Ein Leserbericht: „Die Überflutungen sind eine Hochwasser-Katastrophe mit Ansage gewesen“

Ansage HochwasserIch bin betoffen von der Katastrophe in Euskirchen. Meine Familie hat in Odendorf alles verloren, wir sind ohne Strom, warmes Wasser, Internet, Telefon oder Mobilfunk, alles an Hab und Gut ist weg. Ich bin weniger materiell betroffen, aber meine Familie hat es schlimm erwischt. Ich fange von vorne an: Die Überflutungen sind eine Hochwasser-Katastrophe mit Ansage gewesen. Bereits Wochen vor dem Unglück waren die Talsperren randvoll und die Böden so durchnässt, dass kein weiteres Wasser aufgenommen werden konnte. Die Informationen kann man bei den Talsperren-Ständen überprüfen. Die Wetterlage mit Dauerregen und Starkregen kann man ebenfalls online überprüfen.

Keine vorsorglichen Maßnahmen

Schon vorher hätte der Katastrophenschutz Wasser abpumpen müssen, um der angekündigten Wetterlage entgegenzuwirken. Am 14.7.2021 wandelte sich der Dauerregen in Starkregen. Gullys und Kanäle waren bereits um 18:00 Uhr überflutet und Fontänen schossen, inklusive Teichfischen, aus den Straßen. Um 19:00 Uhr erreichten mich die ersten Bilder von Odendorf, das Auto meiner Schwiegertochter und das von deren Mutter schwammen bereits, der kleine Bach hatte sich in ein tosendes, reißendes Gewässer verwandelt, Straßen überflutet, Schienen unterspült. Das Untergeschoss war geflutet und man flüchtete ins Obergeschoss. Inzwischen war bereits Euskirchen überschwemmt, Stromausfälle und Kommunikation lagen bereits lahm.

Wo bleiben die staatlichen Rettungsnahmen?

Das Wasser war überall. Die Fußgängerzone, Parkhäuser, Wohnhäuser, Geschäfte – alles unter Wasser. In Odendorf drückte das Wasser mit aller Gewalt durch die Decke des Obergeschosses. Möbel und Elektrogeräte schwammen gegen die Wände, schlugen an die Decke. Meine Familie flüchtete über den Speicher aus dem inzwischen gefluteten Haus, mit einer 4-Jährigen! Zu dem Zeitpunkt hing alles an der freiwilligen Feuerwehr. Kein Katastrophenschutz, keine Bundeswehr. Das THW und anliegende Bauern mit Güllepumpen waren die einzige Unterstützung.

Der Nachbar meiner Familie ertrank im eigenen Haus. Am nächsten Tag war das Ausmaß in Euskirchen katastrophal. Wir waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten und Nachbarn halfen sich gegenseitig. Das schrottreife Inventar wurde aus den Häusern geräumt.

Die gesamte Versorgung ist zusammengebrochen

Die Grundversorgung ist tot. Man brauchte Lebensmittel, aber Geschäfte waren bis auf wenige geschlossen und man konnte nur mit Bargeld bezahlen. Hat man uns doch während Corona eingetrichtert, dies zu vermeiden. In der wenig betroffenen Filiale einer Sparkasse war Bargeld-Auszahlung auch 2 Tage nach dem Hochwasser nicht möglich. So sprangen wieder Nachbarn ein, damit wenigstens Wasser gekauft werden konnte. Wir haben 500 Meter in 45 Minuten geschafft mit dem Auto, sind dann umgedreht. Man konnte niemanden erreichen, das Handy-Netz ist bis heute tot. Odendorf ist nicht betretbar, wir waren nicht informiert, da ja weder Radio noch Fernseher Empfang hatten. Wenn man denn überhaupt noch ein Gerät hat … in der Zwischenzeit kommt es zu Plünderungen in der Innenstadt. Ohne Strom keine Sicherheit – diejenigen, die mit leerem Blick Schutt, Schlamm und Müll kehren, sind nicht mehr in der Lage, sich zu wehren. Das war ein Augenzeugen-Bericht meines Schwagers.
Das Haus ist eine Ruine

Ringsumher nur Wasser, Tod und Trümmer

Alles liegt in Trümmern, Pflastersteine weggerissen, alle Geschäfte zerstört. 24/7-Sirenen, Rettungskräfte, Hubschrauber, man fühlt sich wie im Krieg. Man schläft nicht. Um 4.00 Uhr nachts der erste Empfangsbalken auf dem Handy. Verzweifelte Versuche, die Familie in Odendorf zu erreichen. Zwecklos. Kein Empfang. Endlich die Vermisstenstelle erreicht. Odendorf wurde evakuiert, aber man hatte keine Listen, wer evakuiert worden ist. Diese Liste wird aufgenommen aufgrund der Anrufe, die Vermisste melden. Zwei Tage verzweifelte Suche nach dem Sohn, seiner Frau, ihrer Mutter und meiner Enkeltochter. Am 16.7. dann endlich gefunden, in einem 15 km entfernten Ort. Sie haben alles verloren. Inzwischen ist deren Auto kopfüber auf den Bahnschienen in Odendorf gefunden worden. Das Haus ist eine Ruine.

Keine Hilfe in Aussicht!

Unser „öffentlich-rechtliches Fernsehen“ sind Nachbarn und Bekannte, die sich austauschen. Aber wir haben gehört, wie traurig unsere Kanzlerin ist, wie betroffene Politiker unsere Orte aufsuchen. Ernsthaft? Wir wurden nicht geschützt, Hilfe kommt von Anwohnern! Wir bieten Schlafplätze, organisieren Kleidung und Essen, bereitgestellt von Privatunternehmen, Nachbarn und Freunden. Wir brauchen kein Mitleid! Wir brauchen dringend und unbürokratisch Hilfe in Form von Geld! Man hat hier alles verloren: Häuser, Autos, Hab und Gut, Fotos, Spielzeug. Alles! Wir in den betroffenen Gebieten sind gemeldet, haben eine Steuernummer, über die Soforthilfe verteilt werden kann! Wir brauchen eine Grundversorgung! Wie sollen wir Wasser abkochen ohne Strom?

Wir waren schutzlos…

Luisa Neubauer streikt für uns und das Klima? Bitte lass es sein! Mach Geld locker, Deine Familie hat genug! Das Letzte, was wir brauchen, sind springende, unfähige Aktivisten! Wären wir mit E-Autos hier weggekommen? Wo hätten wir die laden sollen? Macht Euch mit Schaufel, Werkzeug und Notstromaggregaten auf zu uns und helft aktiv! Ich gebe der Politik die Schuld an der Misere. Wir waren schutzlos und mutwillig der Katastrophe ausgeliefert. Alle waren vorgewarnt, aber man hat abgewartet und geguckt, wie schlimm es wird. Jetzt nehmt gefälligst Geld in die Hand und helft den Menschen, die alles verloren haben. Geld aus Maskendeals, Kindergeld ins Ausland, Geld für ein nutzloses Europa, Geld für China, Indien etc. brauchen jetzt wir! Mitleid und Diskussionen könnt Ihr Euch schenken. Sichert unsere Grundversorgung! Packt mit an! Wir können jede helfende Hand gebrauchen.

Eine vermeidbare Katastrophe

Wir sind traumatisiert. Jeder hat irgendwen verloren, den er kennt. Und es ist noch nicht vorbei. Danke für nichts, gar nichts. Man kann sich unsere Situation nicht im Entferntesten vorstellen! Aber ich bin dankbar für den unermüdlichen Einsatz der Helfer! Ich bin traurig mit den Menschen, die ihre Angehörigen und Freunde verloren haben. Und ich bin wütend, weil man es vielleicht nicht vermeiden, aber mildern hätte können.

Quelle: POSchenker 

(Danke an P.O. Schenker für die Bereitstellung des Berichts. Zwischenüberschriften eingefügt. N.G.)

Hochwasserexpertin 2021

Siehe: TheTimes (Sunday July 18 2021)


Sicher teilen wir hier nicht jede Meinungsäußerung des Lesers. Das ist aber unerheblich. Wenn jedoch die Frage gestellt wird, warum ist das geschehen, dann gibt es eine einzige richtige Antwort: Auf Gründen des Maximalprofits! Es ist nicht das erste Mal, daß die Energiekonzerne (Talsperrenbetreiber) aus Gründen der Erzielung von Maximalprofiten, den Tod zahlreicher Menschen und einen immensen Schaden der Bevölkerung wissentlich in Kauf nehmen. Sicher wird es jemanden geben, der aus fachlicher Sicht die Ursachen der Katastrophe aufklären kann. Es ist also kein „Versagen“ sondern ein Verbrechen!

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12 Antworten zu Ein Leserbericht: „Die Überflutungen sind eine Hochwasser-Katastrophe mit Ansage gewesen“

  1. Erfurt schreibt:

    Danke für diesen Bericht. Nun versuchen wir einmal, uns vorzustellen wie eine Pandemie unter kapitalistischen Verhältnissen ablaufen würde. MFG

  2. Major Thom schreibt:

    Bemerkung am Rande, aber gar nicht so weit weg von dem, was geschieht: Die sogenannte Elektromobilität wurde in dem Bericht fast nebenbei erwähnt, wie auch das Gefühl fast wie im Krieg zu sein. Gibt man bei der nächsten Bundestagswahl den Grünen die Macht wird die Elektomobilität des PKW – Fahrers auf dessen Kosten durchgepeitscht, Die LKW natürlich die ja alle dicke Dieselmotoren haben stehen immer noch zig- Kilometerweit auf Deutschlands Autobahnen und Bundesstraßen mit scheinbar politisch extra sauberen Diesel während Güterzüge mit lächerlichen 14 Wagons die Schienenwege benutzen. (Die sogenannte Russenlok donnerte in meiner Kindheit immer mit über 100 beladenen Wagons durch meinen Heimatbahnhof). Die Grünen legen es, wie wir wissen, ja auch besonders auf einen Krieg mit Russland an. Nun bitte stellt Euch vor, dass im Vergleich zur „Katastrophe mit Ansage“ unendlich viel größere Unglück eines nuklearen Krieges in Mitteleuropa! Was machen die Überlebenden dann mit ihren Elektroautos, wenn der Strom als erstes und dauerhaft weg ist? Sie können nur noch ihren miliardenfachen Tod erwarten. Man muss kein sogenannter Verschwörungstheoretiker sein, um zu fragen ob das vielleicht genau so vorgesehen ist!

    • Erfurt schreibt:

      Der Gedanke ist schon interessant. Aber es sind nicht „Die Grünen“ die das wollen. Denn diese Elektromobilitäts-Prediger sind ja nur die Stellvertreter. MFG

  3. Major Thom schreibt:

    Nun ich betrachte die Dinge oftmals noch unter dem Blickwinkel des Militärwissenschaftlers, das konnten Sie mir weder nehmen noch abgewöhnen. Wenn ich im Kontext mit der gegenwärtigen Grünen Politik und vor allem deren Vorstellungen, wie (also mit welchen Mitteln und Methoden die z.T gegenwärtig erprobt werden) diese Politik durchzusetzen sei (Notfalls mit gesetzlichen Maßnahmen gegen den Willen des (dummen) Volkes) und die „Utterancen“ des Herrn Joschka Fischer denen man entnehmen kann, dass er Russland dort treffen will, wo es am meisten weh tut und dem man ein gewisses Bedauern entnehmen kann, dass der Westen Russland zwar angegriffen aber nicht eingenommen hat (Doppelinterview mit Graf Lambsdorff im Spiegel) Damit erklärt er die unbegrenzten Möglichkeiten Grüner Innen- und Außenpolitik. Das qualifiziert die Grünen doch eindeutig zur Durchsetzung neoliberaler Politik des „großen Reset“ die Kriege gegen Russland und China einschließt.

    • Erfurt schreibt:

      Nun ich betrachte die Dinge oftmals noch unter dem Blickwinkel des Militärwissenschaftlers

      Das ist völlig in Ordnung. Und von daher vermute ich auch, daß die Funknetze und Internet in den Katastrophengebieten gar nicht ausgefallen sind sondern abgeschaltet wurden.

      MFG

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Als Merkel und die Klöckner vor einer der verwüsteten Ortschaften standen, blickten sie in die Runde mit großen Kulleraugen. Dann meinte Merkel: „Eine schöne Landschaft hier.“ Klöckner konnte es sich nicht verkneifen, angesichts eines anderen verwüsteten Ortes denselben Kohl von sich zu geben. Während Seehofer, als Innenminister, sich offensichtlich für nichts verantwortlich fühlte und plauderte, es müsse etwas geändert werden. Sie sind schon so weit von der Bevölkerung entfernt, dass sie schon gar nicht mehr merken, was sie von sich geben. Nun werden sie sich wieder im Bundestag darüber streiten, woher das Geld für den Wiederaufbau herkommen soll, und wer obdachlos geworden ist, muss sehen, wo er unterkommt, bis sich die Herrschaften auf die minimalste Summe geeinigt haben. Das Geld wird ja für die 2 Prozent gebraucht. Und die barmenden Konzerne, die erst wieder Milliarden an die Aktionäre ausgegeben haben.

  5. Erfurt schreibt:

    Der Staat hilft mit Impfaktionen und zusätzlichen Impfangeboten. Da gerade von den Überflutungsgebieten eine große Gefahr zur Ausbreitung der Pandemie ausgeht. Meldet heute die Tageschau.

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Nun, da wird man sich in Erftstadt aber freuen – endlich ein Impfangebot! Da vergessen wir mal gleich die Katastrophe, danken der Tagesschau und unserer lieben Frau Kanzlerin für ihre Großzügigkeit. Merkel hat übrigens die Bevölkerung dazu aufgerufen, nun eifrig für die armen Überschwemmungsopfer zu spenden. So wird jetzt alles gut, die Regierung hat „Maßnahmen“ ergriffen. Die Obrigkeiten haben genug Chaos gesehen (Seehofer meinte gebremst schockiert, er habe solch ein Chaos noch nie im Leben gesehen), nun sind sie abgereist und stehen uns bei den Aufräumarbeiten nicht mehr im Wege. Danke, danke, Frau Merkel! Vielen Dank auch an Herrn Seehofer. Nur der kleine Laschet machte einen etwas Betretenen und war verstummt. Sicherlich vor Entsetzen um seine nunmehr nicht ganz so sichere Kanzlerschaft.

  7. Erfurt schreibt:

    PS: Über eine von der Stiftung Katastrophen~, Bevölkerungs~ und Klimaschutz angeregten Studie wurden Fehler in der Überflutungsvorsorge eingeräumt, wie der Hessische Rundfunk bereits gestern meldete. So habe man, so der Sprecher in HR1, kleinere Flüsse wie die Ahr nicht korrekt kartiert, das müsse nachgebessert werden. Und siehe da wie Recht die haben:
    Erinnern wir uns doch mal an den Ausruf eines Pendlers im Jahr 2002 am Dresdener Hbf.: Huch, dies‘ Bächlein floß gestern hier noch nicht hehe!

    Freundschaft und schöns Wochenende 😉

    • sascha313 schreibt:

      …wenn das mal kein Zufall ist!

      • Erfurt schreibt:

        Man muß die Meldungen der Staatsmedien nur richtig interpretieren. Wenn es heißt, daß Flüsse nicht ausreichend kartiert sind, heißt das, daß man Immobilien und Gebäude in einstige Flußläufe gesetzt hat. So wie den Dresdner Hbf. in das ursprüngliche Flußbett der Weißeritz die zu diesem Zwecke kanalisiert und umgeleitet wurde.

        Der Dresdner Hbf. wurde eröffnet am 23. April 1898

    • Erfurt schreibt:

      Quelle: http://www.weisseritz.de/weisseritz.php

      Und weil’s so schön ist 😉
      Huch, dies‘ Bächlein was ich sehe,
      floß gestern hier noch nicht hehe!

      Profitgier steckt hinter Flußbegradigungen!

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