2. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    „Erziehung der Gefühle bedeutet, negative Emotionen zurückzudrängen und sie bewußt durch positive, aktivierende abzuschwächen.“
    Ich denke, sie müssen nicht nur zurückgedrängt, sondern abgewiesen werden, nicht nur abgeschwächt, sondern durch positive ersetzt werden.. Aber vor allem darf man sich nicht von ihnen beherrschen und bestimmen lassen, weil sie das Einfallstor für jegliche Art von Manipulation und Verführung sind.

  3. Ich bin begeistert. ENDLICH eine Zusammenfassung nach der ich schon seit 12 Jahren gesucht habe. Danke!

  4. roprin schreibt:

    Tja, das alles war für uns doch so selbstverständlich… Du hast Recht, Sascha, heute ist das Denken der Massen in Irrtümern verstrickt. Warum? – weil die Bildung zu wünschen übrig läßt. Diese imperialistische Gesellschaft braucht ausführende Menschen, die nicht nachdenken sondern tun, was die Privatwirtschaft (und damit die Regierung) vorgibt. Das können wir hochaktuell beobachten am Covidiot.Theater.

  5. Thomas Artesa schreibt:

    Noch ehe man den Artikel gelesen hat, gefällt einem schon die Überschrift: Hygiene des Denkens. Wir wissen ja alle, wie sich in den letzten Jahrzehnten die Sprache verroht und entstellt hat. Wichtig im sozialistischen Denken und Handeln und realen Leben ist eben auch die Tatsache: Die Schaffung des neuen Menschen. Die Schaffung des neuen Geistes. Die Schaffung der neuen Verantwortung. Die Solidarität, und Mitverantwortung für die Gemeinschaft etc. Eben alles Tatsachen und Begriffe, die den kapitalistischen Egoismus endlich ins Klo kippen oder auf den Misthaufen der Geschichte schütten. Spricht hingegen heute mal wieder so ein Werbeschnösel von Solidarität, dann ist damit doch nur gemeint, sich von den Finanzoligarchen und anderen Mafiabrüdern der Börse betrügen zu lassen. Nach dem scheinheiligen Motto der „modernen“ Gesellschaft eben: Wir sitzen ja alle in einem Boot. Frage halt dabei – wer darf nur rudern ohne zu denken oder zu handeln und wer ist der Steuermann mit dem Kommando!

    • Erfurt schreibt:

      Es ist wirklich entsetzlich mitzuerleben, wie Denken+Reden manipuliert und im Sinne der Profitgier missbraucht werden. Inzwischen kommt so ziemlich jede Website mit einem Cookiebanner daher, lädt tonnenweise Daten nach, erklärt dem Leser die Datenschutzgrundverordnung und was er dabei alles falsch machen kann. Dann wird sogar schon beim Reden gegendert und jedes zweite Wort ist ähm oder genau. Zeitnah, spontan, stückweit, in Folge und nachhaltig. Werden auch Sie Behavior Designer 😉

    • Thomas Artesa schreibt: 8. Juli 2021 um 13:55 „Noch ehe man den Artikel gelesen hat, gefällt einem schon die Überschrift: Hygiene des Denkens.“
      Ich muß ehrlich zugeben, daß mir der Titel überhaupt nicht zusagt, weil mir das Wort „Hygiene“ im Zusammenhang mit „Denken“ sofort übel aufgestößt. [*A]
      Aber da ich weiß, daß Sascha keinen Unsinn veröffentlicht, dachte ich, mal nicht so voreilig zu sein und erst mal zu lesen, was der Professor – der bestimmt in der DDR geforscht und gelehrt hat – da geschrieben hat.

      [*A] Irgendetwas in mir rumorte („triggerte“) da ganz unerklärlich in mir – irgendwie assozierte ich das mit der Sprache der Nazis und dieser „esotherischen Psychologie“ eines *Wiener Psychiaters Richard von Krafft-Ebing und eines S. Freud oder C. G. Jung* – zwar sehr einflußreiche Menschen, die ich aber schon immer für mich unangenehme Schwätzer gehalten habe —

      auch wenn ich deren Erkenntnisse genauso wenig verwerfe, wie die eines Aurelius Augustinus, Thomas von Aquin, Martin LuDers, Philipp Melanchthon, Desiderius Erasmus von Rotterdam, René Descartes oder eines Immanuel Kant, Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer oder Ludwig Feuerbach,

      aber Karl Marx hat deren IDEALISMUS überwunden und Lenin hat ihn endgültig vom Thron gestürzt!!!, weshalb Lenin auch der wirklich erste Mensch ist, der eine richtig erfolgreiche Revolution durchführen konnte, die nur von sehr, sehr wenigen Anhängern der *Marxistisch-Leninistischen Philosophie* verstanden und umgesetzt wurde.

      „Hygiene des Denkens“ – da war doch mal was, dieser Begriff stammt doch bestimmt von irgendeinem einem Idealisten, der ganz sicher kein Anhänger des Marxismus war:

      „Während die normative Wissenschaft vom Denken, die Logik, das Interesse der Denker erregt hat, seitdem der menschliche Geist überhaupt sich den Problemen der Philosophie zugewandt hat, und sogar schon relativ.frühzeitig zu durchaus gesicherten Ergebnissen der Forschung geführt hat, ist die deskriptive Wissenschaft vom Denken, die Psychologie des Denkens, auch heute noch in ihrer Entwicklung und ihren Ergebnissen recht zurückgeblieben. Das ist am Ende nicht einmal so sehr erstaunlich, da die Psychologie des Denkens zur Erforschung der Welt des sinnlichen und transzendentalen Erkennens nur in bescheidenem Maße beizutragen vermag. Es ist aber insofern bedauerlich, als die Psychologie des Denkens nach einer anderen, praktisch höchst bedeutsamen Richtung sich als grundlegend erweist: ich meine, für eine Hygiene des Denkens. Da in unserem immer komplizierter und nervöser sich gestaltenden Zeitalter alle hygienischen Schutzmaßregeln eine besondere Beachtung verdienen, so dürfte wohl auch der Versuch gerechtfertigt erscheinen, eine Hygiene des geistigen Lebens auf dem Fundamente einer psychologischen Analyse des Denkens aufzubauen.“ —
      © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1911 !!!
      Hirschlaff L. (1911) Zur Psychologie und Hygiene des Denkens. In: Über Ruheübungen und Ruheübungs-Apparate. Zur Psychologie und Hygiene des Denkens. Springer, Berlin, Heidelberg.
      https://doi.org/10.1007/978-3-642-99378-7_2

      • sascha313 schreibt:

        Ich weiß nicht so recht, ob man da zwischen diesen beiden Texten irgendeine Verbindung herstellen kann, zumal Prof.Hecht unter Hygiene etwas völlig anderes versteht, als dieser mir unbekannte L.Hirschlaff. Geht man nach der Bedeutung dieses eigentümlichen Begriffs, so versteht man darunter zunächst „eine medizinische Disziplin, die durch Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Organismus und Umwelt Normen und Maßnahmen erarbeitet, deren Durchsetzung die Verhütung von Krankheiten sichert und optimale Bedingungen für das Leben und das Wohlbefinden des Menschen schafft.“ kurz gesagt: „Gesundheitslehre“. (Quelle: BI-Lexikon 5 Bde.. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1986)

        Und darum ging es (im übertragenen Sinne) wohl auch Prof. Karl Hecht. Die Denkpsychologie, auf die sich Hirschlaff bezieht, hat allerdings seither eine bedeutende Entwicklung genommen – von Lerntheorien über Kreativitätsforschung bis hin zur künstlichen Intelligenz. Ein streng dialektisch-materialistisch begründeter Ansatz einer psychologischen Theorie des Denkens wurde jedoch erstmals und in geschlossener Form von dem sowjetischen Psychologen RUBINSTEIN ausgearbeitet. Demnach wird das Denken vom Objekt her determiniert, ist seinem Wesen nach Erkenntnistätigkeit, die zur Lösung von Problemen und Aufgaben führt. Und nicht etwa die psychologische Analyse oder die Willkür den Denkens können als Grundlage für eine Hygiene des Denkns angesehen werden, sondern allein die menschliche Praxis. Denkstörungen, wie Zerfahrenheit des Denkens und Schizophrenie sind davon selbstverständlich ausgenommen.

      • … da gibt es sicher keine echte Verbindung zwischen den beiden Texten — außer den Begriff *Hygiene des Denkens*, der Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts – aus meiner Sicht – eine ganz andere Bedeutung hatte, als ihn Professor Hecht verwendet. Als ich „transzendentalen Erkennens“ las, war mir gleich klar, daß *Hygiene des Denkens* bei L. Hirschlaff sich verdeckt und nicht gleich offensichtlich gegen den Dialektischen Materialismus von Marx richtete, wie überhaupt die ganze „Psychologie“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ziemlich verschrobenes bürgerlich-idealistisches, von esotherischem Humbug begleitetes Zeugs ist, um Marx – jedenfalls tendenziös – zu widelegen, was die „Psychologie“ des kapitalistischen Westens mehr oder weniger bis heute bestimmt:
        All der pseudowissenschaftliche Nonsens vom „Ich, Es, Überich und Unterbewußtsein“ und das Festhalten an der religiösen Vorstellung, daß der Mensch eine Trinität sei, die aus „Körper, Seele und Geist“ bestehe, nur um nicht als vom Dogma der Kirche Abtrünniger (Apostat) zu gelten und entweder exkommuniziert oder in den „evangelischen“ Kichenbann verdammt zu werden.

      • sascha313 schreibt:

        Stimmt – so ist es!

      • Erfurt schreibt:

        Hirschlaff stellt als Erstes die Frage nach der Willkürlichkeit des Denkens (siehe Leseprobe). Allein damit sollte eigentlich klar sein, worauf das hinausläuft, nämlich auf Manipulation.

        … den Versuch macht, den Willen nicht nur aus dem Handeln des Menschen, sondern sogar aus seinem Denken hinauszujonglieren. (ebenda, Seite 15)

        Fazit: Ein Werk der Propaganda!

      • Erfurt schreibt:

        Von diesem fragwürdigen Leo Hirschlaff gibt es noch mehr Bücher der Art „Suggestion und Erziehung“. Man beachte die Zeit in der dieser Bücher erschienen sind: 1911..1914, also unmittelbar vor Beginn des 1. Weltkrieges und das ist bestimmt kein Zufall. Wer diese Bücher lesen möchte, sollte seinen Verstand gebrauchen und in der Lage sein zu erkennen, welche Ziele mit Büchern dieser Art verfolgt werden.

        MFG

  6. Ulrike schreibt:

    Rubinstein, Vigotsky, Leontjew, Teplow, um nur einige zu nennen waren neben Marx, Engels und Lenin, wie auch Clara Zetkin und Rosa Luxemburg die Grundlagen meines abgeschlossenen Studiums der Päd/Psych. Selbst im Kapitalismus war es mit diesen substantiellen Erkenntnissen und einem festen Fundament (Klassenstandpunkt) möglich dem Menschen als Mensch begegnen zu können, und mit dem Wissen um die menschliche Entwicklung lernorientiert und immer bezogen auf die „Stufe der nächsten Entwicklung“ (Vigotsky) arbeiten zu können, und dabei zu berücksichtigen, dass „alles immer in ständiger Bewegung ist“. Und damit ist nicht „Bernsteins“ Bewegung gemeint.
    Und erwähnen will ich, dass ohne die beharrliche und konsequente Auseinandersetzunge mit Kant, Hegel, C.G. JUNG, Freud und auch Wilhelm Reich u.a. im eigenen Lernprozeß Grenzen hätten bedeutet, die die Bewegung, die Fragen, das beständige Hinterfragen und auch die Reflektion des selbständig erarbeiteten als unzureichend in der Bedeutung der Erkenntnis angesehen werden müssten.
    „Denkstörungen, wie Zerfahrenheit des Denkens“ können auch als eine Antwort auf bestehende kapitalistische Verhältnisse erkannt werden, da der Mensch gesund auf ungesunde Verhältnisse reagiert, und zwas so, dass er zweckmäßig reagiert um sein Leben abzusichern.
    Das ist nur eine ganz kurze Zusammenfassung der komplexen seelischen Vorgänge im Menschen, der vielfach seinen Leidensprozeß nicht erkennt, da er die konkreten Zusammenhänge nicht herstellen kann. Von daher erlebt die Scharlanterie und die Esoterik in heutiger Zeit eine Hochkonjunktur, und es ist bedrückend wieviele Menschen es gibt, die dem auf den Leim gehen, und auch noch dafür bezahlen.
    Lernen und eine beständige Aufklärung bleibt eine Notwendigkeit, wenn man die Menschen nicht verlieren will an diese teils dümmlichen Schwätzer und Blender.
    Das macht deinen Blog so wertvoll, lieber Sascha. Die erstklassigen Informationen zu alldem was man WISSEN muss. Dann die Mütter und Väter Klassiker, ohne die in meinem Leben nix geht. Die unendlich inhaltlich schwergewichtigen Beiträge lassen deinen Blog in der „Oberliga“ spielen.
    Dafür bedanke ich mich sehr, da ich leidenschaftlich lerne und hinterfrage, korrigiere wenn nötig und neu einordne.

  7. Harry56 schreibt:

    Sehr gut, Genossin Ulrike, kann ich alles recht gut nachvollziehen!
    Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

    Soz. Grüße!

  8. Erfurt schreibt:

    Btw, Heidelberg. Geht man den Philosphenweg am rechten Neckarufer hinauf, fallen die vielen Villen auf die zur Nazizeit entstanden sind. Aber kommt noch besser. Weiter oben, am Plateau des Heiligenberges glaubt man sich in die 30er Jahre zurückversetzt:
    https://rolfrost.de/bildblog.html?s=4A2A6C2A

    Diese sog. Ting-Stätte hatte das Nazi-Propagandaministerium in Auftrag gegeben. Man hört den Göbbels förmlich schreien und spürt das schauerliche Echo welches die umliegenden Wälder zurückwerfen. Regelmäßig war Göbbels am Heiligenberg. Die Fahrstraße geht von Handschuhsheim a.d. Bergstraße bis auf das Plateau des Heiligenberges.

    Zwangsarbeiter brachen die zum Bau verwendeten Granitsteine in den umliegenden Steinbrüchen des Odenwaldes vom Heiligenberg bis zur Tromm (da heißt ein ehemaliger Steinbruch Sängerwarte, nichts soll an das Greuel der Zwangsarbeiter erinnern).

    Schönen Sonntag.

    • sascha313 schreibt:

      Es gibt bestimmt noch einige im Westen, die sich gerne an die Zeit des Faschismus erinnern… 😦

      • Harry56 schreibt:

        Nicht nur im damaligen und heutigen „Westen“, auch im nun so gennannten damaligen und heutigen „Osten“ (DDR) gab und gibt es noch immer solche Typen in einer gewissen kleinen übersehbaren Größenordnung.
        Immer schon fair bleiben!
        Soz. faire Grüße!

      • sascha313 schreibt:

        Hast recht, Harry!

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