Jürgen Heidig: Das makabre 65-jährige »Jubiläum« des KPD-Verbotes und die angebliche »Gewaltenteilung« in der BRD

KPDAm 17. August 1956 erklärte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) als Verfassungsorgan und Institut der »Gewaltenteilung« die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) für verfassungswidrig und sprach damit das Verbot dieser Partei aus. Der Weg zum Verbot der KPD vor 65 Jahren ist an makabren Details kaum zu überbieten.

Die von den Altvorderen des deutschen Monopol- und Finanzkapitals in das Grundgesetz der BRD vom 23. Mai 1949 geschriebene Staats-doktrinäre »Gewaltenteilung« dient den Emissären der Bourgeoisie bis heute als grundlegendes Instrument ihres Machterhaltes. Dieses direktive staatliche Prinzip entlarvte sich von Beginn an als pure Farce. Bereits das mit der bundesdeutschen Staatsgründung zum Einsatz gebrachte staatliche Führungspersonal ist dafür ein Spiegelbild.

Die faschistische Kontinuität in der BRD

Mit der Übertragung von zentralen verantwortlichen Funktionen in den fünf ständigen Verfassungsorganen und Instituten der Gewaltenteilung, Deutscher Bundestag, Bundesrat, Bundesregierung, Bundesverfassungsgericht und Bundespräsident an einstige geistige Wegbereiter und Organisatoren des faschistischen Deutschen Reiches bestimmte deren faschistisches Gedankengut und Weltanschauung bis in die Siebzigerjahre die bundesdeutsche Politik im Sinne des Monopol- und Finanzkapitals.

Internationale Proteste gegen das KPD-Verbot

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Demonstration des VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerks


Die Fakten:

  • »Noch 1957 waren in […] (der) Regierung (Adenauers) 18 Minister, die Mitglieder der NSDAP oder der SA waren. […] Den heutigen Auslandsgeheimdienst BND ließ Adenauer von dem Nazi-General Gehlen aufbauen.« [1]
  • »So konnten unzählige Nazis ihre Karrieren fortsetzen, besonders im Staatsdienst und gerade bei der Justiz. […] Ende der sechziger Jahre waren fast alle Abteilungsleiter (des Bonner Justizministeriums) ehemalige Nazis.«[2]
  • Ein Faschist als deutscher Bundeskanzler von 1966 bis 1969: »Kiesinger, Kurt Georg, 1933–1945 Mitglied der NSDAP, Mitglied der CDU ab 1946, 1958–1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg«.
  • Ein Faschist als deutscher Bundespräsident von 1974 bis 1979: »Scheel, Walter, 1941–1945 Mitglied der NSDAP, Mitglied der FDP ab 1946«.
  • Ein Faschist als Präsident des Deutschen Bundestages von 1976 bis 1979: »Carstens, Karl, ab 1933 Mitglied der SA, 1940–1945 Mitglied der NSDAP, Mitglied der CDU ab 1953«. [3]
  • »Alle wichtigen Verfassungsorgane der Bundesrepublik haben im Grunde hier komplett versagt. […] kein einziger Richter (ist) in der Bundesrepublik Deutschland für das, was er in der NS-Zeit getan hat, je zur Verantwortung gezogen worden.« [4]

Zu der Heerschar faschistisch geprägter »neuer« alter Verantwortungsträger gehörte 1949 auch der deutsche Jurist Willi Geiger. Im faschistischen Deutschland war Geiger Mitglied der NSDAP und der SA und seit 1934 einer ihrer Rottenführer. Von 1941 bis 1943 fungierte Geiger als Staatsanwalt des Sondergerichtes in Bamberg.

Der Nazi und BRD-Verfassungsjurist Willi Geiger

Zitat:

»Er fällte dort in mindestens fünf Fällen Todesurteile, darunter gegen einen 18-jährigen, der sexuelle Handlungen an einer Minderjährigen, die etwas jünger als er selbst war, begangen haben soll. Ein Gnadengesuch des Verteidigers wegen der Jugend des Angeklagten wies Geiger zurück. Er nahm an der Hinrichtung teil und setzte durch, daß sie durch Plakate und Pressehinweise öffentlich bekannt gemacht wurde. Ein anderes Urteil betraf einen Zwangsarbeiter, der gegen sechs bis acht junge Burschen, die auf ihn einprügelten, ein Taschenmesser gezogen hatte. Geiger legte nachdrücklich Wert darauf, das Todesurteil durch Plakatierung bekannt zu machen.

Mehr als alle anderen Richter war […] Geiger […] mit der Erarbeitung sowohl des Grundgesetzes als auch des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes betraut. 1950 wurde er als sogenannter ›neutraler‹ Richter […] an den Bundesgerichtshof (BGH) berufen. Ab 1951 war er Präsident eines Senats. Von 1951 bis 1977 war er Richter des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) und damit zehn Jahre zugleich an BGH und BVerfG.

Durch die Freigabe der Protokolle des Bundeskabinetts stellte sich später heraus, daß er fortlaufend die Regierung Adenauer über die internen Entscheidungsprozesse in BGH und BVerfG informiert hatte. Geigers Amtszeit war die längste aller Verfassungsrichter«. [5]

Die „abendländische Rechtsstaatlichkeit“

Mit derartigen »demokratisch« legitimierten »Fachpersonal« wurde das Staatstragende und lautstark proklamierte, angeblich »voneinander unabhängige und sich gegenseitig kontrollierende« Wirken der Verfassungsorgane/Institute der »Gewaltenteilung« bereits in der jungen BRD ad absurdum geführt. Trotz allem wird in der bürgerlichen rechtswissenschaftlichen deutschen Literatur bis zum heutigen Tag die »Gewaltenteilung« hochtrabend und mystisch verbrämt als »anerkannter Grundsatz abendländischer Rechtsstaatlichkeit« gepriesen.

Es gibt keine Gewaltenteilung in der BRD

Selbst bei der Annahme einer derart funktionierenden »Gewaltenteilung« sollte nicht nur jedem Staatsrechtler die Demokratie-tötende Wirkung dieses staatlichen Führungsprinzips klar sein. Denn insbesondere mit der formulierten und vor allem der praktizierten »Gewaltenteilung« zwischen Deutschem Bundestag (Legislative) und Bundesrat (Exekutive) sowie Deutschem Bundestag (Legislative) und Bundesverfassungsgericht (Judikative) wird die Festlegung des Artikels 20 (2) GG »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus« als eine oberflächliche, substanzlose Floskel entlarvt. So stellt die »Gewaltenteilung« das Paradebeispiel für das glanzlose Gegenteil einer angeblich vom »Volk« ausgehenden »Staatsgewalt« dar.

Die bundesdeutsche »Gewaltenteilung« kennzeichnet ein einheitliches, koordiniertes und zeitlich exakt abgestimmtes Zusammenspiel der Verfassungsorgane/Institute der »Gewaltenteilung«. Das Ziel, Sicherung der Herrschaft des Monopol- und Finanzkapitals, der kapitalistischen Gesellschaft immer im Focus. [..]

Der jüngste Versuch des Bundeswahlleiters Georg Thiel und seines Bundeswahlausschusses vom 8. Juli 2021, die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) nicht zur Bundestagswahl 2021 zuzulassen, war nur eine weitere praktizierte Variante des kapitalgetragenen bundesdeutschen Staates zum makabren 65-jährigen »Jubiläum« des KPD-Verbotes ihr permanentes Ziel auf kaltem Wege zu erreichen.

Jürgen Heidig

[1] »Junge Welt«, »Im Tigerkäfig des CIA«, vom 14. August 2012.
[2] »ZDF Frontal 21«, »Juristen mit NS-Vergangenheit«, vom 7. Mai 2013.
[3] Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/ wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_ nach_Mai_1945_politisch_tätig_waren, aufgerufen 15. Mai 2012.
[4] »ZDF Frontal 21«, »Juristen mit NS-Vergangenheit«, Beitrag von Prof. Manfred Görtemaker, Historiker an der Universität Potsdam, vom 7. Mai 2013.
[5] Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Geiger_(Richter), aufgerufen am 17. August 2020.

Quelle:
https://vakanz13blog.wordpress.com/2021/08/16/das-makabre-65-jahrige-jubilaum-des-kpd-verbotes-und-die-manipulative-farce-der-staats-doktrinaren-bundesdeutschen-gewaltenteilung/ (gekürzt! – Vielen Dank an den Autor Gen. Jürgen Heidig!)

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14 Antworten zu Jürgen Heidig: Das makabre 65-jährige »Jubiläum« des KPD-Verbotes und die angebliche »Gewaltenteilung« in der BRD

  1. Weber Johann schreibt:

    Sascha, Deine Faktenliste möchte mit dem Nazi Schüle ergänzen. Eine sehr „wichtige Person“ bei der angeblichen Verfolgung der Naziverbrechen.

    Adenauer war erst 1958 bereit die Zentrale Stelle in Ludwigsburg zu errichten, deren Aufgabe es sein sollte Naziverbrecher zur Verantwortung zu ziehen. Der Vorsitzende war der Nazi Erwin Schüle.

    Hier drei Quellen, zuerst ein Auszug aus dem Spiegel, beachte aus dem Jahre 2008 und dann zwei aus DDR-Zeitungen, beachte aus dem Jahre 1965.

    „Spiegel“ vom 28.11.2008:
    NS-Aufarbeitung
    Nazijäger mit Vergangenheit

    Sie sollte aufklären und wurde selbst zum Skandal: 1958 nahm in Ludwigsburg die Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen ihre Arbeit auf. An ihrer Spitze – ein ehemaliges NSDAP-Mitglied.
    Als Oberstaatsanwalt Erwin Schüle am 1. Dezember 1958 die neu gegründete Behörde mit dem sperrigen Namen „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrecher“ bezog, musste er mit seinem kleinen Mitarbeiterstab zunächst die Diensträume entrümpeln.“

    Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 3.2.1965
    Schüle deckte Nazi-Mörder
    „Ludwigsburg (NZ/ADN). Aus gut unterrichteten. Kreisen wurde jetzt bekannt, daß der von der DDR als Nazi und Kriegsverbrecher entlarvte Bonner Oberstaatsanwalt Erwin Schüle seit Jahren die von ihm geleitete westdeutsche zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen dazu mißbraucht hat, im Bonner Geheimdienst untergetauchte Massenmörder und Gestapo-Agenten vor einer Strafverfolgung zu bewahren. Wie der amerikanische Deutschlandexperte und ehemalige hohe Beamte der Washingtoner Kommission zur Aufklärung von Kriegsverbrechen T. H. Tetens in seinem Bericht „The new Germany und the old Nazis“ bewiesen hat, beschäftigt der ehemalige Spionage-General Hitlers und jetzige Bonner Ministerialdirektor Reinhard Gehlen in seinem „Bundesnachrichtendienst“ 4.000 ehemalige SS-Offiziere und Agenten des Sicherheitsdienstes Himmlers.“

    „Berliner Zeitung“ vom 8.2.1965
    Die Nazi-Spinne
    „Seit Jahren amtiert Erwin Schüle als Vertrauensmann der Bonner Regierung zur „Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechen“ in Ludwigsburg. Ahnungslos reichen ihm Widerstandskämpfer und Nazi-Opfer aus ganz Europa Dokumente und Unterlagen ein, die der Aufklärung der Verbrechen des Faschismus dienen sollen.
    Und nun entpuppt sich dieser Jurist mit der scheinbar strahlend weißen Weste als eine von vielen tausend Nazi-Größen, die in Westdeutschland nicht nur Unterschlupf gefunden haben, sondern amtieren. Als Politiker, Wirtschaftsführer, Militärs, Juristen.
    Nazi-Schüle aber hebt sich durch eines von ihnen ab — durch bodenlose Abgefeimtheit. Jahrelang hat er sich mit aller Kraft dafür verwendet, daß die Nazi-Schlangengrube in Westdeutschland nicht ausgemerzt wurde, sondern getarnt, gesichert, gehegt werden konnte. Kleine Fische ließ er fangen, von denen er genau wußte, daß seine Kumpane im Justizdienst ihnen „Bewährung“ oder sogar „Befehlsnotstand‘“ zuerkennen würden. Er war die Spinne im Netz, das sorgfältig gewoben wurde, um die Öffentlichkeit zu bluffen.

    Nun ist er entlarvt, der Nazi-Schüle. Und nach einigem Hin und Her, nach Ableugnen und Dementis, geben seine Vorgesetzten im Stuttgarter Justizministerium zu: Jawohl, wir haben schon immer gewußt, daß er ein waschechter Nazi war, aber was tut das? Wir haben ihn trotzdem auf seinen Posten gestellt. Eine Erklärung, die keines weiteren Kommentars bedarf.“

    Ein Blick zurück:
    Adenauer brauchte 9 Jahre bis er gezwungenermaßen diese Behörde installierte. 9 Jahre hatten die Nazi, die Kriegsverbrecher Zeit sich „rein zu waschen“. Mitte der 1960-iger Jahre war der Höchststand der Mitarbeiter in dieser Zentralen Stelle in Ludwigsburg ganze 115 Personen.

    Nochmals ein Blick zurück:
    Bundeskanzler Kohl hat bereits 1 Tag nach der Wiedervereinigung die Gauck-Behörde installiert. Anzahl der Beschäftigten im Jahre 1994 waren 3.164 Personen (Höchststand).

    Ich zitiere aus Wikipedia:
    „Am 4. Oktober 1990 übernahm der ehemalige Rostocker Pastor Joachim Gauck das Amt des Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die Stasi-Unterlagen. Mit Inkrafttreten des Stasi-Unterlagen-Gesetzes am 29. Dezember 1991 wurde er der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Wegen ihres langen amtlichen Titels wurde die Behörde daraufhin kurz Gauck-Behörde genannt.“

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich habe noch das Braunbuch der DDR, und wenn man da auch nur reingesehen hat, ist man über den westdeutschen Staat voll informiert. Ein ganzes Buch voller Nazis, die im dort wieder am Werkeln waren. Und den von ihnen erzogenen Leuten sind wir heute ausgeliefert. In meinem Fall habe ich bemerkt, dass der „Buschfunk“ noch voll intakt ist, Gewaltenteilung ist ein Witz.

    • Harry56 schreibt:

      Liebe Gen. Hanna, ich habe mir dieses Braunbuch schon vor einigen Jahren von ZVAB (Bücherantiquariat) zuschicken lassen, und natürlich, weil ich hier in diesem Blog darauf aufmerksam wurde.
      Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang auch noch sehr gut an die „Filbinger-Affäire“ um den damaligen MP von BaWü, Hans Filbinger in den späten 1970er Jahren.
      Er verurteilte in einen von den Briten geführten Kriegsgefangenenlager in Norwegen zwei junge deutsche Matrosen wegen „Fahnenflucht“ zum Tode, die Urteile wurden vollstreckt, mit von den Briten an diesen Filbinger bzw. seinen Nazi-Schergen übergebenen Gewehren.
      Dieser Filbinger musste um 1978 zurücktreten, blieb aber bis zu seinem natürliche Tod im Alter von 92 Jahren Ehrenvorsitzender der CDU von BaWü.
      Nun, was können wir daraus lernen?
      Wurde der so genannte „Faschismus“ wirklich überall 1945 „besiegt“?

      Wir sollten uns weniger um pure Ideologie(Propanganda, auswendig erlerntes seichtes Geschwätz),, sondern vielmehr um wahre Machtverhältnisse Gedanken machen, darüber versuchen aufzuklären!

      Beste soz. Grüße an dich!

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Danke, Johann, ich grüße herzlich zurück. Du erwähnst den Fall mit den Matrosen. Es gab in der DDR einen Film „Rottenknechte“ (2 Teile), da ging es zwar nicht direkt um Filbinger, jedenfalls taucht der Name in dem Film nicht auf, aber genau so einen Fall beschreibt der Film. Zu Kriegsende soll ein deutsches Kriegsschiff noch einmal gegen den „Feind“ auslaufen, inzwischen aber wurde in Berlin die Kapitulation unterzeichnet, und die Besatzung will wieder zurück in einen deutschen Hafen, für sie ist der Krieg zu Ende. Als die noch funktionierende Marine davon hört, wird das Schiff geentert, mehrere Matrosen werden zum Tode verurteilt, und das Urteil wird vollstreckt. Hinter dem Ganzen steckte die Dönitz-Regierung, die ja nach der Kapitulation noch eine ganze Zeit dank der Westalliierten weiterexistierte. Das alles geht aus dem Film hervor. Ein guter Film nach Erlebnisberichten von beteiligten Matrosen.

      • Harry56 schreibt:

        Hallo Hanna, ich bin Harry, nicht Johann! Aber vielen Dank für diesen Film – HInweis aus der DDR – Zeit!

        Herzlicher soz. Gruß an dich! 🙂

  3. Weber Johann schreibt:

    Folgende Zeitungsartikel zum „Braunbuch“ sprechen für sich.

    Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 18.10.1967
    „Unerhörter Willkürakt Braunbuch beschlagnahmt — DDR-Verlage protestieren

    Frankfurt/Main (NZ/ADN).
    Das Frankfurter Amtsgericht ließ am Dienstagvormittag auf der Frankfurter Buchmesse das vom Staatsverlag der DDR ausgestellte „Braunbuch über die Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik“ beschlagnahmen. Dem Beschluß war ein Amoklauf der Bonner Behörden gegen dieses entlarvende dokumentarische Werk vorausgegangen.

    Der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer hat gegen die Beschlagnahme des Braunbuches Beschwerde eingelegt.

    Unmittelbar nach der Beschlagnahme protestierten 33 ausländische und westdeutsche Verlage gegen diese rechtswidrige Maßnahme, durch die es den Verlagen der DDR unmöglich gemacht werden soll, in Zukunft an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen. Die Sowjetunion kündigte einen scharfen Protest an.

    Zahlreiche meist junge Messebesucher trugen Sich aus Solidarität für den Staatsverlag der DDR in eine Liste ein, die dort ausgelegt wurde.
    Der Verlag sah sich außerdem einem Sturm von Bestellungen des Braunbuches gegenüber.

    Aus Protest gegen den Willkürakt haben die DDR-Verlage ihre Ausstellungsstände abgebrochen und die Internationale Frankfurter Buchmesse verlassen.“

    Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 19.10.1967
    „Bonn schützt Kriegsverbrecher

    Nicht von ungefähr haben Kiesinger und Barzel gegen das Braunbuch der DDR gewettert. Der Zusammenhang dieser Attacke mit dem Beschlagnahmeakt eines willfährigen Richters auf der Frankfurter Buchmesse ist eindeutig. In einem Kommentar des niederländischen Rundfunks wurde diese jüngste „Nacht und Nebelaktion“ verglichen mit einer „Inquisition, für die die Gestapo in ihren besten Tagen sich nicht zu schämen brauchte“.

    Worum wurde diese Aktion gestartet? Weil Kriegs- und Naziverbrecher auch heute noch in Schlüsselpositionen Westdeutschlands sitzen und den besonderen Schutz der herrschenden Kräfte genießen.
    Im Braunbuch wurde nachgewiesen, daß 1800 Exponenten der Bonner Politik durch ihre nazistische Vergangenheit schwer belastet sind,

    – daß allein 21 Minister und Staatssekretäre, 100 Generale und Admirale der Bundeswehr, 828 hohe Justizbeamte, Staatsanwälte und Richter, 245 leitende Beamte des Auswärtigen Amtes, der Botschaften und Konsulate sowie 297 mittlere und hohe Beamte der Polizei und des Verfassungsschutzes einflußreiche Stützen der Hitlerdiktatur waren,

    – daß der jetzige Bundespräsident Lübke als Verantwortlicher für geheimste Rüstungsvorhaben der obersten Naziführung am Einsatz und am Tod vieler hundert Häftlinge des unterirdischen Konzentrationslagers Leau bei Bernburg mitschuldig war.

    Diese Verbrechen werden von der Bonner Regierung noch immer gedeckt, und die dokumentarische Wahrheit insbesondere über die Vergangenheit Heinrich Lübkes soll unterdrückt werden.

    Es ist bezeichnend, daß die gleiche Presse, die den Willkürakt bejubelt, diejenigen beschimpft, die gegen die Nazi und Hetzliteratur auf der Buchmesse demonstrierten. Ungehindert von Justiz und Obrigkeit durften westdeutsche Verlage ihre Pamphlete über die Nazithesen von den „kommunistischen Todfeinden Deutschlands“ und die Verherrlichung des faschistischen Raubkrieges ausstellen.

    Auch das ist ein Beitrag zur „neuen Politik“ der Kiesinger-Regierung. In nichts hat sich die Politik gegenüber der alten gewandelt.“

    „Berliner Zeitung“ vom 27.10.1967
    „Noch beschlagnahmt

    Berlin. ADN/BZ – Bis zum heutigen Tage hat der Staatsverlag der DDR als rechtmäßiger Eigentümer weder das Braunbuch noch die Bestellisten, die auf der Buchmesse in Frankfurt am Main von der Bonner Justiz widerrechtlich beschlagnahmt wurden, zurückerhalten. Das teilte Manfred Tomuschat, Direktor des Staatsverlages der DDR, in einer Erklärung am Donnerstag mit. Darin werden auch die gezielten Falschmeldungen zahlreicher westdeutscher Presseorgane zurückgewiesen.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Johann – das entspricht – wenn auch in bescheidenerem Maße – in etwa dem, was Youtube und Co. heute mit unerwünschten kritischen Beiträgen veranstalten: sie werden gelöscht!

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Interessant ist aber auch das Verhalten der Ärzteschaft. Es waren nicht nur die Ärzte, die an den „Experimenten“ in den KZs und an der „Euthanasie“ (Erlösung) und den Sterilisierungen beteiligt waren und die in Nürnberg vor Gericht standen. Die gesamte Ärzteschaft mit Ausnahmen, die es immer gibt, war faschistisch „umprogrammiert“ worden, die Vokabel „Volksgesundheit“, die heute „so ganz normal“ in die Diskussion geworfen wird, sollte mit allen medizinischen Mitteln erreicht werden, der „arische Mann“ z. B. sollte seine Männlichkeit beweisen, indem er Schmerzen ertrug, und die Ärzte waren zur Denunziation ihrer Patienten verpflichtet. Was sie oftmals auch taten.

    Die „Rassekunde“ war allgegenwärtig. Sicher, es gab Ärzte, die sich dem entziehen konnten, die den Hippokratischen Eid noch nicht vergessen hatten. Es gibt Berechnungen, nach denen ca. 2.000 jüdische Ärzte in den KZs ermordet wurden, nachdem ihnen die Approbation entzogen wurde. Nach dem Krieg praktizierten viele dieser faschistischen Ärzte in Westdeutschland weiter, bekannt ist Verschuer, der „Doktorvater“ von Mengele, der sogar in höchste ärztliche Gremien aufstieg und bis zu seinem Tod niemals belangt worden war. Das ist für die heutige Zeit sehr interessant, und zwar deshalb, weil zum Beispiel mit der „Herdenimmunität“ genau das erreicht werden soll, was die faschistische Medizin anstrebte und wogegen der Nürnberger Kodex niedergelegt wurde. .

    • Erfurt schreibt:

      Anm.: Im DDR-Sprachgebrauch wurde der Begriff Herdenimmunität nicht verwendet. Dafür gab es den Begriff Kollektivimmunität, das Kollektiv schützt.

      • sascha313 schreibt:

        Is klar – wenn ein Tierarzt und Günstling von Gates der Vorsitzende des RKI wird, dann werden auch die Menschen eher schlechter behandelt als das liebe Vieh…

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Stefan, In der DDR brauchten wir ja auch keine Angst zu haben vor den Impfstoffen, da war es angebracht, dass die ganze Bevölkerung geimpft wurde. Heute aber? Was mit der „Durchimpfung“ der Bevölkerung mit einem überflüssigen, giftigen Zeug beabsichtigt wird, können wir nur ahnen. Gates und Co. haben offensichtlich weitreichende Pläne mit den Spritzungen, egal, ob es um den Profit geht, um den es vor allem geht, oder um „Euthanasie“. Die Zahlen der Todesfälle und schwersten Nebenwirkungen weltweit sprechen für sich. Es geht nicht um Verantwortungslosigkeit, sondern um ein so ungeheures Verbrechen, dass ein Vergleich mit der Nazizeit durchaus angebracht ist.

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